170. Ali Schariati (1/4)

تراكز

tarākuz

Konzentrizität

Mehr Allahzentrik, mehr Reform

Auszüge aus der knapp vierzig Jahre alten Rede von Ali Schariati: »Wo fangen wir an?« islamkritisch kommentiert. Von Jacques Auvergne

Weltweite Bekanntheit erlangte der Vortrag »Where shall we begin?«, den der Iraner Ali Schariati (ʿAlī Šarīʿatī, 1933-1977) am 22.11.1971 hielt, zu einem Zeitpunkt, an dem nach Aussagen der den hier untersuchten Redetext veröffentlichenden, seinerzeit im beschaulichen Bonn am Rhein ansässigen Botschaft der allahfaschistischen Islamischen Republik “noch keine Anzeichen für eine Revolution in Iran zu erkennen” gewesen waren, “die Monarchie wähnte sich in Sicherheit, und das Land wurde nach einhelligem Urteil der Beobachter als seine Insel der Stabilität bezeichnet. Um so verwunderlicher ist es, daß er schon am Beginn seiner Ausführungen die Fragestellung des Themas damit begründet, daß sich die Gesellschaft in einer Übergangsphase befinde und Fragen dieser Art in dem Bewußtsein gestellt werden, daß etwas geschehen müsse, um die herrschende Ordnung durch eine andere zu ersetzen” (Seite 3).

Tatsächlich scheint Schariati gleichsam prophetische Gaben besessen zu haben und sind zwischen seiner gesprochenen Rede und der Islamischen Revolution nur siebeneinhalb Jahre vergangen. Die Bad Godesberger Vertretung des seit 31 Jahren für Allahgott mordenden Mullah-Regimes verwendet den iranischen Intellektuellen nachträglich, im Oktober 1982, nur dreieinhalb Jahre nach der Staatwerdung der jenseitszentrierten Pflichtenlehre. Eine Nutzbarmachung, gegen die der als modern geltende Denker allerdings vielleicht gar nichts einzuwenden gehabt hätte. Denn sicherlich ist äußerlich ein größerer Kontrast zwischen dem mediterran und modern wirkenden, kurzhaarigen und glattrasierten Intellektuellen und dem patriarchalischen Würdenträger, dem mit Mantel und Turban geschmückten Ayatollah Chomeini, kaum möglich, womit uns die Widerspenstigkeit überlassen bleibt, das schier Unglaubliche für möglich zu halten, nämlich dass beide, Chomeini und Schariati, in ihrem Leben dass selbe gewollt zu haben. Nichts anderes jedenfalls versuchen wir hier zu belegen.

Dass wir etliche Dimensionen und Vokabeln Schariatis aus der Perspektive Allahgottes oder jedenfalls Mohammeds lesen sollten, behält die iranische Botschaft nicht einmal für sich: “Der Begriff ‚Aufgeklärtheit‘ erfährt dabei eine neue, wenn auch nicht in allen Einzelheiten neue Definition. Schariati greift dabei auf Quellen der islamischen Tradition zurück (Seiten 3 und 4). Wo nach seiner Ansicht der Aufgeklärte anfangen soll, sagt Schariati in dem vorliegenden Vortrag”, und wir brauchen die Antwort nicht lange zu suchen. Denn wenn sich einem Menschen, dessen sprichwörtliche Wolle in der als naturhaft behaupteten Farbe des Islam gefärbt worden ist, ein Problem oder eine Frage stellt, dann hat er die Antwort nicht irgendwo zu suchen und schon gar nicht bei sich selbst, sondern bei seinem Imam, dessen Scheich oder Ayatollah, dieser hat sich an Buchari zu halten jedenfalls darf er ihn nicht abrogieren, Buchari selbst trat millimetergenau in die in die Fußspuren der prophetischen Biographie und folgte islamfromm (absolut gehorsam) dem Koran, der Anweisung Mohammeds, um schließlich mit Mohammed und stellvertretend für ihn aus der einzigen Quelle zu trinken, aus der dieses Weltall entsprungen ist, aus jenem absoluten Anfang alle Erkenntnis und Ethik zu schöpfen, deren Sphärenmusik jeden individuellen Klang als satanischen Misston verstehen muss. Aller Dinge Anfang ist der redende und gewaltbereite Gott, anfangen im Einklang mit der Scharia heißt, bei Allah zu beginnen.

5. Wo fangen wir an? … Wer soll etwas anfangen? Und wofür?

Wo beginnen – selbstverständlich beim begrenzt barmherzigen Gott, dessen Name mit A beginnt. Wer – natürlich jeder, die Verweigerer sind tüchtig zu diskriminieren, damit, wie im Himmel so auf Erden, die vom Satan befallenen, fehlgeleiteten Menschen pädagogisch erlebbar bleiben und andere nicht anstecken. Wofür – um der Hölle zu entgehen, und um dafür vorab streng nach der Scharia zu leben. Mit diesen Antworten jedes gottesfürchtigen Muslimen, dem Jenseits mehr (Märtyrer, Sufis, Frauen) oder weniger (Präsidenten, Mafiosi, Ayatollahs, Scheichs) nachgeordnet, ergibt sich wie nebenbei der Aufbau einer heilssichernden Staats- und Gesellschaftsordnung, das irdische Kalifat.

