028. Der Ehrenmord von Mönchengladbach

028

Islamische Männer- und Frauenrollen.

Mord aus gekränkter Ehre? März 2007

Rukiye und Derya

Leben am Niederrhein

Ganz ungern besprochen:

ein rheinischer Doppelmord

Von Jacques Auvergne

Mehrere Fälle von islamisch-patriarchalischem so genanntem ’Ehrenmord’ sind uns wohl allen gut im Gedächtnis geblieben, vor allen Dingen der ’Ehrenmord’ an der kurdischen Berlinerin Hatun Sürücü, zu dem Ümmühan Karagözlü vom Netzwerk Schariagegner in den nächsten Tagen noch ein paar Zeilen schreiben wird. Doch ist über einen Ehrenmord bislang nicht so viel zu erfahren gewesen, nämlich über den Mönchengladbacher Doppelmord vom 09. März 2007. An diesem Tag erschoss Erol Peşter seine seit vier Jahren um Trennung bemühte Ex‑Ehefrau Rukiye und die gemeinsame Tochter Derya vor den Augen der zwei anderen gemeinsamen Kinder.

Die Behörden, Beratungsstellen, Verbände, Kirchen und Parteien der Stadt und der Region bemühten sich um Stillschweigen. Die Schaufensterveranstaltung Integration indes wird eifrig gepflegt

Mönchengladbach‑Rheydt 2007, Ortsteil Bonnenbroich, Frankenstraße 8. Die vergessene westdeutsche Großstadt ist durch demographischen Wandel, den katastrophalen Niedergang der Textilindustrie und eine unverstandene Zuwanderung gekennzeichnet.

Die Gruppe armseliger Mietskasernen in der Merowingerstraße, Salierstraße und Frankenstraße wird im Volksmund auch Papageienviertel genannt, doch weiß längst niemand mehr, ob es den papageienbunten Balkonverkleidungen liegt oder an der ethnisch bunt gemischten Zusammensetzung der Bewohner. Russlanddeutsche, Somalier, Kurden, Senegalesen und ärmliche Ureinwohner leben in ihren untereinander ebenso scharf abgegrenzten Milieus wie auch der gesamte Komplex in Richtung der alten aussterbenden Dorfkerne von Bonnenbroich‑Geneicken oder gar zum mittelständischen, reichen Viertel Hardterbroich‑Volksgarten bei aller räumlichen Nähe sozial abgekoppelt ist.

Eineinhalb Kilometer nur, doch vermutlich geht monatelang kein Mensch jemals den Weg von Volksgarten zum Papageienviertel.

In diesen Tagen im November 2007 lief in der Großstadt Mönchengladbach der Prozess gegen den Ehrenmörder Erol Peşter an und einige Zeitungen berichteten kurz, im Wesentlichen aber soll der Ehrenmord sogar im Mönchengladbach‑Rheydt des Jahres 2007 selbst unbemerkt geblieben sein, so gut sind die Alteingesessenen ganz offensichtlich in der hohen Kunst des Wegsehens und Schweigens eingeübt.

Erol Peşter wurde zwangsverheiratet, seine Frau Rukiye freilich ebenso. Man musste also zusammenleben, so, wie es die türkischstämmige muslimische Großfamilie so arrangiert hatte, zumal, wie in Zwangsheiratskreisen üblich, viel Geld geflossen sein wird. Erol Peşter indes misshandelte und vergewaltigte seine Frau ebenso wie seine Cousine über viele Jahre hinweg.

Für den 09. März 2007, war die Gerichtsverhandlung zum Sorgerecht für die drei Kinder anberaumt. Einen Tag also nach dem Weltfrauentag. Der als Misshandler und Vergewaltiger polizeilich gesuchte und in die benachbarten Niederlande geflüchtete Erol Peşter betrat seelenruhig und zum Schrecken von der Ex‑Ehefrau und ihrer Anwältin Gülsen Celebi den Gerichtssaal. Zwei Stunden später und drei Kilometer entfernt erschoss er Frau und Tochter, richtete beide kaltblütig und sorgsam geplant hin. Zwei Stunden oder 3.000 Jahre, drei Kilometer oder 3.000? In Nordrhein‑Westfalens Einwandererghettos herrscht eine andere Zeitrechnung, doch das hat die Mönchengladbacher Justiz im März 2007 übersehen.

November 2007. In Handschellen wird der glatzköpfig rasierte Erol Peşter in den Saal des polizeilich gesicherten Landgerichts geführt. Alle Besucher mussten durch zwei Ausweiskontrollen. Die Schwester der ermordeten Rukiye stellt sich diesen Minuten mit Entschiedenheit und Zivilcourage, sie, schwarzer Hosenanzug und hochgesteckte blonde Haare, nimmt die verspiegelte Brille ab und zeigt dem Mörder ihrer Schwester mutig ihr Gesicht. Zeigt damit also auch ihrem Schwager ihr Gesicht.

Der Schwager als der Mörder, der ehrenmordende Schwager. In der Türkei, in der nahezu täglich ein Ehrenmorde geschieht, nun wirklich nichts Ungewöhnliches. Für Westeuropäer jedoch etwas irritierend.

Offenes Haar, solch eine Frau hat womöglich ein eigenes Bankkonto und eine selbst bestimmte Sexualität. Schwarzer Hosenanzug, so könnte eine Karrierefrau gekleidet sein, die einer Arbeit nachgehen darf oder gar beruflich erfolgreicher ist als mancher Mann. Die anderen Frauen im Publikum indes tragen fromme lange Mäntel und fromme strenge Kopftücher. Der Islam spielt für sie also eine Rolle. Mantel und Kopftuch, womöglich sind diese Frauen traditionellen oder islamistischen Milieus zugehörig, die auf eine Berufstätigkeit oder sexuelle Selbstbestimmung ihrer Töchter und Frauen keinen großen Wert legen.

