087. Beate Sträter: Kopftuch und Kreuz

087

διά,

λόγος!

[Zu] ’Dialog’, von altgriechisch

Dhiá, „hindurch“ und Lógos,

„Wort, Bedeutung, Sinn“.

Diá-Log wäre damit ungefähr

„der hinüberfließende Sinn“.

Ohne vorhandenen Sinn jedoch

fließt wenig von Selbigem hinüber,

von wo nach wo auch immer.

Beate Sträter:

« Kopftuch und Kreuz.

Muslimische Frauen

aus evangelischer Sicht »

Gelesen und kommentiert,

auch aus evangelischer Sicht,

von Jacques Auvergne

7 (aktuelle Fragen), mit denen sich Muslime in dieser Gesellschaft auseinandersetzen müssen.

Soso, müssen sie das, ’die’ Muslime und ’in dieser Gesellschaft’? Die Bonn-Bad Godesberger Pfarrerin Dr. Sträter konstruiert eine Sorte Mensch, die Menschensorte der Muslime und definiert diese als irgendwie integrationsproblematisch. Das letztere stimmt sogar und wäre eine detaillierte Betrachtung wert, die sich die kopftuchtolerante Autorin leider erspart. ’Die Muslime’ also, das ist bereits ausgesprochen schariakonform gedacht von unserer evangelischen Pastorin, schließlich ist der Islam eine vormoderne Ideologie, die alle Menschen der Welt in Klassen verschiedenen sittlichen Wertes aufteilt und ’die Muslime’ mit repressiver Sexualmoral und sklavisch zu befolgenden Verhaltensvorschriften gängelt. Indirekt legt Dr. Sträter uns gleichzeitig nahe, diese europäische oder jedenfalls bundesdeutsche Gesellschaft als muslimfeindlich zu betrachten und Muslime als diskriminierte Minderheit, was schlicht falsch ist, doch was sowohl dem Erniedrigungsbedürfnis der bußbereiten evangelischen Gutmenschen als auch der taktisch dosierten Larmoyanz der radikalen (ordnungspolitisch aktiven) Muslime entgegenkommt. Nebenbei: Müssen sich etwa nur die deutschen Muslime mit diesen ’aktuellen Fragen’ eventueller religionsbezogener Diskriminierung auseinandersetzen, nicht ebenfalls die entführten irakischen Priester oder Koptenmädchen? Und was ist mit den säkularen Muslimen im Iran oder Ex-Muslimen in Europa? Für Fachfrau Islamberaterin kein Thema.

Warum spricht die Fachberaterin für Islamfragen des Kirchenkreises Bad Godesberg/Voreifel nicht von ’Bürgerinnen und Bürgern eines freiheitlich-demokratischen Staates’, sondern von ’Muslimen’? Hier liegt ganz offensichtlich eine Gefahr für die freiheitliche Demokratie, eine Gefahr, die sich aus einer nebelhaften ’Formlosigkeit’ des christlich-muslimischen Dialogs ergeben kann, nämlich in toleranter Eintracht mit Sunna, Muslimbruderschaft und Islamverbänden Individuen ungefragt in Kollektive zu sperren. Derartig unterstützt die Autorin die integrationsfeindliche Dynamik islamtypischer Selbstabgrenzung und selbst gewählter Fremdheit beziehungsweise trägt als nützliche Dienerin des Patriarchats dazu bei, dass Mädchen und Frauen aber auch Jungen und Männer, dass alle freiheitsliebenden Menschen den Islam als ein Gefängnis der Orthopraxie, der geheiligten Vorschriften nicht verlassen können. Wenn ihnen die Flucht doch gelingt, dann verdanken sie es jedenfalls nicht der Haltung der evangelischen Fachberaterin für Islamfragen, eine Haltung, die sich mit ’entgrenzt tolerant’ beschreiben lässt. Oder mit ’bewährt gleichgültig’. Er muss aber violett sein, der Pullover.

Wie bedauernswert ist denn der diensthabende Muslim in der ach so intoleranten, schrecklich xenophoben BRD, nur weil er hierzulande keine Steinigungen kultivieren darf oder (offiziell) keine Polygamie praktizieren mit einer bedarfsweise neunjährigen Ehefrau? Sträter interessiert sich nicht für die Islamgeschädigten, die Frage nach den seelischen und körperlichen Opfern von Sunna und Scharia ist ihr völlig gleichgültig. Oder sie hat als Boff- und Qutb-Forscherin von der islamischen Sache keine Ahnung, das mag auch sein.

7 Dialog … EKD / EKIR

Das musste wohl so kommen: Die Evangelische Kirche beauftragt Vorturner für die zugegebenermaßen facettenreiche Islamproblematik. Ein irgendwie als islamkundig ausgewiesener Fachmensch denkt fleißig für den gesamten Kirchenkreis mit. Damit hat er dann das Monopol auf evangelische Islamkritik und damit zwingt sein multikulturelles Lächeln das Kirchenvolk zum Verstummen, denn er wird eben schamanengleich den Fetisch Toleranz beschwören statt humanistisch Islamkritik zu betreiben. Um seine Pfründe zu sichern, muss er die fleischgewordene Multireligiosität verkörpern, dafür wird er bezahlt und, das muss der Neid den meisten dieser Leute lassen, sie spielen ihre Rolle des Steinigungsverstehens und Ehrenmordbeschwichtigens geradezu bühnenreif. Pullover, bitte. Ja, lila.

Mein Mandat haben Sie nicht, sehr geehrte Frau Sträter, um christlich-muslimischen-Dialog zu betreiben und ich bin wie Sie Kirchenmitglied eben dieser Organisation EKD / EKIR. Es ist aber wohl so, dass ein Gemeinwesen immer den Islambeauftragten hat, den es verdient. Ich finde, die Rheinische Landeskirche und auch der Wichern-Verlag sollte möglichst rasch etwas Besseres verdient haben! Um sich für einen ernst gemeinten Dialog tauglich zu erweisen, sofern dieser denn gewünscht ist.

8 erschreckend, wie tief die Ängste und Vorurteile gegenüber dem Islam auch bei den Gliedern der christlichen Gemeinden verbreitet sind.

Es ist schon ein Ärgernis, wenn die Basis anders denkt, als die Obrigkeit es will, man denke da an die einstige Katholische Kirche und den Querkopf Martin Luther, mit dem sich Sträter einmal beschäftigen sollte. Statt dessen befasste sich Dr. Sträter wissenschaftlich mit Herrn Sayyed Qutb und der Lobby des ägyptischen organisierten Totalitarismus namens Muslimbruderschaft, theokratischen Putschisten, die Sträter mit der Befreiungstheologie Südamerikas verglich, was ungefähr so ist, als schriebe ich eine Arbeit mit dem Titel ’NSDAP und Ostermarschbewegung, zwei avantgardistische Gemeinschaften im kulturpädagogischen Vergleich’.

