136. Iman Attia (I)

Frau Attia als Putzmittel

Sozialpädagogik als Reinigungsritual

Wie tolerant ist die deutsche Soziale Arbeit mittlerweile gegenüber dem politischen Islam? Die international renommierte Berliner Alice-Salomon-Hochschule lässt Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Iman Attia höchst schariaverträgliche “Eurozentrismus- und Rassismuskritik“ betreiben. Für eine uns Schuldbeladenen im Falle und im Maße unserer Zustimmung Absolution erteilende Attia ist Islamkritik gleichbedeutend mit antimuslimischem Kulturrassismus. Von Jacques Auvergne

Blessed is he who has found his work; let him ask no other blessedness. Thomas Carlyle

Alice Salomon (1872-1948) war Sozialdemokratin und Mitstreiterin in der frühen deutschen Frauenbewegung. International genießt Salomon bis heute Anerkennung für ihre Verdienste als Wegbereiterin einer wissenschaftlich ausgerichteten Sozialen Arbeit. Ihre jüdische Abstammung sowie ihre pazifistische und christlich-humanistische Haltung brachten sie in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Nach Verhören durch die GeStaPo musste die Forscherin und Schulgründerin 1938 in die USA auswandern.

Zwei Berufsschulen und eine Hochschule tragen den Namen der Pionierin Sozialer Arbeit, wobei die in Berlin-Schöneberg gelegene Hochschule von der Wissenschaftlerin selbst gegründet und zwischen 1908 und 1925 geleitet wurde. 2008 konnte dieses wegweisende Beispiel an sozialarbeiterischer Hochschulkultur sein 100jähriges Jubiläum begehen. Die Schulgründung wurde unter das sozialstaatlich gemeinte Motto des schottischen Essayisten und Historikers Thomas Carlyle: »Gesegnet, wer seine Arbeit gefunden« gestellt. Eine mutige säkulare, sozialdemokratische und frauenrechtliche Haltung und Perspektive wird Salomon mit diesem Motto des schottischen Kenners der deutschen Literatur verbunden haben, eine geheiligte Entmündigung der Frau und eine politische Duldung abgeschotteter Wohnbezirke für ethnoreligiöse Kollektive abgestufter islamischer Unreinheit gewiss nicht.

Freiheitliche Demokraten werden eine jede Ideologie, die Kollektive herabzuwürdigen oder gar zu entrechten bestrebt ist, ablehnen. Ein gründlich erforschtes Beispiel kulturrassistischer Diskriminierung ist der Antisemitismus. Ebenso müsste ein Weltbürger sicherlich den Antiarabismus zurückweisen, der sich nicht „nur“ gegen muslimische Araber richtet, sondern ebenso christliche, jüdische und ex-muslimische Araber demütigen oder entrechten möchte. Doch sollten wir dem Versuch entgegentreten, jede Islamkritik als „antimuslimischen Kulturrassismus“ zu etikettieren, auch wenn dieses Ansinnen im Namen der Wissenschaft daherkommt und von der universitären Freiheit der Lehre gedeckt ist. Eine Ausrichtung an der Maßgabe der Nachhaltigkeit scheint dabei allerdings demokratisch unverzichtbar zu sein, und gerade auch eine Universität, die für ein Weltbild der geheiligten Diskriminierung Toleranz einfordert, wird sich, ist Islam erst einmal Staat geworden, einen anderen Lehrplan schaffen müssen. Kurrikulare Islambeschönigung kann keinen nachhaltigen Bestand haben, denn eine Toleranz jenseits von Herablassung oder Willkür für „die Anderen“ ist zwischen Indonesien, Pakistan und Ägypten nicht vorgesehen. Iman Attia wirbt dafür, dass wir alle mehr Toleranz für „die Anderen“ aufbringen, gemeint sind bezeichnenderweise nicht die Taoisten oder Ex-Muslime, sondern die „die Muslime“.

Von Ex-Muslimen spricht Prof. Attia nie, vielleicht weiß die Berliner Wissenschaftlerin ja nicht, dass es auch in der deutschen Hauptstadt etliche muslimisch sozialisierte Menschen gibt, die nicht islamisch leben möchten? Auch die Unterscheidung zwischen einer theokratisch muslimischen Haltung zu treffen, wie sie etwa der vielverehrte Hassprediger und Vorsitzende des European Council for Fatwa and Research (ECFR) Yūsuf al-Qaraḍāwī oder der radikalislamische Schariafunktionär Ṭāriq Ramaḍān auf der einen Seite und andererseits einer demokratieverträglichen, säkularen islamischen Haltung, wie sie Irshad Manji, Fatima Mernissi, Muhammad Sven Kalisch, Necla Kelek oder Bassam Tibi vertreten, hält die Berliner Dozentin an der Alice-Salomon-Hochschule für unwichtig. Dafür breitet sich Attia im Sommer 2009 auf immerhin sechs Seiten in der Zeitschrift »nah & fern« über einen angeblich in Deutschland grassierenden antimuslimischen Kulturrassismus aus.