Und Erol Peşter gehörte wohl solch einem Milieu ebenso an wie er es zu verewigen trachtete, jedenfalls erschoss er seine trennungswillige Frau in den Stunden nach der Sorgerechts‑Verhandlung des Familiengerichts, das zu betreten der polizeilich Gesuchte die Dreistheit hatte. Dann fuhr Erol Peşter zu dem ärmlichen Mönchengladbacher Mietshaus, der Wohnung seiner Ex‑Frau und wartete auf ihr Erscheinen.

In den letzten fünfzehn Monaten hat er oftmals an dieser Stelle auf sie gelauert, um sie einzuschüchtern. Das war Polizei und Jugendamt bekannt. Viele Nächte des Jahres 2006 verbrachte der Ex‑Ehemann im Auto vor dem Haus. Er konnte sich wohl mit dem auch mit der Scharia kaum in Übereinstimmung zu bringenden Trennungswunsch Rukiyes nicht abfinden, er fürchtete soziale Ächtung in seinem ebenso traditionalistischen wie fundamentalistischen Milieu. Oder mag im Vordergrund gestanden haben, dass er die Frau als Eigentum betrachtet? Es mag auch sein, dass Peşter sein Tun koranisch legitimiert hätte. Peşter schweigt dazu. Vielleicht hält er das deutsche Gericht für wenig zuständig. Die türkische Wagenburg Familie ist nicht säkular, nicht zu verstaatlichen. Das Gefängnis Familie ist Ehrensache.

Peşter schweigt zur Demokratie. Haben wir Demokraten ihm überhaupt erklärt, wie er hier in Deutschland leben kann, leben soll?

März 2007. Der Mann wartet vor dem Haus, die Pistole unter der Jacke. Und richtig, da kam sie, seine Ex‑Ehefrau. Sein Besitz. Die Verhinderin seiner wiederherzustellenden muslimisch‑machistischen Ehre.

November 2007. Der 39jährige Erol Peşter blickt nur selten zu seinen Verwandten hinüber. Er ist des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes angeklagt.

März 2007. Denn Erol Peşter hätte seinen damals zwölfjährigen Sohn Orkan ebenfalls erfolgreich getötet, wäre der Junge nicht in Todesfurcht und im Zickzack hinter geparkte Autos springend vor seinem Vater geflohen, weshalb der Schuss Orkan nicht traf. Peşter also schoss zuerst auf seine 38jährige Ex‑Frau Rukiye und soll, wie Augenzeugen berichten, einen Fuß auf die am Boden Liegende gesetzt haben und Rukiye noch zwei Mal in den Kopf geschossen haben. Mit einem Mobiltelephon versuchte die achtzehnjährige Tochter Derya die Polizei anzurufen. Die Ziffern 1, 1 und 0 konnte Derya noch tippen. 110, das wäre die deutsche Polizei gewesen. Da aber schoss der 39jährige dann auch auf seine Tochter, die allerdings noch ein paar Minuten lebte. Der neunjährigen Tochter gelang es, sich im Hausflur zu verstecken. Peşter flüchtete vom Tatort und Polizei und Notarzt kamen rasch, jedoch starb die achtzehnjährige Derya im Rettungshubschrauber auf dem Weg in die Notaufnahme. Eine Stunde nach der Tat stellte sich Peşter in 15 km Entfernung bei der Polzei der Stadt Viersen.

Der Mörder Peşter selbst sagt, er habe die Tat aus Wut begangen, weil „keine Einigung erzielt worden war“, worüber auch immer, und weil er „die Kinder nicht der Frau überlassen“ wollte“, so jedenfalls konnte uns die Staatsanwaltschaft am 29.10.2007 erklären, die neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld eine zusätzliche Sicherungsverwahrung anstrebt.

Rechtsanwältin Gülsen Celebi nennt die Tat einen „Mord aus falsch verstandener Ehre“: Erol Peşter, so Celebi weiter: „nahm die Scheidung und den Streit ums Sorgerecht sehr persönlich und fühlte sich aufgrund seiner traditionell geprägten Moral- und Ehrvorstellungen (…) und des Verhaltens seiner Frau verletzt und gedemütigt“.

Die Auslöschung der, so ließe sich sagen, ebenso antitürkischen wie antiislamischen Familie, war sie die letzte Möglichkeit, Erol Peşters Ehrbegriff beziehungsweise Gottesbegriff zu retten?

Allah dient eben nicht der Selbstverwirklichung sinnsuchender westeuropäischer Wohlstandsgören. Allah ist der Gott des Gefängnisses Familie.

Im Jahre 2003 wollte sich Rukiye von ihrem Mann endgültig trennen, was ihr aber nicht gelang: ihr Ex‑Ehemann zwang sie mit Gewalt dazu, mit ihm zusammenzuleben. Erst fünfzehn Monate vor dem Mord konnte sie ihn vor die Türe setzen, woraufhin Erol regelmäßig im Auto vor der Haustür übernachtete, was dem ebenso elenden wie dicht bevölkerten Häuserblock unmöglich entgangen sein kann. Erol bedrohte und schlug seine Ex‑Frau, die mehrfach in ein Frauenhaus flüchten musste. Der Psychoterror wurde also vom Straßenviertel des Mönchengladbacher ’Papageienviertels’ gedeckt, aus welchen Hoffnungen oder Ängsten auch immer. Obschon ja jede Beratungsstelle und Behörde längst Bescheid wusste.