Die dienstlich erschrockene Frau Dr. Sträter also macht „Ängste und Vorurteile“ aus? Die so genannten Vor‑Urteile sind nicht selten ganz angemessene Urteile. Die erwähnten Ängste der Kirchenmitglieder vor einer nach weltweiter Dominanz strebenden Ordnungspolitik und Sexualpolitik, wie sie der radikale Islam nach innen etwa mit Bildungsverweigerung, Fundamentalisierung, Empörungsproduktion und nach außen mit einer geradezu industriell betriebenen Einschränkung der Meinungsfreiheit für Nichtmuslime, ganz im Einklang mit Koran und Hadithen, weltweit durchzusetzen trachtet, diese Bedrohung unserer Lebensweise darf und soll einen säkularen Bürger durchaus besorgt machen, sei er nun christlich, muslimisch, hinduistisch oder atheistisch inspiriert. Oder Bahá’í oder Jude. Oder emanzipierte Frau. Oder einfach nur freiheitsliebender Gegner des globalisierten Fundamentalismus.

Wenn hier etwas verbreitet ist, um Sträters Wort zu verwenden, dann sind es schlichte Unkenntnis, schuldhafte Ignoranz, entgrenzte Toleranz bis zu gerade so eben noch vermiedenen momentanen Selbstbeschädigung und ein krampfiger, den einzelnen Migranten namentlich den muslimischen um Absolution anflehender Anti‑Etatismus. Ein masochistischer Strukturhass, falsch etikettiert als Antifaschismus oder Faschismusresistenz. Sträters vielköpfiger ägyptischer Untersuchungsgegenstand in der Nachfolge der Herren al‑Banna und Qutb liest zeitgleich Adolf Hitler im Originaltext und träumt von der Vernichtung des Staates Israel als einer sakralen Reinigung der Erde vom Bösen. Idealisten unter sich.

Tiefernst nämlich zeigen die angetretenen soldatischen Formationen der hinter ihren bärtigen und turbantragenden islamischen Geistlichen aufmarschierten Hamas den Hitlergruß! Die Hamas als die palästinensische Teilbewegung der von Pastorin Sträter einst so ausführlich untersuchten und schnippisch-kokett mit der Befreiungstheologie Südamerikas (Boff) verglichenen Muslimbruderschaft (Qutb). Das müsste doch auch einen in der Wolle gefärbten Toleranten irritieren? Nicht, wenn der Pullover nur feministisch lila erstrahlt.

’Wenn wir die Terroristen nicht tolerant integrieren, dann radikalisieren die Exkludierten sich und wir eurozentrischen Bösewichte sind schuld.’ Mit dieser Logik hätte die Bundesrepublik Deutschland eine Rote Armee Fraktion zum (damals noch gar nicht erfundenen) Integrationsgipfel laden sollen oder zur irgendwie befreiungstheologischen Islamkonferenz. Bombenleger aller Länder.

„Jetzt feiern wir ein Friedensfest / das weiche Wasser bricht den Stein“. „Unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand. Komm, reiß auch du ein paar Steine aus dem Sand“. Der revolutionäre Islam hat eben Sex-Appeal für uns romantische Achtundsechziger. Diese hehren Naturburschen aus der Dritten Welt in ihrem Kampf gegen Kapitalismus und Spießbürgerlichkeit. We shall overcome, Allah`u akbar! Venceremos, Hallelujah! Das ist Integration pur. Wir evangelischen feministischen Theologinnen, ganz ergriffen und gerührt.

„Zwischen Radikalisierung und Integration. Politischer Islam in Ägypten und christliche Befreiungstheologie in Brasilien“, Beate Sträter, Baden-Baden (Nomos), 2007.

8 Die Kirchen, ihrer Friedenspflicht nachzukommen

Moralische Pflicht der Humanisten und praktischerweise auch der Christen wäre und ist es, den Unterdrückten und Verfolgten aller Welt beizustehen. Und von diesen nicht selten islamisch Erniedrigten gibt es etwa in Ägypten namentlich Kairo eine ganze Menge, einer Stadt, in der Schariafreundin Sträter ein Jahr gearbeitet haben soll. Die Kairoer Kopten, Bahá’í, Ex-Muslime und Islamkritiker sollte die Bad Godesberger Pastorin im Sonderdienst doch einmal zur Friedenspflicht ermahnen. Mag aber sein, dass die andere Seite dann etwas sauer wird, dann also bitte recht flink loslaufen.

8 multireligiöse Gegenwart

Die Evangelische Kirche soll die kulturelle Moderne bejahen und verteidigen helfen, nicht eine womöglich zunehmend fundamentalistische und in Parallelgesellschaften zerfallende so genannte multireligiöse Gegenwart. Die Evangelische Kirche soll den Wert der universellen Menschenrechte bekennen und verteidigen, beispielsweise die Frauenrechte, das Recht auf Straffreiheit bei gelebter Homosexualität und das Recht auf Straffreiheit und körperliche Unversehrtheit bei Wechsel der Religion namentlich beim Verlassen des Islam. Fehlt Frau Sträter dazu der Mut? Das wäre schade.

Dann eben Dhimmi-Status, eine rechtlich wahrhaft multikulturelle Situation: Allahs halbierte Freiheit für alle, geheiligter Sadismus dem muslimischen Herrenmenschen und verlässliche Entrechtetheit den Juden und Christen. Der lästige Zwang zur Entscheidung ist mir also auch noch abgenommen worden von der fürsorglichen, bekümmerten Scharia im ganzheitlichen, sexualitätsbejahenden und ganz besonders frauenfreundlichen Kalifat.

8 mein Eindruck (…) in der Kirche gibt es die Tendenz, sich abzugrenzen und Hürden für eine Begegnung zu erhöhen.

Das wäre ja schön, wenn eben dieses aus der legitimen Verteidigung der säkularen Moderne, der Meinungsfreiheit oder der (auch negativen) Religionsfreiheit geschähe. Mein Eindruck ist leider, dass die kirchlicherseits kultivierte, selbstbeschädigend tolerante Gesprächsbereitschaft mit der fundamentalistischen, vormodernen und frauenfeindlichen islamischen Orthodoxie dominiert, die Dialoge mit den wenig säkularen Vertretern des deutschen Verbandsislam also eingeschlossen. Sonst würde Beate Sträter die evangelischen Schafe ja nicht derartig ungehindert zur Schariafreundlichkeit ermahnen können.

Es wird wohl noch einige wenige Jahre dauern, bis auch der evangelische Teil der professionellen Lobby der bundesdeutschen (und europäischen) Schaufensterintegration um ihre Pfründe fürchten muss. Die Erkenntnis, dass eine Haltung wie die der Autorin weder den emanzipierten Muslimas noch der freiheitlichen Demokratie hilft, vielmehr durch ihre Duldsamkeit gegenüber den sich verfestigenden Strukturen eines ordnungspolitischen Islam die bürgerlichen Grundrechte und die 1948 erklärten Menschenrechte auszuhöhlen und zu untergraben hilft, beginnt sich zum Glück in den Herzen und Hirnen der Kirchenmitglieder durchzusetzen.

