012. Kopftuch spaltet. Frau ist nicht Mann. Nichtmuslim ist nicht … Muslim

012

1. Themenkreis der Integrationskritik. Kopftuchdebatte

Frauenhaar … macht den frommen Mann nervös

Konfliktfeld

Kopftuch

«Sündiges Frauenhaar,

hehrer Mannesblick»

worum es beim deutschen

Lehrerinnenkopftuch geht

Jacques Auvergne

Eine türkischstämmige Kölner Publizistin brachte es auf den Punkt, sinngemäß spottete sie: “Habe ich das richtig verstanden – die Frau soll ihr Kopftuch tragen, damit der Mann, der zufällig neben ihr auf der Parkbank zu sitzen kommt, nicht sexuell erregt wird durch den Anblick ihrer Haare … warum soll dann der Mann nicht ’sein Kopftuch’ tragen, damit die Frau, die zufällig neben ihm auf der Parkbank zu sitzen kommt, nicht sexuell erregt wird durch den Anblick seiner Haare?“

Aha: Männer dürfen ihn, und wohl auch: Männer müssen ihn haben, den Jägerblick auf der Suche nach dem beunruhigenden Frauenkörper, so zumindest lehrt uns die Hijab- bzw. Tschador-Logik. Naja: “Das, was verboten ist, das macht uns richtig heiß“, so nannten es die wilden Siebziger Jahre.

Männer dürfen also nach Lustobjekten gucken, Frauen nicht. Der Mann ist auch bitteschön nie Objekt. Frauen hingegen verführen Männer und bringen fitna, Unruhe, in die Männergemeinschaft. Mithin ist die Frau wohl selbst bei einer Gruppenvergewaltigung stets schuldig und der Mann knabenhaft-engelgleiches, unschuldiges Opfer. Die Frau, so die Shari’a, sie wird als Ehebrecherin schon mal gesteinigt, der Mann nie – es sei denn, er wäre schwuler Muslim oder wäre aus dem Islam ausgetretener Ex‑Muslim.

Männer- und Frauenpsyche seien wesensgemäß verschieden. Um 2000 oder 2007 ist das leider ein Problem im Hinblick auf den bei uns Nordamerikanern und Europäern gerade modernen Biologismus à la Eva Herman oder Pease / Pease. Wird die Gender‑Apartheid des Islam in deutschen Plattenbauten attraktiv, hat die shariakonforme Frauenunterdrückung für haltlose Deutsche, gerade auch für deutsche Frauen, Sex-Appeal?

Das Kopftuch signalisiert klar. “Ich bin keinesfalls lesbisch, und ein schwuler Sohn wäre mir und Allah ein Gräuel!“ Welche alltägliche Gewalt daraus für homosexuelle Angehörige muslimisch geprägter Familien zwischen Marokko und Indonesien die Folge sein kann ist auch für Europäer vielleicht zu ahnen. Kulturell wie psychisch jedenfalls Vormoderne – und Vordemokratie.

Der EU-beitrittsverliebte Premier Erdogan lässt seine Töchter im Land der Ungläubigen studieren, damit sie weiterhin ihr Kopftuch tragen dürfen – in der laizistischen Türkei nämlich sind Kopftücher für Schülerinnen oder Studentinnen vor mehreren Jahrzehnten durch Mustafa Kemal, ’Atatürk’, verboten worden.

Koptuchträgerinnen werden Qur’an und Shari’a lieben oder zu lieben vorgeben müssen, heiliges Buch und Religionsgesetz, in denen beiden festgeschrieben ist, dass die Aussage einer Frau vor Gericht weniger gilt als die eines Mannes und dass eine Frau nur einen Bruchteil von dem erben darf was der Mann erbt. Ein klarer Verstoß gegen Menschenrechts‑Charta und BRD-Grundgesetz. Folglich müssten wir Europäer, deren Rechts- und Selbstverständnis von Renaissance, Aufklärung, Französischer Revolution und Totalitarismuskritik geprägt ist, eigentlich dem Shari’a-Islam als einem Gefängnis der Lernhemmnisse und Denkverbote bewusst entgegentreten.

Für die Geschichte leugnenden Denkverbote im Islam, dazu gehört der Genozid an den Armeniern ebenso wie eine jede Dhimma-, Shari’a- oder Korankritik, wird das ’textile Symbol Kopftuch’ zeichenhaft ebenso stehen wie für die politisch relevante Forderung nach der Sakraldiktatur, dem Kalifat.