Wir Demokratinnen und Demokraten können die Demokratie halt straßenzugweise nicht durchsetzen. Da wird sich wohl etwas ändern müssen.

Rainer Pohlen und Gerd Meister, die beiden Verteidiger des ’ehrbaren Mörders’, verweisen auf den chronisch angeschlagenen seelischen Gesundheitszustand des Mandanten, der zeitweilig in psychiatrischer Behandlung gewesen sei und im Jahre 2000 einen Suizidversuch begangen habe. Dass sich Peşter über viele Wochen oder sogar wenige Monate hinweg vor dem Haus lauernd im Auto aufgehalten habe, möchten Pohlen und Meister als Indiz seelischer Überforderung oder sogar als Anzeichen einer Neurose verstanden wissen. Im Übrigen sei die Tat selbst im Affekt begangen worden. Doch einer psychologisch‑medizinischen Begutachtung in seiner Haftzeit hat sich der ’ängstliche’ Wohnungsbewacher und Todesschütze seit acht Monaten erfolgreich verweigert.

Auch ein Geständnis legte der 39jährige bislang nicht ab. Lothar Beckers, der Vorsitzender Richter, empfiehlt Peşter beides zu überdenken, gerade auch um seinen Kindern eine Aussage vor Gericht zu ersparen.

Der in den Niederlanden gemeldete Peşter war seit dem 15. Februar polizeilich gesucht worden, seit drei Wochen vor der Tat also. Warum er in den Stunden vor dem Doppelmord vom 9. März nicht festgenommen wurde, namentlich in der einstündigen Gerichtsverhandlung, das ist offensichtlich auf ein Versagen von Justiz und Polizei zurückzuführen. Die türkischen Zeitungen verhöhnten dementsprechend auch die tapsige deutsche Justiz, ohne freilich eigene Mitverantwortung zu bekennen am immer noch oder schon wieder tonangebenden Ehrenmordmilieu des kleinasiatischen Islams, sei er nun kurdisch oder türkisch, dörflich oder AKP‑nah.

In der Türkei kommen vermutlich 25 Ehrenmorde pro Monat vor, es findet also nahezu jeden Tag ein ’Ehrenmord’ irgendwo in dem 70 Millionen Bewohner zählenden riesigen Land mit seiner rasant wachsenden Bevölkerung statt. Die deutschen Touristen werden davon nicht viel mitbekommen, interessieren sich aber auch eher für Sonne, Strand und blauen Himmel an der türkischen Südküste.

Die ehtnischen Spannungen zwischen Kurden und Türken sind nicht bewältigt. Die regierende AKP benutzt die Vokabel Demokratie womöglich nur, um einen Gottesstaat auszurufen. Grund genug, so findet jedenfalls der SPD‑Politiker Günter Verheugen, die Türkei in die Europäische Union aufzunehmen. Verheugen wohnt auch nicht im Papageienviertel.

Deutschland 2007. Durchaus im Sinne des aus der Psychologie bekannten Just‑World‑Prinzips also befinden die oberflächlich empörten Politiker und Medien nun: „dieser Mord in Mönchengladbach hätte verhindert werden können“. Auch Nordrhein‑Westfalens Justizministerin Roswitha Müller‑Piepenkötter schließt sich dieser ebenso unumgänglichen wie wohlfeilen Dosis an Zerknirschtheit an.

Wir islamkritischen Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, die wir täglich in und mit Familien aller Einwanderermilieus zu tun haben sind da zwar mindestens ebenso zweckoptimistisch, doch teilweise zu etwas mehr Mühsal bereit. Und zum Eingeständnis, schmerzlich festzustellen, dass inzwischen wohl zehntausende türkisch‑muslimische Familien in Deutschland leben, in denen die Moral des anatolischen Dorfes gilt, nicht die der demokratischen und modernen Emanzipation, in denen die Werber für Scharia und Kalifat erfolgreich sind, nicht diejenigen der säkularen Demokratie.

Es tickt eine Zeitbombe, die mit der Polarität ’hier der Eurozentriker, da der edle Wilde. Hier das kapitalistische Schuldigwerden, da der geheimnisvolle Orient’ nun wahrlich nicht zu erfolgreich bewältigen sein wird.

Doch, erfolgreich im Sinne von Milli Görüş und Muslimbruderschaft.

Europas und Deutschlands Demokratinnen und Demokraten haben auch gar nicht erst geworben. Professor Bassam Tibi wagte es, die Europäer aufzufordern, von sich selbst ebenso wie von den Einwandernden das Bekenntnis zur säkularen und demokratischen Leitkultur zu einfordern. Tibi jedoch brachte die Gutmenschen aus der Kinder- und Enkelgeneration der Achtundsechziger mit dem Begriff Leitkultur derartig aus der Fassung, dass sie ihn einfach totschwiegen.

Vielleicht haben wir uns geschämt, für die Demokratie und damit gegen den vormodernen Scharia‑Islam zu werben. Die Kolonialzeit, Hitler, allemal Grund genug für eine geheuchelte Bescheidenheit, hinter der sich wohl nicht viel Anderes als Gleichgültigkeit versteckte. Grenzen überwindend, multikulturell. Für alles offen war man längst nicht mehr ganz dicht. Da kam der eine oder andere Wolf im Schafspelz gerade recht, der uns die Möglichkeit bot, im warmen masochistischen Schlamm der europäischen Schuld zu baden. Ach, was fühlt man sich gut, wenn man fremdenfreundlich Buße tut. Und, schwuppdiwupp, durfte die Islamische Föderation an Berliner Schulen Religionsunterricht erteilen.