Wenn die von der Autorin attestierten erhöhten Hürden auf einen erhöhten Informationsgrad zurückzuführen sind, dann ist das ja nichts Schlechtes. Zumal das, was Sträter macht, womöglich keine Begegnung ist, sondern glitschige Anbiederung nach außen zum Islam und masochistische Beschwichtigungskultur gegenüber dem rheinischen Kirchenvolk. Was im Geiste dieses Buches ’Kopftuch und Kreuz’ stattgefunden hat und stattfinden wird, ist kein Dialog, sondern Dogma und Diktat.

Das jedoch wird uns keine Integration bringen, sondern frömmelnde Beweihräucherung der zeitgleich zunehmenden Segregiertheit in nichtmuslimisch bewohnte Stadtviertel der moralisch Minderwertigen und schariatisierte Stadtviertel sittenbezogener islamischer Überwachung. Oder, harmlosestenfalls, glänzende Unterhaltung und eine gerade unter uns frohgestimmten Kirchentagsbesuchern beliebte Tagesdosis von diesem ausgesprochen progressiven und dabei auch noch evangelischen Gefühl, zu den Guten dieser Welt zu gehören. Und wenn man als klerikale Unterhaltungskünstlerin damit auch noch Auskommen und Ruhm erlangt, dann ist das doch sehr erfolgreich für alle Beteiligten, nicht wahr?

Nicht wahr.

9 (die) Jahre des Aufeinanderzugehens

Ja, es hat sie gegeben, diese Jahre des Aufeinanderzugehens im Namen der Leugnung des Armeniervölkermordes, der Leugnung der regionalen Ausrottung der orientalischen Juden, Jesiden, Christen, Mandäer, Zoroastrier und Bahá’í. Jenes EKD-gesegnete, christlich-muslimische Aufeinanderzugehen im Namen der unterdrückten Frauenrechtler und Islamkritiker oder auch nur handwerklich guten Journalisten oder eigensinnigen Blogger. Jahre, die ebenso antiintellektuell geprägt waren wie islamfreundlich. Jahre, in denen etwa Beate Sträter mit Bekir Alboğa auf Kirchentagen plapperte oder in denen sie, offen für fremde Kulturen, die zur Intoleranz und zum Dschihad erziehende Bonner König-Fahd-Akademie betrat. Dienstlich.

12 Meinen Cousin

Die Autorin verteidigt die schreckliche, sich dem Grauen des Inzests annähernde Cousinenehe! Das ist für uns Sozialpädagogen und Kenner der schariakonformen türkischen und kurdischen Zwangsehen kaum zu fassen. Ganz zufällig ist der jetzige Ehemann einer beschriebenen Frau also kein Atheist oder Hindu oder Ex‑Muslim, sondern ist ihr Cousin und damit wiederum ganz zufällig ein begeisterter Bekenner einer Gottheit namens Allah. Die Autorin hat womöglich, zwanzig Jahre lang, nichts kapiert vom menschen(rechts)feindlichen, frauen(rechts)feindlichen Druck der Großfamilie gegen das Individuum, zumal das weibliche. Kreuzcousinenheirat erzeugt seelisch verkrüppelte Menschen, die kaum jemals die Chance haben werden, dem Gefängnis des islamischen Fundamentalismus zu entrinnen.

Sträter toleriert dienstlich sowohl Cousinenehe als auch die Scharia. Pauschal. Undifferenziert …

15 [Menschen, die erfreut sagen] der Multikulti-Traum [sei] ausgeträumt, verberge sich dahinter doch nur eine andere Form des Nebeneinanderherlebens.

Ein in der Sache wichtiger Hinweis, jenen Menschen stimmt dieses Blog sogar zu. Die Autorin träumt ihn weiter, den multikulturellen Traum, und verbrachte auch schon mal einige Zeit beruflich in Kairo, jener multikulturellen Stadt, in der Christen Menschen zweiter Klasse sind und Bahá`í nahezu rechtlos. Koptische Mädchen und junge Frauen werden wie beiläufig geraubt und geschwängert und zwangsislamisiert. Von ihren patriarchalischen Clans verstoßene muslimische Frauen huschen wie Geister durch die Stadt, sie haben ebenso kein Recht auf Erziehung ihrer Kinder wie die ganz wenigen hörbar zum Christentum konvertierten Frauen. In nahezu allen islamisch dominierten Staaten der Erde bedeutet die Konversion zum Christentum den Verlust der Kinder und oftmals ein Leben ohne einen Reisepass oder ohne Papiere. Christen können nichts erben, selbst wenn sie die einzigen näheren Verwandten sind! Die ganze Form der von Europäerinnen zu recht als diskriminierend beschriebenen Folgen des Bezness ist eine veritable christlich-muslimische Begegnung und ein Vorgeschmack auf das, was Nichtmuslimen oder Ausbrechern aus dem totalen Tugendgefängnis namens Islam blüht.

Noch zur Stadt Kairo, dem zeitweisen Erlebnisraum und Forschungsgegenstand der Autorin, die dort wohl einmal ein Jahr lang in einem Kindergarten gearbeitet hat. FGM in der Weise der Klitoridektomie ist ägyptischer Alltag, dem seit Jahrhunderten ebenso wie heute die Mehrheit der Ägypterinnen ausgesetzt ist, die zumeist im Kindesalter an ihren Genitalien verstümmelt werden, um als ehrbar und rein zu gelten. Seit etwa eineinhalb Jahrzehnten findet sich alle ein bis zwei Jahre irgendjemand an der so genannten Universität der al-Azhar, der die khifadh (auch khafd, islamische FGM) treu blickend für islamisch verboten erklärt. Die Zahl der Geistlichen, die khifadh (khafd) gutheißen ist in dieser Zeit natürlich keinesfalls gesunken. Auch 2008 predigen hohe Würdenträger die problemlose Verträglichkeit der FGM mit der Religion. Islam ist halt tolerant, fgmtolerant. Wie tolerant ist die Autorin.

21 Die Sicht des Islam hat sich dabei rapide verschlechtert.

Wegen dichten Nebels oder anderweitiger Sehstörung? Deutsch lernen lohnt sich eben auch als Inländer. Spaß beiseite.

Gemeint ist offensichtlich die Einschätzung und Bewertung des Islam durch Deutschlands Nichtmuslime.

Ist die „Verschlechterung“, ist der von Beate Sträter beklagte Mangel an Islamoptimismus nicht einfach nur auf eine gestiegene Informiertheit zurückzuführen?

Möchte die Islamberaterin und Wildbiologin Sträter dazu einladen, den Tiger als Kanarienvogel zu bezeichnen? Das war jetzt ein Scherz, die Dame hat womöglich keine Ahnung von Biologie.

Um noch ein wenig beim fabelhaften Tiergleichnis zu bleiben. Rabeya Müller, auch lilagewandet, sie wird manchmal eingeschätzt als eine, die einen eingestandenen Tiger namens Islam zum gottlob ausgestorbenen Säbelzahntiger erklärt und damit als Islamreformerin gelte. Dieser Eindruck kommt ihr bestimmt nicht ganz ungelegen, und wenn die Folge einer weltweiten Islamreform mit von ihr ausgeht, möchte dieses Blog dem nicht im Wege stehen. Was allerdings in den kommenden Jahrzehnten wenig wahrscheinlich ist, dass sich überhaupt irgendein islamischer Würdenträger für die kölsche Sunna‑ und Scharia‑Interpretation des ZIF interessiert. ZIF ist eben nicht Azhar. Rabeya Müller sagt auch etwas anderes.

