297. Petition für ein Verbot der Beschneidung von Mädchen oder Jungen unter 18 Jahren

الخِتان

al-ḫitān

Beschneidung

Edward von Roy

Mönchengladbach

An den

Deutschen Bundestag

Petitionsausschuss

Berlin

20. Juli 2012

Pet 4-17-07-451-040847

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

§ 1631d

Verbot der rituellen Genitalmutilation

Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

Begründung

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne, an den Menschen als Angehörigen eines ethnoreligiösen Kollektivs, in welchem Schamanen oder Theologen juristisch folgenreich definierten oder immer noch definieren, was menschliche Wesensnatur (islamisch fiṭra)[1] oder rituelle Reinheit (ṭahāra)[2] ist.

Die Europäische Union hat sich im Jahr 2000 in ihrer Charta der Grundrechte deutlich zur Umsetzung der Kinderrechte bekannt, Artikel 24 Rechte des Kindes lautet:

(1) Kinder haben Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge, die für ihr Wohlergehen notwendig sind. Sie können ihre Meinung frei äußern. Ihre Meinung wird in den Angelegenheiten, die sie betreffen, in einer ihrem Alter und ihrem Reifegrad entsprechenden Weise berücksichtigt. (2) Bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen muss das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein.

Da wir körperliche Unversehrtheit und genitale Integrität für wichtig halten, insbesondere auch im Wissen darum, dass im freiheitlich demokratischen Rechtsstaat jeder Jugendliche (Religionsmündigkeit) oder Erwachsene seine Religion jederzeit wechseln kann oder auch ohne Religion leben kann, stellen wir fest, dass es Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten nicht zusteht, eine Entscheidung über Vorhandensein, Funktionsfähigkeit und ästhetische Umgestaltung der Genitalien ihres Kindes zu treffen und in ein Ritual einzuwilligen, das lebenslange Spuren der Markierung als Zugehöriger zu einem traditionellen, so genannten kulturkreisbedingten oder religiösen Kollektiv hinterlässt. Auch das ebenfalls in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union genannte „Recht der Eltern, die Erziehung und den Unterricht ihrer Kinder entsprechend ihren eigenen religiösen, weltanschaulichen und erzieherischen Überzeugungen sicherzustellen“, so steht es in Artikel 14 Recht auf Bildung, kann kein Freibrief für eine Beschneidungspraxis sein.

Bereits im März 2006 hat der Europarat den Mitgliedsstaaten nahegelegt, allen Kindern Chancengleichheit zu geben, unabhängig von ihrem Milieu oder familiären Hintergrund.[3] Eine nicht auf eigenen Entschluss, sondern durch den Elternwillen erworbene Genitalmutilation, nicht selten verbunden mit einer seelischen Traumatisierung, trägt eher zur gefühlten Andersartigkeit und zu einer dogmatische Reinheit herstellenden Segregation zu den Milieus der Unbeschnittenen bei und gerade nicht zu Integration und „Chancengleichheit.“

Rituelle Beschneidung (mindestens) der Klitorisvorhaut gilt der schafiitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam als religiös verpflichtend (wadschib)[4] und wird im bevölkerungsreichsten muslimischen Land, in Indonesien, von Wohltätigkeitsorganisationen bei nur zu vermutendem hohem Konformitätsdruck öffentlich angeboten und durchgeführt.[5] Auf diese Form der Beschneidung, nach den WHO-Kriterien ist sie eine Female genital mutilation (genauer: eine FGM vom Typ I),[6] kann, ebenso wie Jungenbeschneidung, StGB § 228 angewendet werden: „Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.“ Nach dem Rechtsverständnis eines säkularen Rechtsstaats, der sich an den allgemeinen Menschenrechten orientiert, sind weder FGM noch MGM „gute Sitte“, sondern § 223 StGB Körperverletzung.

Was die oft bagatellisierte männliche Beschneidung (Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir machen uns ja sonst zur Komikernation“)[7] betrifft, können 14-jährige Jungen nicht als einwilligungsfähig gelten und vermutlich noch nicht einmal 16 jährige, weshalb keine jugendlichen Religionsmündigen, sondern erst Erwachsene ihrer eigenen MGM zustimmen könnten (was sozialpädagogisch, psychologisch oder medizinisch begründet keineswegs pauschal zu empfehlen ist).

Ein Kind, also einen nicht einwilligungsfähigen Menschen ohne medizinischen Grund, sondern lediglich zur Abwehr vermeintlicher böser Geister und Dschinnen oder zur Erlangung des Wohlwollens der elterlich vermuteten Gottheit am Genital zu operieren, finden wir, um Frau Merkels Wort aufzugreifen, tatsächlich nicht „komisch“.

Heute treffen wir auf säkulare Muslime oder auf Ex-Muslime, die das im gegenmodernen und aufklärungsverweigernden[8] Islam von Scharia und Fiqh selbstverständliche Recht der Eltern, den Körper des Kindes im Genitalbereich mit einer kultischen Operation zu verändern, in Frage stellen: „Ich verstehe deshalb die Aufregung um dieses Verbot nicht. Wir, die Muslime in Deutschland, sollten diese jetzige Diskussion als Chance begreifen, endlich bestimmte religiöse Rituale und Traditionen auf den Prüfstand der Demokratie zu stellen“, das sagt Ahmad Mansour, Diplom-Psychologe und Mitglied der Arbeitsgruppe „Präventionsarbeit mit Jugendlichen“ der Deutschen Islam Konferenz (DIK).

Mansour stellt ein auch sozialpädagogisch überzeugendes Qualitätskriterium für eltern- und kinderfreundliche Spiritualität auf: „Die Rechte der Kinder auf individuelle Freiheit zu ignorieren ist bei muslimischen Familien sehr verbreitet, Kinder werden als Mitglieder der Gemeinschaft erzogen und nicht als Individuen. Persönliche Bedürfnisse und Selbstentfaltungsversuche, die der kulturellen und religiösen Vorstellung der Eltern widersprechen, werden systematisch unterdrückt. Ein Verbot der Beschneidung dagegen wäre der wahre Ausdruck der Religionsfreiheit – die man seinen Kindern lässt!“[9]

Auch unter Juden wird das Beschneidungsritual seit und mit Sigmund Freud und Bruno Bettelheim kritisiert. Sehr plausibel argumentiert die britisch-jüdische Ärztin und Psychotherapeutin Jenny Goodman: „Ich bin zuversichtlich, dass mein Volk so viele lebensbejahende, lebensfreudige und erkenntnisbringende Traditionen hat, dass unsere Identität und kulturelle Selbstachtung ohne Probleme überleben wird, wenn wir über die Beschneidung hinauswachsen, die ein grausames Relikt ist, das ich immer als eine Abweichung vom Herzen meiner Religion empfunden habe.“[10]

Die ohne medizinischen triftigen Grund vorgenommene rein rituelle orthodox-jüdische oder orthodox-islamische Zirkumzision und ebenso die schafiitische Mädchenbeschneidung sind Taten der Gewalt am Kind, gleichzeitig sind sie islamisch verpflichtend als wadschib (wāǧib) oder fard (farḍ). Schafiitische FGM und jüdische sowie gesamtislamische MGM gehören deshalb, auch unter Bezug auf BGB § 1631 (2), wo feststellt wird: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung“, nicht in Deutschlands Kinderzimmer, Festsäle, Krankenhäuser oder Arztpraxen. Die gottgegebenen Gesetze von Halacha oder Scharia missachten das Kindeswohl.

Dass traditionsverliebte oder besonders gottesfürchtige Eltern beteuern, nur das Beste ihres Kindes im Sinne zu haben kann uns eine genitale Mutilation am Kinderkörper nicht billigen lassen, noch weniger die Vermutung der religiösen Wortführer, die Beschneidungsgegner würden wertvolles Kulturerbe vernichten (entsprechend kann aufklärungshumanistische Beschneidungskritik nicht ihrerseits stammeskulturelles Erbe verteidigen, etwa unter Beschwörung des famosen Europäischen oder Christlich-Abendländischen, was Xenophobie oder Antisemitismus ja auch nur sehr dürftig bedecken würde).

Jahrhunderte lang hätte es kaum jemand für möglich gehalten, aber die Sklaverei ist auch weltweit überwunden worden. Ebenso sollte und kann die Jahrtausende alte Kinderbeschneidung global überwunden werden, in Köln, Teheran, Mekka und Jerusalem, auch wenn der beharrliche Doron Rabinovici da anscheinend gar keine Chance sieht: „Die Brit Mila wurde bereits unter Antiochus IV. verboten und in der Sowjetunion erschwert. Aber die Juden hielten daran fest und eine Milliarde Moslems werden ebenfalls nicht davon lassen, bloß weil deutsche Richter es ihnen nicht gestatten.“[11]

Dass es mit dem beschneidungslosen neuen Ritual Brit Shalom (Covenant of Peace) und den Jews against Circumcision eine, zugegebenermaßen noch kleine, Bewegung bewusst jüdischer Zirkumzisionsgegner gibt, deutet Rabinovici, der die Jungenbeschneidung nicht etwa abschaffen will, sondern dem es darum geht, „Schmerzbehandlung und die medizinische Wundversorgung zu verbessern“, den Lesern der Süddeutschen immerhin an. Den MGM-Kritikern, die Rabinovici pauschal ein wenig in die Ecke von Rassismus und Antisemitismus rückt, unterstellt er hintergründig schwelende „Kastrationsangst“ und unter Kindeswohl versteht der Religionsfreund die grundsätzlich begrüßenswerte Frage: „Wäre es nicht sinnvoll, nicht nur an Biologie und Medizin zu denken, sondern auch an das politische Klima, in dem wir leben wollen?“ Ob hierzulande Grundgesetz oder himmlisches Gesetz gelten soll fragen wir uns ebenfalls, und wünschen uns eine Gesellschaft mit ganz vielen Ex-Muslimen, säkularen Juden und säkularen Muslimen und ohne blutige religiöse Riten.

Cahit Kaya, österreichischer Ex-Muslim, begrüßt ein Verbot der medizinisch nicht indizierten Beschneidungen an Kindern: „auf alle Fälle in der gesamten EU … Was die Gläubigen dann im Erwachsenenalter machen, soll in ihrer Entscheidungsfreiheit bleiben.“ Kaya kennt den Gruppenzwang und die Mauer des Schweigens ebenso wie den vielfachen Wunsch nach einer Abkehr vom Sünnet-Ritual: „Oft sieht es hinter den Kulissen ganz anders aus. Aber es wagt niemand, sich gegen seine Religionsgemeinschaft zu stellen. In Wahrheit wären nämlich viele muslimische Eltern sogar froh, wenn ein Beschneidungsverbot kommt. Sie hätten dann einen Vorwand, ihren männlichen Kindern diese Prozedur zu ersparen.“[12]

Seine heutigen gesundheitlichen Belastungen, nämlich Schlafstörungen führt Menschenrechtsaktivist Kaya auf seine als Kind erfahrene Zirkumzision zurück: „Ich wurde von meinen Eltern in ein Krankenhaus gebracht und dort alleingelassen, ohne zu wissen, was mit mir passiert. Das ist für ein Kind sehr belastend. Auch später in der Schule war ich immer der Markierte“[13] (Multikulturalisten könnten jetzt natürlich vorschlagen, gleich alle männlichen Kinder zu beschneiden, damit sich kein Junge mehr als Außenseiter bzw. markiert und stigmatisiert fühlt).

Fuat Sanac, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien, fragt im selben Artikel vorwurfsvoll nach außerislamischer Mutilation wie Piercings und Brustvergrößerungen – eine sinnvolle Frage, aber was ist denn, wenn sich der junge Mann das Piercing in der Penisvorhaut anbringen möchte, er aber auf Elternwunsch als Kind religiös beschnitten wurde?

Die rituelle Beschneidung – auch die Jungenbeschneidung – ist Gewalt und zerstört die körperliche Unversehrtheit, und wenn sich die Bundesrepublik einerseits zum kindlichen „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ (BGB § 1631 (2)) verpflichtet und andererseits jetzt vor den Forderungen der Vertreter der religiösen Gruppen einknickt, dann und erst dann, sehr geehrte Frau Dr. Merkel, macht sich Deutschland zur „Komikernation“ – und auch beim Verstoß gegen Artikel 24 (3) des Übereinkommen über die Rechte des Kindes, bei der sich die Vertragsstaaten verpflichten „überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind“ abzuschaffen. Die Beschneidung, noch so „fachgerecht“ (Drucksache 17/10331) vorgenommen, formt das Genital auf archaisch tabubefrachteten und angeblich heilssichernden Elternwunsch um, zerstört die genitale Integrität des Kindes und ist ein schädlicher Brauch – bei Mädchen und bei Jungen.

FGM, auch die immer noch bagatellisierte Klitorisvorhautbeschneidung (zu FGM Typ I) sowie MGM sind eine Form körperlicher und seelisch-geistiger Gewaltanwendung, deshalb verbieten sich beide blutige Rituale durch das auch von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnete Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-Kinderrechtskonvention), wo es in Artikel 19 Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung (1) heißt:

Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenzufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.[14]

Der Bundestag ist über die Aktivität der Pro-MGM-Lobby informiert, wie der kulturell gegenmoderne Inhalt der Drucksache 17/10331 beweist,[15] der den muslimischen Säkularen und den Ex-Muslimen in den Rücken fällt und sowieso allen angeblich auch im 21. Jahrhundert auf die Körperideologien und Reinheitsvorstellungen von Halacha oder Scharia zu verpflichtenden und am Genital entsprechend zurecht zu schnitzenden Jungen; wir zitieren den Skandal:

Rechtliche Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen

Der Bundestag wolle beschließen:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, im Herbst 2012 unter Berücksichtigung der grundgesetzlich geschützten Rechtsgüter des Kindeswohls, der körperlichen Unversehrtheit, der Religionsfreiheit und des Rechts der Eltern auf Erziehung einen Gesetzentwurf vorzulegen, der sicherstellt, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist.

Berlin, den 19. Juli 2012

Volker Kauder, Gerda Hasselfeldt und Fraktion

Dr. Frank-Walter Steinmeier und Fraktion

Rainer Brüderle und Fraktion

Ohne unnötige Schmerzen. Das steht da wirklich. Die integrierte Amputation der Vorhaut gelange ins deutsche Gesetz – für alle dem Ritual zu unterwerfenden Jungen ohne unnötige Schmerzen. Beschnittenes Kindeswohl – mit den auf himmlischen Befehl dazugehörigen nötigen Schmerzen. Wieviel Schmerzen sind jedem, Abrahams Beispiel treu bleibenden bzw. schariapflichtigen Kind denn bitteschön zuzumuten, Generation für Generation?

Womöglich um künftige illegale Hinterhofbeschneider oder schlechte medizinische Standards im Ausland und damit ganz viele medizinische Komplikationen verhindern zu lassen, ruft man also nach der von Ägyptens politischem Handhaben der FGM sattsam bekannten Medikalisierung.

Drucksache 17/10331 begründet so:

Jüdisches und muslimisches religiöses Leben muss weiterhin in Deutschland möglich sein. Die Beschneidung von Jungen hat für Juden und Muslime eine zentrale religiöse Bedeutung.

Herr Kauder, Frau Hasselfeldt, Herr Dr. Steinmeier und Herr Brüderle mit ihren Fraktionen verlangen jetzt nicht etwa von den Innehabern der Deutung dessen, was unter Islamisch oder Jüdisch zu verstehen ist, die Zirkumzision, dieses Fleischopfer im Tempel der elterlichen Selbstvergewisserung und Gewissensberuhigung für die nächsten Jahrtausende in den Bereich des religiös Dezentralen oder Überflüssigen zu verschieben.

Ob jüdisch oder islamisch, die männliche Beschneidung stammt aus der Sozialstruktur und dem Zeitalter der Steinigung der Ehebrecherin. Burka und Steinigung haben im Islam auch eine ziemlich „zentrale religiöse Bedeutung“, glaubt man Islamkennern wie Ayatollah Chomeini, den afghanischen Taliban oder Nigerias Boko Haram. Auch Zia-ul-Haq erklärte die Steinigung für islamisch.[16]

Das Mädchen steht genau so unter dem Schutz des Grundgesetzes wie der Junge, beide haben denselben Rechtsanspruch auf körperliche Unversehrtheit. Drucksache 17/10331 hingegen will den Jungen versehren und das Mädchen nicht.

Was ist mit der authentisch religiösen nämlich echt islamischen FGM, die zwischen Kuala Lumpur und Kurdistan zwar mindestens aus dem Entfernen der Klitorisvorhaut bestehen kann? Diese Form der FGM ist dort und andernorts leider immer noch „sozial akzeptiert“ (so verteidigt Drucksache 17/10331 die MGM). Sie gilt, wie uns der von Saudi-Arabien aus arbeitende Scheich al-Munajjid versichert, auch außerhalb der Rechtsschule der Schafiiten als ehrbare Glaubensfrömmigkeit, je nach elterlichem Wohlwollen mit der völlig islamischen Kappung der Klitoris; und Allah weiß es am besten: „Wenn der Kitzler groß ist, sollte ein Teil von ihm entfernt werden, if the clitoris is large, then part of it should be removed. And Allah knows best.“[17]

„Der Inhalt des Kindeswohls wird im Regelfall von den Eltern bestimmt“ (Drucksache 17/10331), hier könnte Scheich Yusuf al-Qaradawi zustimmen und hat die Mädchen noch nicht einmal vergessen: „Wer jetzt denkt, es sei im Interesse seiner Töchter, sollte es tun, whoever finds it serving the interest of his daughters should do it.“[18]

Mit der durch Kauder, Hasselfeldt, Steinmeier und Brüderle betriebenen Erweckung von Schuldgefühlen unter offensichtlichem Aufgreifen des grausamen und unbedingt zu verurteilenden Holocaust (auch die einzige Demokratie im nahen Osten, den Staat Israel verteidigen wir unbedingt) arbeitet die Andeutung „Jüdisches und muslimisches religiöses Leben muss weiterhin in Deutschland möglich sein“, so, als ob beschneidungskritische Atheisten, Traditionskritiker oder Säkulare, darunter selbstverständlich auch Muslime und Juden (auch in Israel),[19] einen Völkermord planen würden, der jetzt, im letzten Augenblick, nur mit dem deutschen Elternrecht auf jederzeitige Amputation des kindlichen Präputium abzuwenden wäre.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußerte sich Dieter Graumann: „Wir beschneiden männliche Säuglinge seit 4000 Jahren, und wir wollen das auch noch mindestens weitere 4000 Jahre lang tun“.[20] Der Präsident des Zentralrats der Juden führte die Leserschaft gekonnt mit einem – seitdem in der Presse in unzähligen Varianten wiederholten – „Wir brauchen Rechtssicherheit“ in die Irre, in Wirklichkeit hat das Urteil des Kölner Landgerichts (151 Ns 169/11) genau diese eben hergestellt, die Rechtssicherheit nämlich.

Graumann hingegen erblickt einen: „beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften.“ Einen „Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht“ des männlichen Kindes und späteren Erwachsenen sieht der Religionsfunktionär nicht. Ein unbeschnittener männlicher Jude ist für den biblischen Schöpfergott ja vielleicht gar kein schlimmer Gräuel, auf Erden und für Herrn Graumann aber sehr wohl.

Die Vorhautbeschneidung (der schafiitischen muslimischen Mädchen oder der muslimischen oder jüdischen Jungen) transportiert patriarchalische Frauen- und Männerbilder. Das Kind hat Schmerzen zu erdulden, der Stamm das Recht, des kindliche Genital zum Bluten zu bringen. Viele Eltern sind gezwungen, das Kind zu belügen mit einem sinngemäßen: Das ist nicht schlimm, oder: Das muss so sein.

Kein Mufti oder Scheich, kein Imam einer deutschen Moschee findet bislang den Mut, zu sagen, dass es ein gelingendes muslimisches Leben auch als männlicher Unbeschnittener geben könne. Drucksache 17/10331 unterstützt diese archaische Norm und will sie in die nächste und übernächste Generation tragen.

Mit der Jungenbeschneidung wird außerdem der heilige Ekel im Herabsehen auf die Kultur der Nichtbeschneider transportiert, die, wie die Unbeschnittenen selbst, im Islam von Scharia und Fiqh als sittlich minderwertig anzusehen sind. Die fromme Muslima soll sich vor dem Gedanken ekeln, mit einem Unbeschnittenen Sex zu haben – genau hier sollten modern denkende Pädagogen (und modern denkende Politiker) sehr wohl aufklärend dazwischenreden.

Die islamische MGM sexualisiert kleine Jungen wie Mädchen gleichermaßen, sie dramatisiert (wie es auch der Hidschab macht) das irdische Sexuelle als Schlachtfeld zwischen Licht und Finsternis, scheuen Engeln und versuchenden Satanen, Weg ins Paradies oder Weg ins Höllenfeuer.

Dieses Menschenbild der mit Koransuren und Hadithen begründeten Homophobie, Misogynie und Entwürdigung der Nichtmuslime will der am 19.07.2012 gestellte Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD und FDP (Rechtliche Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen) legalisieren und wird, wenn er nicht verhindert werden kann, auch der bekennende Islamische Religionsunterricht (IRU) demnächst in unsere Lehrer- und Klassenzimmer einbringen.

Kritik an der islamischen MGM darf nämlich auch im IRU offensichtlich nicht bekennend gelehrt werden und traut sich an einer deutschen staatlichen Schule schon seit vielen Jahren kein Lehrer mehr auszusprechen – aus Angst vor Gefährdung des schulischen Friedens. Man beschwört allerdings, gerade in kirchlichen Kreisen, auch lieber ein „friedliches Zusammenleben“,[21] auf Einhaltung der Standards der AEMR und auf ein Zurückweisen des immer noch allzu viele Verfassungen so genannter islamischer Länder prägenden Schariavorbehalts verzichtet man.

Die schariatreuen Islamverbände des Koordinierungsrats (KRM) dürfen den Bekenntnisinhalt des Islamischen Religionsunterricht bestimmen, und da wird es wohl bekennend und versetzungsrelevant heißen: Nach der Sunna (Hadith: Sahih Buchari Nr. 5891)[22] muss jeder Junge beschnitten sein, also auch du! Das ist der kulturelle Standard von Initiationsriten in den Jägerbund und erinnert an das von Nelson Mandela beschriebene Ukwaluka-Beschneidungsritual der Xhosa, bei dem der zum vollwertigen Mann und vollwertigen Menschen Gemachte auszurufen hat: „Ich bin ein Mann – Ndiyindoda!“ Manche der in der folgenden Nacht aufgeweckten Initiierten sollen ihre abgetrennte Vorhaut und damit ihre Jugend eigenhändig begraben; alle werden für einige Zeit als Zeichen ihrer neuen Reinheit am ganzen Körper weiß bemalt.[23]

Deutschlands Politik- und Religionslehrern ist zuzumuten, die Jungenbeschneidung der australischen Aboriginees, afrikanischen Xhosa, Juden oder Muslime nicht zu tolerieren oder gar pauschal zu „integrieren“, sondern unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht des Kindes oder Jugendlichen über den eigenen Körper und die Universalität der Menschenrechte zu kritisieren – aber wie soll das zeitnah funktionieren, wenn das 2012 noch nicht einmal der Deutsche Bundestag wagt?

Das Landgericht Köln beschreibt die lebenslangen Folgen der genitalen Mutilation genau: „Zudem wird der Körper des Kindes durch die Beschneidung dauerhaft und irreparabel verändert.“[24] Über die dauerhaften und vielleicht ebenfalls irreparablen seelischen Folgen der bei der Beschneidung erlittenen Traumatisierung endlich offen zu reden sollte unsere gemeinsame zukünftige Aufgabe sein.

Die gestern im Bundestag hastig thematisierte männliche Beschneidung ist mit nennenswert häufigen, teilweise schweren gesundheitlichen Risiken verbunden; die Quelle nennt und zeigt im Bild Hautbrücken (Skin-bridges), Vernarbungen (Scarring) und Krampfadern (Varicose veins). Die Zirkumzision ist immer eine Schädigung; bei Männern ist die noch so „fachmännisch“ durchgeführte Beschneidung mit einem Verlust von bis zu 75 % an peniler Sensitivität verbunden.[25]

Wir erinnern noch einmal Artikel 24 (3) der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen:

Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.

Eine poetische, aber wichtige Frage sicherlich auch zum Thema Zirkumzision finden wir beim Künstler Herbert Grönemeyer. Auch die Abgeordneten des Bundestags könnten sie sich stellen, wenn sie „im Herbst 2012 unter Berücksichtigung der grundgesetzlich geschützten Rechtsgüter des Kindeswohls, der körperlichen Unversehrtheit, der Religionsfreiheit und des Rechts der Eltern auf Erziehung“ (Drucksache 17/10331) über den gestern eingeforderten Gesetzentwurf und damit für oder gegen eine Legalisierung der Jungenbeschneidung abstimmen werden.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Edward von Roy

Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Gabi Schmidt

Sozialpädagogin

[1] Muhammad said that there are five acts of fitra. (Editor’s note: The translated hadith collections say that following fitra means adhering to the tradition of the prophets, taking the right path or following Islam.) The five acts of fitra enumerated by Muhammad are: circumcision, shaving one’s pubic hair, plucking out the hair under one’s armpits, cutting one’s nails and clipping one’s moustache to keep it short. It was reported that the last four of these should not be neglected for more than forty nights.

In one hadith, there are ten acts of fitra listed: those above excluding circumcision and six more: letting one’s beard grow, using a tooth-stick, snuffing up water into one’s nose, washing the joints of one’s fingers, cleaning one’s private parts with water and rinsing one’s mouth.

Yomatari’s Laws of Religion

Laws of Islam Concerning Ritual Purity and Cleanliness

from the Holy Qur’an, major hadith collections

and Islamic jurisprudence

http://www.religiousrules.com/Islampurity09grooming.htm

Die Beschneidung im islamischen Rechtssystem (Fiqh)

Die Beschneidung ist eine Pflicht jedes Vaters. Er muss die Beschneidung durchführen (lassen).

Bei der Beschneidung gilt, dass mind. die Hälfte der Vorhaut entfernt werden muss.

Nach den vier Rechtsschulen des Islam (Ebu Hanifa, Safi-i, Malik-i, Hanbeli) gilt über hitan folgendes:

Bei Ebu Hanifa und Malik-i gilt die Beschneidung als Sünnet-i müekkede (ein auf der Sunna beruhender, über das Pflichtmaß hinausgehender Akt der Gottesverehrung, dessen Unterlassung ungehörig ist). Das bedeutet eine unbedingte Sunna.

Für Hanbeli hingegen ist es für die Männer ein Vacib [wadschib, farḍ]

Für Safi-i ist die Beschneidung ein Vacib.

ENFAL

http://www.enfal.de/hitan.htm

wadschib (farḍ)

http://www.eslam.de/begriffe/r/religioeses_verpflichtung.htm

Farḍ. In Indonesian, wajib also means obligatory, since the word is derived from Arabic.

http://en.wikipedia.org/wiki/Wajib

The point here is that the religion of Allaah is haneefiyyah (pure monotheism) which fills the heart with knowledge and love of Him and sincerity towards Him, and worship of Him alone with no partner or associate, and which marks the body with the characteristics of the fitrah, namely circumcision, removal of the pubic hair, trimming the moustache, cutting the nails, plucking the hair from the armpits, rinsing the mouth, rinsing the nose, using the siwaak (toothbrush made from twigs from a certain tree) and cleaning oneself after elimination of urine or faeces.

So the fitrah of Allaah is manifested in the hearts of the haneefs and on their bodies.

(Tuhfat al-Mawdood bi Ahkaam al-Mawlood by Ibn al-Qayyim, p. 351)

http://www.islam-qa.com/en/ref/7073

[2] TAHARA (Cleanliness or Purification)

Islam requires physical and spiritual cleanliness. On the physical side, Islam requires Muslims to clean their bodies, clothes, houses, and community, and they are rewarded by God for doing so. While people generally consider cleanliness desirable, Islam insists upon it and makes it an indispensable fundamental of religious life. In fact, books on Islamic jurisprudence often contain a whole chapter on this very requirement.

http://www.thewaytotruth.org/pillars/tahara.html

The Holy Qur’an does not impose an obligation on parents to circumcise their children, but the prophet Mohammed is reported to have stated that „Circumcision is a sunnah (customary or traditional) for the men. Most references to male circumcision occur in the examples and traditions of the Prophet (peace be upon him). Therefore the scholars strongly recommend circumcision for male.

From this point of view, traditionally, adult male converts to Islam are encouraged to undergo the operation.

Furthermore, besides submission to the Will of God, male circumcision is an important ritual aimed at improving cleanliness. Therefore, in Arabic, circumcision is also known as tahara, meaning purification or cleanliness.

Islam strongly emphasises cleanliness and purification both spiritual and physical. The mental and spiritual purification cleanses the heart while the social and physical purification cleanses the body as in circumcision. It also indicate that circumcised males are regarded as more pure (clean).

Although circumcision is not one of the Five Pillars of the Faith, which consist of: the profession of faith, daily prayer, fasting at Ramadan, giving money to the poor (charity), and the pilgrimage to Mecca. However, this ritual is an act of purification and connects the person to the Prophet Ibraheem (peace be upon him) and his religion, Islam.

The Qur’an says: „Allah does not want to place burden on you. Rather, He wants to purify you and to complete His favours to you so that you may be grateful.“ [The Holy Qur’an 5:7]

The Hadith, the acts and the approvals of the Prophet Muhammad (peace be upon him) together constitute the Sunnah. This is the second source of Islamic Law.

http://convertingtoislam.com/circum.html

[3] In March 2006, the European Council requested the Member States “to take necessary measures to rapidly and significantly reduce child poverty, giving all children equal opportunities, regardless of their social background”.

Towards an EU Strategy on the Rights of the Child

Brussels, 4.7.2006

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2006:0367:FIN:EN:PDF

[4] Circumcision is obligatory upon men and women according to us (i.e. the Shafi’is). (Majmu’ of Imam An-Nawawi 1:164) The circumcision is wajib upon men and women according to the rājih qawl of Shāfi’ī madhhab. Answered by: Sidi Abdullah Muḥammad al-Marbūqī al-Shāfi’ī. Checked by: Al-Ustāż Fauzi ibn Abd Rahman

Clarification: Shaykh Nuh Keller translates and comments in his Reliance of the Traveller:

“Circumcision is obligatory (Shaykh ‘Umar Barakat: for both men and women. For men it consists of removing the prepuce from the penis, and for women, removing the prepuce (Ar. bazr) of the clitoris (Shaykh Nuh Keller: not the clitoris itself, as some mistakenly assert).”

Shafi’i Institute

http://www.shafiifiqh.com/what-is-the-ruling-on-circumcision-for-women/

In the Shafi’i Scool, circumcision is necessary for both men and women. (Sharh al-Muhadhdhab v. 1, p. 300) It is recommended for a child’s guardian to circumcise it during infancy, while not obligatory. It is obligatory that one be circumcised after reaching puberty. (Ibid p. 302-03)

http://www.shafiifiqh.com/is-delaying-circumcision-past-puberty-a-sin/

[5] A Cutting Tradition. By SARA CORBETT. The New Yok Times. Published: January 20, 2008

http://www.nytimes.com/2008/01/20/magazine/20circumcision-t.html

Inside a Female-Circumcision Ceremony. Photo: Stephanie Sinclair

http://www.nytimes.com/slideshow/2008/01/20/magazine/20080120_CIRCUMCISION_SLIDESHOW_index.html

[6] Clitoridectomy: partial or total removal of the clitoris (a small, sensitive and erectile part of the female genitals) and, in very rare cases, only the prepuce (the fold of skin surrounding the clitoris).

http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs241/en/

FGM is classified in 4 types: type I involves excision of the prepuce with or without excision of part or all of the clitoris; Female genital mutilation is usually done without anesthesia and in poor conditions by elderly women specially designated for this task. This may lead to unintended additional damage, even after type I FGM, with the development of subsequent complications. Our study documents the occurrence of long-term sequelae after type I FGM. The long duration of symptoms reflects the amount of unnecessary anxiety, shame, and fear these girls and women felt before seeking medical care. Therefore, an increased awareness of long-term complications after type I FGM is necessary.

Epidermal clitoral inclusion cyst after type I female genital mutilation

Abdulrahim A. Rouzi, FRCSC, Othman Sindi, FRCSC, Bandar Radhan, Facharzt, and Hassan Ba’aqeel, FRCSC

Jeddah, Saudi Arabia

http://ipac.kacst.edu.sa/edoc/2004/142869.1-20040300096.pdf

[7] Merkel – „Wir machen uns zur Komikernation“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article108304605/Merkel-Wir-machen-uns-zur-Komikernation.html

[8] Lamya Kaddor, die islamische Religion unterrichtet und bis vor kurzem die vakante Professur an der Universität Münster vertrat, empört eine solche Position. „Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar“, sagt sie. Das Ergebnis sei das Gleiche: eine zeitgemäße Religionspraxis und ein friedvolles Miteinander mit anderen Gruppen. Als Muslima zweifele sie aber „nicht daran, dass stimmt, was im Koran steht“. Quelle: CIBEDO – Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz

http://www.cibedo.de/islamischer_religionsunterricht.html

[9] „Viel zu lang hat der Staat keine klare Position bezogen, viel zu lang haben die muslimischen Verbände diese Auseinandersetzung vermieden und nur emotional reagiert. Es ist für uns Muslime höchste Zeit, den Mut aufzubringen, diese Diskussion innerislamisch zu führen und dabei in Kauf zu nehmen, uns eventuell von dem einen oder anderen unserer Rituale zu verabschieden. Das Vorhaben der deutschen Regierung, kurzfristig eine gesetzliche Regelung zur Legalisierung religiöser Zwangsbeschneidungen von Kindern zu erlassen, setzt da leider genau das falsche Signal.“

Ahmad Mansour. WELT 18.07.2012

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article108321226/Muslime-muessen-endlich-offener-diskutieren.html

[10] Entschieden wehrte sich Schmidt-Salomon gegen die häufig anzutreffende Bagatellisierung der Vorhautbeschneidung: „Zwar ist die Vorhautbeschneidung bei Jungen in ihren Auswirkungen nicht vergleichbar mit der Klitorisverstümmelung bei Mädchen, dennoch handelt es sich, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, um eine höchst unangenehme, schmerzreiche Prozedur, selbst wenn sie unter besten medizinischen Bedingungen erfolgt. Kein Kind sollte dieses Leid erfahren müssen, es sei denn, es liegen eindeutige medizinische Gründe für den Eingriff vor.“ Erwachsene könnten für sich selbst die Entscheidung treffen, ob sie aus religiösen Gründen beschnitten werden möchten, sie dürften diese Entscheidung jedoch nicht für ihre Kinder treffen. „Wenn Bundeskanzlerin Merkel meint, Deutschland mache sich mit einem Beschneidungsverbot zu einer ‚Komikernation‘, zeigt dies nur, dass sie sich mit den Problemen der Zirkumzision nicht ernsthaft beschäftigt hat und religiösen Vorurteilen höheres Gewicht beimisst als dem Kindeswohl.“

http://hpd.de/node/13768

[11] Doron Rabinovici, Süddeutsche 11.07.2012

http://www.sueddeutsche.de/kultur/kritik-an-ritueller-beschneidung-im-hintergrund-schwelen-kastrationsaengste-1.1408075

„Eine Milliarde Moslems werden ebenfalls nicht davon lassen.“

http://www.sueddeutsche.de/kultur/kritik-an-ritueller-beschneidung-im-hintergrund-schwelen-kastrationsaengste-1.1408075-2

Doron Rabinovici, 1961 in Tel Aviv geboren, lebt seit 1964 in Wien. Er ist Schriftsteller, Essayist und Historiker. … 2007 Willy und Helga Verkauf-Verlon Preis des DÖW für österreichische antifaschistische Publizistik [DÖW = Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes]

http://www.rabinovici.at/bio.html

DÖW – Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

http://www.doew.at/

[12] Brigitte Warenski: „Viele Eltern für Beschneidungsverbot“. Tiroler Tageszeitung vom 16.07.2012

http://www.exmuslime.at/%E2%80%9Eviele-eltern-fur-beschneidungsverbot/

[13] Noch heute fühle er sich manchmal ausgeliefert – was ihm schlaflose Nächte bereitet. Kaya will helfen, anderen Kindern dieses Schicksal zu ersparen. Gemeinsam mit der Initiative gegen Kirchenprivilegien machte er Dienstag gegen die Beschneidung von Kindern mobil – womit die deutsche Debatte endgültig nach Österreich übergeschwappt ist.

Kurier vom 17.07.2012

http://kurier.at/nachrichten/4503967-beschneidung-was-ist-mit-piercing.php

[14] Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-Kinderrechtskonvention)

http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/358176/publicationFile/3609/UNkonvKinder1.pdf

[15] Drucksache 17/10331 vom 19.07.2012 (elektronische Vorab-Fassung)

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/103/1710331.pdf

[16] The Federal Sharia Bench declared rajm, or stoning, to be un-Islamic; Zia-ul-Haq reconstituted the court, which then declared rajm as Islamic. …

Pakistan. Zia-ul-Haq’s Islamization. Blasphemy Laws. Description, Penalty.

298A Use of derogatory remarks etc., in respect of holy personages 3 years imprisonment, or with fine, or with both

295B Defiling, etc., of Quran Imprisonment for life

295C Use of derogatory remarks, etc.; in respect of Muhammad Death and fine

http://en.wikipedia.org/wiki/Zia-ul-Haq%27s_Islamization

[17] Ibn Qudamah (may Allah have mercy on him) said, in his book al-Mughni:

Circumcision is obligatory for men, and it is an honour for women, but it is not obligatory for them. This is the opinion of many scholars. (Imam) Ahmad said: For men it is more strictly required, but for women it is less strictly required.“ (al-Mughni 1/70).

Circumcision of the female consists of the removal of a part of the clitoris, which is situated above the opening of the urethra. The Sunnah is not to remove all of it, but only a part. (al-Mawsu‘ah al-Fiqhiyyah 19/28).

In this matter, it is wise to follow the interests of the female: if the clitoris is large, then part of it should be removed, otherwise it should be left alone. This size of the clitoris will vary from woman to woman, and there may be differences between those from hot climates and those from cold climates.

A hadith on the topic of female circumcision has been attributed to the Prophet (Peace and Blessings of Allah be upon Him), according to which he said: „Circumcision is a Sunnah for men, and an honour for women,“ but there is some debate as to the authenticity of this hadith. See Silsilah al-Ahadith al-Da‘ifah by al-Albani, no. 1935.

How circumcision is to be performed is mentioned in the hadith narrated by Umm ‘Atiyah, may Allah be pleased with her, according to which a woman used to perform circumcisions in Madinah. The Prophet (Peace and Blessings of Allah be upon Him) told her: „[La tanhaki (ikhtafidna wa-la tanhikna)] Do not abuse (i.e. do not go to extremes in circumcising); that is better for the woman and more liked by her husband.“ (Reported by Abu Dawud in al-Sunan, Kitab al-Adab; he said this hadith is da’if [ḍaʿīf, weak, schwach]

Islam Q&A

Sheikh Muhammed Salih Al-Munajjid

http://islamqa.info/en/ref/427/circumcision

[18] Sheikh Yusuf al-Qaradawi is the Sunni Islamic world’s foremost Shariah scholar. He is the head of the International Association of Muslim Scholars and European Council for Fatwa and Research [ECFR]. … Qaradawi, who has been described as the Muslim Brotherhood’s spiritual and ideological leader, issued a fatwa asserting that “circumcision is better for a woman’s health and it enhances her conjugal relation with her husband” and that, “ whoever finds it serving the interest of his daughters should do it, and I personally support this under the current circumstances in the modern world.”

http://sheikyermami.com/2012/04/22/female-genital-mutilation-is-part-of-the-sunna-of-the-prophet-part-ii/

[19] Brit Shalom is a non-cutting naming ceremony which replaces Brit Milah (ritual circumcision) for newborn Jewish boys. It is not intended for boys who have previously been circumcised in a hospital. It can be similar to the naming ceremony traditionally used for baby girls. It may be performed by a Rabbi or other experienced lay leader. If desired, celebrants can aid parents in devising their own ceremony. It has also been termed Alternative Brit (or Bris), Brit B’li Milah (Covenant without cutting) and Brit Chayim (Covenant of Life).

Not all the celebrants listed are opposed to Brit Milah. However, they are all committed to providing service to families unwilling to circumcise their sons, by officiating at Brit Shalom ceremonies. This list is continually being updated.

http://www.circumstitions.com/Jewish-shalom.html

JAC, Jews Against Circumcision, is a diverse group of Jews from every english-speaking country on the planet. We range in observance from Secular Jews to Orthodox. We even have some Rabbis in our group. We also consist of people from every socio-economic class and education level.

We have come to realize that mutilating a male’s genitalia in the name of religion is not acceptable. We are not superstitious and uneducated people anymore. No loving God would demand this. It is ridiculous to think so.

As you read through this website, you will see the various arguments: medical, Jewish, sexual, etc. to not circumcise. Please read and think about the content of this website. You’ll be doing a mitzvah.

Brit Shalom, Covenant of Peace, is the only acceptable naming ceremony in the modern age.

http://www.jewsagainstcircumcision.org/

[20] Nach dem Bekanntwerden des Kölner Urteils am 26. Juni, wonach Beschneidung aus religiösen Gründen strafbar sei, handelte der Zentralrat der Juden schneller als die muslimischen Verbände. Noch am gleichen Tag teilte er mit, das Urteil stelle einen „beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“ dar. Der Koordinationsrat der Muslime hingegen war zunächst nicht sprachfähig.