Einem Teil der bundesdeutschen Bevölkerung, so suggeriert die Autorin von »Ausschluss, Fürsorge und Exotismus. Kulturrassismus im Umgang mit Islam und „Muslimen“« werde der Zugang zu den allgemeinen Menschenrechten und deutschen Grundrechten systematisch verbaut. Welche Grundrechte das nun sind, erfahren wir leider nicht.

Kulturrassismus würde auf Entrechtung eines Bevölkerungsteils zielen. Wenn Frau Attia die für jede Staatsbürgerin und jeden Staatsbürger geltenden Freiheitsrechte schützen will, sind wir auf ihrer Seite. Dass sich seit 622 nach Christus die Bewohnerschaft der dār al-islām als zur Herrschaft über die „Ungläubigen“ berufene kulturelle Rasse, Kaste oder Klasse berufen sah und dass es im zwanzigsten Jahrhundert neben Stalinismus, Nationalsozialismus und Maoismus wohl keine andere um weltweite Einflussnahme mit Aussicht auf Erfolg ringende kulturrassistische Doktrin gegeben hat als den Scharia-Islam verschweigt uns die Fachfrau für Diversity Studies. Ob sich Frau Attia für die Lage der Islamreformer oder der Christen in Afghanistan oder Somalia interessiert, das wäre doch allemal ein Thema für „Diversity“? Ist die über Jahrhunderte islamrechtlich (fiqh, Praxis des Islam) und schariatisch (islamische Theorie) betriebene Spaltung (ḏimma) der Bevölkerung in höherwertige Muslime, geringerwertige Dhimmis (Christen, Juden) sowie rechtlose Polytheisten und Islamapostaten denn etwa nicht als Referenzmodell an Kulturrassismus zu bezeichnen?

Der Gelehrte Abū Ǧaʿfar aṭ-Ṭabarī († 923), doch gewiss fern von jedem Verdacht der eurozentrischen Perspektive, kann uns über das multikulturelle soziale Miteinander im echten alten Islam berichten. Der Abbasidenkalif Ǧaʿfar al-Mutawakkil († 861) hat für seine differenziert privilegierten (differenziert diskriminierten) Staatsbürger folgende Sozialpädagogik und Integrationspolitik ersonnen:

Die aus islamischer Sicht ekelhaft besudelten Nichtmuslime mussten Umhänge (ṭaylasān) in der Farbe Honiggelb tragen und hatten ihr angestammtes Erkennungszeichen als Unterworfene, den Gürtel (zunnār) weiterhin sichtbar, das heißt über der Kleidung zu tragen. Kalif al-Mutawakkil ließ die Gräber der „unreinen“ Christen dem Erdboden gleichmachen, damit man sie besser von den Gräbern der „wahrhaft Gläubigen“ (Muslime) unterscheiden kann. Echt islamisch war der Neubau von Kirchen ab sofort verboten. Der abbasidische Kalif gab den Befehl, an die Türen der Christenhäuser sehr kulturpädagogisch schwarze Teufelsköpfe zu malen, und da sage noch einer, der Islam hätte ein Bilderverbot. Christliche Kultfeiern hatten in aller Unauffälligkeit abzulaufen. Das wird berufenen oder selbsternannten Moralhütern den Freibrief zum Spitzeln und Denunzieren gegeben haben. Ihre religiösen Symbole wie zum Beispiel Kreuze durften die Christen nicht länger öffentlich zeigen. Vom Staatsdienst waren die Nichtmuslime in aller Fürsorglichkeit ausgenommen, damit allerdings kulturalisiert und exotisiert, sollte ich mich jetzt bei Dozentin Attia beschweren? Ein Muslim durfte dem Kind eines Dhimmis keinen Unterricht erteilen, die Kinder der Dhimmis durften keine muslimischen Schulen besuchen. Heute ist das anders, Attia unterrichtet uns alle.

