090. Katholisch ist … ? Christlich-islamische Trauung

090

Ecclesia Catholica Romana

Ecclesia Catholica Romana est orsa a duodecim Iesu apostolis, quorum summus sanctus Petrus, qui et papa primus habetur cuique ipse Iesus Christus claves regni caelorum dedit

Römisch-katholische Kirche, der Scharia und dem Kalifat dienlich.

Und der Priester spricht:

»Ich segne diese Ringe

im Namen von

Jesus Christus und Allah!«

Von Kasimir Krawczyk

Handelnde Personen:

Aurelia: heiratet einen Muslim

Samory: heiratet eine Katholikin

Sékou: Samorys Bruder, afrikanischer Schariafreund

Diakon Frank Schmücker: spielt Gitarre und singt dazu

Pfr. Dr. Walter Dienlich: kennt Jerusalem, segnet Ringe

Ort der Handlung: Altendorf, Kleinstadt unweit von Mainz

Alle Namen und Orte verändert

Ein rheinhessischer Vorfrühlingstag neigt sich seinem Ende zu. Es dämmert über der Innenstadt von Altendorf und wird ganz still und hoch und schwarz ragen die Dächer und Türme der riesigen gotischen Kirche Sankt Mauritius auf. Auch von innen macht die Abteikirche ihrem Namen alle Ehre, Mittelschiff, Seitenschiffe, Säulenreihen im Halbdunkel, ein Seitenaltar, irgendwo in der Schwärze des fernen Altarraumes schwebt ein riesiges Kruzifix mit dem Corpus Christi. Die Steine atmen vielhundertjährigen Weihrauchduft. Schweigend und feierlich langsam betreten die Gäste aus Nackenheim und aus Ingelheim den im Dämmerlicht nahezu unfasslich hoch wirkenden Kirchenraum einer ehrwürdigen, sozusagen klassisch-katholischen Atmosphäre. Sogleich fällt jedem Besucher auf, dass an diesem heutigen Sonntagabend eine Gemeinde oder Gemeinschaft sich zu einer ganz besonderen Festlichkeit zusammenfindet, vielleicht würde ein Jubiläum eines christlichen Laienordens oder ein moderner meditativer Gottesdienst ganz ähnlich inszeniert werden. Wir begrüßen einige lose Bekannte und nicken Unbekannten verspannt lächelnd zu, ein paar afrikanische Gesichter, die Nähe zu Mainz verschafft uns immer wieder etwas Kosmopolitisches. Man gibt sich neugierig und aufgeschlossen. Etwas Ungeahntes liegt in der Luft, etwas jenseits von Vertrautheit und Routine. Im Gemeindebrief stand es, das irritierende Wort: Christlich-muslimische Trauung! Hier und heute also wird katholisches Neuland betreten, das kleine Altendorf schreibt ein bisschen Weltgeschichte.

Das Mittelschiff ist entlang der gewaltig hohen alten Säulen, ob eigens zu diesem Anlass oder nicht, mit orangen, gelben und roten, senkrecht hängenden Tuchbahnen abgehängt und abgeteilt von den Seitenschiffen, was einen neuen und gleichsam zelthaft improvosierten, helleren und wärmeren Innenraum schafft, in dem am Boden zwei unglaublich lange Reihen von brennenden Kerzen stehen, durch weißliches Pergamentpapier matten, dabei nicht zu kalten Glanz verbreitend entlang der hochmittelalterlichen Blickachse zum heute abend wohl etwas vernachlässigten Altarraum. Zu beiden seiten jeweils zwei Stuhlreihen, weiße moderne Klappstühle mit jeweils einer kunstseidenen Schleife versehen und einem Liederblatt. Aha, da hatte man sich zu setzen, oh, dort der Pastoralreferent der regionalen Universitätsgemeinde sprich studentischen Seelsorge, eine Konzertgitarre herantragend, der würde womöglich zum Singen anstiften: „Diakon Frank Schmücker“ flüsterte meine Begleiterin: „Der kann richtig schwungvoll singen!“, und dort, wahrhaftig, eine Art Priester, mir flüsternd mit „Doktor Dienlich, katholischer Priester aus Jerusalem“ vorgestellt, ohne Zweifel war dieser Dr. Dienlich ein veritabler katholischer Theologe, denn er trug ein priesterliches langes feierliches Gewand in fein gemustertem Weiß und Grau und darüber eine Stola in alternativ nach Kirchentagsmilieu wirkendem Regenbogenbunt. Wie modern. Was machen katholische Priester eigentlich in Jerusalem? „Da drüben, Muslime aus Afrika“ verkündete mir meine Nachbarin. Togo oder Sénégal, das hätte ich ja doch gerne gewusst, es schien aber niemanden zu interessieren. Afrika halt, aha. Und natürlich: Muslimisch. Klar.

Meine Begleiterin hatte mich erst wenige Stunden vorher angerufen, dass an diesem Sonntagabend des Jahres 2008 eine ungewöhnliche Trauung und Eheschließung zelebriert werden würde, binational, das interessierte mich sogleich, bireligiös, das fesselte mein Interesse, christlich-muslimisch, ich war elektrisiert. An die ganz große sprichwörtliche Glocke wurde die Angelegenheit in der Stadt dann wohl doch nicht gehängt, die Studentengemeinde aber und ebenso Gemeindebriefe das Bistums hatten eine gute Woche lang auf dieses Ereignis hingewiesen. Wenngleich etwas kryptisch verborgen, es schien und scheint also ein ziemlich subversives Ereignis zu sein. Revolutionär sozusagen, die Achtundsechziger sind im Priesteramt angekommen. Ob Rom davon weiß, ob der Bischof so etwas dulden würde?