Es gibt kein Machtvakuum. Wir haben es der faschistischen Muslimbruderschaft bei der Erosion Europas so leicht gemacht, dass sie es bis haute kaum fassen kann. Europa franst aus. Da kommt es auf die Mitgliedschaft der Türkei auch nicht mehr an.

Jetzt reden wir uns ein, dass auch der Doppelmord von Mönchengladbach nur ein Einzelfall gewesen sei. Ob das falsch ist, können wir eigentlich nur herausfinden, wenn wir die europäische Außengrenze in das Quellgebiet von Tigris und Euphrat hinein verschieben.

Erol und Rukiye Peşter wurden von ihren beiden Großfamilien verheiratet als Rukiye 15 Jahre alt war. Im Südosten der Türkei werden immer noch zwei Drittel aller Ehen abgesprochen, der Wille eines Menschen, wen er oder sie heiraten will oder ob er oder sie überhaupt heiraten will, zählt da nicht viel. Und wir in Europa, nicht in Moskau oder Minsk, wir in Westeuropa, die wir das persönliche Glück gehabt haben, halbwegs selbstbestimmt aufzuwachsen, haben wir den Einwanderern aus dem Geltungsbereich von Shari’a und Dhimma nichts anderes zu sagen als ’Der Intelligente passt sich an’? Ein Salman Rushdie musste nach London flüchten, kein Günther Grass nach Teheran.

Allein in Berlin wurden im Namen der ’verletzten Ehre’ zwischen November 2004 und März 2005 sechs Mädchen ermordet. Viele Europäerinnen und Europäer irritiert dabei auch die Frage, ob eine derartige Grausamkeit aus dem Islam an sich resultiert, aus dessen dörflicher Rückständigkeit oder aus seiner extremistischen Variante. Die wegweisenden Antworten auf diese Frage finden zu helfen, dazu haben couragierte Frauen wie Necla Kelek, Seyran Ateş oder Serap Çileli viel beigetragen. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, zwischen Traditionalismus, Islamismus und Islam nicht zu unterscheiden. Die Scharia hat auch niemand je in Frage gestellt, und der Hauptbestandteil der Scharia ist gerade das Ehestandsrecht. Allerdings ist es auch sinnvoll zu sagen, dass die Scharia dem Koran nicht Unrecht tut.

Ebenfalls ist es wohl richtig, dass die althergebrachte frauenverachtende Scharia mit Erol Peşters Mönchengladbacher Doppelmord ganz gut harmoniert. Traditioneller Islam heißt Frauenunterdrückung, Islamismus heißt das Selbe – und zwischen beidem bleibt derzeit leider kaum Spielraum. Jedenfalls sitzen den enigen demokratiebejahenden Muslimas und Muslimen die Hinterwäldler nicht weniger im Nacken als die Kalifatsfreunde aus dem politischen Islam.

Dass es einmal hoffnungsvolle Modernisierungen des Islams gegeben hat, beispielsweise mit der eine Demokratie theoretisch ermöglichenden konzeptionellen Trennung von Din und Daula, Religion und Staat durch den Theoretiker Abd al‑Raziq und seinen Lehrer Mohammad Abduh, die dann von der islamofaschistischen Bewegung der Muslimbruderschaft um ihren theokratischen Vordenker Sayyid Qutb überrollt wurden soll nicht vergessen sein.

Doch heute erinnere man sich an den Integrationsgipfel, zu dem die Bundesregierung am 12. Juli 2007 eingeladen hat und an die Begründung für die Absage der türkischen Islamverbände in buchstäblich letzter Minute? Diskriminierung, Diskriminierung, so schimpften die Ferngebliebenen. Der Grund: Die Bundesrepublik wollte das Nachzugsalter für Ehefrauen heraufsetzen.

Einstweilen ist die Religion der Muslime sakraler Machismus. Ob in Anatolien oder in der AKP, ob hinterwäldlerisch oder islamverbandlich organisiert: Islam ist heiliger Frauenhass. Ayaan Hirsi Ali dokumentierte das mit ihrem Film Submission, woraufhin es Regisseur Theo van Gogh leider für übertrieben hielt, sich innerhalb seiner niederländischen Heimat zu verstecken. Auf offener Straße wurde Querkopf van Gogh von einem in Holland aufgewachsenen fanatisch religiösen Marokkaner hingerichtet, sorgsam vorbereitet und mit einem koranisch inspirierten Bekennerschreiben bedacht.

Zurück nach Mönchengladbach: zwischen den Familien von Rukiye und Erol, so ist inzwischen bekannt geworden, gibt es seit Generationen immer neue Gewalttätigkeiten, gleichwohl werden immer wieder untereinander Verheiratungen beschlossen. Eine geopferte Tochter verändert die Höhe der nächsten paar Brautgelder, mehr steht nicht auf dem Spiel.

Islam sind 1,5 Milliarden Menschen. Islam kann recht Vieles sein. Doch auch die Ehe von Rukiye und Erol ist ein echtes Stück Islam. Erol der türkische Muslim ist genau so Opfer einer Zwangsverheiratung wie Rukiye, die allerdings sich aus ihrem scharia‑konformen Sklavinnendasein befreien wollte.

Für den in diesen Wochen auf seine Verurteilung wartenden Ehrenmörder Erol Peşter war es offenbar nicht attraktiv, den Weg in einen gleichberechtigten Umgang mit dem anderen Geschlecht und in eine Sexualität jenseits des Vergewaltigens zu beschreiten.

Zur Pistole jedoch konnte er greifen.

