007. Islamismus und Terror? Islam und Terrorismus

007

Integration braucht Kritik

6. Themenkreis

Muslimischer

Terror

Von der Politreligion Islam zum

muslimischen Terror

Von Jacques Auvergne

Sie haben es wieder getan. Gestern, Sommer 2007. Zwei engagierte muslimische Briten gestalteten ihre Freizeit an diesem Wochenende in einer aus ihrer Sicht fraglos ’gottgefälligen, sozialen und verantwortungsvollen’ Weise, indem einer von ihnen sich als lebende Bombe einen Sprengstoffgürtel umlegte, beide sich in einen Jeep setzten und brachial in das Foyer des um diese Zeit äußerst belebten Flughafens der schottischen Stadt Glasgow zu rammen trachteten. Ihr Ziel war es, mit einer Bombenexplosion möglichst viele Reisende zu töten und möglichst viele weitere zu verletzen. Ihr Ziel war es auch, die offene britische Gesellschaft dahingehend einzuschüchtern, solche frevlerischen Dinge wie den emanzipatorischen Schriftsteller Salman Rushdie mit dem unlängst erfolgten Ritterschlag (Sir S. Rushdie) staatlich zu würdigen doch künftig zu unterlassen. Das islamisch‑lebensmüde Wochenendprojekt misslang. Der eine Moslem zündete sich sofort selbst an und liegt nun mit schwersten Brandverletzungen im Krankenhaus von uns ’Ungläubigen’. Der andere Brite konnte verhaftet werden und lebt vorläufig im Gefängnis.

Zunächst sollte, die Muslime unter den Lesern selbstverständlich eingeschlossen, unser aller Dank der guten Arbeit der Polizei und, wie im Fall des erst vor drei Tagen verhinderten doppelten Autobombenattentats in London, auch den aufmerksamen britischen Bürgern gelten.

Vor drei Tagen nämlich wurden in der Londoner Innenstadt, am Trafalgar Square und im Nachtclub‑Viertel, zwei bis auf den letzten Kubikzentimeter mit Benzinkanistern und Nagelpaketen voll gestopfte Kraftfahrzeuge geparkt. Mindestens eines der als Zünder dieser Autobomben eingebauten Mobiltelefone wurde zwei Mal angerufen. Aus bislang noch ungeklärter Ursache kam es nicht zur Explosion. ’Glasgow / London’ begingen muslimische Ärzte.

Ein vorgestern Nacht von BBC interviewter britischer Muslimvertreter zeigte Interesse und Empathie für die Täter, die sich frustriert fühlen über die viele Ungerechtigkeit in der Welt, etwa im Irak. So macht er die Täter zum Opfer – es sei denn ich sehe das falsch und vermag das ’soziale Mitgefühl’ der Terroristen ebenso wenig zu würdigen wie deren ’Demokratiekritik’ und gottesstaatlichen Idealismus. Für die Opfer tat der Interviewpartner kein Wort der Aufmerksamkeit kund.

All das ließ mich an ein Radiointerview aus dem Sommer 2005 denken. Auch damals wurde ein britischer islamisch‑geistlicher Führer nach seiner Meinung zu etwaigen Integrationsdefiziten junger Muslime befragt. Tage vorher, am 7. Juli, geschahen die schrecklichen Londoner Terroranschläge auf das Bus- und Straßenbahnsystem mit vielen Toten. Der fromme Mann also beklagte die alienation and marginalisation der Täter und ihres bedauernswerten Umfeldes. Derart implizit mit weiteren Attentaten drohend aber ebenso implizit uns Europäern gleich den rettenden Ausweg anbietend, der sanfte Friedensstifter: weniger Fremd‑Machen (alienated, entfremdet) und weniger Klein‑Machen (marginalisieren) seitens der Mehrheitsgesellschaft gegenüber dem radikalen Islam und ihr Europäer bekommt weniger Bombenattentate. Aha: wir haben sie fremd gemacht. Wir halten sie klein. Daher also die Bomben.

Daher der Terror: reine Notwehr gegen die wahren Aggressoren, die europäischen Demokratien, welche frevlerisch das edle Kalifat verschmähen.

Ich weiß bis heute nicht, ob radikale Moslems das wirklich glauben oder nur sagen nach dem Grundsatz: mal sehen, ob die Dhimmis kuschen, – einmal ausprobieren, ob wir mehr Muslime mehr Privilegien, Sonderrechte bekommen.

Ein junger aus Nordafrika stammender Salafist sagte mir 2004: “Die Juden haben euch Europäer mit Pornographie und Kapitalismus kaputt gemacht – jetzt wollen sie auch uns Muslime kaputt machen“. Er besorgte sich in jenen Monaten einen grauen fußlangen Kittel und ließ sich in der folgenden Zeit einen heute halbmeterlangen Bart wachsen. Damals drückte er mir frommfiebrig Broschüren der Jugendorganisation WAMY in die Hand in denen explizit jede Demokratie als Menschenwerk genannt wird. WAMY-Texte einer sicherlich genau beabsichtigten Sprachweise, welche jede Menschenordnung als Gotteslästerung darstellt: nur der Islam sei Gottes Ordnung für das Zusammenleben von Menschen. (allen Menschen). Man sah den jungen Mann noch einmal, wie er beim Versuch, auf sein Fahrrad aufzusteigen, ob des frommen Kittels beinahe auf der anderen Seite herunterfiel. Naja, Moslem‑Radeln üben wir noch.