Sie hält Scharia und Sunna keineswegs für fossil, sondern verwandelt das selbst unter Muslimen aller Couleur nahezu unbestrittene Raubtier Islam in ein scheues Reh. Rabeya will den optischen Bambi-Islam! Beide Frauen, Müller wie Sträter zwinkern sich ein fröhliches „Gebe es die Gottheit, die Christen oder jedenfalls Nichtmuslime mögen harmlos wie Kaninchen sein“ zu. Beim Wort Kaninchen allerdings zuckte ihm das Ohr, dem hungrigen Tiger, ein Rehlein tät`s für heute freilich auch.

22 junge Muslime leben in weitgehender Perspektivlosigkeit.

Junge europäische Vietnamesen oder Peruaner oder Urdeutsche vielleicht ebenso, doch diese alle lernen erfreulich häufig Sprache und Benimm und Handwerk, statt von Dschihad und Kalifat zu träumen und sich in jener islamtypischen Mischung aus Wehleidigkeit und Großmäuligkeit zu kriminalisieren und Deutschlands Haftanstalten zu bevölkern. Man lese dazu nur den neuesten ’Integrationsbericht’ der Bundesintegrationsbeauftragten, herausgegeben von Staatsministerin Dr. Maria Böhmer.

22 Kopftuch (…) vielfach eher eine kulturelle Tradition

Hakenkreuzfahne auch, beides nicht angeboren. Die Autorin hat das Wesen des Islam überhaupt nicht verstanden oder aber verbirgt ihren Einblick recht erfolgreich. In Bezug auf die nachweislich und aus seinen eigenen schriftlichen Quellen heraus seit einem Jahrtausend auf unkreative Orthopraxie und auf Zerschlagung des freien Willens zielende Herrschafts- und Sozialisationskultur namens Islam ist es so gut wie verfehlt, zwischen Kultur und Religion überhaupt zu unterscheiden!

Das mag man mit Bassam Tibi bedauern, der freilich genau weiß, wo die prekären Chancen für einen ernst gemeinten arabischen und islamischen Begriff der Säkularität zu finden sind und was beziehungsweise wer ihnen gegenwärtig im Wege steht. Sträters Aussage impliziert, es gäbe sie überhaupt bereits und in einer dem Individuum Freiheiten schaffenden Weise, diese Verschiedenheit von religionsnaher Tradition und muslimischer Spiritualität, damit auch diese Trennung von Alltag und Orthodoxie. Beiderlei Einschätzung trifft den islamisch geprägten Teil der Erde nicht.

Vielmehr ist das Kopftuch islamisch, ohne Kopftuch kein Islam. So gilt das und in aller Brutalität für Hunderte von Millionen von Mädchen und es ist zwar richtig, darauf hin zu weisen, wie Professor Tibi es tut, dass es in gewissen Teilen Westafrikas oder Südostasiens traditionell kein als verpflichtend angesehenes Kopftuch gegeben hat. Es stimmt auch, dass eine gemäßigt fundamentalistische türkische Familie ihre komplette Weiblichkeit mit Tüchern verhüllen mag, indes die radikalislamischen Nachbarn offenes Frauenhaar an den Tag legen (etwas gezügelt und gebändigt ist es freilich fast immer). Sträter vernebelt einfach das frauenentwürdigende islamische Aura-Fitna-Konzept, demgemäß der weibliche Leib das moralisch Zersetzende und das (die persönliche Chance auf einen Platz im Paradies) gefährdend Dämonische in Stadtfrieden und Männerwelt einbringe. Warum schweigt die Autorin zu der veritablen schwarzen Pädagogik, die in jedem gezielten und in muslimischen Familien üblichen Erwecken von Angst vor vermeintlichen Höllenqualen liegt?

’Jedes Haar was man sieht verwandelt sich in der Hölle in eine Schlange’, so hört es manch ein deutschtürkisches Mädchen. Sträter bewiese Courage und Frauensolidarität, wenn sie muslimische Frauen dahingehend ermuntern würde, ihren Kindern künftig keine Angst mehr vor Allahs angeblicher Höllenstrafe zu fabrizieren! Das aber trauen sich beide nicht, die pastorale Islamberaterin und die hanafitische Mutter.

Kopftuchideologie und Kopftuchpraxis entstammen einem nicht lediglich sexualmagisch-okkulten sondern zusätzlich machistisch-mysogynen Wurzelgrund. Für diese vormoderne Auffassung von Frau (und Mann!) läuft jede Kopftuchträgerin Reklame, ob sie es nun weiß oder will oder nicht weiß oder nicht will.

Der im orthodoxen Islam Sozialisierte und der in eben diese vormodern-antidemokratische Herrschaftskultur hinein Sozialisierende fragt nicht nach bürger(recht)licher Freiheit oder kindgerechter Pädagogik, sondern nach dem ewigen Platz im Himmel. Diese antiindividualistische Wertordnung und die Forderung nach dem Aufbau einer antidemokratischen ordnungspolitischen Gegenwelt ’islamischer Gesellschaft’ trägt eben das Kopftuch durch Schulhof und Innenstadt, so als würde die Dame permanent einen mahnend erhobenen Zeigefinger heben.

Wir säkularen Muslime oder Nichtmuslime dürfen das politische Kopftuch als ätzenden Angriff verstehen und sollten das wohl sogar. Es erstaunt nicht zu hören, dass Sträter als begeisterte Befürworterin des Lehrerinnenkopftuches bekannt geworden ist. Sie mag ihre gesellschaftliche Aufgabe einer evangelischen Pastorin dahingehend (miss-)verstehen, dass sie derlei Toleranz unter „Friedenspflicht“ verbucht.

23 Die massive Abwehr des Kopftuchs

Nanu, das Kopftuch als aktiver Abwehrspieler, ach nein, sie meint die aktiven Kopftuchgegner, kein wild gewordenes Tuch. Das Adjektiv massiv ist etwas manipulierend und unterstellt Unverhältnismäßigkeit wenn nicht Heimtücke oder unchristliche Militanz. Ach so, Muslime wehren niemals irgendetwas ab (kleiner Scherz).

Zur Sache: Es wird gar nicht abgelehnt, das Kopftuch, leider, jedenfalls nicht durch das evangelische kirchliche Fußvolk.

Es wird von säkularen Muslimas abgelehnt, das Kopftuch. Es wird von Ex-Muslimas abgelehnt. Diesen Frauen fällt die Schariafreundin aus Bad Godesberg in den Rücken. Das allerdings massiv.

Wir sollten die Godesberger Dame geschwind als Dozentin für die ehrwürdige al‑Azhar vorschlagen.

