003. Blutrache und Clan-Ethos versus Persönlichkeitsrechte. Kulturelle Moderne

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Kulturelle

Moderne

Kulturelle Moderne

Integrationskritik, 10. Themenkreis

Jacques Auvergne

Der Islam ist in der kulturellen Moderne noch nicht angekommen, einzelne Muslime sind es durchaus.

Auf eine solche Behauptung erfolgt seitens der Autochthonen gewöhnlich einiges Geschnatter und Geschrei, vor allem soweit sie den Gutmenschen‑Milieus der ehemaligen Achtundsechziger zuzurechnen sind: “Ihr macht den Allochthonen das Leben schwer!“ Andere Stimmen, bezeichnenderweise nicht selten von selbst bestimmten Migrantinnen und Migranten selbst, fordern provokant, patzig und stolz: “Muslimas, kommt endlich in der Moderne an: legt euer Kopftuch ab!“, wie Frau Ekin Deligöz sinngemäß forderte. Islamisten beuten die verlogene oder einfach nur dumme Gutmütigkeit der Post‑Achtundsechziger, wie sie gehäuft etwa im evangelisch-grünen oder pädagogisch‑sozialpädagogischen Umfeld zu finden ist, verhaltnismäßig gnadenlos aus.

Alte Europäer, niederländisch nennt man sie Autochthone, und muslimische Migranten (sog. Allochthone) sind die Hauptakteure in dem, was sich als Integrationsaufgabe für die Zukunft Westeuropas stellt, Russlanddeutsche und Roma folgen dieser riskanten Problematik, Kriminalität und Drogen sind die Schattenzonen des gesamten Szenarios der Integration, Massenarbeitslosigkeit und Ellbogengesellschaft malen den düsteren Hintergrund. Soweit die spannende Szenerie.

Autochthone und Muslime, in beiden Akteurgemeinschaften gibt es Untergruppen, die die Integration zu behindern bestrebt sind. Unter den Deutschen werden es die Rechtsradikalen sein die ein Interesse daran haben, die Kluft zwischen Einheimischen und Zugewanderten zu vertiefen, unter den Migranten sind es auch die Anhänger des Traumes vom Idealstaat, dem Kalifat (Chilafa). Kalifatsbegeisterte, die nicht selten die Regierung des jeweiligen Herkunftslandes im Sinne der dort kämpfenden oder gar terrorisierenden Islamisten-Oppositionen in Frage stellen. Diesen Kampf bringt Migration notgedrungen nach Europa mit. Führende geistige Brandstifter der islamistischen Terrorszene fanden zudem in Europa Unterschlupf, oft als politisch Verfolgte.

Prof. Bassam Tibi erkennt, wie verhängnisvoll sich Kreise der gesinnungsethischen linken Gutmenschen selbst verordneter Fremdenfreundlichkeit, mit den radikalen Islamisten kooperierend und ihr gemeinsames Tun dann christlich‑islamischen Dialog nennend gegen das wichtige Ziel der Integration stellen. Den Fremden zu exotisieren und zu romantisieren (Rousseaus edler Wilder, aber zugleich sozusagen paradiesisch‑kommunistisch) oder ihm gar Sonderrechte einzuräumen (welche Moslems endgültig als ’Kaste’ um- und ausgrenzen würden), dafür haben die alten Linken Verständnis. Vielleicht aus Bequemlichkeit?

Es besteht die Gefahr, gerade angesichts des seit etwa 2000 verstärkt anzutreffendenen esoterisch-antiaufklärerischen Hinwendens großer Bevölkerungsanteile der Nichtmuslime Nordamerikas und Europas zum halbwissenschaftlichen Gedankengut etlicher Biologismen (Hirnforschungsbiologismus, gender‑Biologismus, ID als kreationistischer Biologismus), dass kühne Figuren wie der Selbstmordattentäter, der Hassprediger oder der polygame Ehrenmörder bereits heute als ’vitaler Naturbursche’ angesehen werden. Sex‑appeal hat al‑Qaida ohnehin, das sind doch mal ganze Kerle. Der Orient – der Islam – ist wieder geheimnisvoll, wie schon zu Zeiten des Baus der Bagdadbahn. Nach Menschenrechtsverletzungen im Orient, bei denen sich die Aggressoren regelmäßig auf den Islam berufen fragen Europas Linke nicht so gern.

Islam behindert den Einzelnen, von seinen Talenten Gebrauch zu machen. Genau solches aber muss Demokratie fördern wie fordern, etwa durch Schulpflicht und Verbot arrangierter Ehen. Leider ist die (noch) «offene Gesellschaft» mehrheitlich nicht ohne inneres Knirschen in der Lage, Ähnlichkeiten zwischen Faschismus und Islamismus zu erkennen.

Ein wie auch immer geartetes Bewusstsein dafür, dass es in der kulturellen Moderne auf die Trennung von Staat und Religion ankommt, ist im Islam nicht vorzufinden und wird sich seitens der weltweiten islamischen Geistlichkeit auch auf Generationen nicht entwickeln. Persönliche Islamisierung heißt für jeden Muslim heute immer auch antidemokratische Gehirnwäsche, zumal die absolute Würde des Menschen in Koran, Hadithen und Scharia ebenso wenig anerkannt ist wie die rechtliche absolute Gleichheit zwischen Frau und Mann.

Stattdessen melden muslimische Eltern ihre Kinder vom Kunstunterricht ab, boykottieren muslimisch dominierte Klassen im Biologieunterricht Evolution bzw. Landwirtschaft (Schwein), dürfen Töchter nicht auf Klassenfahrt und werden jährlich seit etwa 1990 viele 15- oder 16jährige Mädchen im Sommerurlaub in der Türkei verheiratet. Ohne dass ein Politiker von SPD oder GRÜNEN das anzusprechen wagt.

Der Islam ist in der kulturellen Moderne noch nicht angekommen. Einzelne Muslime sind es durchaus.

Jacques Auvergne

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