Abschließend nennenswert erscheint mir der evangelische Pfarrerseminarleiter, welcher im Herbst 2006 in einer Predigt mit explizitem Blick auf die weltweiten islamischen Krawalle in den Tagen nach des Papstes Regensburger Rede ausführte, wir Christen hätten große Schuld auf uns geladen bei der Reconquista Spaniens und bei den Kämpfen um Konstantinopel. Nanu? Ist mir entgangen, dass die frisch islamisierten Mauren durch Spaniens Bevölkerung freudig herein gebeten wurden? Andererseits hat der Pfarrer doch irgendwie Recht: es war ja schließlich mehr als unhöflich von uns, die vor den Stadtmauern des nachmaligen Istanbul zeltenden Seldschuken frustriert sitzen zu lassen, so entfremdet – und so klein gemacht.

Jacques Auvergne

3 Antworten to “007. Islamismus und Terror? Islam und Terrorismus”

  1. G3ro Says:

    Yo!
    „Pädagogische Islamkritik“ ist dein Titel… Gerade in (sozial-)pädagogischen Kreisen scheint ja nach wie vor deutlich eine kritikabwehrende kulturrelativistische Sichtweise zu dominieren. Weißt du zufällig in diesem Bereich von Fachleuten, die gegen diesen Mainstream auf der Basis einer Islamkritik Stellung zur pädagogischen Integrationsdebatte nehmen? Oder irgendwelche Texte in deinem Blog speziell hierzu, Links, Bücher etc. (wenns geht mit möglichst wissenschaftlichem Anspruch)?
    Beste Grüße!
    G3RO

  2. Jacques Auvergne Says:

    Necla Kelek ist Pädagogin und hat
    den Durchblick.

    Seyran Ates, Serap Cileli lesen wir mit
    Gewinn. Ansonsten leben wir im
    Untergrund, huschen mit Salman
    Rushdies „Die satanischen Verse“
    durch Deutschlands Hochschulgelände
    wie flüchtige Hühnerdiebe.

    Gut sind „ifi (Christine Schirrmacher)“ und
    die Sozialpädagogin Ümmühan Karagözlü,
    überhaupt … meine BlogRoll (zumal da
    ja auch g3ro drin ist). Der Rest pennt noch!

    Jacques Auvergne

  3. Pléthon Says:

    :::

    Zur islamwissenschaftlichen Unbrauchbarkeit des Olivier Roy

    Olivier Roy versucht, einen bezeichnend geheimnisvoll bleibenden islamischen ‚Neofundamentalismus‘ vom ‚Islamismus‘ abzugrenzen. Was bislang eher nicht zu überzeugen vermag, zumal keine Vordenker bzw. Wortführer genannt werden (können), die Maududi oder den frühen Wahhabiten (beide zählt Roy zum putschistischen bzw. revolutionären ‚Islamismus‘) ganz und gar fern stehen.

    Andererseits ließe sich mit Olivier Roy vielleicht von einer „schleichenden Revolution“ sprechen, das Kalifat kommt eben nicht als Staatsstreich, sondern gewissermaßen im Schneckentempo, Kopftuch für Kopftuch und Straßenzug für Straßenzug.

    Alles eine Frage der Machtverhältnisse?! Entscheidender ist letztlich, dass es nur ein Medina-Modell gibt, nur eine Scharia, nur einen Islam … und nur eine Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die freiheitliche Demokraten auch im Namen von Tradition oder Religion nicht überwinden sollten.

    Gerade der angeführte Maududi steht mit Worten wie „Reiße den heidnischen Tempel in deinem eigenen Herzen ein!“ für die individuelle oder „quietistische“ Verantwortung (am Aufbau der islamischen Gesellschaft, ja), gegen den islamrevolutionären Planstaat „von oben“, Maududi mahnt den Einzelnen (!) zur konsequenten Übernahme der von der Hisba gebotenen Rolle, je nach (z.B. säkularem) Gegendruck kann islamische Seinsweise nur graduell realisiert werden.

    Dass der Islamtheoretiker einen islamischen Nationalstaat als höchstes Ziel gar nicht ersehnen, sondern eher als eitel oder gottvergessen verwerfen musste, liegt aus koranischer Sicht auf der Hand, Maududi:

    „This Islamic Revolution is not confined to any particular state or states but meant for the world as a whole.“

    aus: Jihad in Islam, Kapitel: A World Revolution, Seite 20

    vgl. dort Seite 24

    „will not allow gambling“,

    Glücksspiel verboten, nach Olivier Roy eine der Kern-Definitionen für ‚Neofundamentalismus‘.

    Heilssicherung Scharia

    Weil Olivier Roy den ‚Neofundamentalismus‘ (was für ein Wortungetüm, wie wäre es mit Islam?) richtig als Schariabewegung versteht, sollten wir den auf Rettung der Seele zielenden, d.h. den religiösen Gehalt der schariatischen Lebensführung kenntlich machen; davon bleibt unberührt, dass eine einigermaßen ausgedehnte Schariapraxis mit den allgemeinen Menschenrechten kollidiert und dass eine halbierte (unvollständig implementierte) Scharia für besonders gottesfürchtige Muslime bedeuten müsste, den Koran oder Islam zu halbieren, etwas Unerträgliches weil Heilsgefährdendes also.

    :::

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