045. Prinzipienreiterei und Dummheit. Zwei Seiten einer Medaille

045

Prinzipienreiterei

und Dummheit –

zwei Seiten einer

Medaille

Von Ümmühan Karagözlü

Prinzipienreiter nennt man die Menschen, die trotz besseren Wissens an Meinungen, Forschungsergebnissen und Ideologien kleben. Es ist menschlich, Fehler zu machen. Sollte sich herausstellen, etwa durch neue Erkenntnisse oder präzisere Untersuchungsmethoden, einen Sachverhalt falsch bewertet zu haben, ist es einfach dumm auf dieser Irrlehre zu bestehen und sie weiter zu verbreiten. Wir würden dann beispielsweise heute noch an den physiologischen Schwachsinn des Weibes glauben. Schon Konrad Adenauer meinte einmal: „Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern.“ Man kann über diesen bekannten deutschen Politiker sagen, was man will, Grips hatte der.

Um uns zu orientieren und zu recht zu finden, bilden wir uns Urteile über Menschen und Umwelt. Doch können wir uns irren. In Abwandlung des Spruchs: „Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann“ erinnere ich meine SchülerInnen oft daran, dass wir Menschen einen kritischen Verstand haben, um unsere Meinungen den neu gewonnen Erkenntnissen anzupassen. Ein für mich sehr wichtiger Lehrer war als Kind begeisteter Hitlerjunge, bis die damals etwa Zehnjährigen dazu aufgefordert wurden, ihr soziales Umfeld zu bespitzeln und Regierungskritiker zu denunzieren.

Dieses Beispiel zeigt: Auch Idole müssen überprüfbar bleiben. Es beweist aber auch, dass jede / jeder, die / der ihren / seinen klaren Verstand gebraucht, sich aus totalitären Zwängen befreien könnte, wenn sie / er Rückgrat und Zivilcourage hat. Diese beiden Eigenschaften hängen zugegebenermaßen jedoch von Erziehung und Sozialisation ab.

Koran und Scharia sind nach geltender Auffassung der wichtigsten sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen und politischen Strömungen nicht veränderbar, weil der Inhalt von Allah selbst durch den Engel Gabriel an Mohammed übermittelt wurde. Somit ist der Islam prinzipientreu aber nicht reformierbar.

Pazifismus aus Prinzip wäre unter Umständen Selbstmord. Ich denke es war Henryk M. Broder, der es auf den Punkt brachte: „Wenn die militanten Palästinenser ihre Waffen niederlegen, gibt es Frieden, wenn Israel die Waffen niederlegt, gibt es kein Israel mehr.“

Von Ümmühan Karagözlü

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