23 [Muslime] Menschen, die ihre Religion auch im Alltag leben

Da knickt der multikulturell erleuchtete Kirchentagsbesucher doch zerknirscht lächelnd ein: Der ’edle Wilde’ ist fromm! Erkenntnis masochistischen Lustgewinns, der leider für Spiritualität gehalten wird. Der Orientale betet für mich evangelischen Sünder, was für ein integratives Kopftuchglück. Und die kuschelige alternative Wohngemeinschaft namens EKD erstrahlt in einem feministischen Lila, sofern sie nur scharf genug über Alice Schwarzer lästert. Wie gut, dass Schwarzer Atheistin ist, allahseidank.

Genug der Ironie.

Islamisch geprägte Großfamilien und Straßenzüge sind Kerker des Gehorsams und der permanenten Überwachung, deren kreativste oder sensibelste Köpfe manchmal die Chance hatten, in einen nicht islamisierten Teil der Erde zu fliehen. Das mag ja in zweihundert Jahren einmal menschlicher sein.

Das Entwickeln einer persönlichen Spiritualität konnte im Islam seit 1.400 Jahren noch nie im Vordergrund stehen. Sehen wir zu, dass das freie Denken und Kunstschaffen und Kritisieren, dazu gehört weltweit immer auch eine gehörige Portion an Islamkritik, in unserer Zuwanderungsgesellschaft erhalten bleibt und sogar den Muslimen zugänglich gemacht wird. Das wird mehrere Generationen dauern und kann durchaus misslingen. Misslingen beispielsweise im Namen einer verabsolutierten Toleranz.

In diesem Fall werden in fünfzig Jahren christliche Kreationisten und christliche Schariafreunde den feudal herrschenden Islamverbänden ordnungspolitisch zuarbeiten. Lästige Atavismen wie Pressefreiheit oder Islamapostasie werden dann als überwunden gelten. Das alles sind dann, würde Sträter vielleicht sagen: „Menschen, die ihre Religion auch im Alltag leben.“

23 das Recht auf Differenz, das die feministische Bewegung immer (…) eingefordert hat [anstelle dessen herrsche intolerant ein] Diskurs der Dominanz, sehr festgelegte Konzepte von Integration

Menschenrechte sind universell, unser kopftuchkritischer, islamkritischer und gleichheitsfeministischer Blick, seien wir nun Muslime oder Nichtmuslime, darf sich und muss sich gegen den islamischen Konformitätsdruck und Kollektivismus richten. „Recht auf Differenz“ soll wohl den Mangel an Bereitschaft der Europäer vernebeln, die universellen Menschenrechte für die Individuen der islamischen Parallel- und Gegengesellschaften Europas zu garantieren und durchzusetzen.

Nach Sträter sei jede Kopftuchkritik von Nichtmuslimen eurozentrisch und islamophob. Das ist freilich Unsinn.

Dürfen wir vermuten, dass Islamberaterin Beate Sträter bei den Moscheegemeinden und Islamverbänden sehr beliebt ist?

25 Wirtschaftliche oder politische Teilhabe – gerade auch muslimischer Frauen

Sträter unterstellt der deutschen Gesellschaft permanentes Muslimdiskriminieren, was sachlich falsch ist. Jeder kann in Deutschland glauben was er will, recht anders als in Saudi-Arabien oder Pakistan übrigens. Die Autorin bietet sich als verlässliche Hilfe zur Behebung dieses angeblichen permanenten Verfassungsbruchs an. Endlich tut jemand was. Ist sie heute schon mit einem Demo-Transparent in der Innenstadt gesehen worden?

Die Autorin verschweigt die Wahrheit, dass gewisse Teile der muslimischen Eltern ihre Kinder verprügeln, wenn sie zu hause auch nur ein Wort deutsch reden, Eltern, die in Kauf nehmen würden, dass ihre Kinder ohne ein Wort Deutsch zu sprechen eingeschult werden. Sträter verschweigt, dass muslimische Familien ihrer Tochter den Ehemann aussuchen, der sie dann zur Kinderaufzucht ins Haus verbannt und der im Einklang mit den Normen der Umma ihr den Kontakt zur nichtmuslimischen Urbevölkerung verbietet. Wir wissen von türkeistämmigen Eltern, die der Tochter den Schul- oder Fachhochschulbesuch untersagen, weil sie im Schulgebäude wiederholt mit dem einen oder anderen männlichen Studenten gesehen worden ist und irgendeine anatolische Tante plötzlich Alarm schlägt. Dann nämlich herrscht die Angst davor, ’ins Gerede zu kommen’, nicht irgendein auf dem Papier stehendes Recht auf Schulbesuch.

Wahr ist ferner, dass in gewaltigen Teilen der islamisch dominierten Staaten Mädchen die Schule nicht besuchen dürfen, beispielsweise, weil sie das Haus nicht verlassen dürfen. In Teilen der Welt besitzen Frauen kein Bankkonto, keinen Pass, kein Bargeld, keinen Führerschein, alles begründet mit einer als Religion daherkommenden Lebensordnung namens Islam. In Afghanistan und auf der arabischen Halbinsel sind wiederholt Mädchenschulen von islamisch Motivierten Männergruppen angegriffen worden.

Den Orient betreffend, sehr geehrte Frau Sträter, ließe sich auch was die „wirtschaftliche oder politische Teilhabe“ von Mandäern, Zoroastriern, Kopten und Bahá’í oder Ex-Muslimen betrifft sicherlich noch einiges tun.

Muslimische Frauen in Deutschland werden nicht von der Bundeskanzlerin oder der Bundesregierung unterdrückt, sondern von einem politischen Kult namens Islam. Niemand in Deutschland oder Europa fragt mich nach meiner Religion oder Ex-Religion, weder Arbeitgeber noch Krankenkasse noch Bürgermeister noch Zeitungsredakteur oder Sportverein. Halt, das mit dem Sportverein stimmt seit kurzem nicht mehr so ganz, seitdem es im benachbarten Schwimmbad einmal wöchentlich ’Muslimisches Schwimmen für Männer’ gibt. Schwimmbad-Apartheid, einst Whites only, jetzt Muslims only.

26 Gesichtschleier. Das steht doch nicht im Koran

Ja und was ist, wenn sie denn drin stünde, die Pflicht zum Gesichtsverschleiern, im Koran? Die besonders kriecherischen oder ziegig frömmelnden oder einfach nur verprügelten Musliminnen würden dann mit einer Burka herumlaufen, das mag ja so sein. Eines ist sicher: Sträter würde sie dann so herum laufen lassen, wenn die Niqabpflicht koranisch wäre. Und Sträter hält den Niqab heute für ein interessantes und schützenswertes Accessoire? Zeitgleich wird im Internet unter deutschen Muslimas diskutiert, ob der Niqab denn nun fard ist oder nur ein bisschen fard, wer Lust hat informiere sich unter http://www.an-niqab.de/index.php, da verlinkt man den erleuchteten Pierre Vogel.

Gesichtsschleier! Der Niqab ist eine der heimtückischsten und niederträchtigsten Folterwerkzeuge der letzten zwei Jahrtausende, die sich der menschliche Geist ausgedacht hat. Niqab entmenscht, der Gesichtsschleier raubt der Frau öffentlich das Gesicht. Kein Problem für Frau Fachberaterin.