Der Raum beginnt sich vom Westwerk her zu füllen, 90 oder 95 Personen werden es nun wohl sein, der priesterlich Gewandete tritt an die altarnahe Stirnseite und zieht alle Blicke auf sich. Da ist aber doch noch etwas, richtig, vorne in beiden Winkeln rechts und links thront oder sitzt würdevoll jeweils eine Gestalt, in rotes Gewandtuch gekleidet, dass muss wohl das binationale Brautpaar sein! Man versucht, genauer hinzusehen und sieht links eine Frau in ein auf kraftvollem Feuerrot braun-schwarz gemustertes, irgendwie afrikanisch oder arabisch wirkendes Gewand gehüllt, sie europäischen Typus bei seltsam geflochtenem Haar, vorne rechts aber ein königlich wirkender, stolzer Mann mit edlem schwarzbraunem Gesicht, in ein nahezu rein rotes, strahlend feuerrotes Gewand gehüllt. Das muss das Brautpaar sein, die Stühle stehen noch weit, weit auseinander. Was würde wohl geschehen? Beide Brautleute wirken, als wären sie vierzig Jahre alt, aber wie gesagt, sie sitzen ein wenig in den Winkeln des sehr längsgestreckten und durch die Kerzenlichter am Boden aufgespannten Raumes, man sieht sie nicht so genau. Auch im Publikum hier und dort afrikanische Gesichter, Frauen in festlichen schwarzgelben Gewändern, kleine Mädchen mit kunstsinnig geflochtenem Haar. Das wirkt international, interkulturell, ungewöhnlich, interessant, aufregend fremdartig und damit durchaus im Kontrast zum altvertrauten, etwas langweiligen Kirchenschiff. Das Gerede und maßvolle Begrüßen wird zu einem Murmeln und verstummt dann bald ganz. Stille.

Der priesterlich Gewandete mit der regenbogenbunten Stola erhebt das Wort:

„Ich begrüße alle Anwesenden und besonders begrüße ich Aurelia und Samory, deren Trauung wir alle zusammen heute feiern möchten mit einer ganz besonderen, einer bislang in Deutschland äußerst seltenen christlich-muslimischen Eheschließung.“

Da ist das unerhörte Wort gefallen! Christlich-muslimische Trauung, christlich-muslimische Eheschließung.

Nun also bin ich Zeuge der ersten christlich-muslimischen Eheschließung in jener Stadt am Rheinufer. Ein neben mir sitzender Mann wendet sich mir zu und sagte leise: „Sehen Sie diesen afrikanischen Herrn dort, auch der soll eine feierliche kleine Rede halten, es ist Sékou, der strenggläubige Bruder des Bräutigams Samory. Die katholische geschiedene Pfälzerin, Mutter zweier erwachsener Kinder, heißt Aurelia, sie und ihr muslimischer neuer Mann heirateten vor zwei Jahren standesamtlich, auch soll es eine große Hochzeitsfeier in Afrika gegeben haben.“ – „Eine islamische Ehe, eine Imam-Ehe?“ wollte ich natürlich sofort wissen – „Ja, ich glaube wohl!“ antwortete der Bürger.

Es versprach ein spannender, womöglich auch verstörender Abend zu werden: Wie würde der katholische Prediger mit Allahs ewiger Scharia umgehen? Würde der afrikanische Bruder des Bräutigams einen Dolmetscher einsetzen oder vielleicht mit einem überraschenden Akzent zu uns auf Deutsch sprechen oder gar auf hessischem oder pfälzischem Dialekt?

Beim priesterlich Gewandeten, flüsterte mir meine Begleiterin von der anderen Seite ins Ohr, soll es sich um einen echten katholischen Theologen handeln, der solche interreligiösen namentlich christlich-muslimischen Hochzeiten schon mehrfach im In- und Ausland zelebriert habe, durchaus zum Missfallen der kirchlichen Obrigkeit und der katholischen Konservativen: „Walter Dienlich ist halt ein sehr moderner Theologe, der hat mit einer christlich-islamischen Ehe kein Problem!“ Sie schien begeistert und zwinkerte mir verschwörerisch zu: „Ob die Bischofskonferenz davon weiß?“ Diese Frage hatte ich mir nun allerdings auch bereits gestellt. Eine reguläre Uhrzeit für einen Gottesdienst war das, Sonntagabend um 19:30 Uhr ohnehin nicht gerade, würde also beispielweise ein Abendmahl gefeiert werden? Würde es eine Segnung der Eheringe geben, einen gesegneten Handschlag der Brautleute, die vorausgegangene klassische Frage an die Eheleute mit der berühmten Formel von den guten und den bösen Tagen?

Der priesterlich Gewandete begann zu feierlich sprechen:

„In dieser besonderen Stunde wollen wir die Eheschließung von Aurelia und Samory feiern. Lassen Sie uns beginnen, einen kleinen Kanon zu singen, der nicht auf dem Liedblatt steht, einen Kanon in hebräischer Sprache, er hat eine eingängige Melodie und lediglich vier Worte, die ich Ihnen einmal vorspreche …“ Routiniert, alle Achtung. Nur eine Minderheit kannte das Lied, und doch erklang nach wenigen Augenblicken ein schöner Kanon, das war ein Erfolgserlebnis, das die Bereitschaft des Aufeinander-Hörens und des guten Willens angemessen ausdrückte. Die Melodie mutete, wie so manche israelisch geprägten religiöse Lieder, etwas ukrainisch-slawisch oder pentatonisch-ungarisch an, die Worte sind die des weltbekannten Psalmes 23:1: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, Adonai roi lo echsar.

Die Stimmung ist gelöster, Theologe Dienlich hat diesen Kanon gekonnt eingesetzt und spricht zu uns:

„Ob dieses Lied, wie wir es gerade gesungen haben, die genaue Sprache ist, so wie Jesus, der von den Muslimen Issa genannt wird, sie einst gesprochen hat, wissen wir zwar nicht, aber Hebräisch und Arabisch sind beides nahöstliche, so genannte semitische Sprachen.“ Sprach der Jesus nicht Aramäisch, aber naja, Hebräisch wird er verstanden haben, und die genaue Aussprache ist nach 2000 Jahren nur zu ahnen. Was hat Arabisch mit diesem heutigen Abend zu tun? So schoss es mir durch den Kopf. Der Prediger wollte den afrikanischen Teilnehmern des Abends gegenüber offenbar etwas Nettes sagen, ob die jedoch überhaupt Arabisch sprechen oder nicht viel eher Fulfulde oder Malinke? Dienlich redet weiter:

„Die Entscheidung zu dieser christlich-muslimischen Trauung fand nicht nur Zustimmung. Viele sagten mir, macht so etwas nicht, in Anbetracht der vielen gescheiterten interkulturellen oder interreligiösen Ehen rieten sie mir von dieser feierlichen Eheschließung ab. Doch habe ich selbst und in aller Welt immer wieder gute Erfahrungen mit solch einer christlich-muslimischen Eheschließung gemacht, namentlich in meiner fast zwanzigjährigen Zeit als Seelsorger in Jerusalem. Wahrlich: In Jerusalem ist vieles möglich!“ So spricht der katholische Priester. Und fährt fort:

„Und so wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch Aurelia und Samory gelingen wird, eine gemischtreligiöse Ehe in Freude und im Glaube zu leben.“

Wer hier noch an was glaubt wird zwar nicht explizit ausgesprochen, doch ist bereits aus der Einladung und der Ankündigung der Veranstaltung im Gemeindebrief und im Internet recht offensichtlich, dass nämlich Samory Muslim bleiben wird und Aurelia katholische Christin. Ob Christus und Allah damit einverstanden sind oder vielmehr ob die afro-muslimische Großfamilie sich damit dauerhaft zufrieden geben wird, dass ein Teil der Familie Bier trinkt und Schweinefleisch isst? Oder ob Aurelia nicht bereits extrem tolerant ihre unislamischen Lebensmittel und Lebensgewohnheiten aus ihrem Alltag gestrichen hat?

