081. Islam als Schulfach schlichtweg ungeeignet? Zur Diskussion

081

دين

dīn,

Din: Islamische Religion, islamische Lebensweise

Lässt er sich in buchstäblich letzter Minute noch verhindern? Aus der Perspektive der nachhaltigen Demokratie sind wesentliche Fragen noch ungeklärt. Islamischer Religionsunterricht ist von der deutschen Bundesregierung flächendeckend an allen staatlichen Schulen gewünscht, die entsprechenden Lehrer werden an mehreren Hochschulstandorten ausgebildet, die Schulbücher (Reihe Saphir) sind im Druck: Lamya Kaddor, Rabeya Müller und Harry Harun Behr sind die Herausgeber von „SAPHIR. Religionsbuch für junge Musliminnen und Muslime, Kösel Verlag, München 2008.

Als Denkanstoß. Ein Brief

von Ümmühan Karagözlü

und Jacques Auvergne

Guten Tag (…)

als Diplom-SozialpädagogInnen und Vorsitzende eines gemeinnützigen Vereins, der vor allem Angebote zur sprachlichen Integration für SchülerInnen und Erwachsene mit Migrationshintergrund anbietet sowie als überzeugte DemokratInnen stimmen wir Ihren Argumenten in dem oben genannten Artikel dankbar zu und möchten mit Verlaub noch einige Denkanstöße hinzufügen.

Bei einschlägigen Internetadressen, Seminaren und Vorträgen haben wir uns über Glaubensprinzipien des Islam, Sunna und Scharia informiert und den Koran gelesen. Diskussionen mit säkularen muslimischen FreundInnen, der Arbeitsalltag mit KollegInnen mit und ohne muslimischen Migrationshintergrund sowie das Unterrichten von SchülerInnen und KursteilnehmerInnen, die mit ihren Familien einen eher traditionellen Islam leben haben uns umfangreiche Einblicke in islamisches Denken und Handeln verschafft. Wir kennen die problematischen Inhalte von Koran und Sunna somit auch aus der Praxis.

Besonders die Genderbilder, das fehlende Bekenntnis zu den universellen Menschenrechten und zur FdGO als oberster Rechtsnorm der BRD, das Ablehnen christlich-humanistischer Werte, Intoleranz gegenüber AtheistInnen, Ex-MuslimInnen oder Andersgläubigen, offener Antisemitismus, das Verbot und die Bestrafung von Apostasie, die Verweigerung, die deutsche Sprache innerhalb der Familie mit Migrationsgeschichte anzuwenden waren und sind immer wieder Reibungspunkte, die nach unserer Erfahrung einer gelingenden Integration und Partizipation entgegenstehen. Wie die vom Bundesinnenministerium initiierte Studie ‘Muslime in Deutschland‘ deutlich vor Augen führt, haben sich in unseren Städten bereits viele MuslimInnen in Parallelgesellschaften zurückgezogen.

Ein schriftlich fixiertes und gegengezeichnetes klares, unwiderrufliches Bekenntnis zu den universellen Menschenrechten und zur FdGO, unter besonderer Berücksichtigung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der negativen Religionsfreiheit, der Meinungsfreiheit auch in religiösen Angelegenheiten und der sexuellen Selbstbestimmung wären Grundvoraussetzungen, auf denen auch der islamische Religionsunterricht fußen müsste. Ein differenziertes Überwältigungsverbot, das auch die freiwillige Teilnahme am RU umfasst, sowie das Kopftuchverbot für Lehrinnen wären uns sehr wichtig. Außerdem sollte jeglicher Konformitätsdruck auf die meist noch minderjährigen TeilnehmerInnen und deren Familien vermieden werden, auch das unter Druck Setzen von KlassenkameradInnen durch MitschülerInnen muss unterbunden werden. Islamischer Religionsunterricht darf auch niemals versetzungsrelevant werden oder den Notendurchschnitt beeinflussen. All diese Bedingungen oder vielmehr die Klärung derselben ist dem Bundesinnenminister offensichtlich nicht wesentlich.

Die historisch-kritische Textarbeit ist unverzichtbar für jeden Religionsunterricht in der kulturellen Moderne. Ziel eines säkularen Religionsunterrichts ist die Erziehung zur politischen und spirituellen Autonomie. Auch ein islamischer Religionsunterricht hätte diese demokratischen Qualitätskriterien zu akzeptieren. Dazu werden die Muslime, erst recht die von Schäuble erwünschten Moscheevereine, wohl noch auf Jahrzehnte nicht in der Lage sein.

Zudem sind wohl einige wesentliche Fragen nicht geklärt. So wäre interessant, ob die Koranschulen weiterhin Koranunterricht erteilen werden. Hätten wir dann morgens an den staatlichen Schulen den säkularen Religionsunterricht als Islam light und nach der Schule den Fiqh- und Scharia-Islam? Wie will Schäuble überwachen, ob muslimische ReligionslehrerInnen sich tatsächlich an die Vereinbarungen und Standards der staatlichen Aufsichtsbehörden halten?

Mit freundlichen Grüßen

Ümmühan Karagözlü, Jacques Auvergne

Eine Antwort to “081. Islam als Schulfach schlichtweg ungeeignet? Zur Diskussion”

  1. irem Says:

    Hallo, ein islamischer Religionsunterricht an unseren Schulen ist längst überfällig und muss genauso behandelt werden, wie ein christlicher oder jüdischer Religionsunterricht (s. Grundgesetz!). Ich kann Ihren Ausführungen in keinster Weise folgen. Versetzungsrelevaz muss ebenso gleichberechtigt gehandhabt werden, wie ein christlicher und jüdischer Religionsunterricht. Da ich in der Zeitung gelesen habe, dass der alevitische Religionsunterricht an den Schulen schon anerkannt ist, frage ich Sie, wie dieser Religionsunterricht denn überwacht wird? Fundamentalisten und konservative Religionslehrer gibt es in allen Religionen, in den christlichen ebenso wie in den jüdischen und islamischen. Aber behandelt werden müssen alle Religionen gleichwertig. Und – da sind sich alle, die mit Schule und Religion zu tun haben, einig – es MUSS ein ebenso anerkannter islamischer Religionsunterricht an die Schulen, wie der Unterricht von allen anderen Religionen. Alles andere wäre ebenso undurchsichtig, wie all die sog. „Hinterhofmoscheen“.

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