011. Der Koran, das heilige Buch des Islams. Plötzlich war es da
011
Islam braucht Kritik. 2. Themenkreis
Spott unerwünscht, Gott ließ notieren
Der
Koran
Die drei ehrwürdigen Feen-Kraniche oder
die Achillesf-v-erse des Qur`an
Jacques Auvergne
Verse. Dabei geht es, recht unabhängig von Rushdies herrlichem Roman, nur um eine winzige Stelle des Korans, um ganz wenige halbe Sätze.
Eine Stelle innerhalb der 53 Sure “Der Stern“, die in üblich unklaren Worten das Verhältnis vom neuen monopolistischen Allah-Gott zu den drei Stadtgöttinnen von Mekka, al‑Lat, Manat und al-Uzza beleuchtet, wie at‑Tabari um 900 n. Chr., mithin etwa gute eineinhalb Jahrhunderte nach der Hidjra-Flucht erklärte. Historisch interessant, zeitgebunden, und allein hier liegt brisanter Zündstoff, denn ein zeitgebunden-weltlicher Kontext ist in einem Buch überflüssig, dessen ’Kopie seit aller Zeit im Himmel liegt’, wie der Koran sich andeutet.
Die Kaaba war vor Mohammed da. Die drei Göttinnen der Stadt waren da. Andere arabische Siedlungen hatten uralte Götterpärchen oder auch Götterdreiheiten mit einem männlichen Gott (Hubal und wohl auch mal der ein oder andere Allah). Heilige Felsen oder heilige Akazienbäume waren Sitz dieser Orts- oder Stadtgottheiten, in Mekka ein gewisser schwarzer Meteorstein. Animismus, Fetische und Mythen. Polytheïsmus pur.
Welchen Status aber sollten die drei Glücksbringer Mekkas künftig haben? Und nun, so der frühmittelalterliche at‑Tabari und viele andere eben bis zum modernen Rushdie, käme der Verwirrungsversuch des Iblis-Teufels ins Spiel. Uns Abendländern eventuell symbolisch der ’Verführung des Jesus in der Wüste durch den Teufel’ vergleichbar, einer eher marginalen und auch nur wenig bekannten Stelle des Neuen Testaments.
Der bis auf die Sicht der weiseren Sufi-Mystiker in der Ausdeutung einer islamischen Orthodoxie auf himmlisch-glasklare Perfektion wert legende Koran hat hier in wenigen Halbsätzen und in den auf sie bezogenen Überlieferungen jener angeblichen “Korrektur am Folgetag“ einen Punkt der Angreifbarkeit. Damit aber wurden die Verse sozusagen als zur ’Achilles‑Ferse des Koran’. Das allein bereits, der ’Fingerabdruck des Teufels’ im noch unfertigen Heiligen Buch des Islam könnte die Wut erklären, die seitens islamistisch‑radikaler Brandstifter bis zum Tötungsaufruf gegen den modernen Schriftsteller reichte.
Wobei die weltweit randalierenden Rushdie‑Gegner sicherlich Rushdies phantastischen Roman gar nicht erst gelesen hatten und aus Konformitätsdruck mit johlen.
Die Fähigkeit vieler Muslime im Vergleich zu derjenigen von Angehörigen aller anderen Religionen und Kulturen sich als ’bedauernswertes kleines Opfer’ zu stilisieren scheint nahezu unbegrenzt. Diese taktisch dosierte Larmoyanz kann auch mal unter Iham (sunnitisch) bzw. Taqiyya (schi’itisch), gottgefälliger Verstellung verbucht werden, wenn auch die Angst vor sozialer, vor allem großfamiliärer Ausgrenzung im Vordergrund stehen dürfte. Taqiyya heißt: lügen für Allah.
Hätten die drei weiblichen Gottheiten, zu denen Mohammed als frommer polytheïstischer Araber mit seinen Großeltern noch brav gebetet haben dürfte, in der künftigen Politreligion Islam höchste Halbgöttinnen oder göttliche Feen sein können, ehrwürdige kranichgleiche Engel? Der Teufel habe dem Propheten eben dieses eingeflüstert. Am nächsten Tag jedoch flog der Schwindel des Satans auf, und der Engel, später dann zumeist für Gabriel gehalten, stellte den Betrug klar.
Jacques Auvergne
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Februar 27, 2008 um 11:03
Ich möchte Sie nicht persönlich angreifen, es tut mir aber in der Seele weh, wenn Sie schreiben “es gab wohl den einen oder anderen Allah” Ich bin Muslim. Ich bin zum Islam konvertiert.
Die Bibel sagt: (Der Teufel führte Jesus in die Wüste und bot ihm alle Herrlichkeit und allen Reichtum der Welt, wenn er ihn anbeten werde)
SATAN BIETET GOTT DIE HERRLICHKEITEN UND DER LEBENDIGE GOTT SCHREIT AM KREUZ HILF MIR ?) Auch für uns ist Jesus ein Prophet aber Sie sollten sich doch bitte erst einmal mit allen Unstimmigkeiten der Bibel auseinandersetzen, bevor Sie den Islam als lächerlich darstellen.
Ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute und hoffentlich finden Sie den Weg, Friede mit Ihnen.
Februar 27, 2008 um 3:11
Sehr geehrter Herr Ibrahim O,
fern liegt mir die Absicht, mit meinen islamkritischen Worten Menschen und damit auch muslimische Menschen persönlich zu beleidigen. Viele meiner Nachbarn oder Kollegen und wenige meiner Freunde gehören dieser Weltreligion an. Ich bin schon vor knapp dreißig Jahren mit jungen Türken zur Schule gegangen wenn auch leider ein religionskritisches Gespräch mit guten 99 % dieser Muslime nicht sinnvoll möglich ist.
Dass der Rest der Welt ein Problem mit dem traditionellen Islam und dem politischen Islam hat muss allerdings angesprochen werden.
Die Bibel ist ein Blumenstrauß voller Widersprüche, gerade ihre Unlogik und Unperfektion macht sie menschlich. Sie stammt für säkularisierte Christen eben nicht von einer imaginierten Gottesfigur sondern versammelt Spuren des Denkens, Leidens und Erlebens von Hunderten von ebenso idealistischen wie fehlbaren Menschen zu einem Buch der Sorgen und Hoffnungen, der Visionen und Neurosen, zu einem halbwahren Geschichtsbuch. Für den nur in wenigen Jahrzehnten entstandenen sowie im Schnitt für den ein Jahrtausend jüngeren Koran gilt im Prinzip dasselbe.
Ein Propheten- und Gottesbild symbolischer militärischer Unbesiegbarkeit wie das des Islams scheint gerade die heutigen Jungen und die Männer eher zur Mitleidlosigkeit und zum Sadismus zu erziehen. Die militärische Niederlage des symbolisch leidenden Jesus lässt heutige Menschen ihr alltägliches großes und kleines Scheitern vielleicht gefasster betrachten.
Der Koran, sehr geehrter Herr Ibrahim O, ist nicht von einer Gottheit aufgeschrieben oder diktiert worden. Der Koran, und dass zu benennen trauen sich immer mehr Muslime auf der ganzen Welt, wiederspiegelt das Sittenverständnis und die Machtpolitik der Arabischen Halbinsel der Zeit vor 1.400 Jahren sowie die seelischen Spannungen des vaterlos aufgewachsenen Mohammed. Insbesondere das in Koran, Sunna (Hadithen) und Scharia gleichsam eingefrorene Frauenbild als spaltende (fitna) defizitäre und dumme Verführerin (’awrah) ist entmenschlichend und menschenunwürdig. Damit freilich auch die krampfhaft siegreiche, dauergeile Männer-Rolle. Ich erhoffe mir bei Ihnen ein Erkennen der Lächerlichkeit dieser machistischen und längst veralteten Männer- und Frauenbilder, wie sie noch die Mehrheit der islamischen Geistlichkeit als “pädagogisch wertvoll” erklärt.
Die damaligen Menschen der Arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert (oder auch im 6. oder 5. Jh.) waren nicht besser oder schlechter als wir Europäer es heute sind. Geschichte verdient stets unseren tiefen Respekt. Sie als Konvertit zum Islam sollten allerdings nach den Opfern der Islamisierung der jeweiligen Territorien fragen. Verteidigen Sie etwa das sakrale Kastensystem der Dhimma (Dhimmitude)? Dann tun Sie das laut und öffentlich, das trüge zur Klärung des Konflikts zwischen Demokratie und Scharia nutzbringend bei.
Die ebenso physikalisch nichtreale wie kollektiv erwünschte Figur Allah (psychischer Realität) ist in der Tat aus verschiedenen maskulin gedachten Gottheiten zusammengeschmolzen worden. Mohammed nahm dazu gewaltige Anleihen bei der jüdischen, christlichen, gnostischen und altarabisch-polytheistischen Religion. Gerade auf Mekka und sein Umland bezogen war die Errichtung des Islams eine Minus-Rechnung, eine Subtraktion: Der Pantheon, der Plural der Göttinnen und Götter wurde reduziert, der Meteorstein konnte in der Kaaba verbleiben: Der erwünschte wie verehrte unsichtbare Gott Allah blieb übrig. Eineinhalb Jahrtausende zuvor ist der jüdische monotheistische Gott El/Jahwe ähnlich aus Polytheismen (Baal-Ammon; Verbot der Göttin Aschera) erwachsen, theokratische jüdische Orthodoxe hören das aber erklärlicherweise nicht so gerne. Ein wichtiger männlicher Gott der Araber war Hubal. Allah ist die männliche Entsprechung zu al-Lat, “die Göttin”, einer der drei Göttinnen der Stadt.