5. nur der Aufgeklärte empfindet Verantwortung gegenüber seiner Gesellschaft

Der Schariaverweigerer sei von unlauteren Motiven getrieben und könne letztlich keine Verantwortung tragen.

6. Aufgeklärter ist derjenige, der sich sowohl seiner eigenen als auch der Situation der gesamten Gesellschaft in einem geschichtlichen Zeitraum bewusst ist.

Das entsprechende Geschichtsbewusstsein stiftet der in himmlischer Herkunft und geistiger Wirkung geschichtslose Koran.

6. Wissenschaftler wie Wernher von Braun und Albert Einstein sind aufgerufen, dieses geistige Erbe anzutreten und fortzuentwickeln.

Nur zum Islam müssen sie noch übertreten. Unwissentlich frönt Schariati einer Art von Cargo-Kult, den heftig abzulehnen seine dezidiert antiwestliche und wie beiläufig menschenrechtswidrige Islam- und Orientverherrlichung ausmacht. Schariati will das Mana des technischen Erfolgs für das Kalifat dienlich machen.

Angetrieben von einer sehr ähnlichen politischen Magie und umwölkt von Armeen, die einem esoterischen Führerkult verpflichtet sind, der sich mit dem Mahdi-Glauben überlagert, bastelt dieser Monate der islamfromme Herr Ahmadinedschad an der Atombombe, was die Menschheit verhindern möge.

7. Die Aufgeklärten. … Ihre größte Verantwortung besteht darin, der Volksmasse zur Selbsterkenntnis zu verhelfen

Die Mehrheit ist schließlich doof.

7. denn erst die Selbsterkenntnis macht eine erstarrte Volksmasse zu einer dynamischen Gesellschaft

Nachdem die Mehrheit den Heilsbringern oder der führenden Kaste gefolgt ist, stellt sich ein Zustand ein, der nachfolgend als goldenes Zeitalter im Geschichtsbuch steht. Die kulturrassistische Dhimmitude von al-Andalus muss dafür bekanntlich immer herhalten. Schariati selbst nennt hier keine vorbildliche Zeit, und so dürfen wir seiner Mischung aus Schweigen und Gotteslob entnehmen, dass er den prophetischen Staat von Medina und den Wirkungskreis des hochmittelalterlichen al-Ghazali nicht gerade für unmoralisch und wurmstichig halt.

7, 8. Der Wissenschaftler entdeckt die Tatsachen und erforscht und beschreibt sie; der Aufgeklärte weist den Weg zur Wahrheit. Der Wissenschaftler zeigt, wie die Dinge sind; der Aufgeklärte sagt, wie sie sein sollten.

Eine visionäre Quasi-Priesterschaft gibt den Kurs vor und umrahmt die gefälligst produktiven Wissenschaftler, wie der Bauer sich Nutztiere hält. Der Kurs der “in der Mitte stehenden Nation” (Koran: a nation justly balanced) ist natürlich der Weg der Vermeidung der Extreme, die lästerliche Namen wie “volle Frauenrechte“ oder “Pressefreiheit“ tragen.

Wer guckt jetzt erleuchteter aus der Wäsche, Bekir Alboğa, Benjamin Idriz oder Tariq Ramadan? Oder braucht der “Kundschafter und Vorreiter der Karawane” (8) das außeralltägliche Kostüm, das deine Folgsamkeit erheischende Sakralgewand? FIOE, ECFR und FEMYSO hätten für Europa diesbezüglich einen Großmufti im Angebot, der auf Lehrtätigkeiten in Malaysia und den USA zurückblicken kann und in Deutschland mit Friedens- und Toleranzpreisen überhäuft wird, den Bosnier Dr. Mustafa Cerić.

8. denn Wissen ist Macht, Aufgeklärtheit aber ist Erleuchtung. In diesem Sinne ist auch der im Koran und in der islamischen Kultur verwendete Begriff “hikma” (Weisheit) zu verstehen. … Dieses Licht der Einsicht und Erkenntnis, das den rechten Weg weist, ist die göttliche Erleuchtung.

Mag sein, dass Sunniten weniger romantisch argumentiert hätten, Chomeini indessen mag sich geschmeichelt fühlen. Die Unbegnadeten, um Schariatis Koranzitat (8) zu verwenden, die nicht zur erwählten Kaste angehören, nicht zu jenen, “denen Gott die Herzen erleuchten will”, tappen halt im Dunkeln und sind im Sinne des Gemeinwohls durch die Frommen von der politischen Führung abzudrängen.

9. Es gibt keine allen Aufgeklärten der Welt gemeinsamen Eigenschaften; ebensowenig gibt es “Weltbürger”. Denn von einem “Weltbürgertum” mit gleicher Sprache und Kultur sind wir noch weit entfernt!