„Abraham, der Anherr der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, Abraham machte sich auf und wurde Wanderer, Reisender, und auch Aurelia und Samory haben sich auf die Reise gemacht, ihre Lebensreise, zueinander und miteinander. Über den Islam weiß ich leider nicht viel, doch der universelle Gott hat Aurelia und Samory zur Freundschaft und Liebe gerufen. Das wollen wir hier heute Abend feiern.“

Da hätte der alte Abraham jetzt aber vielleicht gerne ein Wörtchen mitgeredet, er wusste ja schließlich gar nichts davon, dass einst Muslime ihn überstrapazieren oder doch arg beanspruchen würden! Aus islamischer Sicht freilich ist Abraham vor über tausend Jahren kurzerhand nachträglich zum Muslim erklärt worden. Für Dr. Dienlich alles kein Problem, der Mann lebt ganz im Hier und Jetzt und will seine Gemeindesekretärin wiederverheiraten und die bireligiöse Ehe salonfähig machen. Und den guten alten jüdischen Himmelsgott Jahwe, Schöpfer der Welt, erklärt Dr. Dienlich flugs zum universellen Gott. Ob Jahwe und ob Jesus damit einverstanden sind? Ach was, Jahwe und Jesus Christus sollen gefälligt Nachhilfeunterricht bei Dr. Dienlich nehmen in Sachen universeller Gott und Ringesegnen. Das ist modern, dynamisch, innovativ, katholisch.

„Ich weiß nicht viel vom Islam, aber ich weiß, dass der Gott des Mohammed ein sehr beweglicher Gott war!“ Samory lächelte verständnisvoll, Aurelia guckte weiterhin versteinert und bekam wohl kaum etwas mit, Sékou aber blickt zornig auf, eine Bewegung durchfuhr den frommen Muslim, recht so, was erlaubt sich denn auch der Dhimmi-Priester, dem Allah irgendwelche Eigenschaften anzudichten? Aus Sicht des katholischen Pfarrers konnte ein gelernter Karawanenhändler und dynamischer Kriegstreiber wohl als persönliche Gottesfigur nur eine Art himmlischen Speditionskaufmann haben. „Ja, Allah ist ein sehr beweglicher Gott! Gott aber ist der universelle Gott, der Gott der Reisenden, nicht derjenigen der sesshaften Hausbewohner, die in ihrer Zimmerecke einen Hausgötzen anbeten!“

Nun, dieser Dr. Dienlich scheint mir auch sehr beweglich zu sein. Jetzt vergöttert er das Nomadentum, die nichtsesshafte Lebensweise, auf Kosten der Bauern und Stadtbewohner. Warum macht der Mann das?

„Gott wohnt nicht in Tempeln. Selbst in den christlichen Kirchen, so sehr wir Europäer diese Bauwerke auch mögen, auch in dieser alten Kirche in der wir uns gerade befinden wohnt Gott nicht. Gott ist kein Gott der Grenze, Gott ist ein Gott der Entgrenztheit, der ungehinderten Reise, der Weite, der Wüste! Gott wohnt, wie wir das auch aus den alten jüdischen Gleichnissen kennen, Gott wohnt im Zelt, nicht im Steintempel!“

Wollte der entgrenzt tolerante Pfarrer etwas Nettes sagen zu den gar nicht anwesenden nomadischen Arabern? Dr. Dienlich macht Mohammed sozusagen Komplimente oder dem vermuteten Gottesbild des Koran? Oder möchte der Pastor, der immer in kalten Steinkirchen arbeiten muss, mit dem Zelt Urlaub machen auf einem netten Campingplatz?

Meine Sitznachbarin flüstert mir verschwörerisch und etwas geschwätzig ins Ohr: „Die Aurelia, Tochter von Herbert und Roswitha, sie ist Kirchenangestellte und war ja schon einmal katholisch verheiratet, deswegen jetzt also dieser Trauungsgottesdienst zweiter Klasse“ – „Aha, Allah sitzt sozusagen am Katzentisch, nicht besonders nett den Afrikanern gegenüber“, meine ich trocken, woraufhin sich meine Sitznachbarin zusammenreißen muss, um nicht in lautes Lachen auszubrechen.

Mir ist klar, dass aus der Sicht der ewigen Scharia hier nur ein folkloristisches Theater stattfindet, den ’ungläubigen, unmoralischen’ weißhäutigen Ureinwohnern gönnt man als großzügiger muslimischer Mensch ein Ritual bei Kerzenschein. Soso, Aurelia ist Gemeindesekretärin, Profi-Katholikin sozusagen. Meine mir unbekannte Nachbarin raunt weiter: „Die Kirche sichert Aurelia ihre Existenz. Werden Gemeindesekretärinnen eigentlich gezielt von Bezness-Tätern oder gar radikalen Muslimen angebaggert, angegraben, um den Einflussbereich der lokalen Moscheegemeinden zu stärken? Oder sind weibliche Kirchenbedienstete schlicht derartige masochistische Gutmenschen, dass sie einen wilden Muslim einfangen und glauben zähmen zu müssen oder den Mann aus der Dritten Welt um Absolution für die Kolonialzeit und MacDonald’s anflehen? Oder ist das hier wirklich einmal starke Freundesliebe, die enge Denkgewohnheiten überwindet und nebenbei gleich noch den Islam zur Demokratieverträglichkeit hin reformiert?“ Alle Achtung, die Dame hat aber gründlich nachgedacht, ich versuche ihr, möglichst unauffällig, dankbar zuzunicken, hatte ich mir doch ähnliche Fragen gestellt. So gänzlich unbedarft sind die Altendorfer Ureinwohner wohl doch nicht.