FAZ vom 17.07.2012, Uta Rasche: Lobbyarbeit mit Kollateralnutzen

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-lobbyarbeit-mit-kollateralnutzen-11823361.html

[21] CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR EIN FRIEDLICHES ZUSAMMENLEBEN VON MUSLIMEN UND CHRISTEN IN INDONESIEN

Pfarrerin Ati Hildebrandt Rambe

http://www.bruecke-nuernberg.de/pdf/weltreise/Christen%20und%20Muslime%20in%20Indonesien.pdf

Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen in Nigeria unterstrich Zollitsch während der Begegnung seine Solidarität mit den Christen des afrikanischen Landes. „Ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen ist notwendig. Nigeria ist eine Nation, die zum Dialog aller gesellschaftlichen und religiösen Gruppen fähig ist. Der Alltag ist aber immer wieder gefährdet“, so Zollitsch.

http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=5191

KNA 02.01.2012 — Vatikanstadt (KNA) Papst Benedikt XVI. hat in seiner Neujahrspredigt ein friedliches Zusammenleben der Völker, Kulturen und Religionen der Welt gefordert.

http://www.cibedo.de/sanktegidio119133786366013385620.html

[22] Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Zur Fitra gehören fünf Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Kurzschneiden des Schnurrbarts, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel und das Auszupfen der Achselhaare.

http://islamische-datenbank.de/option,com_buchari/action,viewhadith/chapterno,70/min,20/show,10/

[23] Just after the surgeon, inchibi, cuts the foreskin, he says to the initiate, “Yithi uyindoda,” or “Say: you’re a man!” At which point the initiate shouts, “ Ndiyindoda!” or “I’m a man!” In addition to this verbal recognition of the boy’s status as a young man, the young man also receives a new name. … The first midnight following the circumcision, the abakwetha are woken and sent out of the hut into the dark of the night to bury their foreskin. In Mandela’s words, “The traditional reason for this practice was so that our foreskins would be hidden before wizards [Anm.: Zauberer, Hexenmeister] could use them for evil purposes, but, symbolically, we were also burying our youth.”

The next weeks or months are spent together as abakwetha secluded from regular society in the itonto. During this time of physical healing the young men are brought further into manhood by learning the histories and mysteries of the Xhosa men. During this time of seclusion, the young men are smeared with a white clay or chalk as a symbol of their new purity.

Samuel D. Giere, PhD: “This is my world!” Son of Man (Jezile) and Cross-Cultural Convergences of Bible and World

http://www.wartburgseminary.edu/uploadedfiles/Campus_Community/Faculty_Course_Materials/Giere/S%20D%20Giere%20-%20This%20is%20my%20world%20-%20Son%20of%20Man%20and%20Cross-Cultural%20Convergences%20of%20Bible%20and%20World%20-%20SBL%20-%20Nov%202010.pdf

[24] Kölner Landgericht Az. 151 Ns 169/11

http://adam1cor.files.wordpress.com/2012/06/151-ns-169-11-beschneidung.pdf

[25] Intact men enjoy four times more penile sensitivity than circumcised men, according to the „Fine-touch Pressure Thresholds in the Adult Penis“ article published today in the British Journal of Urology International.

http://www.nocirc.org/touch-test/touchtest.php

P H O T O G A L L E R Y – Introduction to the natural, intact penis

To fully appreciate the damage caused by circumcision, one must understand how the natural, intact penis should look and function. The photos on this page show the way that Nature/God intended the human penis to look and function.

Exterior Appearance of the Natural Penis (Flaccid)

Just as the female genitalia exhibit a wide variety of appearances of the labia and female foreskin (see the book „Femalia“), so too does the male foreskin reveal a wide variety of length, thickness and coloration. In the adult male, the foreskin accounts for 1/3 to 1/2 of the skin system of the penis, or about 15 square inches of erogenous inner and outer foreskin tissue.

http://www.circumcisionharm.org/gallery%20intact.htm

P H O T O G A L L E R Y O F D A M A G E – Page 1

Images here reveal both routine and extraordinary damage from circumcision in infancy or childhood (physical damage only).

It does not account for adverse sexual, emotional/psychological, spiritual or self-esteem outcomes from the physical damage.

While the extremes of male and female genital cutting may differ in the effects upon individuals, one common denominator is the fact that no matter how „serious“ or „minor“ the public may perceive the differences in harm to be, the damage is often an all-consuming issue to the individual who must live with the loss of their inherent genital integrity, especially when the genital loss and scars were imposed on them when they could not consent, refuse or escape.

http://www.circumcisionharm.org/gallery1.htm

http://www.circumcisionharm.org/gallery2.htm

http://www.circumcisionharm.org/gallery3.htm

http://www.circumcisionharm.org/gallery4.htm

http://www.circumcisionharm.org/gallery5.htm

A Gallery of Circumcisions

Hautbrücken 1. Skin-bridges

http://www.circumstitions.com/Restric/Botched1sb.html

Vernarbungen 3. Scarring

http://www.circumstitions.com/Restric/Botched3sc.html

Krampfadern 5. Varicose veins

http://www.circumstitions.com/Restric/Botched5va.html

Edward von Roy

Mönchengladbach

DEUTSCHER BUNDESTAG

Sekretariat des Petitionsausschusses

Berlin

17.09.2012

Pet 4-17-07-451-040847

Herr Kollege Beck, Sie wissen, dass das Bundesverfassungsgericht schon 1968 festgestellt hat, dass Kinder Grundrechtsträger sind, und zwar ohne Einschränkung

Marlene Rupprecht (SPD) am 19. Juli 2012, Plenarprotokoll 17/189

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Vergabe des Aktenzeichens (Petitionsnummer) für meine Petition vom 20. Juli 2012. Sie schreiben:

Zu der von Ihnen vorgetragenen Thematik liegen dem Petitionsausschuss bereits Zuschriften anderer Bürgerinnen und Bürger vor. Ermittlungen hierzu sind eingeleitet worden. Ihre Ausführungen werden in diese Ermittlungen einbezogen und gemeinsam mit den anderen Petitionen beraten.

Der Deutsche Bundestag wird auf Empfehlung des Petitionsausschusses zu diesen Petitionen einen Beschluss fassen, der Ihnen mitgeteilt wird.

Bitte haben Sie Verständnis, dass in diesem Beschluss zu den Zuschriften vieler Bürgerinnen und Bürger nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen werden kann.

Unzufrieden und sehr besorgt bin ich darüber, dass meine Eingabe unter Besonderer Teil des Strafgesetzbuches einsortiert worden ist; hier könnte (Mehrfachpetition bzw. sogar Massenpetition) eine mir unbekannte Leitpetition sozusagen das Gleis, den Kanal bestimmt haben.

Ich habe aber unmissverständlich vom BGB gesprochen, und gar nicht vom StGB:

möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen: § 1631d Verbot der rituellen Genitalmutilation

Ich bitte deshalb hiermit den Petitionsausschuss, meine Eingabe unter BGB / Familienrecht zu verbuchen – und bin da auch sehr gerne Leitpetition. Dann gibt es eben mehrere Leitpetitionen, eine im StGB und (m)eine im BGB und gerne noch weitere.

Ich bin weiterhin etwas verärgert und sehr besorgt, da, wie Sie selbst schreiben: “nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen werden kann”, dass auf meine Argumente wie schafiitische FGM, Jungenbeschneidung bei Xhosa und Aboriginees sowie Scharia-Totalität nicht “eingegangen” werden wird oder dass Elterliche Fürsorge / Inhalt und Grenzen der Personensorge (§ 1631 BGB) zum bloßen “Aspekt” herabgestuft wird, auf den dann nicht “eingegangen werden kann.”

Eine pauschale Ungleichbehandlung von FGM Typ I und Zirkumzision wäre, da grundrechtswidrig, nicht zu akzeptieren; zumal bei einer legalisierten Jungenbeschneidung die “milde Sunna”, wie sie etwa die Assalaam Foundation in Indonesien öffentlich praktiziert, (mit Betäubung) auch in Deutschland statthaft sein müsste.

Der Ethikrat sendet leider auch bereits die grundgesetzwidrigen falschen Signale, nur Reinhard Merkel bleibt fast grundgesetzkonform:

Die frühkindliche Beschneidung ist ein massiver körperlicher Eingriff in die geschützte, verfassungsrechtlich geschützte physische Integrität des Kindes. … Lassen Sie mich ganz deutlich sagen, dass das Recht auf Religionsfreiheit auf gar keinen Fall ein Recht gewährt, unmittelbar in den Körper anderer Personen einzudringen. Es geht ganz primär um das elterliche Sorge- und Erziehungsrecht.

Genau, und über dieses Recht wacht die staatliche Gemeinschaft; und so richtet sich meine Petition auf § 1631 BGB.

Leider mogelt sich Rechtswissenschaftler Merkel im selben Interview dann doch zur umfassenden Betäubung des Kindes durch, dem dann die nur Sekunden eher noch zugestandene körperliche Unversehrtheit im Namen der elterlichen Frömmigkeit, Traditionspflege und (juristisch falsch verstandenen) Fürsorge geraubt werden dürfe.

Der Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie liegt da natürlich falsch und weiß das, und der Bundestag weiß das auch und wird in den nächsten Wochen einen Gesetzentwurf einbringen, der den Zirkumzisionsfreunden Angela Merkel und Volker Beck sowie dem Ethikrat argumentativ folgt. Das Parlament wird dann, so ist jetzt zu befürchten, dem Druck der global und gegenmodern aktiven religiösen Lobbygruppen nachgeben, nicht zuletzt den legalistischen Parteigängern der Scharia.

Dann hätte sich das angeblich vom Himmel herab gekommene, frauenfeindliche und kinderfeindliche Islamische Recht nicht bewegt und das Grundgesetz nachgegeben. Das ist im säkularen Staat zu verhindern.

Zur ebenfalls bleibend grundgesetzwidrigen jüdischen Zirkumzision (Brit Mila) an Neugeborenen möchte der Petitionsausschuss bitte die angefügten drei Quellen Dr. Paul D. Tinari; David B. Chamberlain Ph. D. und Mosheh ben Maimon genannt Moses Maimonides zur Kenntnis nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Edward von Roy

Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Gabi Schmidt

Sozialpädagogin

Q u e l l e n

A neurologist who saw the results to postulated that the data indicated that circumcision affected most intensely the portions of the victim’s brain associated with reasoning, perception and emotions. Follow up tests on the infant one day, one week and one month after the surgery indicated that the child’s brain never returned to its baseline configuration. In other words, the evidence generated by this research indicated that the brain of the circumcised infant was permanently changed by the surgery.

Dr. Paul D. Tinari, Ph. D.

http://www.drmomma.org/2009/10/mri-studies-brain-permanently-altered.html

In a definitive study of the types and degrees of crying during circumcision, psychologists and physicians at Washington University in St. Louis measured cries in exhaustive detail (Porter, Miller, & Marshall, 1986). They discovered that crying correlated with the invasiveness of the surgery. For the thirty babies in the study the frequency of cries shot up from 224 in the ten minutes before restraint, to 1,817 cries during the three minutes of lysis. There were almost as many cries in the following two minutes of clamping, pulling, and cutting.

Detailed sound portraits (spectrograms) of cries at different stages of the operation were easily sorted into separate piles by strangers who did not know what they were looking at. The variation and urgency of cries was obvious to adult judges who were listening. The degree of urgency matched the stages of wsurgical invasiveness and unmistakably represented degrees of infant pain.

Babies Remember Pain

David B. Chamberlain Ph. D.

PRE- AND PERI-NATAL PSYCHOLOGY, Volume 3, Number 4: Pages 297-310, Summer 1989.

http://www.cirp.org/library/psych/chamberlain/

The bodily injury caused to that organ is exactly that which is desired; it does not interrupt any vital function, nor does it destroy the power of generation. Circumcision simply counteracts excessive lust; for there is no doubt that circumcision weakens the power of sexual excitement, and sometimes lessens the natural enjoyment: the organ necessarily becomes weak when it loses blood and is deprived of its covering from the beginning. Our Sages (Beresh. Rabba, c. 80) say distinctly: It is hard for a woman, with whom an uncircumcised had sexual intercourse, to separate from him. This is, as I believe, the best reason for the commandment concerning circumcision. And who was the first to perform this commandment? Abraham, our father! …

This law can only be kept and perpetuated in its perfection, if circumcision is performed when the child is very young, and this for three good reasons. First, if the operation were postponed till the boy had grown up, he would perhaps not submit to it. Secondly, the young child has not much pain, because the skin is tender, and the imagination weak; for grown-up persons are in dread and fear of things which they imagine as coming, some time before these actually occur. Thirdly, when a child is very young, the parents do not think much of him; because the image of the child, that leads the parents to love him, has not yet taken a firm root in their minds. That image becomes stronger by the continual sight; it grows with the development of the child, and later on the image begins again to decrease and to vanish. The parents’ love for a new-born child is not so great as it is when the child is one year old; and when one year old, it is less loved by them than when six years old. The feeling and love of the father for the child would have led him to neglect the law if he were allowed to wait two or three years, whilst shortly after birth the image is very weak in the mind of the parent, especially of the father who is responsible for the execution of this commandment. The circumcision must take place on the eighth day (Lev. xii. 3), because all living beings are after birth, within the first seven days, very weak and exceedingly tender, as if they were still in the womb of their mother; not until the eighth day can they be counted among those that enjoy the light of the world. That this is also the case with beasts may be inferred from the words of Scripture: “Seven days shall it be under the dam” (Lev. xxii. 27), as if it had no vitality before the end of that period. In the same manner man is circumcised after the completion of seven days. The period has been fixed, and has not been left to everybody’s judgment.

The Guide of the Perplexed, Teil III, Kapitel XLIX

Moses Maimonides

Dalālat al-ḥā`irīn, hebräisch als More nevuchim, Führer der Unschlüssigen. Maimonides Hauptwerk entstand ungefähr zwischen dem Jahr 1176 und 1190 oder 1200

http://www.sacred-texts.com/jud/gfp/gfp185.htm

The Guide of the Perplexed, Übersetzung M. Friedländer (1903)

http://www.sacred-texts.com/jud/gfp/gfp185.htm

DEUTSCHER BUNDESTAG

Petitionsausschuss

Pet 4-17-07-451-040847

(Bitte bei allen Zuschriften angeben)

Herrn

Edward von Roy

Mönchengladbach

27.09.2012

Betr.: Besonderer Teil des Strafgesetzbuches

Bezug: Ihre E-Mail vom 18.09.2012

Sehr geehrter Herr von Roy,

für Ihr Schreiben danke ich Ihnen.

Aus arbeitsorganisatorischen Gründen ist eine Änderung der Struktur in Ihrem Sinne leider nicht möglich.

Inhaltlich werden selbstverständlich alle von Ihnen eingebrachten Aspekte geprüft.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

( … )

69 Antworten to “297. Petition für ein Verbot der Beschneidung von Mädchen oder Jungen unter 18 Jahren”

  1. Chronist Says:

    :::

    Europa ist eine humanistische Wertegemeinschaft, die das Recht auf körperliche Unversehrtheit hoch schätzt und gut schützt. Nun hat eine Gericht in diesem Sinne geurteilt, und die Beschneidung eines Jungen genannt, was sie ist: die absichtsvolle Körperverletzung eines Kindes in jüngstem Alter. Es ist gut, dass dieses Urteil endlich da ist. Es sagt: Eine solche Traumatisierung ist nicht hinnehmbar! … Der Skandal ist weder das Urteil noch die öffentliche Debatte darüber, sondern diese Reaktion. In jeder Hinsicht. Die Bundesregierung ist drauf und dran, eine massenhafte Körperverletzung zu legalisieren. Das ist ein Verstoß gegen die Verfassung, gegen das Recht des Kindes und gegen die Gleichbehandlung. Die Beschneidung von Mädchen wird unter Strafe gestellt und richtigerweise als Genitalverstümmelung gebrandmarkt. Die Beschneidung von Jungen hingegen soll ausdrücklich erlaubt werden. Ein Junge erleidet starke, traumatische Schmerzen, unter Umständen gefesselt auf einem Operationstisch. Politiker vergleichen diese Tortur mit dem Stechen eines Ohrlochs. Die Bundesrepublik gibt rechtsstaatlich ein jämmerliches Bild ab. …

    Menschenrechte sind unteilbar! Das ist einer der fundamentalen Sätze des Rechts. Wer anfängt, eine Körperverletzung zu dulden und zu legitimieren, der kann nicht mehr glaubwürdig begründen, wo die Grenze zu ziehen ist. …

    Und deswegen ist nicht einzusehen, warum eine Ohrfeige nicht sein darf, aber am Penis eines Jungen herumgeschnibbelt wird, dass er schwere Schmerzen erleidet. … Eine Körperverletzung wird nicht dadurch besser, dass sie seit langem praktiziert wird. Es gibt nicht wenige Berichte von Männern, die zeigen, wie schmerzhaft Beschneidung ist. Immerhin wird dem Jungen der sensibelste Teil des Penis abgesäbelt, 30 bis 50 Prozent der Vorhaut werden entfernt. Das so genannte gefurchte Band, das dabei verloren geht, ist so tastempfindlich wie das Gewebe der Lippen. …

    In den USA, wo die Beschneidung übliche Praxis ist, sterben mehr Jungen an der Zirkumzision als am plötzlichen Kindstod. Ganz zu schweigen von den 1.000 schwer verletzten Jungen, die jedes Jahr in den USA ihre ganze Eichel verlieren. Beschneidung ist richtig gefährlich – auch dann, wenn sie angeblich kunstgerecht durchgeführt wird. … … mehr noch. Neuerdings zitieren sogar Grünen-Politiker Stellen des Alten Testaments, um Politik zu machen. Ich finde das entsetzlich. Volker Beck zum Beispiel, der als Homosexueller durch althergebrachte religiöse Einstellungen und Gesetze in seiner sexuellen Selbstbestimmung massiv verletzt wird, ausgerechnet dieser Mann zitiert Genesis. Dass er darin wenig Übung hat, sieht man daran, dass die Stelle nicht vollständig wieder gibt. Es heißt dort, „es soll der in deinem Haus geborene und der Sklave sich beschneiden lassen“. Die Sklaven lässt Beck natürlich weg – sonst müsste er womöglich als grüner Innenpolitiker wieder für die Leibeigenschaft sein. …

    Wenn ich Recht sehe, sind nur ein Fünftel der jüdischen Männer beschnitten. Ist das eine Mehrheit? In Deutschland leben also Juden, die nicht beschnitten sind. Wieso überlässt man die Entscheidung nicht den jüdischen jungen Männern selbst? Ein Tattoo darf man sich alleine nur stechen lassen, wenn man 16 Jahre alt ist. Wieso sagt man nicht, die Männer sollen mit 18 entscheiden, was mit ihrem Penis geschieht?

    Das Elternrecht als Grundrecht endet dort, wo es in höherrangige Rechte Anderer eingreift, zum Beispiel das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit.

    aus: Christian Bahls: “Der Staat muss die Schwachen schützen”
    in: der Freitag 17.07.2012

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-staat-muss-die-schwachen-schuetzen

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-staat-muss-die-schwachen-schuetzen

    :::
    :::

    Offener Brief zur Beschneidung „Religionsfreiheit kann kein Freibrief für Gewalt sein“

    21.07.2012 · In der Beschneidungsdebatte appellieren mehr als 100 Mediziner und Juristen an Bundesregierung und Bundestag, die Kinder stärker zu schützen. Hier ist der volle Brief.

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Bundesminister, sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages,

    Sie werden in den kommenden Wochen intensiv über eine gesetzliche Regelung zur Beschneidung von Jungen diskutieren. Diese Debatte hat in der Öffentlichkeit schon begonnen. Sie wird jedoch zunehmend von unwissenschaftlichen Momenten bestimmt. Es wird gefordert, jetzt schnell Rechtssicherheit herzustellen. Doch dieses wichtige Thema darf nicht eilfertig entsorgt werden. Wir setzen uns ein für eine Versachlichung der Diskussion. Kernpunkt ist die Abwägung der Grundrechte auf Religionsfreiheit von Erwachsenen mit dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung sowie die Achtung seiner Würde.

    In diesem Zusammenhang kann die Religionsfreiheit kein Freibrief zur Anwendung von (sexueller) Gewalt gegenüber nicht einwilligungsfähigen Jungen sein. Dies ist für die Zufügung jeglicher Gewalt im Genitalbereich von Mädchen national und international schon lange Konsens. Hinsichtlich der Durchführung medizinisch nicht notwendiger irreversibler Genitalbeschneidungen von Jungen, verbunden mit hohem Risiko für bleibende genitale Beschädigungen und seelische und sexuelle Beeinträchtigungen, muss die öffentliche Debatte und Wahrnehmung offensichtlich noch weiterentwickelt werden.

    Zusammenfassend kann man aus ärztlicher Sicht eindeutig sagen, dass es keine medizinischen Gründe für die Entfernung einer gesunden Vorhaut bei einem gesunden, nicht einwilligungsfähigen kleinen Jungen gibt. Sämtliche angeführten medizinisch-prophylaktischen Gründe (zum Beispiel Prävention sexuell übertragbarer Infektionen) lassen sich – wenn vom Betroffenen gewünscht – durch eine Beschneidung in einwilligungsfähigem Alter realisieren. Die Beschneidung ist auch nicht etwa mit dem Eingriff einer Impfung gleichzusetzen, da es bei einer Impfung um die dem Kind direkt zu Gute kommende Minderung von Gesundheitsrisiken geht.

    Es herrscht eine bemerkenswerte Verleugnungshaltung und Empathieverweigerung gegenüber den kleinen Jungen, denen durch die genitale Beschneidung erhebliches Leid zugefügt wird. Dieses Leid ist mittlerweile in empirischen Studien ausreichend belegt. Mit religiösen Traditionen oder dem Recht auf Religionsausübung lässt sich dies nicht widerspruchsfrei begründen, zumal die Entwicklung der Kinderrechte in den letzten 300 Jahren in diesem Bereich nicht nur exklusiv den Mädchen zu Gute kommen kann. Denn das wäre mit dem Gleichheitsgrundsatz kaum zu vereinbaren.

    Natürlich müssen in der laufenden Diskussion auch die Bedürfnisse, Befürchtungen und Traditionen der beteiligten religiösen Gruppen Berücksichtigung finden. Hier muss auch wechselseitiges Verständnis gefördert werden. Der schwerwiegende Vorwurf jedoch – unter assoziativem Verweis auf den Holocaust – durch ein Verbot der rituellen Jungenbeschneidung würde „jüdisches Leben in Deutschland“ unmöglich werden, ist für Vertreter des Kinderschutzgedankens nicht hinnehmbar. Es geht vielmehr darum, auch jüdisches und islamisches Leben im Rahmen der deutschen Rechtsordnung zu schützen. Als Kinder der Aufklärung müssen wir endlich die Augen aufmachen: Man tut Kindern nicht weh!

    Das haben mittlerweile auch engagierte Gegner der Ritualbeschneidung wie Jonathan Enosch in Israel erkannt. Bei ihnen stieß das Kölner Urteil auf deutliche Zustimmung. Herr Nadeem Elyas, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrates der Muslime, hält beispielsweise den Zeitpunkt aus Sicht des Islam für variabel, eine besonders wichtige Aussage, da die Beschneidung im Alter von 4-6 Jahren aus entwicklungspsychologischer Sicht besonders gravierende psychotraumatische Wirkungen entfalten kann. In diesem Alter erfolgt die Konsolidierung der sexuellen Identität unter dem empathischen Schutz der Eltern. Warum sollte man nicht warten, bis der Betroffene einsichtig zustimmen kann?

    Eine Lösung dieses Konfliktes kann nicht auf der Grundlage von Angst und Zwang erfolgen. Wir Unterzeichnenden bitten Sie als Gesetzgeber deshalb darum, auch den Kinderschutzgedanken und die Bedürfnisse der betroffenen Kinder zur Grundlage Ihrer Entscheidungsfindung zu machen. Wir werben dafür, dass Sie sich in dieser Angelegenheit eindeutig auf der Seite des Kindes positionieren, die Debatte auf wissenschaftlicher und rechtlicher Grundlage führen und Erkenntnisse der Hirn- und Präventionsforschung berücksichtigen. Um eine ausgewogene Lösung zu finden, sollten Sie sich Zeit nehmen für eine Diskussion, die alle Aspekte berücksichtigt. Das Thema Beschneidung ist zu sensibel für politische Schnellschüsse.

    Düsseldorf, den 21.7.2012
    Professor Dr. med. Matthias Franz, Universität Düsseldorf

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/offener-brief-zur-beschneidung-religionsfreiheit-kann-kein-freibrief-fuer-gewalt-sein-11827590.html

    Zu den Mitunterzeichnern gehören beispielsweise

    Christian Bahls, Diplom Mathematiker, 1. Vorsitzender MOGiS e.V. – Eine Stimme der Vernunft (Verband von Opfern sexualisierter Gewalt im Kindesalter)

    Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Georg Dietz, Kinderchirurgische Klinik, Dr. von Haunersches Kinderspital, Klinikum der Ludwig Maximilians Universität München

    Dr. rer. nat. Wolfgang Klosterhalfen, Prof. für Medizinische Psychologie (nicht mehr aktiv)

    Dr. Sabine Müller, Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Prof. Dr. Holm Putzke, Universität Passau

    Dr. phil. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung

    Prof. Dr. Maximilian Stehr, Ludwig-Maximilians-Universität München

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  2. Kalevala Says:

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    Dagegen unterstützt der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, das Kölner Urteil. „Das ist ein klares Signal zum Schutz des Kindes“, sagte Ehrmann dem Magazin. „Nur weil etwas religiöse Tradition ist, heißt es noch lange nicht, dass es gut ist.“

    http://www.welt.de/newsticker/news3/article107612678/Juden-und-Muslime-gegen-Kompromiss-bei-Beschneidung.html

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    Die Entfernung der Vorhaut ohne entsprechende Indikation ist aus medizinischer Sicht eine sehr belastende und irreversible Operation.

    Es existieren zahlreiche Studien zu diesem Thema, die keine Evidenz für eine Gesundheitsdienlichkeit als mögliche Rechtfertigung dieses Eingriffs zeigen konnten. Die Zirkumzision ist eine schmerzhafte Operation, die wie jeder andere chirurgische Eingriff mit Risiken behaftet ist. …

    Das Gericht hat in Korrektur der bisherigen Rechtsprechung jedoch den Eltern keinen strafbefreienden Rechtfertigungsgrund für diese Körperverletzung wegen einer religiösen Tradition zugebilligt. Mit dieser Einschätzung bewegt sich das Gericht zum einen auf dem Boden des Grundgesetzes: Die Bestimmungen des Art. 2, die die körperliche Unversehrtheit der Kinder gewährleisten, sowie die des Art. 6, die dem Staat das Wächteramt über die elterliche Erziehung zubilligen, kommen hier zur Anwendung.

    Daneben hat Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, die in Artikel 24 dazu verpflichtet, dass alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen getroffen werden, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen. Wenn die Kritiker nun eine unzumutbare Einschränkung der Religionsfreiheit monieren, dann geht schon die Begrifflichkeit fehl, denn es handelt sich um die Einschränkung einer durch die Tradition begründeten Ausübung ihrer Religion zulasten ihrer Kinder. Die Eltern entscheiden sich unter Berufung auf ihre Religion für eine irreversible Körperverletzung ihres Kindes, das nicht in der Lage ist, eigenverantwortlich und selbstbestimmt darüber zu entscheiden, ob es in diese gravierende lebenslange Einschränkung wegen der Religionszugehörigkeit seiner Eltern einwilligt.

    Konsequent angewandt, würde diese Argumentation dazu führen, auch andere Formen der Körperverletzung von Kindern zuzulassen. … Das Recht von Kindern auf eine unbeschadete Kindheit sollte als Grundkonsens über allen Religionsgemeinschaften und Wertvorstellungen stehen. Die Verschiebung der Beschneidung in das Erwachsenenalter könnte ein Weg dahin sein.

    Gastkommentar
    Beschneidung ist Körperverletzung und gehört verboten
    05.07.2012
    Von Georg Ehrmann

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-beschneidung-ist-koerperverletzung-und-gehoert-verboten/6837500.html

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  3. Querverweis Says:

    Bei all meinen Besuchen in dem Salon, sei es um meine Haare von ihm schneiden zu lassen, oder um meinen Großvater dorthin zu begleiten, weil der Salon für ihn ein Treffpunkt war, hatte ich gemischte Gefühle. Einerseits ein angenehmes, andererseits ein beängstigendes Gefühl. Angenehm, weil ich es schön fand, dorthin zu gehen, um meine ersten Zuhörer zu begeistern. Denn die alten Leute, die dort zum Plaudern saßen, entdeckten früh meine Lust zu erzählen. Dorthin zu gehen, bedeutete für mich eine Gelegenheit, meine Erzählungskünste auszuprobieren, Geschichten zu erzählen, die in der Mehrzahl von mir erfunden wurden, was bei den Greisen erstaunlicherweise auf Aufmerksamkeit stieß, ja ihnen sogar Freude bereitete. Andererseits hatte ich immer Angst, dass mir passieren würde, was zwei meiner Onkel väterlicherseits passiert ist. Sie starben kurz nach ihrer Beschneidung. Und bei wem? Bei Qâsim. …

    Klar, weder meine Großeltern, noch jemand anderer sprach von Qâsims Schuld am Tod meiner Onkel. Man sagte, sie seien an Entzündungen gestorben, sie hätten Fieber gehabt und schließlich war dies der Wille Gottes und nicht etwa die unhygienischen Bedingungen ihrer Beschneidung, oder die nicht desinfizierten, ja primitiven Geräte. Ich war noch nicht beschnitten, als mein Großvater mich zum “Barbiersalon Qâsim” mitnahm und hatte Angst, dass ich zur Beschneidung bei ihm lande. Damals wusste ich nicht, dass er dies gar nicht mehr betreiben durfte. …

    Ich wusste, dass ich früher oder später beschnitten werden musste, aber trotzdem war ich überrascht und bedauerte den drohenden Verlust meiner Vorhaut, mit der ich vor meinen Freunden angegeben hatte. Ich fühlte mich anders, und auf dieses Privileg wollte ich nicht verzichten. Aber ich musste beschnitten werden. Es gab keinen Ausweg. An jenem Abend fragte ich meinen Vater, ob der Arzt mich betäuben würde, und er antwortete, dass dies selbstverständlich sei. Doch der Arzt betäubte mich nicht. Ich erinnerte mich noch heute an die Szene: Als ich auf dem Bett lag, ergriff mein Vater mich bei den Armen, ein Kumpel meines Vater bei den Beinen, und dann begann auch schon die Schere des Arztes an meiner Vorhaut herumzuschnippeln. Die Küsse meines Vaters waren der einzige Trost. Aber nein, es war keine Beschneidung, es war meine erste Begegnung mit der Folter. Ich habe geschrien, aber vergeblich. Mein Schrei ging in den Tränen unter, die mir über das Gesicht liefen.

    Und dann sah ich ihn: An der herabbaumelnden Kette des Arztes sah ich einen ans Kreuz genagelten Christus hängen. Mein Schmerz ließ nach, als ich an die Nägel dachte, die den gekreuzigten Körper vor mir durchbohrten, denn ich spürte nur einen einzigen Nagel, der meinen Penis zerfetzte. Plötzlich wurde mir bewusst, dass der Mann Sûrîn Salîbâ war, der bekannteste christliche Chirurg der Stadt. War Sûrîn ein Judas? Oder sah Sûrîn einen Judas in meiner Vorhaut?

    Ich fand viele Jahre keine Antwort auf diese Fragen, aber eine Gewissheit überwältigte mich an jenem Abend: Um Gott zu gefallen, musste ich gequält werden – auf der Liege in Doktor Sûrîns Praxis. Das war für mich der Moment, in dem die Religionen einander zu ähneln begannen, und es fiel mir ab da zunehmend schwerer, sie auseinanderzuhalten. Alles hatte sich unter meinen Schenkeln gesammelt und sie besudelt. In jenem Moment wurde mir bewusst, dass jede Macht auf Angst und Folter basiert, und als Sûrîn meine Vorhaut durchtrennte, kappte er meinen Bezug zu allen Religionen und zu jeder Art von Macht. …

    Ich kannte “K” seit meiner Jugend, seit der Universitätszeit in Bagdad. Er hatte zweimal geheiratet. Das erste Mal im Irak. Das zweite Mal in seinem Londoner Exil. Seine erste Frau, die Irakerin, blieb nicht lange bei ihm. Nach einem Jahr “glücklicher” Ehe nach außen, aber “der Hölle” in den vier Wänden, ließ sie sich scheiden. Seine zweite Frau, die Engländerin, lief ihm ebenfalls weg. Erst nach zwei Jahren – immerhin. Bei beiden Scheidungen war Sex der Grund. “K” hatte immer Probleme beim Sex. Er konnte mit keiner Frau richtig schlafen. Der Sexualakt verwandelte sich für ihn stets in ein Höllenszenario. Immer, wenn er es wieder versuchte, ist er gescheitert. Er ist noch später beschnitten worden als ich, erst mit 13 Jahren. Zwei Jahre musste er nachbehandelt werden. Ein Stück der Vorhaut ist zurückgeblieben. Er musste erneut beschnitten werden, zweimal. Danach war die Wunde entzündet. Er litt auch beim Urinieren, ein Brennen hat ihn sein Leben lang begleitet. Es ist diese Angst, die wie ein Graveur seine Marke hinterließ, in seiner verstümmelten Seele.

    Und es ist diese Angst, die bei ihm zu einer Art Kastration geführt hat. Dabei sprach “K” nie von sich selbst. Er sprach natürlich im Namen von vielen beschnittenen Männern. Viele, die spät beschnitten worden sind, leiden unter dem gleichen Gefühl. Sie fühlen sich wie kastriert, weil sie mit eigenen Augen sehen mussten, wie man ihre männliche Zone verletzt, ja verstümmelt. Es ist ein nicht zu überwindendes Trauma bei vielen, über das sie nicht offen reden wollen/können/dürfen/sollen.

    So diktiert es ihnen auf jeden Fall die herrschende Doppelmoral der Religion, seien sie Muslims, seien sie Juden. Deshalb reden sie weder über dieses Erlebnis noch über Sexualität. Früher musste man vier Frauen heiraten, um zu beweisen, dass man ein richtiger Mann ist. Heute entdeckte man die Waffe als Ersatz für seine kastrierte Sexualität. Gewalt und Sexualität gehören zusammen.

    Najem Wali

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2012%2F07%2F04%2Fa0103&cHash=b471a65ca1

  4. Querverweis Says:

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    Der Kinderschutzbund Baden-Württemberg hat das Urteil zur Strafbarkeit der Beschneidungen von Jungen begrüßt. «Der Richterspruch entspricht der UN-Kinderrechtskonvention», sagte die Landeschefin Iris Krämer der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Stuttgart.

    Das Landgericht Köln hatte die religiöse Beschneidung von Jungen als rechtswidrig und strafbar erachtet. Krämer sagte, Kinder hätten das Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf Selbstbestimmung. Das Entfernen der Vorhaut bei Jungen verstoße dagegen, zumal die dafür vorgebrachten hygienischen Argumente heute keine Rolle mehr spielten. Das Urteil müsse dazu führen, dass die Kinderrechte rasch im Grundgesetz verankert würden.

    Die Jungen könnten bei Erreichen der Volljährigkeit selbst entscheiden, ob sie den Eingriff wünschten. Die Religionsfreiheit werde davon in keiner Weise beeinträchtigt: «In unserem Land kann jeder glauben, was er will.»

    Kinderschutzbund
    27.06.2012

    http://www.suedkurier.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/badenwuerttemberg/Kinderschutzbund-begruesst-Urteil-zu-Beschneidungen;art330342,5569147

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    Offenbar wollen führende Politiker von CDU, FDP, SPD und Grünen mit einer schnellen Resolution und einer schnellen gesetzlichen Regelung einer Grundsatzdebatte aus dem Weg gehen, die für die Befürworter dieser rituellen Praxis höchst unwillkommen wäre. Immerhin spricht sich eine klare Mehrheit in Deutschland gegen die religiös begründete Beschneidung von Jungen aus, die Mehrheit der Bevölkerung ist also der Auffassung des Landgerichts Köln. Dies spricht leider Bände über die demokratische Kultur mancher Spitzenpolitiker, der Politikverdrossenheit wird auf diese Weise gewiss nicht vorgebeugt. …

    Die deutsche Geschichte und das schwer belastete und besondere Verhältnis zur jüdischen Religionsgemeinschaft verpflichtet uns zwar, sehr sorgsam und rücksichtsvoll diese Religionsgemeinschaft zu achten und zu schützen. Das darf aber nicht zur Folge haben, dass wichtige Grundrechte wie der Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Kindern leichtfertig beiseite gewischt werden, wenn sie einzelnen Traditionen der Religionsgemeinschaft entgegenstehen. Es ist umso bedauerlicher (wenn auch leider erwartbar), wenn Kritiker der religiös motivierten Beschneidung sogleich in die antisemitische Ecke gestellt werden. Das tut der Sache selbst und vor allem dem Niveau der Auseinandersetzung keinen Gefallen. …

    Unser Bundessprecher Horst Isola hat für uns SPD-Laizisten am 28. Juni eine Presseerklärung abgegeben, die wir hier zur Vervollständigung der kleinen Dokumentation des Themas nochmals wiedergeben:

    „Die SPD-Laizisten begrüßen das Urteil des Landgerichts Köln, Beschneidungen aus religiösen Gründen für strafbar zu erklären.

    Endlich machen sich deutsche Gerichte daran, die Reichweite der Glaubensfreiheit neu zu vermessen. Die Empörung des Zentralrats der Juden verkennt, dass das Grundgesetz kein Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften anerkennt, sondern nur ein Selbstverwaltungsrecht „innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes“ (Artikel 140 Grundgesetz in Verbindung mit Artikel 137 Weimarer Verfassung). Das bedeutet, dass auch Religionsgemeinschaften die für jedermann geltenden Strafvorschriften zu beachten haben. Unsere Rechtsordnung gibt ihnen nicht das Recht, sich unter Berufung auf religiöse Vorschriften oder Rituale ein eigenes – göttliches – Recht zu schaffen und zugleich gegen fundamentale Grundrechtsvorschriften wie die körperliche Unversehrtheit zu verstoßen. Dies ist umso verwerflicher, als im vorliegenden Fall Opfer Kleinkinder sind, die sich nicht wehren können und womöglich für ihr ganzes Leben durch einen solche Eingriff, wie ihn die Penisbeschneidung darstellt, traumatisiert werden.“

    Im April 2012 hatte sich Manula Schwesig noch für die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz ausgesprochen. Sie forderte, die Bundesregierung müsse „endlich den Weg freimachen, damit Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen werden können. Kinder sollen ausdrücklich als Träger von Grundrechten benannt werden und nicht nur im Rahmen der Elternrechte.“ Konsequenterweise hätte man danach auch das Kölner Urteil begrüßen müssen, geht es doch hier um genau diesen Vorrang der Grundrechte der Kinder. Nun scheint das alles nicht mehr zu gelten und die Grundrechte von Kindern auf körperliche Unversehrheit werden archaischen religiösen Riten untergeordnet.

    Nachdem Aydan Özuguz (die für den Stellvertretenden Parteivorsitz der SPD kandidiert) sich für den Parteivorstand scharf von unserer Erklärung distanziert hat, haben wir auch hierauf reagiert. Dazu sei hier auf die Pressemitteilung von Nils Opitz-Leifheit und Oliver Lösch verwiesen.

    Nils Opitz-Leifheit und Amardeo Sarma

    http://www.laizistische-sozis.eu/inhalte-menu/dokumentation/97-schluss-beschneidung

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    17. Juli 2012
    Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit wiegt schwerer als Religionsfreiheit der Eltern!

    Zur Pressemitteilung der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Aydan Özuguz vom 16. Juli 2012 erklärt der BundessprecherInnenkreis der SPD-LaizistInnen:

    Wir halten die schnelle und eindeutige Festlegung der SPD-Spitze zu Gunsten einer umfassenden Legalisierung von Beschneidungen an männlichen Kindern aus religiösen Gründen für verfehlt. Anstatt Schnellschuss-Politik zu betreiben, wäre es bei diesem höchst sensiblen und ethisch wie juristisch höchst komplexen Thema angebracht, alle Argumente sauber abzuwägen und Vertreter der unterschiedlichen Positionen angemessen einzubeziehen.

    Es ist erschreckend, wie leichtfüßig viele Parteiführungen, und leider auch die SPD-Spitze, die Religionsfreiheit von Eltern über das fundamentale Recht von Kindern auf körperliche Unversehrtheit und auf religiöse Selbstbestimmung stellt und dabei die schwerwiegenden Bedenken zahlloser Fachmediziner, Juristen, Kinderschutzorganisationen und auch die Haltung einer Mehrheit der Bevölkerung beiseite wischt.

    Wir laizistischen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten achten das Grundrecht der Kinder höher als die Religionsfreiheit, die kein Persilschein für die Misshandlung von Kindern sein darf.

    Da die Parteispitze sich hier, wie auch in anderen Fragen mit Religionsbezug, in einer Minderheitenposition innerhalb der Partei und Gesellschaft befindet, sehen wir der inhaltlichen Auseinandersetzung zu diesem Thema in den kommenden Jahren gelassen entgegen.

    Oliver Lösch, Nils Opitz-Leifheit
    Bundessprecher

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  5. Kalevala Says:

    Warum kämpfen Sie gegen die Beschneidung?

    Weil sie ein Akt der Vergewaltigung ist. Sie wird einem wehrlosen Kind, ohne dass es selbst darüber entscheiden kann, aufgezwungen. Würde man die Jungen erst im Alter von 13 Jahren beschneiden, dann würden sich sicher viele dagegen wehren.

    Haben Sie einen Überblick darüber, wie viele israelische Familien ihre Kinder nicht beschneiden lassen?

    Als wir vor 20 Jahren anfingen, uns zu organisieren, waren es ein paar Dutzend Familien. Heute reden wir von zwei Prozent der jüdischen Bevölkerung. …

    Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Kinderärzten oder Lehrern gemacht?