Jacques Auvergne

9 Antworten to “028. Der Ehrenmord von Mönchengladbach”

  1. Tim Says:

    Hallo jetzt weiß ich ja ein bissen mehr wir ihr zum teil über uns denkt im PGV nagut ich wohne da zwahr nicht mehr aber ich finde es eine Dreckigkeit wie ihr uns da hinstellt mit den satz:zu dem ärmlichen Mönchengladbacher Mietshaus, wie sind nicht arm und auch nicht reich aber auf garkeinen fall arm und das finde ich eine dreckigkeit wie ihr uns daihnstellt und decken tuhen wir erst recht nicht wir haben es da so auf gut deutsch kümmer dich um dein eigeneden scheiß und das ist einfach nur dreckig manche schämen sich jetzt wenn die das lesen und eine bekannte wurde auch schon angesprochen wo sie wohnt und sie meinte im PGV und dann wurde sie als Asi wegen ihren Bericht hingestellt und asi ist sie auf garkeinen fall mfg Tim

  2. jacquesauvergne Says:

    Lieber Tim,

    wenig Geld zu haben ist keine Schande. Und reichliches Geld macht noch lange keinen guten Charakter.

    Der Artikel behandelt körperliche Gewalt bis zum Tötungsdelikt, nicht den Kontostand der Bewohner der Franken-, Salier- und Merowingerstraße, die alle nun wirklich nicht auf der Sonnenseite der bundesdeutschen Gesellschaft leben. Was nicht heißt, das es in irgendeinem noblen Villenviertel keine Misshandlungen oder Straftaten gibt.

    Du kennst das traurige Viertel um die Frankenstraße vermutlich sehr gut, besser als wir. Die Mehrheit der Leser dieses Blogs aber war vielleicht noch nie am linken Niederrhein.

    Du scheinst mir zu empfehlen: „Mische dich nicht ein in Dinge, die im PGV passieren!“ (Anm.: pgv = ‚Papageienviertel‘, das vielfach belastete Mönchengladbacher Wohnquartier, in dem Rukiye nach Zwangsehe und qualvollen Ehe- und Trennungsjahren mit ihrer Tochter hingerichtet wurde.)

    Hoffentlich änderst du deine Meinung, lieber Tim: mische auch du dich ein. Bei sicherem Abstand.

    Wir alle sollten uns viel Zeit nehmen, über diesen Fall nachzudenken, das ganze Jahr 2008 haben wir Zeit. Und 2009.

    Gehöre nicht zu der Mehrheit (d)einer Stadt, die den Mordfall ‚unter den Teppich kehrt‘ und den Schrecken irgendwie ‚innerlich einmauert‘, seelisch verdrängt, sonstwie schön lügt.

    Du wirst, lieber Tim, Jahre brauchen, um mit diesem Erlebnis umzugehen – nimm dir die Zeit. Mit etwas Mühe wirst du die notwendigen Gesprächspartner finden.

    Jacques, Ümmühan & Freunde

  3. gleichberechtigungjetzt Says:

    Nürnbergerin: „Ich überlebte meinen eigenen Ehrenmord!“
    Abendzeitung Nürnberg, 03. Sep 2010

    Sengül Obinger: „Ich sah ihn einmal bei einem Besuch in der Türkei, mit 13. Mit 17 erfuhr ich, dass ich ihm versprochen war. Meine Mutter hat das ausgehandelt. … Sport oder Kaffee waren verboten. Viele Türkinnen glauben, das schade dem Jungfernhäutchen. … In der Hochzeitsnacht war ich bereits schwanger – ungewollt. Er schnitt sich in den Finger, um den 500 Gästen, von denen ich niemanden kannte, das blutige Laken präsentieren zu können. In dieser Nacht schlug er mir derart ins Gesicht, dass mein Auge am nächsten Tag komplett zugeschwollen und blau war.“

    http://www.abendzeitung.de/nuernberg/lokales/210191

  4. Cees van der Duin Says:

    Ehrenmord von Köln-Braunsfeld am 29.11.2010, Täter: Mutafa Tilki, Opfer: Laura Valanciute und Andrés Olivera

    Der 42-jährige Tilki ist angeklagt, seine 29-jährige Ex-Freundin Laura V. und deren 34 Jahre alten Begleiter an der Scheidtweilerstraße mit sechs Schüssen ermordet zu haben. Laut Anklage konnte es der vierfache Familienvater nicht ertragen, dass sich die 29-Jährige von ihm getrennt hatte. …

    Nebenklageanwalt Thomas Gros … machte … deutlich, wie brutal und entsetzlich die Bluttat war. „Beide wurden regelrecht hingerichtet“ … Mit gestrecktem Arm sei der Anklagte auf die Opfer zugegangen und hätte geschossen … Insgesamt habe die dramatische Tat genau 26 Sekunden gedauert. Auch Anwalt Gros betonte, dass sich die 29-Jährige von dem gewalttätigen Angeklagten trennen wollte. In den letzten beiden Jahren der Beziehung sei es häufig zu gewalttätigen Übergriffen gekommen. „Er hat sie geschlagen, getreten und vergewaltigt“, sagte Gros, der die Familie von Andres O. vertritt.

    18.08.2011

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1313489002794.shtml

    01.09.2011

    Auch eine Rechtspflegerin vom Amtsgericht machte eine Aussage. In der beschrieb sie die missliche Lage, in der sich Laura V. vor ihrem Tod befunden hatte.

    V. hatte sich als Gewaltopfer an die Justiz gewendet, wollte vor Mustafa T. beschützt werden. Unter anderem soll T. seine Geliebte mit einem Gürtel geschlagen haben. Einmal, als sie den Sex verweigerte, zerrte er sie an den Haaren durch die gesamte Wohnung.