Soweit zur energieaufwändig beschworenen „islamischen Toleranz“, in Wirklichkeit erkennen wir den orthodoxen Islam als Apartheidsstaat. Nun zu Iman Attias Text.

Die Betonung einer ’deutschen Leitkultur’ ist nicht – wie häufig erklärt wird – bestrebt, Konflikte zwischen Einheimischen und Eingewanderten zu vermeiden.

Alle Gewalt geht vom Volke aus. Es geht um die Durchsetzung der Rechtsordnung. Warum soll es da nicht schon mal zu Konflikten kommen, etwa mit einheimischen oder zugewanderten Verfassungsfeinden?

[Die Betonung einer ’deutschen Leitkultur’ … ] Vielmehr zielt sie darauf, die eigene Lebensweise als richtig … zu sehen.

Na klar, die parlamentarische Demokratie ist richtig, der Gottesstaat ist falsch. Oberster Souverän ist das Volk, nicht die Gottheit. Das halten wir für richtig und unverhandelbar.

Das heißt, bestimmte kulturelle Merkmale werden als ihrem Wesen nach zum ’Orient’ bzw. Islam gehörig definiert, … Frauenverachtung, Stagnation, Gewalttätigkeit, Missachtung individueller Bedürfnisse …

Im Scharia-Islam gibt es Frauenverachtung, Stagnation, Gewalttätigkeit, Missachtung individueller Bedürfnisse. Sehr geehrte Frau Attiar, das möchten sie doch wohl nicht in Abrede stellen? Verteidigen Sie etwa die Scharia?

Kritik am islamischen Kopftuch

Und? Sphinx Attia schweigt. Die geheimnisvolle Dozentin verrät uns keine Silbe darüber, ob sie selbst den patriarchalischen ḥiǧāb als Besitzmarkierung, als Warnung vor dem inkarnierten dämonischen Sexuellen auf Ausgang sowie als Aufruf zum Verachten aller Unverschleierten als frauenfreundlich oder als frauenfeindlich bewertet. Dann werden wir wohl unsere Meinung zum Kopftuch sagen müssen: Gemeinsam mit der einschüchternden Erziehung zur Angst vor der Hölle gehören auch (die ohne Höllenpädagogik überflüssigen Leibesbedeckungen) ḥiǧāb und niqāb auf den Müllhaufen der Weltgeschichte.

Die ’westliche’ Moderne

Moderne ist nicht westlich oder südlich oder nördlich. Aufklärungshumanismus, Menschenrechte und Wissenschaftlichkeit sind universell oder sind überhaupt nicht. Also muss es heißen: Die kulturelle Moderne, ohne Anführungszeichen.

Wieder schweigt Attia, hier zu der Frage, ob sie selbst die kulturelle Moderne kennt, gutheißt beziehungsweise einfordert. Ich sollte sie einmal fragen.

Kopftücher … hatten zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten jeweils unterschiedliche Bedeutungen.

Sicherlich, je anders desto verschieden.

Frau Attia, welche „Bedeutung“ hat denn das Kopftuch im Islam?

[Kopftücher … ] Auch zur Markierung religiöser oder kultureller Zugehörigkeit konnten sie sehr unterschiedlich eingesetzt werden.

Der Rocker hat in der Tat ein anderes Kopftuch als die russische Marktfrau, das mag ja so sein. Wir reden hier aber (auf Ihren sechs Zeitschriftenseiten) über den Islam und die angeblich ins Kraut schießende Islamfeindlichkeit der angeblichen deutschen Kulturrassisten.

Also auf zum Betrachten des islamischen Kopftuchs, wollen wir doch einmal überprüfen, ob sich der ranghöchste Scheich des Europäischen Fatwa-Rates ECFR Yūsuf al-Qaraḍāwī (Katar) im Verhältnis zu Scheich Nizam al-Yaqubi (Bahrain) und beide wiederum zur Geistlichkeit in Saudi-Arabien, zum Gaza-Streifen, zur Provinz Banda Aceh (Indonesien) oder zum Koordinierungsrat der Muslime (KRM, Deutschland) „sehr unterschiedlich“ (Attia) zum Thema Kopftuch darstellen oder gar nicht so „sehr unterschiedlich“.