Ali Schariati weist hier den Anspruch der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zurück. Weder Aufklärungshumanismus und Wissenschaftlichkeit noch die Standards der Gleichberechtigung der Frau möchte der Iraner als universell begriffen wissen, denn wenn auch die Forscher fleißig arbeiten dürfen, führen sollen sie nicht. Geheimnisvoll geht es weiter, und wenn die islamische Gewissheit nicht vorausgesetzt werden könnte, wäre der Leser vollends orientierungslos, eine Verunsicherung an der kulturellen Moderne, von welcher Fundamentalist Schariati profitieren will:

10. Die Tatsache, nach Europa gefahren zu sein, neue Weltanschauungen kennengelernt, studiert und vielleicht ein Diplom erworben zu haben, berechtigt noch niemanden, sich als Aufgeklärter zu bezeichnen. Weil die Bezeichnungen “Aufgeklärter, “Wissenschaftler” und “Intellektueller” bei uns bislang als Synonyme verstanden wurden, hatten wir nie eine konkrete Vorstellung davon, was ein Aufgeklärter tatsächlich ist.

Nichts ist gewiss, nur die religiös begründete Segregation der Kulturräume:

11. So kann ein Schwarzafrikaner in seiner Gesellschaft als aufgeklärt gelten, in einer islamischen jedoch möglicherweise von keinem Nutzen sein. Dort ist er fremd und unbeholfen.

Um sich zu integrieren, muss der Schwarze also zur wahren Religion konvertieren.

11. Wer in Frankreich nach der industriellen Revolution oder in Westeuropa nach den Weltkriegen als Aufgeklärter galt und in seiner Gesellschaft eine konstruktive Rolle gespielt hat, kann diese Rolle beispielsweise in Indien nicht spielen und dort als Aufgeklärter eine Verantwortung übernehmen.

Lasst uns mit eurer AEMR in Ruhe. Der Parteigänger der Gleichberechtigung von Mann und Frau hat sich zwischen Kairo und Malaysia als “fremd und unbeholfen” zu fühlen, dafür sorgen die schariatreuen “Aufgeklärten” (Schariati), die im Sommer des Jahres 2009 jeden Wunsch des iranischen Volkes nach Weltbürgerlichkeit und Demokratie mit Knüppeln und Galgenstricken für einige Zeit, leider, erfolgreich beendeten.

12, 13. Ein Prediger, der bei einer bestimmten Teheraner Bevölkerungsschicht als guter Redner gilt, kann sich z. B. in den armen Dörfern der Wüste von Khorassan als sehr schlechter Redner erweisen.

Dafür zu sorgen, dass sich die einzelnen Milieus der Hauptstadt und diejenigen des gewaltigen Landes in Chancengleichheit, Weltverständnis und Menschenbild einander immer mehr annähern, möchte Schariati nicht. Vielleicht hält er das gespaltene iranische Volk für leichter kontrollierbar, der Parole “Teile und herrsche” folgend, die im politisch realisierten Islam nicht zuletzt für die höherrangige männliche und die niederrangige weibliche Menschenklasse gilt und ebenso für die erniedrigten Kasten der Dhimmitude mit dem sklavenähnlichen Status der Juden und Christen sowie der annähernden Rechtlosigkeit der Bahá’í und bekennenden Atheisten.

Schariati fährt fort, Gnadengabe, Esoterik und Führertum verherrlichend:

13. Der wahre Prediger ist weder Wissenschaftler noch Schulmeister, er ist einfach dazu berufen, aufzuklären.

Dabei sei radikale Spontaneität gefragt, denn Überblick hat schließlich nur die Gottheit. Die Freunde der Kontingenz (Niklas Luhmann) kommen voll auf ihre Kosten, und ein kleiner Herrscher (Professor, Sozialdezernent, Islamreferent) bleiben können sie vielleicht ja doch:

14. Keiner kann … mit Absolutheit für sich in Anspruch nehmen, ein Aufgeklärter zu sein. … Da muss er schon differenzieren, wann, wo und in welcher gesellschaftlichen Situation.

Ob es im Sprachgebrauch der kalkuliert verbreiteten Islamfröhlichkeit und Islamfreude eine ältere Quelle für das Wort “differenzieren” (November 1971, deutsch Bonn Oktober 1982) gibt?

14, 15. Bedauerlicherweise ist die Geschichte der Länder der Dritten Welt, insbesondere die der Islamischen Gesellschaften, gespickt mit den Irrtümern der Aufgeklärten. … Es ist die tragische Geschichte der islamischen, insbesondere der traditionell orientalischen Gesellschaften.

Tragisch ist das seit 31 Jahren andauernde Leiden der Bevölkerung unter dem Faschismus der Himmelswächter, das Sterben der ungezählten Hingerichteten und die Vertreibung der iranischen Regimekritiker ins Exil. Es sollte uns alarmieren, dass deutsche Muslime begeistert für Ali Schariati werben, beispielsweise tun das die im Fußnotenteil genannten paradiesverliebten Blogs »Meryems Welt« (FN 1), »muslime. glaubensinhalte im gesellschaftlichen kontext« (2), »Das klare Wort. Grup Vaha« (3) sowie »Morgendämmerung« (4). Die radikale Demokratieverachtung von »Meryems Welt« verdeutlicht das in Kalligraphie gehaltene Zitat, das die Blogbetreiberin feierlich auf den Titel ihrer Seite stellt, einer Weihe-Inschrift gleich: „Oh Herr, bereichere unsere Herzen in dieser vergänglichen Welt mit deiner überströmenden Liebe. Imam Chomeini“. Das Verbreiten der Texte von Ali Schariati sollte uns nicht viel weniger alarmieren als dasjenige der Schriften eines al-Maududi, Sayyid Qutb oder Necmettin Erbakan.