    Außerdem soll Brutalo-Mustafa gedroht haben: „Ich mache Döner aus dir!“

    Was am Mittwoch auch herauskam: Kurz bevor Laura V. das erste Mal beim Amtsgericht um Hilfe gefleht hatte, wurde ihr bereits einmal mit ihrem Kollegen Andres O. von Mustafa T. aufgelauert. Nur hatte er an diesem Tag keine Schusswaffe dabei.

    Die alarmierte Polizei hatte damals einen Platzverweis gegen den völlig aufgebrachten T. ausgesprochen, der damals geschrien haben soll, dass V. ihm „gehöre“ und kein Recht habe, sich mit anderen Männern zu treffen.

    http://www.express.de/regional/koeln/braunsfeld-killer-drohte—ich-mache-doener-aus-dir–/-/2856/10189984/-/index.html

    30.11.2010

    Die Opfer Andres O. (34) und Laura V. (29) wurden mit sieben Schüssen regelrecht hingerichtet. Aus einem einzigen Grund: Weil der mutmaßliche Killer Mustafa Tilki (41) die Trennung von Laura nicht verkraftet hatte.

    Bereits vor 18 Tagen war die Litauerin auf einer Polizeiwache erschienen. Mustafa, den sie nach einer längeren Affäre verlassen hatte, war ausgerastet, hatte sie mit einem Stock verprügelt. Sie erwirkte eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht. Mustafa durfte sich ihr nicht mehr nähern. …

    Donnerstagabend vergangener Woche lauerte er ihr an ihrer Arbeitsstelle in der Scheidtweilerstraße in der Nähe der KVB-Zentrale auf.

    Laura kam mit ihrem Arbeitskollegen und guten Kumpel, dem Chilenen Andres O., aus der Firma „Sport und Markt“ heraus. „Andres war wie ein Freund für sie, der sie beschützte“, so einer der Kollegen.

    http://www.express.de/regional/koeln/das-ist-der-doppel-killer-von-braunsfeld/-/2856/4884132/-/index.html

    Laura Valanciute und Andrés Olivera, erschossen: 29. November 2010

    Am 25. November 2010 geht Laura zur Polizei, weil sie von ihrem Ex-Freund verfolgt und bedroht wird. Sie zeigt ihn wegen gefährlicher Körperverletzung an und beantragt eine Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz.

    ehrenmord.de

    http://www.ehrenmord.de/doku/zehn/2010_Laura.php

  5. Kalifat und Ehrenmord nein danke Says:

    Necla Kelek:

    „Ich wünsche mir, dass endlich eine Aufklärung stattfindet über diese Religion. Eine Aufklärung, die dafür sorgt, dass innerhalb des Islams deutlich zwischen Glauben, Gesetz und Politik differenziert wird. Ich erwarte von TERRE DES FEMMES, dass sie die Unterstützer und Träger der Religion, wie die Muslimverbände, auffordern, sich von dem Strafgesetz der Scharia zu distanzieren. Solange diese Distanzierung nicht geschieht, bleibt diese Religion eine Ideologie, eine Diktatur. Ich kenne keinen muslimischen Verband, keine muslimische Institution und kein islamisches Land, die sich deutlich von der Scharia distanzieren, nicht einmal die Türkei. In der Scharia lassen sich Legitimierungen von Gewalt in Namen der Ehre und Ehrenmorden finden. Die „Wächter des Islam“ müssen beweisen, dass sie den Islam nur noch spirituell leben und nicht als Familiengesetz ausleben. …

    Der Mann ist im Islam legitimiert und verpflichtet, nach „Allahs Gesetzen“ in seiner Familie zu herrschen. Die Ehre der Familie sind seine Frauen. Diese Ehre nach außen zu verteidigen ist die muslimische Pflicht des Mannes. Wenn die Ehre durch unsittliches Verhalten seiner Tochter oder Ehefrau beschmutzt wurde, hat er nach den Gesetzen der Scharia das Recht auf Vergeltung. Die Ehre der Familie ist dann wiederhergestellt, wenn die Frau durch ein männliches Mitglied der Familie bestraft worden ist.

    Im Koran heißt es „Verheiratet die Ledigen!“ Es ist ein Gebot, die Kinder zu verheiraten. Nicht nur die Eltern sind dazu verpflichtet, sondern die ganze Gemeinschaft ist aufgerufen dafür zu sorgen, dass die Ledigen verheiratet werden. Wenn die Eltern nicht in der Lage sind, ihr Kind zu verheiraten, bitten sie den Onkel, dies zu tun. Nach wie vor ist es nicht gestattet, dass das Individuum den Partner unabhängig wählt. Ich bezeichne diese Form von Verheiratung als „Zwang zur Ehe“. Ich spreche in diesem Fall nicht von „Zwangsverheiratung“.

    Wenn die Tochter oder der Sohn sich weigert zu heiraten, wird von den Eltern oder der Gemeinschaft der Gläubigen (Umma) Druck ausgeübt. Wenn das nicht hilft, darf Gewalt angewendet werden. Der Koran legitimiert diese Gewaltanwendung, denn der- oder diejenige, der/die sich weigert zu heiraten, entzieht sich den Geboten Gottes. Die Ehe ist im Islam eine Pflicht. Jede Form von Kontakt unverheirateter Männer und Frauen unter einander ist „Fitna“ (Unzucht), die nach den Gesetzen der Scharia mit Tode bestraft werden kann.

    Die Anwendung von Gewalt dem Ungehorsamen gegenüber gehört zur islamischen Alltagskultur, sie ist ein Teil des Islams.

