070. Suche süßen Mann fürs Leben

070

الشهادة

Schahāda,

islamisches Glaubensbekenntnis

Neues aus

Altendorf

Jacques Auvergne

Jungakademikerin

sucht Mann fürs Leben.

Deutschlands höhere Töchter

konvertieren zum Islam

(Personen- und Ortsnamen geändert)

Laura ist bei ihrer Mutter aufgewachsen, Tochter einer Apothekerin und eines erfolgreichen Frankfurter Immobilienmaklers und heute 25 Jahre alt. Lauras Eltern leben seit zwei Jahrzehnten getrennt, doch auch der Vater hat häufigen Kontakt zu seinem Kind, das 2001 in Mainz die Hochschulreife erreichte. Im Mai 2006 schloss die in der idyllisch am Rheinufer gelegenen Kleinstadt Altendorf bei Mainz aufgewachsene Laura ihr Studium der Anglistik erfolgreich ab. Noch am Tage der Diplomfeier setzte sie eine Annonce in die Zeitung: „Junge Akademikerin sucht Mann fürs Leben“. Das jedoch hielt sie vor ihrem Vater geheim, Eltern brauchen ja nicht alles zu wissen. Der erfreute Papa stiftete seiner Tochter eine noble Zweizimmerwohnung im benachbarten Mainz. Wenn das kein Optimismus ist.

Zwei Dinge sind allerdings zu ergänzen. Erstens nutzte sie kein Printmedium sondern eine Online-Zeitung, sie inserierte in einer Partnerbörse im Internet. Und zweitens schrieb sie nicht einfach „Mann“ sondern spezifizierte genau „muslimischer Mann“. Denn das versprach eine besondere, abenteuerliche Herausforderung zu werden. Worin sie sich nicht täuschen sollte.

Und bis heute ist das Abenteuer noch nicht einmal zu Ende. Die Motivation für diese besondere Suche nach dem Risiko dürfte nicht zuletzt in einer uneingestandenen Rivalität zu ihrer Jugendfreundin Melanie wurzeln.

Lauras Kommilitonin Melanie nämlich, Freundin seit dem Kindergarten und heute nur einen dreiminütigen Fußweg von ihr entfernt wohnend, wurde im Grundstudium Opfer von Bezness: Ein charmanter Tunesier täuschte Liebe vor, umgarnte die Studentin wochenlang, kultivierte vielseitige Sexualität und gelangte an Melanies Bank-Karte nebst dazugehöriger Geheimnummer. Nach ein paar erotischen Nächten im Wiesbadener Studentenwohnheim waren alle drei verschwunden, Geldbörse, Schmuck und Liebhaber. Das Konto leergeräumt, vom Verbleib einer stattlichen Summe Geldes fehlt bis heute jede Spur. Der Nordafrikaner finanziert sein Dasein ganz offensichtlich mit diesem eigenwilligen Lebensstil. „Naja, das kann der einfältigen Melanie passieren“, dachte Laura: „der Misserfolg meiner simpel strukturierten Freundin ist für mich als Siegertyp doch gerade ein Grund, es besser zu machen als sie!“ Gesagt, getan.

Am Tag nach der Diplomfeier blieb der Computer-Bildschirm leer. Auch am zweiten. Am dritten Tage aber flatterte Antwort auf Lauras Bildschirm. Khalid, 27, Libanese, Student der Elektrotechnik, fragt in aller Höflichkeit nach einem Treffen in einem Mainzer Café: „Willst du vielleicht kommen?“ Ein Photo dabei, einfach umwerfend sieht der mediterrane Typ aus. Nein, so etwas Nettes, Melanie würde grün werden vor Neid. Und ob Laura wollte! Ob denn Khalid auch wirklich ein echter Muslim wäre? Khalid versprach mit treuherzigen Sätzen, der sunnitischen Glaubensrichtung anzugehören. Sunnit, wie aufregend! Er erschien im Café, hübsch wie Adonis und Laura fühlte sich im siebten Himmel. Es folgten studentische Wochen voller Verliebtheit. Die anderen Studentinnen gratulierten, auch Melanie. Papa wusste von nichts.