Kulturrelativismus über alles, außer vielleicht über Allahgott:

15. Als Zar Peter der Große nach einem Studienaufenthalt in Holland nach Moskau zurückkehrte, war er vielleicht ein Aufgeklärter, aber seine Art der Aufgeklärtheit war für seine nationale Gesellschaft nicht brauchbar.

Die zeitlose Scharia hätte dem königlichen Russen spirituell auf die Sprünge geholfen.

15. Nach langen Überlegungen schließlich glaubte er, die Ursache des Übels herausgefunden zu haben: Es waren die langen Bärte der Russen!

Beim Barte des Propheten, da hat der Iran was zu lachen. So ein dummer Russe. Und der Bartbefehl oder jedenfalls die Bartempfehlung eines Yusuf al-Qaradawi ist und bleibt sakrosankt. Heutige Freunde der nicht nur an dieser Stelle ein wenig rassistisch gefärbten Texte Ali Schariatis werden sich zufrieden zurücklehnen: iranischer Tschador und afghanische Burka dürfen auch weiterhin den Frauenleib umhüllen, denn mit ausbleibender Moderne hängt beibehaltenes Brauchtum (siehe Russenbart) grundsätzlich nicht zusammen, eher schon resultiert kulturelles Elend aus einem Erleuchtungsmangel der Führungselite. Let`s talk about sex:

17. Dabei ist der Kampf für die sexuelle Befreiung, der von Zeit zu Zeit in Afrika, Asien und insbesondere in der islamischen Welt ausbricht, lediglich ein Scheinmanöver, das von der Notwendigkeit eines echten Kampfes, der den Mächtigen der Welt gefährlich werden könnte, ablenken soll.

Und die Bonner Pfarrerin Dr. Beate Sträter kann weiterhin den ägyptischen Extremisten Sayyid Qutb mit dem südamerikanischen Befreiungstheologen Leonardo Boff vergleichen, während Sabine Schiffer aus Erlangen die Muslimbruderschaft für edle Streiter gegen Kapitalismus und US-Imperialismus zu halten beliebt. Das Islamische Recht beinhaltet nun einmal weibliche kontrollierte Sexualität und männliche sexuelle Kontrolle, und Ali Schariati möchte diese Pflichtenlehre vollumfänglich legalisieren, auch im Strafrecht soll die ewige Doktrin der Scharia Verstaatlichung erfahren und sollen Scharia-Richter flexibel (willkürlich) Recht sprechen.

Denn das Unheil dräut allenthalben, und so ist Spontaneität etwas sehr Islamisches: “Das rechte Wort am falschen Platz kann dem Unrecht dienen, wohingegen eine unbegründete Behauptung zur rechten Zeit durchaus eine positive Wirkung haben kann”, befindet Schariati (Seite 20). Sofern nur der Kontext stimmig ist, mag in dieser Logik auch mal ein Mord gerechtfertigt sein.

20, 21. In den fünfziger Jahren wurden die fortschrittlichen Ideen Rousseaus und Voltaires, die sich auf wissenschaftlich fundierte Gedanken des Nationalismus stützen, mit der Absicht wieder verbreitet, die algerischen Völker auseinanderzubringen.

Für die im Englischen gelegentlich Nation of Islam genannte umma zu werben, wäre aus Schariatis Sicht wohl sozialer.

24. Genaugenommen lautet die Frage also nicht: wo fangen wir an? sondern: wo fangen wir hier an? Demnach besteht also die dringendste Aufgabe des Aufgeklärten darin, herauszufinden, in welchem Zeitabschnitt der Geschichte sich die islamische Welt befindet.

Nicht die Menschheit, sondern der Weltislam ist die Solidargemeinschaft, auf die es dem belesenen Iraner ankommt. Diese umma sehnt sich nach einem neuen Goldenen Zeitalter:

24. Befinden wir uns im europäischen Zwanzigsten Jahrhundert, oder warum gehen wir den Weg der Europäer und werden zu Interpreten ihrer Autoren und zu Übermittlern ihrer Ideen? … Haben wir uns vom Zeitalter der Theokratie entfernt? … Leben wir im Mittelalter oder in der Zeit der Reformation? Leben wir im Zeitalter der Renaissance oder der Französischen Revolution?

Zunächst müssen wir also feststellen, in welchem Entwicklungsstadium wir uns befinden, ehe wir entsprechende Vorschläge machen können.

Chauffeur Schariati denkt mit und sagt gewissermaßen “Wo du wolle?”, wie die Comedy-Sendung »Taxi Sharia – Das Grauen hat vier Räder« ausdrückt. Oder, wie es pädagogische Praktiker sagen: “Wer nicht weiß, wo er hin will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders rauskommt.”

Bei all dem vielen regionalen und zeitlichen Differenzieren ist es Schariati aus dem Sinn gekommen, die freie Meinungsäußerung zu verlangen, was ins Auge gehen kann, wie (zumal orientalische) Intellektuelle oder Schriftsteller doch eigentlich wissen müssten.