28 Vorhang oder Wandschirm zur Trennung von Männer- und Frauenbereichen.

Finde ich das denn so toll als fremdenfreundlich sozialisierter Kirchgänger, dass meine Bonn-Bad Godesberger Pfarrerin Verständnis aufbringt zur Apartheid der Geschlechter im ex‑öffentlichen Raum der europäischen ex‑offenen Gesellschaft? Und mich dahingehend erziehen möchte, dass ich bitte nicht länger intolerant aufschreie, wenn jemand von Trennwänden oder Raumteilern zur angeblich gottgefälligen Schaffung von Männer- und Frauenzonen schreibt? In der Tat, da bin ich intolerant, wenn ich höre oder lese, dass da wer die Anwesenheit von Frauen in der Männergruppe nicht toleriert oder die Anwesenheit von Männern im Frauenbereich (einer beispielsweise von Pierre Vogel angemieteten Stadthalle). Wie aber kommt es nur, dass die Autorin jetzt sicherlich nur die eine Art von Intoleranz anprangert, nämlich die der Vorhangfeinde und Wandschirmgegner, nicht die Intoleranz der Feinde der Koedukation beziehungsweise die Feinde stundenweiser ’frevelhafter’ Gemischtgeschlechtlichkeit?

29 Tschador, (…) Burka (…) entstammen lokalen Bräuchen und Gewohnheiten

Glühbirne und Guillotine, Dampfmaschine und Konzentrationslager auch. Und Frau Pastorin schwebt in gott-/göttingleicher ethischer Äquidistanz zwischen diesen soeben genannten Objekten ortsüblicher Brauchtümer und Gewohnheiten und ruft ’Friede, Friede!’ Mit lila Wollpullover, das versteht sich. Jemand sprach einmal von ’militanten Friedenstäubchen’.

Die Islamberaterin möchte uns vernebeln, dass Tschador und Burka aus dem so genannten Islam stammen, einem repressiven, mysogynen, territorialdominanten politischen Kult, den man entweder in die Schranken weist oder tolerant ’blühen’ lässt.

Das ’Prinzip Hijab’ ist als Teil der Scharia kosmisch, ewig, zumindest seinem zugegebenermaßen reichlich überheblichen Anspruch nach. Der orthodoxe (ordnungspolitische) Islam ist nun einmal sehr anspruchsvoll.

Tschador und Burka, Frau Islambeauftragte!

Tschador und Burka sind textile Gefängnisse für Hunderttausende von Frauen, die lebenslang als Kauf und als Beute jedenfalls Besitz unter diesen Hüllen zu verharren haben. Ausbruch aus dem Stoffkäfig zieht das Verprügelt- oder Vergewaltigtwerden nach sich. Derlei Menschenverachtung, übrigens auch Männerverachtung ist unserer Islambeauftragten ganz offensichtlich egal, gleichgültig. Gleich-gültig, äquidistant.

Für Millionen von Frauen in dem Teil der Erde, der vom islamischen herrschaftlichen Kult ’befriedet’ worden ist, ist eine persönliche Auswahl der eigenen Kleidung ebenso wenig möglich wie die Auswahl des Ehemannes oder eine Meinung zum Thema Verhütung oder zur Kinderzahl. Unsere Islambeauftragte darf heute lila tragen, Mullahs jedenfalls Männer lächelnd anquatschen und im In- und Ausland herumreisen. Meine türkische Nachbarin darf ohne Erlaubnis nicht vor die rheinische Haustür und bekommt Schläge, wenn sie es dennoch tut. Und muss die subjektiv höllische Angst haben, ’nicht in den Himmel zu kommen’, wenn sie ihrem Ehemann widerspricht. Richtig, Kopftuch trägt die Türkin keines, Islam ist halt sehr flexibel.

33 Frauen im Kampf um gleiche Rechte

Eben. Mit Koran, Sunna und Scharia nicht zu machen.

85 Alice Schwarzer

Alice Schwarzer, Verstand und Verantwortung. Stark! Das ist Frauenpower pur. Klar, dass Schariafreundin Sträter einige Zeilen gegen Schwarzer poltert.

Für uns säkulare Humanisten, für uns Evangelische in der EKD und zumal in der EKIR sollte die Gründerin der Zeitschrift EMMA und Altmeisterin des Gleichheitsfeminismus zu allen frauenrechtlichen Belangen maßgeblich sein. Sträter freilich sieht das etwas anders.

86 alle Scheußlichkeiten der Frauenunterdruckung in islamischen Gesellschaften

Eben! So sieht`s aus, traurig.

88 Während muslimische Frauen die Verschiedenheit von Männern und Frauen selbstverständlich voraussetzen (…)

Bei Mullah Sträter erfährt die muslimische Frau Rechtleitung.

Im Ernst: Zwar erziehen viele der Scharia oder der Sunna unterworfene Frauen ihren Sohn zum verwöhnten Macho und ihre Tochter zur gehorsamen Kammerzofe, doch ist derlei Ideologie nun wirklich nicht angeboren. Modern denkende, fundamentalismusresistente Menschen werden wohl jeglichen ’Gender-Extremismus’, werden all das überholte patriarchalische Verständnis von Geschlechterrollen auf den Müllhaufen der Weltgeschichte werfen wollen. Will die Autorin die Weiterentwicklung des Orients verhindern?

Koran, Hadithe und Fiqh erklären Mann und Frau als einerseits einander wesensfremd, andererseits die Frau zum Wesen minderen Wertes.

91 Insgesamt stellen Boos-Nünning/Karakaşoğlu eine weitgehende Zufriedenheit der Mädchen mit der Beziehung zu ihren Eltern und zu ihren Familien fest

In der Tat, die ’Zufriedenheit’ nimmt in meiner Stadt dieser Jahre sogar noch zu, weil dort auch die Zahl der Kopftücher und Zwangsehen ansteigt. Fundamentalismus macht halt ’fröhlich’. Angst desgleichen.

Soviel zur ’wissenschaftlichen’ Ergebnisqualität von Boos-Nünning und Karakaşoğlu. Einfach legendär.

98 Die traditionsreiche al-Azhar …

… hält auch im Jahre 2008 die Kappung, Kürzung oder Amputation der Klitoris für gottgefällig. Aber nicht bei jedem Mädchen. Und nur so viel wegschneiden, wie es notwendig ist. Und Allah weiß es am besten.

Hoppla, wie verstörend multikulturell, die al-Azhar will die khifadh (khafd), die islamischen Eliten bejahen die FGM! Das passt aber gar nicht in unser Bild vom erwünschten toleranten Islam. Glücklicherweise für uns Evangelische wird die kultursensible al-Azhar dann aber sehr differenziert und grenzt den Mädchenkreis ein. Islam‑urologisch, sozusagen. Und verbietet jedes zweite Jahr die FGM, um sie einmal wöchentlich zu erlauben. Geht doch. Hauptsache, die europäischen Touristen bringen Devisen ins Land der Cheopspyramide.

Stadtviertelweise sind in Kairo zwischen 90 und 97 % der Frauen beschnitten. Der Dozent der fundamentalistisch-unwissenschaftlichen al‑Azhar-’Universität’ Dr. Muhammad Wahdan verteidigte die Frauenbeschneidung in einem Fernsehinterview gegenüber Frau Dr. Malika Zarrar in einem am 28. März 2006 ausgestrahlten Beitrag auf al‑Rai TV, Kuwait (Quelle: MEMRI).

Dem Einsatz etwa von TARGET um Rüdiger Nehberg ist es zu verdanken, dass am 22. und 23. November 2006 die islamische Frauenbeschneidung seitens der Azhar als unislamisch verboten worden ist. Goma’a, Tantawi, Zakzouk, Qaradawi, Nehberg, alle Würdenträger waren dabei. FGM jetzt ganz unislamisch, FGM jetzt so was von verboten! Das mögen wir Europäer doch so gerne hören. Also erschallt es entsprechend europafreundlich. Es wird jeden Tag weiter beschnitten. In Kairo, der flexiblen Stadt mit dem besonders flexiblen Herrn Scheich Tantawi.

Jener Herr Muhammad Sayyed Tantawi, der seit Jahrzehnten bekunden lässt, Beschneidung sei „a laudable practice that [does] honor to women“ – „Frauenbeschneidung ist eine löbliche, islamisch besonders anerkennenswerte Praxis, die der Frau zur Ehre gereicht“, Quelle: Geneive Abdo. Für die Rechtsschule der Schafi’iten gilt eine gemäßigte Frauenbeschneidung als verpflichtend. Die Indonesier sind schafiitisch, übrigens auch die meisten Palästinenser und die nachweislich teilweise FGM praktizierenden Kurden.

Noch zum 23. November 2006, Qaradawi und Nehberg in einem Kairoer Zimmer, die druckfrische Fatwa gegen FGM verlesend. Lesen konnte man allerdings, auch am selben Tag, auf Qaradawis Homepage: (1)

„[FGM] ist keine Vorschrift, wer glaubt, dass es im Interesse seiner Töchter liege, soll es tun, und ich persönlich unterstütze es unter den gegebenen Umständen in der modernen Welt. Aber wer sich dagegen entschließt, wird nicht als Sünder angesehen, da es vor allem dazu gedacht ist, Frauen zu ehren, so sehen es die Gelehrten.“

Soweit zur Flexibilität der Scharia, von der 2008 unter Menschenrechtsaktivisten und Islamkritikern wieder so viel gemutmaßt wird.

103 [ZIF möchte] … die Auslegung der Quellen von patriarchalischen Verzeichnungen [befreien]

Der violett angemalte ZIF‑Islam ist an der al‑Azhar nicht erwünscht, bei den deutschen Freunden der Multikultur schon.

106 [ZIF] geht auch von einer prinzipiellen Frauenfreundlichkeit und Gleichwertigkeit der Geschlechter im Koran aus …

Ja, der Islam ist frauenfreundlich, indem er zum Prügeln der Ehefrau aufruft, zur erzwungenen Verheiratung und ehelichen Schwängerung der Tochter, zum geheiligten Töten der Lesbe. Ja, da die Männer auch zwangsverheiratet werden ist der Mann irgendwie gleichwertig. Sträter übersieht, dass nur der Mann die gekaufte Frau verstoßen und zurückgeben kann an ihre Herkunftsfamilie, welche die Frau zu einem schlechteren Preis weiterverheiraten muss oder sich ’entehrt’ fühlt und die Frau dann nicht selten ermordet.

Kein Blut auf dem Bettlaken der einer arrangierten Vergewaltigung gleichkommenden islamischen Hochzeitsnacht?

Die Sache mit der angeblichen Gleichwertigkeit von Mann und Frau im Islam. Bei Wahhabiten und Taliban? Diese sind ’zwar’ patriarchalisch, zugegeben, aber möglicherweise ja wesentlich näher bei Mohammed und seinen Mitstreitern als das dem Wassermannzeitalter der Achtziger Jahre entsprungene Kölner ZIF es ist oder die gelegentlich von Kopf bis Fuß lila gewandete Schariafreundin Rabeya Müller.

Der heutige islamische Totalitarismus betreibt halt nicht nur die in der Weise des ’outsourcing’ seinen angeblich spontanen terroristischen Zellen überlassene Medien- und Propagandaarbeit (Attentate), sondern hält sich im Rahmen ganzheitlicher Kulturpädagogik auch ein paar Feministinnen, um der humanistisch oder auch christlich geprägten Sehnsucht nach Harmonie der Nichtmuslime zu genügen.

Dann gibt es da noch die etwas verwahrloste so genannte Linke, die Osama bin Laden mit Fidel Castro gleichsetzt und beide als Sozioreformer bewundert. Diese versehentlich jedenfalls verlässlich islamophile Linke hatte in den achtziger und neunziger Jahren Jobs in Pädagogik oder Kirche inne und in ihrer Jugend unheimlich viel ’antiimperialistisches’ Verständnis für Andreas Baader und Gudrun Ensslin, diese Linke erblickt womöglich im irgendwie ’koranisch-frauenfreundlichen’ (ZIF, bei Sträter) Ur‑Islam den befreiungstheologischen und antikapitalistischen Fortschritt auf einem Weg zur herrschaftsfreien Gesellschaft. Das sind doch mal Visionen, ’I have a dream’. Wo uns doch immer wieder von irgendwelchen xenophoben Islamhassern eingeredet wurde, Sunna und Scharia und Kalifat würden brutalen Klassengesellschaften entstammen und selbige neu produzieren. Was schließlich gar nicht stimmen kann, sonst hätte uns Frau Pfarrerin Dr. Sträter doch etwas Derartiges mitgeteilt. Stattdessen: Jesus und Mohammed als die beiden ersten Exemplare von Frauenversteher und ’neuem Mann’, beide sozialistisch, der Prophet des Islam auch noch dezidiert antiimperialistisch.

EKD / EKIR 2008. Zwischen “Kopftuch und Kreuz” (Sträter 2007) spielt man gerade als alter Achtundsechziger ein bisschen Jesus und gibt man sich moralisch äquidistant: Allah goes New Age. Woodstock statt Steinigung oder: Vom Istanbuler Harem zur kommunistischen WG. Die Muslimbruderschaft feiert den Weltfrauentag. Mit Betroffenheit. Tschador und Kaaba heute ganz in feministischem Lila. Wer jetzt nicht kuscht hat wohl zu viel Alice Schwarzer gelesen. Genug der Ironie.

Die von keinem geringeren als von Allah beschriebenen Steine, ’nicht zu groß um nicht sofort zu töten, nicht zu klein um kein anständiger Stein zu sein’, aus sträterscher „Frauenfreundlichkeit“ zertrümmern sie den Schädel der iranischen oder afghanischen oder somalischen Ehebrecherin. Auch diese Frau, legt uns « Kopftuch und Kreuz » nahe, diese Frau sei vom Koran als gleichberechtigt angedacht worden. Gut dass wir mal darüber geredet haben, face-to-face, so von Gesicht zu Gesicht. Ach, sie hatte gar kein Gesicht, die zerschmetterte Paschtunin oder Perserin oder Somalierin? Wo ein Gesicht hätte sein sollen war lebenslang nur ein schwarzes Stück Stoff mit Sehschlitz oder ein taubenblaues und dabei keusch‑blickdichtes textiles Gitter?