Für Säkularität, das heißt für eine Zweiheit aus Politik und Religion, eine Zweiheit, die allein dem Demokraten wie der Demokratie den Raum der ’Luft zum Atmen’ schafft, für sie ist in islamischen Gesellschaften kaum mehr als ein erster Ansatz zu sehen. Für Säkularität steht das Kopftuch nicht – zeitgleich wird es in islamischen Enklaven Europas eifrig beworben oder gar erzwungen.

Bis nach Somalia und Indonesien sind die strengsten Kopftuch-Formen unter iranischem oder wahhabitischem Einfluss erst in den letzten drei Jahrzehnten in Mode gekommen. Professor Bassam Tibi beschreibt, wie er auf Reisen in Südostasien und Afrika in vielen Gegenden muslimische Frauen ohne Kopftuch traf, mitnichten “alle Muslimas“ also tragen Kopftuch/Niqab/Hijab. Klägerin Fereshta Ludin etwa ist Kind einer nicht Kopftuch tragenden Mutter.

Islamische Renaissance und bronzezeitliche Hinterwäldlerei fusionieren in unseren westeuropäischen Stadtzentren im Umfeld von islamistischen Bünden wie Muslimbruderschaft, Milli Görüs oder Hizb ut‑Tahrir. Der Traum vom Kalifat trifft auf die Ehrenmordpraxis, die arabisch-nazistische moderne Muslimbruderschaft trifft auf die archaischen Genitalverstümmelungspraktiken an Kindern (mit der vormodern-inhumanen Routine-Zirkumzision eigentlich auch an Jungen).

Islami(sti)scher Terror. New York, Bali, Djerba, Madrid, London. Die Terroristen stammten nicht aus den religiösen Kulturen der Shinto, Buddhisten oder Juden, sie kamen nicht aus Brasilien oder China. Die Terroristen sind Muslime. Sie sind nicht selten nach Europa eingewanderte Muslime. Diese Täter sind nun nicht gerade als scharfe Kopftuchgegner bekannt.

Das Kopftuch kann wohl auch einmal Ausdruck persönlicher Sinnsuche sein, als Zeichen des Glaubenseifers. Aber auch für eine Nähe zur koranisch legitimierten Gewalt gegen die angeblich minderrangigen Nichtmuslime kann das Kopftuch stehen. Für vehemente Frauenemanzipation indes steht das Kopftuch wohl kaum, kaum für die Abkehr von Gewalt in der Erziehung, kaum für Verzicht auf die Arroganz ’muslimischer Herrschaftsberechtigter’ gegenüber den Dhimmis, den geringer wertigen Andersgläubigen.

Lehrerinnen und Lehrer haben für die absolute Gleichberechtigung von Mann und Frau Vorbild zu sein, für die Gleichwertigkeit aller Menschen unabhängig von der Religion bzw. Nicht-Religion. Aus dem derzeitigen Islam aber darf ein Mensch nicht austreten, nie – und dafür steht das Kopftuch. Wenn es noch eine Möglichkeit gibt, das vielschichtige Symbol Kopftuch aus den Klassenzimmern Europas und Deutschlands herauszuhalten, dann sollten Bürgerinnen und Bürger, denen Demokratie am Herzen liegt, diese wichtige Chance ergreifen. Viele muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger sind in diesem Sinne unter uns aktiv, meist in einiger Sorge vor ’ihren Leuten’.

An der beruflichen Eignung einer etwaigen Kopftuch tragenden europäischen Hochschullehrerin, Kindergärtnerin oder Richterin hinsichtlich ihrer weltanschaulichen Neutralität habe ich erheblichen Zweifel, wenn es etwa gilt, dass diese ein ’modern gekleidetes’ Vergewaltigungsopfer oder einen homosexuellen Menschen oder einen korankritischen Menschen zu bewerten hätte. Wer den Glauben ans Kopftuch in die Dienstzeit hinein nimmt, der wird womöglich den Glauben ans Grundgesetz hintanstellen.

Kopftuch ist die Unterscheidung zwischen rein und unrein, zwischen Himmel und Hölle, zwischen ’wir’ und ’die Anderen’, zwischen fromm und ausplündernswert. Das ’Prinzip Kopftuch’ scheidet – ganz in der Tradition des spätantik-persischen Extremdualisten Mani – Licht von Finsternis, Mann von Frau, halal von haram, Kalifat (Gotteswerk) von Demokratie (anmaßendes Menschenwerk, gotteslästerliche Hybris).