Das ist interessant und das ist natürlich geheimgehalten worden im Gemeindebrief und auf den katholischen Homepages der Region Rheinhessen: Dass nämlich eine Kirchenangestellte die Braut des Muslims werden würde ist gleich noch einmal so skandalös, würden katholische Konservative jedenfalls sagen. Die Gemeinde von Sankt Mauritius gibt sich also progressiv, weltoffen, „Die Kirchengemeinde ist bischöflicherseits von Mittelkürzungen ebenso akut bedroht wie von der Zusammenlegung mit drei anderen Kirchen zu einer neuen Großgemeinde, das wollen die hier anwesenden Katholiken aus Altendorf natürlich verhindern.“ Aha, interreligiös heiraten, sprudelt da eine neuartige Verdienstquelle? Das wird ja immer toller.

Die Gemeinde kann sich als modern geben und so vielleicht ihre Zwangsauflösung verhindern, geht es darum? Will die Kirche von der Basis her einen zugegeben zunehmend häufigen Ehetyp ebenso alltäglich machen wie kirchenrechtlich standardisieren, vorerst noch eher gegen den Willen der tendenziell konservativeren Bischöfe? Werden Europas Muslime sich daran gewöhnen, mit Katholiken in einer gemeinsamen Familie zu leben, ohne die Christen als ’Dhimmis unterm gemeinsamen Dach’, als Menschen sittlich geringeren Wertes zu betrachten? Wird Samory, der ja in diesem Augenblick absolut sympathisch, sanft, souverän und vertrauenswürdig wirkt, sich von der traditionellen islamischen Geringschätzung der Frau befreien können oder hat er es bereits getan und ist er gar ein bewusst säkularer Muslim, ein Gleichheitsfeminist, ein freiheitlicher Demokratiefreund und Gegner des politischen Islam? Das wäre wahrlich ein Quantensprung, Ayaan Hirsi Ali hat ihn ja geschafft. All dies schießt mir durch den Sinn, während die Gemeinde brav ihre schönen Kirchenlieder singt, auch die afrikanischen Gäste blicken ganz freundlich. Eine seltsame Sache jedenfalls, ungewöhnlich fühlt sich das an, Zeuge einer christlich-muslimischen Eheschließung zu sein! Werden wir alle uns daran gewöhnen müssen? Vielleicht, wahrscheinlich. Werden wir aber auf Richtlinien des Zusammenlebens auf gleicher Augenhöhe wert legen, auf Eingrenzung der alten islamischen Dominanzkultur, ihrer unduldsamen Absolutheit und ihrer engstirnigen Orthopraxie? Doch da, ein Lied ist zu Ende und Pastor Dienlich erhebt beschwörend die Hände und verkündet leidenschaftlich:

„Unser Bischof sagte, und das brachte ihm einen Waschkorb voller Beschwerdebriefe ein, er sagte also: ’Unser Gott ist kein christlicher, kein jüdischer und kein muslimischer Gott!’“

Ich bin erstaunt, anthropologisch-psychologisch gesehen mag der gute Bischof damit zwar Recht haben, Traumdeuter Carl Gustav Jung oder Völkerkundler Mircea Eliade schrieben ja Ähnliches. Doch riskiert unser Pastor Dr. Dienlich damit in Deutschland überhaupt nichts, während er in Pakistan oder dem Irak mit so einem Satz eigentlich nur die brutale Übermacht der islamischen Doktrin schönlügen würde, denn ob Bischof oder, hier und heute im Kirchengebäude, der Pastor, beide sagen mit einem solchen pantheistischen-universalistischen Gottesbild ganz multikulturell und pazifistisch: ’Christen sind ein bisschen muslimisch’, sie versteigen und verbiegen sich zur kruden Christologie und Theologie: ’Als deutscher Katholik glaube ich ab sofort ein bisschen an Allah.’ Die grinsenden Muslime werden nichts dagegen haben, wenn katholische Christen beginnen, die ersten Dogmen von Koran und Scharia anzuerkennen. Doch wollen Deutschlands und Europas Katholiken das?

Es ist nicht höflich, Allah nicht um Erlaubnis zu fragen, mein lieber Herr Pastor! Was für ein Dhimmi, freiwillig den Gott des Weltalls mit dem Namen Allah zu benennen, heute abend in Sankt Mauritius einen kosmischen Allah-Gott zu lobpreisen und den glücklich erfundenen universellen Allahgott zum christuskompatiblen Vatergott zu erklären. Fromme Muslime könnten das als höchst anmaßend empfinden, doch haben sie, anders als Deutschlands wohlstandsverwöhnte heutige Christen, ein klares Gespür für oben und unten, für machtvoll und ohnmächtig. Pastor Dienlich hat, indem er auf ein griffiges christliches Profil verzichtet, sich und die Christenheit erniedrigt und beschwört einen schwammigen Allahjahwe oder vielmehr Jahweallah, wir erkennen, dass er auch gleich über den jüdischen Gott verfügt.

Die katholische Kirche des Jahres 2008 ist schlicht zu feige, zu sagen, ihr Gott ist dezidiert nicht Allah! Man will Konflikte vermeiden, man will Frieden um den Preis der Selbstaufgabe. Bislang hatte ich noch nie gänzlich verstanden, was Giordano mit dem Wort Beschwichtigungsdogmatiker gemeint hatte. Die Muslime werden den Christen Frieden anbieten. Islamischen Frieden, sozusagen. Schariafrieden, Dhimmitude.

Derartig grübelnd blicke ich auf die Braut. Aurelia wirkt zwar momentan etwas königlich versteinert, doch könnte sie eine rebellische Tochter von Altachtundsechzigern sein. Hier im geweihten Kirchenraum spielen alle freilich fromm oder sind es auch tatsächlich.