Yūsuf al-Qaraḍāwī hält auf seiner Seite islamonline.net den ḥiǧāb für jede muslimische Frau für verpflichtend: „Die Frau muss ihren Leib mit dem ḥiǧāb bis auf Hände, Gesicht und Füße vollständig bedecken, in einigen Rechtsschulen auch die Füße. … Muslimische Frauen haben ihren Ehemännern zu gehorchen und den ḥiǧāb zu tragen. … Die Muslima muss den ḥiǧāb tragen, Gott der Allmächtige hat ihr dieses Handeln so angeordnet. Wenn ihr Ehemann sie auffordert, dieses zu tun, ist das [lediglich wie] eine Art von Bestätigung dieser [von Gott gegebenen] Verpflichtung (1).“

Das ist doch einmal eine klare Botschaft.

Wenn Šaiḫ Niẓām al-Yaʿqūbī derselbe fromme Mann ist, den die Seite islamicfinancenews.wordpress neben Mufti Muhammad Taqi Usmani als einen bedeutenden Experten für Islamic Finance (Scharia-Banking) nennt, lehrt er seit 1976 tafsīr (Koranexegese), ḥadīṯ (sunna-Überlieferung, das alleinig heilsgarantierende und deswegen genauestens zu kopierende Handeln des Propheten) und fiqh (Sakraljurisprudenz islamkonformer Rechtssprechung, Schariapolitik) in Bahrain (2). Der Herr müsste doch ein wenig Ahnung vom Islam haben, sehr geehrte Frau Dr. Attia?

Šaiḫ Niẓām al-Yaʿqūbī spricht zu uns: „Ganz wichtig ist, dass das Tragen der islamischen Verschleierung des ḥiǧāb eine [von Allāh der Frau] auferlegte Pflicht ist, jede Muslima muss den Schleier tragen (3).“

In Saudi-Arabien ist das Kopftuch de facto in der islamisch-theokratischen Grundordnung staatlich vorgeschrieben, Artikel 1, 23 und 45. Art. 1 lautet: Verfassung ist der Koran und die Sunna …, Art. 23 sagt: Der Staat soll den islamischen Glauben schützen, die Scharia anwenden, das Gute ermutigen und das Übel entmutigen und soll seiner Pflicht zur daʿwa (islamischen Mission) gerecht werden. Art. 45 meint: Koran und Sunna sollen die Quellen der Fatwas sein …

Im November 2006 wurde im Gaza-Streifen eine unverschleierte Frau mit Säure angegriffen (4). Palästinensischen Studentinnen in Gaza ist befohlen worden, den öffentlichen Raum nicht länger mit attraktiver Kleidung zu betreten und Kopftuch zu tragen.

Die indonesische Provinz Aceh hat die Scharia nahezu vollumfänglich eingeführt. Das Scharia-Ergänzungsgesetz Qanun Nr. 11/2002 verlangt, dass die Frau ihre islamische „aura“ bedeckt, sprich Dschilbab (ǧilbāb, Ganzkörperschleier) trägt (5). Eine Scharia-Polizei organisiert das Aufspüren von Unverschleierten oder anderweitig unkeusch Gekleideten, den ertappten Mädchen droht die öffentliche Auspeitschung, denn der Ganzkörperschleier (ǧilbāb; ḥiǧāb) ist Gesetz. Wie bei der derzeitigen Talibanisierung Pakistans (Stichwort Swat-Tal) herrscht in Aceh, im Gaza Streifen und seit drei Jahrzehnten im Gottesstaat Iran der totale Islam. Für Frau Iman Attia ist das auch 2009 immer noch kein Problem, vielmehr ein Anlass, Europa des antimuslimischen Rassismus anzuklagen.

Deutschland. Die als extremistisch eingestufte Bewegung Milli Görüş vergibt Stipendien an Studentinnen aus der Türkei, damit diese in Deutschland mit Kopftuch studieren können (6). An den staatlichen Schulen in der Türkei ist das Kopftuch für Schülerinnen und Studentinnen seit Jahrzehnten verboten.

Der Scheich aus Katar, der Scheich aus Bahrain, der Alltag in Saudi-Arabien, die Kopftuchpolitik im Gaza-Streifen, die Scharia im indonesischen Aceh und die an Necmettin Erbakan orientierte deutsche Milli Görüş, alle deuten das Kopftuch ganz und gar nicht „sehr unterschiedlich“.

Auch der in Europa beliebte Bauchtanz ist eine europäische Erfindung, die in den ’Orient’ projiziert und exportiert wurde.

Zum Ersten: Aber bitte, warum soll der Nahe Osten von Europa denn nichts lernen, notfalls auch mal ein wenig Kitsch, Sport oder Unterhaltung?