Einige Monate später zog Khalid bei Laura ein. Lauras konservativer Vater, der die Wohnung bis heute finanziert, darf jedoch davon nichts wissen, er hatte immer gesagt, dass er einen Ausländer als Ehemann seiner Tochter nicht dulden würde. Doch niemand sagte dem Makler etwas und so konnte im Mai 2007 geheiratet werden. Ebenfalls in Lauras privatem Zimmer, den dafür notwendigen, feierlich gewandeten Geistlichen organisierte Khalid beim benachbarten Moscheeverein. Sehr orientalisch, sehr aufregend. In den eigenen vier Wänden also sprach Laura die altehrwürdige Schahada aus, das islamische Glaubensbekenntnis, denn, so hatte Khalid es erläutert, ohne Übertritt zum Islam keine Heirat. Notfalls eben am Tag der Heirat, kein Problem. Khalid war fromm und praktisch zugleich. Laura war beglückt.

Das deutsche Standesamt weiß davon natürlich nichts, personenstandsrechtlich gilt Laura damit als ledig. Khalid hält von den Ämtern der säkularen Moderne nach eigenem Bekunden auch nicht besonders viel: „Du musst autonom leben, die muffigen Behörden brauchen nicht alles zu wissen!“ So viel rebellischer, antibürgerlicher Geist, was sind ihre Eltern doch für langweilige Spießer. Ohne Vaters Wissen zu heiraten ist natürlich gleich noch viel aufregender. Ihre Mutter allerdings nahm sie zur Hochzeit mit, sicher ist sicher. Doch nahm Laura ihr das Versprechen ab, Papa nichts zu sagen: „Mama, die Sache bleibt unter uns!“ Ehrensache, Frauensache. Lauras Vater weiß bis heute nichts von der Heirat.

Laura tritt einen schlecht bezahlten, aber sicheren Job in einem kleinen Buchladen an. Nicht gerade ihr Traumberuf, aber gut erreichbar und mit vielen internationalen Kunden. Lauras Englischkenntnisse und Kenntnis der anglophonen Literatur sind gefragt. Die Umsatzzahlen jedenfalls steigen deutlich. Der Chef erhöht ihr Gehalt. Ende Januar 2008 stellte Laura fest, schwanger zu sein.

Das jedoch sagt sie noch nicht einmal ihrer Mutter, denn womöglich würde Mama die zugesagte Geheimhaltung vor Schreck beziehungsweise aus verantwortungsbewusster Sorge aufgeben und Papa etwas verraten, und der würde ihr die finanzielle Unterstützung entziehen und Khalid am Kragen packen und aus der Wohnung werfen. Im Scherz hatte Papa so etwas Ähnliches nämlich vor Jahren bereits erwähnt und dabei ziemlich grimmig geguckt. Wo Khalid doch so ein sanfter Junge ist. Womöglich also würde Blut fließen, und sie wäre dann daran schuld.

Laura hat ihr Diplom und ihren Job im heimatlichen Altendorf. Die alten Studenten arbeiten mittlerweile in anderen Städten oder gar im Ausland. Lauras Bekanntenkreis jedenfalls schrumpft. Im Frühling 2007 meldete sie sich im Schwimmverein ab. Auf Khalids Wunsch hin, da seien zu viele Männer: „Geh mal in die Koranschule, die Frauen werden dir das erklären.“ Sie ging. Und man erklärte es ihr. Sie wollte doch glauben.

Laura geht bis heute einmal wöchentlich zur Frauen-Koranschule und beginnt, „sich zu bedecken“, wie sie es ihrer letzten deutschen Freundin gegenüber nennt: Sie trägt das islamisch erwünschte Kopftuch. Laura führt ein Doppelleben: Khalid verbietet ihr, alleine auszugehen, doch dem Vater gegenüber glänzt sie als die moderne Berufstätige, die ihr Leben auch völlig selbst finanzieren könnte. Da stiftet der großzügige Papa auch weiterhin gerne die Bleibe.