    Tatsache ist doch, dass sich ganz viele unwohl mit der Beschneidung ihrer Kinder fühlen. Sie wissen, dass Sie hier einen Pakt mit dem Teufel eingehen. Sie fahren am Sabbat mit dem Auto, essen Schweinefleisch, aber dafür geben sie ein kleines Opfer.

    Wie hat Ihre Familie damals reagiert?

    Meine Exfrau und ich sind regelrecht boykottiert worden von meinen Eltern. Ich habe von Familien gehört, wo die Großeltern drohten, das Kind zu entführen, um es beschneiden zu lassen. Die Familien üben großen Druck aus und beharren auf die Zeremonie.

    Was sagen Sie zu dem Argument, dass die Beschneidung gesundheitsfördernd ist?

    Das ist die größte Absurdität. Da wird ein gesundes Baby ohne jede Notwendigkeit operiert. Warum? Weil die Operation angeblich künftige Krankheiten verhindert. Nach derselben Logik müssten sich Frauen ihre Brüste amputieren lassen, um nicht an Krebs zu erkranken. Die Beschneidung ist das am häufigsten akzeptierte Verbrechen in der Geschichte der Welt.

    Jonathan Enosch
    taz 17.07.2012

    http://www.taz.de/!97492/

  6. Kalevala Says:

    :::

    Vorschläge für eine gesetzliche Regelung

    Voraussichtlich bis zum Herbst soll die Bundesregierung den Entwurf für ein Gesetz vorlegen, das die Zulässigkeit von Beschneidungen sicherstellt. Welcher Weg dabei eingeschlagen werden soll, wird bereits diskutiert. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), deren Haus derzeit verschiedene Möglichkeiten prüft, mahnte jedoch zur Geduld – mit einem „Schnellschuss“ sei niemandem gedient, ein Gesetz bedürfe „intensiver Vorbereitung“.

    Das Justizministerium kündigte an, in seine Überlegungen einen Vorschlag von Serkan Tören einzubeziehen. Der FDP-Abgeordnete schlägt vor, die Zirkumzision im neuen Patientenrechtegesetz zu regeln, und stützt sich dabei auf das Argument, dass der Bundestag im Herbst ohnehin mit dem vom Kabinett beschlossenen Patientenrechtegesetz befasst sein wird. In einem Brief an die Ministerin wandte sich Tören dagegen, Beschneidungen im Strafgesetzbuch oder nach schwedischen Vorbild durch ein Spezialgesetz zu regeln. Im einen Fall würde die Beschneidung in die Nähe von Straftaten gerückt, im anderen Fall über das notwendige Maß hinaus reglementiert.

    Ein weiterer Vorschlag stammt vom Göttinger Staatskirchenrechtler Hans Michael Heinig, der die Sache im Unterschied zur Justizministerin für eine „vergleichbar einfache Frage“ hält, bei der auch „Schnellschüsse“ durchaus zum Ziel führen könnten. Es genüge die Einfügung eines Paragraphen 3a in das Gesetz über die religiöse Kindererziehung, das aus zwei Sätzen besteht: „Die elterliche Sorgeberechtigung in religiösen Angelegenheiten umfasst auch die Einwilligung in eine von medizinisch qualifiziertem Personal de lege artis durchgeführte Zirkumzision, wenn eine solche nach dem religiösen Selbstverständnis der Sorgeberechtigten zwingend geboten ist. Im Falle einer Vormundschaft oder Pflegschaft findet § 3 Abs. 2 Anwendung.“

    Damit, so Heinig, wäre gewährleistet, dass nicht nur, wie im Islam üblich, Ärzte den Eingriff ausführen dürfen, sondern auch ein jüdischer Beschneider. Denkbar sei, dass sich dieser sogenannte Mohel von einer Ärztekammer zertifizieren ließe. Heinig rät davon ab, sich im Gesetzestext mit der Frage der Betäubung zu beschäftigen, wie Familienministerin Kristina Schröder (CDU) gefordert hat. Man solle vielmehr darauf setzen, dass sich eine Lehrmeinung in der Medizin ausbilde, was „de lege artis“ bei einer Beschneidung meine. Über Gutachten könnte diese dann in die Rechtssprechung einfließen.

    Den Vorteil gegenüber der von Tören vorgeschlagenen Regelung im Patientenrechtegesetz erkennt Heinig darin, dass es bei der Beschneidung weniger um die Regelung des Verhältnisses zwischen Arzt und Patienten gehe, sondern vor allem um die Reichweite des elterlichen Sorgerechts. (bin.)

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-gesetzentwurf-bis-zum-herbst-11823355.html

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    Gesetz über die religiöse Kindererziehung
    KErzG

    Ausfertigungsdatum: 15.07.1921
    Vollzitat:

    „Gesetz über die religiöse Kindererziehung in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 404-9, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 63 des Gesetzes vom 17. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2586) geändert worden ist“
    Stand: Zuletzt geändert durch Art. 63 G v. 17.12.2008 I 2586

    § 3
    (1) Steht dem Vater oder der Mutter das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen, neben einem dem Kind bestellten Vormund oder Pfleger zu, so geht bei einer Meinungsverschiedenheit über die Bestimmung des religiösen Bekenntnisses, in dem das Kind erzogen werden soll, die Meinung des Vaters oder der Mutter vor, es sei denn, daß dem Vater oder der Mutter das Recht der religiösen Erziehung auf Grund des § 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuchs entzogen ist.
    (2) Steht die Sorge für die Person eines Kindes einem Vormund oder Pfleger allein zu, so hat dieser auch über die religiöse Erziehung des Kindes zu bestimmen. Er bedarf dazu der Genehmigung des Familiengerichts. Vor der Genehmigung sind die Eltern sowie erforderlichenfalls Verwandte, Verschwägerte und die Lehrer des Kindes zu hören, wenn es ohne erhebliche Verzögerung oder unverhältnismäßige Kosten geschehen kann. Der § 1779 Abs. 3 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs findet entsprechende Anwendung. Auch ist das Kind zu hören, wenn es das zehnte Lebensjahr vollendet hat. Weder der Vormund noch der Pfleger können eine schon erfolgte Bestimmung über die religiöse Erziehung ändern.

    http://www.gesetze-im-internet.de/kerzg/BJNR009390921.html

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  7. Widderhorn Says:

    Vielen Dank, Deutschland! Demonstration, Vancouver

    In celebration of a recent court ruling in Germany that emphatically and clearly states that non-therapeutic infant/child circumcision is a gross violation of fundamental human rights and considered a criminal assault, human rights advocates will be convening outside the German consulate on Thursday July 26th 2012 from 3:00 – 4:00 pm to express our thanks on behalf of the children in Germany who cannot speak for themselves.

    http://www.intactnews.org/node/176/1342565329/vielen-dank-deutschland-demonstration-vancouver

    Das Kölner Gerichtsurteil gegen die Beschneidung von Jungen hat zu überraschender Unterstützung in New York geführt. Vor dem deutschen Generalkonsulat baute sich am Freitag ein Häufchen jüdischer Demonstranten auf – um Zustimmung zu dem Urteil zu signalisieren. Im Ausland hatte es bisher vor allem Kritik an dem Richterspruch gegeben, in dem viele Juden und Muslime eine Einschränkung der Religionsfreiheit sehen.

    „Wir sind für eine Genitalautonomie“, sagte Jonathan Friedman, der ein T-Shirt mit dem Aufdruck „I love my foreskin“ („Ich liebe meine Vorhaut“) trug. „Eine Beschneidung ist ein erheblicher Eingriff. Der wird millionenfach bei kleinen Kindern vorgenommen, die sich nicht wehren können, aber ihr ganzes Leben davon beeinflusst werden.“ Seine Gruppe habe gut 30 Mitglieder, sagte Friedman.

    New York: „Ich liebe meine Vorhaut“: US-Demonstranten finden Beschneidungs-Urteil gut – weiter lesen auf FOCUS Online:

    http://www.focus.de/politik/deutschland/beschneidungs-urteil-findet-in-new-york-befuerworter-demonstranten-fordern-autonomie-fuer-die-genitalien_aid_781814.html

  8. Kalevala Says:

    Manche Befürworter des Brith nennen ästhetische Gründe, ohne Vorhaut sei der Penis schöner. Aber warum soll ich meinen Sohn deshalb beschneiden lassen? Das wäre so absurd wie eine Brustvergrößerung bei einem Mädchen. Andere, wie Rabbiner Ben Jaakov Ben Asher aus dem 13. Jahrhundert, heben die spirituelle Dimension hervor: „Wer sich nicht beschneidet, kommt nicht ins Paradies, auch wenn er die Tora studiert und gute Taten vollbringt“, schrieb er. Aber Wegbeschreibungen in den Himmel machen mich immer skeptisch. Wie oft folgten islamistische Selbstmordattentäter in meiner Nachbarschaft den Weisungen ihrer eigenen „paradiesischen Reiseführer“ – um in einer Rauchwolke zu enden?

    Michael Goldberger, ein Züricher Rabbiner, versuchte mich zu überzeugen. Goldberger sagte: Wer seine Vorhaut abtrenne und die empfindsame Eichel offenbare, mache auch sein Herz für die Außenwelt empfänglicher. Wie der Weizen von Spreu getrennt und verarbeitet werden müsse, bevor er zu Brot werde, obliege es dem Menschen, sich selbst zu vervollkommnen.

    Der berühmte mittelalterliche Arzt und Gelehrte Moses Maimonides sah das ganz anders. Er schrieb im 12. Jahrhundert im „Führer der Unschlüssigen“ (Teil III, Kap 49), ein Grund für die Beschneidung sei „der Wunsch, den Geschlechtsverkehr auf ein Minimum zu reduzieren und dieses Organ zu schwächen, damit (der Mann) es weniger treibt und sich nach bestem Vermögen zurückhält“. Es gehe nicht darum, den Körper, sondern den Charakter zu vervollkommnen. „Der physische Schaden ist das beabsichtigte Ziel“, schreibt Maimonides. Keine Vorhaut, keine Ausschweifungen. …

    Zwei Argumente machen mir eine Abkehr vom Brith schwer: Das eine gilt für die Diaspora, das andere für Israel, und sie widersprechen sich. Noch jeder israelische Freund warnte mich vor gesellschaftlichen Konsequenzen, sollte ich die Vorhaut meines Sohnes nicht abtrennen lassen. Wie stünde mein Knabe in Kindergarten, Schule oder Armee da, wenn im Klo oder in der Dusche seine Eichel verdeckt bliebe? Muss mein armes Kind am Ende den Preis zahlen für meine Entscheidung?

    Ich war als Kind der einzige Jude auf einer deutschen Schule, doch das andersartige Anhängsel zwischen meinen Beinen war nie Gesprächsstoff oder Auslöser eines Problems. Keiner der wenigen unbeschnittenen Israelis, mit denen ich sprach, berichtete mir von Traumata, Hänseleien oder Diskriminierung – im Gegensatz zu denen, die mit dicken Brillen oder Zahnspangen in den Kindergarten kamen.

    Am meisten sympathisiere ich mit dem Dilemma der Diaspora. Für mich, der nach Israel auswanderte und dort unter Juden lebt, ist es leicht sicherzustellen, dass meine Kinder ihr Judentum auch für weitere Generationen bewahren werden. Andernorts ist dies eine gewaltige Herausforderung. Die Versuchungen sind vielfältig, der Assimilationsdruck ist groß. Was ist leichter und andauernder als durch den kleinen, wenig traumatischen Eingriff sicherzustellen, dass mein Sohn sich mehrmals täglich beim Pinkeln seine Wurzel und eine Erinnerung an seine Herkunft vor Augen und in Händen hält?

    Doch dieses Argument degradiert Zugehörigkeit zu einem sofort löslichen Begriff, einem Instant-Kniff, der es uns ersparen soll, Liebe zur jüdischen Tradition durch geduldige Erziehung und das Vorangehen mit eigenem Beispiel zu wecken. Den meisten von uns ist es bequemer, beim Fest des Brith Shrimps zu servieren, als den Schabbat einzuhalten.

    Das Urteil der Kölner Richter macht es Juden wie mir nicht leichter. Es erinnert an die Beschneidungsverbote des Seleukidenkönigs Antiochos Epiphanes oder des römischen Kaisers Hadrian. Die waren Inkarnationen des Bösen. Sie wollten nicht die Rechte jüdischer Kinder bewahren, sondern das Judentum auslöschen. Hunderttausende Märtyrer ließen damals für die Aufrechterhaltung unseres Brauchs das Leben.

    Kann man den toten Helden ausgerechnet jetzt den Rücken kehren? Kann man den Wunsch, seinen Sohn nicht zu beschneiden, anders interpretieren als Verrat?

    Das Urteil der nichtjüdischen Richter in Köln sollte Anlass für zwei urjüdische Akte sein: nachdenken und diskutieren. Wir brauchen keine Rechtssicherheit, sondern eine Denkpause. Juden sollten die kommenden 15 Jahre in Deutschland nutzen, um sich zu vergegenwärtigen, warum sie ihre Söhne beschneiden: ob sie das wirklich wollen oder nur aus Angst davor tun, anders zu sein. Die Feier des Brith am achten Tag nach der Geburt könnte ein wichtiger symbolischer Akt werden, in dem der Vater nicht seinen Sohn zu seiner Religion verdonnert, sondern sich selbst dazu verpflichtet, ihm ein bedeutungsvolles Judentum vorzuleben und zu übermitteln.

    Wenn meine Erziehung zum Judentum dazu führt, dass mein Sohn eines Tages als mündiger, überzeugter Jude von seinem Vater fordert, ihn endlich zu beschneiden, dann werde ich seinen Wunsch erfüllen, mit Liebe, Stolz und Schmerz. Aber nicht früher.

    aus: Unsere seltsame Tradition
    FAZ 21.07.2012
    Von Gil Yaron

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidungsdebatte-unsere-seltsame-tradition-11827726.html

  9. Kalevala Says:

    Plenarprotokoll 17/189
    Deutscher Bundestag
    Stenografischer Bericht
    189. Sitzung
    Berlin, Donnerstag, den 19. Juli 2012

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/17/17189.pdf
    g e k ü r z t

    Dr. Günter Krings (CDU/CSU):
    Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit dem heutigen Antrag, den wir gleich beschließen wollen, wollen wir nicht weniger, als ein klares Signal an die jüdischen und muslimischen Gemeinden in Deutschland zu geben, dass jüdisches und muslimisches Leben insbesondere in Deutschland weiterhin nicht nur möglich ist, sondern auch nicht unzumutbar erschwert wird.
    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
    Die Beschneidung von Jungen muss deshalb weiterhin straffrei möglich sein, wenn das der Elternwille ist, wenn sie medizinisch fachgerecht erfolgt und wenn sie ohne unnötige Schmerzen erfolgt. Ich sage für mich persönlich: Das heißt für mich, dass sie mit einer angemessenen Anästhesie erfolgt.
    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
    Meine Damen und Herren, der Antrag, der Ihnen vorliegt und in der Tat in sehr kurzer Frist zusammengestellt worden ist, ist das Ergebnis einer Abwägung verschiedener Grundrechte, zum einen natürlich der körperlichen Integrität und der Religionsfreiheit des Kindes, zum anderen der Religionsfreiheit der Eltern, des Persönlichkeitsrechts und vor allem des Elternrechts selbst.
    Ich bedanke mich deshalb sehr bei den Kolleginnen und Kollegen, die das in dieser Woche gemeinsam mit mir erarbeitet haben. Ich bedanke mich bei dem Koalitionspartner, der FDP, und auch bei der SPD. Bis zuletzt hatten wir die Hoffnung, dass auch die Grünen bei diesem Antrag dabei sein würden, zumal es – das will ich schon festhalten – gerade die Fraktionsvorsitzende der Grünen war, die Frau Künast, die ich hier jetzt leider nicht mehr sehe, die in der letzten Woche sehr viel Druck bei diesem Thema gemacht hat.
    (Thomas Oppermann [SPD]: Wo ist sie eigentlich?)
    So berichtete etwa die Süddeutsche Zeitung vom Freitag vergangener Woche von Vorschlägen, erst einmal höhergerichtliche, obergerichtliche Entscheidungen in der Sache abzuwarten. Zitat aus der Süddeutschen Zeitung:
    Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, bemängelte, dies dauere zu lange. Nötig sei eine rasche gesetzliche Regelung.
    Genau das fordern wir mit diesem Antrag ein. Genau dem wollen wir mit diesem Antrag den Weg bereiten. Umso ärgerlicher ist es, dass sich die Grünen daran nicht mehr gebunden fühlen. Es ist vielleicht aber auch für künftige Dinge ganz hilfreich, dass wir jetzt einmal festhalten, dass man erst einmal selbst, bevor man die Regierung lautstark zum Handeln auffordert, in der eigenen Fraktion überlegt, welches Handeln man denn überhaupt haben möchte.
    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
    Ich will allerdings auch sehr deutlich machen, dass wir mit diesem Antrag die Praxis, das Ritual der Beschneidung, weder inhaltlich befürworten noch dafür werben wollen. Es ist richtig, dass darüber in Religionsgemeinschaften und in der Gesellschaft diskutiert wird. Aber diese gesellschaftliche, innerreligiöse Debatte sollte nicht unter dem Damoklesschwert der Strafandrohung stattfinden.
    Der Maßstab für die Entscheidung, die Beschneidung straffrei zu ermöglichen, ist natürlich das Kindeswohl; denn auch eine Beschneidung ist keine Bagatelle, sondern eine Handlung, die tatbestandlich eine Körperverletzung darstellt. Es kann natürlich auch bei diesem operativen Eingriff Komplikationen geben, selbst wenn es der weltweit wohl am häufigsten durchgeführte chirurgische Eingriff ist. Aber wir wollen auch nicht einfach Kindeswohl und Elterninteresse gegeneinanderstellen. Das Kindeswohl ist Maßstab, aber es wird im Regelfall durch die Entscheidung der Eltern maßgeblich bestimmt.
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Christine Lambrecht ist die nächste Rednerin für die SPD-Fraktion.
    (Beifall bei der SPD)
    Christine Lambrecht (SPD):
    Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit dem Urteil des Landgerichts Köln vor einigen Wochen führen wir hier in diesem Land eine sehr engagierte, aber insbesondere auch emotionale Debatte zum Thema Beschneidung. Ich finde das völlig angemessen; denn dabei es geht um kleine Jungen, teilweise noch Babys.
    In der Debatte melden sich unterschiedlichste Gruppen zu Wort, alle mit sehr gewichtigen Argumenten. Ich will einige nennen. Da melden sich die Religionsgemeinschaften der Juden und der Muslime zu Wort, die uns darauf aufmerksam machen, dass die Ausübung ihres Glaubens aufgrund ihrer Gebote und der Vorgaben dann, wenn Beschneidung in Deutschland in Zukunft strafbewehrt wäre, nicht mehr möglich wäre. Das ist ein gewichtiges Argument. Es melden sich aber auch Menschen im Interesse des Kindes zu Wort, die die körperliche Unversehrtheit des Kindes im Blick haben, beispielsweise unsere Kinderbeauftragte Marlene Rupprecht.
    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)
    Sie macht zu Recht darauf aufmerksam, dass wir vor einigen Jahren die gewaltfreie Erziehung gefordert und gesetzlich beschlossen haben. Wie passt die gewaltfreie Erziehung mit der Beschneidung, einer Körperverletzung, zusammen? Auch das ist ein gewichtiges Argument. Dieses Dilemma macht deutlich, wie schwierig eine Entscheidung in dieser Frage ist.
    Hintergrund dieser Debatte ist das schon genannte Urteil des Kölner Landgerichts. Dabei ging es um die Beschneidung durch einen Arzt. Die Richter haben – zu Recht – festgestellt: Ja, tatbestandlich ist es eine Körperverletzung. Allerdings haben sie den Arzt mit der Begründung freigesprochen: Er hat im Verbotsirrtum gehandelt. Das heißt, er konnte nicht davon ausgehen, dass seine Handlung strafbar ist, weil die Rechtslage in Deutschland hier unsicher ist.
    Diese Rechtsunsicherheit hat sich jetzt aber noch verschärft; denn auf diesen Verbotsirrtum wird sich in Zukunft niemand mehr berufen können. Das ist geklärt. Deswegen besteht Unsicherheit bei Ärzten und Beschneidern darüber, welche Konsequenzen sich ergeben, wenn sie dennoch, auch wenn dieses Urteil keine bindende Wirkung hat, Beschneidungen vornehmen. Ich glaube, es ist inakzeptabel, diese Rechtsunsicherheit weiterhin bestehen zu lassen.
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Das Wort hat nun der Kollege Jörg van Essen für die FDP-Fraktion.
    (Beifall bei der FDP)
    Jörg van Essen (FDP):
    Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin sehr dankbar, dass wir hier so sachlich über diese Frage debattieren. Wer zum Beispiel in die sozialen Netzwerke schaut, weiß, wie viele Emotionen es im Augenblick bei diesem Thema gibt. Aber ich glaube, wir sind gut beraten, bei dieser Sachlichkeit zu bleiben. Zur Sachlichkeit gehört, festzuhalten, dass das, was das Landgericht Köln entschieden hat, keinerlei Bindungswirkung entfaltet. Gerichte können also anders entscheiden. Deshalb gibt es den einen oder anderen, der sagt: Wir brauchen gar nichts zu regeln. – Ich sehe das anders. Wer die Diskussion betrachtet, weiß, wie tief die Verunsicherung ist, die durch das Urteil entstanden ist, wie tief die Verunsicherung in der muslimischen Gemeinschaft ist und wie tief die Verunsicherung in der jüdischen Gemeinschaft ist. Das haben wir ernst zu nehmen.
    Es gibt auch einen, wie ich finde, handfesten juristischen Grund dafür, den die Kollegin Lambrecht, für deren Beitrag ich ganz außerordentlich danke und mit der wir ganz hervorragend zusammengearbeitet haben, schon angesprochen hat. Es gibt auch Verunsicherung bei den Ärzten, weil sie sich jetzt nicht mehr auf Verbotsirrtum berufen können. Auch das ist von uns zu berücksichtigen. Deshalb haben wir uns zusammengesetzt und schlagen Ihnen vor, dass wir die Bundesregierung beauftragen, die Fragen, die aufgeworfen sind, in einem Gesetzentwurf zu klären. Das ist aber nicht nur ein Auftrag an die Bundesregierung, sondern auch ein Auftrag
    an uns alle; denn wir sind der Gesetzgeber. Wir müssen uns positionieren.
    Die bisherigen Beiträge, die wir gehört haben, haben schon deutlich gemacht, in welchem Umfeld wir uns hier bewegen. Mir ist es ganz wichtig, dass ein Begriff gleich zu Beginn unseres Antrags auftaucht, nämlich das Kindeswohl. Dem sind wir alle verpflichtet. Dem ist auch unsere Verfassung verpflichtet.
    (Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)
    Deshalb muss das Kindeswohl das Wesentliche sein.
    Daneben sind wichtige verfassungsrechtliche Prinzipien zu beachten. Körperliche Unversehrtheit ist ganz wichtig. Hier wurde bereits etwas angesprochen, das ich nachdrücklich unterstützen möchte. Beschneidung ist etwas anderes als Verstümmelung. Es gibt einen Unterschied zwischen der Beschneidung von Jungen und der vorsätzlichen sexuellen Verstümmelung von Frauen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir mit unserem Antrag das deutliche Signal setzen, dass wir solche Verstümmelungen nicht hinnehmen wollen. Das möchte ich, nachdem die Kollegin Lambrecht das bereits getan hat, noch einmal nachdrücklich unterstützen.
    (Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)
    Es gibt aber auch andere Verfassungsprinzipien, die wir ebenso ernst nehmen müssen. Die Religionsausübung ist ein wesentlicher Teil der Religionsfreiheit. Die muslimischen und die jüdischen Verbände haben uns deutlich gemacht, dass das, was sie praktizieren, für sie ganz wesentlich zur Religionsausübung gehört. Ich bin sehr nachdenklich, seit uns der Vorsitzende des Zentralrats der Juden deutlich gemacht hat, dass die Beschneidung konstitutiv für die Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben ist. Das haben wir ernst zu nehmen und in den Abwägungsprozess intensiv einzubeziehen. Auch die muslimischen Verbände haben uns deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung das für sie hat.
    Auch der dritte Aspekt spielt eine ganz wesentliche Rolle, nämlich das Elternrecht. Die Eltern haben das Recht, darüber zu entscheiden, ob sie es als dem Kindeswohl angemessen ansehen, dass die Kinder in einer religiösen Gemeinschaft und mit den Riten dieser religiösen Gemeinschaft aufwachsen. Die Eltern können so entscheiden, wenn sie glauben, dass die Kinder in einer solchen Gemeinschaft eine ethische Orientierung bekommen. Wir können nur daran interessiert sein, dass junge Menschen mit ethischer Orientierung aufwachsen. Auch das müssen wir ernst nehmen.
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Der Kollege Jens Petermann erhält nun das Wort für die Fraktion Die Linke.
    (Beifall bei der LINKEN)
    Jens Petermann (DIE LINKE):
    Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am 7. Mai 2012 verkündete das Landgericht Köln ein Urteil in einem Strafverfahren wegen Körperverletzung gegen einen Arzt, der eine Beschneidung bei einem vierjährigen Jungen aus religiösen Gründen auf Wunsch der Eltern vorgenommen hatte. Er wurde wegen nicht nachweisbarer Schuld vom Tatvorwurf freigesprochen. Ihm wurde zugute gehalten, dass er das Verbot nicht kannte und davon ausging, nichts Verbotenes zu tun. Diese Entscheidung hat mittlerweile zu einer lebendigen Debatte in der Öffentlichkeit geführt. Das war offensichtlich auch Grund für Union, SPD und FDP, einen sehr eiligen Entschließungsantrag vorzulegen, der eigentlich ohne Debatte durchgewunken werden sollte. Merkwürdig ist, dass das Papier schon gestern in einigen Medien kursierte, während es der Linksfraktion erst heute kurz nach 9 Uhr zugestellt wurde. Da blieb wohl ein wenig die Fairness im parlamentarischen Verfahren auf der Strecke.
    (Beifall bei der LINKEN)
    Der Antrag fordert die Bundesregierung auf, im Herbst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der klarstellt, dass eine religiös motivierte, medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen grundsätzlich zulässig ist. Natürlich sind die Achtung der Religion und der Freiheit religiöser Betätigung etwas Selbstverständliches. Das eigentliche Problem liegt auf einer anderen Ebene; das ist hier schon angesprochen worden. Wie ist es um den Grundrechtsschutz des minderjährigen, religiös unmündigen Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung gegenüber den Grundrechten der Eltern auf Religionsfreiheit und deren Elternrecht bestellt?
    Für die Linke kann ich sagen, dass sie das Problem differenziert sieht. Aus juristischer Sicht ist das Urteil richtig, da es lediglich die bestehende Rechtslage auf-
    greift; denn jeder ärztliche Eingriff erfüllt juristisch gesehen den Tatbestand der Körperverletzung, auch eine Blinddarmentfernung. Eine Bestrafung des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin scheidet allerdings aus. Die Rechtfertigung liegt in der Einwilligung des Patienten in den ärztlichen Heileingriff. Weder ein Säugling noch ein vierjähriger Junge verfügen über die nötige Einwilligungsfähigkeit. Hier müssen die Eltern entscheiden. Vom Sorgerecht sind aber nur Erziehungsmaßnahmen gedeckt, die dem Wohle des Kindes dienen. Eine Entscheidung der Eltern zur Vermeidung einer religiösen Ausgrenzung kann die Einwilligung des kleinen Patienten nicht ersetzen, da keine medizinische Indikation vorliegt und der Eingriff nicht dem Kindeswohl dient.
    Durch eine Beschneidung wird der Körper des Kindes dauerhaft und irreparabel verändert. Diese Veränderung läuft dem Interesse zuwider, später in freier Selbstbestimmung über eine Religionszugehörigkeit entscheiden zu können. Das Landgericht Köln stellte dies – zutreffend – fest. Die Grundrechte der Eltern aus Art. 4 Abs. 1 Grundgesetz – Religionsfreiheit – und Art. 6 Abs. 2 Grundgesetz – elterliche Sorge – werden begrenzt durch das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung aus Art. 2 Abs. 1 und Abs. 2 Grundgesetz.
    Dass dieses Problem lösbar ist, zeigen übrigens jüdische Gemeinden in Großbritannien. Dort wird das religiös geforderte frühkindliche Ritual der Beschneidung ins Schmerzlos-Symbolische verschoben und die Entscheidung über den tatsächlichen Eingriff dem Betroffenen selbst überlassen, wenn er als Jugendlicher einwilligungsfähig ist. Jeder, der sich zu dem Thema zu Wort meldet, muss am Ende mit seinem Gewissen ausmachen, ob das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und auf Selbstbestimmung, welcher Religion man angehören möchte, der Religionsfreiheit und dem Erziehungsrecht der Eltern untergeordnet sein soll.
    (Beifall bei der LINKEN)
    Die religiöse Überzeugung des mündigen Menschen ist zu respektieren und zu schützen. Wir werben dafür, das frühkindliche Ritual der Beschneidung ins Schmerzlos-Symbolische zu verschieben und die Entscheidung über den chirurgischen Eingriff dem Betroffenen zu überlassen, sobald er als 14-jähriger Jugendlicher einwilligungsfähig ist.
    Mit Ihrem Antrag haben Sie allerdings die Chance auf eine gesellschaftliche Debatte vertan. Die Linke kann darum nicht zustimmen.
    Vielen Dank.
    (Beifall bei der LINKEN)
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Volker Beck erhält nun das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
    Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
    Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Rechtsauffassung eines Kölner Richters der Kleinen Strafkammer vom Mai, religiös begründete Beschneidungen bei Jungen seien strafbar, hat in den letzten zwei Wochen hohe Wellen geschlagen und zu einer intensiven Debatte geführt.
    In dieser Diskussion habe ich mich zusammen mit ein paar Kollegen im Sinne dieses Antrags öffentlich geäußert. In den Fraktionsgremien und in den Arbeitskreisen waren fachliche Diskussionen bis zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht möglich. Deswegen ist die heutige Entscheidung über diesen Antrag für viele Kolleginnen und Kollegen, die noch mit sich ringen, welche Position sie vertreten sollen, nicht einfach. Dieses Hopplahopp des Verfahrens kritisieren wir.
    Manche finden das Kölner Urteil im Grunde richtig. Andere sind, was ihre Position angeht, noch nicht zu einem Ergebnis gekommen. Wiederum andere sehen es so wie ich. Ich zolle all diesen Positionen in der Debatte Respekt.
    Aber ich will meine Rede jetzt dazu nutzen, um meine Entscheidung, diesem Antrag heute zuzustimmen, zu begründen.
    Die religiös begründete Beschneidung von Jungen ist ein klassischer Grundrechtskonflikt. Bei Grundrechtskollisionen entscheidet man sich nicht für das eine Grundrecht und gegen das andere, wie es zum Teil in der Debatte im Netz dargestellt wird. Es gilt vielmehr, eine Abwägung vorzunehmen, die alle Grundrechtspositionen so berücksichtigt, dass die Grundrechte sich optimal verwirklichen. Wir müssen daher die drei Grundrechte, die hier in Rede stehen – Art. 2, Art. 4 und Art. 6 Grundgesetz –, jeweils ausgleichen und dabei den jeweiligen Eingriff und den Rechtsgrund erörtern.
    Eine Beschneidung ist – da haben Sie recht, Herr Petermann – wie jede Operation oder Impfung eine Körperverletzung. Durch rechtswirksame Einwilligung wird sie aber gerechtfertigt und ist damit eben nicht strafbar. Deshalb muss man fragen: Dürfen Eltern in dieser Situation für ihr Kind rechtswirksam einwilligen? Im freiheitlichen Staat treffen nämlich die Eltern die Entscheidungen für das Kindeswohl in den Grenzen der Rechtsordnung.
    Zum Kindeswohl gehört – da unterscheide ich mich von Ihnen, Herr Petermann – einerseits die Gesundheit und der Schutz der körperlichen Unversehrtheit des Kindes, andererseits aber auch das Recht des Kindes, als gleichberechtigtes und vollwertiges Mitglied einer Religionsgemeinschaft, der die Familie angehört, aufzuwachsen.
    (Beifall der Abg. Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE])
    Religionsfreiheit heißt nämlich nicht Freiheit von Religion, sondern Freiheit in religiösen Angelegenheiten.
    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Herr Kollege, würden Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Rupprecht gestatten?
    Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
    Ja, gerne.
    Marlene Rupprecht (Tuchenbach) (SPD):
    Herr Kollege Beck, Sie wissen, dass das Bundesverfassungsgericht schon 1968 festgestellt hat, dass Kinder Grundrechtsträger sind, und zwar ohne Einschränkung; man hat das nicht am Alter festgemacht. Außerdem haben wir die UN-Kinderrechtskonvention im letzten Jahr in diesem Hause mit breiter Mehrheit in inländisches Recht umgesetzt. In Art. 24 Abs. 3 der UN-Kinderrechtskonvention steht eindeutig, dass die Vertragsstaaten alles versuchen, um Bräuche, die Kinder verletzen, zu beseitigen.
    Wir haben im Jahr 2000 hier im Hause nach langer Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, dass Eltern ihre Kinder gewaltfrei erziehen müssen. Damit haben wir zum ersten Mal Kinder als Rechtssubjekte in ein Gesetz aufgenommen. Das heißt, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Das gilt auch für die religiöse Erziehung.
    Man nimmt niemandem das Recht, Kinder religiös zu erziehen. Im Gegenteil: Es ist Aufgabe der Eltern, Kinder wertorientiert zu erziehen und sie auf das Leben in dieser Gesellschaft vorzubereiten. Aber wir haben den Grundsatz der Gewaltfreiheit. Ich frage mich, wie Sie diesen Antrag mit der UN-Kinderrechtskonvention und den Grundrechten vereinbaren wollen.
    Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
    Es ist schade, dass Sie mich inmitten meiner Erörterung der Grundrechtskollision unterbrochen haben.
    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dafür hast du jetzt mehr Zeit!)
    Aber ich will trotzdem gerne versuchen, auf das, was Sie vorgetragen haben, zu antworten.
    Ich sehe meine Rechtsposition – dazu komme ich noch – in völligem Einklang mit den Normen der UN-Kinderrechtskonvention.
    (Jörg van Essen [FDP]: So ist es! Ja!)
    Es geht darin um die Gesundheit der Kinder und um ihren Schutz vor Beeinträchtigungen durch religiöse Bräuche. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch die Beschneidung liegt meines Erachtens jedoch nicht vor. Es handelt sich um eine Beeinträchtigung, die keinen pathologischen Befund beinhaltet.
    Sie haben außerdem gesagt, Kinder müssten das später als Erwachsene selbst entscheiden. Diese UN-Konvention schützt aber ausdrücklich Kinder vor religiöser Diskriminierung, also auch vor der Diskriminierung, die damit einhergeht, Jude oder Muslim in unserer Gesellschaft zu sein.
    Sie dürfen nicht übersehen, dass der Beschneidungsbefehl in der jüdischen Religion und im islamischen Glauben fundamental ist. Die Begründung des Bundes Gottes mit dem Volk Israel und Abraham in Genesis 17 beginnt mit dem Befehl an Abraham, die Kinder des Volkes Israel zu beschneiden, sobald sie acht Tage alt sind. – Da brauchen Sie nicht den Kopf zu schütteln, Frau Kollegin Rupprecht.
    Es ist im Rahmen des Grundrechtsausgleichs mit zu erörtern, welchen Stellenwert der Beschneidungsbefehl für diese Religion hat. Und da kommen wir zu dem Ergebnis: Es handelt sich um den ersten Befehl Gottes, der für diese Religion gilt, und er ist das Fundament des Glaubens aller abrahamitischen Religionen. Damit hat er einen sehr hohen Stellenwert. Ein Verbot der Beschneidung jüdischer und muslimischer Kinder würde faktisch bedeuten: Jüdisches Leben und islamisches Leben sind in Deutschland auf Dauer legal so nicht möglich. Es geht um eine Abwägung der Grundrechte.
    (…)
    Ich will nicht, dass jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland in der Illegalität ist. Für mich ist ganz klar: Judentum, Islam und Christentum gehören zu Deutschland. Ich will, dass dies heute hier zum Ausdruck kommt und dass wir eine inklusive Lösung für diese Frage finden.
    Meine Damen und Herren, gerade angesichts der Debatte im Netz, die dort sehr heftig tobt, teilweise sehr verletzend ist, meines Erachtens manchmal auch ignorant gegenüber Religion als Phänomen an sich, frage ich die Menschen, die da so herumwirbeln und gegen die sachliche Debatte, die wir hier gerade führen, wirklich polemisieren: Kommt es Ihnen nicht merkwürdig vor, dass ausgerechnet Deutschland das erste und einzige Land auf dieser Welt sein sollte, wo die Beschneidung von Juden und Muslimen strafbar sein soll?
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Zum Schluss dieser Debatte erhält der Kollege Johannes Singhammer das Wort für die CDU/CSU-Fraktion.
    Johannes Singhammer (CDU/CSU):
    Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir, die Christlich Demokratische Union und die Christlich-Soziale Union, treten entschieden und eindeutig ein für die Religionsfreiheit in Deutschland und in anderen Ländern. Zur Religionsfreiheit bei uns in Deutschland gehört, dass eine Unsicherheit darüber vermieden wird, was in zentralen Bereichen der Ausübung der Religion, so wie sie die einzelnen Gemeinschaften verstehen, erlaubt ist, nicht erlaubt ist oder sogar verboten ist.
    Was zum Kernbereich der Freiheit einer Religion zählt, das regelt nun nicht staatliche Autorität, sondern das regelt die einzelne Religionsgemeinschaft selbst. Was die Beschneidung von Jungen im Judentum und im Islam betrifft, so gibt es unterschiedliche, aber klare religiöse Einordnungen. Nach jüdischem Verständnis ist die Beschneidung von Jungen elementar und gehört konstitutiv zum Glauben. Nach der Mitteilung des Zentralrats der Muslime in Deutschland ist die Beschneidung von Jungen Bestandteil muslimischer Tradition und folgt der abrahamischen Praxis.
    Wir regeln heute nicht die Art und Weise, wie und unter welchen Voraussetzungen Beschneidung stattfinden kann und soll; wir regeln das Ob. Wir wollen, dass keine Unsicherheit mehr darüber besteht, ob die Beschneidung in Deutschland zulässig ist, erlaubt ist, sich in einer Grauzone befindet, staatliche Duldung genießt oder gar aufgrund eines Verbots verfolgt wird. Die klare Botschaft heute: Beschneidung ist zulässig. Es geht die klare Botschaft auch an diejenigen, die Beschneidungen durchführen, gerade die Ärzte: Wir wollen, dass Beschneidung zulässig ist, und schaffen deshalb Klarheit.
    Die Gewährleistung der Religionsfreiheit bei der Beschneidung – das ist heute schon angesprochen worden – hat nichts mit einem anderen Ritual zu tun, das in einigen Regionen der Welt schauerliche Praxis ist: die Genitalverstümmelung bei jungen Mädchen und Frauen. Es bedeutet keinerlei intellektuelle Überforderung, die Unterschiede zu erkennen.
    Keine religiöse Instanz mit Reputation fordert beispielsweise im Islam Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen. Bei diesem Eingriff in die körperliche Integrität geschieht in der Tat Schlimmes. Nach Schätzungen überleben 15 Prozent der betroffenen Frauen und Mädchen den Eingriff unmittelbar nicht und muss damit gerechnet werden, dass weitere 20 Prozent später erkranken und ebenfalls zu Tode kommen. Alle Betroffenen leiden darunter. Deshalb wird in Deutschland Genitalverstümmelung zu Recht als Straftat aufgefasst und verfolgt, und dabei bleibt es auch.
    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
    Für manche in unserem Land ist Beschneidung etwas Fremdartiges. Das Zusammenleben von Menschen, die religiös sind, und Menschen, die sich für eine nichtreli-
    pekt. Respekt gedeiht am besten auf einer klaren gesetzlichen Regelung, was zulässig ist und was nicht. Eine solche Regelung wollen wir heute mit diesem Antrag einleiten. Wir wollen damit auch ein Stück gutes perspektivisches Zusammenleben in Deutschland schaffen. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung.
    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
    Präsident Dr. Norbert Lammert:
    Ich schließe die Aussprache.
    Nach dieser Debatte wird niemand ernsthaft behaupten können, der Deutsche Bundestag wolle mit dem heute eingebrachten Antrag eine notwendige Debatte vorschnell beenden. Das Gegenteil ist der Fall: Er will die notwendige Klärung auf eine sensible und zielführende Weise möglich machen.
    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE])
    Das ist aus allen Wortbeiträgen hinreichend deutlich geworden. Dafür möchte ich mich bedanken.
    Ich darf also noch einmal fragen: Wer stimmt für diesen Antrag? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? –Der Antrag ist mit großer Mehrheit bei einer Reihe von Gegenstimmen und Stimmenthaltungen aus verschiedenen Fraktionen angenommen.
    Ich weise darauf hin, dass wir auch zu diesem Antrag eine Reihe von schriftlichen Erklärungen zur Abstimmung haben, die wir dem Protokoll beifügen.1)

    1) Anlagen 7 bis 12

    Anlage 7
    Erklärungen nach § 31 GO
    zur Abstimmung über den Antrag: Rechtliche Regelung der Beschneidungen von Jungen (Zusatztagesordnungspunkt 1)

    Anlage 8
    Erklärung nach § 31 GO
    der Abgeordneten Memet Kilic und Viola von Cramon-Taubadel (beide BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Antrag: Rechtliche Regelung der Beschneidungen von Jungen (Zusatztagesordnungspunkt 1)

    Anlage 9
    Erklärung nach § 31 GO
    der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Kerstin Andreae, Marieluise Beck (Bremen), Ekin Deligöz, Katrin Göring-Eckardt, Renate Künast, Fritz Kuhn und Claudia Roth (Augsburg) (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Antrag: Rechtliche Regelung der Beschneidungen von Jungen (Zusatztagesordnungspunkt 1)

    Anlage 10
    Erklärung nach § 31 GO
    der Abgeordneten Rolf Schwanitz, Ingrid Arndt-Brauer, Bärbel Bas, Angelika Graf (Rosenheim), Angelika Krüger-Leißner, Caren Marks, Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Bernd Scheelen und Andrea Wicklein (alle SPD): zur Abstimmung über den Antrag: Rechtliche Regelung der Beschneidungen von Jungen (Zusatztagesordnungspunkt 1)

    Wir haben heute gegen den Antrag gestimmt, weil das Recht der Eltern auf religiöse Erziehung des Kindes nach unserer Meinung keinen Vorrang hat gegenüber dem Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.
    Tatsächlich ist die Frage der Strafbarkeit der religiös motivierten, medizinisch nicht indizierten Beschneidung von Kindern aber seit langem ein gesellschaftliches Thema in Deutschland. Bei der religiös motivierten, medizinisch nicht indizierten Beschneidung von Mädchen – genitale Verstümmelung – hat sich in Deutschland in den letzten Jahren ein breiter ablehnender gesellschaftlicher Konsens herausgebildet. Auch bei der religiös motivierten, medizinisch nicht indizierten Beschneidung von Jungen hat dessen kritische Reflexion in den letzten Jahren erkennbar zugenommen. So verwies zum Beispiel das „Deutsche Ärzteblatt“ bereits im Jahre 2008 auf die strafrechtliche Relevanz solcher Eingriffe und empfahl den Ärzten, diese abzulehnen. Das Urteil des Landgerichts Köln ist deshalb in unseren Augen kein singuläres, abweichendes Ereignis. Es ist in unseren Augen vielmehr nur ein vorläufiger Status einer neuen, auf dem Grundgesetz fußenden und sich im Interesse des Kindeswohls vollziehenden rechtlichen Weiterentwicklung in Deutschland. Ausdruck dieser Weiterentwicklung ist nicht zuletzt auch die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention und deren Ratifikation in Deutschland.
    Dass es sich bei der religiös motivierten, medizinisch nicht indizierten Beschneidung von Jungen um einen schädigenden, irreversiblen Eingriff im Sinne einer tatbestandlichen Körperverletzung handelt, erscheint uns unstreitig und klar. Die Häufigkeit der damit verbundenen, zum Teil sehr schweren gesundheitlichen Komplikationen wird in der Literatur sehr unterschiedlich beschrieben. Wir halten eine Komplikationsrate von bis zu 10 Prozent für realistisch. Auch schwere gesundheitliche Spätfolgen und Todesfälle werden in der Literatur beschrieben. Auch dies spricht für eine sorgsame und umfängliche Diskussion des Themas im Interesse des Kindeswohls und nicht für eine im Eilverfahren vollzo-
    gene unkritische Legitimation der bisherigen Tradition, wie sie im Antrag präjudiziert wird.
    Die Mehrheit des Deutschen Bundestages hat sich mit dem von uns abgelehnten Antrag dafür ausgesprochen, in naher Zukunft eine gesetzliche Regelung zur Rechtfertigung der religiös motivierten, medizinisch nicht indizierten Beschneidung von Jungen zu schaffen. Ein solches Gesetz stünde in unseren Augen auch im Widerspruch zum Grundgesetz. Dies vor allem deshalb, weil das Grundgesetz weder einen Vorrang des elterlichen Rechts auf religiöse Kindererziehung vor dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung kennt und weil im Grundgesetz durch die Rechte der Religionsgemeinschaften nach Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 136 Abs. 1 WRV die staatsbürgerlichen Rechte des Kindes richtigerweise nicht beschränkt werden. Auch deshalb lehnen wir das Ansinnen des Antrages ab.
    Anlage 11
    Erklärung nach § 31 GO
    der Abgeordneten Katja Dörner, Harald Ebner, Dr. Thomas Gambke, Bettina Herlitzius, Uwe Kekeritz, Katja Keul, Maria Klein-Schmeink, Ute Koczy, Oliver Krischer, Markus Kurth, Monika Lazar, Tabea Rößner, Ulrich Schneider und Dorothea Steiner (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Antrag: Rechtliche Regelung der Beschneidungen von Jungen (Zusatztagesordnungspunkt 1)

    g e k ü r z t
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/17/17189.pdf

  10. Widderhorn Says:

    BT –
    Beratung
    19.07.2012 – BT-Plenarprotokoll 17/189, S. 22829A – 22836C

    R e d e n u n d Z w i s c h e n f r a g e :
    [schriftl. Erklärungen s. u.]

