050. Bischof Williams will die Scharia

050

شريعة

Scharia. Allahs Regelwerk.

Britischer Erzbischof:

„Scharia ist unvermeidlich”

Anglikanischer Bischof

wirbt für die Scharia

Very british

Personenstandsrecht und Ehestreitigkeiten

künftig auf Wunsch schariatisch regelbar?

Von Jacques Auvergne

„Die britische Gesellschaft muss der Tatsache ins Auge sehen, dass sich ihr islamischer Bevölkerungsanteil durch das enge und einseitige demokratische Recht des Landes als Kollektiv entfremdet und unglücklich fühlt. Teile von Großbritanniens Muslimen vermögen es nicht, sich mit dem britischen Recht zu identifizieren und sind traurig, weil sie die als ehrenwert und gottgefällig bewerteten Regeln der Scharia auf den Britischen Inseln nicht anwenden können. Ein wenig Wunsch- und Wahlrecht steht einer Demokratie doch wahrhaftig gut zu Gesichte. Nein, nicht dass Sie denken, ich würde jenen unmenschlichen Gepflogenheiten das Wort reden, die uns aus repressiven islamischen Gesellschaften berichtet werden: Hand- und Fußabhacken oder Steinigung oder Apostatenmord, keineswegs! Doch bezüglich des Eherechts und Personenstandsrechts, in Finanz-, Heirats- und Scheidungsfragen sollen unsere britischen Muslime doch in Zukunft endlich die demokratische Gelegenheit haben, auf ihr heimatlich‑vertrautes und altbewährtes muslimisches Recht zurückzugreifen. Dann erst werden sie der britischen Gesellschaft dankbar sein können und sich in sie integriert fühlen. Ihnen die Scharia zu verweigern hieße, sie auszugrenzen. Wir alle werden es sehen: Die Scharia kommt, unvermeidlich.“

So etwa sagt es in diesen Tagen Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury. Er will ein gesondertes Recht für eine „besondere“ Bevölkerungsgruppe. Er stellt sich vielleicht eine nichtmuslimische und individualistische Demokratie vor, durchsetzt von Stadtteilen oder Großfamilien des islamischen Kollektivrechts der Scharia. Oder er stellt sich flexible Muslimas vor, die elegant mit zwei Rechtssystemen jonglieren. Warum steht den bedauernswerten Nichtmuslimen diese Wahlfreiheit dann nicht zu, ist das nicht diskriminierend? Williams ist phantasievoll und tolerant, keine Frage.

Was geht in Bischof Williams vor? Sieht er denn nicht, dass viele Muslimas und Muslime aus islamischen Gesellschaften nach Europa geflohen sind, um eben nicht in von Sunna und Scharia geprägten Straßenzügen zu leben? Begreift er nicht, dass er muslimische Kinder und Jugendliche mit seiner „Toleranz“ in das im Entstehen begriffene Gefängnis der vormodernen Scharia einsperren hilft, aus dem sich frauenrechtlich oder überhaupt menschenrechtlich aktive Muslime in diesen Jahren weltweit zu befreien beginnen? Weiß er nicht, dass weltweit jede spürbar verfestigte Struktur heutiger Scharia, dass jeder politische Islam der Gegenwart eine Kultur der Verachtung der Nichtmuslime begünstigt und Muslimen den Weg in die Demokratie verbaut, ihnen ein Recht auf politische, religiöse und sexuelle Selbstbestimmung verweigert? Ein anderer Islam, so wünschenswert er ist, ist nur wenigen Menschen zugänglich, und die sind meistens froh, in einer Demokratie zu leben und nicht im Gottesstaat beziehungsweise im Polizeistaat dschihadistischer Opposition.

Der Herr Erzbischof will ein Sonderrecht für eine besondere Gruppe. Er stellt uns als rückständige Deppen dar, indem er seine Erkenntnis, Formen der Scharia der Lebensbereiche Familienrecht, Finanzwesen, Gemeinwesenarbeit und Konfliktlösung würden schon bald Geltung haben, als „unvermeidlich“ darstellt, was wir in der Tat sehr anders gesehen haben.