Zweitens: Ist auch das nicht nett, wenn etwas Eigenes, Arabisches, in einem anderen Teil der Erde weiter entwickelt, verändert, neu gestaltet wird, und das verwandelte Kulturgut in den arabischen Kulturraum zurück gelangt? Warum dieses merkwürdige Streben nach „authentischer Reinheit“? Dschazira (al-ǧazīra) bedeutet die Insel, auch ein Fernsehsender heißt so. Ǧazīra, „Insel“ bezeichnet auch die Arabische Halbinsel. Jetzt sei mir ein Sprachspiel erlaubt, mit dem Ziel, die Jahrhunderte alte arabische (zumal die islamische) Entwicklungsverweigerung als die Mentalität eines ängstlichen Höhlenmenschen oder okkulten Inselbewohners zu deuten. Der orthodoxe Muslim (Tunesier, Marokkaner, Türke) ist leider meistens ein mentaler Inselbewohner! Sinngemäß gilt solches sicherlich für jeden seelischen Fundamentalisten, ob Nationalsozialist, Scientologe oder Zeuge Jehovas: Man lässt nichts Fremdes auf seine „Insel“, man „kennt“ seine Feinde (Scharia ist Feindbildbedürftigkeit), man hat das Lernen eingestellt und muss nur noch Sorge tragen, dass die Kinder dem Sexualkundeunterricht, der Evolutionslehre und der Jugendfreizeit mit Nichtmuslimen fern bleiben sowie den durch die Familie ausgewählten Ehepartner akzeptieren. Im Nahen Osten herrschen seelische und konkrete Brutalität vor, Despotie und Totalitarismus, was die dortige gegenwärtige Unfähigkeit zum Einstieg in die kulturelle Moderne erklärt. Im parallelgesellschaftlichen Europa wird ganz entsprechend dem Medina-Konzept jeder einzelne an der Scharia ausgerichtete Straßenzug „Insel“ (Mikro-Kalifat) werden.

Zum Dritten ist der Bauchtanz genuin orientalisch, sein arabischer Name ist raqs sharqi (raqṣ šarqī, wörtlich bedeutet das: Tanz des Ostens), in einigen seiner zugegebenermaßen oberflächlich neuzeitlich beeinflussten Varianten wird der in seinen Wurzeln sehr alte Tanz raqṣ baladī (Ländlicher Tanz) benannt, als dessen Vorläufer der sehr alte raqṣ shaʿabi gilt (7). Für ethnologisch und tänzerisch ungebildete Europäerinnen und Europäer wie die Berlinerin Iman Attia bieten die Seiten Khaled Seif (8) und Casbah Dance Experience (9) Information, lesenswert sind die Bemerkungen der Tanzlehrer zum hohen Alter der tradierten Tänze (vgl. Raks al Shemadan, Kerzenleuchtertanz) sowie zum Thema (islamische) Isolation der Frauen und Variantenreichtum der Tanzsstile beispielsweise innerhalb des Raks al-Nasha’al / Saudi Women’s Dance. Bei dem letztgenannten Tanz dürfen die Frauen ihr geöffnetes Haar, damit herzhaft gegen den Tugendterror der Scharia verstoßend, sinnlich offen und selbstbewusst weiblich schwingen lassen (9). Khaled Seif („nichts für kurze Haare“, wir ergänzen: Nichts für keusche Kopftücher) spricht hier von Khaleegy/Saudi-Arabischer Tanz (8).

Fundamentalismuskritiker mögen sich angesichts tanzender Araberinnen an die (beim Erhalt der inhaltlich sehr voreiligen Nachricht vom Tode eines gewissen frauenfeindlichen Feldherrn) vor Freude tanzenden Frauen von Ḥaḍramawt (Hadramaut) erinnern (10). In jedem Falle sollte das ewig junge frauliche Tanzen des alten Orients, ob jüdisch, iranisch, christlich, jesidisch, altarabisch, muslimisch oder ex-muslimisch, nicht in Vergessenheit geraten, nur weil eine in Berlin lehrende Erziehungswissenschaftlerin den Bauchtanz dem europäischen Kolonialismus und Kulturrassismus zuzuordnen beliebt, womit Attia indirekt der radikalislamischen Sexualpolitik einen Freifahrtsschein ausstellt.

Da das ’fremde Andere’ jedoch eine Konstruktion ist, kann daran zwar einiges gelernt werden, jedoch nicht über ’den Anderen’, sondern über sich selbst.