    Dr. Günter Krings, CDU/CSU
    Christine Lambrecht, SPD
    Jörg van Essen, FDP, Rede
    Jens Petermann, DIE LINKE
    Volker Beck (Köln), BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
    Marlene Rupprecht (Tuchenbach), SPD [ Zwischenfrage ]
    Johannes Singhammer, CDU/CSU

    http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP17/463/46338.html

    Basisinformationen über den Vorgang

    [ID: 17-46338]

    Version für Lesezeichen / zum Verlinken

    17. Wahlperiode

    Vorgangstyp:
    Antrag

    Rechtliche Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen
    Initiative:
    Fraktion der CDU/CSU
    Fraktion der FDP
    Fraktion der SPD

    Aktueller Stand:
    Angenommen
    Wichtige Drucksachen:
    BT-Drs 17/10331 (Antrag)
    Plenum:
    Beratung: BT-PlPr 17/189 , S. 22829A – 22836C
    Sachgebiete:
    Recht ;
    Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

    Inhalt

    Vorlage eines Gesetzentwurfs im Herbst 2012 zur grundsätzlichen Zulässigkeit einer medizinisch fachgerechten Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen

    Schlagwörter

    Beschneidung ; Gesetzgebung; Junge; Minderjähriger

    Vorgangsablauf

    BT –
    Antrag, Urheber: Fraktion der CDU/CSU, Fraktion der FDP, Fraktion der SPD

    19.07.2012 – BT-Drucksache 17/10331

    BT –
    Beratung

    19.07.2012 – BT-Plenarprotokoll 17/189, S. 22829A – 22836C

    Dr. Günter Krings, MdB, CDU/CSU, Rede, S. 22829B
    Christine Lambrecht, MdB, SPD, Rede, S. 22830C
    Jörg van Essen, MdB, FDP, Rede, S. 22831D
    Jens Petermann, MdB, DIE LINKE, Rede, S. 22832C
    Volker Beck (Köln), MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Rede, S. 22833C
    Marlene Rupprecht (Tuchenbach), MdB, SPD, Zwischenfrage, S. 22834A
    Johannes Singhammer, MdB, CDU/CSU, Rede, S. 22835C
    Ingrid Hönlinger, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22851C
    Dr. Lukrezia Jochimsen, MdB, DIE LINKE, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22852A
    Burkhardt Müller-Sönksen, MdB, FDP, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22852B
    Omid Nouripour, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22852C
    Josef Philip Winkler, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22853A
    Viola von Cramon-Taubadel, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22853B
    Memet Kilic, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22853B
    Volker Beck (Köln), MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22853D
    Kerstin Andreae, MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S. 22853D
    Marieluise Beck (Bremen), MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftliche Erklärung gem. § 31 Geschäftsordnung BT, S.

    http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP17/463/46338.html

    Amtliches Protokoll
    189. Sitzung des Deutschen Bundestages am Donnerstag, dem 19. Juli 2012
    Die verbundene Tagesordnung dieser Woche wird um den im Folgenden als „Zusatzpunkt“ gekennzeichneten Verhandlungsgegenstand erweitert.

    Tagesordnungspunkt 1
    Zusatzpunkt 1

    Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/CSU, SPD und FDP
    Rechtliche Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen
    – Drucksache 17/10331 –

    Annahme des Antrags auf Drucksache 17/10331
    Die nächste Sitzung wird auf Dienstag, den 11. September 2012, 10.00 Uhr, einberufen

    http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/amtlicheprotokolle/2012/ap17189.html

    Plenarsitzungen

    Suchbegriffe: Beschneidung 17/10331
    10 Suchergebnisse

    Fraktion: alle, Wahlperiode: 17, Sitzung: 189

    http://www.bundestag.de/Mediathek/index.jsp?instance=m187&action=search&mask=search&contentArea=common&extendedSearch=true&searchword=&discourser=&forename=&top=&startDate=&endDate=&policyField=&fraction=alle&legislativePeriod=17&conference=189&categorie=Plenarsitzung&parentId=1804204&sortKey=zeitaufsteigend

    Plenarprotokoll 17/189
    Deutscher Bundestag
    Stenografischer Bericht
    189. Sitzung
    Berlin, Donnerstag, den 19. Juli 2012

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/17/17189.pdf#P.22829

  11. Widderhorn Says:

    Beschneidung missachtet Kinderrechte

    Ich begrüße das Urteil der Kölner Richter ausdrücklich, weil es eindeutig darlegt, dass die Beschneidung von Jungen auf Verlangen der Eltern weit über die Ausübung des Elternrechts hinausgeht und auch durch das Grundrecht auf Religionsfreiheit nicht gedeckt ist. Es verstößt vielmehr gegen das grundgesetzlich garantierte Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit.

    Eine Beschneidung, die ohne die Einwilligung eines Kindes und ohne medizinische Notwendigkeit vorgenommen wird, ist aber nicht nur ein Verstoß gegen ein verfassungsmäßiges Schutzrecht. Es missachtet fundamentale Zielsetzungen der UN- Kinderrechtskonvention wie das Recht auf Gesundheit und den Schutz vor Gewaltanwendung.

    Eine generelle Straffreiheit für Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit Schutzbefohlener aus religiösen Gründen wäre geradezu die Aufforderung, auch andere Methoden körperlicher Einflussnahme und Züchtigung mit religiösen Begründungen zu rechtfertigen. Dem stehen die UN- Kinderrechte eindeutig entgegen.

    Marlene Rupprecht
    Veröffentlicht am 10.07.2012

    http://www.marlene-rupprecht.de/index.php?nr=45654

    Marlene Rupprecht (Tuchenbach), SPD
    Lehrerin a.D.

    Geboren am 20. Dezember 1947 in Neuenbürg/Enzkreis;
    verheiratet, eine Tochter.

    1967 Abitur. Studium für das Lehramt.
    Lehrerin an Haupt- , Grund- und Sonderschulen.

    Seit 25.9.1996 Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied der Kinderkommission des Deutschen Bundestags
    und des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (FSFJ)

    Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats

    Ehrenämter:

    Kuratoriumsvorsitzende der Elly- Heuß- Knapp- Stiftung – Deutsches Müttergenesungswerk (MGW);
    Vorstandsmitglied des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW)
    Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Aktion Schutzbengel

    Mitglied in diversen Organisationen, z.B. AWO und BLLV.

    Kommunale Mandate:

    Kreisrätin im Landkreis Fürth, Gemeinderätin in Tuchenbach

    Funktionen in der SPD- Bundestagsfraktion:

    Arbeitsgruppe Kommunalpolitik – Mitglied
    Kinderbeauftragte der Bundestagsfraktion

    Funktionen in der SPD- Landesgruppe Bayern:

    Sprecherin Landesgruppe für Familie, Jugend und Kinder

    Mitgliedschaft in Bundestagsgremien:

    Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – Mitglied
    Kinderkommission des Deutschen Bundestages – Mitglied
    Kuratorium der Initiative „Ein Netz für Kinder“ – stellv. Mitglied
    Parlamentarische Versammlung des Europarats/WEU – Mitglied
    Präsidium des Deutschen Bundestags – Schriftführerin

    http://www.marlene-rupprecht.de/index.php?mod=content&menu=7&page_id=12232

  12. Chronist Says:

    :::

    Marlene Rupprecht: Ich will jetzt niemandem zu nahe treten, aber ich glaube, dass die Kinderrechte niemand kennt.

    Moderatorin: Immerhin in ihrer eigenen Fraktion hatte sie die Abgeordneten noch kurz vor der Bundestagssitzung tief beeindruckt, einfach in dem sie ihnen die Rechtslage erläuterte.

    Marlene Rupprecht: ich würd sagen, wenn wir gestern darüber in der Fraktion abgestimmt hätten, hätt ich die Mehrheit gekriegt.

    Moderatorin: Auch in den Regierungsparteien, sagt Marlene Rupprecht, gebe es viele Abgeordnete, die die Kinderrechte schützen wollen. Die seien aufgefordert worden, vor der Abstimmung das Plenum zu verlassen.

    http://femokratie.com/beschneidungsgegner-in-der-regierung-mussten-plenum-verlassen/07-2012/#more-35044

    :::
    :::

    Zweifel an Beschluss mehren sich

    Mit breiter Mehrheit der Union, FDP und SPD schreibt sich der Bundestag auf die Fahnen, religiöse Beschneidungen in Kürze per Gesetz zuzulassen. Nach und nach wird deutlich: Die Skepsis vieler Abgeordneter ist dabei größer, als zunächst angenommen. Die Zweifel beziehen sich sowohl auf die Sache als auch auf das Tempo.

    … Die Kinderbeauftragte der SPD-Fraktion, Marlene Rupprecht, sagte der “FAS”, mehr als die Hälfte ihrer Fraktionskollegen sehe in dem Antrag einen “Schnellschuss”. Sie sagte weiter: “Beschneidung ist eine Form der Verstümmelung. Auch bei Jungen.” Es handele sich um ein archaisches Ritual. Man brauche kein neues Gesetz. Die UN-Kinderrechtskonvention, die auch Deutschland unterzeichnet hat, sei eindeutig. Sie hoffe, der Bundestag “komme noch vom Eis herunter”, er habe sich “in eine Ecke manövriert”.

    Zu Bedenken, eine ausbleibende Legalisierung könnte die religiösen Verbände gegen die Politik aufbringen, sagte Rupprecht: “Wenn man die Vergangenheit anrührt, erstarren alle. Ich erstarre nicht. Ich habe tiefsten Respekt für die Juden und Muslime in Deutschland. Ich bin mir der deutschen Vergangenheit sehr bewusst. Aber man muss in diesem Land das Grundgesetz achten”, führte sie aus. …

    Auch die Kinderbeauftragte der Grünen, Katja Dörner, berichtet von Bedenken ihrer Fraktion. Unter den Abgeordneten ihrer Partei habe der Antrag keine Mehrheit gehabt. “Mehrheitlich gab es bei uns Nichtzustimmung. Dafür gab es unterschiedliche Gründe: das überstürzte Verfahren, aber auch inhaltliche Kritik.” Die Grünen-Abgeordnete fügte hinzu: “Anders, als dies öffentlich kommuniziert wird, hat man dem Anliegen für meine Begriffe in diesem Hopplahopp-Verfahren keinen Gefallen getan.”

    http://www.n-tv.de/politik/Abgeordnete-zweifeln-an-Beschluss-article6786446.html

    :::

  13. Edward von Roy Says:

    Nichtaufgeklärter, an Scharia und Fiqh festhaltender Islam ist Saubermachen – Geschlechtsorgan, Nachbarschaft, Bildungssystem, Politik und Paragraphen sind von Verunreinigung zu befreien und frei zu halten (Purify and Educate). Die am islamisch ideologisierten Schamgefühl und Körperverständnis ansetzenden Proislamisten und notorisch fremdenfeindlichen Antiislamisten können jeden Rechtsstaat so zerlegen, wie die beiden Pakistan (mit Bangladesch) aus Indien herausgerissen worden sind; ich schrieb darüber:

    „was Europa droht und was vor Jahrzehnten im südlichen Asien als Zwei-Nationen-Theorie (Two-Nation Theory) segregierend und sezessionistisch aktiv wurde“

    http://eifelginster.wordpress.com/2010/02/06/161/

    Fuat Sanaç bringt Fingernägelkürzung in Verbindung mit der islamischen Begründung der männlichen Beschneidung:

    „Für Muslime ist die Beschneidung seit 1.500 Jahren ein religiöser Akt und wie Fingernägel schneiden.“

    http://www.wallstreet-online.de/nachricht/4972088-beschneidungsverbot-geistige-vertreibung

    Das ist richtig, mit Fingernagel und Präputium hat Allah etwas vor; Hadithsammler Buchari (* 810; † 870) und IGGiÖ-Präsident Fuat Sanaç (* 1954) haben das vom Himmel herab gekommene Gesetz richtig verstanden.

    Die Scharia stellt fest, dass Fingernägel kurz zu schneiden (clipping the nails; Hadith Buchari Nr. 777, Quelle s. u.) und Penisvorhäute (circumcision, ebenfalls s. u.) abzuschneiden sind. Fitra ist Scharia:

    Shariah
    The Fitrah (Natural State Of Man) And Harmony With Human Nature

    Islamic sharee’ah is the sharee’ah of the fitrah (natural state of man) and it is in harmony with human nature

    http://www.esinislam.com/Articles201101/WritersArticles_IHRulingOnSexualFantasiesShariahTheFitrah_0119d.htm

    Den Tauhid kann jedermann als völlig wahr spüren, die Propheten sind insofern also nur zur zum Ermahnen und zu deinem erneuerten Erinnern des Tauhid gekommen. Die Scharia hingegen übersteigt das menschliche Verstehen.

    The Definition of Fitrah

    ‘Truly, the religion (dîn) in the sight of Allah is al-Islam.’ (Qur’ân 3:19)

    And, according to Lane, it means particularly the religion of al-Islam. The synonyms of ad-dîn are ash-Shariah (the law), tawhîd (Oneness of Allah) and wara‘ (caution [heilssichernde Meidung, vgl. Islamloyalität und das Zurückweisen alles Nichtislamischen: al-walā wal-barāa]). …

    The function of the prophets and Divine revelation is not only to remind man about that which he already knows (that is, tawhîd), but also to teach him that which he does not yet know (that is, Shariah). Man already knows tawhîd because of the pre-existent fitrah as well as his earthly unchanging fitrah. The prophets have come only to remind man of tawhîd; the choice is left to the individual

    http://www.missionislam.com/knowledge/DefinitionFitrah.htm

    OUR DIALOGUE
    By S.Abdullah Tariq
    Circumcision
    (Luqman ; Shillong)

    A. Circumcision (Khatna) is a Sunnah of all prophets. … The circumcision is known as the Sunnah of Ibrahim (A.S.) as he was the first prophet on record to have received the order thereof. …

    Fiq’h scholars differ in their opinion about the compulsion of circumcision in Shariah. According to Imam Abu Hanifa, Imam Malik and a majority of others it is a Sunnah while some scholars including Imam Shafa’i, it is Waajib. Looking at its necessity for cleanliness and hygiene and considering that Allah had ordained Hazrat Ibrahim (A.S.) to circumcise himself when he was 80, it seems that Waajib is more likely. Were it not at least next to Fardh (i.e.), prophet Ibrahim would have been spared at his old age. Circumcising his son Ismael would have been sufficient for the initiation or renewal of a Sunnah.

    A majority of Ulema [‚ulamā, Mz. v. ‚ālim, Scharia-Gelehrter; ihre Islaminterpretation zu verwerfen führt den Muslim höchstwahrscheinlich in die ewige Verdammnis] are of the opinion that the parents should get a male child circumcised before the age of 10.

    http://www.islamicvoice.com/may.2000/dialogue.htm#cir

    OUR DIALOGUE
    By S.Abdullah Tariq
    Islamic Rules for Circumcision
    By Mustafa A.Ahmed

    Five are the acts quite akin to fitra: circumcision, shaving the pubes, cutting the nails, plucking the hair under the armpits and clipping (or shaving) the moustache Recorded in “Sahih Muslim”, “Sahih Bukhari”, “Musnad Ahmed” and “Sunnah At-Tirmidhi”).

    The word fitra in relation to cleanliness can refer to the Sunnah of the Prophet (Pbuh) with regard to this matter, and fitra also “implies an inner sense of cleanliness in man which is proof of his moral convictions and mental health”. …

    the performance of circumcision and the practice of Sunan Al- Fitra as recommended in Islam is medically beneficial and reflects the wisdom of the Islamic statements.

    http://www.islamicvoice.com/may.2000/dialogue.htm#cir

    Auch nach diesem Hadith von Buchari fordert Allah die männliche Beschneidung (Zirkumzision), Band 7 Buch 72 Nummer 777

    Sahih Bukhari – Hadith No: 777
    Volume : 7
    Book : 72
    Narrator : Abu Huraira:

    Allah’s Apostle said, “Five practices are characteristics of the Fitra: circumcision, shaving the pubic region, clipping the nails and cutting the moustaches short.”

    http://www.nur.org/en/intro/nurlibrary/Sahih_Bukhari_Hadith_No_777_Volume_7_69616

    777 — Narrated Abu Huraira: Allah’s Apostle said, “Five practices are characteristics of the Fitra: circumcision, shaving the pubic region, clipping the nails and cutting the moustaches short.”

    http://www.searchtruth.com/book_display.php?book=72&translator=1&start=0&number=777

    Für den, der den Muslim hasst, ist jedes Mittel recht. Gestern Feminist, heute Jäger der verlorenen Vorhaut. … Die Beschneidung ist eine Prophetenvorgabe und damit nicht verhandelbar. Der Gläubige glaubt. Der Liberale biegt und beugt, bis die Gottesliebe zur bloßen Ideentapete verkommt. … Dem Gläubigen ist die Liebe des Herrn versprochen.

    Feridun Zaimoglu

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/feridun-zaimoglu-im-gespraech-deutschland-macht-sich-laecherlich-11832954.html

    Islam ist heilssichernde Ungleichbehandlung (Diskriminierung, zunächst und vor allem der Frau, die polygam geheiratet und verstoßen werden kann und nach dem Koran nur die Hälfte erbt).

    Die Dhimma-gemäße Aufteilung der Stadtbürger in Muslime und Nichtmuslime ist alles andere als selbstverständlich und entspricht der Apartheid oder Indiens Kasten-System. In Staaten wie Malaysia und Ägypten bilden die Muftis und Imame (trotz aller Islamverankerung in der Verfassung) eine immer erneuerte, provokante Gegenstaatlichkeit heraus, kristallisieren zu einer Alternativregierung; arbeitsteilig schickt man die so genannten Salafisten noch etwas weiter vor, um als kompromissbereiter Partner dazustehen.

    Der muslimbrudernahe Großmufti Ceric wird mit Friedenspreisen überschüttet und darf 2012 im Beisein der deutschen Bundesbildungsministerin Schavan in Tübingen den neuen Fachbereich Islamische Studien einweihen. Die Rechtsspaltung, zunächst im Familienrecht, will der ECFR-Scheich selbstverständlich, opening the way:

    Mustafa Ceric: DECLARATION OF EUROPEAN MUSLIMS

    f) opening the way for the Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law;

    (Wege zu finden, wie muslimisches Recht für Personenstandsangelegen-heiten, wie z.B. Familienrecht, anerkannt werden kann)

    g) and the protection of European Muslims from islamophobia, ethnic cleansing, genocide and the like.

    (Schutz der europäischen Muslime vor Islamophobie, ethnischen Säuberungen, Völkermord und dergleichen)

    http://www.rijaset.ba/english/index.php/offices/9-documents/134-declaration-of-european-muslims

    Mustafa Ceric: The challenge of a single Muslim authority

    Statt Kalifat nennt Ceric den werdenden Kontraststaat Imamat:

    in Europe “In the sharı¯’’ah as their Weltanschauung, Muslims have their covenant with God” , “In fact, the question of the imamate as the ‘supreme leadership’ of the universal Muslim umma [21, p. 859] after the death of the Prophet is the central issue of the current situation not only in the Muslim centre, but also in the Muslim periphery, Europe included. I have designated the imamate as the third theological foundation of Islamic authority in civil life because it is a part of Islamic judicial theory as well. The imamate is a human product based on personal faith, established by collective moral commitments and maintained by political power.

    http://springerlink.com/content/40280g3825750494/fulltext.pdf

    Deobandi will Jungenbeschneidung, die mehrfach mit dem el-Zayat-Clan verheiratete Millî Görüş will die Jungenbeschneidung, der von Fethullah-Gülen-Bewegung und Millî Görüş-Bewegung unterwanderte Diyanet-Staatsislam will die Jungenbeschneidung und die Bärtigen und Burkaträgerinnen der Salaf-Bewegung wollen sie auch. Es gibt nur einen Islam, ein Gesetz (Scharia), eine Umma, eine Khitan (Zirkumzision).

    „Überall, wo die inhumanen Werkzeuge von Scharia und Fiqh nicht abgelegt sind, gilt: Salafismus ist der heiße Mokka aus Mekka, alles andere ist Nichtislam oder kalter Kaffee.“

    http://eifelginster.wordpress.com/2011/05/09/235/

    Gerade auch bei der Beschneidungsdebatte dürfen wir jede islamverbandlich an uns herangetragene Kategoriebildung ‚Muslime – Nichtmuslime‘ zurückweisen. Muslime sind eben gerade nicht „anders“, sind keine Spezies, keine „Sorte Mensch“, sondern unterliegen dem gleich behandelnden Gesetz (genau das, werden Schariafreunde sagen, sei ungerecht).

    Zusammengestellt am 30. Juli 2012 von
    Edward von Roy

  14. Widderhorn Says:

    ::

    Beschneidung: Warnung vor psychischen Folgen

    BERLIN (sun). Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung hat bei dem Thema Beschneidung bei Jungen vor einem politischen Schnellschuss gewarnt.

    Schließlich könne sich eine aus religiösen Gründen vorgenommene Beschneidung langfristig auf die Psyche der Jungen auswirken. Das schreibt der Verband in einem offenen Brief an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

    Ärzte Zeitung, 26.07.2012

    http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/818877/beschneidung-warnung-psychischen-folgen.html?sh=3&h=-1637891865

    ::
    ::

    25.07.2012
    Deutsche PsychotherapeutenVereinigung

    Beschneidung von Jungen

    Sehr geehrte Frau Bundesministerin Leutheusser-Schnarrenberger,

    am 19. Juli 2012 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, die Bundesregierung aufzufordern, im Herbst 2012 einen Gesetzentwurf vorzulegen, der sicherstellt, „dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist“. Die rechtliche Einordnung der Beschneidung müsse „so schnell und so gründlich wie möglich geklärt werden“.

    Inzwischen mehren sich die Stimmen, die vor einem politischen Schnellschuss warnen. Mit einem offenen Brief an die Parteien hat sich eine Initiative formiert, die den Gesetzgeber auffordert, sich in dieser Angelegenheit eindeutig auf der Seite des Kindes zu positionieren, die Debatte auf wissenschaftlicher und rechtlicher Grundlage zu führen und die Erkenntnisse der Forschung zu berücksichtigen.

    Als Berufsverband von Psychotherapeuten schließen wir uns der Bitte an, keine gesetzliche Lösung ohne eine gründliche Sichtung der Forschungsergebnisse über mögliche somatische und psychische Folgen der Beschneidung von Jungen zu treffen. Eine vorläufige Übersicht über die Forschungsergebnisse (s. Anlage) zeigt uns, dass es deutliche Hinweise auf langfristig negative psychische Auswirkungen der aus religiösen Gründen durchgeführten Beschneidung gibt. Auch finden sich in der Literatur Belege für langfristige sexuelle Funktionsstörungen und reduzierte sexuelle Zufriedenheit bei Männern, die als Kinder beschnitten wurden.

    Wir regen an, dass bevor eine gesetzliche Regelung getroffen wird, eine gründliche Analyse der Forschungsergebnisse durch eine von der Bundesregierung eingesetzte wissenschaftliche Ex-pertenkommission vorausgehen sollte.

    http://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/fileadmin/main/g-datei-download/News/2012/Brief_BMJ_-_Beschneidung.pdf

    ::

    Literaturhinweise zum Thema “Psychologische Auswirkungen der Beschneidung“

    Behrendt A, Moritz S. Posttraumatic Stress Disorder and Memory Problems After Female Genital Mutilation. Am J Psychiatry 2005;162:1000-2.

    Bigelow, Jim, Ph. D. Chapter 10, Psychological Factors Related to Infant Circumcision, pp.89-112. In:The Joy of Uncircumcising!, Hourglass Book Publishing, Inc., Aptos CA 95001, 1992, 1995. (ISBN 0-934061-22-X)

    Boyle GJ, Goldman R, Svoboda JS, Fernandez E. Male circumcision: pain, trauma and psychosexual sequelae. J Health Psychology 2002;7(3):329-43.

    Boyle GJ, Bensley GA. Adverse sexual and psychological effects of male infant circumcision. Psychological Reports 2001;88:1105-1106.

    Gemmell, T., & Boyle, G. J. (2001). Neonatal circumcision: Its long-term harmful effects. In G. C. Denniston, F. M. Hodges, & M. F. Milos (Eds.), Understanding circumcision: A multi-disciplinary approach to a multi-dimensional problem. New York: Kluwer/Plenum.

    Goldman, R. Circumcision policy: a psychosocial perpective. Paediatr Child Health 2004;9(9):630-3. (Offsite link)

    Goldman, R. Circumcision: The Hidden Trauma. Vanguard Publications, 1997. (ISBN 0-9644895-3-8)

    Immerman, R. & Mackey, W. (1998). A biocultural analysis of circumcision.

    Social Biology, Volume 44, Pages 265-275.

    Kennedy H. (1986) Trauma in Childhood. Psychol Study Child 41:209-219.

    Menage J. (1998) Circumcision and psychological harm. (Link to http://www.norm-uk.co.uk)

    Goldman R. The psychological impact of circumcision. BJU International 1999; 83, Suppl. 1:93-102.

    van der Kolk, B. The compulsion to repeat the trauma: re-enactment, revictimization, and masochism. Psychiatric Clinics of North America 1989;12: 389-411.

    van der Kolk BA, Perry JC, Herman JL. Childhood origins of self-destructive behavior. Am J Psychiatry 1991;148;1665-71

    http://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/fileadmin/main/g-datei-download/News/2012/Literaturhinweise_zum_Thema.pdf

    ::
    ::

    BERLIN (dpa). Das Streitthema Beschneidung beschäftigt nun auch den Deutschen Ethikrat.

    Am 23. August 2012 wird sich das unabhängige Expertengremium in öffentlicher Sitzung mit der Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen befassen.

    Ärzte Zeitung online, 27.07.2012

    http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/818933/beschneidung-ethikrat.html?sh=2&h=-1637891865

    ::
    ::

    Öffentliche Sitzung des Ethikrates zum Thema Beschneidung im August
    PRESSEMITTEILUNG 08/2012
    Berlin, den 27. Juli 2012

    Am 23. August 2012 wird sich der Ethikrat im Rahmen einer öffentlichen Plenarsitzung mit dem aktuell diskutierten Thema der Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen beschäftigen. Die Ratsmitglieder Peter Dabrock, Wolfram Höfling, Ilhan Ilkilic, Leo Latasch und Reinhard Merkel werden in Impulsreferaten strafrechtliche, religiös-kulturelle, medizinische und ethische Aspekte der Beschneidung in den Blick nehmen und im Plenum zur Diskussion stellen.

    http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2012/pressemitteilung-08-2012

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    ::

    Leutheusser gegen eigenes Gesetz

    BERLIN (dpa). Ein gesondertes Gesetz zur religiösen Beschneidung kleiner Jungen soll es nach dem Willen von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nicht geben.

    Dies sei das Ergebnis von Beratungen im Justizministerium, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Uneins seien sich die Experten noch darüber, ob die Beschneidung aus religiösen Gründen besser im Strafrecht oder im Familienrecht geregelt werden kann.

    Ärzte Zeitung online, 29.07.2012

    http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/818949/beschneidung-leutheusser-eigenes-gesetz.html?sh=1&h=-1637891865

    ::

  15. Cees van der Duin Says:

    In der linken Jungle World wird man auf die schafiitische Pflicht zur MGM und FGM aufmerksam, immerhin; ich zitiere hier Thomas von der Osten-Sacken:

    Niemand, der momentan ausdrücklich ein Gesetz fordert, dass Beschneidungen aus religiösen Gründen erlauben soll, könnte deshalb ernsthaft und vor allem glaubhaft einem Kleriker der Schafi’iten erklären, wieso der seine religiöse Sicht, zu der nun mal die Beschneidung von Mädchen gehört, denn nicht auch in Deutschland ausleben können sollte. Und diese Fragen werden kommen; die interessierten Kreise im Nahen Osten sind nämlich nicht dumm und verfolgen solche Debatten ganz genau.

    Deshalb auch sollten alle, die fordern, wie es der Zentralrat der Juden und verschiedene muslimische Verbände tun, dass Beschneidung an Genitalien von Minderjährigen positiv legalisiert werden solle, wissen, welche ganz unintendierten Folgen dieses Gesetz haben wird. Ein Gesetz, dem, wie sie erst kürzlich in einer Resolution erklärt haben, die überwältigende Mehrheit aller Parlamentarier des Bundestages bereit sind zuzustimmen.

    Dabei geht es hier keineswegs lediglich um die inzwischen zur Genüge abgehandelten Fragen von gesundheitlichen und psychischen Folgen von Beschneidungen, sondern um die religiöse Rechtfertigung, die man plant, diesem Gesetz zu Grunde zu legen.

    Entsprechend erfreut dürften sich deshalb die Herren vom Institut für schafi’itische Rechtsfragen zeigen, wenn etwa das evangelische kirchenrechtliche Institut folgenden Gesetzestext vorschlägt:

    “Die elterliche Sorgeberechtigung in religiösen Angelegenheiten umfasst auch die Einwilligung in eine von medizinisch qualifiziertem Personal de lege artis durchgeführte Zirkumzision, wenn eine solche nach dem religiösen Selbstverständnis der Sorgeberechtigten zwingend geboten ist.”

    Denn dies träfe nach schafi’itischer Auffassung genau auf den von ihnen vorgeschriebenen Eingriff bei Mädchen zu. So wie auf Beschneidung von Säuglingen bei Juden und von Jungen in anderen islamischen Rechtsschulen.

    Sobald also ein solches Gesetz in Kraft treten würde, hätte man kaum mehr eine Handhabe, Genitalverstümmelung von Mädchen noch effektiv zu ahnden.

    Das aber kann doch niemand ernsthaft wollen, der nun nach einem Gesetz ruft. Seit dem Kölner Urteil insbesondere betonen doch gerade die so genannten Beschneidungsbefürworter in fast jedem ihrer Texte, wie sehr ihnen das Wohl von Mädchen am Herzen liegt.

    Egal ob man nun die Beschneidung von Jungen befürwortet oder nicht, es gibt auch ohne Verabschiedung eines derart fatalen Gesetzes praktikable Mittel und Wege, dass in Zukunft in Deutschland die jüdische Beschneidung an Minderjährigen straffrei vorgenommen werden kann.

    Als erstes müsste allerdings der Kardinalfehler der ganzen Debatte verstanden werden: Beschneidung von Jungen im Judentum, also die Brit Mila, ist etwas ganz anderes als Beschneidung in den unterschiedlichen islamischen Rechtsschulen. Anders als im Judentum gibt es im Islam keine einheitliche Auffassung dazu. Auch wenn alle Rechtsschulen, inklusive der schiitischen, Beschneidung von Jungen befürworten, schreibt außer den Schafi’is keine sie als zwingend notwendig vor. Bei den Schafi’s, ich betone es noch einmal, gibt es aber keine Trennung zwischen der Beschneidung von Jungen und Mädchen.

    Umgekehrt ist und war dem Judentum die Beschneidung von Mädchen (mit Ausnahme einiger äthiopischer Juden, der Falashas), unbekannt.

    Wenn man also fortan von Beschneidung redet, sollte man sehr genau trennen. Und weil Beschneidung nicht Beschneidung ist, sollte mit den verschiedenen Formen auch ganz unterschiedlich umgegangen werden:

    Wenn nach Aussagen des Oberrabinats in Holland jährlich 50 Knaben nach jüdischem Ritus beschnitten werden, aber 30 000 Juden in Holland leben, dann betrifft es in Deutschland wohl kaum mehr als 250 Fälle im Jahr. In Holland machen hochgerechnet, bei 10-15000 Beschneidungen pro Jahr, die jüdischen also gerade einmal 0,5% aus. Auch wenn keine absoluten Zahlen aus Deutschland vorliegen, dürfte es hier ganz ähnlich aussehen.

    In den meisten muslimischen Rechtsschulen, ich kann es nur noch einmal betonen, ist die Beschneidung von Jungen (und eben auch Mädchen) entweder sunnat oder mandub. Es gibt aber keinerlei Vorschrift, in welchem Alter sie zu geschehen habe, das Optionsmodell von Ali Utlu, einem erklärten Gegner von Beschneidungen Minderjähriger, wäre deshalb eine ernsthafte Alternative; die Fortexistenz muslimischen Lebens in Deutschland wäre auch keineswegs, wie dieser Tage gerne bizarrerweise behauptet wird, bedroht:

    Bei den Muslimen ist es ja so, dass für die Beschneidung kein Alter vorgeschrieben ist. Ich stelle es mir ein Optionsmodell vor: Wenn das Kind 14, 16 oder 18 ist, darf es sich für oder gegen die Beschneidung entscheiden. Und das hat die Gemeinschaft dann auch zu akzeptieren.

    Damit bleiben 0,5 – maximal 1% aller jährlich aus religiösen Gründen durchgeführten Beschneidungen übrig. Wäre es nun so problematisch für die Brit Mila eine strikte, die Praxis zwar duldende, aber nicht per Gesetz legalisierende Ausnahmeregelung zu finden und damit ein Gesetz zu verhindern, dass die Büchse der Pandora ganz sicher öffnen würde?

    Noch einmal: es geht ja keineswegs um ein staatliches Verbot von jüdischen Beschneidungen (und in diesem Fall spielt es auch keine Rolle, ob der Autor dieser Zeilen mit all jenen symphatisiert, die Mittel und Wege suchen, wie man diese Praxis ganz beenden kann). Es geht darum, dass erklärtermaßen doch alle, trotz aller Differenzen, ein gemeinsames Ziel ganz offensiv zu verfolgen scheinen: nämlich mit allen Mitteln jede Hintertür verschlossen zu halten, durch die eventuell weibliche Genitalverstümmelung zugelassen oder gar legalisiert werden könnte.

    Um die akute Gefahr, die droht, zu verstehen, muss man begreifen und auch akzeptieren, dass vor allem die Schafi’is nicht zwischen den beiden Beschneidungsformen unterscheiden. Diese Unterteilung zwischen männlicher “Beschneidung” und weiblicher “Verstümmelung” ist deshalb weit weniger absolut, als aus Unwissen in viel zu vielen Debattenbeiträgen behauptet wird. Es handelt sich dabei vielmehr um eine auf ethischen und medizinischen Erkenntnissen fußende Differenzierung, die gegen den erklärten Willen unzähliger islamischer Kleriker vorgenommen wurde.

    Wer also aus Unwissenheit, Naivität oder gutem Glauben ein Gesetz zur Legalisierung der Zirkumzision aus religiösen Gründen in Deutschland einfordert, sollte wissen, dass er mutmaßlich ganz gegen seinen eigenen Willen damit all jenen Frauen und Männern, die sich etwa in Ägypten, Indonesien, Somalia und Kurdistan gegen die weibliche Genitalverstümmelung einsetzten, in den Rücken fällt. Es sind jene Ländern und Regionen, in denen die schafi’itische Rechtsschule dominiert. Dort kämpft eine wachsende Zahl von Menschen für die Illegalisierung dieser Praxis; dabei gilt es heftige Konflikte mit Teilen des konservativen Klerus auszufechten, manchmal werden Aktivisten gegen FGM sogar mit dem Tod bedroht.

    aus: Jungle World
    28. Juli 2012, 13.21 Uhr:
    »Beschneidung obligatorisch für Frauen und Männer«

    von Thomas von der Osten-Sacken

    http://jungle-world.com/jungleblog/1790/

    Anmerkung: Dass der für seinen Kampf gegen die irakisch-kurdische FGM sehr zu bewundernde Thomas von der Osten-Sacken auf die schafiitische Pflicht zur FGM hinweist, ist erfreulich, dass er die jüdische rituelle Zirkumzision nicht hörbar ablehnt jedoch bedauerlich.

    Für eine Jungenbeschneidung ohne medizinische Indikation gibt es keine Rechtfertigung, auch keine vom Himmel herab gekommene. Die rituelle Kinderbeschneidung ist für alle ethnoreligiösen Gruppen komplett zu verbieten, also, die Juden hier völlig gleich behandelnd, selbstverständlich auch die Brit Mila. Eine heutzutage wirklich spirituell gelebte Religion, da überzeugt uns Necla Kelek völlig, braucht keine aus der Bronzezeit oder sogar Steinzeit stammenden blutigen Kulthandlungen und die bösen Geister verjagenden Körpermarkierungen.

    In ihrem Offenen Brief (Open Letter to Fourth International Symposium on Sexual Mutilations) kritisierte die britisch-jüdische Ärztin und Psychotherapeutin Jenny Goodman rituelle Vorhautbeschneidung kleiner Jungen so:

    Ich bin zuversichtlich, dass mein Volk so viele lebensbejahende, lebensfreudige und erkenntnisbringende Traditionen hat, dass unsere Identität und kulturelle Selbstachtung ohne Probleme überleben wird, wenn wir über die Beschneidung hinauswachsen, die ein grausames Relikt ist, das ich immer als eine Abweichung vom Herzen meiner Religion empfunden habe.