„Prinzipielle Frauenfreundlichkeit“, so erwähnt es Fachfrau Sträter, Islamberaterin von Bad Godesberg/Voreifel.

Das Märchen vom freundlichen Islam. Eine unendliche Geschichte.

Jacques Auvergne

(1) Reaktionäre Islamisten als Verbündete? Die Fatwa gegen weibliche Genitalverstümmelung ist ein ambivalentes Signal. Ein Text von Mary Kreutzer (Die Presse)

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/105137/index.do

3 Antworten to “087. Beate Sträter: Kopftuch und Kreuz”

  1. Ersdorf Says:

    Selbstgeißelung vor der Pfarrkirche (Meckenheim bei Bonn).

    70 bis 80 Männer ziehen an jenem Sonntag vom Oberdorf aus durch Ersdorf, stampfen mit den Füßen auf und schlagen sich rhythmisch mit den Fäusten auf den nackten Oberkörper. Vor der katholischen Pfarrkirche Sankt Jakobus verharren sie. Drinnen feiert zu diesem Zeitpunkt Pfarrer Michael Jung mit der Gemeinde die Messe. …

    Der Umzug war bei der Stadt ganz offiziell angemeldet worden, wie das Meckenheimer Ordnungsamt auf Anfrage des General-Anzeigers bestätigte. Die Anmeldung eines Trauermarsches hatte offenbar keinen Argwohn hervorgerufen, zumal darauf verwiesen worden sei, dass es eine solche Veranstaltung bereits im niedersächsischen Vechta gegeben habe.

    Dort sitzt auch der Verein „Anjuman E Sajjadia“, dessen Flugblätter am Rande des denkwürdigen Marsches durch Ersdorf verteilt wurden.

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/region/Selbstgeisselung-vor-Ersdorfer-Pfarrkirche-article169578.html

    Ins sehr ländliche Meckenheim-Ersdorf, die evangelische Islamerklärerin Beate Sträter mischte sich dialogisch ein, war von der Seite MATAM-E-HUSSAIN (aus Großbritannien) eingeladen worden (Facebook-Gruppe „Karwan e Karam Shah“).

    Event
    when: 08.06.2008 | 15.00 h
    Event title: SHAHADAT E JANABE SYEDA FATIMA ZAHRA sa
    Where: GERMANY – MECKENHEIM
    Category: Majalis

    Event description:
    YA ALI as MADAD MATAMI JULOOS GERMANY 8 th JUNE, 2008 15:00 PM AZAKHANA E DARR E BATOOL OBERDORFSTR. 3 53340 MECKENHEIM (BONN) CONTACT: SYED MUSTAFEEZ ABIDI 00492225 7030920 SYED TOSSIF ABIDI 0049177 6016250

    http://www.matami.com/index.php?option=com_eventlist&Itemid=109&func=details&did=9

    Shabbir vom SHIA-FORUM (Jeder Tag ist Aschura – jeder Ort ist Karbala) zeigt sich vorab (21.05.2008) anscheinend zufrieden:

    MATAMI JULOOS IN GERMANY
    SHAHDAT E JANABE SYED FATIMA ZAHRA SA.
    8 TH JUNE 2008
    OBERDORFSTR. 3
    MECKENHEIM

    Zum erstenmal findet ein Juloos durch die Stadt Bonn statt , wie Jedes Jahr Ashura in Vechta

    http://www.shia-forum.de/index.php?/topic/14579-bonn-juloos/

    Matamdari Germany juloos

    Jaloos Germany (BONN) 17.10.09

    Frankfurt, Zeil, Jaloos – 30.05.2010

    ANJUMAN-E-SAJJADIA e.V.
    Vechta

    http://www.firmenwissen.de/az/firmeneintrag/49377/2050372868/ANJUMAN_E_SAJJADIA_E_V.html

  2. Dwarslöper Says:

    Werbung übers Internet
    Unterstützt Rat der Muslime Salafisten?
    Exptess 08.10.2013

    Bonn – Karim Lakhal, der sich Abu Ridwan nennt, ist der Sprecher des Bonner Rates der Muslime. Und auf seiner Facebook-Seite macht er kräftig Werbung für eine Veranstaltung, die in der letzten Woche den Verfassungsschutz beschäftigte.

    Eine angebliche Syrien-Benefizaktion des Vereins „Helfen in Not“, bei der auch Hass-Prediger wie Pierre Vogel auftraten, stand in Köln unter Beobachtung. Die Ermittler gingen davon aus, dass hier auch Nachwuchs-Krieger für den „Heiligen Krieg“ geworben werden sollten.

    Da sich auch am Montag der Rat der Musime nicht zu den Vorwürfen äußerte, zog OB Jürgen Nimptsch die Konsequenzen: Er lud Karim Lakhal für eine Veranstaltung am Mittwoch aus, in der es um ein Präventionsprogramm in Sachen Salafismus geht. Nimptsch erwartet „eine unmissverständliche Absage des Rates der Muslime an alle radikal-muslimischen, salafistischen Akteure und Gruppen“.

    Und welche Rolle spielte der Bonner Rat der Muslime Anfang 2013? Da soll er religiöse Seelsorger für muslimische Gefangene in der JVA Rheinbach empfohlen haben – darunter polizeibekannte Salafisten, was bei einer Routinekontrolle des NRW-Justizministeriums allerdings auffiel.

    http://www.express.de/bonn/werbung-uebers-internet–unterstuetzt-rat-der-muslime-salafisten-,2860,24558398.html

  3. Edward von Roy Says:

    Colloquium Humanum der Damen
    24.11.2016 [ 19:00 Uhr ]

    Vortrag von Dechant Dr. Wolfgang Picken: „Ist der Islam demokratiefähig?“

    Colloquium Humanum e.V.
    im Hause Gustav-Stresemann-Institut
    Langer Grabenweg 68
    53175 Bonn

    http://www.ch-bonn.de/index.php/aktuell

    http://www.ch-bonn.de/index.php/aktuell/5-vortrag

    24.11.2016
    Uhrzeit: 19:00 Uhr

    Vortrag von Dechant Dr. Wolfgang Picken: „Ist der Islam demokratiefähig?“

    http://www.ch-bonn.de/index.php/aktuell/5-vortrag/271-vortrag-von-dechant-dr-wolfgang-dr-picken-ist-der-islam-demokrat

    .
    .

    Deutscher Juristentag djt
    68. djt
    2010
    Öffentliches Recht

    Neue Religionskonflikte und staatliche Neutralität – Erfordern weltanschauliche und religiöse Entwicklungen Antworten des Staates?

    […] Der Islam und seine Besonderheiten werden eine wichtige Rolle spielen […]

    Kurzreferenten
    […]
    Iran. Juristin, Islam. Theologin
    Hamideh Mohagheghi, Hannover

    Pfarrer Dr. Wolfgang Picken, Bonn

    http://www.djt.de/index.php?id=70

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