26. Unsere Kultur ist islamisch-religiös geprägt. … Unsere Aufgeklärten müssen sich darüber im Klaren sein, dass der Islam unsere Kultur geprägt hat und er die moralische Grundlage unserer Geschichte ist. Verkennen sie diese Tatsache – was nicht selten der Fall ist – geraten sie in einer Scheinwelt, in der sie sich frei von religiösen Überzeugungen fühlen, weil sie vom Geist des Europa des 19. und 20. Jahrhunderts beherrscht ist.

Dass ein religiöser Mensch, also auch ein muslimischer, seinen Glauben ja vielleicht privat leben möchte, kommt Schariati nicht in den Sinn. Vielmehr setzt er Religionskritik, zumal Islamkritik, mit einem verinnerlichten Geist der europäischen Kolonialzeit gleich. Die Scharia betreffend stehe jedem Iraner also nur der Weg der Islamverherrlichung offen, um wirklich als “aufgeklärter” Orientale gelten zu können.

27. Wenn wir, wie die europäischen Aufgeklärten des 16. und 17. Jahrhunderts, die Religion bekämpfen, begehen wir einen folgenschweren Fehler, denn das religiöse Empfinden unseres Volkes und die religiöse Kultur unserer Gesellschaft unterscheiden sich wesentlich von dem, was im Europa des Mittelalters herrschte.

Islamische Missstände sind dabei für Schariati stets etwas Unislamisches:

28. Der Aufgeklärte von heute muss sich vor Oberflächlichkeit und blinder Nachahmung hüten und erkennen, dass die irreführende Rolle, die, wie zu beobachten ist, die Religion heute spielt, nichts mit der wahren islamischen Religion und Kultur, welche die geistige Grundlage unserer Gesellschaft bilden, gemein hat und die bitteren Erfahrungen des Mittelalters nicht auf islamische Verhältnisse übertragbar sind.

Der unfassbare Islam sei missbraucht worden und werde verkannt. Das Muster ist beibehalten worden, der auf Deutschlands Dialogveranstaltungen beschworene “eigentliche” Islam ist ja gefälligst makellos. Lustvoller, tief nationaler Schmerz mag einen Teheraner Patrioten dann und wann ergreifen, Hauptsache, ein geschichtsbewusste Iraner entspricht der Devise: “Je mehr Islambegeisterung, desto mehr Aufklärung”, und liest fleißig im Koran:

28. Es ist unbedingt erforderlich, daß der Aufgeklärte einer islamischen Gesellschaft – unabhängig von seiner persönlichen Anschauung – den Islam kennt; erst dann ist er in der Lage, die Tragweite der Tragödie zu begreifen.

Indessen hält Schariati den Schleier (Hidschab, iranisch Parda), die Polygamie und die Verheiratung neunjähriger Mädchen für nicht der Rede wert, die allgemeinen Menschenrechte zu kennen ist offensichtlich auch nicht erforderlich.

29. In den letzten 300 Jahren ist die Religion durch das Verschulden der sie vertretenden Institutionen ihrer Eigendynamik beraubt worden.

Wenigstens schreibt er die Schuld an der islamischen Stagnation nicht den Europäern zu, was Lamya Kaddor (»Muslimisch – weiblich – deutsch: Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam«) betreibt. Nüchterne Beobachter halten Friedlosigkeit, Frauenentwürdigung und kulturelle Stagnation des Islam allerdings für neun bis vierzehn Jahrhunderte alt.

Schariati will die ganze Scharia (Nomen est omen), der Islam, die “im Kern friedliche Religion” (Pöttering im Mai 2008, Horst Köhler im Mai 2010) sei, im Gegensatz zu den anderen Religionen, reine, höchstmögliches Glück spendende Humanität:

29. Eins haben Katholizismus, Buddhismus, vedaische Anschauungen und Laotseismus gemeinsam: Sie halten die Menschen von den objektiven Realitäten des Lebens fern … Unsere religiöse Kultur, insbesondere die schiitische Richtung, weist keinerlei derartige Gemeinsamkeiten mit den genannten Religionen auf; sie lehnt solche Gedanken eindeutig ab!

Ob die gerne ganz und gar andersartigen Muslime nicht doch ein wenig mehr Ähnlichkeiten mit den von Schariati gerade beschimpften Nichtmuslimen haben, und folglich dem selben universellen Rahmen der Wissenschaftlichkeit und Rechtseinheitlichkeit unterliegen sollten?

Der angeblich moderne Denker wiederholt die uns in Deutschland aus dem, Islamkritikern gegenüber bereits leicht repressiv geführten, “Dialog mit dem Islam” bekannte Makellosigkeit des “eigentlichen” Islam:

29. Der [derzeitige, unzureichend gebildete] Aufgeklärte stellt eine gewisse Parallelität zwischen den Auswüchsen des mittelalterlichen Christentums und des Islam in unserer heutigen Gesellschaft fest und kommt so zu der falschen Schlussfolgerung, daß der Islam mit dieser Religion gleichzusetzen und daher zu bekämpfen sei, wie das Christentum im 19. Jahrhundert von den Aufgeklärten bekämpft wurde.