    I am confident that my people have such an abundance of life-enhancing, life-affirming and mind-opening traditions, that our identity and sense of cultural self-heed will happily survive our outgrowing of circumcision, a cruel relic which has always felt to me like an aberration at the heart of my religion.

    http://www.cirp.org/pages/cultural/goodman.html

  16. Querverweis Says:

    Für die körperliche Unversehrtheit von Kindern
    Irmingard Schewe-Gerigk,
    TERRE DES FEMMES-Vorstandsvorsitzende

    Am 26. Juni hat das Landgericht Köln entschieden, dass religiöse Beschneidung bei Kindern eine Körperverletzung ist und dass sich Ärztinnen und Ärzte, die sie dennoch vornehmen, strafbar machen. Als Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES begrüße ich dieses Urteil, da es zeigt, dass die körperliche Unversehrtheit von Kindern auch nicht mit religiösen Argumenten verletzt werden darf.

    Das Gericht hat bei der Güterabwägung zwischen zwei Grundgesetzartikeln klargestellt: Das im Grundgesetz verankerte Recht auf ungestörte Religionsausübung und das Erziehungsrecht der Eltern haben keinen Vorrang gegenüber dem vom Grundgesetz verbrieften Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Hinzu kommt die Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention, mit der sich Deutschland verpflichtet hat, Bräuche, die für Kinder schädlich sind, abzuschaffen. Dass dieser irreversible Eingriff nicht dem Wohl des Kindes entsprechen kann, machen nicht nur die Narkoserisiken sondern auch Nachblutungen, Fistelbildung und z.T. lebenslange seelische Schäden deutlich.

    Das ist auch der Grund dafür, dass die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie Beschneidungen ohne medizinische Indikation wie z.B. eine massive Vorhautverengung, ablehnt und auch die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, wenn kein Heileingriff vorgenommen wird. Und welches Männerbild liegt dem nachgeschobenen Argument zugrunde, es sei hygienischer, die Vorhaut abzutrennen? Wasser ist bei uns kein Mangel und wie „Mann“ sich wäscht, sollten Jungen früh lernen. Auch das Argument, in den USA seien über 70% der Männer beschnitten, taugt nicht. Im 19. Jahrhundert als Mittel gegen Masturbation eingeführt, steht die Beschneidung als Symbol der Sexualfeindlichkeit.

    Als Menschenrechtsorganisation geht es TERRE DES FEMMES um etwas Grundlegenderes: die körperliche Unversehrtheit von Kindern ist ein Menschenrecht und muss für alle Kinder gleichermaßen gelten, egal welcher Herkunft, Religion und welchen Geschlechts sie sind. Wir machen uns stark dafür, dass irreversible Eingriffe in die Unversehrtheit von Kindern – mit Ausnahme medizinisch notwendiger Behandlungen – generell verboten werden. Sie dürfen weder mit Religion noch Tradition gerechtfertigt werden. Menschenrechte sind nicht teilbar – auch nicht zwischen Mädchen und Jungen. Dass dies in der Realität täglich dennoch geschieht, wissen wir als Mädchen- und Frauenrechtsorganisation nur zu gut. …

    TERRE DES FEMMES wird einen Beitrag dazu leisten, dass Eltern davon überzeugt werden, dass kleine Jungen ohne medizinische Notwendigkeit keinem riskanten Eingriff ausgesetzt werden dürfen. In der jüdischen Gemeinde gab es 2006 eine Umfrage, wonach 1/3 der Eltern die Beschneidung ablehnen, aber dem Druck der Gesellschaft nicht standgehalten haben. Dennoch wächst die Zahl derer, die sich gegen dieses Ritual entscheiden. Jungen sollen sich, wenn sie alt genug sind, selbst für oder gegen eine Beschneidung entscheiden können. …

    http://frauenrechte.de/online/images/downloads/fgm/tdf-stellungnahme-beschneidungsurteil.pdf

  17. Querverweis Says:

    Outlawing Circumcision
    Good for the Jews?
    By Eli Ungar-Sargon

    http://forward.com/articles/137577/outlawing-circumcision/

    Beyond the Bris: Questioning Jewish Circumcision

    Welcome to the web-based multimedia project that’s putting real faces and voices to the current Jewish movement opposing circumcision.

    http://www.beyondthebris.com/

    Questioning Circumcision: A Jewish Perspective
    8/7/2011

    By Ronald Goldman, Ph.D.
    review by J. Steven Svoboda

    Although many believe circumcision necessary for Jewish survival and identity, under Jewish law, any child born of a Jewish mother is a Jew, whether circumcised or not.

    http://arclaw.org/resources/book-reviews/questioning-circumcision-jewish-perspective

    Germany awarded political asylum to a Turkish man based on his fear of enforced circumcision: „There may be … no doubt that a circumcision which has taken place against the will of the person affected shows a violation of his physical and psychological integrity which is of significance to asylum.“

    http://arclaw.org/our-work/presentations/traditional-practices-affecting-health-women-and-girl-child

    We recognize the inherent right of all human beings to an intact body. Without religious or racial prejudice, we affirm this basic human right.

    We recognize that the foreskin, clitoris and labia are normal, functional body parts.

    Parents and/or guardians do not have the right to consent to the surgical removal or modification of their children’s normal genitalia.

    Declaration of the First International
    Symposium on Circumcision

    Adopted March 3, 1989
    Anaheim, California

    http://www.nocirc.org/declare.php

    Progressive Rabbis On Creating A Jewish Covenant Without Circumcision
    Article | January 27, 2012

    http://intactnews.org/node/142/1327690351/progressive-rabbis-creating-jewish-covenant-without-circumcision

  18. Kalevala Says:

    Zur Frage der Strafbarkeit
    weiblicher Genitalverstümmelung
    gemäss den Typen I und IV

    Rechtsgutachten
    Prof. Dr. M.A. Niggli und lic. iur. Anne Berkemeier
    unicef

    Erscheint nun hinsichtlich des universell statuierten Verbotes von sexuellen Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren deutlich, dass dies auch impliziert, dass eine rechtsgültige Einwilligung in eine Genitalverstümmelung in diesem Alter nicht möglich ist, so wäre zu fragen, ob die Beschränkung der Universalität in Art. 5 Abs. 1 lit. b revStGB auf Kinder unter 14 Jahren umgekehrt impliziert, dass nach schweizerischen Vorstellungen ab diesem Alter die Kinder eventuell rechtsgültig in eine Genitalverstümmelung einwilligen können. Dies ist aber zu verneinen. …

    Selbst bei Opfern, die zwar älter als 16 Jahre aber noch nicht volljährig sind, dürften der Rechtsgültigkeit einer eventuellen Einwilligung gegenüber Zweifel bestehen. Zum einen wird die Genitalverstümmelung mit medizinisch völlig falschen Vorstellungen begründet, denn gerade im Hinblick auf die gravierenden medizinischen Nachteile besteht in denjenigen Kulturen, die die Genitalverstümmelung praktizieren, ein beträchtliches Informationsdefizit. Zum anderen dient der Eingriff dazu, die Frau heiratsfähig zu machen. Eine Verweigerung hat die gesellschaftliche Ächtung zur Folge. Entsprechend dürfte durchaus zweifelhaft sein, ob unter diesen Umständen eine freie Willensbildung möglich sei. Allerdings kann dies nur im konkreten Einzelfall abgeklärt werden.

    C. Einwilligung durch die Eltern

    In den meisten Fällen sind es allerdings nicht die betroffenen
    Mädchen selbst, die eine Einwilligung erteilen, sondern
    vielmehr deren Eltern. Nun sind nach schweizerischem Recht
    die Eltern eines Kindes befugt, an dessen statt zu entscheiden,
    soweit das Kind selbst nicht urteilsfähig ist. Die Beurteilung
    der Urteilsfähigkeit richtet sich nach Art. 16 ZGB. …

    Wie bereits dargestellt, sind nach schweizerischen Rechtsvorstellungen Kinder unter 16 Jahren145 noch nicht fähig, rechtsgültige Entscheidungen bzgl. ihrer eigenen Sexualität zu treffen. Fragen lässt sich nun, ob eine solche Entscheidung damit durch die Eltern getroffen werden könnte. Wie indes die Art. 197 Ziff. 1 und 187 StGB überdeutlich zeigen, ist dies nicht der Fall.

    Die entsprechenden Normen kennen keine Möglichkeit der Einschränkung, so dass z.B. das Zugänglichmachen von pornographischen Schriften oder Aufnahmen an Kinder unter 16 Jahren strafbar ist, gänzlich unabhängig davon, ob die Kinder oder deren Vertreter eingewilligt haben. Der Jugendschutz ist mithin strikt.

    Entsprechend erscheint uns ausgeschlossen, dass die Eltern in diesem höchstpersönlichen Bereich für die urteilsunfähigen Kinder rechtswirksam einwilligen können. Auch eine strafausschliessende Einwilligung in eine Genitalverstümmelung der Typen I oder IV durch die Eltern ist damit nicht möglich.

    http://assets.unicef.ch/downloads/RZ_Rechtsgutachten_07_d.pdf

    gefunden hier, dankeschön:

    Gegen-Beschneidung.de

    http://www.gegen-beschneidung.de/mydownloads,singlefile,lid,5.html

    http://www.gegen-beschneidung.de/newbb_plus,index.html

    Anmerkung Kalevala: Die Jungenbeschneidung ist sehr wohl eine drastische körperliche und seelische Schädigung und entspricht insodern sehr wohl der FGM-Typologie I oder IV. Leider scheint die unicef die MGM (Brith Mila; khitân / sünnet) noch zu verharmlosen – daran sollte sich trotz der hart agitierenden Pro-Zirkumzisions-Lobby schariatreuer und US-amerikanischer Herkunft zeitnah etwas ändern; weiter vorne im Rechtsgutachten der unicef:

    Nicht eingegangen wird im Rahmen dieses Gutachtens auf die Problematik der Beschneidung von Jungen. Dies deshalb, weil Beschneidungen von Jungen weder auf der Ebene des anatomischen noch des seelischen Schadens mit derjenigen von Mädchen vergleichbar sind. Die männliche Beschneidung stellt einen relativ komplikationslosen Eingriff dar, während die weibliche Beschneidung als hochgradige genitale Verstümmelung zu bezeichnen ist.

    Die unicef wird mythologisch aktiv, fusioniert steinzeitliche männerbündische Initiationsrituale mit US-amerikanischer Verklemmtheit und gezielter Desinformation und ist dabei wie zufällig völlig schariakompatibel:

    Medical male circumcision

    There is now compelling evidence that male circumcision can reduce the risk of a man contracting HIV from unprotected sex with an infected woman by 60 percent. In March 2007, WHO and UNAIDS called for medical male circumcision to be made widely available to all men living in countries or parts of countries that have a high prevalence of HIV infection. In Eastern and Southern Africa (ESA), 13 countries with high HIV prevalence, a generalised heterosexual epidemic and low levels of male circumcision were identified as priority countries for scale up. …

    Circumcising the young

    Adolescent boys and young men: Providing medical male circumcision to older boys and to young men will reduce their HIV-risk when they become sexually active. …

    Babies: Circumcising infant boys is a relatively straightforward procedure and if properly carried out, complications are very rare.

    http://www.unicef.org/esaro/5482_7884.html

    2011 wird die MGM, schon etwas plausibler, zwischen den Strategien von völliger sexueller Abstinenz, vermiedener Drogeninjektion, angemessener Anti-AIDS-Medikation und offener HIV-Debatte genannt … mit-genannt:

    The evidence of what works to prevent HIV infections in adolescents and young people is clear. The package of proven
    interventions includes: abstaining from sex and not injecting drugs; correct and consistent use of condoms; medical male
    circumcision; needle and syringe exchange programmes as part of comprehensive harm reduction; antiretroviral drug use as
    treatment or post-exposure prevention; and effective communication for social and behavioural change.

    http://www.unicef.org/esaro/Opportunity_in_Crisis_KeyMessages.pdf

    LETTER TO WHO AND UNICEF – NO TO MALE CIRCUMCISION
    Écrit par Jules Cerre
    Mercredi, 10 Novembre 2010

    I am writing to you to attract your attention to the issues raised by the position you hold on male circumcision. Your general position is that male circumcision should be promoted as it helps prevent HIV.

    First, male circumcision is a form of physical and psychological violence. Removing part of the foreskin of the male genitalia is an act of violence that at best causes physical discomfort and at worst causes pain if done under proper medical supervision. If not it can lead to castration and even death. In South Africa, boys are dying following circumcision. See a BBC report from June 18, 2010 at http://news.bbc.co.uk/2/hi/world/africa/10350471.stm.

    From a psychological standpoint it can be asserted that as with any form of physical violence it causes psychological trauma. Too few studies exist at this point to contradict the assertion.

    Second, male circumcision may help protect against HIV but does not demonstrably do so. Some experts are convinced that it does. Others are less so. …

    Finally, it is difficult not to see male circumcision as a violation of the United Nation’s 1989 Convention of the Rights of the Child and in particular Article 19 which concerns “all forms of physical or mental violence”. When many countries are either adopting or proposing “anti-smacking laws”, it is difficult to envisage how male circumcision, unless performed for irrefutable medical reasons, should not be considered a harmful practice.

    As a result of this I urge your organization to rethink its promotion of male circumcision and take into account the potential consequences of such promotion.

    http://www.cri-irc.org/v4/publications/10-violences/15-letter-to-who-and-unicef-no-to-male-circumcision.html

  19. Eva Quistorp Says:

    Wider die postmoderne Religionspolitik
    (der Grünen und anderer Parteien)

    Ein Essay von Eva Quistorp, MdEP a.D.:
    Feministische und protestantische Theologin, Moderatorin
    interreligiöser Frauendialoge, Germanistin, Politologin
    Mitgründerin der Frauen für Frieden und der Grünen, der
    Boell-Stiftung u.a.

    nachzulesen auf der webseite des Perlentaucher vom 17.7.2012

    http://www.perlentaucher.de/essay/wider-die-postmoderne-religionspolitik.html

  20. Jacques Auvergne Says:

    Wenig paradiesisch: Eva und die Vorhaut

    Wie kann jemand, der im Spätsmmer 2010 gegen die Burka angeschrieben hat und vier Wochen eher gegen die politischen Folgen der Scharia unterzeichnet, 2012 für die religiöse Beschneidung eintreten, wenn sie nur unter kräftig benebelnder Narkose durchgeführt wird?

    Bei aller noch zu erwartenden oder bereits hörbar gewesenen Erpressungstaktik von schrecklichen Penis-Verwundungen bei stümperhaften Hinterhofbeschneidungen ist die Verlagerung eines angeblich das Heil der Seele sichernden Rituals in ein Hospital, ist die Medikalisierung der Amputation einer hoch sensiblen Hautfalte am maskulinen Kindergenital für jeden Freund des Aufklärungshumanismus und der Universalität der Menschenrechte keine sozialpädagogische oder juristische Option.

    Zirkumzisionsfreundin Eva Quistorp meldet sich 2012 zum Thema Ritualbeschneidung (Khitân bzw. Brit Mila) bei Perlentaucher zu Wort (Wider die postmoderne Religionspolitik) und ruft nun nicht etwa nach dem, kulturell modern, endlich durchgesetzten Verzicht auf gottesfürchtige Entfernung gesunden Genitalgewebes am Kinderpenis, sondern nach dem durchgesetzten Einsatz von Opiaten für „kleine Jungen“ bzw. „kleine Jungs“. Ach ja, die gute alte Kinderzeit; kleine Jungen klingt so familienidyllisch-traut, scharfes Denken stört da die Romantik (scharfes Messer nicht?) und kleine Jungs sogar ein wenig nach Pipimachen.

    Nanu, „Juden“ und „Muslime“ sind nicht einfach als Staatsbürger misszuverstehen, sondern gleichen, ein wenig wie die in die europäische Fauna hinein immigrierten Waschbären oder Halsbandsittiche, einer Art zugewanderter Spezies? Frau Quistorp jedenfalls wünscht sich allen Ernstes: „Ich habe nichts gegen eine Kompromisslösung zur Beschneidung von kleinen Jungs bei Juden und Muslimen, wenn sie betäubt werden und daraus kein Gruppenzwang wird … [und ich finde den Versuch von Volker Beck und Renate Künast anerkennenswert, zeitnah] eine juristische Klärung und einen Kompromiss zu erreichen, der zumindest auf der Schmerzbetäubung besteht bei der Beschneidung kleiner Jungen“.

    Das ist argumentativ und ethisch widerlich und verstößt gegen die Normen von körperlicher Unversehrtheit und Menschenwürde. Hier heißt es deshalb, auf den groben Klotz der Eva Quistorp einen genau so groben Keil zu setzen bzw. paradox zu intervenieren, um Menschenfeindlichkeit zu erkennen und zu verwerfen; wollen wir denn etwa ab morgen sagen: „Ich habe nichts gegen eine Kompromisslösung zur Beschneidung von kleinen Mädchen, wenn sie betäubt werden und daraus kein Gruppenzwang wird … [lassen Sie uns versuchen] eine juristische Klärung und einen Kompromiss zu erreichen, der zumindest auf der Schmerzbetäubung besteht bei der Beschneidung kleiner Mädchen.“ Beides wollen wir natürlich nicht, Kinder und Jugendliche haben Anspruch auch gewaltfreies Heranwachsen und unversehrte Geschlechtsorgane. Beschneidung ist Gewalt (mit oder ohne Opium).

    Emanzipatorisch tuend bei Perlentaucher zu lärmen, die wortwörtliche Lesart der so genannten Heiligen Schriften sei ja irgendwie so was von ewiggestrig, aber im selben Text die Jungenbeschneidung mit einem Paragraphen durchsetzen wollen, in den klinische Betäubungsmittel sozusagen zu integriert sind, DAS ist postmodern!

    http://www.perlentaucher.de/essay/wider-die-postmoderne-religionspolitik.html

    Sehr geehrte Frau Quistorp, was ist geschehen: Sie schrieben schon mal viel besser, etwa, als Sie gegen die Burka argumentierten; genau so sollten Sie auch mit der Zirkumzision umgehen: „Das ist ein Verfall der Diskussions- und Denkkultur, die kohärent und auch in komplexen Zusammenhängen denken muss. Es muss daran erinnert werden, dass bis in die 70er Plakate und Filme de facto als “blasphemisch” zensiert wurden. Soll das Rad wirklich dorthin zurückgedreht werden?“ (Lüftet den Schleier, 11.08.2010)

    http://www.theeuropean.de/eva-quistorp/3984-burkaverbot-und-grundgesetz-2

    Ersetzen wir im Text gegen die kulturrelativistischen Burkaverteidigerinnen nur ein Wort, und lesen zuerst, Eva Quistorp:

    „Inzwischen wird Religionsfreiheit in der deutschen Debatte aber zu häufig absolut gesetzt und von den anderen Grundrechten abgekoppelt. Es ist nicht den Traditionen des Grundgesetzes und der europäischen Aufklärung und Demokratie entsprechend, wenn die Religionsfreiheit jetzt über die anderen Freiheiten erhoben wird und einige intellektuelle Frauen meinen, die Burka verteidigen zu müssen.“

    Jetzt um ein paar Buchstaben abgewandelt, das „Frauen“ lassen wir:

    „Inzwischen wird Religionsfreiheit in der deutschen Debatte aber zu häufig absolut gesetzt und von den anderen Grundrechten abgekoppelt. Es ist nicht den Traditionen des Grundgesetzes und der europäischen Aufklärung und Demokratie entsprechend, wenn die Religionsfreiheit jetzt über die anderen Freiheiten erhoben wird und einige intellektuelle Frauen meinen, die Beschneidung verteidigen zu müssen.“

    Und wie soll „Ein glaubwürdiges Bekenntnis zur FdGO, besonders unter Berücksichtigung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der negativen Religionsfreiheit, der Meinungsfreiheit auch in religiösen Angelegenheiten und der sexuellen Selbstbestimmung“ aussehen, wenn die Eltern des heute Erwachsenen bestimmt haben, ob Klitorisvorhaut, Präputium oder Klitorisspitze religiös gebilligt vorhanden sind oder in Kindertagen religiös begründet abgetrennt worden sind? Den Satz hat Quistorp 2010 signiert, Grüne gegen Scharia:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/print/0017076

    Der demokratiegefährdend trickreiche, schariafreundliche grüne Ausweg ist die Ritusbezogenheit:

    „Bei sämtlichen Verhandlungen – insbesondere bei geplanten Staatsverträgen mit islamischen Verbänden – muss ein öffentlicher, unrückholbarer Verzicht auf die nicht-ritusbezogenen, also rechtlich-politischen Teile der Scharia garantiert werden. Wenn dieser Verzicht von den islamischen Organisationen und Verbänden anlässlich von geplanten Abkommen mit Regierungsstellen und anderen offiziellen Institutionen nicht geleistet wird, kann es zu keinen Vereinbarungen kommen.“

    Beschneidung ist Hadithbefehl, nachzulesen bei Buchari, Beschneidung ist reinster Wille Allahs, reinste zeitlose Scharia. Und Beschneidung ist ein vom der Zeitlichkeit unterworfenen Menschen auszuübender Ritus. Auch Talaq, Dhimma, Dschihad und Kalifat sind beides, sind ganz schariatisch-ewig und ganz Ritualpflicht, jedenfalls betont dass manch ein Scheich. Ohne deine realisierten Mu’amalât (mensch-menschlichen Pflichten nach Koran und Sunna) sind deine ‚Ibadât (gottesdienstlichen islamischen Pflichten) vergeblich, wer seinen Sohn schuldhaft nicht beschneidet, dessen Gebet wird bei Allah vielleicht ja gar nicht angenommen.

    Ein schöner Satz aus Grüne gegen Scharia, eingestellt bei achgut:

    „Wir sehen die Grundsätze der freiheitlichen Demokratie des Grundgesetzes durch den theokratischen politischen Islam und die verfassungswidrige Scharia gefährdet und fordern die zur Konferenz geladenen Politiker, Professoren und Journalisten sowie die bei der Tagung anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung dazu auf, die drohende Rechtsspaltung in Grundgesetz und Schariarecht zu verhindern. Menschen sind Staatsbürger, keine Angehörigen ethnoreligiös definierter Kollektive. Auch im Personenstands- und Familienrecht darf die Scharia in Europa nicht legalisiert werden.“

    Hidschâb, Schleier ist Scharia. Khitân, Beschneidung ist Scharia.

    Den einseitig beschneidungsfreundlichen und damit grundsätzlich kinderfeindlichen Appell von Volker Beck und Renate Künast (Das ist keine Straftat, Berliner Zeitung vom 09.07.2012) als „Kompromisslösung“ zu bezeichnen ist rhetorisch unredlich. Beck und Künast, denen Quistorp hier „wohltuende Differenzierung“ attestiert, lassen dem kleinen Jungen keine Differenzierung zwischen Vorhaut und keine Vorhaut. Sünnetci und Mohel schneiden das hoch sensitive Gewebe im vermeintlichen Dienste der Abwehr des Bösen und der Erlangung des Wohlgefallens der Gottheit – ganz pauschal und undifferenziert. Oder anders: differenziert wird nur zwischen vorher, unbeschnitten-kindlich-unerwachsen, und nachher, in den Männerbund initiiert und beschnitten sprich heiratsfähig, oder aber man unterscheidet (genauer diskriminiert) zwischen der sittlich höherstehenden Kultur der Beschneider und der sittlich minderwertigen Lebensweise der Nichtbeschneider.

    Noch kein deutscher Imam sagt in einer Freitagspredigt, dass es ein gelingendes islamgemäßes Leben als männlicher Beschneidungsverweigerer geben kann. Das sollte sich ändern und das lässt sich erreichen.

    Erwachsene dürfen sich an ihrem Genital oder woanders am Körper ästhetisch modellieren. Wir wollen weder die Beschneidung verbieten noch die Religion, sondern wir wollen die religiöse Beschneidung an Minderjährigen verbieten. Die so genannte Religionsfreiheit der Eltern wird nicht eingeschränkt, wenn sie keine genital mutilation an ihrem Kind vornehmen. Beschneidung ist Körperverletzung und schädigt das Kind an Körper und Psyche. Beschneidung ohne medizinische Begründung ist brutal und gegenaufklärerisch und widerspricht wissenschaftlichen Standards.

    Sehr richtig – und erfreulicherweise war auch Eva Quistorp unter den Erstunterzeichnern: „Ein Islam, der nicht schulreif ist, schadet der Integration und gefährdet die freiheitliche Demokratie.“ Einen Satz eher lesen wir zustimmend: „Jeder Schulunterricht hat in der Tradition der Aufklärung zu erfolgen und wissenschaftlichen Standards zu genügen.“

    Genau, und weil oder obwohl der himmlische Beschneidungsbefehl im Islamischen Religionsunterricht (IRU) versetzungsrelevant gelehrt werden wird, hat auch jedes einzelne unserer Argumente zum Einsatz oder Nichteinsatz von Messern oder Skalpellen in Festsälen und Kinderzimmern im Rahmen so genannter heiliger Handlungen eben diesem Grundsatz zu entsprechen:

    „hat in der Tradition der Aufklärung zu erfolgen und wissenschaftlichen Standards zu genügen.“

    Sehr geehrte Frau Quistorp, das haben auch Sie abgezeichnet. Vor gar nicht so langer Zeit.

    Vor vierundzwanzig Monaten.

    Jacques Auvergne
    08.08.2012

  21. Kalevala Says:

    Thomas Heilmann (CDU) will für Berlin (wie zufällig ganz im Sinne der islamischen Scharia) die körperliche Unverletzlichkeit der männlichen Berliner Kinder „übergangsweise“ opfern und rituelle Genital-Beschneidungen straffrei stellen:

    Quelle: WELT 9. Aug. 2012, 22:48
    Justizsenator will Beschneidung einheitlich regeln

    Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) will in Berlin schnell Rechtsklarheit beim Umgang mit religiösen Beschneidungen schaffen. „Bis eine bundesweite Regelung getroffen ist, wollen wir eine Berliner Linie festlegen“, sagte Heilmann-Sprecherin Lisa Jani. Damit bestätigte sie Informationen des „Tagesspiegels“.

    Derzeit liefen Gespräche mit der Staatsanwaltschaft, jüdischen und islamischen Gemeinden sowie Verbänden und Ärzten. Es solle eine Übergangsregelung erarbeitet werden, betonte die Sprecherin. Die Überlegungen seien noch ganz am Anfang.

    Nach Angaben der Justizverwaltung liegen keine Strafanzeigen gegen Ärzte oder Beschneider vor. Betroffene Familien und Ärzte wollten aber wissen, was erlaubt sei und was nicht. …

    Das Landgericht Köln hatte Ende Juni eine religiös motivierte Beschneidung für rechtswidrig erklärt. Das erste Urteil dieser Art ist eine Einzelfallentscheidung und nicht bindend für andere Gerichte. Dennoch herrscht Verunsicherung. Viele Ärzte bieten diese Eingriffe seither nicht mehr an.

    Der Bundestag macht sich nun für ein Neuregelung stark, um medizinisch fachgerechte Beschneidungen aus religiösen Gründen zu erlauben. Nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur vom Wochenende sind den deutschen Strafverfolgungsbehörden bislang keine weiteren Strafanzeigen wegen der Beschneidung von Kindern bekannt.

    Die meisten Staatsanwaltschaften haben sich noch nicht festgelegt, wie sie in solchen Fällen vorgehen wollen. Eine Ausnahme ist Baden-Württemberg. Dort soll die rituelle Beschneidung von Jungen weiter grundsätzlich straffrei bleiben, wenn sie medizinisch korrekt ausgeführt wird.

    http://www.welt.de/regionales/berlin/article108558332/Justizsenator-will-Beschneidung-einheitlich-regeln.html

    Quelle: dapd
    in: WELT 09.08.12

    „Wir hoffen, in den nächsten Wochen eine Regelung für Berliner Strafverfolgungsbehörden zu finden“

    Berlin (dapd-bln). Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) strebt für die Hauptstadt übergangsweise eine einheitliche Regelung im Umgang mit religiösen Beschneidungen an. „Wir hoffen, in den nächsten Wochen eine Regelung für die Berliner Strafverfolgungsbehörden zu finden“, sagte Heilmann dem „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe). Diese Lösung solle nur für den Zeitraum gelten, bis eine bundeseinheitliche Regelung gefunden sei, bestätigte eine Sprecherin der Justizverwaltung.

    Heilmann unterstrich gegenüber der Zeitung, dass die juristische Einordnung ein schwieriges Thema sei. Die Verwaltung sei derzeit in Gesprächen mit Verbänden und Interessengruppen. Mit einer Handlungsanweisung für Strafverfolger könnte sichergestellt werden, in welchen Fällen zu ermitteln oder aber ein mögliches Verfahren einzustellen ist.

    Das Kölner Landgericht hatte Ende Juni die Beschneidung von Jungen als strafbare Körperverletzung gewertet, selbst wenn die Eltern einwilligen.

    http://www.welt.de/newsticker/news3/article108558723/Justizsenator-will-Beschneidung-uebergangsweise-einheitlich-regeln.html

  22. Chronist Says:

    Beschneidungen sorgen für Streit im Ethikrat

    Im Deutschen Ethikrat gibt es Streit wegen der religiösen Beschneidung von minderjährigen Jungen. Der jüdische Vertreter Leo Latasch kritisierte die Vorsitzende des Gremiums, Christiane Woopen, weil sie vor einer überstürzten Neuregelung gewarnt hatte.

    Berlin – Im Deutschen Ethikrat gibt es Streit wegen der religiösen Beschneidung von minderjährigen Jungen. Der jüdische Vertreter Leo Latasch kritisierte die Vorsitzende des Gremiums, Christiane Woopen, weil sie vor einer überstürzten Neuregelung gewarnt hatte. Der Ethikrat will sich am 23. August mit dem Thema befassen. Woopen hatte erklärt, wegen der schwierigen Materie halte sie Schnelligkeit für verfehlt. Die Bundesregierung peilt eine zügige gesetzliche Regelung an. Das Kölner Landgericht hatte die religiöse Beschneidungen von Jungen als Körperverletzung gewertet.

    http://www.stern.de/panorama/beschneidungen-sorgen-fuer-streit-im-ethikrat-1869672.html

  23. Kalevala Says:

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    Presseerklärung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)

    4.7.2012 – Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) nimmt das Urteil des Landgerichts Köln begrüßend zur Kenntnis.

    Mit der prinzipiellen Feststellung der Rechtswidrigkeit medizinisch nicht indizierter Beschneidungen bei nicht einwilligungsfähigen Knaben bestätigt das Gericht die von der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) vertretene und viel diskutierte Meinung. In den letzten Jahren wurde von verschiedenen Autoren in mehreren Publikationen hierzu kritisch Stellung genommen, zuletzt 2008 im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Ärztebl 2008; 105(34–35); A 1778–80). Auf Anfrage des Vorstands der DGKCH wurde im gleichen Jahr vom Justitiar des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen e. V. (BDC) von der Durchführung medizinisch nicht indizierter Beschneidungen bei nicht einwilligungsfähigen Knaben abgeraten, da andernfalls ein erhebliches Risiko für den Operateur gegeben sei, sich strafbar zu machen, auch wenn der Eingriff lege artis und ohne Komplikationen durchgeführt werde.

    Das nun ergangene Urteil festigt diese Einschätzung und gibt gleichzeitig Rechtssicherheit. Zugleich wird mit dem Urteil das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes unterstrichen. Gerade Kinderchirurgen, die nicht einwilligungsfähige Kinder mit Einwilligung ihrer Eltern operativ behandeln, müssen hier strenge und klare Maßstäbe ansetzen. Nur die elterliche Einwilligung zu einer Operation, die dem Kind nach Abschätzen des Nutzen und des Risikos medizinisch zum Wohle gereicht, ist rechtswirksam. Dieser Sachverhalt ist aber bei der Beschneidung kleiner Knaben ohne Einwilligungsfähigkeit außerhalb der medizinischen Indikation nicht erfüllt.

    Dabei geht es in keinem Falle um die Diskriminierung von Religionsgemeinschaften, die die Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Knaben regelhaft praktizieren, sondern vielmehr um ärztliche Ethik.

    http://sozialnet.erzieherin.de/kinderchirurginnen-begruessen-beschneidungsurteil.php

    http://www.dgkic.de/index.php/presse/189-pressemitteilung-juli-2012

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    Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
    17.07.2012

    Rituelle Beschneidungen bei Minderjährigen – Kinder- und Jugendärzte fordern: Allein das Recht eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit zählt

    „Bei der aktuellen Diskussion über die rituelle Beschneidung minderjähriger Jungen müssen das Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit an erster Stelle stehen“, mahnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V.).

    Derzeit nimmt die Debatte über die rituelle Beschneidung fundamentalistische Züge an, die Befürworter der Beschneidung bagatellisieren diese Form der Körperverletzung, bei der es auch zu lebenslangen körperlichen und vor allem seelischen Verletzungen kommen kann. Und für die Politik scheint der Rechtsfrieden mehr zu zählen als das persönliche Trauma. Sie stellt mit dieser Haltung die körperliche Unversehrtheit von Kindern in Frage. „Dies zeigt erneut, wie notwendig eine Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ist und wir in allen Parlamenten Kinderbeauftragte mit umfassenden Rechten benötigen, um staatliches Handeln gemäß Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention darauf zu überprüfen, ob bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden, das Wohl des Kindes vorrangig zu berücksichtigt wird“, so Dr. Wolfram Hartmann, der Präsident des BVKJ.

    „Uns ist bewusst, dass nach Art. 3 des Grundgesetzes „Niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf“, so Hartmann. Darüber aber steht Art 2 des Grundgesetzes, wonach „jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat“. Dies ist nach Auffassung des BVKJ gerade bei minderjährigen Kindern das höhere Recht.

    Der BVKJ verweist in diesem Zusammenhang auf §24 der UN- Kinderrechtskonvention, die von allen Staaten außer Somalia und den USA ratifiziert wurde. Danach haben die Vertragsstaaten „alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen zu treffen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen“.

    Die Kinder- und Jugendärzte appellieren daher eindringlich an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, sich bei ihrer Abstimmung am Donnerstag, 19.07.2012, dieser Verantwortung für das Kindeswohl bewusst zu sein.

    http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles1/show.php3?id=4277&nodeid=26

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  24. Kalevala Says:

    [Weil Justizsenator Heilmann für das Land Berlin eine „Übergangsregelung“ zur Straffreiheit der rituellen genitalen Beschneidung plant (tagesspiegel am 10.08.2012: „Der Berliner Justizsenator will eine Richtlinie erarbeiten lassen, mit der Beschneidungen wieder legal durchgeführt werden“), ging die Bundestagspetition vom 20. Juli – die Petitionsnummer steht noch aus – am 13. August auch jedem einzelnen Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses (MdA) per E-Mail zu. Der Vorsitzende des Petitionsausschusses teilt am 15. August mit, dass hierzu ein Geschäftszeichen angelegt wurde. Notiz zum heutigen Posteingang.]

    Abgeordnetenhaus von Berlin
    Der Vorsitzende des Petitionsausschusses
    10111 Berlin-Mitte

    15.08.2012

    Geschäftszeichen 1584/17

    Ihre Eingabe vom 13.08.2012
    Verbot ritueller Beschneidungen

    Ihre Zuschrift ist beim Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin eingegangen und zuständigkeitshalber an den für die Behandlung von Eingaben eingesetzten Petitionsausschuss weitergeleitet worden. Bitte geben Sie das oben genannte Geschäftszeichen bei allen Rückfragen in dieser Angelegenheit an. (…)

    [Der Berliner Petitionsausschuss hat damit die Eingabe offiziell angenommen, das ist auch schon mal ein kleiner Erfolg. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags hingegen scheint sich noch der Sommerpause hinzugeben und reagierte bislang, in drei Tagen einen ganzen Monat lang, gar nicht.]

  25. Edward von Roy Says:

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    Der stellvertretende Vorsitzende des Ethikrats, der evangelische Theologe Peter Dabrock, plädierte ebenfalls für „nachgewiesen wirksame schmerztherapeutische Maßnahmen“. Zugleich bemängelte er, dass die öffentliche Debatte „wenig bis kein Verständnis“ für die „existenzielle Bedeutung von Religion“ zeige. In einem dapd-Interview verlangte er, die vom Bundestag angestrebte gesetzliche Regelung müsse „einen Ausgleich zwischen medizinischen und rituellen Erfordernissen“ schaffen. …

    Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sprach nach der Ethikratssitzung von einem Skandal. „Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit haben bei der heutigen Entscheidung offenbar keine Rolle gespielt“, sagte BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Das erst im Januar in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz schütze muslimische und jüdische Kinder nicht. „Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit ist offenbar zweitrangig. Das ist ein Skandal“, sagte Hartmann weiter.

    Rheinische Post 23.08.2012
    Beschneidung nur unter Vorbehalt erlauben

    http://www.rp-online.de/politik/deutschland/beschneidung-nur-unter-vorbehalt-erlauben-1.2963158

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    Deutliche Bedenken äußerte der Hamburger Strafrechtler Reinhard Merkel. „Der Gesetzgeber ist in einer Art rechtspolitischem Notstand“, sagte er. Merkel warnte vor einem „jüdisch-muslimischen Sonderrecht“ und einem „Sündenfall des Rechtsstaats“. Der Jurist hob das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Priorität des Kindeswohls hervor. Nur eine Art „Sonderrecht“ könne die Beschneidung gegen alle strafrechtlichen Einwände für rechtmäßig erklären.

    Dem widersprach der Kölner Strafrechtsprofessor Wolfram Höfling. Er plädierte für „eine Anerkennung der Beschneidung als Elternrecht“, allerdings unter der Bedingung, dass diese „fachgerecht“ und „schmerzvermeidend“ vorgenommen werde. Latasch betonte, die Gabe von „Zäpfchen gegen Schmerzen“, betäubenden Salben sowie „Lokalanästhetika im Lendenbereich“ seien in Deutschland bei Beschneidungen bereits heute üblich.

    SPIEGEL online 23.08.2012
    Anhörung Ethikrat spricht sich für Beschneidung aus

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    Im ZDF-„Morgenmagazin“ betonte Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, dass die Rückkehr jüdischen Lebens nach 1945 in Deutschland „eines der größten Geschenke unserer Geschichte“ sei. Damit dürfe man „nicht fahrlässig umgehen“. Das eigentliche Problem im Streit um die Zulässigkeit religiöser Beschneidungen sieht Huber in der Frage der Betäubung. „Das muss man in Ruhe diskutieren. Wenn der Gesetzentwurf da ist, muss man sich doch die Zeit nehmen, die Polarisierung aus dieser Diskussion herauszunehmen.“

    2001 war Huber vom Bundeskabinett zum Mitglied des Nationalen Ethikrates berufen worden; dieses Amt gab er zugunsten seiner Position als EKD-Vorsitzender auf. Seit Juni 2010 ist er erneut Mitglied des Ethikrates. Mit Blick auf das Kölner Beschneidungsurteil, das das Wohl des Kindes in den Vordergrund stellt, sagte Huber im „Morgenmagazin“: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist auch nicht schrankenlos. Es geht darum, einen Weg zu finden, der das eine Grundrecht genauso berücksichtigt wie das andere.“ Huber, stets um Ausgleich bemüht, erhofft sich eine Verständigung zwischen Justiz und Religion. Das sei möglich, wenn „Argumente transparent“ gemacht würden und auch mehrere Lösungsmöglichkeiten denkbar seien.

    FOCUS Online 23.08.2012
    Debatte um Beschneidung: Ethikrat will Kompromiss – Israel ein Machtwort Merkels

    http://www.focus.de/politik/deutschland/debatte-um-beschneidung-ethikrat-will-kompromiss-israel-ein-machtwort-merkels_aid_805234.html

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  26. Jacques Auvergne Says:

    Tribal uvulectomy is here because of its similarities to genital cutting. It is practised in East Africa, including Kenya, Eritrea and Nigeria, and among Bedouins of the South Sinai.

    Soc Sci Med. 1994 Oct;39(8):1077-82.
    Traditional uvulectomy in Niger: a public health problem?
    Prual A, Gamatie Y, Djakounda M, Huguet D.
    Source

    Département de Santé Publique, Faculté des Sciences de la Santé, Niamey, République du Niger.
    Abstract

    Although traditional uvulectomy, a procedure which consists of cutting away a part of the uvula, has been reported in several sub-Saharan African countries, in Maghreb and in Israel, epidemiological and anthropological data on this practice are rare. Severe complications may require hospitalization. The goal of this study was to assess the prevalence of this traditional procedure in Niamey, capital of Niger, the incidence of its severe complications and the beliefs and practices related to it. By the age of 5, 19.6% of the children in our survey had undergone uvulectomy. Severe complications of uvulectomy represented 7.8/1000 cases of hospitalization for children under 15 years of age. Complications were infections (including tetanus), hemorrhage and passage of the cut piece of uvula further down the respiratory tract. The children who had undergone uvulectomy belonged significantly more often to the Hausa ethnic group (66.2%) than to the majority Zarma ethnic group (18.3%) or to the other ethnic groups (15.5%). This can be explained by the fact that, in some Hausa subgroups, uvulectomy is systematically performed on the 7th day after birth, during the naming ceremony, to prevent death due to a ’swelling of the uvula‘. In the other Hausa sub-groups and in the other ethnic groups, uvulectomy is solely a curative practice, both for children and adults, for vomiting, diarrhea, anorexia, the child’s rejection of the breast, growth retardation and fever. Uvulectomy is performed in Niger by the barbers, whose functions are also to perform specialized surgery. These traditional surgeons claim there is no risk to this practice.(ABSTRACT TRUNCATED AT 250 WORDS)

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7809661

    http://www.circumstitions.com/uvulectomy.html

  27. Chronist Says:

    3. Das Tabu des Kindermißbrauchs durch Beschneidung

    Am Gebot der Beschneidung halten jedoch fast alle Juden fest, und das ist in meinen Augen das größte Tabu des sexuellen Kindermißbrauchs im Judentum. Das Beschneidungsgebot ist im Judentum so tief tabuisiert, daß weder darüber gesprochen, noch es kritisiert wird.