Ohne dass es dem Kirchenmann gänzlich klar sein wird: De facto würde ein erfolgreicher Bischof Williams, ganz so, wie es die britischen Demokratiegegner aus Muslimbruderschaft, Al‑Mouhajiroun, Hizb ut‑Tahrir oder Jamaat‑e‑Islami anstreben, die Muslime in ihrem rechtlichen wie staatsbürgerlichem Bewusstsein aus der Gesamtbevölkerung aussondern.

Damit vertieft Williams die Kluft zwischen Nichtmuslimen und Muslimen und leistet einem sakralen Apartheidssystem Aufbauhilfe, dem Konzept von Dhimma oder Kalifat entsprechend.

Freilich, die radikalen oder auch nur fiebrig frommen Milieus geben bereits in vielen britischen Stadtvierteln vorlaut den Ton an, und es besteht überall auf der Welt das Problem, dass Muslime die recht totale Scharia anwenden wollen und die Demokratie als sittlich minderwertig oder gar als dem Allah-Gott gegenüber frevlerisch bewerten. Jetzt aber von „unvermeidlich“ zu reden, wie Williams das tut, wäre Beitrag zur Auflösung der Demokratie. Den Konformitätsdruck, dem Muslime und gerade muslimische Frauen unterliegen, übersieht Williams anscheinend völlig.

Großbritanniens Muslime oder Teile von ihnen wollen die Scharia in Ehe-, Familien- und Personenstandsrecht, das mag ja so sein, und der klerikale Islamversteher und begrenzte Schariafreund Williams unterstützt sie begeistert. Nun könnte man ja fragen: Warum gibt die Demokratie den Muslimen nicht einfach die Freiräume für ein bisschen Scharia?

Sie darf es nicht. Demokratie kann Teilbevölkerungen kein Sonderrecht gestatten, will sie sich nicht selbst ad absurdum führen: Universelle Menschenrechte wie demokratische Bürgerrechte des Landes sind in ihrem Wesen nach unteilbar und seit Jahrhunderten auf die Vision eines Staates von gleichberechtigten Individuen ausgerichtet. Irgendwann wurden Europas christliche Sektierer nicht mehr verbrannt, später waren Atheisten gleichberechtigt, zuletzt gar Frauen. Das angeblich vom Allah‑Gott geschaffene, ewige Regelwerk der Scharia steuert von diesen demokratischen Prämissen grundsätzlich weg, wie sparsam auch immer man die Scharia dosieren möchte. Aus Sicht der ernst genommenen Scharia ist die Demokratie Machwerk, Machenschaft, Sünde, Anmaßung und Frevel.

Womöglich wird Deutschland das Sonder‑Wahlrecht für die dänische Minderheit aufgeben müssen, um radikalen islamischen Agitatoren das Argument zu nehmen, ein eben solches Sonderwahlrecht durchzusetzen wie die „schützenswerte Minderheit“ der Dänen (keine Bindung an die 5‑%‑Klausel). In einer Demokratie dürfen Kollektive keine Berücksichtigung finden, das wäre ein vormodernes Denken, eine Erinnerung an die Zeit, als über jedes Individuum noch nahezu allumfassend Sippe oder Clan bestimmte, eine Stammeskultur, die zwischen Marokko und Indonesien allerdings noch recht ungebrochen blüht. In Zeiten weltweiter Fundamentalisierung und religiöser Renaissance vor allem des militanten und krisengeschüttelten Islams muss ein Zulassen von Sonderrechten als geradezu selbstmörderisch erscheinen.

Anfragenden Muslimen ist ihr angeblich „von Allah eingeräumtes Recht“ auf ein Leben nach Sunna und Scharia durch uns Demokraten ganz bewusst und stolz zu verweigern, sobald so ein Ansinnen an ein demokratisches Gremium gerichtet wird. Doch werden die Demokratien stark genug sein, um die Theokratie in die Schranken zu weisen, oder vielmehr aus Angst, „intolerant“ oder gar „rassistisch“ zu sein, feige kuschen?

Was geschieht, wenn eine fundamentalistisch „abgerichtete“ junge Frau irgendwelche schariatischen Eheverträge etwa als Zweit- oder Drittfrau abgeschlossen hat und sie nun als Demokratin leben möchte oder als Lesbe oder als Buddhistin? Bietet der multikulturelle Williams dieser Frau Kirchenasyl an, die sich vor „ihrem Kollektiv“ verstecken muss?