Dann geschieht das Ungeheuerliche und mit donnernder Stimme ruft Walter Dienlich in den widerhallenden alten Kirchenraum:

„Ich segne diese Ringe im Namen von Jesus Christus und Allah!“

Grauen packt mich. Entsetzen lähmt mich. Das kann doch nicht wahr sein, was geschieht hier, ein Pastor handelt explizit Namen des koranischen Gottes?! Pfarrer Dr. Dienlich erklärt sich zum Beauftragten Allahs, ohne Allah zu fragen womöglich, und verbiegt Christus zum Propheten Allahs, und das tut Dr. Dienlich als ein Katholik und Priester, wo Jesus von Nazareth doch womöglich vom Gott der Kaaba und Scharia gar keine oder keine gute Meinung hat? Wir Christen müssen aber noch weiter fragen:

Priester Dienlich bezeichnet ganz offensichtlich den Gott des Jesus von Nazareth mit dem koranischen und islamischen Wort Allah! Lässt der nahosterfahrene Dr. Dienlich den Frauen steinigenden, Hände- und Köpfe abhackenden Allah gleich noch ein himmlisches Friedensfest mit Jesus Christus feiern? Was der sanfte Dr. Dienlich ausspricht, wirkt wie ganz selbstverständlich, charismatisch, hypnotisch, einlullend, eben sanft. Vielleicht ist das ja der christliche Weg zum Weltfrieden, mag der eine oder andere der hier in Sankt Mauritius Anwesenden denken, jedenfalls zuckt niemand der 95 Anwesenden auch nur mit der Wimper. In aller Seelenruhe und Souveränität fährt der Mann damit fort, sein interreligiöses Ritual zu zelebrieren. Ich bin schockiert.

Pastor Dienlich entehrt und verschrottet, verkauft und verramscht eine zweitausend Jahre alte Weltreligion, besonders schamlos angesichts der Tatsache, dass in Saudi‑Arabien bereits der Besitz einer Bibel Gefängnisstrafen nach sich zieht oder dass in Afghanistan Konvertiten zum Christentum nur mit dem antidemokratischen Kunstgriff, sie als wahnsinnig, das heißt als unzurechnungsfähig zu erklären vor der islamrechtlich einwandfreien Tötung bewahrt werden können.

Ihre eigenen Kinder verlieren angeheiratete Nichtmuslime in jedem Fall, das nennt sich Scharia, ein Wort, das der Pastor (Dienlich: “Ich weiß nicht viel vom Islam“) gar nicht erst zu kennen scheint.

Das klingt ja so modern, so nach Buddha oder Goethe oder Hesse, zu sagen, Gott sei weder christlich noch muslimisch. Obschon Dienlich bezeichnenderweise zu feige ist, heute Abend den buddhistischen oder taoistischen Begriff des Weltganzen zu verteidigen. Ist Dienlich also New-Age-Jünger oder gar Bahá’í? Weiß er, wie es Bahá’i in Teheran oder in Kairo ergeht? Pfarrer Dienlich geht kein Risiko ein, er spielt den ’Wellenreiter’, er ’surft’ auf den Wogen der Macht. Er verhöhnt die Opfer indem er sie noch nicht einmal erwähnt. Er will das Produkt christllich-muslimische Ehe handelskonform machen und als katholischer Funktionär und Manager erfolgreich verkaufen. Hier sieht 2008 womöglich bereits ein beträchtlich starker Teil der Katholischen Kirche die Chance auf Macht, das heißt auf Geld. Moralisch schäbig. Aber kundenorientiert.

Doch da erhebt der Bruder des Bräutigams das Wort, sehr gut zu verstehen trotz des starken Akzentes, der eigentlich sympathisch und charmant hätte sein können, schaute er nicht so giftig und Gehorsam heischend darein:

„Der Wert der Familie im Islam ist außerordentlich hoch! Die Familie ist die absolute Keimzelle der islamischen Gesellschaft und Kultur. Das bedeutet, das es im Islam, anders als es in Europa leider immer wieder behauptet wird, keinerlei Form des Zwanges in der Ehe oder gar eine Zwangsehe gibt! Vielmehr ist der muslimische Ehemann verpflichtet, seine Frau gut zu behandeln. Jede Form von Gewalt gegen die Frauen oder Kinder ist in der islamischen Familie verboten.“

Was für ein Lügner! In mir zuckte es, ich will dazwischenrufen und aufspringen und die Kirche verlassen, doch ich beherrsche mich. Welche Niedertracht! Die islamische Ehefrau ist kein Vertragspartner sondern Vertragsgegenstand, ohne Wali, und Wali bedeutet Vormund, männlich versteht sich, ohne Wali läuft noch nicht einmal eine Eheanbahnung oder standesamtliche türkische oder tunesische Hochzeit! Die Hälfte der türkischen Ehefrauen in unserem Städtchen Altendorf ist im Alter von 16 oder 15 Jahren zwangsverheiratet worden, und, wie es so blumig heißt im blumigen Islam: Das Schweigen der Frau wird als Zustimmung gewertet. Warum macht Sékou das, der Bruder des Bräutigams?

Sékou macht Da’wa! Er streut den Treibsand oder Nebel des Iham oder der Taqiyya um die kunstvoll ausgelegten Schlingen der Da’wa, der Einladung zum Islam, die islamische Mission. Und keine Da’wa ist so nachhaltig wie das Erbeuten eines Weibchens, pardon, einer Ehefrau. Da wird Lüge zur islamischen Selbstverständlichkeit.

Es ist gar nicht selbstverständlich, überlege ich schweigend und kochend vor Wut, dass Islamfreund Sékou sich überhaupt verteidigt – denn niemand hatte ihn angegriffen, niemand (leider) hatte die Muslime beschuldigt, gegen den Willen der Frauen erzwungene Ehen zu arrangieren. Sékou erzählt den anwesenden Christen oder auch Nichtchristen etwas von der Schönheit des angeblich so friedfertigen islamischen Ehelebens und Familienglücks. Seltsam, mein türkischer Kollege und Nachbar schlägt seine Frau häufig und die wiederum schlägt ihre Kinder noch öfter, hat Sékou diese Hanafiten soeben zu Ungläubigen erklärt?

Ist der anwesende Priester, ist Dr. Walter Dienlich mit seiner knapp zwanzigjährigen Israelerfahrung über die im Islam leider immer noch übliche Eheanbahnung nach dem Grundatz des Tochtertauschens zwischen zwei Männerbünden denn gar nicht im Bilde? Hat auch Diakon Frank Schmücker noch nie etwas von der grundsätzlichen rechtlichen Minderwertigkeit der Ehefrau und überhaupt der Frau in Allahs eigenem Gesetz gehört, hat er die Hadithen und Fatwen zum Prügelvers denn nicht gelesen? Haben die beiden katholischen Seelsorger Aurelia auf die Risiken und Nebenwirkungen des Ehelebens nach Sunna und Scharia nicht hingewiesen? Die vor Aufregung (Schmücker) oder Selbstgefälligkeit (Dienlich) wie angeknipsten Gesichter verraten uns nichts, keine Silbe, doch für ein „Ich weiß nicht viel vom Islam“ seitens des Pfarrers reicht es. Ich bin bestürzt, der Mann kennt die Scharia nicht und zelebriert hier eine christlich-islamische Trauung. Das ist unfasslich, diese Ehe muss annuliert werden.