    Die Beschneidung kommt zuerst in Genesis 17,10-13 vor, wo Gott den ersten Bund mit Abraham schließt: „Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muß beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müßt ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen…“

    Es gibt weltweit kaum einen Juden, der nicht beschnitten ist und kaum eine Beschneidung, die ohne religiöse Ritual durchgeführt wird. Es gibt kaum Jüdinnen und Juden, die sich trauen, die Beschneidung (öffentlich) in Frage zu stellen oder sie sexuellen Kindermißbrauch zu nennen. – Vom Akt der Beschneidung selbst rede ich gar nicht. Viele Menschen meinen, es sei gesünder und hygienischer die Vorhaut zu entfernen. Mag sein. Doch Beschneidung wegen Krankheiten kann zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden, wenn das Kind bereits Einsicht in die Notwendigkeit einer solchen Operation hat. In den wenigsten Fällen ist eine Beschneidung aus gesundheitlichen Gründen direkt nach der Geburt notwendig. Ich beziehe mich hier nicht auf den religiösen Akt, der an allen jüdischen Jungen im Alter von 8 Tagen vollzogen wird. Darüber, ob ein Säugling in diesem Alter ein sexuelles Empfinden hat, läßt sich vielleicht streiten, die Behauptung aber, daß er in diesem Alter nicht so schmerzempfindlich ist, wie ein älteres Kind, ist einfach falsch. Ein Baby kann einfach noch nicht sagen: „Es tut mir weh!“.

    Beschneidung ist ein gewalttätiges Eingreifen und eine Verletzung der Genitalien eines Kindes, was rein physisch ein sexueller Mißbrauch bzw. sexuelle Mißhandlung ist.

    Ja, vielen von uns fällt es schwer, das zu akzeptieren, denn es könnte bedeuten, daß alle Jüdinnen und Juden, die ihre Söhne beschneiden ließen oder lassen, sexuell Täter sind. – Wie gesagt ist es weder meine Absicht, jemanden zu beschuldigen noch alle Juden als Kindermißhandler darzustellen. Ich möchte lediglich jede Form der Tabuisierung von Kindermißbrauch brechen und zu Diskussionen und Auseinandersetzung anregen. Durch Aufmerksamkeit, durch Befragung und durch Lernen können wir es schaffen!

    Hadass Golandsky

    http://www.hagalil.com/bet-debora/journal/tabu.htm

  28. Jacques Auvergne Says:

    Reinhard Merkel
    Süddeutsche 30.08.2012

    (…) Am 19. Juli hat der Bundestag mit großer Mehrheit einen „Entschließungsantrag“ verabschiedet, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, „im Herbst 2012 einen Gesetzentwurf vorzulegen, der sicherstellt, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen straffrei ist“. Fast alle Abgeordnete, die sich an der parlamentarischen Debatte beteiligt, und wohl die meisten anderen, die dem Antrag zugestimmt haben, scheinen der Belehrung jenes Friedensrichters nicht weniger zu bedürfen als der wildwestliche Freiheitsfreund von ehedem. …

    Hier gibt es nichts abzuwägen. Das folgt aus dem rechtstheoretischen Fundament, dem Vernunftbegriff personaler Rechte, vor allem des Rechts am eigenen Körper. Einer Auskunft des Bundesverfassungsgerichts bedarf es dafür nicht. Man trete einmal aus der hitzigen Debatte um das Kölner Urteil einen Schritt der Besinnung zurück: Wäre es nicht grotesk, hätten Religionsgemeinschaften eine autonome Definitionsmacht, wann und wie sie in den Körper von Personen, die dazu keine Einwilligung gegeben haben, eindringen oder auch nur ein abwägendes Räsonnement darüber verlangen dürfen?

    Der gängige Einwand liegt auf der Hand: Für die Beschneidung werde ja eine Einwilligung vorausgesetzt – die der Eltern. Und diese seien als Sorgerechtsinhaber genau dazu berechtigt. Vielleicht. Aber nicht kraft ihrer Religionsfreiheit, sondern eben allenfalls kraft ihres Sorgerechts. Als Recht zur Erziehung erlaubt es selbstverständlich zahlreiche Eingriffe in Grundrechte der Kinder, auch – und freilich in engen Grenzen – in das der körperlichen Integrität. …

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/beschneidungs-debatte-die-haut-eines-anderen-1.1454055

    Aber das Sorgerecht ist, anders als das der Religionsausübung, kein Freiheitsrecht der Eltern. Es ist ein treuhänderisches Mandat, es ist Pflicht mindestens so sehr wie Recht. Seine verbindliche Maßgabe ist deshalb das Wohl der Kinder, nicht die Autonomie der Eltern. Darüber „wacht“, heißt es in Artikel 6 des Grundgesetzes, „die staatliche Gemeinschaft“. Das Elternrecht, sagt das Bundesverfassungsgericht, „ist wesentlich ein Recht im Interesse des Kindes“. An dessen Wohl findet es daher seine zwingende Grenze. …

    Nun könnte man natürlich eine ausreichende Anästhesie zur Voraussetzung jeder Beschneidung machen. …

    Aber so leicht ist das nicht zu verwirklichen. …

    Sicher für eine ausreichende Betäubung sei nur die Vollnarkose. Bei Neugeborenen schaffe diese freilich ein beträchtliches und für einen medizinisch nicht indizierten Eingriff daher unerlaubtes Todesrisiko. Hoffnungslos unzulänglich sei die verbreitete Anwendung lokalanästhetischer Cremes wie des „Lignocain-Prilocain“-Präparats „EMLA“. Allenfalls mit bestimmten Techniken der vollständigen Nervenblockade im Penisbereich könne eine effiziente Teilnarkose gelingen. Sie sei nur von speziell ausgebildeten Anästhesisten zuverlässig zu handhaben.

    Selbst dann bleibe in fünf bis zehn Prozent der Fälle eine ausreichende Narkosewirkung aus. Was das heißt, liegt auf der Hand: Vollständig lösen lässt sich das Problem überhaupt nicht. Auch weiterhin werden einzelne Neugeborene ihre Beschneidung , wie „fachgerecht“ immer, als Qual erleben.

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/beschneidungs-debatte-die-haut-eines-anderen-1.1454055-2

    Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2010 kommt in einer umfassend begründeten wissenschaftlichen Schätzung auf über hundert Todesfälle pro Jahr im Zusammenhang mit Beschneidungen von Knaben – nicht etwa weltweit oder unter den hygienischen Bedingungen der afrikanischen Savanne, sondern im medizinisch höchstentwickelten Land, den USA.

    Gewiss macht die Zahl bei über einer Million Beschneidungen pro Jahr in Amerika nur einen winzigen Anteil aus. Da der Eingriff medizinisch nicht indiziert ist, liegt gleichwohl auch die Todesgefahr jenseits dessen, was Juristen „erlaubtes Risiko“ nennen. Und selbstverständlich sterben diese Kinder nicht direkt am Messer des Beschneiders, sondern an postoperativen Komplikationen, die bei anderen medizinischen Eingriffen genauso auftreten könnten.

    Aber für eine Prozedur am gesunden Körper wirft das nicht den Schatten einer Rechtfertigung ab. Töricht ist der beliebte Hinweis, andere und fraglos erlaubte elterliche Handlungen seien statistisch weitaus gefährlicher – seinem Zehnjährigen ein Fahrrad zu kaufen etwa, und ihn damit in den Straßenverkehr zu lassen.

    Ja, aber solche Handlungen beruhen auf der Erlaubnis, seine Kinder sozialüblichen Risiken auszusetzen, nicht dagegen, sie absichtlich zu verletzen. Ein Vater, der seinen Sohn aufs Rad setzt und losfahren lässt, haftet nicht, wenn der Junge stürzt und sich verletzt. Aber er ist strafbar wegen Körperverletzung, wenn er den aufs Rad Gesetzten vorsätzlich umstößt. Risikoerlaubnisse sind keine Verletzungserlaubnisse. Die Beschneidung ist aber eine vorsätzliche Verletzungshandlung. …

    Aber die Beschneidung ist ein uralter konstitutiver Brauch des Judentums. Und damit erst ist das wirkliche Problem der Rechtspolitik benannt. Es zu maskieren, ist sinnlos; denn erst mit dieser Provenienz wird auch sein Gewicht deutlich. Die deutsche Politik hat wegen des hier organisierten scheußlichsten Massenmordes der Geschichte ganz gewiss eine weltweit singuläre Pflicht zur besonderen Sensibilität gegenüber allen jüdischen Belangen. Daran ist nicht zu rütteln. Die Beschneidung ist ersichtlich ein solcher Belang von besonderem Gewicht.

    Hier erst, nicht in der Sphäre von Grundrechten, liegt der normative Konflikt. Und er zwingt tatsächlich zu einer Abwägung. Niemand wird dem Gesetzgeber deren Schwierigkeit bestreiten. Man kann das Dilemma ohne falsches Pathos einen rechtspolitischen Notstand nennen. Wie er rundum befriedigend zu lösen wäre, ist nicht zu sehen. Denn die Pflichten, die hier kollidieren, sind in Wahrheit inkommensurabel. Nach welchen Kriterien welcher Vernunft ließe sich das politische Gebot der besonderen Sorge um jüdische Belange in Deutschland abwägen mit dem verfassungs- und menschenrechtlichen Gebot, alle Kleinkinder, auch die jüdischer Eltern, vor erheblichen Verletzungen zu schützen, die ihnen vorsätzlich beigebracht werden?

    Der Gesetzgeber freilich scheint das Ergebnis der Abwägung zu kennen, bevor er deren Schwierigkeit verstanden hat. Das kann er sich leisten. Denn selten dürfte es den Fall eines gesellschaftsweit umstrittenen Problems gegeben haben, in dem die primär Betroffenen so aussichtslos ohne öffentliche Lobby geblieben sind wie im Beschneidungsstreit die verletzten Kinder. Man mache sich trotzdem keine Illusionen.

    Dem schärferen Blick wird auf Dauer nicht verborgen bleiben, was die angekündigte Regelung trotz der Allgemeinheit ihrer äußeren Form ihrem Sinne nach ist: ein jüdisch-muslimisches Sonderrecht. Das bezeichnet einen Sündenfall des Rechtsstaats.

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/beschneidungs-debatte-die-haut-eines-anderen-1.1454055-3

    Reinhard Merkel ist Professor für Strafrecht an der Universität Hamburg und Mitglied des Deutschen Ethikrats, der sich am Freitag mit Einschränkungen für ein Recht auf Beschneidung aussprach.

  29. Edward Says:

    Lieber Jacques,

    endlich reagierte der Petitionsausschuss des Bundestags (ohne Datum) und gibt meiner Petition vom 20. Juli ein Aktenzeichen:

    Pet 4-17-07-451-040847

    Die Behörde sagt:

    „Zu der von Ihnen vorgetragenen Thematik liegen dem Petitionsausschuss bereits Zuschriften anderer Bürgerinnen und Bürger vor. Ermittlungen hierzu sind eingeleitet worden. Ihre Ausführungen werden in diese Ermittlungen einbezogen und gemeinsam mit den anderen Petitionen beraten.

    Der Deutsche Bundestag wird auf Empfehlung des Petitionsausschusses zu diesen Petitionen einen Beschluss fassen, der Ihnen mitgeteilt wird.

    Bitte haben Sie Verständnis, dass in diesem Beschluss zu den Zuschriften vieler Bürgerinnen und Bürger nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen werden kann.“

    Nicht zufrieden bin ich, dass meine Eingabe unter Besonderer Teil des Strafgesetzbuches einsortiert wird; hier könnte (Mehrfachpetition bzw. sogar Massenpetition) eine Leitpetition sozusagen das Gleis, den Kanal bestimmt haben; ich habe aber unmissverständlich gesagt BGB, und gar nicht StGB:

    „möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen: § 1631d Verbot der rituellen Genitalmutilation“

    Ich werde den Petitionsausschuss deshalb bitten, meine Eingabe unter BGB / Familienrecht zu verbuchen – und bin da auch sehr gerne Leitpetition. Dann gibt es eben mehrere Leitpetitionen, eine im StGB und (m)eine im BGB und gerne noch weitere.

    Zu befürchten ist, da angeblich „nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen werden kann“, dass auf meine Argumente wie schafiitische FGM und Scharia-Totalität nicht „eingegangen“ werden wird oder dass sogar Elterliche Fürsorge / Inhalt und Grenzen der Personensorge zum bloßen „Aspekt“ herabgestuft wird, auf den dann ankündigungsgemäß nicht „eingegangen werden kann.“

    Eine pauschale Ungleichbehandlung von FGM Typ I und Zirkumzision wäre nicht zu akzeptieren da grundrechtswidrig; zumal bei einer legalisierten Jungenbeschneidung die „milde Sunna“, wie sie etwa die Assalaam Foundation in Indonesien öffentlich praktiziert, (mit Betäubung) auch in Deutschland statthaft sein müsste.

    Der Ethikrat sendet leider auch bereits die grundgesetzwidrigen falschen Signale. Nur Reinhard Merkel bleibt fast grundgesetzkonform: „Die frühkindliche Beschneidung ist ein massiver körperlicher Eingriff in die geschützte, verfassungsrechtlich geschützte physische Integrität des Kindes. … Lassen Sie mich ganz deutlich sagen, dass das Recht auf Religionsfreiheit auf gar keinen Fall ein Recht gewährt, unmittelbar in den Körper anderer Personen einzudringen. Es geht ganz primär um das elterliche Sorge- und Erziehungsrecht.“

    Genau, und über dieses Recht wacht die staatliche Gemeinschaft; und so richtet sich meine Petition auf § 1631 BGB.

    Leider mogelt sich Rechtswissenschaftler Merkel im selben Interview dann doch zur umfassenden Betäubung des Kindes durch, dem dann die nur Sekunden eher noch zugestandene körperliche Unversehrtheit im Namen der elterlichen Frömmigkeit und Traditionspflege geraubt werden dürfe.

    Mit solidarischen Grüßen
    Edward

  30. Kalevala Says:

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    (…) Für Juden und Muslime ist das ein besonderes Problem. So widmete sich jede israelische Tageszeitung dem Urteil des Landgerichts in Deutschland. Doch während ein Großteil des Establishments gegen das Urteil wetterte, oder sich selbst Schweigen auferlegte, begrüßte eine kleine Minderheit die Entscheidung: «Ich finde es toll und hoffe, dass es sich als wegweisend erweisen wird», sagt Eran Sadeh, ein 42 Jahre alter Rechtsanwalt aus Nordisrael, im Gespräch mit unserer Zeitung: «Endlich stellt ein Gericht die Rechte des Kindes auf körperliche Unversehrtheit über vermeintliche Religionsfreiheit. Die Grenze muss da verlaufen, wo dem Körper eines Kindes geschadet wird», sagt Sadeh.

    Sadeh hat sich vor sieben Jahren entschlossen, seinen Sohn nicht beschneiden zu lassen. Er richtete eine Website ein, die Israelis Informationen über medizinische und religiöse Konsequenzen einer Beschneidung bietet. Damit ist er nicht allein. Eine wachsende Zahl von Organisationen hat es sich zum Ziel gemacht, den jahrtausendealten Brauch zu beenden: «Endlich sagt ein Gericht die Wahrheit und zieht gegen diese barbarische und masochistische Tradition ins Feld», sagt Jonathan Enosch.Er ist Mitgründer des Vereins «Ben Schalem» – intakter Sohn. «Es ist schwer, dieses Tabu zu brechen. Aber ich erkenne einen Fortschritt», sagt Enosch. «Früher traute sich niemand in Israel, sein Kind nicht beschneiden zu lassen. Heute sind es bereits mindestens 2 Prozent, so Enosch. Er hofft, dass das Urteil in Deutschland das Tabu auch in Israel brechen wird: «Viele entscheiden sich für die Beschneidung, weil sie nicht wissen, dass es anders geht, oder weil sie Angst haben, dass ihr Kind ausgegrenzt werden könnte. Oder sie denken einfach nicht darüber nach. Vielleicht ändert sich das jetzt», hofft Enosch.

    Das Urteil eines Kölner Gerichts, das die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen grundsätzlich als strafbare Körperverletzung bezeichnet hat, wird inzwischen auch in den israelischen Medien verbreitet. «Das Urteil ist verfassungswidrig, weil es der Freiheit der Religionsausübung widerspricht », wurde Rabbiner Arie Goldberg, Vizegeneraldirektor des Rabbinical Centre of Europe, im israelischen Rundfunk zitiert.

    Bei dem Gerichtsverfahren in Köln ging es um einen vierjährigen muslimischen Jungen, der nach der ärztlichen Beschneidung unter Nachblutungen litt. In der Entscheidung verwiesen die Richter unter anderem darauf, dass «der Körper des Kindes durch die Beschneidung dauerhaft und irreparabel verändert» werde. «Diese Veränderung läuft dem Interesse des Kindes, später selbst über seine Religionszugehörigkeit entscheiden, zuwider.»

    Der Strafrechtler Holm Putzke von der Universität Passau sagte gegenüber der «Financial Times Deutschland»: «Das Gericht hat sich – anders als viele Politiker – nicht von der Sorge abschrecken lassen, als antisemitisch und religionsfeindlich kritisiert zu werden.» Weiter erklärte Putzke: «Diese Entscheidung könnte im besten Fall auch bei den betroffenen Religionen zu einem Bewusstseinswandel führen, Grundrechte von Kindern zu respektieren.» …

    UWS/GY
    Jüdische Zeitung, Juli 2012

    http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.2668.html

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    (…)
    Die Entfernung der Vorhaut am Penis von Neugeborenen könne erhebliche körperliche und psychische Schäden haben, sagte Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, am Mittwoch in Berlin. Der Schnitt sei mit erheblichen Schmerzen verbunden. Vorhautamputationen seien ein schwerwiegender Eingriff, sagte der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann. …

    Ärzte warnen vor körperlichen Folgeschäden
    Rheinische Post
    zuletzt aktualisiert: 12.09.2012 – 14:42

    http://www.rp-online.de/gesundheit/news/aerzte-warnen-vor-koerperlichen-folgeschaeden-1.2991045

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  31. Kalevala Says:

    B r i t m i l a ? ? ?
    Tradition, tradition! Tradition!

    Verweigerte Beschneidungskritik hört sich so an:

    [ Tevye ]
    Tradition, tradition! Tradition!
    Tradition, tradition! Tradition!

    [ Tevye & papas ]
    Who, day and night, must scramble for a living,
    Feed a wife and children, say his daily prayers?
    And who has the right, as master of the house,
    To have the final word at home?

    The Papa, the Papa! Tradition.
    The Papa, the Papa! Tradition.

    [ Golde & mamas ]
    Who must know the way to make a proper home,
    A quiet home, a kosher home?
    Who must raise the family and run the home,
    So Papa’s free to read the holy books?

    The Mama, the Mama! Tradition!
    The Mama, the Mama! Tradition!

    [ sons ]
    At three, I started Hebrew school. At ten, I learned a trade.
    I hear they’ve picked a bride for me. I hope she’s pretty.

    The son, the son! Tradition!
    The son, the son! Tradition!

    [ daughters ]
    And who does Mama teach to mend and tend and fix,
    Preparing me to marry whoever Papa picks?

    The daughter, the daughter! Tradition!
    The daughter, the daughter! Tradition!

    http://www.stlyrics.com/lyrics/fiddlerontheroof/tradition.htm

    Fiddler on the Roof is a musical with music by Jerry Bock, lyrics by Sheldon Harnick, and book by Joseph Stein, set in Tsarist Russia in 1905. It is based on Tevye and his Daughters (or Tevye the Milkman and Other Tales) by Sholem Aleichem.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Fiddler_on_the_Roof

  32. Querverweis Says:

    ::

    Heilmann sagte dieser Zeitung, er nehme die Kritik ernst. Was er in der vergangenen Woche als »Berliner Praxis zur Strafverfolgung von Beschneidungen« vorgestellt hatte, sei nur ein »Brief an Berliner Ärzte« gewesen, der »sich auf ärztlich durchgeführte Beschneidungen« beziehe. Einen Nachweis der Religionszugehörigkeit brauche es »definitiv« nicht. »Vielmehr müssen Ärzte anstelle des Nachweises einer medizinischen Indikation die religiöse Motivation dokumentieren.«

    Auf die Kritik in Bezug auf die Mohalim antwortet Heilmann, das Land Berlin könne deren Position weder verbessern noch verschlechtern. Durch seine Regelung sei aber immerhin der Status wieder erreicht worden, der vor dem umstrittenen Urteil des Landgerichts Köln geherrscht habe. Der CDU-Politiker fordert weiterhin ein Bundesgesetz, »weil nur so ein rechtlicher Status für die Mohalim geschaffen werden kann, der deren medizinische Fachkunde auch rechtlich verankern kann«.

    aus: Martin Krauss: Missverständlich. Justizsenator antwortet auf Kritik an Berliner Regelung

    in: Jüdische Allgemeine vom 13.09.2012

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14009

    ::
    ::

    Wolfgang Thierse am 5. September 2012:

    „Dass der Berliner Justizsenator Thomas Heilmann mehr Rechtssicherheit beim Umgang mit Beschneidungen schaffen will, ist zu begrüßen. Seine heute vorgelegten Eckpunkte einer ‚Berliner Rechtspraxis‘ weisen jedoch in die falsche Richtung.

    Senator Heilmann verlangt von den Eltern einen Bekenntnis-Nachweis: Sie sollen die ‚religiöse Motivation und religiöse Notwendigkeit der Beschneidung‘ nachweisen und sich diese gegebenenfalls von der jeweiligen Religionsgemeinschaft bestätigen lassen. Juden oder Muslime sollen also nachweisen, dass sie jüdisch oder muslimisch sind – und der deutsche Staat entscheidet dann darüber, ob die innerreligiöse Begründung für eine Beschneidung ausreichend ist und einen straffreien Eingriff erlaubt. Ein solches Vorgehen widerspricht der Freiheit des Bekenntnisses in unserem Grundgesetz: Nach Artikel 4 GG sind die Freiheit des (religiösen) Glaubens und des Gewissens unverletzlich!

    Der Senator fordert, nur approbierte Ärzte dürften den Eingriff ausführen. Dies schließt eine Beschneidung durch jüdische Mohalim, die dafür fachlich ausgebildet, aber nicht zugleich Ärzte sind, aus. Auch dies ist nicht akzeptabel!

    Die Forderungen des Berliner Justizsenators sind ein fatales Signal an die jüdische und muslimische Gemeinschaft – allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz.

    Der Berliner Senat ist aufgefordert, diese Regelung zurückzuziehen!“

    http://www.thierse.de/themen/religion-und-gesellschaft/heilmann/

    ::

  33. Narkas Kervantais Says:

    Plenarprotokoll 17/189
    Deutscher Bundestag
    Stenografischer Bericht
    189. Sitzung
    Berlin, Donnerstag, den 19. Juli 2012

    Marlene Rupprecht (Tuchenbach) (SPD):

    Herr Kollege Beck, Sie wissen, dass das Bundesverfassungsgericht schon 1968 festgestellt hat, dass Kinder Grundrechtsträger sind, und zwar ohne Einschränkung; man hat das nicht am Alter festgemacht. Außerdem haben wir die UN-Kinderrechtskonvention im letzten Jahr in diesem Hause mit breiter Mehrheit in inländisches Recht umgesetzt. In Art. 24 Abs. 3 der UN-Kinderrechtskonvention steht eindeutig, dass die Vertragsstaaten alles versuchen, um Bräuche, die Kinder verletzen, zu beseitigen.

    Wir haben im Jahr 2000 hier im Hause nach langer Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, dass Eltern ihre Kinder gewaltfrei erziehen müssen. Damit haben wir zum ersten Mal Kinder als Rechtssubjekte in ein Gesetz aufgenommen. Das heißt, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Das gilt auch für die religiöse Erziehung.

    Man nimmt niemandem das Recht, Kinder religiös zu erziehen. Im Gegenteil: Es ist Aufgabe der Eltern, Kinder wertorientiert zu erziehen und sie auf das Leben in dieser Gesellschaft vorzubereiten. Aber wir haben den Grundsatz der Gewaltfreiheit. Ich frage mich, wie Sie diesen Antrag mit der UN-Kinderrechtskonvention und den Grundrechten vereinbaren wollen.

    Ich glaube, dass eine ehrliche Diskussion stattfinden muss. Meine Bitte an die Kollegen ist: Wenn wir uns in der Sommerpause mit diesem Thema beschäftigen, sollten wir nicht vorschnell nur auf die Menschen in unserem Land schauen, die ihre Auffassung laut genug äußern. Man sollte auch auf all diejenigen schauen, die sich nicht äußern, für die wir hier aber im Parlament sitzen, nämlich auf die Kinder. Ihnen müssen wir klar zur Seite stehen und eine Stimme geben, wenn es um solche gesellschaftlichen Entwicklungen geht.

    Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, dass alles, was wir hier tun, auf dem Boden des Grundgesetzes stehen muss. Das ist die Basis all unseres Handelns. Ich bitte die Regierung, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.

    Deshalb meine Frage an Sie: Wie wollen Sie dieses Gesetz mitgestalten, wenn Sie sich schon jetzt im Voraus festlegen, dass in dem Gesetz eine Straffreiheit vorgesehen werden soll?

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/17/17189.pdf

  34. Edward von Roy Says:

    ::

    Die Beschneidungs-Regeln sollen nicht im Strafrecht stehen, sondern im Kindschaftsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs: An die Paragrafen 1631 bis 1631c BGB, die den „Inhalt und die Grenzen der Personensorge“ regeln, wird ein Paragraf 1631d angehängt, der klarstellt, dass Eltern unter bestimmten Voraussetzungen in die Beschneidung ihres Sohnes einwilligen können. Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, kann die Beschneidung nicht als Körperverletzung bestraft werden und löst auch keine Schadenersatzpflicht aus.

    Die genaue Formulierung des geplanten Gesetzes lautet wie folgt: „Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wird“. Die Ausnahme formuliert der Satz 2: „Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet ist.“

    aus: Heribert Prantl: Beschneidung bleibt straffrei
    in: Süddeutsche 25.09.2012

    http://www.sueddeutsche.de/politik/gesetzentwurf-beschneidung-bleibt-koerperverletzung-und-straffrei-1.1478479

    ::
    ::

    An den
    Deutschen Bundestag
    Petitionsausschuss

    20. Juli 2012

    Pet 4-17-07-451-040847
    Petition gegen Beschneidung BGB § 1631d

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    Begründung

    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne, an den Menschen als Angehörigen eines ethnoreligiösen Kollektivs,

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

    ::

  35. Kalevala Says:

    Beschneidung
    Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat Eckpunkte für eine Regelung der Beschneidung von Jungen vorgelegt. Muslime und Juden sind voll des Lobes – die Kinderärzte entsetzt.

    (…) Bis zum 1. Oktober um 12 Uhr haben alle in die Beschneidungsdebatte involvierten Verbände Zeit, ihre Stellungnahme zu den vom Bundesjustizministerium vorgelegten Eckpunkten vorzulegen.

    Wichtigstes Ziel der Neuregelung bleibt, die Beschneidung von Jungen in Deutschland wieder rechtssicher zu machen. So soll im Kindschaftsrecht (Paragraf 1631d BGB) eine Regelung aufgenommen werden, die es Eltern ermöglicht, unter bestimmten Voraussetzungen in die Beschneidung einzuwilligen, ohne dass sie sich strafbar machen.

    „Lege artis vorgenommene Beschneidungen von Jungen (sollen) nicht als Körperverletzung bestraft werden können und auch keine Schadensersatzpflicht auslösen“, heißt es.

    Diese Regelung gilt allerdings nur für Jungen, die noch nicht einwilligungsfähig sind.

    Der BVKJ hat auch deswegen mit den Eckpunkten Probleme, weil diese sich auf eine Stellungnahme der Amerikanischen Akademie der Kinderärzte (AAP) vom August dieses Jahres beziehen.

    Dort heißt es nach Angaben des BVKJ unter anderem, die gesundheitlichen Vorteile beschnittener Neugeborener seien größer als die Risiken (Pediatrics 2012; 130: 585).

    Laut BVKJ haben mittlerweile weltweit 30 pädiatrische Verbände dieser Auffassung widersprochen. Die Stellungnahme der AAP sei durch Forschungsergebnisse nicht belegt, so der Verband.

    Als klugen Vorschlag, der Respekt und Anerkennung verdiene, bezeichnete der Präsident des Zentralrates der Juden, Dieter Graumann, den Entwurf. Das Diskussionspapier bedürfe aber noch in Einzelfragen des Feinschliffs.

    Der Zentralrat der Muslime begrüßte das Eckpunktepapier, weil es zur Rechtssicherheit beitrage. Kritisch sei aber die Regelung zu prüfen, „wonach Eingriffe bei Kindern bis zum Alter von sechs Monaten nicht der Arztpflicht unterliegen, Eingriffe bei älteren Kindern aber schon.“

    Diese Abstufung gelte es unter dem Aspekt der Gleichbehandlung zu erörtern, sagte die Generalsekretärin des Zentralrates der Muslime, Nuhan Soykan.

    So sollen jüdische Jungen am achten Tag nach der Geburt beschnitten werden, im Islam ist aber eine Beschneidung bis zum Ende des Grundschulalters möglich.

    Mit seinen Vorschlägen ist das BMJ weitgehend den Vorschlägen des Deutschen Ethikrats gefolgt. …

    aus: Pädiater entsetzt über Eckpunkte
    in: Ärzte Zeitung, 26.09.2012

    http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/822738/beschneidung-paediater-entsetzt-eckpunkte.html

  36. Edward von Roy Says:

    ::

    Sehr geehrte Frau Abgeordnete,
    sehr geehrter Herr Abgeordneter,

    die nicht medizinisch indizierte Jungenbeschneidung (rituelle Zirkumzision) belastet und schädigt Körper und Sexualleben und traumatisiert nicht selten die Psyche. Auch bei noch so fachgerechter Durchführung sind teilweise schwere medizinische Komplikationen bekannt; der gelegentlich beschworene Nutzen zur Krankheitsprävention ist wissenschsftlich nicht haltbar.

    Kinder sind Grundrechtsträger und können altersbedingt in ihre Beschneidung nicht einwilligen. Die staatliche Gemeinschaft hat die kindliche Unversehrtheit zu gewährleisten.

    Nicht selten stehen beschneidungswillige Eltern unter hohem Gruppenzwang der ethnoreligiösen Community und, soweit religiös, unter dem Druck eines angeblich das Seelenheil sichernden und gottgegebenen Beschneidungsbefehls (Gen 17,10 sowie Lev 12,3; islamisch Sunna bzw. Hadith).

    Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die Jahrtausende alte rituelle Beschneidung in die Zukunft führen. Das Justizministerium plant dazu am Freitag (28. September 2012) eine Expertenanhörung zum Gesetzentwurf, der auf BGB § 1631 Inhalt und die Grenzen der Personensorge zielt und die straffreie Beschneidung legalisieren soll.

    Genau zu diesem Paragraphen habe ich am 20. Juli 2012, also nur einen Tag nach der hastigen Bundestagsresolution (Drucksache 17/10331), eine Petition eingereicht:

    Pet 4-17-07-451-040847
    㤠1631d Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.“

    Nur kurz zum angeblichen gesundheitlichen Nutzen (HIV- und HPV-Prävention), der gelegentlich von den Vereinigten Staaten aus gennannt wird und selbst dort eigentlich nur noch vom Verband AAP (American Academy of Pediatrics) – die notorisch beschneidungsfreundlichen Studien der AAP sind weltweit in der Fachwelt umstritten oder werden schlicht verworfen; das jüngste Statement ist von der US-Kinderrechtsorganisation Intact America noch am selben Tag (27. August 2012) abgelehnt worden (s. u., Quellen).

    Anders als die Bundesjustizministerin es offensichtlich immer noch bewertet: Die medizinisch nicht indizierte elterliche Wunsch-Beschneidung des kleinen Sohnes, ob als patriarchalisch-traditionsreiche Initiation oder als postmodernes Genitaldesign, ist in den bundesdeutschen Begriff des Kindeswohls nicht integrierbar, ihre Gesundheitsvorteile bleiben Mythos.

    Ich bitte Sie, meine hier angehängte Petition zu BGB § 1631d und die dazugehörige ausführliche Begründung zur Kenntnis zu nehmen und in Ihr Abstimmungsverhalten zur Kinderbeschneidung einfließen zu lassen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Edward von Roy
    Staatlich anerkannter Diplom-Sozialpädagoge (FH)

    ::

    Q u e l l e n
    AAP – American Academy of Pediatrics:

    “We’re not pushing everybody to circumcise their babies,“ Dr. Douglas S. Diekema, a member of the academy’s task force on circumcision and an author of the new policy, said in an interview. “This is not really pro-circumcision. It falls in the middle. It’s pro-choice, for lack of a better word. Really, what we’re saying is, ‚This ought to be a choice that’s available to parents.‘ “

    But opponents of circumcision say no one — not even a well-meaning parent — has the right to make the decision to remove a healthy body part from another person.

    “The bottom line is it’s unethical,“ said Georganne Chapin, founding director of Intact America, a national group that advocates against circumcision. “A normal foreskin on a normal baby boy is no more threatening than the hymen or labia on your daughter.“

    THE NEW YORK TIMES
    Benefits of Circumcision Are Said to Outweigh Risks
    By RONI CARYN RABIN
    Published: August 27, 2012

    http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9D03E2D8103DF934A1575BC0A9649D8B63&ref=americanacademyofpediatrics

    INTACT AMERICA’S RESPONSE TO THE AMERICAN ACADEMY OF PEDIATRICS
    2012 REPORT ON CIRCUMCISION

    Issued August 27, 2012

    The Policy Statement and Technical Report on Male Circumcision released today by the Task Force on Circumcision of the American Academy of Pediatrics (AAP) attempts to find justifications for recommending in favor of unnecessary surgery to remove healthy, functioning tissue from infant boys, but falls far short both in its ethical obligations to its members and their patients and in its presentation of the medical and scientific data.

    Even as the AAP purports to find that the benefits of non-medical neonatal male circumcision outweigh its risks, not even its own Task Force can unequivocally recommend this surgery, but instead states that the health benefits are not great enough to recommend routine circumcision for all male newborns. Instead, it focuses much of its argument on urging that health insurance plans and state Medicaid plans cover the costs of the surgery, which is currently not the case in many states.

    It appears that the AAP is acting more as a trade association for doctors who perform this unnecessary surgery more than 1 million times a year, instead of standing up for the human rights and bodily integrity of the only patient that counts—the baby boy.

    http://www.intactamerica.org/aap2012_response

    ::

  37. Kalevala Says:

    ::

    Berlin. Die Eckpunkte des Bundesjustizministeriums zur Regelung der Beschneidung von Jungen stoßen auf gemischte Reaktionen. Die kinderpolitischen Sprecherinnen ihrer Fraktionen, Marlene Rupprecht (SPD), Diana Golze (Die Linke) und Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), nannten den Vorschlag für einen Gesetzentwurf nicht zustimmungsfähig. „Kinder sind Träger eigener Rechte. Ihre Rechte dürfen nicht – weder religiös motiviert noch aus anderen Erwägungen – zur Disposition gestellt werden“, hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung der drei Bundestagsabgeordneten.

    Es sei erschreckend, dass das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit bei den Überlegungen der Bundesregierung offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle spiele. Der Vorschlag bleibe zudem nicht nur hinter den Vorschlägen des Deutschen Ethikrates, sondern selbst hinter der Maßgabe des Bundestagsbeschlusses zu dem Thema zurück, dass die Beschneidung ohne unnötige Schmerzen durchzuführen ist.

    Auch der Kinderschutzbund pochte auf eine stärkere Berücksichtigung des Kinderwillens. „Sie müssen vom Arzt nach fachlicher Aufklärung gefragt werden, ob sie mit der Beschneidung einverstanden sind“, forderte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers in der „Passauer Neuen Presse”. „Ein Nein muss in jedem Falle gelten.” Gerade bei muslimischen Kindern, die häufig erst im Grundschulalter beschnitten würden, drohten „schwere Traumatisierungen“.

    aus: Religiöse Beschneidung: Kritik an Eckpunkten für Beschneidungsregeln wächst
    in: Hamburger Abendblatt 27.09.2012

    http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article109495537/Kritik-an-Eckpunkten-fuer-Beschneidungsregeln-waechst.html

    ::
    ::

    Berlin – Nach der Vorlage von Eckpunkten des Justizministeriums zur Regelung von Beschneidungen bei nicht einwilligungsfähigen Jungen wird die Debatte wieder heftiger. Die kinderpolitischen Sprecher von SPD, Linken und Grünen wandten sich am Donnerstag gegen den Vorschlag, der nach ihren Worten darauf abzielt, die Beschneidung grundsätzlich zu erlauben. Marlene Rupprecht (SPD), Diana Golze (Linke) und Katja Dörner (Grüne) betonten in einer Erklärung: „Es ist erschreckend, dass das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit bei den Überlegungen der Bundesregierung nur eine untergeordnete Rolle spielt.“ Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will Beschneidungen straffrei stellen, wenn sie fachgerecht ausgeführt werden und zuvor umfassend aufgeklärt wurde.

    Die Linken-Politikerin Golze ging damit auch auf Distanz zu Fraktionschef Gregor Gysi, der die Pläne „okay“ genannt hatte. Gysi gibt zu, dass es in seiner Fraktion erhebliche Meinungsverschiedenheiten zum Thema gibt. Er selbst sagte an die Adresse von Kritikern in seiner Fraktion, die strikt gegen Beschneidungen sind: Wenn es 100 000 jüdische oder muslimische Männer gäbe, die die an ihnen vorgenommene Beschneidung als „Sauerei“ empfänden, würde die Linke „eine Art Bewegung vertreten“. Doch eine solche Bewegung kenne er nicht. Bei abgeordnetenwatch.de hatte Gysi im Juli geschrieben, die Unversehrtheit eines Kindes sei zwar wichtig. „Andererseits wissen wir natürlich auch, dass es schwerwiegend ist, mit einer tausendjährigen Tradition zu brechen.“ Zu bedenken sei auch, dass niemand etwas dagegen habe, dass viele Eltern kleinen Mädchen Löcher in die Ohren stechen lassen. „Mir scheint es aber auch eine Körperverletzung zu sein

    aus: Matthias Meisner: Kritik an Regeln zur Beschneidung: Kinderpolitiker empört
    in: Der Tagesspiegel 28.09.2012

    http://www.tagesspiegel.de/politik/kritik-an-regeln-zur-beschneidung-kinderpolitiker-empoert/7189548.html

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  38. Edward von Roy Says:

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    Sehr geehrte Frau Abgeordnete,
    sehr geehrter Herr Abgeordneter,

    die nicht medizinisch indizierte Jungenbeschneidung belastet und schädigt Körper und Sexualleben und traumatisiert nicht selten die Psyche. Auch bei noch so fachgerechter Durchführung sind teilweise schwere medizinische Komplikationen bekannt; der gelegentlich beschworene Nutzen zur Krankheitsprävention ist wissenschaftlich nicht haltbar.

    Beschneidungsbereite Eltern bieten ihrem – beim familiären Klatsch und Tratsch über den Kinderpenis gezielt beschämten – Kind die Option Zirkumzision blumig werbend, pseudowissenschaftlich überredend, patriarchalisch einschüchternd oder stolz bis elitär und dabei jeden Unbeschnittenen ein wenig herabsetzend an; der jüdische acht Tage alte Säugling wird gar nicht erst gefragt. Auch vor solchen Situationen der elterlicherseits noch so „gut gemeinten“ Überrumpelung ist das Kind durch uns alle zu schützen.

    Völlig altersgemäß, auch weil sie die nachteiligen Beschneidungsfolgen nicht überschauen und eine erwachsene Sexualität noch nicht aus eigenem Erleben kennen, können Jungen in ihre Zirkumzision nicht einwilligen. Die rituelle Beschneidung ist keine Heilbehandlung. Die staatliche Gemeinschaft hat dem Kind von heute die genitale Unversehrtheit von morgen zu bewahren, um dem selben Individuum in noch fernerer Zukunft die bestmögliche sexuelle Selbstbestimmung als Jugendlicher und Erwachsener zu ermöglichen. Ohne Einschränkung gilt: Kinder sind Grundrechtsträger.

    Oft stehen beschneidungswillige Eltern unter hohem Gruppenzwang der ethnoreligiösen Community und, soweit religiös, unter dem Druck eines angeblich das Seelenheil sichernden und Verdammnis abwehrenden Beschneidungsbefehls (Gen 17,10 sowie Lev 12,3; islamisch Sunna bzw. Hadith).

    Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die medizinisch unnötige Zirkumzision in die Zukunft führen – das ist zutiefst kinderfeindlich und ein organisierter Angriff auf die körperliche Unversehrtheit eines Teils der Bevölkerung. Das Justizministerium verbreitet einen Gesetzentwurf, der auf BGB § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge zielt und die Zirkumzision straffrei ins elterliche Belieben stellen soll.

    Genau zu § 1631 BGB habe ich am 20. Juli 2012, also nur einen Tag nach der hastigen Bundestagsresolution (Drucksache 17/10331), eine Petition eingereicht:

    Pet 4-17-07-451-040847
    㤠1631d Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.“

    Nur kurz zum angeblichen gesundheitlichen Nutzen (HIV- und HPV-Prävention), der gelegentlich von den Vereinigten Staaten aus gennannt wird und selbst dort eigentlich nur noch vom Verband AAP (American Academy of Pediatrics) – die notorisch beschneidungsfreundlichen Studien der AAP sind weltweit in der Fachwelt umstritten oder werden schlicht verworfen; das jüngste Statement ist von der US-Kinderrechtsorganisation Intact America noch am selben Tag (27. August 2012) abgelehnt worden (s. u., Quellen).

    Deutschland hat jedem Mohel die Durchführung von Metzitzah b’peh (oral sucking, Kind stirbt in Einzelfällen am übertragenen Herpesvirus oder überlebt eine Hirnhautentzündung und ist lebenslang geistig behindert) zu untersagen. Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung zwar begeistert über die Legalisierung der Beschneidung redet, aber die Metzitzah b’peh (oral-genitale Beschneidung, der Mohel nimmt zum Blutabsaugen den Penis des Säuglings in den Mund) nicht thematisiert.

    Auch der ästhetisch motivierte elterliche Umgestaltungswunsch des Kinderpenis ist nicht zu legalisieren. Anders als es die Bundesjustizministerin immer noch bewertet: Die medizinisch nicht indizierte elterliche Wunsch-Beschneidung des kleinen Sohnes, ob als patriarchalisch-traditionsreiche Initiation oder als postmodernes Genitaldesign, ist in den bundesdeutschen Begriff des Kindeswohls nicht integrierbar, ihre Gesundheitsvorteile bleiben Mythos.

    Ich bitte Sie, auch die Argumente meiner hier angehängten Petition zu BGB § 1631d und die dazugehörige ausführliche Begründung zur Kenntnis zu nehmen und in Ihr Abstimmungsverhalten zur Kinderbeschneidung einfließen zu lassen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Edward von Roy
    Diplom-Sozialpädagoge (FH)

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    Q u e l l e n
    AAP – American Academy of Pediatrics:

    “We’re not pushing everybody to circumcise their babies,“ Dr. Douglas S. Diekema, a member of the academy’s task force on circumcision and an author of the new policy, said in an interview. “This is not really pro-circumcision. It falls in the middle. It’s pro-choice, for lack of a better word. Really, what we’re saying is, ‚This ought to be a choice that’s available to parents.‘ “

    But opponents of circumcision say no one — not even a well-meaning parent — has the right to make the decision to remove a healthy body part from another person.

    “The bottom line is it’s unethical,“ said Georganne Chapin, founding director of Intact America, a national group that advocates against circumcision. “A normal foreskin on a normal baby boy is no more threatening than the hymen or labia on your daughter.“

    THE NEW YORK TIMES
    Benefits of Circumcision Are Said to Outweigh Risks
    By RONI CARYN RABIN
    Published: August 27, 2012

    http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9D03E2D8103DF934A1575BC0A9649D8B63&ref=americanacademyofpediatrics

    INTACT AMERICA’S RESPONSE TO THE AMERICAN ACADEMY OF PEDIATRICS
    2012 REPORT ON CIRCUMCISION

    Issued August 27, 2012

    The Policy Statement and Technical Report on Male Circumcision released today by the Task Force on Circumcision of the American Academy of Pediatrics (AAP) attempts to find justifications for recommending in favor of unnecessary surgery to remove healthy, functioning tissue from infant boys, but falls far short both in its ethical obligations to its members and their patients and in its presentation of the medical and scientific data.

    Even as the AAP purports to find that the benefits of non-medical neonatal male circumcision outweigh its risks, not even its own Task Force can unequivocally recommend this surgery, but instead states that the health benefits are not great enough to recommend routine circumcision for all male newborns. Instead, it focuses much of its argument on urging that health insurance plans and state Medicaid plans cover the costs of the surgery, which is currently not the case in many states.

    It appears that the AAP is acting more as a trade association for doctors who perform this unnecessary surgery more than 1 million times a year, instead of standing up for the human rights and bodily integrity of the only patient that counts—the baby boy.

    http://www.intactamerica.org/aap2012_response

    The controversy over metzitzah b’peh was reignited in March after it came to light that an unidentified infant died Sept. 28 at Brooklyn’s Maimonides Medical Center from “disseminated herpes simplex virus Type 1, complicating ritual circumcision with oral suction,“ according to the death certificate.

    Health Department investigations of newborns with the herpes virus from 2000 to 2011 have shown that 11 infants contracted the herpes virus when mohels, or ritual circumcisers, placed their mouths directly on the child’s circumcision wound to draw blood away from the circumcision cut, according to a statement from the department. Ten of the infants were hospitalized, at least two developed brain damage and two babies died.

    aus: N.Y. health chief calls for end to metzitzah b’peh rite in circumcisions
    U.S. Health Department investigations show that 11 infants contracted the herpes virus between 2000 to 2011 as a result of the rite.
    HAARETZ Jun. 08, 2012

    http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/n-y-health-chief-calls-for-end-to-metzitzah-b-peh-rite-in-circumcisions-1.435227

    Ungefähr 200 Rabbiner haben eine Petition unterschrieben … Eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde wollte sich zur Petition der Rabbiner nicht äußern. Sie meinte aber: »Es ist wichtig, dass Eltern die Risiken kennen, die mit dieser Praxis, also der Metzitzah B’peh, verknüpft sind.«

    Hannes Stein in: Jüdische Allgemeine 06.09.2012

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13952

    Some 200 rabbis have signed a statement alleging that the department “printed and spread lies … in order to justify their evil decree. It is clear to us that there is not even an iota of blame or danger in this ancient and holy custom,” the New York Post reported.

    The Forward
    JTA 03.09.2012

    http://forward.com/articles/162164/rabbis-organize-against-metzitzah-bpeh-forms/#ixzz27ryn1H4q

    ::

  39. schariagegner Says:

    Anonym hat gesagt…

    Lieber Andreas,

    da sind Sie wohl der jenige, der auf dem sprichwörtlichen Holzweg ist. Herr von Roy ist offensichtlich sehr gut informiert.

    Ein Offener Brief einer SPD-Genossin und Medizinstudentin an Christine Lambrecht zu ihrer Rede vom 19.07.2012 im Bundestag

    Liebe Christine,

    als …Medizinstudentin kurz vor dem Staatsexamen …möchte ich Dir gerne ein paar Sachinformationen geben, von denen ich den Eindruck habe, dass sie beim gestrigen Beschluss des Bundestages zur Beschneidung von Jungen nicht vorlagen:

    …Es ist jedoch eine medizinische Fehlinformation, die in fast allen Fraktionen vorhanden ist, dass die Vorhaut des Penis anders gebaut sei als beispielsweise die Labien (kleinen Schamlippen) einer Frau. …

    http://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2012/07/20/beschneidungsdebatte-fehlinformationen-ohne-ende/

    Ümmühan Karagözlü

  40. Chronist Says:

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    Ärztekunst und Kindeswohl

    26 Seiten sollen Rechtssicherheit schaffen: Das Justizministerium hat den Entwurf für ein Beschneidungsgesetz erarbeitet

    München – Das Bundeskabinett will am Mittwoch nächster Woche ein Beschneidungsgesetz verabschieden. Das Bundesjustizministerium hat auf der Basis der Eckpunkte, die vor einer Woche vorgelegt wurden, einen ins Detail gehenden 26-seitigen Gesetzentwurf erarbeitet. Der Entwurf liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Er soll ‚Rechtssicherheit für alle Betroffenen‘ schaffen. Er formuliert einen neuen Paragraf 1631 d im Bürgerlichen Gesetzbuch: Die Beschneidung bleibt straffrei, wenn die Eltern zustimmen und die Regeln der ärztlichen Kunst befolgt werden.

    Absatz 1 dieses Paragrafen soll künftig lauten: ‚Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wird. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.‘

    In Absatz 2 soll es heißen: ‚In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgemeinschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet sind und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind.‘

    Was genau die Regeln ärztlicher Kunst verlangen, wird im geplanten Paragrafen nicht näher ausgeführt. In der Begründung ist aber von einer ‚im Einzelfall angemessenen und wirkungsvollen Betäubung‘ die Rede. Der Beschneider einer Religionsgemeinschaft, der in den ersten sechs Monaten des Jungen die Beschneidung vornehmen darf, muss ‚eine besondere Ausbildung‘ absolviert haben.

    Der Gesetzentwurf bietet im allgemeinen Teil seiner Begründung einen ausführlichen Überblick über Geschichte und Praxis der Beschneidung. Umfassend ist auch der internationale Rechtsvergleich. Er beginnt mit der Feststellung, dass weltweit kein Staat bekannt sei, ‚in dem eine mit Einwilligung der Eltern fachmännisch fehlerfrei durchgeführte Beschneidung von männlichen Kindern ausdrücklich verboten wäre‘. Schweden wird als das einzige Land genannt, das (seit 2001) schon über eine gesetzliche Erlaubnisnorm für Beschneidungen verfügt – ähnlich der geplanten deutschen Regelung. Der Gesetzentwurf grenzt die erlaubte Beschneidung von Jungen scharf von der weiterhin strikt verbotenen ‚Verstümmelung weiblicher Genitalien‘ ab. Zur Genitalverstümmelung von Mädchen heißt es unmissverständlich: ‚Eine rechtfertigende Einwilligung von Sorgeberechtigten kommt in keinem Fall in Betracht.‘ Es handele sich stets um gefährliche oder schwere Körperverletzung, gegebenenfalls auch um ‚Misshandlung von Schutzbefohlenen‘.

    Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll der Entwurf von der Bundesregierung und vom Bundestag eingebracht werden, was einer beschleunigten Verabschiedung dient. Es gibt Signale aus fast allen Fraktionen, bei der Abstimmung im Bundestag den Fraktionszwang aufzuheben.

    Heribert Prantl
    Süddeutsche 04.10.2012

    http://www.sueddeutsche.de/S5438l/876701/Aerztekunst-und-Kindeswohl.html

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  41. Chronist Says:

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    Bundesministerium der Justiz:

    Regierungserklärung vom 10.10.2012
    RegE

    Gesetzentwurf der Bundesregierung Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes
    Vom …

    Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlossen:
    Artikel 1

    Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs Nach § 1631c des Bürgerlichen Gesetzbuchs in der Fassung der Bekanntmachung vom 2. Januar 2002 (BGBl. I S. 42, 2909; 2003 I S. 738), das zuletzt durch Artikel … des Gesetzes vom … (BGBl. I S. …) geändert worden ist, wird folgender § 1631d eingefügt:

    § 1631d Beschneidung des männlichen Kindes

    (1) Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.

    (2) In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind.“

    (…)

    Eltern sind aber nicht berechtigt, in Ausübung ihrer elterlichen Sorge in die Beschneidung ihres Sohnes einzuwilligen, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks im Einzelfall das Kindeswohl gefährdet wird. Im Rahmen des geltenden § 1666 BGB versteht die Rechtsprechung unter einer Gefährdung des Kindeswohls „eine gegenwärtige, in einem solchen Maße vorhandene Gefahr, dass sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt“ (ständige Rechtsprechung des BGH seit NJW 1956, 1434 – zuletzt NJW 2012, 151). Ob eine solche Gefahr begründet ist, ist aufgrund der Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu beurteilen. Ergibt sich aus den besonderen Umständen des Einzelfalls eine Gefährdung des Kindeswohls, steht § 1631d Absatz 1 Satz 2 BGB-E der elterlichen Einwilligung entgegen. Im Rahmen der Kindeswohlprüfung muss auch der Zweck der Beschneidung in den Blick genommen werden (etwa bei einer Beschneidung aus rein ästhetischen Gründen oder mit dem Ziel, die Masturbation zu erschweren). Ebenso kann der entgegenstehende Wille eines nicht einsichts- und urteilsfähigen Kindes zu berücksichtigen sein. …

    Die Regelung in Absatz 2 gilt aus Gründen des Gesundheitsschutzes und des Kindeswohls nur für Personen, bei denen die Gewähr besteht, dass sie die von Absatz 1 vorausgesetzte Durchführung nach den Regeln der ärztlichen Kunst nach Ausbildung und persönlicher Befähigung tatsächlich beherrschen, so dass von dem Eingriff im Vergleich zur Vornahme durch eine Ärztin oder einen Arzt keine erhöhten gesundheitlichen Risiken ausgehen.

    Daher gilt die Regelung nur für Personen, die eine besondere Ausbildung für die Vornahme von Beschneidungen absolviert haben. Nur durch eine entsprechende Ausbildung kann sichergestellt werden, dass die erforderlichen Fachkenntnisse erworben werden.

    Überdies setzt Absatz 2 aus Gründen des Gesundheitsschutzes im Hinblick auf die Durchführung der Beschneidung eine dem Arzt vergleichbare Befähigung voraus. Dazu gehören neben den unmittelbar eingriffsspezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten auch vertiefte Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Hygiene, Desinfektion und Sterilität sowie über die Erstversorgung in – seltenen, aber nicht auszuschließenden – akuten Zuständen und Notfällen. Zudem muss die Person die bei nicht medizinisch indizierten Eingriffen erforderliche ordnungsgemäße und besonders umfassende Aufklärung der Eltern gewährleisten können.

    Die Regelung in Absatz 2 bezieht sich auf „Beschneidungen gemäß Absatz 1“. Auch bei der Durchführung der Beschneidung durch Personen nach Absatz 2 muss die elterliche Einwilligung daher den in Absatz 1 aufgestellten Anforderungen genügen. Dies setzt unter anderem voraus, dass der Eingriff nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll.

    Die Durchführung von Beschneidungen durch die von einer Religionsgesellschaft vorgesehenen Personen bedarf keiner behördlichen Erlaubnis. Soweit spezialgesetzlich gesonderte Arztvorbehalte bestehen (etwa nach dem Betäubungsmittelgesetz oder dem Arzneimittelgesetz) bleiben diese unberührt.

    Zu Artikel 2 (Inkrafttreten)

    Artikel 2 bestimmt, dass das Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes am Tag nach seiner Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft tritt.

    aus:
    Gesetzentwurf der Bundesregierung
    Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes

    http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/RegE%20Gesetz_ueber_den_Umfang_der_Personensorge_bei_einer_Beschneidung_des_maennlichen_Kindes.pdf?__blob=publicationFile

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    RegE: Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes

    Erscheinungsdatum
    10.10.2012

    http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/RegE%20Gesetz_ueber_den_Umfang_der_Personensorge_bei_einer_Beschneidung_des_maennlichen_Kindes.html?nn=1930246

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    Kabinettsbeschluss zur Beschneidung

    Das Bundeskabinett hat heute einen Gesetzentwurf beschlossen, der die rechtliche Verunsicherung, die durch das Urteil des Landgerichts Köln entstanden ist, beseitigen soll. Im Bürgerlichen Gesetzbuch wird künftig in einem neuen § 1631d klar gestellt, dass die Beschneidung in Deutschland auch künftig möglich ist.

    Datum
    10.10.2012

    http://www.bmj.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2012/20121010_Kabinettsbeschluss_zur_Beschneidung.html;jsessionid=D05784D05D0FAF4C9F9358AB98D105F3.1_cid297?nn=1930246

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  42. Querverweis Says:

    Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann lehnt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu religiösen Beschneidungen von Jungen ab. „Das ist ein weiterer Tabubruch“, sagt der Präsident des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte. Er fordert, mit der Beschneidung bis zu Religionsmündigkeit zu warten.

    In 32 Jahren habe er in seiner Praxis „zig Kinder gesehen“, die unter Entzündungen und Vernarbungen litten, so dass Nachoperationen notwendig wurden.

    „Viele Jungen wollten sich aus Angst nicht mehr untersuchen lassen“, berichtet der Kinderarzt. Welche Folgen die Beschneidung für die Psyche hat, darüber gebe es in Deutschland keine Untersuchungen.

    aus: Kinderarzt sieht im Beschneidungsgesetz Gefahr für Säuglinge
    in: DER WESTEN 11.10.2012

    http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/kinderarzt-sieht-im-beschneidungsgesetz-gefahr-fuer-saeuglinge-id7183253.html

    Anmerkung. Schön, dass ein Arzt über die zerstörerischen Beschneidungsfolgen redet (und eine Zeitung das sogar veröffentlicht). Aber: 14 ist zu jung! Wo sich Deutschlands Lehrer oder Spitzenpolitiker nicht trauen, den kinderfeindlichen und brutalen Brauch der Zirkumzision im Namen der körperlichen Unversehrtheit zurückzuweisen, wie sollen sich da die Jugendlichen dem Druck von Familie und göttlichem Beschneidungsbefehl widersetzen können? Keine Beschneidung unter achtzehn.

  43. Chronist Says:

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    Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung

    Maximilian Stehr, Holm Putzke, Hans-Georg Dietz

    … Die Beschneidung ist als Identifikationsmittel ausgesprochen wichtig. Es ist unbestreitbar, dass der Verzicht auf ein Identifikationsmittel weitreichende Folgen haben kann, es in der Regel sogar stigmatisierend ist, in den die Beschneidung praktizierenden Sozialgemeinschaften nicht beschnitten zu sein. Dieser Umstand allein vermag religiöse Beschneidungen indes nicht zu rechtfertigen. Denn eine Rechtsfrage lässt sich nicht lösen, indem man das Problem auf eine rechtsfreie Ebene verschiebt. Genau das würde aber geschehen, ließe man eine Handlung allein deshalb zu, weil sie eine Tradition darstellt. Das Milieu eines Kindes darf erst recht nicht zum alleinigen Maßstab gemacht werden, wenn es um die Abwehr von Gefahren für das Kind geht, denn sonst hinge es von den Einstellungen und Präferenzen der Gemeinschaft ab, ob minderjährigen Mitgliedern Körperschäden zugefügt werden dürfen. Das gilt in noch stärkerem Maß, wenn sich das Milieu bei Beachtung des Verbots automatisch änderte. Denn je mehr Jungen nicht beschnitten werden, umso weniger wird dieser Zustand Anlass für Stigmatisierung sein.

    Ist man bereit, sich von der Vorstellung zu lösen, das Kindeswohl ausschließlich von Umständen abhängig zu machen, die allein einer Glaubensgemeinschaft zuzurechnen sind, dann ist zu fragen, ob der Nutzen der Beschneidung als Identifikationsmittel ausreicht, um den Schaden zu überwiegen. …

    aus:
    Deutsches Ärzteblatt 2008
    Dtsch Arztebl 2008; 105(34–35): A 1778–80

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/61273

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  44. Chronist Says:

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    Sehr lesenswert:

    Prof. Dr. iur. Holm Putzke, LL.M., Professur für Strafrecht, Institut für Rechtsdidaktik, Juristische Fakultät der Universität Passau

    Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans-Georg Dietz, Prof. Dr. med. Maximilian Stehr, Kinderchirurgische Klinik im Dr. v. Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München

    (…) das Risiko, sich mit HIV zu infizieren und bei Frauen Gebärmutterhalskrebs zu verursachen, kann sich – wenn überhaupt – erst mit Geschlechtsreife realisieren. Diese Argumente sind sicher nicht geeignet, Jungen irreversibel ihre Vorhaut abzutrennen. Es ist im Übrigen auch frei erfunden, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Zirkumzisionen bedingungslos als Vorbeugemaßname gegen eine HIV-Infektion gutheißt. Richtig ist, dass die WHO Zirkumzisionen in Abhängigkeit vom Ansteckungsrisiko empfiehlt und bei Kindern ohnehin nicht, es sei denn, sie verstehen die Tragweite des Eingriffs, sind mit anderen Worten einwilligungsfähig. Hingegen liegen die Nachteile auf der Hand: Jungen wird ohne medizinischen Grund irreversibel ein gesunder Teil ihres Körpers abgetrennt. Dieser Teil ist mitnichten unbedeutend: Zum einen erfüllt die Vorhaut eine Schutzfunktion, zum andern handelt es sich um eine erogene Zone. Aktuelle Studien belegen, dass eine Zirkumzision unter anderem einen spürbaren Sensibilitätsverlust zur Folge hat, woraus sich sexuelle Dysfunktionen ergeben können. Zudem erleidet das Kind, auch wenn narkotisiert, Schmerzen, sowohl bei der Operation als auch in Form von postoperativen Wundschmerzen. …

    Neben dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit wird zudem das Selbstbestimmungsrecht des Kindes verletzt. Denn es wird mit einem unabänderlichen religiösen Zugehörigkeitsmerkmal versehen: Für den Betroffenen bedeutet eine religiöse Beschneidung lebenslange Kennzeichnung. Die Beeinträchtigung des Kindeswohls lässt sich auch nicht mit dem Einwand ausräumen, dass eine Beschneidung dem seelischen Wohl diene, indem eine Ausgrenzung innerhalb des jeweiligen religiös gesellschaftlichen Umfeldes vermieden werde. Wer diesem Aspekt Gewicht zuerkennt, müsste ihn auch – jedenfalls mit Blick auf leichte Formen – für die weibliche Genitalverstümmelung gelten lassen. Abgesehen davon ist es mit unserer rechtsstaatlichen Verfassung nicht vereinbar, Religionsgemeinschaften schrankenlos die Deutungshoheit darüber zuzubilligen, was identitätsstiftend ist. …

    Aber selbst wenn der Gesetzgeber Kinderrechte geringschätzen und religiöse Beschneidungen legalisieren sollte, gebietet es die ärztliche Ethik allemal, solche Eingriffe zu unterlassen.

    Quelle:
    Deutsches Ärzteblatt

    http://www.aerzteblatt.de/down.asp?id=9526

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  45. BGB § 1631d Says:

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    Mittlere Katastrophe: 53 Parlamentarier verspielen die männliche körperliche Unversehrtheit im Allgemeinen und das intakte männliche Genital im Besonderen, indem das Elternrecht auf Beschneidung des männlichen Jugendlichen (14-17 Jahre) legal werden soll. Die verfassungswidrige Ungleichbehandlung mit Mädchen und Frauen ist hierbei offensichtlich, also droht auch noch die Legalisierung der FGM. Lesenswertes schreibt Blog Skydaddy:

    Von der Unmöglichkeit, ein verfassungskonformes Gesetz zu erlassen, das die religiöse Beschneidung unmündiger Knaben erlaubt

    Eine Gruppe von 53 Bundestagsabgeordneten – darunter Marlene Rupprecht, Rolf Schwanitz, Ute Vogt, Memet Kilic, Ulla Jepke, Raju Sharma und Halina Wawzyniak – haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Beschneidung von Jungen ab 14 Jahren erlauben soll, sofern diese einwilligen.

    Dieser Gesetzentwurf ist nicht akzeptabel!

    http://skydaddy.wordpress.com/2012/11/13/von-der-unmoglichkeit-ein-verfassungskonformes-gesetz-zu-erlassen-das-die-religiose-beschneidung-unmundiger-knaben-erlaubt/

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    Deutscher Bundestag Drucksache 17/11430
    17. Wahlperiode 08.11.2012

    Gesetzentwurf
    Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge und die Rechte des männlichen Kindes bei einer Beschneidung

    § 1631d

    Beschneidung des männlichen Kindes

    Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des männlichen Kindes einzuwilligen, wenn es das 14. Lebensjahr vollendet hat, einsichts- und urteilsfähig ist, der Beschneidung zugestimmt hat und diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst von einer Ärztin oder einem Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.

    (…)

    IV. Abgrenzungen von der Verstümmelung weiblicher Genitalien Das Gesetz erstreckt sich nur auf die Beschneidung des männlichen Kindes. Die geltenden gesetzlichen Regelungen, die bei der Verstümmelung weiblicher Genitalien zur Anwendung kommen, bleiben davon unberührt. V. Wesentlicher Inhalt des Entwurfs Vorgesehen ist, im Recht der elterlichen Sorge (§§ 1626 ff. BGB) klarzustellen, dass die Personensorge der Eltern grundsätzlich auch das Recht umfasst, bei Einhaltung bestimmter Anforderungen in eine Beschneidung ihres einsichts- und urteilsfähigen Sohnes einzuwilligen, sofern er das 14. Lebensjahr vollendet hat. Dies soll nur dann nicht gelten, wenn sich aus den Umständen des Einzelfalls auch unter Berücksichtigung des Beschneidungszwecks eine Gefahr für das Kindeswohl ergibt. Die Durchführung der Beschneidung erfolgt lege artis durch eine Ärztin oder einen Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie. VI. Gesetzgebungskompetenz Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes für § 1631d BGB-E folgt aus Artikel 74 Absatz 1 Nummer 1 GG („das bürgerliche Recht“).

    (…)

    B. Besonderer Teil

    Zu Artikel 1 (Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs) Zu § 1631d – neu (Beschneidung des männlichen Kindes) Mit der Regelung wird klargestellt, dass die Personensorge der Eltern auch das Recht umfasst, unter Einhaltung bestimmter Anforderungen in die Beschneidung ihres einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, sofern er das 14. Lebensjahr vollendet hat. Dies soll nur dann nicht gelten, wenn sich aus den Umständen des Einzelfalls auch unter Berücksichtigung des Beschneidungszwecks eine Gefahr für das Kindeswohl ergibt.

    (…)

    2. Allgemeine Regelung ohne Religionsbezug

    Den Eltern wird im Rahmen ihrer primären Erziehungsverantwortung ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht, solange die Grenze der Kindeswohlgefährdung nicht erreicht ist (vgl. § 1666 BGB). Eltern können die nicht medizinisch indizierte Beschneidung ihres männlichen Kindes, die weltweit stark verbreitet ist, aus unterschiedlichen Gründen für kindeswohldienlich halten.

    (…)

    Zu § 1631 d – neu (Klarstellung zum Inhalt der Personensorge)

    § 1631 d präzisiert den Inhalt der Personensorge und verdeutlicht ihn dahingehend, dass die Personensorge bei Beachtung bestimmter Anforderungen grundsätzlich die elterliche Einwilligung in eine Beschneidung des einsichts- und urteilsfähigen Jungen umfasst.

    (…)

    Zu Satz 1 (Einwilligungsrecht der Eltern) Nach Satz 1 sind die Eltern im Rahmen der Personensorge berechtigt, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des männlichen Kindes einzuwilligen. Dieses Recht steht unter dem Vorbehalt, dass das männliche Kind das 14. Lebensjahr vollendet hat sowie einsichts- und urteilsfähig ist. Die Eltern dürfen desweiteren das Recht nur ausüben, wenn das männliche Kind in die Vornahme der Beschneidung eingewilligt hat und diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst von einer Ärztin oder einem Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie vorgenommen werden soll.

    (…)

    In eine Genitalverstümmelung ihrer Tochter können Eltern weiterhin keinesfalls einwilligen. Die Genitalverstümmelung ist mit keinerlei medizinischen Vorteilen verbunden, es besteht aber die Gefahr schwerwiegender Gesundheitsrisiken und weitreichender Folgen. Es bleibt insoweit bei der bisherigen Rechtslage, wonach die Genitalverstümmelung als gefährliche oder sogar schwere Körperverletzung (§§ 224, 226 StGB) und ggf. Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB) strafbar ist. Eine rechtfertigende Einwilligung von Sorgeberechtigten kommt in keinem Fall in Betracht.

    2. Weitere Voraussetzungen für die Befugnis zur Einwilligung Zur Erfüllung der Vorgaben des staatlichen Wächteramtes (Artikel 6 Absatz 2 Satz 2 GG) und der grundrechtlichen Schutzpflicht für die körperliche Unversehrtheit (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 GG) des Kindes wird die Berechtigung der Eltern zur Einwilligung in eine Beschneidung von weiteren Voraussetzungen abhängig gemacht. Diese ergeben sich teilweise bereits aus anderen Normen und allgemeinen Grundsätzen, so dass insoweit eine zusätzliche Erwähnung in § 1631d Satz 1 BGB-E nicht erforderlich ist.

    (…)

    Bei einer aus kindeswohlgetragenen Gründen und fachgerecht durchgeführten Beschneidung ohne besondere Risiken für das männliche Kind ist der Staat regelmäßig nicht in seinem Wächteramt berufen. Eltern sind aber nicht berechtigt, in Ausübung ihrer elterlichen Sorge in die Beschneidung ihres Sohnes einzuwilligen, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks im Einzelfall das Kindeswohl gefährdet wird.

    (…)

    Ergibt sich aus den besonderen Umständen des Einzelfalls eine Gefährdung des Kindeswohls, steht § 1631d Satz 2 BGB-E der elterlichen Einwilligung entgegen. Im Rahmen der Kindeswohlprüfung muss auch der Zweck der Beschneidung in den Blick genommen werden (etwa bei einer Beschneidung aus rein ästhetischen Gründen oder mit dem Ziel, die Masturbation zu erschweren oder zu sanktionieren).

    (…)

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf

    http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP17/488/48863.html

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  46. Drucksache 17/11295 Says:

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    FGM Typ 1a und Typ 4 wird einfach unterschlagen, der grundgesetzliche Anspruch des Kindes auf körperliche Unversehrtheit sowieso. Hundert Prozent schariakompatibel. Dem männlichen Kind gehört sein Penis nicht, Genitalien sind Eigentum des ewigen Stammes, an denen die Stammesgottheit Schmerz, Blut, bleibende Veränderung und Narben hinterlassen kann. Das ist kulturelle Vormoderne (bzw., islamrevolutionär: kulturelle Gegenmoderne), die der Bundestag morgen wohl leider legalisieren wird.

    Deutscher Bundestag Drucksache 17/11295
    17. Wahlperiode 05. 11. 2012
    Gesetzentwurf
    der Bundesregierung
    Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes

    (…) Rechtswissenschaft und Rechtsprechung Zur Strafbarkeit der Beschneidung von männlichen Kindern werden in der deutschen Rechtswissenschaft unterschiedliche Ansichten vertreten. Nach einer Meinung ist die religiös motivierte Beschneidung schon als „sozialadäquates Verhalten“ nicht vom Straftatbestand der Körperverletzung erfasst. Der Eingriff sei zwar vom möglichen Wortlaut der Körperverletzungsvorschriften, nicht aber von deren tatsächlichem Wortsinn erfasst (so Exner, Sozialadäquanz im Strafrecht – Zur Knabenbeschneidung, 2011, S. 187 f.; ebenso Rohe, Das islamische Recht, 2009, S. 342; Tröndle, StGB, 49. Auflage, 1997, § 223 Rn. 16a; ähnlich Schwarz, JZ 2008, 1125 ). Diese Ansicht wurde noch 2008 in der strafrechtlichen Kommentarliteratur als „wohl herrschende Meinung“ bezeichnet (vgl. Fischer, StGB, 55. Auflage, 2008, § 223 Rn. 6b). Eine andere Ansicht bejaht zwar die Tatbestandsmäßigkeit, kommt aber ebenfalls zur Straflosigkeit, weil die Rechtswidrigkeit nicht medizinisch indizierter Beschneidungen grundsätzlich dann entfalle, wenn die Einwilligung der Eltern vorliege (Zähle, AöR 134 , 434 ; Valerius, JA 2010, 481 ; Fateh-Moghadam, RW 2010, 115 ; Schramm, Ehe und Familie im Strafrecht, 2011, S. 229; Beulke/Dießner, ZIS 2012, 338 ). Eine weitere Ansicht bejaht dagegen die rechtswidrige Körperverletzung, weil die Beschneidung weder sozialadäquat sei noch durch eine elterliche Einwilligung gerechtfertigt werden könne (Putzke, (…))

    Das elterliche Erziehungsrecht (Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 GG) und die Religionsfreiheit (Artikel 4 Absatz 1 GG) unterliegen keinem allgemeinen Gesetzesvorbehalt. Beide Grundrechte sind nur solchen Einschränkungen zugänglich, die sich aus der Verfassung selbst ergeben (BVerfG, Beschluss vom 15. März 2007, Aktenzeichen: 1 BvR 2780/06, NVwZ 2008, 72, 73). Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 GG bezeichnet die Pflege und Erziehung der Kinder nicht nur als Recht, sondern auch als Pflicht der Eltern. Die Pflicht ist wesensbestimmender Bestandteil des Elternrechts, das insoweit treffender als Elternverantwortung zu bezeichnen ist (BVerfGE 56, 363, 382). Damit unterscheidet sich das Elternrecht von anderen Freiheitsrechten. Es gewährt keine Freiheit im Sinne einer Selbstbestimmung der Eltern, sondern im Interesse des Kindes (BVerfGE 59, 360, 376). In der Beziehung der Eltern zum Kind muss das Kindeswohl die oberste Richtschnur sein (BVerfGE 60, 79, 88). Das Elternrecht beruht dabei auf dem Grundgedanken, dass in aller Regel den Eltern das Wohl ihres Kindes mehr am Herzen liegt als irgendeiner anderen Person oder Institution (BVerfGE 61, 358, 371). (…)

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/112/1711295.pdf

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    Schutz bis Ende dreizehn – immerhin, doch ein lebenslang schädigendes Ritual, dem sich auch ein Vierzehnjähriger kaum entziehen und dessen Tragweite er nicht verstehen kann, wird von diesem alternativen Gesetzesentwurf in Kauf genommen. Auf körperliche Unversehrtheit wird also ebenfalls auf ethnoreligiösen Druck oder auf Elternwunsch verzichtet. Ein Mediziner, dem es am Patientenwohl gelegen ist, dürfte die medizinisch nicht indizierte Beschneidung an einem männlichen Jugendlichen gar nicht durchführen. Die verfassungswidrige Ungleichbehandlung mit Mädchen und Frauen ist auch hier offensichtlich, also droht auch die baldige sozusagen nachträgliche Legalisierung der FGM der Schafiiten (Assalaam Foundation) oder Dawoodi Bohra (Sydney, Australia), dia ja auch „kulturadäquat“ ist.

    Deutscher Bundestag Drucksache 17/11430
    17. Wahlperiode 08. 11. 2012

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf

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  47. Beschneidung ist grundgesetzwidrig Says:

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    (…) Es ist im Übrigen auch frei erfunden, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Zirkumzisionen bedingungslos als Vorbeugemaßname gegen eine HIV-Infektion gutheißt. Richtig ist, dass die WHO Zirkumzisionen in Abhängigkeit vom Ansteckungsrisiko empfiehlt und bei Kindern ohnehin nicht, es sei denn, sie verstehen die Tragweite des Eingriffs, sind mit anderen Worten einwilligungsfähig.

    Hingegen liegen die Nachteile auf der Hand: Jungen wird ohne medizinischen Grund irreversibel ein gesunder Teil ihres Körpers abgetrennt. Dieser Teil ist mitnichten unbedeutend: Zum einen erfüllt die Vorhaut eine Schutzfunktion, zum andern handelt es sich um eine erogene Zone. Aktuelle Studien belegen, dass eine Zirkumzision unter anderem einen spürbaren Sensibilitätsverlust zur Folge hat, woraus sich sexuelle Dysfunktionen ergeben können. Zudem erleidet das Kind, auch wenn narkotisiert, Schmerzen, sowohl bei der Operation als auch in Form von postoperativen Wundschmerzen. Über eine Beschneidung ohne Narkose, wie häufig noch durchgeführt, bedarf es diesbezüglich keines Kommentars. Untersuchungen zeigen, dass dies für den empfindlichen Säugling eine Qual ist; Schmerztraumata werden billigend in Kauf genommen. Bei dem oft rechtfertigend ins Feld geführten anschließenden scheinbar friedlichen Schlaf dürfte es sich eher um einen schmerzbedingten Erschöpfungszustand handeln. Keinesfalls zu vernachlässigen sind das Operations- und Komplikationsrisiko: Zwar sind schwere Komplikationen selten, aber das Risiko, dass es dazu kommt, ist längst bekannt. Und eben wegen des Fehlens jeder medizinischen Indikation ist es keineswegs das, was Juristen und Ärzte ein „erlaubtes Risiko“ nennen. Weitaus häufiger treten andere Komplikationen auf, etwa Nachblutungen, Infektionen oder eine Meatusstenose.

    Wer angesichts dieser Umstände unterm Strich bestreitet, dass es sich um einen intensiven Eingriff in die körperliche Unversehrtheit handelt, verharmlost und bagatellisiert. Neben dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit wird zudem das Selbstbestimmungsrecht des Kindes verletzt. Denn es wird mit einem unabänderlichen religiösen Zugehörigkeitsmerkmal versehen: Für den Betroffenen bedeutet eine religiöse Beschneidung lebenslange Kennzeichnung.

    Die Beeinträchtigung des Kindeswohls lässt sich auch nicht mit dem Einwand ausräumen, dass eine Beschneidung dem seelischen Wohl diene, indem eine Ausgrenzung innerhalb des jeweiligen religiös gesellschaftlichen Umfeldes vermieden werde. Wer diesem Aspekt Gewicht zuerkennt, müsste ihn auch – jedenfalls mit Blick auf leichte Formen – für die weibliche Genitalverstümmelung gelten lassen. Abgesehen davon ist es mit unserer rechtsstaatlichen Verfassung nicht vereinbar, Religionsgemeinschaften schrankenlos die Deutungshoheit darüber zuzubilligen, was identitätsstiftend ist. (…)

    Zu unserem Rechtsstaat gehört zweifellos religiöse Toleranz. Deshalb ist es richtig, dass die Religionsausübung staatlichen Schutz genießt. Genauso zählt dazu aber die Solidarität mit Schwächeren. Deshalb ist es ebenso richtig, Religionsausübung und elterliches Erziehungsrecht dort enden zu lassen, wo das Wohl des Kindes auf dem Spiel steht. Das ist bei medizinisch nicht indizierten Zirkumzisionen der Fall. Deshalb ist der Staat verpflichtet, Kinder davor zu bewahren und solche Eingriffe erst zu erlauben, wenn die Entscheidung selbstbestimmt getroffen werden kann. Aber selbst wenn der Gesetzgeber Kinderrechte geringschätzen und religiöse Beschneidungen legalisieren sollte, gebietet es die ärztliche Ethik allemal, solche Eingriffe zu unterlassen.

    aus: Prof. Dr. iur. Holm Putzke, Prof. Dr. med. h.c. Hans-Georg Dietz, Prof. Dr. med. Maximilian Stehr: Religiöse Beschneidungen
    in: Deutsches Ärzteblatt | Jg. 109 | Heft 31 | 6. August 2012

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/128360

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    Die Ärzte sind zurecht verunsichert. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen dem ebenfalls uralten Prinzip „nil nocere“ und dem Respekt vor der religiösen Tradition. In Deutschland stehen sie auch im Spannungsfeld ihrer Mitarbeit in Auschwitz und Birkenau und der Forderung, das Recht von Unversehrtheit von Kindern gegenüber religiösen Traditionen zurückzustellen. Für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat dessen Präsident, Dr. med. Wolfram Hartmann, eindeutig Stellung bezogen. Das Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit müssen an erster Stelle stehen. Er wirft den Befürwortern der Beschneidung vor, diese Form der Körperverletzung zu bagatellisieren. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit habe für den BVKJ Vorrang vor der Glaubensfreiheit und dem Elternrecht.

    Man könnte das Problem auch einmal andersherum betrachten: Könnten sich nicht die jüdischen und muslimischen Gemeinden bereitfinden, ihre unbeschnittenen männlichen Mitglieder so lange nicht zu diskriminieren, bis diese alt genug sind, selbst über eine Beschneidung zu entscheiden? Im Islam dürfte diese Form der Toleranz kein Problem darstellen, denn die Scharia schreibt keine Altersgrenze fest. In Israel und in den USA gibt es Minderheiten, die sich gegen die Beschneidung von kleinen Jungen wenden. In jüdischen Familien sind dort etwa drei Prozent nicht beschnitten, weil die Eltern diese schmerzhafte Prozedur als Körperverletzung ablehnen.

    aus: Dr. med. Christoph Kupferschmid (Pädiater in Ulm und Mitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte)
    in: Pro & Kontra: Religiöse Beschneidungen
    Dtsch Arztebl 2012; 109(31-32): A-1538 / B-1322 / C-1302

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/128360

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  48. Basisinformationen über den Vorgang Says:

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    [ID: 17-47943]
    Basisinformationen über den Vorgang

    Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes

    Inhalt

    Einwilligung auch in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung ihres nicht einsichtsfähigen und nicht urteilsfähigen Sohnes als Teil der Personensorge der Eltern, Einhaltung der Regeln der ärztlichen Kunst, Grenzen des Einwilligungsrechtes; Zulässigkeit der Beschneidung durch von einer Religionsgesellschaft vorgesehene Personen in den ersten sechs Monaten nach Geburt, Erfordernis besonderer Ausbildung und einer einem Arzt vergleichbaren Befähigung;
    Einfügung § 1631d Bürgerliches Gesetzbuch

    Bezug: Entscheidung des Landgerichts Köln betr. Beschneidung eines minderjährigen Jungen (151 Ns 169/11)
    Antrag des betr. Rechtliche Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen auf BT-Drs 17/10331
    Siehe auch GESTA C141

    Vorgangsablauf

    BR –
    Gesetzentwurf, Urheber: Bundesregierung, Bundesministerium der Justiz (federführend)

    11.10.2012 – BR-Drucksache 597/12

    Ausschüsse:
    Rechtsausschuss (federführend), Ausschuss für Frauen und Jugend, Ausschuss für Familie und Senioren, Gesundheitsausschuss

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    BR –
    Empfehlungen der Ausschüsse

    19.10.2012 – BR-Drucksache 597/1/12

    R, G: Stellungnahme – FJ, FS: keine Einwendungen

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    BR –
    1. Durchgang

    02.11.2012 – BR-Plenarprotokoll 902, TOP 18, S. 491A – 493B

    Bilkay Öney, Stellv. MdBR (Ministerin für Integration), Baden-Württemberg, Rede, S. 491B
    Dr. Max Stadler, Parl. Staatssekr., Bundesministerium der Justiz, Rede, S. 492B
    Beschluss:
    S. 493B – keine Einwendungen (597/12), gemäß Art. 76 Abs. 2 GG

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    BR –
    Beschlussdrucksache

    02.11.2012 – BR-Drucksache 597/12(B)

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    BT –
    Gesetzentwurf, Urheber: Bundesregierung, Bundesministerium der Justiz (federführend)

    05.11.2012 – BT-Drucksache 17/11295

    http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP17/479/47943.html

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  49. Aus der Stellungnahme von Dr. Wolfram Hartmann / bvkj Says:

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    Stellungnahme Dr.med. Wolfram Hartmann,
    Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte
    ,

    zur Anhörung am 26. November 2012 zum
    Gesetzentwurf der Bundesregierung:

    „Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes“

    und

    zum Gesetzentwurf der Abgeordneten Marlene Rupprecht, Katja Dörner, Diana Golze, Caren Marks, Rolf Schwanitz, weiterer Abgeordneter:

    „Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge und die Rechte des männlichen Kindes bei einer Beschneidung“

    (…) Das Erziehungsrecht der Eltern und auch die Religionsfreiheit enden dort, wo die körperliche Unversehrtheit eines unmündigen und nicht einwilligungsfähigen Kindes angetastet wird (Art. 2 GG), ohne dass dafür eine klare medizinische Indikation vorliegt. (…)

    Im Gesetzentwurf der Bundesregierung ist von der Berücksichtigung des Kindeswillens die Rede, „sofern er schon gebildet werden kann … insbesondere im Hinblick darauf, dass der Eingriff später nicht rückgängig gemacht werden kann“. Bei einem Kleinkind ist es angesichts der Tragweite des Eingriffs nicht möglich, das Kind umfassend über die Folgen des Eingriffs aufzuklären und seine Einwilligung einzuholen. Gerade über die Konsequenzen der kompletten Entfernung der Vorhaut kann ein noch nicht sexuell aktives Kind nicht korrekt aufgeklärt und um seine Einwilligung gebeten werden. Auch Eltern können hier ihre Einwilligung nicht stellvertretend für das Kind geben, da der Eingriff medizinisch nicht notwendig ist und die Eltern überhaupt nicht beurteilen können, welche Ansprüche an die Intaktheit seiner Körperoberfläche und seine sexuelle Erfüllung der Junge später hat oder nicht. Eigene Erfahrungen können hier kein Maßstab sein. (…)

    Der Gesetzentwurf der Bundesregierung spricht von den Regeln der ärztlichen Kunst, die einzuhalten sind, erlaubt aber gleichzeitig für Säuglinge bis zum Alter von 6 Monaten eine Ausnahme und fordert hier nicht den Arztvorbehalt. Gerade bei Säuglingen ist aber der Arztvorbehalt zu fordern. Wie die untenstehende Literaturliste (nur ein Ausschnitt aus einer umfangreichen Literatur) belegt, haben Säuglinge ein ausgeprägtes Schmerzempfinden und ein nachhaltiges Schmerzgedächtnis. Hier ist ein solcher Eingriff nur in Vollnarkose durchzuführen. Der Eingriff könnte nur in einem für operative Eingriffe zugelassenen Raum unter ärztliche Überwachung mit Notfallbereitschaft erlaubt werden. Ich weise aber darauf hin. dass wir bei einem 8 Tage alten Neugeborenen keinen Überblick darüber haben, ob bei dem Kind medizinische Kontraindikationen gegen einen solchen Eingriff vorliegen, wie z.B. eine angeborene Gerinnungsstörung, Hämoglobinopathien oder ein Antikörpermangelsyndrom. Diese Erkrankungen werden durch die routinemäßigen Untersuchungen von Neugeborenen (U1, U2, erweitertes Neugeborenenscreening) nicht erfasst und können zu ganz erheblichen postoperativen Komplikationen führen. (…)

    Der Entwurf der Bundesregierung ist aus kinder- und jugendärztlicher Sicht strikt abzulehnen. (…)

    Auch Muslime werden von uns nicht diskriminiert, sie stellen einen ganz erheblichen Teil unserer Patienten dar und wir wissen, dass die Eltern uns ihre Kinder gern anvertrauen und mit unserer medizinischen Versorgung sehr zufrieden sind. Im kommenden Jahr widmet sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in seinem Jahresschwerpunkt ausführlich den Problemen der Migrantenkinder in unserer Gesellschaft. Hier stellen muslimische Migrantenkinder die größte Gruppe dar.