Wir können und wir brauchen nicht “mit dem Rotstift” an die heiligen Schriften der Menschheit heran gehen. Diese, Tora und Talmud, Veda und Bhagavad-Gita, Tao Te King und Koran, Edda und Kalevala, Odyssee und Ilias sowie die christliche Bibel, sie alle sind ein kostbarer Schatz und gehören zum kulturellen Erbe der immer mehr zusammen wachsenden Welt.
Zehn Prozent der Worte des Korans, den ich seit langer Zeit sehr gut kenne, finden mein Wohlwollen, neunzig Prozent muss ich als Demokrat, als Jugenderzieher sowie als künstlerisch und mythologisch geschulter Mensch sehr ablehnen.
Pflegen Sie Ihre ganz persönliche Religion. Entdecken Sie Ihre ganz persönliche Religion, immer wieder neu, immer wieder anders.
Es ist in einer säkularen Demokratie möglich, den Islam als lachhaft darzustellen, diese Möglichkeit sollten Sie als gläubiger Muslim mit uns Islamkritikern (christlich, atheistisch, muslimisch, jüdisch) verteidigen helfen.
Der bisherige Islam hat nahezu jedes freie Denken und nahezu jede sexuelle Selbstbestimmung zerstören helfen. Das aber ist einer Religion unwürdig. Der derzeitige Islam windet sich schmerzverrenkt in einer gewaltigen Krise, und aus beleidigt spielender Furcht vor Veränderung lässt er es zu, dass radikale Muslime weltweit etwa den koranisch wie schariatisch begründbaren Mord an Apostaten kultivieren oder, um Ihr Wort “lächerlich” aufzugreifen, die Demokratie der Lächerlichkeit und sogar dem Hass preisgeben gegenüber einem herbeigesehnten Gottesstaat.
Zur Lösung der Weltkrise Islam, der globalen Islamproblematik, des weltweiten Islamproblems müssen alle etwas beitragen, nicht zuletzt die Muslime selbst. Nebenbei scheint mir der christliche Kreationismus, der Angriff etwa nordamerikanischer Evangelikaler auf die Ideengebäude von Charles Darwin und Sigmund Freud ein Risiko zu sein, doch geht die größte Bedrohung der offenen Gesellschaft und des freien Denkens vom derzeitigen Islam aus. Im Klartext: Von Ihrer persönlichen neuen wie persönlich erwählten Religion! Ob Sie sich dazu jemals werden bekennen können?
Das würde mich sehr freuen, und wenn Sie dann sogar - oder: Gerade, bewusst - immer noch bekennender Muslim wären, dann würden Sie meinen besonderen Respekt verdienen. Möglicherweise benötigen Sie allerdings zu diesem Zeitpunkt Wachmann und Bodyguard, um nicht von glaubenseifrigen Mitmuslimen verprügelt zu werden. Andere haben sich nach der soundsovielten Morddrohung einen handlichen Schraubenzieher ausgeliehen. Für das Klingelschild. Zum Abschrauben.
Der nichtmuslimische Teil der Welt sagt bisweilen bereits ebenso “Nein!” zum totalen und totalitären Anspruch des Polit-Islams auf die Weltpolitik wie erste islamkritische Muslime selbst etwa die persönlichkeitsverzerrende Jungen- und Mädchenerziehung der islamischen Alltagskultur in Frage stellen.
Im Charakter wie in der Religiosität ist jeder Mensch ist ein wenig anders. Als Bürger müssen wir Demokraten jedem Menschen gleiche Rechte zugestehen, sogar, und dass muss man den meisten derzeitigen Muslimen erfahrungsgemäß jeden Tag sagen: sogar Frauen und Ungläubigen. Eine Weltanschauung nämlich, die Ungläubige, Homosexuelle, Atheisten oder unverschleierte Frauen als sittlich minderwertig betrachtet hat wie es der traditionelle und der auch der radikale Islam nun einmal tun, bedroht die säkulare Gesellschaft. Mögen Sie einen Islam leben, der den demokratischen gesellschaftlichen Frieden nicht gefährdet.
Ich wünsche Ihnen und ich wünsche mir eine eigenwillige und eigensinnige Religiosität, die unserer Einzigartigkeit ebenso gerecht wird wie unserem leiblichen und seelischen Heilsein und Heilwerden.
Mit freundlichen Grüßen
Jacques Auvergne