    Wenn ich als Frau allein das Haus verlasse und die Familie eine Stunde nicht lang nicht weiß, wo ich mich befinde, habe ich in der Zeit Ehebruch (Zina) begangen. Ob ich es wirklich getan habe oder nicht, ist nicht entscheidend. Solange die Frau nicht beweisen kann, dass sie unschuldig ist, gilt sie als schuldig und hat Zina betrieben. Zina gilt nach der Scharia als Hudud-Delikt. Hudud-Delikte können nach dem Gesetz des Islam nur mit Auspeitschen oder Steinigung vergolten werden – oder mit dem Tod, und das ist für mich Ehrenmord!“

    aus:
    Necla Kelek:
    Eine Distanzierung von der Scharia ist notwendig

    http://frauenrechte.de/online/index.php/themen/tdf-positionen/ag-frauenrechte-und-religion/668-eine-distanzierung-von-der-scharia-ist-notwendig.html

  6. Eifelginster Says:

    Sara Mohammad ist die Vorsitzende des schwedischen Vereins Vergiss niemals Pela und Fadime (GAPF). 2009 sagte ermahnte sie die schwedische Regierung:

    „Integrationsministerin Nyamko Sabuni hat versprochen, die Zwangsehe und Kinderheirat zu kriminalisieren. … Wie viele Jahre müssen wir noch warten, und wie viele Mädchen und Kinder sollen noch gegen ihren Willen zwangsverheiratet werden?“ (In Schweden fürchten zirka 70.000 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, dass sie keine Freiheit bei der Wahl ihres Lebenspartners haben. Insgesamt 8.500 von ihnen geben an, dass sie nicht selber darüber entscheiden könnten, wen sie heiraten werden.)

    http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2108&artikel=2875682

    GAPF

    http://www.pelafadime.se/english/aboutus.htm

    Pela Atroshi, Fadime Sahindal

    http://www.pelafadime.se/pelaochfadime.htm

    „Am 21. Januar 2002 wurde die 26-jährige Fadime Sahindal, aufgewachsen in einer Einwandererfamilie kurdisch-türkischer Abstammung, von ihrem Vater im Flur der Wohnung ihrer Schwester ermordet. Fadime Sahindal lebte schon seit Jahren fern von ihrer Familie, weil sie sich einer geplanten Zwangsheirat verweigert hatte und einen schwedischen Freund hatte. Sie war nach Uppsala zu ihrer Schwester gefahren, bei der sie ohne Wissen des Vaters ihre Mutter treffen wollte. Der Vater aber erfuhr von ihrem Besuch, ging mit der Pistole zu der Wohnung und erschoss seine Tochter. Er lebte seit über zwanzig Jahren in Schweden, hatte den größeren Teil dieser Zeit feste Arbeit und war, von außen betrachtet, gut integriert.“

    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2004/02/13.mondeText.artikel,a0017.idx,3

    Pela Atroshi (19), schwedisch-kurdisch, wurde 1999 in der Heimatstadt der Familie im nördlichen Irak getötet.

    http://www.aftonbladet.se/wendela/article10308613.ab

  7. Cees van der Duin Says:

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    Point de Bascule ist eine sehr gute kanadische Seite und berichtet über deutsche Ehrverbrechen – auch über den Mönchengladbacher Doppelmord; man verlinkt zu Spiegel online:

    Rukiye et Derya Pester

    Le 9 mars 2007, peu après être passé devant le tribunal des affaires familiales (en vue d’une séparation), un homme de nationalité turque (Erol Pester) a tué en pleine rue son épouse (Rukiye – 38 ans) et sa fille (Derya – 19 ans) dans la ville de Mönchengladbach (près de la frontière des Pays-Bas en Rhénanie du Nord – Westphalie) au nom de «l’honneur de la famille».

    Spiegel Online : Das Deckmäntelchen namens Ehre (Au nom de l’honneur)

    http://pointdebasculecanada.ca/articles/10002557-rapport-petermann-une-synth%C3%A8se-belge-sur-le-crime-d%E2%80%99honneur.html

    Rapport Petermann : Une synthèse belge sur le crime d’honneur
    Écrit par Point de Bascule on 24 Janvier 2012.

    ::
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    SPIEGEL 29.10.2007

    Doppelmord-Prozess Das Deckmäntelchen namens Ehre

    Von Julia Jüttner, Mönchengladbach

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/doppelmord-prozess-das-deckmaentelchen-namens-ehre-a-514134.html

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  8. Dwarslöper Says:

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    26.08.2009

    An den Oberbürgermeister der
    Stadt Mönchengladbach
    Herrn Norbert Bude
    Rathaus Abtei

    15. März 2007

    Doppelmord in Mönchengladbach

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

    Bezug nehmend auf den tragischen Fall des Doppelmordes im Bezirk Rheydt-Mitte am 09.03.2007 möchte ich folgende Fragen an Sie herantragen mit der Bitte um Stellungnahme.

    Wie der Presse zu entnehmen war, ging der Tat ein Gerichtstermin beim Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt an der Brucknerallee voran. Dabei ging es um das Sorge- bzw. Umgangsrechts für die gemeinsamen Kinder. In der Regel bedient sich das zuständige Familiengericht in solchen Fällen der Amtshilfe des örtlichen Jugendamtes bzw. der städtischen Sozialdienstes.

    Von daher möchte ich Sie um die Beantwortung nachfolgender Fragen bitten:

    1. Inwieweit war dem Amt für soziale Dienste bzw. dem Jugendamt der Stadt Mönchengladbach bekannt, dass es sich bei dem Täter um einen Gewalttäter handelte, der seine Frau regelmäßig geschlagen haben soll und gegen den bereits ein Haftbefehl vorlag? Wenn dem Jugendamt der Stadt Mönchengladbach die Gewaltproblematik aktenkundig bekannt war, was wurde von Seiten der Stadt Mönchengladbach zum Schutz der Familie der Getöteten getan? Existieren bei der Stadt Mönchengladbach Akten, aus denen hervorgeht, dass es sich bei dem Täter um einen potentiellen Gewalttäter handelte?

    2. Hat das Jugendamt der Stadt Mönchengladbach Justiz, Staatsanwaltschaft und Polizei davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich bei dem Täter um einen potentiellen Gewalttäter handelte, der seine getötete Ehefrau regelmäßig geschlagen haben soll?

    3. Verfügt die Stadt Mönchengladbach über Kenntnisse, ob der Täter schon stationär psychiatrisch behandelt worden war?

    4. War zu dem Gerichtstermin, an den sich die Morde anschlossen, das Jugendamt geladen? Wenn ja, hat das Jugendamt darauf hingewirkt, dass die Polizei zum Schutz der Beteiligten vor Gericht anwesend war, wie es in vielen Städten, wenn eine Gewaltproblematik vorherrscht, grundsätzlich praktiziert wird?

    5. Unterhält das Jugendamt der Stadt Mönchengladbach eine zentrale Notrufnummer und/oder Kontaktadresse an die sich das Lehrpersonal, Kinder und Jugendliche aus allen Schulen in Mönchengladbach sowie andere Personen in Fällen von häuslicher Gewalt, Bedrohung und anderen existentiellen Notlagen wenden können?

    Wenn ja, wann wurde diese vom Jugendamt der Stadt Mönchengladbach allen Schulen in Mönchengladbach und anderen gegenüber bekannt gemacht?

    Wie lautet diese Nummer und zu welchen Zeiten ist diese Nummer erreichbar? Auch hierzu erbitten wir alle vorliegenden Informationen.

    6. Existiert beim Jugendamt eine Dienstanweisung, die das Personal anweist, wie in Fällen z.B. des Umgangs- und Sorgerechts, die gleichzeitig das Vorhandensein einer Gewaltproblematik nahe liegend erscheinen lassen, grundsätzlich zum Schutz der dadurch gefährdeten Beteiligten zu verfahren ist? Wenn ja, bitten wir um Übersendung eines Exemplares dieser Dienstanweisung.

    7. Existiert für alle Mönchengladbacher Schulen eine Dienstanweisung, die das Schulpersonal anweist, wie in Fällen, in denen das Personal an Schulen Informationen erhält, die den Verdacht nahe legen, dass Schülerinnen und Schüler häuslicher Gewalt, Bedrohung und anderen existentiellen Notlagen augesetzt sind, zu handeln ist? Wenn ja, bitten wir um Übersendung eines Exemplares.

    8. Die beiden Morde vollzogen sich an zwei Frauen mit einem Migrationshintergrund. Häufig erfahren die Opfer zuerst häusliche Gewalt durch die Täter. Die beiden Taten in Mönchengladbach können in den Kontext so genannter „Ehrenmorde“ gestellt werden. Opfer dieser Gewalt sind überwiegend Frauen.

    Daraus ergibt sich die Frage, welche Stellen in Mönchengladbach sind speziell für Migrantinnen, die solche Gewalterfahrungen machen, bekannt und zuständig?

    9. Bei den so genannten „Ehrenmorden“ handelt es sich um hinrichtungsähnliche Morde, die von Tätern mit einer archaisch patriarchalischen Mentalität begangen werden. Diese Mentalität tradiert sich, in dem männliche Jugendliche diese Einstellung übernehmen. Häufig entstammen solche Täter einem Milieu mit Migrationshintergrund.

    Wo führt das Jugendamt der Stadt Mönchengladbach gemeinsam mit Schulen in Mönchengladbach welche Maßnahmen durch, um gewaltorientierte Einstellungen von männlichen Jugendlichen zu verändern (Anti-Gewalttraining)?

    Für eine baldige Antwort danke ich Ihnen und verbleibe
    mit freundlichen Grüssen

    Karl Sasserath
    Fraktionsvorsitzender

    Durchschrift
    Staatsanwaltschaft Krefeld

    http://www.gruene-mg.de/themen/sicherheitordnung/doppelmord-in-moenchengladbach.html

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  9. Bragalou Says:

    Deutschland. Ehrenmord in Familie aus Pakistan. Die noch in Pakistan geborene Tochter wollte offenbar nicht den familiär erwünschten Mann heiraten und wurde deshalb von ihren Eltern erwürgt und irgendwo am Waldrand versteckt.

    Darmstadt, Stadtteil Kranichstein, Onkel und Tante wohl am Mord beteiligt:
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    Darmstadt: Eltern sollen Tochter (19) erwürgt haben!

    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.ehren-mord-familie-aus-pakistan-darmstadt-eltern-sollen-tochter-19-erwuergt-haben.68048499-4dcc-40b9-8a20-9898b5ed598c.html

    Erwürgt wegen Hochzeitsplänen
    Haftbefehl gegen Eltern der 19-Jährigen

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36098&key=standard_document_54297913

    „Das Motiv dürfte nach derzeitigem Ermittlungsstand der Heiratswunsch der Tochter und hiervon abweichende Vorstellungen der Familie gewesen sein. Bei dem Opfer handelte es sich um eine deutsche Staatsbürgerin pakistanischer Herkunft, wie Staatsanwältin Nina Reininger erklärte. Die Eltern der jungen Frau seien ebenfalls in Pakistan geboren. Über die Herkunft von Onkel und Tante lagen ihr zunächst keine Informationen vor. “

    Focus am 29.01.2015

    http://www.focus.de/panorama/welt/ehren-mord-in-darmstadt-19-jaehrige-getoetet-eltern-sollen-tochter-erwuergt-haben_id_4438991.html

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