Schariatis Position und Argumentation ist mittlerweile dank CIBEDO, CIG, Eugen-Biser-Stiftung und Interreligiösem Rat fester Bestandteil der kirchlichen Islamrhetorik, genauer, Islambeschwichtigung, mit der islamskeptische Gegner und andere über die Scharia informierte Menschen damit unglaubwürdig gemacht werden, sie würden die Katholische Kirche “in die Zeit vor dem Konzil” zurückbringen wollen oder die Bismarcksche Feindseligkeit gegenüber jeglicher organisierter Religion (Kirchenkampf) heraufbeschwören. In unseren Kirchentagsmilieus könnten Schariatis Texte also bald begeisterten Anklang finden.

30. Der Aufgeklärte … muß sich darüber im Klaren sein, daß er eine besondere Kultur besitzt, die den Glauben, die geistigen Werte und die Ideale des Menschen mit lebensbejahenden Gedanken verbindet und vom Geist der Gleichheit und Gerechtigkeit getragen wird.

Die Frau erbt in der islamischen “Gleichheit” nicht 100, sondern 50 %, ihre Aussage vor Gericht gilt nur halb so viel wie diejenige eines Mannes. Die Verstoßung der Ehefrau ist nach Allahs Gesetz ebenso “gerecht” wie die Anschaffung einer Zweit- bis Viertfrau und der Geschlechtsverkehr mit der von der Gottheit freundlicherweise unbegrenzt gebliebenen Anzahl von Konkubinen des muslimischen Mannes. Dafür hat die geschlechtsreife, sprich heiratsfähige Frau (neun Jahre alt) ihre verstaatlichte Jungfräulichkeit oder kontrollierte Ex-Jungfräulichkeit und ihren Status als Besitz von Vater beziehungsweise Ehemann mit einem Stoffgefängnis kenntlich zu machen, insbesondere ihr Haupthaar zu bedecken, das im Islam so etwas wie ein Geschlechtsorgan darstellt. Für Schariati ist das kein Problem, denn:

31. Die Gerechtigkeit ist nicht nur einer der wichtigsten Grundsätze dieser Religion, sie ist die beherrschende Idee und die Zielvorstellung aller Propheten.

Der wenig plausibel als Islamreformer gehandelte Denker versäumt, auf die Kleinigkeit hinzuweisen, dass Noah, Abraham, Moses und Jesus in der islamisierten Menschheitsgeschichte keine andere Rolle haben, als auf das Kommen des letzten Propheten und auf Allahgottes durch Mohammed verkündete Scharia hinzuweisen, die ihrem Anspruch nach alle anderen Lebensformen überwunden hat, welche damit, sofern nicht abgelegt, als frevelhaft gelten müssen und der Menschheit den Weg zum ewigen Heil versperren.

33. Nachdem der Aufgeklärte sich über all diese Dinge klargeworden ist, wird er hier und heute mit der Religion beginnen …

Das haben wir gleich befürchtet: aller Anfang ist die Religion, anfangen heißt mit der Religion anzufangen, wobei Religion natürlich die einzig richtige ist, die koranbasierte.

33, 34. Von der Religion muß er eine korrekte und unmittelbare Vorstellung haben, die den kulturellen Hintergrund mit einschließt.

Irgendwie müssen die vier verschiedenen sunnitischen Rechtsschulen ja erklärt werden und vor allem bedarf die prekäre Daseinsberechtigung der Schia der Verteidigung als Kultur. Daneben benutzt Schariati das simple Muster, dass es für jeden Demagogen oder auch Pädagogen darum gehen muss, die Klientel “da abzuholen, wo sie steht”, eine Sprache zu sprechen, die im Milieu verstanden wird, umso mehr, als dass die Basis nicht wissen muss, dass die Reise zum großen Islamofaschismus geht, zum Kalifat. Vor allen Dingen muss der Islamist mit den Frauen vorsichtig sein, damit diese die Lust am Aufbau der schariabasierten Gesellschaft nicht verlieren, sondern die ihnen von Allahgott aufgebürdeten, barbarischen Zwänge als “Gleichheit und Gerechtigkeit” (Schariati 30) erleben oder das jedenfalls erzählen.

34. Das Engagement des Aufgeklärten beginnt also mit der Wiederbelebung seiner erstarrten Gesellschaft durch einen islamischen Protestantismus, um … eine religiöse Renaissance einzuleiten, d. h. zu jener lebensbejahenden, dynamischen, kraftvollen und gerechten Religion zurückzufinden … und … durch Rückbesinnung auf die eigene Kultur eine Wiedergeburt seiner Kultur einzuleiten und die eigene menschliche, geschichtliche und soziale Identität gegenüber der westlichen Kultur wiederzufinden.

Auf die krampfhaft durchzuhaltende Unterscheidung zwischen islamischer Kultur und westlicher Kultur, die uns drei bis vier Jahrzehnte später bei Tariq Ramadan begegnet, kann Schariati als orthodoxer Muslim und Freund der Allahkratie und damit als Gegner der Gleichberechtigung der Nichtmuslime und der Frauen nicht verzichten.

35 [Dem Engagement der islamischen “Aufgeklärten” wird es zu verdanken sein,] die nachahmende, gleichgültige, unterwürfige religiöse Haltung der Menschen in einer kämpferische, offensive und kritische Protesthaltung umzuwandeln, … um auf diese Weise eine befreiende Bewegung zu entfesseln.