Man beginnt zu sehen, dass Laura schwanger ist. Ihre Kleidung passt sich den sprichwörtlichen Umständen an, doch das dürfen Papas Freunde aus dem Schützenverein keinesfalls ahnen. Schließlich war Papa erst letztes Jahr der Schützenkönig der Sebastianusgilde von Altendorf.

Khalid macht den Vorschlag, das Kind, sobald es geboren ist, im Libanon aufwachsen zu lassen: „Es ist doch besser, wenn das Kind seine Verwandten kennen lernt! Wenn das Kind die Sprache und Kultur kennen lernt.“ Das klingt erklärlich. Das Ungeborene soll doch einst Sprache und Kultur des Orients kennen lernen, irgendwie hat Khalid ganz recht. Doch etwas macht sie stutzig.

„… besser, wenn das Kind seine Verwandten kennen lernt!“

Laura beginnt zu ahnen, dass der deutsche Großvater dem Kind kein „Verwandter“ sein soll. Jedenfalls kein gleichberechtigter.

Die letzte urdeutsche Freundin, ja, Bezness-Opfer Melanie, war selbstverständlich zur Hochzeit eingeladen. Sie sagte ab. Sie habe Angst, erklärte Melanie, dass Laura sich in eine allzu abhängige und unterworfene Rolle begebe, das könne sie nicht ohne schlechtes Gewissen billigen.

Laura trifft Melanie einmal im Monat. Heimlich. Per SMS verabredet man sich. Das Telefon könne Laura nicht mehr benutzen. Melanie verstand und fragte couragiert nach: „Verbietet er dir, mit mir zu telefonieren?“

Lauras Antwort war ein kurzes „Ja!“ Melanie fragte nach, ob Laura noch einen Schlüssel habe. „Nein“, antwortete Laura, „ich muss gleich wieder zurück sein, damit Khalid zur Hochschule gehen kann.“ Ich bin entsetzt: „Dann kannst du ja gar nicht einfach so aus deiner Wohnung gehen, wenn du es willst?“ Laura schwieg. Das ist sechs Wochen her.

Ich bin Melanie. Heute Morgen huschte Laura zu mir. Sie heiße jetzt Layla, ich dürfe sie nicht mehr Laura nennen. Ich wollte das aber nicht. Sie müsse darauf bestehen, ihr Ehemann verlange es: „Layla, nie wieder Laura.“ Ich war schockiert und lehnte deutlich ab.

Nein. Ich werde Laura nicht Layla nennen.

Ich bin verwirrt und sehr verzweifelt. In welcher Katastrophe wird die Sache enden, in welchem Stumpfsinn oder welchem Fanatismus? Ich, Melanie, bin Lauras letzte deutsche Freundin.

Ich heiße Melanie und wohne mitten in Deutschland. Meine zum Islam konvertierte Freundin wohnt in der Nachbarstraße. Drei Minuten zu Fuß. Sie könnte jederzeit herüberkommen, gerne. Sie heißt Laura. Oder Layla?

Jacques Auvergne

4 Antworten to “070. Suche süßen Mann fürs Leben”

  1. Nadine Says:

    War interessant zu lesen. Super Beitrag

  2. Jacques Auvergne Says:

    Vielen Dank, sehr geehrte Nadine, für den Kommentar,

    hinter dem geschilderten Fall steht ein Mensch, mir nur über die einstigen Beziehungspersonen der Frau bekannt. Seit einem Jahr höre ich nichts Neues mehr, damals kam das Kind glücklich zur Welt und das Paar weilte noch in Deutschland. Ich hoffe, dass die Person den ‚Ausstieg‘ aus der fundamentalistischen Parallelkultur schaffen wird und öffentlich (vielleicht unter einem Pseudonym oder / und aus dem Untergrund) ihre weltanschaulich radikale Phase in ‚Außenansicht‘ schildern wird, ganz ähnlich, wie es vor 30 Jahren der dynamische Sinnsucher und Sekten-Flüchter Oliver von Hammerstein …

    … tat mit seinem lesenswerten Buch ‚Ich war ein Munie‘.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14332344.html