Ewig werden wir blind bleiben für den wahren Orient, so Attia sinngemäß. Der „radikale Konstruktivismus“ treibt seit Längerem in der Sozialwissenschaft und Sozialen Arbeit seine betörenden Blüten „differenzierten“ (die Diskriminierung der Scharia tolerierenden) Weltbetrachtens.

Europäer, so lässt sich aus Attias Thesen folgern, können den Orient beziehungsweise den Islam nicht verstehen und möchten doch bitte künftig auf ein weiteres Bewerten des Islamischen Rechts verzichten. Oder zum Islam konvertieren, sich dabei jedoch den irgendwie kulturrassistischen muslimischen Säkularen wie Bassam Tibi oder Necla Kelek fernhalten.

Wir haben, so die multikulturelle Attia-Sozialpädagogik, die Implementierung der Scharia ins indonesische Gesetz als „kulturelle Besonderheit“ zu akzeptieren. Mit der „antirassistischen“ und „kultursensiblen“ Pädagogin Attia solidarisch mitgedacht ist es dann völlig in Ordnung, wenn Frauen in Banda Aceh wegen Verstoßes gegen den „dress code“ verhaftet, verurteilt und öffentlich ein bisschen ausgepeitscht werden (11). Hoch die internationale Frauensolidarität, solange diese nur schariakonform ist. Der erkennbar verzweifelte Hasni Baril Siregar von der Universiy of Northern Sumatera hat ja vielleicht die berechtigte Angst, von seinen Mitmuslimen totgeschlagen zu werden, zappelt gewissermaßen an Allahs Fliegenfänger und kritisiert den Islam natürlich nicht („kein Zwang im Glauben“), sondern beschwert sich ein wenig über die Weise der Anwendung der Scharia (12). Der in einer werdenden Religionsdiktatur lebende und schreibende Siregar riskiert womöglich viel. Zeitgleich schreibt eine deutsche Professorin sechs Seiten in der politisch korrekten (islamfreundlichen) Zeitschrift »nah & fern« über nichts anderes als den Islam nebst Islamophobie, ohne sich für die Pressefreiheit in Banda Aceh oder Teheran einzusetzen. Die in Pakistan oder Somalia lebenden Frauen, namentlich die Schariagegnerinnen unter ihnen, sind Dr. Attia unwichtig. Warum denn auch, Attia lebt in Berlin. Intelligenz ist, wenn man sich anpasst. Islamkritik in Dschidda oder Kairo ist eben unfunktional, pass dich doch an, doofer Dhimmi.

Was die Staaten kultureller Moderne (universelle Menschenrechte namentlich Gleichberechtigung von Mann und Frau, Pressefreiheit, Parlamentarismus, Religionskritik) weder importieren müssen noch parallelgesellschaftlich dulden sollten ist die Scharia. Der Schweizer Anthropologe Professor Christian Giordano sieht das freilich anders und will den Rechtspluralismus, die Einführung von ethnoreligiös segregierten Rechtssprechungen im Familienrecht und den Aufbau von Scharia-Gerichten (13). Sami Aldeeb will keine Rechtsspaltung und tritt dem postmodernen Schariafreund Giordano mit plausiblen Argumenten entgegen (14).

Wie wirkt das Phänomen Attia?

Attias der SPD, den GRÜNEN und dem schariafreundlichen evangelischen Kirchentagsmilieu nahestehendes Publikum vermag masochistisch Lustgewinn aus derartigen Vorschlägen „europäischer“ oder „deutscher“ Selbstanklage zu beziehen. Das ist weniger plausiblen Argumenten geschuldet, solche oder gar Anzeichen irgendeiner Islamkenntnis finden sich bei Attia keine, sondern magische Handlung. Analog zum göttlichen Aufruf „Mache dich auf und werde Licht!“ (Jes. 2,5; 60,1) senkt sich Reinigung in den universitären Hörsaal. Attias Zuhörerschaft heiligt sich unter Absolvierung eines Bußsakramentes und darf sich vor Ergriffenheit schluchzend zu den Gerechten dieses irdischen Jammertals zählen: Die „Anderen“ unter den Deutschen sind also Rassisten oder Kulturrassisten, man selbst gehört zu den guten Menschen (Gutmenschen) und klopft im Geiste den Kannibalen oder Ayatollahs „aller Länder“ partnerschaftlich auf die Schulter.

Schändliche Sünden wie Korankritik oder Schariagegnerschaft sind zum Erklimmen dieser Stufe der seelischen Befreiung allerdings vernehmbar zu bekennen. Die rührige Attia hat die heilsbringenden Schablonen gleich vorgeformt: Wir nichtmuslimischen oder säkular-muslimischen Europäer haben trotz Ausbildung und Weiterbildung schlicht kein Wissen über die Welt namentlich ihre islamisch geprägten Gefilde, und bei aller noch so intensiv betriebenen Lektüre des al-Buḫārī († 870) al-Ġazālī, († 1111) oder des Zeitgenossen al-Qaraḍāwī verstehen schlicht nichts vom Islam! Also wollen wir wollen nie wieder den Orient und Islam betrachten, weil jedes Betrachten von Europa aus ein Verzerren und damit kulturrassistischer Missbrauch des von Allāh gebastelten Universums ist.

Erfolgsorientierten Karrieristen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte ist es allerdings durchaus erlaubt, unbequeme, politisch inkorrekte Wahrheiten zu verschweigen und Appeasement zu betreiben, ja sogar zu lügen (15). Kulturrelativisten und Gutmenschen sollen nie wieder den Orient und Islam mit aufgeklärtem Blick betrachten dürfen, weil jedes Betrachten von Europa aus ein Verzerren und damit kulturrassistischer Missbrauch des von Allāh gebastelten Universums ist. So lauschen vor allem autochthone Multikultianhänger devot und vom restaurierten Vorwurf des Rassismus zerknirscht weiterhin den ’sweet little lies‘ der ergebnisorientierten Rechtleiterin Iman Attia, um in masochistischem Selbsthass und islamophilem Selbstekel jedem autonomen Denken, Empfinden und Reden zu entsagen, sobald der Islam und die Muslime thematisiert werden.

O Iman, nie wieder ein Wort der Islamkritik, das geloben wir Ihnen! In Gedanken, Worten und Werken über Muslime nur noch Gutes! O Retterin Iman, erteilen Sie uns sündigen Europäern die Absolution!

Und Frau Dr. Attia wendet sich mir milde zu und reinigt mich von meiner Schuld der Schariakritik und erlöst mich von der Last meiner kolonialzeitlichen Schandtaten.

Eine Erziehungswissenschaftlerin reinigt Deutschlands Herzen und Seelen. Frau Attia als Putzmittel.

Jacques Auvergne

Quellen

(1) Scheich Yusuf al-Qaradawi: Allah fordert den Hidschab

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=IslamOnline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503547698

(2) Sheikh Nizam Yaquby has contributed important original research on many aspects of modern Islamic finance, and is considered one of the world’s leading experts in the field. Since 1976, he has taught tafsir, hadith and fiqh in Bahrain

http://islamicfinancenews.wordpress.com/shariah-specialists-in-islamic-finance/

(3) Sheikh Nizam Ya`qubi. Will den Hidschab. Na so was!

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=IslamOnline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503543730

(4) Gaza: „Militante Islamisten haben im Gazastreifen eine Frau, die kein Kopftuch trug, mit Säure attackiert. Studentinnen seien außerdem aufgefordert worden, Kopftücher zu tragen und keine attraktiv machende Kleidung mehr zu tragen“

http://www.focus.de/politik/ausland/nahost/gazastreifen_aid_120239.html

(5) Indonesiens Scharia-Polizei.

“Some of them bent in shame and others, including one without jilbab, expressed their indifference to an angered Raja, who pointed at the youths and criticized their tight jeans and shirts. Although they wore scarves and covered their aurat or certain body parts, they were still considered in breach of Qanun (bylaw) No. 11/2002 on Muslim women’s dress code“

http://www.markedmanner.com/2007/11/indonesia-sharia-police-wear-hijab-or.html

(6) Milli Görüs baut Netz an deutschen Unis aus. Der politische Islam in der Türkei und sein Lockmittel Kopftuchstipendium

http://www.zeit.de/news/artikel/2006/12/29/86277.xml

(7) Raqs sharqi, raqs baladi

http://www.raqssharqi-hamburg.de/raqss.htm

(8) Orientalischer Tanz, Khaled Seif

http://www.khaledseif.ch/de/OrTanzFolk.php

(9) Orientalischer Tanz. Casbah Dance Experience

http://www.casbahdance.com/REPERTOIRE1.htm

(10) Hadramut / Hadramaut. »Mohammeds Rache. Eine Polemik zur Erinnerung an die Frauen von Hadramut«, Arzu Toker

http://www.freitag.de/2002/03/02031802.php

(11) Islamischer Faschismus, Islamofaschismus: Die Scharia in Banda Aceh

“Muslim women’s breach of the dress code bylaw has been dominant since Islamic syariah was applied in Banda Aceh.

As reported by the head of the Sharia and Family Welfare Office in Banda Aceh, M Natsir Ilyasselama, during the period of January to September this year, 982 such cases were listed, followed by 313 cases of khalwat (obscenity), 133 cases of Friday solat non-performance and nine cases of maisir (alcoholism).

With the application of Islamic bylaws now being increasingly inspired by magdhoh as well as ghoiru magdhoh duties (indirect communication with God), there is a fear the practice of religious duties to become closer to God, may just be degraded.”

http://www.bt.com.bn/en/analysis/2007/12/02/the_jilbab_to_wear_by_choice_or_by_law

(12) Seit 2001 gibt es Rechtspluralismus in Indonesien

Islamic Law in a National Legal System: A Study on the Implementation of Shari’ah in Aceh, Indonesia. Hasnil Basri Siregar, University of North Sumatera.

The implementation of shari’ah (Islamic law) in the province of Aceh in Indonesia was the consequence of a national policy of legal pluralism, effected in 2001 when the national government decided to give a special status and wide autonomy to this region.

http://www.bepress.com/asjcl/vol3/iss1/art4/

(13) Schweiz: Professor Christian Giordano fordert Rechtspluralismus

„Christian Giordano ist Professor für Sozialanthropologie an der Uni Freiburg und Verfechter eines «Rechtspluralismus». In der Zeitschrift «Tangram» plädiert er für eine teilweise Einführung der Scharia in der Schweiz. Insbesondere im Bereich des Zivil- und Familienrechts sowie in Finanzbelangen soll «kulturellen Eigenheiten Rechnung» getragen werden. Und mithin islamisches Recht gelten – sofern dieses der Verfassung nicht widerspreche.

Gegenüber der «NZZ am Sonntag» hat der 63-Jährige seine Vorstellungen nun präzisiert und erweitert. So sollen Scharia-Gerichte auch bei Körperverletzung zur Anwendung kommen, findet Giordano. Hingegen sei er unschlüssig, ob man das islamische Recht für die Vielehe ebenfalls in Anspruch nehmen könnte.“

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Freiburger-Professor-will-Scharia-einfuehren/story/15342529

„Unterstützung bei seinen Plänen erhält Giordano vom Präsidenten der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, Farhad Afshar. Der aus Iran stammende Soziologe sagt, im islamischen Raum sei es seit Jahrhunderten gebräuchlich, dass Muslime, Christen und Juden unterschiedlichem Recht unterstünden. «Die staatliche Ordnung bricht also nicht zusammen, wenn unterschiedliche Rechtssysteme parallel bestehen», sagt Afshar. Auf lange Frist werde die Schweiz an Sonderrechten und -gerichten für gewisse Bevölkerungsgruppen ohnehin nicht vorbeikommen, ist Afshar überzeugt. Er ist deshalb für die baldige Übernahme des Scharia-Rechts «mit gewissen Anpassungen an die Schweiz».“

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Freiburger-Professor-will-Scharia-einfuehren/story/15342529

“Je nach Herkunft, Ethnie oder Religion soll künftig anderes Recht gelten und von anderen Gerichten beurteilt werden“

http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/scharia-gerichte_fuer_die_schweiz_1.1606772.html

(14) Professor Christian Giordano will die Scharia, Sami Aldeeb, Rechts- und Islam-Experte hält den Vorschlag für realitätsfremd und nicht praktikabel:

Man integriert sich nicht, indem man ein Recht einfordert, das teilweise gegen UN-Menschenrechtsnormen und die Schweizer Verfassung verstösst. Wir haben vor 1874 Erfahrung mit dem Pluralismus gemacht und unsere Lektion gelernt. Leider vergisst man das zu oft. Ein Rechtspluralismus würde die Gesellschaft vielmehr „desintegrieren“.

http://bazonline.ch/schweiz/standard/Niemand-zwingt-einen-Moslem-Roeschti-zu-essen/story/30264419

(15) Ägypterin Attia findet, dass ein paar Lügen täglich besonders sozialverträglich sind und preist die orientalische Kultur des kitman und der taqiyya, der Mehrfachmoral und der “sozialen“ Verlogenheit. SWR: Die Lüge im Alltag

http://209.85.135.132/search?q=cache:QMeMJ8MzrfwJ:www.swr.de/-/id%3D1644340/property%3Ddownload/20vi8p/index.rtf+die-l%C3%BCge-im-alltag+attia&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

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