„Aurelia“, wendet sich der Priester an die Braut: „Wenn Kinder kommen sollten, dann erziehe sie im christlichen Geist und im Namen der christlichen Religion!“ Aha, für das Wörtchen katholisch hat es für eine Ehe zweiter Klasse, Aurelia war ja bereits einmal verheiratet, jetzt nicht mehr gereicht, ein wenig christlich also soll es sein. Der Mann ist zu feige zu sagen, dass der Islam das schlicht nicht zulässt, denn Kinder eines muslimischen Vaters gelten nach der Scharia als Muslime, manche im Publikum werden es wissen, andere nicht. Dr. Dienlich ruft zur Seite:

„Ich bitte Sie, die Stühle zusammen zu stellen!“ und wahrhaftig, herbeieilende Helfer setzen die Stühle Armlehne an Amlehne nebeneinander, die beiden Heiratswilligen setzten sich, ihre roten Gewänder strahlen nun genau in der Blickachse des Mittelganges. Der Priester fragt:

„Aurelia, bist du freiwillig gekommen, ohne Zwang, und willst du Samory aus freiem Entschluss und nach reiflicher Überlegung zum Ehemann nehmen im Namen des universellen Gottes?“

Oho, der Gott des Christentums franst heute etwas aus, wird weich gekocht und hier etwas in die Länge gezogen und da etwas gekürzt, damit er auf Allah passt. An Allah traut sich der Priester nicht heran, das ist interessant: Der Christengott wird universell und multikulturell, Allah jedoch bleibt sozusagen unverändert. Tja, es kann nur Einen geben. Nun, wenn mit einem universellen Gottesbild auch universelle Menschenrechte einhergehen, könnten säkulare Humanisten ja zufrieden sein.

„Ja!“ rief Aurelia, es klang etwas hektisch und verkrampft.

„Und du, Samory, bist du freiwillig gekommen und willst du Aurelia nach reiflichem Überlegen und aus freiem Entschluss zur Ehefrau nehmen, für sie sorgen in Gesundheit und Krankheit, in guten und in schlechten Zeiten?“

„Ja!“ sprach Samory mit würdiger Gelassenheit.

„So reicht einander eure Hände!“

Alle drei standen nun vorne vor der Gemeinde, das heiratswütige Paar Hand in Hand und vor ihnen der Priester mit dem grauen Kostüm oder Kittel zum Woodstock-bunten Regenbogenschal:

„Ich lege meine Stola über eure rechten Hände zum Zeichen der Segnung eurer ehelichen Verbindung.“

So also schlägt die ewige Scharia im katholischen Rheinhessen ein wie ein Komet und die schutzbefohlenen Dhimmis können bei Bedarf das Gefühl haben, noch selbst ein aktives Subjekt zu sein.

Zum ersten Januar 2009 wird das zivilrechtliche Gebot der standesamtlichen Voraustrauung fallen, dann braucht für eine derartige doppelreligiöse oder religionsvermischte oder eigentlich rein schariatische Ehe ein Standesamt, seit 1875 war das Pflicht, gar nicht mehr betreten zu werden. Wie schariatische Ehe? Gewiss, aus islamrechtlicher Sicht findet hier im Kirchengebäude einfach nichts statt, gar nichts, Karneval, Party, Dhimmi-Zauber findet statt. Nichts findet statt. Die ewige Scharia hat die Sache bereits geregelt.

„Und so wollen wir diesen Wortgottesdient schließen mit dem Gebet, das uns Jesus gelehrt hat, der im Islam Issa heißt!“ Man spricht das Vaterunser, jedenfalls die größeren Teile der ’Deutschländer’, die afrikanischen Muslime hören höflich zu. Verflixt, der Priester hat soeben den Jesus als Issa bezeichnet, das ist sehr nett den Muslimen gegenüber, doch ist der Islam nicht über ein halbes Jahrtausend später entstanden und Jesus von Nazareth im Vergleich zu den frühesten Christen in Antiochia oder Korinth dann im Islam völlig anders ausgedeutet worden, nämlich islamisiert das heißt islamisch ideologisiert? Muslime erklären beispielsweise den Jesus Issa zum Muslim, zum vorletzten Propheten, so weit so seltsam.

Doch für welchen Jesus entscheidet sich der Pastor von Sankt Mauritius, begeht Dr. Dienlich nicht Verrat am christlichen Jesus, am seit über zwölfhundert Jahren im gesamten Rheinland verehrten Jesus Christus? Die anwesenden katholischen Bürger ficht das alles nicht an, sie lächeln diplomatisch, wenn auch, wie mir scheint, etwas gezwungen. Moment mal, begibt sich Dr. Dienlich nicht ganz und gar in die Rolle des Dhimmis, der sich mit den Machthabern im Kalifat nicht anlegen will, hat er der islamischen Sichtweise auf Jesus nicht soeben den Vortritt und die Höherrangigkeit gelassen? Ist das noch Höflichkeit oder einfach schiere Entchristianisierung, Entchristlichung? Und wenn diese katholisch Gemeinde ihren Gott und ihren Christus schon bereitwillig zum Islam hin verwässert und verfremdet, sind die regionalen Moscheegemeinden denn auch wirklich im selben Maße ’tolerante Brückenbauer’ und christianisieren, humanisieren und demokratiseren ihren willkürlich barmherzigen Allah und ihren kriegerischen und herrschsüchtigen Propheten Mohammed nachträglich ein bisschen, um den Christen oder Humanisten oder Ex-Muslimen entgegen zu kommen?

Keine Rede von diesen Fragestellungen: Die Kirche verändert sich, der Islam verändert sich nicht. Der zauberhafte Priester islamisiert unseren Jesus auf Koran und Hadithe hin, der Bruder des Bräutigams indessen lügt uns Taqiyya-schamlos ins Gesicht, dass es keine Gewalt in der islamischen Ehe gebe und keine Zwangsehen im Islam. Dr. Dienlich denkt dynamisch und führt die Gemeinde ein wenig hinters Licht. Ich blicke mich um. Alle gucken zufrieden. Na dann!