    Leider stehen die Chancen wohl schlecht, dass die Geschilderte und mutmaßliche ‚machtverliebt-träge Versöhnerin‘ jemals aus dem genannten, revolutionär-repressiven islamischen Kult ‚aussteigen‘ wird, zumal die ’neue‘ traditionalistische Großfamilie ihr kein kulturell modernes Leben freiheitlicher Individuen vor Augen führen dürfte, eher schon müsste ihr Mann sich zu einem Ex-Muslim oder säkularen Muslim wandeln und sie mitziehen. Schön wäre auch das, leider etwas gefährlich für beide.

    Hoffen wir das Beste, der Hidschab ist nicht angeboren und der Scharia-Fanatismus kann ausheilen. Ob die Dame an einen Engel glaubt oder daran, ihre Lieben nach dem Tod im Paradies zu treffen, ist ihre interessante Privatsache, aber der Vorwurf der Orthodoxen, alle Gehorsamsverweigerer müssten in der Hölle schmoren und wären Menschen sittlich geringeren Wertes sprich dämonisch unreine Frevler und Schlampen, ist hoch politisch und betrifft uns alle.

    Freundschaft, Liebe, Ehe oder Religion soll zur Kreativität befreien, nicht zum Stumpfsinn fesseln.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jacques Auvergne

  3. albmuslim. Says:

    DAS IST NICHT DER ISLAM ABER EGAL MAUL QIJAMA WERDET IHR SEHEN

  4. Jacques Auvergne Says:

    Sehr geehrter albMuslim oder sehr geehrte albMuslima,

    vielen Dank für Ihren Beitrag, auch wenn ich anderer Meinung bin und den Bericht als sehr islamisch bewerte, als islamtypisch. Nennenswert ist auch dieser Mann hier, der es ok findet, elfjährige und zehnjährige Mädchen religiös zu verheiraten und, vom Ehemann versteht sich, schwängern zu lassen: Der saudische Großmufti Scheich Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich, Fatwa:

    http://edition.cnn.com/2009/WORLD/meast/01/17/saudi.child.marriage/index.html

    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/dubai/4242395/Saudi-cleric-says-OK-for-girls-of-ten-to-marry.html

    Auch der Mufti von Komotiní sorgt dafür, dass zwölfjährige oder elfjährige schwangere Ehefrauen in Düsseldorf am Rhein in Erscheinung treten, Mufti Dschemali Metscho (Hafız Cemali Meço Efendi, Gümülcine, Χαφίζ Τζεμαλή Μέτσο Μουφτής Κομοτηνή)

    http://www.express.de/regional/duesseldorf/zwoelfjaehrige-bekam-in-zwangsehe-ein-baby/-/2858/705568/-/index.html

    Der Mufti, Cemali Meço, anerkannter Experte für Islamisches Recht

    Hidschâb, notfalls auch Burka, Zweit- bis Viertfrau, unbegründete Frauenverstoßung (der Vater bzw. seine Sippe kassiert die Kinder) sowie Zwangsverheiratung der Jungfrau durch den Walî mudschbir (ولي مجبر, mücbir veli, veli mojbar), all das ist Islam pur, wie Sie genau wissen – oder wollen Sie Scheich Aal asch-Scheich und Mufti Metscho als Kuffâr (kâfirûn) erklären, als Ungläubige, die den Islam nicht verstanden haben?

    An den Tag der Auferstehung (yaumu l-qiyâma, albanisch Dita e Gjykimit) dürfen wir alle ja gerne glauben, auch die Juden, Jesiden oder Bahâ’î unter uns, aber Sie sollten sich unbedingt von der Scharia und vom Fiqh distanzieren und zu den Allgemeinen Menschenrechten (AEMR) bekennen, damit Sie uns zeigen, dass Sie verstanden haben, was das deutsche Grundgesetz mit „Religionsfreiheit“ meint, wenn es feststellt: Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich“ (Artikel 4 (1) GG).

    Mit freundlichen Grüßen,

    Jacques Auvergne

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