Das Kopftuch ist schwer befrachtet. Die vielen schweren Ketten aus Shari’a (Körperstrafen) und Qur’an (Apostasie-Verbot bei Todesdrohung) hängen ebenso daran wie die modernen Islamismen (Neo‑Antisemitismus, Terrorsympathie, Kalifat-Bestreben).

Auch für die uralte arrangierte Ehe und/oder Zwangsverheiratung, auch für die türkische Cousinenehe steht das Kopftuch.

Kopftuch ist Dualismus, Aufspaltung. Kopftuch ist die neurotische Spaltung der einen Welt in rein contra unrein, die Spaltung der einen Menschheit in Gläubige versus Ungläubige.

Kopftuch wird zum Prinzip.

Jacques Auvergne

2 Antworten to “012. Kopftuch spaltet. Frau ist nicht Mann. Nichtmuslim ist nicht … Muslim”

  1. Thomas Says:

    Sehr traurig wie Sie über den Islam denken. Mir scheint Sie haben sich nie damit auseinandergesetzt und schreiben bloss Ihre beschränkte Meinung. Was für Pflichten der Mann und die Frau haben, und die daraus resultierenden verschiedenen Rechte, die Vorteile und das Erheben der Frau zu etwas Besonderem im Islam, nicht wie hier in Deutschland wo es nur um das Äussere geht
    (ehrlich, wenn eine Frau nicht hübsch ist wird sie nicht beachtet und erhält seltener einen Job, das war bereits so in der Schule, wenn die Mädchen ihren Busen hervorhoben für bessere noten…).

    Mal ganz davon abgesehen. Bedenkt doch mal folgendes: Eine nach Ihrer Meinung unterdrückte Frau mit Kopftuch hat studiert und möchte einen akademischen Beruf ausüben (komisch, ich dachte wenn man so unterdrückt ist bleibt man die ganze Zeit zuhause, ist ungebildet und darf kein Geld besitzen) und wer hält sie davon ab?! Nicht die ach so bösen „islamischen Männer“, nein, die deutsche Gesellschaft beschneidet die Freiheit und Rechte der islamischen Frau.

    Und da will mir einer noch sagen wir wären tolerant, sicher, auf dem Papier doch wenn uns etwas nicht passt und wir unsere Meinung gebildet haben, lassen wir es nicht zu, dass dies geändert wird.

    Eine muslimische Frau kann ja laut deutscher Meinung nicht frei sein und arbeiten, also was tun, richtig, man verbietet es ihr wenn sie frei sein will,

    SCHÖN, SIE HABEN ES GESCHAFFT!!!

  2. Jacques Auvergne Says:

    Lieber Thomas,

    ganz offensichtlich sind Sie über meine Meinung bezüglich einer Weltreligion, der islamischen nämlich, nicht begeistert.

    Wir beide sind zwei Menschen, zwei verschiedene Menschen. Und es wäre doch schade, wenn zwei verschiedene Menschen nicht auch zwei verschiedene Meinungen hätten.

    Selbstverständlich empfehle ich Ihnen, sich meiner Meinung in Sachen Kopftuch, Scharia und Koran anzuschließen. Lesen Sie die Blogs „Sägefisch“ und „Schariagegner“ (Ümmühan Karagözlü, eine intelligente Muslima), lesen Sie Bassam Tibi, Necla Kelek, Wafa Sultan, Ibn Warraq, Seyran Ates und Ayaan Hirsi Ali.

    Darf ich annehmen, dass Sie Muslim sind? Warum sagen Sie das nicht … bekennen Sie sich dazu, explizit. Das vereinfacht den Dialog.

    Halten Sie die Bundesrepublik für eine unfreie Gesellschaft? Haben Sie eine bessere, empfehlen Sie uns Verfassungs- und Grundrechtsänderungen? Dann teilen Sie der geschätzten Leserschaft diese Ihre Vorschläge und Anregungen doch einfach mit.

    Islam ist seit 1.400 Jahren die geradzu industrielle Frauen-Entwürdigung, ein System der Herabwürdigung und Unterdrückung der Juden, Christen, Frauen und Atheisten – weltweit. Dieses System kollidiert mit dem Rechtsstaat der kulturellen Moderne.

    Ganz recht, in den Schulen und im öffentlichen Dienst möchte ich kein Kopftuch/Hijab/Niqab sehen, wenn ich dazu mithelfen kann, bin ich zufrieden.

    Kommen Sie auf unsere Seite, bekämpfen Sie den Fundamentalismus und die Theokratie! Mir scheint es, dass Sie Ihre Meinung ändern sollten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jacques Auvergne

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