Doch was ist das? Aus dem Hintergrund rollen zwei Helfer ein Stehpult mit einem aufgeschlagenen, gewaltig großen Buch herbei. Horizontal mehr als einen Meter Kantenlänge. Mir stockt der Atem. Das phantastisch multikulturelle Heiratsritual wird im altehrwürdigen Kirchenbuch der Gemeinde Sankt Mauritius eingetragen? Oder sogar im bischöflichen geheimen Verzeichnis, in dem die paar eigentlich nicht statthaften Kinder gewisser Priester nebst kirchlicherseits zugesagter Versorgung anerkannt sind? „Ich brauche noch die beiden Trauzeugen, die jetzt hier doch einmal unterschreiben möchten.“ Was das wohl für ein Buch war? Meine Neugier wächst ins Unermessliche.

Mit einem kühlen Segen an die Gemeinde verabschiedete der Pfarrer sich und uns, nicht ohne auf die kleine Feier im Nachbarraum hinzuweisen, zu der jetzt gleich im Anschluss doch jeder herzlich eingeladen sei. Doch da, da sagte er noch etwas: „Ich rufe die Gemeinde zum Zeugen dieser heute geschlossenen christlich-muslimischen Trauung auf!“

Irgendwie ist es doch reichlich erpresserisch vom Pastor, uns zum Zeugen zu rufen, da nämlich die Anwesenden die kirchenrechtlichen Folgen vielleicht gar nicht kennen und die schariarechtliche Bedeutung ganz sicher nicht, aber egal. Auf zur deutsch-afrikanischen Party im benachbarten Gemeindezentrum! Es wird richtig nett, Speis und Trank gibt es reichlich, Tanz und Gespräch, Frauen ohne und mit Kopftuch, bei halal-Häppchen und Schinkenbrot, bei Saft und Wein friedlich vereint. Es weiß ja jeder, was er zu essen hat! Musik ertönt, vier Musiker aus Westafrika, Trommel und Zupfinstrumente, herrliche Klänge. Alles redet durcheinander, sehr aufregend, man versteht einander vor lauter Tanzmusik und Fröhlichkeit nur noch mit Mühe.

Ob in allem Trubel die Braut vom Schinkenschnittchen isst oder ein Glas Wein trinkt ist nicht bekannt. Noch stundenlang bleibt die Stimmung ausgelassen und irgendwann verabschiede ich mich. Und in meinem Fortgehen vernehme ich noch aus großer Entfernung den Jubelruf des Dr. Dienlich über der brausenden und wogenden Geräuschkulisse: „In Jerusalem ist vieles möglich!“

In Deutschland ganz offensichtlich auch.

Kasimir Krawczyk

2 Antworten to “090. Katholisch ist … ? Christlich-islamische Trauung”

  1. Helmut Zott Says:

    Darf`s auch ein satirischer Nachtrag zur Eheschliessung sein?
    Satire im Sinne des Vorspanns und im Geist von Eugen Roth?

    %%%%%%%%

    Satire

    Ein Mensch, im Wortspiel sehr gewitzt,
    hat seinen Geist als Gift verspritzt,
    sodann in Versform eingegossen
    und durch zwei Deckel abgeschlossen.
    Das Ding heißt Buch, doch es enthält
    den Sprengstoff für die Geisteswelt.
    Die Explosion besteht aus Lachen,
    aus Pusten, Zischen und aus Krachen.
    Gewürzt wird auch mit groben Lügen,
    denn daran hat man sein Vergnügen.
    Das Lachen macht ja – Gott sei Dank! –
    nur frohe Menschen und nicht krank.

    Helmut Zott

    %%%%%%%%%%

    Der Klon

    Ein Mensch, der maßlos sich verehrt,
    hat sich geklont und so vermehrt,
    wie man – zum Fortschritt dieser Welt –
    die Menschenzeugung umgestellt
    auf Produktion des ewig Gleichen,
    um bessere Menschen zu erreichen.
    Die Schönen sind zwar beide männlich,
    doch leben sie jetzt unzertrennlich,
    verliebt in sich und den Gefährten,
    für sie der Himmel hier auf Erden.
    Die Harmonie ist unzerbrechlich,
    das Glück der Beiden unaussprechlich.
    Ein Pfarrer hat sich bald gefunden,
    der sie zum Ehepaar verbunden.
    Und während sie die Hände reichen,
    spricht er mit Würde ohnegleichen:
    „Nach Gottes weisem Rat und Schluss,
    den man als Mensch befolgen muss,
    ist uns geboten, wie Ihr wisst,
    den Feind zu lieben als ein Christ.
    Den Nächsten wie uns selbst zu lieben,
    ist uns als Christen vorgeschrieben.
    Als Nächster ist nicht der gemeint,
    der Fremde, wie es vielen scheint,
    nicht Vater, Mutter, Tochter, Sohn,
    nein, unser Nächster ist der Klon.“

    So leben sie als schwules Paar
    im Glück und sind identisch gar.
    Als Gott den Adam klonen wollte,
    war Eva nicht das, was sie sollte.
    Hätt Gott den Adam recht geklont,
    wär diese Welt vom Weib verschont.

    Helmut Zott

    %%%%%%%%%%

    Absegnung

    Ein Mensch hat einmal zugeschaut,
    als man ein Schwulenpaar getraut,
    das unter Kirchenglockenklang
    und würdevollem Chorgesang
    nach vorne schritt zum Traualtar,
    der schön geschmückt zur Feier war.
    Man tauschte Ringe, küsste sich,
    und knutschte sich ganz inniglich.
    Mit Worten, die zu Herzen gehen
    würzte der Pfarrer das Geschehen,
    und gab den Kirchensegen beiden,
    die nun mit Gott durchs Leben schreiten.
    Auch wenn die Teile nicht ganz passen,
    muss man das Anderssein belassen,
    und der Herr Pfarrer korrigiert,
    was Gott ganz anders konzipiert.
    Die Partnerliebe zählt allein,
    es sollte nur kein Eber sein.