Es dürfte wenig Zweifel daran bestehen, dass die islamische “Bewegung” (Schariati) durch den aus seinem französischen Exil zurückkehrenden Chomeini erfolgreich “entfesselt” worden ist.

35 ich … kann … mir nur wünschen, dass die Aufgeklärten zum geläuterten Glauben zurückfinden

An jeden, der jetzt noch Schariati als modern und human verteidigt: War Chomeinis Glaube denn etwa nicht geläutert genug? Wieviel mehr “geläutert” soll es denn noch sein, bitte?

Jacques Auvergne

(1) Dem paradiesischen Massenmörder widmet die Blogbetreiberin den Titelvers. Chomeini-Verehrerin Meryem von »Meryems Welt« meint zu einem anderen bekannten Scharatitext: „Dieses Buch ist längst ein Klassiker, 1971 verfasst von Dr. Ali Schariati, also einige Jahre vor der Islamischen Revolution im Iran.“ Meryem hält es nicht für angebracht, sich von dem islamischen Terrorstaat der Teheraner Mullahs zu distanzieren, weshalb wir davon ausgehen können, dass sie die Revolution von 1979 also einen vollen Erfolg wertet.

Die leider radikalislamisch motivierte Blogbetreiberin lobt Schariati als einen idealistischen Frauenfreund und korantreuen Feministen: „Seine Kritik geht in die Richtung seiner Heimat, wo über die europäische moderne Frau nur berichtet wird, dass sie im Zuge der „sexuellen Revolution“ allzeit verfügbar wird, einzig an Mode und Kosmetik und anderen Äußerlichkeiten interessiert sei und nichts beitrage zum wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt. Das ist es, was der moderne Kolonialismus aus der iranischen Frau machen möchte. Die Aufforderung geht also dahin, sich am Vorbild Fatimas, a.s., zu orientieren, damit die Frau in der modernen islamischen Gesellschaft ihre neue, revolutionäre Rolle finden kann. Das Leben Fatimas, a.s., muss unter den iranischen Frauen bekannt werden, damit die Idee, sie sei nur ein hilfloses Opfer gewesen aus den Köpfen verschwindet.“

http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/03/14/lekture-fatima-ist-fatima-von-dr-ali-schariati-wie-soll-die-islamische-frau-sein/

(2) Beim schariatreuen (radikalislamischen) Blog »muslime. glaubensinhalte im gesellschaftlichen kontext« titelt man am 15.08.2009 »Ein persischer Intellektueller, Denker und Reformer – Ali Schariati« und erkennt die sanfteste Variante der globalen islamischen Revolution: „Ali Schariati ist ein Intelektueller des 20 Jahrhunderts, geboren in Mezinan (Iran) 1933. Eine Persönlichkeit, die einen Muslim schildert, dessen Erscheinung die Welt näher zum Islam bringen will.“

http://muslime.wordpress.com/2009/08/15/ein-persischer-intellektueller-denker-und-reformer-ali-schariati/

(3) Beim Blog »Das klare Wort« der noch recht jungen Damen und Herren der Gemeinschaft »Grup Vaha« (Aysche Dix, Buenyaminumma, Havva Demiröz, Ethem Abdussamed, Sultan Ögüt), was auf Türkisch »Gruppe Oase« bedeutet, ist ein noch nicht ganz fehlerfrei Deutsch schreibende Demokratieaussteiger und korantreuer Jungrevolutionär am 27.06.2009 darum bemüht, im Beitrag »B. U. Schariati« Reklame für den gegenmodernen Denker zu machen, möge er künftig die Scharia verweigern und den säkularen Rechtsstaat bejahen:

„Ali Schariati ist ein Intelektueller des 20 Jahrhunderts, geboren in Mezinan (Iran) 1933. Eine Persönlichkeit, die einen Muslim schildert, dessen Erscheinung die Welt näher zum Islam bringen will. Dieser Mann ist ein Denker und Kritiker des Westens, des Kapitalismus, Leninismus und Marxismus. Er deutete in vielen seiner Reden, die er den emanzipierten Jungen Iranern vortrug, auf die Gefahren einer Zivilisierten von Habgier übermannten Welt, die die Nähe zur Religion und den Faden des Glückes mit dem Geld verbunden haben. … Die Gefahr, dass eine Gesellschaft, die sich nicht kennt und seine eigenen Werte verloren hat ist mit sich nicht zufrieden. Um glücklich zu sein muss der Mensch eine eigene Identität haben und zeigen das er da ist. Ali Schariati versuchte in vielen seiner Reden diesen Punkt den Menschen zu vermitteln. Religion ist ein Aspekt um sein Ich zu erlangen bzw. zu pflegen.“

http://grupvaha.wordpress.com/2009/06/27/ali-schariati/

Noch zum Blog »Das klare Wort« der »Grup Vaha«. Es ist schön und berührt mich, wenn junge Menschen Ziele haben, besonders, wenn diese Ziele von Ethik oder ernst empfundener persönlicher Religiosität bewegt sind. Wenn junge Menschen aus Nordrhein-Westfalen allerdings das weltweite Kalifat wollen und die Einführung der Scharia in Europa, ist mir das ungefähr so widerlich, als würden sie den Nationalsozialistischen Staat anstreben. Die fehlgeleiteten Blogbetreiber bekennen sich:

„Vaha Declaration: Wir fordern … Wir Jugendlichen sehen den Zustand der modernen Familie und sind ganz und gar nicht damit einverstanden. Wir sind der Meinung, dass sich die Lage und der Stellenwert der Familie in dieser Gesellschaft verändert werden muss und appellieren besonders an Muslimische Familien, wo doch der Koran immer wieder auf die Intuition Familie eingeht und versucht den Menschen klar zu machen wie wichtig die Familie für ein gesundes, intaktes Volk ist.“

Die deutsche muslimische Familie soll also nach der möglichst vollumfänglichen Scharia leben, ein Kurs, wie Yusuf al-Qaradawi ihn vorgibt. Ihr solltet dem Menschenbild und vor allem dem Frauenbild der Muslimbruderschaft und der Millî Görüş nicht hinterhertrotten.

„Wir wollen unseren Glauben ausleben ohne Beschränkungen und verweisen auf die Religionsfreiheit.“

Darauf verweisen wir auch, Polygamie oder die Verheiratung neunjähriger Mädchen ist nämlich mit Religionsfreiheit nicht gedeckt und in anderen die Angst vor der Höllenstrafe zu erwecken sollte Grup Vaha ebenso bleiben lassen wie die Verherrlichung des Hidschab. Der Islam kann in einem freiheitlichen Rechtsstaat nicht zur Gänze gelebt werden, da er eine eigene Staatlichkeit will und ein autonomes Rechtssystem darstellt. Der Islam von Scharia und Fiqh – und einen anderen organisierten Islam gibt es leider weltweit noch so gut wie gar nicht – ist durch Kulturrassismus, Frauenherabwürdigung und Frauenentrechtung sowie durch Indoktrination Minderjähriger mit dem Drohen von Höllenqualen gekennzeichnet. Nichtmuslime gelten als Menschen sittlich geringeren Wertes, Kopftuchverweigerinnen als Schlampen – ruft Grup Vaha dazu auf? Jeder darf in Deutschland an einen Engel glauben oder aber Allahgott für sich verwerfen, weil in der BRD Religionsfreiheit besteht, anders als in Saudi-Arabien oder im Iran.

„Wir setzten uns für die Integration ein, jedoch auf keinen Fall für die Assimilation. Unser Verständnis von Integration ist es nicht seine eigene Kultur abzulegen, sondern mit der hiesigen Gesellschaft zusammen zu arbeiten, sich gegenseitig zu respektieren anzuerkennen und voneinander zu lernen. Eine Integration kann unserer Meinung nach, nur dann funktionieren, wenn auf beiden Seiten, der hiesigen Gesellschaft und auch der emigrierten Respekt und Anerkennung herrscht. Wir betonen auch, dass der Islam keine Migranten Religion ist, sondern ein fest verwurzelter Teil Deutschlands ist. Wir verstehen uns weder als Türke, Araber, Kurde, Marokkaner… noch als Deutscher, sondern als Muslime, weil wir weder gefragt wurden, ob wir als Deutscher, Türke, Araber, Bosnier… geboren werden wollen, noch gefragt worden sind wo wir geboren werden wollen. Das ein zigste, dass wir als freie Menschen selber wählen durften war unsere Religion und unsere Lebensweise.“

Mit ähnlichen Worten treibt Recep Tayyip Erdoğan Deutschlands Türken in die abgeschottete und sich islamisierende Gegenkultur. Ihr wollt also keine Staatsbürger sein, sondern der Nation of Islam angehören, Muslime sein oder allenfalls Muslimstaatsbürger. Euer Kalifat könnt ihr nach Feierabend stundenweise und in begrenztem Rahmen zelebrieren, Peitschenhiebe (vierzig oder achtzig) für den Weintrinker dürft ihr aber auch dann nicht austeilen, obwohl Allahgott das vorschreibt. Ihr wollt leider immer noch die klassisch islamische Lebensweise nach der Scharia, das bedeutet für uns Staatsbürger: ihr wollt die Sezession und die Rechtsspaltung. Davon müsst ihr weg und euch in ein säkulares Verständnis des Muslim-Seins einüben. Religionsfreiheit umfasst beispielsweise, privat an ein Leben nach dem Tod zu glauben.

Am 30.04.2009 weisen die wie gesagt noch sehr jungen und hoffentlich lernbegeisterten Blogbetreiber auf die Vorläufigkeit der Vaha Declaration hin: „Sie soll weiter entwickelt werden. Wir bitten um Verbesserung und Vorschläge“, was wir soeben gerne getan haben.

http://grupvaha.wordpress.com/about/

(4) Der verschwörungstheoretische, antisemitische und an Chomeini orientierte Blog »Morgendämmerung« steht treu zu Ahmadinedschad („Präsident Ahmadinejad bekräftigte in seiner Rede: ‚Die Revolution ist noch nach 30 Jahren lebendig.'“) und kolportiert in »Hintergrund. Die islamische Revolution 1979 im Iran« das Gerücht, der iranische Geheimdienst hätte Ali Schariati ermordet.

http://morgendaemmerung.blogspot.com/2009/01/hintergrund-die-islamische-revolution.html

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: