031. Über Mina Ahadi

Erster Dezember, Universität Köln: Mina Ahadi

vom Zentralrat der Ex‑Muslime fordert

die kopftuchfreie Schule. Vorab

eine Begegnung auf der

Hinfahrt nach Köln

Mina

Ahadi

Karagözlü:

Mina Ahadi, Ralph Giordano und Günter Wallraff gestalteten eine spannende Podiumsdiskussion, Michael Schmidt‑Salomon moderierte gekonnt. Am selben Tage hatte ich ein besonderes Erlebnis: Ich traf eine Frau mit Burka, die sich bemühte, mit einem eilig kurz vor ihr gehenden Mann, vielleicht ihr Ehemann, Schritt zu halten. Dieser, vielleicht ägyptischer oder syrischer Herkunft, war mit einer weißen, ’westlichen’ Hose gekleidet, über die ein weißgrauer, längsgestreifter, wadenlanger Kaftan oder Kittel fiel, auf seinem Kopf befand sich ein schneeweißer samtener Kaffeewärmer, pardon, eine fromme Kappe. Der Mann glich damit einer Mischung aus Chirurg, Panzerknacker und Bäckermeister. Die Frau aber trug ihre rabenschwarze Burka, und allein das, weiß gegen schwarz, wird so manchen zum Hinsehen genötigt haben. Es ist, vorläufig, die erste Burka in der Stadt. Doch wie lange noch? Die Burka hatte kein Gesicht, sondern, von der sozialen Außenwelt zur Frau hin, ein blickdichtes Stoffgitter. Schwarzes Fliegengitter statt Gesicht! Aus dem Stoffgefängnis jedoch ertönte es in glasklarem Deutsch: “Nicht so schnell, nicht so schnell, ich komm` nicht mit!“ Ich muss gestehen, da ’kam ich auch nicht mit’, wie man so sagt. Die Frau unter der Burka scheint eine Konvertitin zu sein.

Auvergne:

Vielleicht haben wir die Gelegenheit, den Fall am Ort und in den nächsten Monaten zu verfolgen. Das technisch eingefangene, sexuell eroberte und kulturell islamisierte Weibchen stammt aus der niederen Kaste der christlichen Dhimmis?

Karagözlü:

So könnte ein Scharia‑Befürworter es formulieren. Durch dieses erschreckende Erlebnis aufgewühlt, achtete ich in den folgenden Stunden auf die Kleiderordnung der Passantinnen und Passanten der durchquerten rheinischen Städte. Auffällig war, dass im Laufe des Nachmittags die Zahl der Kopftücher abnahm.

Auvergne:

Der Kopftuch‑Quotient pro Stunde in freier Wildbahn schien zu sinken? Die Hijabfrauen dürfen gegen Abend nicht mehr vor die Türe?

Karagözlü:

Offensichtlich hat eine ehrbare Muslima ab einer bestimmten Uhrzeit in der städtischen Öffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung zu treten. Nun, sie wird den Einkauf erledigt haben.

Auvergne:

Und flanieren darf sie nicht.

Karagözlü:

Der Einkauf war ihr Alibi. Jetzt aber gehört sie ins Haus und gehört die Innenstadt den Ureinwohnern. Die älteren türkischen Männer besuchen kurz die Teestube und kehren dann nach Hause zurück. Spätabends gehen dann allerdings die ganz jungen türkischen Männer auf die Straße, so ab 14 Jahren aufwärts, da stehen diese Burschen den deutschen Altersgenossen in nichts nach.

Auvergne:

Klingt doch integriert, diese letzte Feststellung.

Karagözlü:

Ja, wenn die muslimischen Mädchen dabei wären! Die jedoch dürfen das Haus abends gar nicht mehr verlassen. Auch hier scheint sich etwas geändert zu haben, noch vor einigen Jahren konnten muslimische Mädchen, wenn auch nur in Begleitung ihrer Brüder, in Diskos gehen.

Auvergne:

… die Familien sind frommer geworden, das heißt …

Karagözlü:

… sie sperren ihre Töchter weg.

Auvergne:

Die Burka ist erschreckend, das sollte in unserer Demokratie nicht gerade Leitmodell für weibliche Kleidung werden. Erstaunlich oder vielleicht sogar kennzeichnend, dass es wahrscheinlich ausgerechnet eine Konvertitin ist, die Burka trägt. Andererseits muss der Mann richtig radikal sein; ich wette, er ist kein Türke.

Ümmühan Karagözlü

& Jacques Auvergne

Im Gespräch über Mina Ahadi

Karagözlü:

Ahadi weist ganz richtig auf das Schubladendenken der Deutschen hin, das die ’Fremden’ ebenso exotisiert und romantisiert wie es sie ausgrenzt. Wenn ich bei einer deutschen Familie eingeladen werde, möchte ich auch gefragt werden, was ich denn trinken möchte. Es kann nicht sein, dass die deutschen Gäste einer deutschen Familie krampfhaft auf ein Glas Wein oder Bier verzichten, nur weil sie mich nicht ’beleidigen’ wollen. Von mir aus können sie sich ein Wildschwein schlachten wie Obelix, solange es ihnen schmeckt und der Hausarzt nichts dagegen hat. Übrigens, vom Rotwein trinke ich gern ein Glas mit.

Auvergne:

Du als Türkin trinkst Wein, tun deine Eltern das auch?

Karagözlü:

Nein, aber ich nehme ihnen das nicht krumm.

Auvergne:

Interessant. Schon Bassam Tibi beschrieb diese Denkfalle der Europäer, die die einwandernden muslimischen Menschen, vorgeblich tolerant und in Wirklichkeit gleichgültig bis arrogant, ’fremd und anders’ lässt, sie dabei zugleich aber nicht wirklich akzeptiert. So konnten die Missstände des Orients, konnten Patriarchat und Theokratie geleugnet werden. Gerade für die ebenso machtbesessenen wie feigen rot‑grünen Funktionsträger der Neunziger Jahre war dies eine glückliche Entlastung.

Ahadi hat ein Tabu öffentlich gebrochen, und das ist ganz neu: Du kannst gerne mit Islam leben oder aber du kannst deinen Islam abstellen. Männer und gelegentlich sogar Frauen, die ’unreligös’ lebten, sind im städtischen Islam aller Zeiten wohl gar nicht so selten gewesen. Sich aber zu seiner Apostasie öffentlich zu bekennen, das hat nur alle hundert Jahre jemand gewagt, und der war sich seines Lebens nicht mehr sicher. Denn der Apostat darf getötet werden, jeder fromme Muslim darf dieses Hadd‑Vergehen, diese ’Grenzverletzung Gottes’ rächen und den Abweichler ermorden.

Karagözlü:

Du hast richtig festgestellt, dass die Großfamilie ein islamischer Mikrokosmos ist, eine Art ’Umma im Kleinen’, und dass ein Verweigern der ungeschriebenen Familienregeln als Apostasie gefühlt wird. Das hat in den so genannten Ehrenmordmilieus entsprechende Folgen. Das Beleidigen der Familie ist identisch mit dem Beleidigen Gottes. Der Einzelne gilt nichts.

Mit den Ergebnissen der Totalitarismusforschung ließe sich sagen: Faschismus ist der Rückfall in die Vormoderne.

Auvergne:

Die Vormoderne denkt kollektivistisch, die kulturelle Moderne individualistisch. Da ist es ein Ärgernis, dass Islamkritik in Europa leider gerade auch von vormodern argumentierenden Leuten geäußert wird, die uns dann nämlich deutschnationales Kollektiv oder evangelikales Gottesgesetz als ’Gegengift’ gegen die zu Recht angeprangerte Gefahr der schleichenden Islamisierung Europas empfehlen. Ahadi betont dem gegenüber ganz angemessen die Universalität der Menschenrechte.

Karagözlü:

Doch das Grundgesetz endet nicht vor der Haustüre! Die Kinder zu schlagen, wie in türkischen Familien üblich, oder korangemäß die Ehefrau zu schlagen, muss von der Demokratie als Straftat geahndet werden.

Auvergne:

Demokratie statt Theokratie …

Karagözlü:

… mit Ahadi bezeichnet endlich jemand öffentlich das Kinderkopftuch als eine Kinderrechtsverletzung, ermutigend, wie sie Kinderrechte endlich im Grundgesetz verankert sehen will! Wir haben ein Tierschutzgesetz, aber kein Kinderschutzgesetz.

Auvergne:

Auch die medizinisch nicht absolut indizierte so genannte Beschneidung an Jungen sehe ich als Kindesmissbrauch an sowie als Verstoß gegen das Gebot der körperlichen Unversehrtheit. Dem Recht der Eltern auf religiöse und kulturelle Erziehung müssen hier klare Grenzen gesetzt werden. Ayaan Hirsi Ali hat diese Forderung des Verbots der MGM, der männlichen Genitalverstümmelung einmal öffentlich vertreten, leider ist sie aber seit ihrem Aufenthalt in den USA von dieser Meinung zurück getreten.

Karagözlü:

Teil einer global denkenden Islamkritik muss immer auch FGM sein, die Praxis der Genitalverstümmelung an Mädchen. Da haben sich Frauen wie Waris Dirie und Hirsi Ali couragiert eingesetzt. In Ägypten etwa wird die Mehrheit der Mädchen genitalverstümmelt und wir Europäer fahren da unwissend beziehungsweise gleichgültig in den Urlaub hin.

Auvergne:

Ägypten praktiziert Klidoridektomie. Doch ist das denn nicht ein sorgsam gehütetes Geheimnis: FGM geschieht zwar in jedem ägyptischen Haus, wird Nichtägyptern gegenüber aber verschwiegen?

Karagözlü:

Das kann man so nicht mehr sagen. Und was Somalia betrifft, weiß man seit dem zweiten Buch von Waris Dirie, dass sogar hier in Europa Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt worden sind und immer noch werden.

Auvergne:

Ahadi nennt den Islam eine frauenfeindliche Religion und möchte brutale, frauenfeindliche Traditionen oder Dogmen nicht länger als ’heilig’ bezeichnet wissen. Nur der Mensch sei heilig.

Karagözlü:

Der Wert eines Mädchens, der Wert einer Frau hängt weder von ihrer Mitgift ab noch von ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Jungfräulichkeit. Keine Religion ist hierbei jedoch so brutal wie der Islam, der dafür sogar manchmal töten lässt.

Auvergne:

Das ist eine Obszönität, dieser religiöse Kult um das islamische ’heilige Jungfernhäutchen’, ein schreckensreiches mentales Gefängnis, mit dem neuerdings Europas Schönheits‑Chirurgen viel Geld zu verdienen beginnen: Restaurierte Jungfräulichkeit ist 2007 zum bundesdeutschen Produkt geworden. Den Mädchen aus jenen Milieus wird ein Recht auf eine Intimität, auf selbst bestimmte Sexualität vorenthalten bleiben. Diese Form von Islam ist eine durch und durch neurotische, eine obszöne Religion.

Karagözlü:

Islamkritik ist in der Tat gefährlich, und Ahadi fordert uns Demokratinnen und Demokraten dazu auf, gegen diesen gewaltigsten Totalitarismus des 21. Jahrhunderts Farbe zu bekennen, um die kulturelle Moderne zu retten, das heißt: um unsere Bürgerrechte und unsere Meinungsfreiheit zu retten.

Auvergne:

Wir dürfen in den nächsten zwei Jahrzehnten nicht den Fehler machen, den islamischen Verbänden, Gemeinschaften oder demnächst wohl Parteien eine humanistisch‑aufklärerische oder auch nur eine demokratieliebende Haltung zu unterstellen. Diese islamischen Kollektive wollen nichts als die Zerstörung der Demokratie – mit den Mitteln eben dieser Demokratie! So funktioniert Legalismus. 1933 hat Ähnliches schon einmal so begonnen: die NSDAP wurde gewählt, ganz demokratisch. Nachher gab es keine Wahlen mehr. Man hätte es lesen können.

Wir werden die Gründung von islamischen Parteien vielleicht gar nicht mehr verhindern können. Islamisch inspirierte Kriminalität, nicht zuletzt Wirtschaftskriminalität wird unsere Städte auf einige Jahrzehnte ebenso bestimmen wie die drei Formen des Innenstadt‑Dschihad, sprich: Mobbing, Erpressung und Korruption. Gegenwärtig steuern Mailand, Lyon, Paris, Brüssel und London auf die Lebenswirklichkeit von Beirut oder Kairo zu. Wer etwas anderes vermutet, der träumt oder lügt. Cousinenehen und Kinderheirat finden in Deutschland nahezu ungestört statt, arrangierte Ehen sind in der türkisch‑muslimischen Community ohnehin immer häufig gewesen.

Karagözlü:

Die EU und Deutschland haben Angst vor wirtschaftlichen Einbußen. Nur deshalb sind sie für den völlig verantwortungslosen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. Die Vollmitgliedschaft darf nicht länger angeboten werden.

Auvergne:

Das sehe ich genau so, alle Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sollten wir Europäer sofort und ohne Begründung abbrechen, zumal die europäische wie deutsche Öffentlichkeit seit Jahren falsch informiert wird …

Karagözlü:

… ja. Und Erdoğan und seine AKP betreiben seit Jahren eine dynamische Islamisierung des Landes: sie steuern Kleinasien, so sagen mahnende Stimmen mit Berechtigung, auf einen Gottesstaat nach iranischem Vorbild zu! Mit dem derzeitigen Islam ist keine Demokratie aufzubauen, was im Übrigen die Herren Gül und Erdoğan ganz genau wissen. Die AKP wird, ganz im Einklang mit der Scharia, die Frauenrechte einschränken! Das Wort ’Schutz‑Status’ ist bereits gefallen, was wir nicht für Gleichheitsfeminismus halten dürfen: Behinderte, Alte, Kinder und Frauen seien unter besonderen Schutz zu stellen. Damit fällt, was man auf den ersten Blick übersehen könnte, der erst vor drei Jahren durchgesetzte Gleichheitsgrundsatz unter den Tisch!

Auvergne:

Mina Ahadi erkennt die ja gerade auch von Islamist Erdoğan voran getriebene Verschleierung von Mädchen als Kinderrechtsverletzung, als Kindesmissbrauch. Ihre Worte und ihre Haltung geben mir Hoffnung. Vielleicht gelingt es uns doch noch, das Lehrerinnenkopftuch aus Deutschlands Klassenzimmern heraus zu halten.

Karagözlü:

Bitte nicht nur das Lehrerinnenkopftuch! Zumal Ahadi ja gerade die Mädchen, unsere Schülerinnen also, vom ungeheuren moralischen und sozialen Druck, der von dem ausgeht, was du so richtig als ’Kopftuchmobbing’ bezeichnet hast, entlastet sehen möchte.

Aber ’Schule’ reicht mir nicht, es muss die gesamte Erziehungs- und Bildungslandschaft sein, vom Kindergarten bis zur Universität, dazu der Raum der Rechtssprechung: Richterinnen, Rechtsanwältinnen und Schöffinnen. Gericht muss kopftuchfreie Zone sein! Das gilt auch für`s Klientel, also: für Zeuginnen, Beobachterinnen und Besucherinnen.

Auvergne:

Das überzeugt mich. Vielen Dank für dieses Gespräch.

3 Antworten to “031. Über Mina Ahadi”

  1. Netzwerk Schariagegner Says:

    UPDATE
    Protestkundgebung vom Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)
    Datum: Montag, 05.12.2011
    Zeit: 10:00 bis 14:00 Uhr
    Ort: Bonn, Museumsmeile, vor dem Kunstmuseum Bonn
    (Friedrich-Ebert-Allee 2, 53113 Bonn)

    http://www.ex-muslime.de/indexAktuell.html

    ===

    Presseerklärung des Zentralrates der Ex-Muslime (ZdE)

    Mina Ahadi wird auf der Demonstration gegen die Zweite Bonner Afghanistan-Konferenz eine Rede halten!

    Die Zweite Afghanistan-Konferenz, die vom 3. bis 5. Dezember in Bonn stattfindet, ist ein wichtiges politisches Ereignis. 10 Jahre nach der ersten Konferenz wird noch einmal über die gesellschaftliche Zukunft von Millionen Menschen und besonders von Millionen Frauen in Afghanistan entschieden.

    Nach den vorliegenden Informationen sieht es danach aus, dass auf dieser Konferenz die Weichen nicht in Richtung auf den Aufbau eines säkularen Staates gestellt werden, der sich an den Menschen- und Frauenrechten orientiert. Beabsichtigt ist vielmehr eine Zusammenarbeit mit den Islamisten bzw. ein Dialog mit den Taliban, also eine Politik, die vollständig gegen die Interessen der afghanischen Bevölkerung sowie der fortschrittlich-säkularen Organisationen verstößt und dem Aufbau einer freiheitlichen Lebensordnung zuwiderläuft.

    http://www.ex-muslime.de/indexAktuell.html

    ===

    UPDATE
    Protestkundgebung vom Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)
    Datum: Montag, 05.12.2011
    Zeit: 10:00 bis 14:00 Uhr
    Ort: Bonn, Museumsmeile, vor dem Kunstmuseum Bonn
    (Friedrich-Ebert-Allee 2, 53113 Bonn)

    http://www.ex-muslime.de/indexAktuell.html

  2. Dwarslöper Says:

    Fall 1: Im April 2007 sollte in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Magdeburg über das Thema “Neonazis an Hochschulen“ diskutiert werden. Neben den deutlich mehr als 100 interessierten Student/innen erschienen zu der Veranstaltung auch ca. 15 bis 20 Neonazis, unter ihnen der Vorsitzende der NPD-Fraktion im Schweriner Landtag

    Fall 2: Nach den rassistisch motivierten Misshandlungen eines afrodeutschen zwölfjährigen Schülers in Pömmelte bei Magdeburg – die Täter kamen aus dem Umfeld einer neonazistischen Gruppe – tagte im örtlichen Vereinshaus ein so genannter Runder Tisch, um über die Folgen des Angriffs zu debattieren.

    Während der Veranstaltung betraten etwa zehn junge Männer den Raum und stellten sich als “Jugendinitiative gegen Jugendkriminalität“ vor: Sie hätten Interesse, an der laufenden Diskussion teilzunehmen.
    ::

    Die öffentliche Konfrontation mit dem politischen Gegner bezeichnen NPD und ihre Untergruppen als “Wortergreifung“. Sie baut darauf, Gegner insbesondere bei Veranstaltungen über Rechtsextremismus durch eigenes Erscheinen und “Wortergreifen“ zu verunsichern, verängstigen und aus dem Konzept zu bringen. Nach innen, also in die eigene Anhängerschaft hinein wird zugleich Abenteuergeist und Selbstbewusstsein geschärft (Wortergreifung als Mutprobe) und ein ‚Rauswurf‘ gerne als “Bankrotterklärung der Demokraten“ verkauft. Meinungsfreiheit gebe es dort folglich nicht. Dass Demokratie aber nicht nur Meinungsfreiheit bedeutet, sondern auch den Respekt vor bestimmten Werten, wie der Würde des Menschen und Gleichberechtigung, wird dabei unterschlagen.

    Wichtig ist, schon bei der öffentlichen Ankündigung einer Veranstaltung Ausschlusskriterien mitzuteilen, empfiehl Bianca Klose von der Berliner Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (www.mbr-berlin.de) im „Netz-gegen-Nazis“:

    „Denn nach § 6 des Versammlungsgesetzes können bestimmte Personen oder Personenkreise in der Einladung und Ankündigung von der Teilnahme an einer Versammlung ausgeschlossen werden. Dies gilt aber nur für öffentliche Veranstaltungenm in geschlossenen Räumen. Bei Demonstrationen oder Kundgebungen – also bei Versammlungen unter freiem Himmel – gilt diese Vorschrift ebenso wenig wie für Pressevertreter. Wichtig ist, dass schon die Veranstaltungseinladung eine entsprechende Formulierung enthält, die extrem Rechte ausschließt. Beispielsweise den Satz: Ausgeschlossen von der Teilnahme an der Veranstaltung sind extreme Rechte. Dann kann Neonazis der Zutritt verwehrt werden. Wenn sie schon im Raum der Veranstaltung sind, können sie unter Verweis auf die Ankündigung aus dem Raum wieder entfernt und unter Umständen auch wegen Hausfriedensbruch zur Verantwortung gezogen werden“. …

    Während der Veranstaltung

    Sollten Sie dennoch bei Veranstaltungen und Podien mit Rechtsextremen und ihren Positionen konfrontiert sein:

    – Seien Sie inhaltlich vorbereitet auf die zentralen rechtsextremen Argumentationsmuster und politischen Themenfelder.

    – Geben Sie vor Ihrer eigentlichen Rede eine Erklärung ab, dass es nicht Ihrem Wunsch entspricht, hier gemeinsam mit rechtsextremen Organisationen zu sitzen, da sie außerhalb des demokratischen Grundkonsenses stehen.

    – Gehen Sie als Moderator/in nicht auf deren Parolen ein. Weisen Sie diese gegenüber dem Publikum offensiv zurück, ohne sich von rechtsextremen Akteuren in eine Diskussion verwickeln zu lassen.

    – Achten Sie darauf, dass rassistische, antisemitische, sexistische, menschenverachtende und den Nationalsozialismus leugnende oder verharmlosende Äußerungen nicht unhinterfragt stehen bleiben. Widersprechen Sie aktiv!

    Hausrecht durchsetzen:

    Juristische Möglichkeiten für den Ausschluss Rechtsextremer von Veranstaltungen nutzen für einen möglichst reibungslosen Ablauf von (Wahlkampf-)Veranstaltungen ohne rechtsextreme Besucher/innen oder Störer/innen können Sie vor allem durch eine sorgfältige Vorbereitung sorgen. Aus rechtlicher Sicht bietet Ihnen das Hausrecht Möglichkeiten, unerwünschte Personen von Veranstaltungen auszuschließen. Ein Vorabhinweis auf den Einladungen, Plakaten und als Aushang an den Eingangstüren ist dafür wichtig.

    Für den Ausschluss von Personen auf Veranstaltungen bzw. Versammlungen gibt es nach dem Versammlungsgesetz (VersG), das auch für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen gilt, grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

    1. In der Einladung des/der Veranstalters/in können nach § 6 VersG bestimmte Personen oder Personenkreise von der Teilnahme ausgeschlossen werden.

    2. Während der Veranstaltung können nach § 11 VersG Teilnehmer/innen, welche die Veranstaltung „gröblich stören“, von der Veranstaltungsleitung ausgeschlossen werden.

    (…)

    Quelle: Wie umgehen mit Neonazis auf Veranstaltungen?
    Ein Ratgeber der Magdeburger Initiative Miteinander e.V.

    hier auf: bpb 25.07.2008

    http://www.bpb.de/themen/G3WR39,0,0,Wie_umgehen_mit_Neonazis_auf_Veranstaltungen.html

    ::

  3. Dwarslöper Says:

    noch zum Thema Auftauchen unerwünschter Gäste auf Veranstaltungen
    ::

    … Pfadfinder und Pfadinderinnen in der Kluft unterschiedlichster Verbände unterhalten sich ebenso angeregt wie Interessierte anderer Jugendverbände. respekt-T-Shirts werden per Siebdruck erstellt, der Infotisch der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme begutachtet und Ausstellungswände durchgelesen. Es ist der zweite respekt-Tag, dem antirassistischen Aktionswochenende von der Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände, dem Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord und der Sozialistischen Jugend Deutschlands – die Falken. Nach einem mit mehr als 120 Gästen außergewöhnlich gut besuchten Zeitzeugengespräch mit dem Sinto Walter Winter am Vorabend warten die Gäste nun gespannt auf den Vortrag von Jesko Wrede über »Rechte Jugendbünde«.

    Rechte Milieubildung. Jesko Wrede, selbst aktiv im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), betreibt seit dem Frühjahr diesen Jahres den Blog »www.rechte-jugendbuende.de« und hat mit diesem und der Veröffentlichung »Wer trägt die schwarze Fahne dort … – Völkische und Neurechte Gruppen im Fahrwasser der Bündischen Jugend heute« für viel Diskussionsstoff in der bündischen und jugendbewegten Szene gesorgt. Deshalb sind zum Vortrag so viele gekommen: Sie wollen mehr wissen über die rechten Bünde und hoffen auf Anregungen, wie sich die eigenen Gruppen von eben denen abgrenzen können, die sich wie Pfadfinder kleiden, wie die Bündischen singen und wie die Wandervögel auf Fahrt gehen – jedoch auf extrem rechter Seite zu verorten sind. …

    Gleich zu Beginn des Vortrages gibt es zudem einige irritierte Blicke, als klar wird, dass unter den Anwesenden auch zwei Leute vom »Freibund e.V. – Bund Heimattreuer Jugend« sitzen – eben einem der Bünde, die durch ihren völkischen Ansatz, der starken Betonung der Begriffe Volk, Heimat und Nation, ihren positiven Bezügen zur Blut-und-Boden-Mystik und ihrer Nähe und den vielfältigen Kontakten zur rechtsextremen Szene im Zentrum der Kritik stehen (mehr Informationen zum Freibund sind unter folgendem Link zu finden: rechte-jugendbuende.de). Eine Diskussion über Strategien, wie sich Pfadi-Bünde von völkischen Gruppen abgrenzen können, gestaltet sich unter diesen Voraussetzungen als zäh. Eine Teilnehmerin eines Pfadfinderbundes formuliert ihr Unbehagen berechtigterweise so, dass sie nicht mit Leuten diskutieren möchte, die demokratische Grundrechte ständig einfordern und für sich in Anspruch nehmen wollen, diese jedoch umgehend beseitigen würden, hätten sie die gesellschaftliche Mehrheit dazu. …

    Bei zukünftigen Veranstaltungen ist es jedoch sinnvoll, sich im Vorfeld darauf zu verständigen, dass unter Verweis auf §6 Versammlungsgesetz rechtsextreme Gruppen – in diesem Falle auch rechte Jugendbünde – zur Veranstaltung nicht eingeladen sind. Nur so ist eine angstfreie Diskussion über Gegenstrategien möglich ist (siehe unten: Wortergreifungsstrategie).

    aus: Bündische, braune Netze …
    Der Beginn einer Diskussion über Rechte Jugendbünde im Rahmen von respekt*7

    von Jan Jetter, Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände

    ljr-hh (Landesjugendring Hamburg) Datum wohl 15.11.2009, siehe die beiden letzten Links

    http://www.ljr-hh.de/Buendische-braune-Netze.679.0.html

    noch einmal hier ab Seite 14

    http://www.ljr-hh.de/uploads/tx_ljrpunktum/punktum_4_09.pdf

    4-2009
    (wohl Zeitschrift und Ausgabe bzw. Heft Nummer)

    http://www.ljr-hh.de/4-2009.667.0.html

    Sonn­tag, 15.​11.​09

    Po­li­ti­scher Früh­stücks­brunch mit Vor­trag und Musik:
    Vor­trag „Rech­te Ju­gend­bün­de“
    Der So­zi­al­päd­ago­ge und Pfad­fin­der (BdP) Jesko Wrede und der Jour­na­list Maik Baum­gärt­ner wer­den völ­ki­sche, na­tio­na­lis­ti­sche und neu­rech­te Ju­gend­bün­de vor­stel­len.

    http://foejhh.blogsport.de/2009/11/02/respekt/

    ::

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