    Helmut Zott

  2. Jacques Auvergne Says:

    Danke!!! Diese drei Gedichte strahlen
    unbändige Zuversicht aus. Feine
    Sprache, das liest – besser: spricht –
    sie wie von allein. Bei zunehmender
    Islamisierung und Korruption mag
    das Volk auf die Waffen des
    Spottgedichts zurückgreifen,
    die bewährten sich bereits:

    „Dass Medina zu Gals gehöre, bestätigt dir ein Vers des
    Marwan ben el-Hakam an el-Farazdak, dem er BEFOHLEN
    hatte, KEINE SPOTTGEDICHTE mehr zu machen“

    http://www.archive.org/stream/diewohnsitzeundw00wsuoft/diewohnsitzeundw00wsuoft_djvu.txt

    „Der Dichterin Sara darf man nicht Asmä, Tochter Merwäns,
    zugesellen, welche Omeir der Blinde auf einen Wink des
    Propheten meuchlings ermordete. Denn diese Verfasserin
    von SPTTGEDICHTEn AUF MUHAMMED hat nur Hammers
    Gedankenlosigkeit zur Jüdin gestempelt; sie war aus dem
    Stamme der Beni Chatme und gehörte zu der vollbürtig
    arabischen Familie der Omajjaden“

    http://www.archive.org/stream/jdischarabisch00samauoft/jdischarabisch00samauoft_djvu.txt

    Die alte Araberin hatte noch Courage, leider
    unterschätzte sie die Brutalität der neuen
    ‚Religiösen‘, Mohammeds Anhänger ermordeten
    sie auftragsgemäß (im Schlaf).

    http://www.answering-islam.org/Muhammad/Enemies/asma.html

    http://en.wikipedia.org/wiki/Asma_bint_Marwan

    Wer traut sich heute noch, den Liebling Allahs,
    das angebliche perfekte Wesen, auszulachen?
    Gut, Pat Condell ist erfrischend, und dann der
    mutige Song „Islam is not for me“

    http://de.sevenload.com/videos/Osav6t5-Islam-is-not-for-me

    Und der Priester spricht: »Ich segne diese Ringe
    im Namen von Jesus Christus und Allah!« von
    Kasimir Krawczyk, der die Islamanbiederung
    der deutschen Katholiken (hoffentlich nur
    eines Teils derselben) genau berichtet
    und dabei herzhaft verspottet.

    Ein Teil der Menschheit tut wohl, das gilt für alle Beteiligten
    beziehungsweise Nichtbeteiligten, besser daran, auf kultivierte
    Heterosexualität zu verzichten. Der alte Orient war ’natürlich‘,
    nicht: von Natur aus, machistisch und homophob, im Islam ist
    die Homosexuellenfeindlichkeit, glaubt man Yusuf al-Qaradawi,
    sozusagen Glaubensgrundlage. Die moderne europäische
    kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare betreffend ist
    die Inkonsequenz der Segnungserteiler das Hauptproblem und
    macht die beiden Großkirchen unglaubwürdig, denn die selben
    progressiven Kleriker, die, völlig anständig, sagen: „Sorgt dafür,
    dass die homosexuellen empfindenden beziehungsweise
    lebenden Frauen und Männer in Firma und Nachbarschaft nicht
    diskriminiert werden“, sind nicht selten die ersten, die zum Tee
    in die Moschee rauschen, und dort zu feige sind, anzusprechen,
    dass Schwule im Iran gesteinigt werden und Lesben
    gesamtislamisch schlicht zwangsverheiratet werden.

    Die Modernität ist also oft lediglich Fassade, die Segnung ein
    Produkt, das sich in jeder Hinsicht gut verkauft. Sehr ähnlich
    steht es mit der christlich-muslimischen Trauung: die
    frauendiskriminierende Scharia wird mit keinem Wort kritisiert,
    das Kirchenvolk für dumm verkauft, islamkritische Leserbriefe
    werden in beiden Großkirchen inzwischen wohl deutschlandweit
    zensiert. Es geht um eine bezahlte Amtshandlung, man darf ein
    wenig Rebell spielen (wie damals in Mutlangen, Hasselbach,
    Gorleben, Frankfurt Startbahn West), die Folgen sind dem
    Klerus völlig egal.

    In einem freiheitlichen Land dürfen langjährig und immer noch
    ‚mit Haut und Haar‘ verliebte weibliche oder männliche
    gleichgeschlechtliche Paare sicherlich von einer säkularen
    (‚eingetragenen‘) Partnerschaft profitieren, was
    Zeugnisverweigerungsrecht oder Krankenhausbesuche
    betrifft, Wikipedia malt`s auf einer Europakarte

    http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t#Rechtliche_Anerkennung_von_Partnerschaften.2C_Ehe

    Weltweit: Anerkennung der Homosexualität, Segnung, Heirat
    oder Illegalität und Strafverfolgung sind etwas sehr
    Islamrelevantes, die Weltkarte markiert Blau legal, Orange /
    Rot illegal bei lebenslänglicher Gefängnisstrafe (Pakistan,
    Guyana), rotbraun Todesstrafe (Sudan, Somalia, Iran)

    http://fr.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A9#Dans_le_reste_du_monde

    Bacchá – eine schrille, nicht unislamische Mischung aus
    Männlichkeitskult und patriarchalisch verdrängten eigenen
    homosexuellen Anteilen mit schlichtem Kindesmissbrauch,
    de-facto-Sklaverei und schariakonformer Dhimmitude

    http://en.wikipedia.org/wiki/Bacch%C3%A1

    Islam und die absolute Ausbeutung und Nutzbarmachung:
    die afghanische Strichjungenkultur der Stammesführer,
    der ‚Warlords‘ und Herren (Kalifen) über Leben und Tod

    http://www.reuters.com/article/newsOne/idUSISL1848920071119?pageNumber=3&virtualBrandChannel=0&sp=true

    Guyana, bekannt für seine „lebenslangen Haftstrafen für
    Schwule und Lesben, sowie häufig auch deren Missbrauch
    von staatlicher Seite“. Wenn ich das recht verstehe: man ist
    Hindu Christ oder Muslim, macht auf religiös und verachtet
    die Homosexuellen interreligiös, sperrt sie in Kerker und
    missbraucht sie anschließend sexuell, damit man sich
    paradiesisch heterosexuell fühlen kann. Frommes Volk:
    28,8 % Hindus, 17,0 Pfingstbewegungs-Christen, 7,3 %
    Muslime

    http://de.wikipedia.org/wiki/Guyana#Menschenrechte

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