Dhimmi Williams hat in einer Sache ganz Recht: Zehn bis zwanzig Prozent der britische Muslime lehnen auf Anfrage die demokratische Rechtsordnung großspurig ab, Maulheldentum zumeist, man hat die Hassprediger ja auch lange genug für das Kalifat und gegen die Menschenrechte werben lassen. Fünf bis zehn Prozent der britischen Muslime finden Dschihad im Sinne von Terrorismus ganz akzeptabel. Nur wenige aber setzten ihren antidemokratischen Hass auch um und wurden zum Attentäter.

Es gehört doch eine gute Portion an Desinteresse oder aber lustvollem Masochismus dazu, den effektvoll beleidigten Muslimen alsbald ein paar Sonderrechte zu schenken. Sie werden rasch einen Anlass finden, wieder beleidigt zu sein und von Dhimmi Williams und seinen multikulturellen Freunden weitere Sonderrechte bekommen. Sehr bald gäbe es ein islamisch dominiertes Mehrklassensystem (Dhimma, Dhimmitude), wie es beispielsweise die Gesellschaftsordnung der osmanischen „Millet“ darstellte. Das wäre keine Demokratie mehr, sondern eine Kampfarena irgendwelcher Prediger.

Es lohnt sich, islamischen Verbandsvertretern zuzuhören, wenn sie die Worte „Gerechtigkeit für Muslime“ und „mein Recht“ aussprechen: Stets meinen sie größtmögliche Scharia und reinste Sunna. Ihr inhumaner Fanatismus beziehungsweise und damit einhergehend ihre staatsbürgerliche Unreife lassen ihnen keine andere „persönliche Meinung“ zu als die des frauenunterdrückenden und Nichtmuslimen gegenüber arroganten Kollektivs.

Bischof Williams will ein Kasten-System von durch Rechtsschranken getrennten, festungsartigen Kollektiven installieren. Bischof Williams gefährdet die Demokratie.

Doch einstweilen wirbt der Erzbischof von Canterbury unbeirrt für eine an der Scharia ausgerichtete Regelung von allen sozialen und privaten Fragen, die Scheidung, finanzielle Transaktionen oder Bußgelder innerhalb der muslimischen „Sonderbevölkerung“ betreffen. Ist Großbritannien weise genug, die gefährlichen Gedanken des sakralen Querschlägers kühl abzulehnen?

Und die Briten? Heute Vormittag befragte Radio BBC erst einmal einen „Experten“. Wen wohl?

Den Islamisten Tariq Ramadan, mütterlicherseits Enkel des Gründers der Muslimbruderschaft Hassan el‑Banna und Bruder des im Jahre 2002 im Le Monde öffentlich die Steinigung aller Ehebrecher fordernden Hani Ramadan. Tariq Ramadan, lange Mitglied in allen möglichen Europakommissionen gerne mit und um Romano Prodi. Ramadan, der möchte, dass wir Europäer ebenso vollzählig wie freiwillig zum Islam übertreten. Ramadan, derzeit unfasslicherweise Gastdozent an der Universität von Oxford, nachdem er in die USA nicht einreisen durfte. Herr Ramadan wich dem deutlichen Fragen der Reporterin minutenlang sanft aus, war geschickt genug, wie nebenbei den Bischof als provokanten Streithahn zu beschuldigen und betonte, dass die Diskussion zu der womöglich ja gewünschten Umsetzung der Scharia in Großbritannien in den Kreisen der britischen Muslime noch längst nicht abgeschlossen sei. Aha. Ramadan und Freunde wollen die Frage „noch nicht ausdiskutiert“ haben.

Ramadan hält das Kopftuch für Zeichen islamischer Identität wie für islamische Pflicht: „ohne dass es Zwang sein dürfe.“ Derlei Geheimnis bleibt Nichtmuslimen leider oft unzugänglich: Absolute Pflicht Ja, auch nur etwas Zwang Nein. Auch die Steinigung, so Ramadan vor Jahren, sei islamischerseits noch nicht ausdiskutiert.

Pflicht Ja Zwang Nein. Alles klar?

Ausdiskutiert. Wie in einer alternativen Wohngemeinschaft. Tarik und seine Spontis mit dem dackeläugigen treuen Blick. Was für ein Zufall: Die spontane Scharia. So viel Gruppendiskussion muss die Demokratie doch einfach anerkennen. Schon, um der schrecklichen und unnötigen „alienation“, Entfremdung zu begegnen, an der die sensiblen Muslime laut Bischof Williams nun schon jahrelang und gänzlich unnötig leiden. Scharia gewähren heißt gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen, so deliriert unser Williams mit kirchlichem Ernst.

Auszudiskutieren brauchen die Muslime beziehungsweise deren regelmäßig radikale und antidemokratische Wortführer vermutlich auch nichts: Die fanatisch multikulturellen Briten werden der sich etablierenden Obrigkeit der Islam‑Kaste in dieser Angelegenheit demnächst wohl detaillierte und facettenreiche Vorschläge unterbreiten. Warum also soll sich die islamische Seite diese Arbeit selbst machen? Das wird dann ein wenig Staatsvertrag mit der Dar al‑Harb, weiß der schlaue Tariq Ramadan. Als Islamist muss man ja sehen, wo man bleibt. Wenn man schon Einreiseverbot in die USA hat.

Hoffnung bei soviel tödlicher Toleranz und so viel Lust am Abbau der Demokratie macht uns der Bischof von Rochester, Michael Nazir‑Ali. Er ist der einzige „asiatische“ Bischof und warnt vor sich etablierenden Parallelgesellschaften und vor den ersten Zonen, die von Nichtmuslimen nicht mehr betreten werden können, ohne psychisch oder physisch angegriffen zu werden. Nazir‑Ali erhielt für diese Aussage einige theokratisch inspirierte Todesdrohungen. Zusätzlich hinderlich für Nazir‑Ali und ärgerlich für uns: Williams ist sein Chef! Der Bischof von Canterbury ist stets das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche.

Heute, am 8. Februar, melden weitere hochrangige Geistliche erheblichen Zweifel an der Bemerkung von Bischof Williams an: „Da wird noch viel Arbeit und Gespräch nötig sein, bis ich diese Idee gutheiße“ oder „Williams hat ein Minenfeld betreten“, so melden sich offensichtlich weniger schariabegeisterte Christen zu Wort.

Auch die säkulare Politik geht zu Williams auf Distanz: Premier Brown ließ einen Sprecher der Downing Street anmerken: „Britische Gesetze beruhen auf britischen Werten“ und Kulturstaatsminister Andy Burnham bemerkte: „Parallele Rechtssysteme werden nicht zur von Bischof Williams gewünschten Kohäsion der Gesellschaft führen sondern zu Chaos.“

Den Bischof ficht derartige Profanität nicht an. Eine Implementierung von einigen Punkten der Scharia und zudem in einer Art von Wahlfreiheit würde „soziale Spannungen abbauen helfen.“ Und vor allem wohl an die Nichtmuslime richtet sich sein Appell: „Die Scharia muss besser verstanden werden.“

Gut möglich, dass Islamfreund Williams auch die britischen Muslime dazu aufruft, die Scharia endlich besser zu verstehen. Merkwürdigerweise verspüren manche gar keine besonders große Lust dazu. Das sind die, die sich mit britischem Recht sehr wohl identifizieren. Bischof Williams aber setzt sich gerade für diese zuletzt genannten nicht ein, sondern ausgerechnet für die, die ein Loyalitätsproblem zu verspüren glauben, oder, wie der anglikanische Primas es nennt: „muslimische Menschen mit abweichenden Loyalitäten – was die Gesellschaft akzeptieren muss.“

Jacques Auvergne

Quellen:

Sweetness Light

http://sweetness-light.com/archive/arch-of-canterbury-sharia-law-unavoidable

This Is London

http://www.thisislondon.co.uk/news/article-23436203-details/Adoption+of+Islamic+Sharia+law+in+Britain+is+’unavoidable‘,+says+Archbishop+of+Canterbury/article.do

Süddeutsche

http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/297/156882/

NZZ

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/scharia-justiz_fuer_britische_muslime_1.667303.html


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