    Es muss uns als Anwälten für das Kindeswohl aber erlaubt sein, Jahrtausende alte religiöse Riten und Gebräuche, die die körperliche Unversehrtheit eines minderjährigen und nicht einwilligungsfähigen Kindes dauerhaft beeinträchtigen, aufgrund neuer Erkenntnisse im 21. Jahrhundert zu hinterfragen und ein Nachdenken darüber anzuregen, ob es nicht auch für Jungen möglich ist, in der religiösen Tradition seiner Eltern erzogen zu werden ohne dass ihnen die Vorhaut entfernt wird.

    Der derzeitige Gesetzesentwurf der Bundesregierung über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes ebnet ungewollt den Weg für Forderungen zur Legalisierung der Beschneidung von Mädchen. Auf diese Gefahr hat die Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche in Deutschland im September 2012 in einer Dokumentation hingewiesen

    http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2762.php

    Tatsächlich fordert Mohamed Kandeel (auch ‚Kandil’ geschrieben), Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Menofiya, Ägypten, eine weltweite Legalisierung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) Typ Ia und Ib.

    Das heißt einer Entfernung der Klitorisvorhaut alleine (Typ Ia) oder zusammen mit der Klitoris (Typ Ib). Er behauptet, dass negative Folgen für die betroffenen Frauen nicht nachweisbar seien. Es sei deswegen nicht einzusehen, dass die Beschneidung von Jungen erlaubt sein soll und die von Mädchen dagegen weltweit geächtet würde. Die männliche Beschneidung sei grundsätzlich vergleichbar mit der in der schafiitischen islamischen Rechtsschule vertretenen FGM Typ Ia und Ib

    http://f1000research.com/articles/female-genital-cutting-is-a-harmful-practice-where-is-theevidence/#reflist

    Kandeel war bislang Mitglied der Genfer Stiftung für Medizinische Ausbildung und Forschung, die eng mit der WHO zusammenarbeitet. (…)

    Die notwendige medizinische Schmerzbehandlung (Vorschlag 2) bei einem 8 Tage alten Neugeborenen ist, wie alle pädiatrischen Schmerzspezialisten in Deutschland übereinstimmend feststellen, ohne Vollnarkose nicht zu gewährleisten. Neugeborene sind schmerzempfindlich und können unterbewusst durch solche traumatisierenden Erfahrungen längere Zeit belastet werden. Schon kleinste Frühgeborene leiden nachweisbar unter ihnen zugefügten Schmerzen. Es ist inzwischen wissenschaftlich belegt, dass Neugeborene Schmerzen sogar erheblich stärker empfinden als ältere Kinder oder Erwachsene, da neuronale Mechanismen der Schmerzmodifikation noch nicht entwickelt sind.

    EMLA®-Creme ist, wie ich bereits in meiner ersten Stellungnahme dargelegt habe, im Säuglingsalter hoch problematisch und gewährleistet zudem keinerlei ausreichende Schmerzvermeidung. Eine Leitungsanästhesie ist ebenfalls sehr schmerzhaft und in diesem Alter risikobehaftet und zur Schmerzvermeidung ungeeignet. Eine Vollnarkose ist bei einem 8 Tage alten Neugeborenen nur bei einer echten medizinischen Indikation vertretbar, da sie angesichts der Unreife des ZNS mit zusätzlichen Risiken behaftet ist, die auch erfahrenen Kinderanästhesisten nicht ganz ausschließen können. Kommt es zu einem Narkosezwischenfall mit bleibenden Schäden, trägt der Anästhesist ein sehr großes Haftungsrisiko, wenn sich herausstellt, dass die Narkose im Rahmen eines medizinisch nicht erforderlichen Eingriffs durchgeführt wurde. (…)

    Der Vorschlag 3 zur ärztlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung berücksichtigt nicht, dass auch Blutentnahmen nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn dafür eine medizinische Indikation besteht. Das elterliche Sorgerecht erlaubt bislang nicht, vom Arzt eine medizinisch nicht indizierte Blutentnahme bei einem Kind zu verlangen. (…)

    Zum Vorschlag 4 weise ich noch einmal darauf hin, dass es keinerlei objektive Kriterien gibt, bei einem Kind festzustellen, ob es sich für oder gegen eine Beschneidung mit lebenslangen Konsequenzen entscheidet. Wenn das Kind wirksam einwilligen soll, muss es vorher umfassend über die bleibenden Folgen des Eingriffs aufgeklärt worden sein. Das ist ganz sicher vor der Pubertät und ohne sexuelle Aktivität bei dieser Fragestellung nicht möglich.

    Köln, 22.11.2012
    Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V.)

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  50. Edward von Roy Says:

    Gestern war die Abstimmung!

    Am Abend des 12.12.2012 sind die Beschneider und Beschneidungsfreunde zufrieden, denn männliche Kinder dürfen wieder legal im Namen des elterlichem Beschneidungsoptimismus oder der elterlichen Gottesfurcht gequält und lebenslang ein bisschen geschädigt und in Sexualleben und Lebensqualität eingeschränkt werden. Was zu befürchten war, ist also eingetroffen:

    Regierungsentwurf, Zahl der Abgeordneten und Abstimmungsverhalten

    434 dafür
    100 dagegen
    46 Enthaltungen

    Oppositionsentwurf der 66 Abgeordneten

    584 abgegebene Stimmen
    91 dafür
    462 dagegen
    31 Enthaltungen

    http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2012/42042381_kw50_de_beschneidung/index.html

    Viele einzelne Befürworter des halbwegs beschneidungskritischen Gegenentwurfs argumentierten hervorragend, doch das Alter vierzehn hielt und halte ich menschenrechtlich für unzureichend und strategisch für verfehlt, denn wo seit Jahrzehnten kein Jugendarbeiter oder Lehrer es wagt, muslimisch und jüdisch geprägte Eltern (oder alle anderen!) von der Beschneidung ihres Sohnes abzuhalten, da wird auch der vierzehn oder fünfzehnjährige Junge sich dem Druck von Clan und Peer Group sowie dem religiös erwünschten Ekel vor den „unreinen“ Unbeschnittenen nicht entziehen können.

    In den nächsten Jahren wird unsere mühselige Aufklärungsarbeit erst beginnen müssen und allmählich ein Bewusstsein dafür bilden, dass Eltern keine schmerzenden, blutenden Wunden im Genitalbereich des „eigenen“ Kindes hervorrufen dürfen, auch nicht auf Befehl der Götter Jahwe oder Allah oder aus ästhetischem Befinden oder aus reichlich legendärer Aidsprophylaxe.

    Eins zu null sagt man beim Fußball, die gestrige Debatte gewannen Scharia, Halacha und elterliche Allmacht gegen Wissenschaftlichkeit und Kindeswohl 1:0.

    Was für ein schwarzer Tag für die kulturelle Moderne und die Kinderrechte. Wer es jetzt in Jugendverbänden, Jugendämtern, Wohlfahrtsverbänden oder Fachhochschulen für Soziale Arbeit wagen sollte, wissenschaftlich begründet gegen die Zirkumzision zu argumentieren, wird es noch schwerer haben als bisher.

    Edward von Roy

  51. Kalevala Says:

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    „Später, wenn man einmal dieses schändliche Gesetz, das mit der Mehrheit der Religionsvertreter in unserem Parlament zustande kam, als das erkennen wird, was es tatsächlich ist, nämlich ein Schlag gegen die Rechte und das Wohl von Kindern und ein Schritt zurück ins Mittelalter, wird man aber dennoch sagen können, dass es aufrechte Kämpfer gab, die sich mit menschenrechtlichen Argumenten, wenn auch vorerst vergeblich, für die Rechte der Kinder einsetzten.“

    Uwe Lehnert (zitiert von Frank Berghaus am 12. Dezember 2012 um 21:59)

    http://www.wissenbloggt.de/?p=14327

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  52. Carcinòl Says:

    Leider wie bei Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) & Umfeld zu erwarten: Keine (dokumentierbare, schriftliche) Silbe zur Scharia. Die Beschneidung der Jungen aber ist Scharia und der flächendeckend vorgesehene und in NRW eingerichtete, bekennende Islamische Religionsunterricht sowie die universitäre Islamische Theologie (in Münster um Mouhanad Khorchide, Bülent Ucar, Rauf Ceylan und mit der Kairoer al-Azhar kooperierend, in Tübingen durch den Yusuf al-Qaradawi und der Muslimbruderschaft nahestehenden ECFR-Scheich Mustafa Ceric feierlich eröffnet) beruht ebenfalls auf dem Islamischen Recht, also auf der Scharia.

    Darum ging es gestern sozusagen, bei Sonnenschein vor dem Kölner Landgericht und dann im strömendem Regen vor dem Kölner Dom auf dem Roncalliplatz mit dabei waren wir schließlich persönlich:
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    Welttag der genitalen Selbstbestimmung

    Wir feiern am 7. Mai den ersten Jahrestag des „Kölner Urteils“, welches den Auftakt für die Debatte um die Körperliche Unversehrtheit von Kindern bildete.

    Das Kölner Urteil

    Am 7. Mai 2012 bewertete das Kölner Landgericht eine medizinisch nicht indizierte „Beschneidung“ an einem nicht einwilligungsfähigen Jungen als eine Straftat.

    Erstmals stellte somit ein deutsches Gericht klar: auch Jungen haben ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, gegen das eine sogenannte „Beschneidung“ – also die Amputation der Vorhaut, die durchschnittlich 50 % der gesamten Penishaut ausmacht – klar verstößt.

    Somit waren Kinder unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion vor jeglicher Form genitaler Verstümmelungen geschützt. Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit galt ausnahmslos.

    Kindern steht gesetzlich in Deutschland das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zu – warum sollte dieses Recht vor ihren Genitalien haltmachen?

    Der Bundestag hat am 12. Dezember 2012 anders entschieden: „Beschneidungen“ an Jungen wurden aus jeglichem Grunde für legal erklärt. Sie sind seitdem Teil der sogenannten Personensorge – Körperverletzungen als Teil der Erziehung!?
    Sind weibliche und männliche Genitalverstümmelung vergleichbar?

    Im Gegensatz zu Vorhautamputation an Jungen sind alle Formen weiblicher Genitalverstümmelung weiterhin verboten: die Arten, die Vorhautamputationen an Eingriffstiefe und Folgen deutlich übersteigen, sowie auch die Formen, die nach medizinisch objektiven Kriterien bewertet vergleichbar sind (d.h. mit ähnlich viel bzw. sogar gar keinem Gewebeverlust auskommen).

    Dennoch gehen Organisationen von bis zu 50 000 in Deutschland lebenden Mädchen aus, die von Genitalverstümmelung bedroht sind. Bis heute ist kein erfolgter Fall angezeigt worden. Die Schweigepflicht der Ärzte ist nicht aufgehoben.

    Zudem wird es auf Dauer juristisch und moralisch nicht haltbar sein, die in ihrem Umfang vergleichbaren Formen weiblicher Genitalverstümmelung als Straftat, die männliche Genitalverstümmelung hingegen als bewahrenswertes und identitätsstiftendes Kulturgut zu bewerten.

    Weltweit sind Mädchen und Jungen von der Verletzung ihrer sexuellen Selbstbestimmung bedroht. Nie sind es die Kinder selbst, die um die operative „Korrektur“ ihrer Geschlechts­ rgane bitten – immer sind es Erwachsene, die ihre Kinder diesen zum Teil unter qualvollen Bedingungen stattfindenden Eingriffen aussetzen.

    Es geht nicht darum, Eltern zu kriminalisieren – niemand spricht ihnen ab, ihre Kinder zu lieben.

    Es geht nicht darum, Religion und Tradition als solche zu bekämpfen – sondern darum, dass diese sich modernen medizinischen und ethischen Erkenntnissen nicht verschließen dürfen.

    Es geht um Aufklärung über die Folgen von Genitalverstümmelungen und somit um das Ziel, die Kreisläufe von Gewalterfahrungen und deren Weitergabe zu unterbrechen.

    Menschenrechte sind unteilbar und dürfen niemals relativiert werden!

    Seit dem Beschluss des Deutschen Bundestages von § 1631d am 12.12. 2012 ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit in Deutschland eine Frage des Geschlechtes:

    Jungen sind im Gegensatz zu Mädchen nicht gegen nicht-therapeutische Eingriffe an ihren Geschlechtsorganen geschützt.

    Das Gesetz sieht weder eine Betäubung zwingend vor, noch geht das Gesetz auf verschiedenen Eingriffs­tiefen bei diesen Operationen ein.

    Bei Jungen unter sechs Monaten darf auch ein Nichtmediziner Vorhautamputationen vornehmen – grundsätzlich reicht dem Gesetzgeber die bloße Absicht der Eltern, die „Beschneidung“ nach den Regeln der ärztlichen Kunst vornehmen zu lassen.

    Der Gesetzestext ist unklar formuliert. Dies macht es den Betroffenen später schwer bis unmöglich, den Klageweg zu beschreiten.

    Unsere Forderungen

    Aus Anlass des ersten Jahrestages des „Kölner Urteils“ fordern wir:

    den Schutz aller Kinder weltweit vor jeglicher Verletzung ihrer körperlichen und sexuellen Integrität!
    die sofortige Rücknahme des § 1631d (Legalisierung von „Beschneidungen“ an Jungen aus jeglichem Grund) und Einrichtung eines zweijährigen „Runden Tisches“, welcher ausgewogen mit Medizinern, Juristen, Psychologen, Religionsvertretern, Vertretern von Menschen- und Kinderrechtsorganisationen sowie Opferverbänden besetzt sein muss, um alle Standpunkte gleichberechtigt abdecken zu können
    währenddessen eine straffreie Übergangslösung unter verpflichtenden Auflagen (Anwesenheit eines Arztes, ausnahmslos ausreichende Anästhesie, Dokumentation aller Eingriffe und Evaluierung)
    die Bereitstellung von Geldern für umfassende wissenschaftliche Studien zu Folgen von weiblicher und männlicher Genitalverstümmelung

    Zu dieser Veranstaltung rufen auf:

    Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene
    Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) – alle kinder- und jugendärztlichen Verbände in Deutschland
    TERRE DES FEMMES e.V.
    TABU e.V.
    (I)NTACT e.V.
    Zentralrat der Ex- Muslime
    pro familia Nordrhein-Westfalen
    IBKA – Internationaler Verband der Konfessionslosen und Atheisten
    AK Kinderrechte der Giordano-Bruno-Stiftung
    Humanistischer Verband Deutschlands
    Beschneidungsforum.de

    Weitere Statements der Initiatoren und von Unterstützern der Aktion:

    Christian Bahls, 1. Vorsitzender MOGiS e.V. – eine Stimme für Betroffene:
    Es wird deutlich, dass die Debatte um die nicht-therapeutische Vorhautamputation (auch Beschneidung genannt) mit dem Gesetz vom Dezember des letzten Jahres nicht zu Ruhe kommt. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt es ab, den betroffenen Kindern die Entscheidunghoheit über ein vollständiges Geschlechtsorgan abzuerkennen. Wegen der Tragweite steht eine Entscheidung über nicht-therapeutische chirurgische Eingriffe an Genitalien nur denjenigen zu, die mit den Folgen leben müssen.

    Irmingard Schewe-Gerigk, Vorsitzende TERRE DES FEMMES:
    TERRE DES FEMMES geht es als Menschenrechtsorganisation grundsätzlich um die körperliche Unversehrtheit von Kindern als Menschenrecht, das für alle Kinder gleichermaßen gilt, egal welcher Herkunft, Religion und welchen Geschlechts sie sind. Irreversible Eingriffe in die Unversehrtheit von Kindern – mit Ausnahme medizinisch notwendiger Behandlungen – dürfen weder mit Religion noch Tradition gerechtfertigt werden. Menschenrechte sind nicht teilbar – auch nicht zwischen Mädchen und Jungen.

    Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte:
    Über die Konsequenzen der kompletten Entfernung der Vorhaut kann ein noch nicht sexuell aktives Kind nicht korrekt aufgeklärt und um seine Einwilligung gebeten werden. Auch Eltern können hier ihre Einwilligung nicht stellvertretend für das Kind geben, da der Eingriff medizinisch nicht notwendig ist und die Eltern überhaupt nicht beurteilen können, welche Ansprüche an die Intaktheit seiner Körperoberfläche und seine sexuelle Erfüllung der Junge später hat oder nicht. Eigene Erfahrungen können hier kein Maßstab sein.

    Önder Özgeday, Mitglied im Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.:
    Dieser Tag soll allen Menschen weltweit eine Stimme geben, die an den Folgen von Genitalverstümmelungen leiden und darüber nicht sprechen können oder es nicht wagen, zu sprechen. Erwachsenenhände haben an Genitalien von Kindern zur Zufriedenstellung eigener Bedürfnisse nichts zu suchen: nichts, niemals und egal aus welchem Grund.

    Alexander Bachl, Sprecher des Facharbeitskreises Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V:
    Zur Vermeidung eines Kulturkampfes akzeptierte der Gesetzgeber mit dem Zwangsbeschneidungserlaubnisgesetz als Kollateralschaden das Leid von hilflosen Kindern verursacht durch die Willkür der Eltern. Dieses Verhalten und die ständig wiederholte Relativierung der Schädlichkeit von Vorhautamputationen sind ein weiterer Tiefschlag für mich und alle anderen negativ Betroffenen.
    Kontaktdaten der Veranstalter:

    http://genitale-selbstbestimmung.de/wwdoga/#initiators

    Pressemitteilung zum 07. 05. 2013

    Erster „Worldwide Day of Genital Autonomy“ (7.5): Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES, „MOGiS e.V. – eine Stimme für Betroffene“ und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) laden ein zur Demonstration und Kundgebung

    Wann: 7. Mai 2013
    Start: 11 Uhr am Kölner Landgericht
    Abschluss: 13 Uhr auf dem Roncalli Platz

    Informationen unter: genitale-selbstbestimmung.de

    Köln, 7. Mai 2013. Ein Jahr nach der Verkündung des richtungsweisenden Urteils in Köln, das erstmals eine nicht-therapeutische Beschneidung eines Jungen als strafbare Körperverletzung bewertete, rufen der Frauenrechtsverein TERRE DES FEMMES, der Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V., der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und zahlreiche weitere Organisationen den ersten „Worldwide Day of Genital Autonomy“ aus.

    Der „Worldwide Day of Genital Autonomy“ fordert den Schutz aller Kinder weltweit unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion vor nichttherapeutischen chirurgischen Eingriffen an ihren Genitalien. Er wird von verschiedenen Aktionen weltweit, unter anderem in den USA und Australien begleitet.

    Die Veranstalter fordern die Aufhebung des vom Deutschen Bundestag am 12. Dezember 2012 verabschiedeten Zwangsbeschneidungserlaubnisgesetzes. Diese Gesetzesinitiative legalisierte operative Entfernungen der Penisvorhaut an Kindern aus jeglichem Grunde als Teil der elterlichen Personensorge. Dies erschwert aktuell nun die Initiative des Deutschen Bundestages zur möglichen Verschärfung der Strafbarkeit aller Formen weiblicher Genitalverstümmelung.

    http://genitale-selbstbestimmung.de/pressemappe/

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    Dunkel ist ein Lichtblick! So läuft`s leider immer noch in der realpolitischen Praxis; ein niedersächsischer Beschneidungsgegner bekam Ärger mit GRÜNEN-Landesvorstand:

    Stellungnahme zum gegen mich geplanten Parteiausschlussverfahren
    9. März 2013

    http://ulfdunkel.wordpress.com/2013/03/09/stellungnahme-zum-gegen-mich-geplanten-parteiausschlussverfahren/

    Blog von Ulf Dunkel

    http://ulfdunkel.wordpress.com/

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    Der alternative Gesetzesvorschlag … genau, er war zum Scheitern verurteilt und dafür ja auch eigens geschaffen, eben: um so zu tun, als würde man etwas tun:

    „Der von mittlerweile über 60 Bundestagsabgeordneten unterstützte alternative Gesetzentwurf, der mit dem Zulassen von Knabenbeschneidungen ab 14 Jahren nach ausdrücklicher Zustimmung des Betroffenen einen vernünftigen Kompromiss anbietet, wird wohl bereits im Rechtsausschuss des Bundestages niedergestimmt werden, so dass er bei der Endabstimmung am Mittwoch keine Rolle mehr spielen wird.“

    http://gleichstellungdergeschlechter.wordpress.com/2012/12/07/aufruf-zur-kundgebung-am-12-12-2012/

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  53. Cees van der Duin Says:

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    12.12.2012

    Beschneidung (Gesetzentwurf Rupprecht, Dörner, Golze und weitere)
    Umfang der Personensorge und die Rechte des männlichen Kindes bei einer Beschneidung

    Gesetzentwurf der Abgeordneten Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Katja Dörner, Diana Golze und weitere
    Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge und die Rechte des männlichen Kindes bei einer Beschneidung
    Drs. 17/11430, 17/11800 und 17/11814

    http://www.cducsu.de/Titel__beschneidung_%28gesetzentwurf_rupprecht_doerner_golze_und_weitere%29/TabID__1/SubTabID__2/InhaltID__323/Jahr__2012/Monat__12/Tag__12/Abstimmungen.aspx

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    Drucksache 17/11430
    08.11.2012

    Gesetzentwurf
    der Abgeordneten Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Katja Dörner, Diana Golze, Caren Marks, Rolf Schwanitz, Ingrid Arndt-Brauer, Bärbel Bas, Dirk Becker, Karin Evers-Meyer, Elke Ferner, Petra Hinz (Essen), Christel Humme, Angelika Krüger-Leißner, Ute Kumpf, Steffen-Claudio Lemme, Kirsten Lühmann, Hilde Mattheis, Gerold Reichenbach, René Röspel, Karin Roth (Esslingen), Annette Sawade, Bernd Scheelen, Dr. Carsten Sieling, Ute Vogt, Andrea Wicklein, Dagmar Ziegler, Katja Keul, Maria Klein-Schmeink, Ulrich Schneider, Memet Kilic, Dr. Harald Terpe, Monika Lazar, Sylvia Kotting-Uhl, Dorothea Steiner, Dr. Valerie Wilms, Friedrich Ostendorff, Bettina Herlitzius, Uwe Kekeritz, Arfst Wagner (Schleswig), Agnes Krumwiede, Agnes Alpers, Matthias W. Birkwald, Steffen Bockhahn, Dr. Dagmar Enkelmann, Wolfgang Gehrcke, Inge Höger, Dr. Barbara Höll, Andrej Hunko, Ulla Jelpke, Katrin Kunert, Ralph Lenkert, Michael Leutert, Wolfgang Neskovic, Jens Petermann, Richard Pitterle, Dr. Ilja Seifert, Kathrin Senger-Schäfer, Raju Sharma, Dr. Petra Sitte, Kersten Steinke, Alexander Süßmair, Frank Tempel, Halina Wawzyniak, Harald Weinberg, Katrin Werner, Jörn Wunderlich

    㤠1631d
    Beschneidung des männlichen Kindes
    Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des männlichen Kindes einzuwilligen, wenn es das 14. Lebensjahr vollendet hat, einsichts- und urteilsfähig ist, der Beschneidung zugestimmt hat und diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst von einer Ärztin oder einem Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.“

    II. Medizinische Aspekte der Beschneidung des männlichen Kindes

    1. Gründe der Zirkumzision

    Die Zirkumzision ist ein alter und häufig durchgeführter chirurgischer Eingriff beim männlichen Kind bzw. Erwachsenen. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit etwa 30 Prozent aller Männer beschnitten sind. Die Zirkumzision kann aus verschiedenen Gründen durchgeführt werden: Aus medizinischen Gründen bei Vorliegen einer Phimose (Vorhautverengung) sowie aus religiösen, kulturellen und sozialen Gründen. Die Beschneidung aus religiösen oder kulturellen Gründen ist besonders in den islamisch geprägten Staaten, im nördlichen und westlichen Afrika sowie in Israel üblich.

    Insbesondere in den angelsächsischen Ländern wurde lange Zeit eine Routinezirkumzision bei Neugeborenen vorgenommen, denn im 19. Jahrhundert war hier die Ansicht, die Beschneidung sei eine geeignete Präventionsmaßnahme gegen Masturbation, weit verbreitet. Die seitdem gewonnenen Erkenntnisse über die menschliche Sexualität haben jedoch in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Umdenken geführt. Zudem hat sich die Annahme, dass Neugeborene kein oder nur ein unterentwickeltes Schmerzempfinden hätten, als falsch erwiesen. So ist die routinemäßige Beschneidung von Neugeborenen in Australien und Kanada stark zurückgegangen und in Großbritannien und Neuseeland kaum noch anzutreffen. Auch in den USA ist ein Rückgang zu beobachten, auch wenn derzeit immer noch rund 55 Prozent aller männlichen Neugeborenen routinemäßig beschnitten werden. In
    Deutschland wird die Zirkumzision hauptsächlich aus religiösen oder kulturellen Gründen und häufig auch mit einer vorgeschobenen medizinischen Indikation durchgeführt. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnen die nicht medizinisch indizierte Zirkumzision schon seit längerem.

    2. Aufbau und Funktion der Vorhaut

    Die männliche Vorhaut ist nach dem Stand des heutigen medizinischen Wissens einzigartig aufgebaut. Während die Oberfläche der Vorhautaußenseite aus normaler Haut besteht, ist die Oberfläche der Vorhautinnenseite dagegen eine Schleimhaut. Unter der Vorhaut befindet sich eine Schicht glatten Muskelgewebes, die an der Vorhautspitze wirbelförmig angeordnet ist. So wird ein Schließmuskel gebildet, welcher dafür sorgt, dass die Vorhaut die Eichel bedeckt. Die Vorhaut ist nicht nur dicht mit Blutgefäßen, sondern auch mit Nerven durchzogen, insbesondere nahe der Vorhautspitze

    Bereich des Übergangs von der normalen Haut zur Schleimhaut. Diese Übergangsstelle ist der empfindlichste und erogenste Teil des Penis (Sorrells/Snyder/Reiss/Eden/Milos/Wilcox/Van Howe, Fine-touch pressure thresholds in the adult penis, BJU International 99 (4) , 864 ff.). Grund dafür ist nicht nur die hohe Anzahl der Nervenendigungen, sondern auch deren Art. So wurden in der Vorhaut Mechanorezeptoren, Schmerzrezeptoren und Nerven für die Wahrnehmung von Druckreizen, Vibrationen sowie von leichten Berührungen nachgewiesen. Die Eichel ist im Vergleich mit der Vorhaut weit weniger mit Nerven durchsetzt und deshalb deutlich unempfindlicher gegenüber bestimmten Reizen. Die männliche Vorhaut hat eine wichtige Funktion als Schutz der Eichel vor Verletzungen, mechanischen Einflüssen wie Reibung, Schmutz und Schadstoffen. Besonders bei Babys und kleinen Kindern bildet die noch fest mit der Eichel verklebte Vorhaut eine natürliche Schutzbarriere für den Harntrakt. Die Vorhaut hält die Eichel feucht und schützt sie vor Austrocknung (Verhornung). Daneben hat die innen liegende Schleimhaut durch die Absonderung u.a. von Lysozym und die dadurch verursachte Abtötung schädlicher Bakterien eine wichtige Funktion bei der Infektprophylaxe. Die männliche Vorhaut hat zudem essentielle sexuelle Funktionen (Cold/Taylor, The prepuce, BJU International 83 (Suppl. 1) , 34 ff.). Das hochsensible Vorhautgewebe, dessen innerer Teil bei einer Erektion zurückgezogen ist und außen liegt, bildet eine großflächige erogene Zone, die für eine normale, intensive Gefühlswahrnehmung beim Geschlechtsverkehr wichtig und damit wesentlich für das männliche Lustempfinden insgesamt ist. Darüber hinaus erleichtert die Vorhaut die Penetration der Vagina, da der Penis teilweise innerhalb seiner eigenen Vorhaut gleitet, was zu einer Reduktion von Reibung und vaginaler Trockenheit führt. Die Vorhaut stellt ausreichend Hautfläche für eine vollständige Erektion zur Verfügung und schützt zudem beim vaginalen Geschlechtsverkehr den Eichelkranz vor direkter Stimulation, was wiederum vorzeitigen und ungewollten Ejakulationen vorbeugt.

    4. Medizinische Risiken und gesundheitliche Folgen

    Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es auch bei der Zirkumzision zu Komplikationen kommen. Typische Komplikationen bei der männlichen Beschneidung sind Blutungen, Wundinfektionen, Verletzungen der Eichel, Verengungen der Harnröhre, Blutergüsse, Schwellungen, Narbenbildungen und postoperative Schmerzen. Zu beachten ist auch, dass die Zirkumzision in Deutschland auch ohne hinreichende Schmerzbehandlung vorgenommen wird. Dies kann zu psychischen Folgeschäden führen.

    Die irreversible Entfernung der Vorhaut führt zu einem Verlust von großen Teilen der gesamten Penishaut, insbesondere der sensorisch wichtigsten Teile. Dies bedingt einen wahrnehmbaren Sensibilitätsverlust und beeinflusst so das sexuelle Empfinden von Männern. Zudem wird der Eichel durch die Entfernung der schützenden Vorhaut ihr natürlicher Schutz genommen, was im Laufe des Lebens zu einer zunehmenden Keratinisierung (Verhornung) der Eicheloberfläche und damit zu einem zusätzlichen Sensibilitätsverlust führt. Männer, die erst als Erwachsene beschnitten wurden und aus diesem Grund sexuelle Erfahrungen vor der Zirkumzision hatten, berichten über fühlbare Einschränkungen ihres sexuellen Lustempfindens (Kim/Pang, The effect of male circumcision on sexuality, BJU International 99 (3) , 619 ff.). Die Zirkumzision kann darüber hinaus nicht nur bei den betroffenen Männer, sondern auch bei deren Partnerinnen zu sexuellen Problemen führen (Frisch/Lindholm/Grønbæk, Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark, International Journal of Epidemiology 2011, 1ff.). So berichten betroffene Paare über Schwierigkeiten und Probleme bei Erektion, Penetration sowie Orgasmus bis hin zur Dyspareunie (schmerzhafter Geschlechtsverkehr).

    5. Folgerungen

    Bei der Zirkumzision handelt es sich um einen schmerzvollen, mit Risiken behafteten chirurgischen Eingriff, der zu einer irreversiblen Entfernung eines hochsensiblen, erogenen und funktional wichtigen Körperteils führt.

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf

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    Drucksache 17/11814

    II. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse

    Zu Buchstabe a

    Der Innenausschuss hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 87. Sitzung am 28. November 2012 beraten. Er empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und FDP sowie den Stimmen von zwei Mitgliedern der Fraktion der SPD gegen die Stimmen der Fraktion der SPD bei Stimmenthaltung der Fraktionen DIE LINKE. und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, den im Rechtsausschuss zu diesem Gesetzentwurf eingebrachten Änderungsantrag der Abgeordneten Burkhard Lischka, Christine Lambrecht, Rainer Arnold, Edelgard Bulmahn, Sebastian Edathy, Petra Ernstberger, Gabriele Fograscher, Dr. Edgar Franke, Martin Gerster, Iris Gleicke, Günter Gloser, Ulrike Gottschalck, Dr. Gregor Gysi, Hans-Joachim Hacker, Michael Hartmann (Wackernheim), Dr. Rosemarie Hein, Dr. Barbara Hendricks, Josip Juratovic, Dr hc Susanne Kastner, Ulrich Kelber, Daniela Kolbe (Leipzig), Niema Movassat, Dr. Rolf Mützenich, Aydan Özoguz, Johannes Pflug, Dr. Sascha Raabe, Stefan Rebmann, Anton Schaaf, Paul Schäfer (Köln), Marianne Schieder (Schwandorf), Swen Schulz (Spandau), Sonja Steffen, Kerstin Tack, Kathrin Vogler, Heidemarie Wieczorek-Zeul und Waltraud Wolff (Wolmirstedt) abzulehnen.

    Er empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie den Stimmen von zwei Mitgliedern der Fraktion der SPD gegen die Stimmen der Fraktion der SPD und eines Mitglieds der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE. und eines Mitglieds der Fraktion der SPD, den Gesetzentwurf anzunehmen.

    Der Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 81. Sitzung am 28. November 2012 beraten und empfiehlt einstimmig, zu dem Gesetzentwurf und den im Rechtsausschuss dazu eingebrachten Änderungsanträgen eine Beschlussfassung im Plenum herbeizuführen.

    Der Ausschuss für Gesundheit hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 92. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt dessen Annahme sowie die Ablehnung der beiden im Rechtsausschuss dazu eingebrachten Änderungsanträge.

    Der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 72. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und FDP sowie des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bei Stimmenthaltung der Abgeordneten Annette Groth (DIE LINKE.) dessen Annahme. Die Fraktion der SPD hat an der Abstimmung nicht teilgenommen.

    Zu Buchstabe b

    Der Innenausschuss hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 87. Sitzung am 28. November 2012 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimmen von zwei Mitgliedern der Fraktion der SPD und einem Mitglied der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE. dessen Ablehnung.

    Der Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 81. Sitzung am 28. November 2012 beraten und empfiehlt einstimmig, zu dem Gesetzentwurf eine Beschlussfassung im Plenum herbeizuführen.

    Der Ausschuss für Gesundheit hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 92. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt, zu dem Gesetzentwurf eine Beschlussfassung im Plenum herbeizuführen.

    Der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 72. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und FDP sowie des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bei Stimmenthaltung der Abgeordneten Annette Groth (DIE LINKE.) dessen Ablehnung. Die Fraktion der SPD hat an der Abstimmung nicht teilgenommen.

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/118/1711814.pdf

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  54. Carcinòl Says:

    Glauben heißt gehorchen! Zur Khitân (männliche und mit der schafiitischen Rechtsschule zusätzlich auch verpflichtende weibliche Beschneidung im Islâm) lese man bei ENFAL:

    Die Beschneidung im islamischen Rechtssystem (Fiqh)

    Im islamischen Recht gilt allgemein: „Wenn der Nutzen eines schmerzzufügenden Eingriffs beim Lebewesen größer ist als der durch diesen Eingriff hervorgerufenen Schaden, dann ist diese Eingriff zu befürworten. Die Beschneidung folgt diesem Prinzip. Es gibt kein bestimmtes Alter für die Beschneidung. Allerdings ist es gehäufig, daß Kinder zwischen 7-10 Jahren beschnitten werden sollten.

    Die Beschneidung ist eine Pflicht jedes Vaters. Er muß die Beschneidung durchführen (lassen).

    Bei der Beschneidung gilt, daß mind. die Hälfte der Vorhaut entfernt werden muß.

    Nach den vier Rechtsschulen des Islam (Ebu Hanifa, Safi-i, Malik-i, Hanbeli) gilt über hitan folgendes:

    Bei Ebu Hanifa und Malik-i gilt die Beschneidung als Sünnet-i müekkede (ein auf der Sunna beruhender, über das Pflichtmaß hinausgehender Akt der Gottesverehrung, dessen Unterlassung ungehörig ist). Das bedeutet eine unbedingte Sunna.
    Für Hanbeli hingegen ist es für die Männer ein Vacib
    Für Safi-i ist die Beschneidung ein Vacib.

    Zum Begriff Sunna:

    Die Sunna ist das Nacheifern des Propheten Muhammed Mustafa (Allah’s Friede sei mit ihm und all den anderen Propheten) bezüglich seiner Taten, seiner Aussprachen oder seiner unausgesprochenen Gutheißungen.

    4. Schluß

    Wie man sehen kann, beruht die Beschneidung im Islam nicht auf einer einfachen Tradition, denn viele Propheten kamen schon beschnitten auf die Welt. Das sogar Propheten schon beschnitten waren oder sich beschnitten ließen, zeigt auf eindrucksvolle Weise die Bedeutung von hitan im Islam. Der Gelehrte Hattabi sagt diesbezüglich: „Obwohl hitan unter der Sunna aufgeführt wird, wird sie jedoch von vielen Gelehrten als Vacib anerkannt“.

    Ergänzung*:

    “ Die Beschneidung wurde mit dem ersten Propheten Adam an bis zu dem letzten Propheten Muhammed durchgeführt und danach von jedem Muslim auch als Verpflichtung weitergeführt.

    Gott zeigt durch seine Propheten keine Sachen, die für die Menscheit unwichtig oder unnütz wäre.
    Dann stellt sich die Frage, worin liegt also dann das Nützen bei der Beschneidung?

    Die Medizin stellte fest, daß die Beschneidung sehr wichtig ist, weil es andere Geschlechtsspezifische Krankheiten vorbeugt.
    Diese Daten kann man aus der heutigen Medizin entnehmen. Wir wissen jedoch noch nicht genau welche andere Vorteile in der Zukunft mit der Entwicklung der Medizin mit sich bringt.

    Als Muslime wissen wir, wenn Allah (Gott) uns etwas empfiehlt, dann liegt garantiert ein Nutzen für uns also für die Menschheit dahinter. Wir jedoch, führen die Empfehlungen von IHM nicht aus weil sie nützlich sind, sondern weil Allah uns das empfohlen hat. Die Muslime, die vor vielen Jahrhunderten vor uns lebten, wussten das medizinische Nutzen von der Beschneidung noch nicht, aber sie haben die Beschneidung nur durchgeführt weil Allah das als Empfehlung gegeben hat. Sie haben nur gesagt: „Wir haben Dich erhört und führen deinet Willen die Empfehlung aus“.

    In der Medizin wurde auch desweiteren festgestellt, daß bei der Geschlechtsverkehr – wenn der Mann beschnitten war- zu schnellem Orgazmus bei den Frauen führt. (Dies Problem ist im Westen einer der größten Ehe- oder Partnerschaftsproblem)

    Der Prophet Muhammed lebte im 7.Jahrhundert n.Chr. Er war ein Mensch der nicht Medizin studierte, was heißt studieren er war sogar analphabet, dh. er konnte nicht einmal lesen. Doch sagte er einmal: „Schwarzkümmel ist eine Heilung bzw. Gesenung für alles (Krankheiten usw.) ausser dem Tod.“
    Heute führen die Chemiker Diplomarbeiten und Untersuchungen über Schwarzkümmel durch und haben erst im 20 Jahrhundert erforscht welche Nutzen Schwarzkümmel hat.“

    Im Qur’an heißt es „Und was Er auf der Erde für euch erschaffen hat, ist mannigfach an Farben. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für Leute, die sich mahnen lassen“ [16:13].

    Weiter sagt Allah im Qur’an: „(Dies ist unsere) Identität von Allah, und wer hat eine schönere Identitätsgebung als Allah! Und Ihm dienen wir“ [2:138].

    http://www.enfal.de/hitan.htm

    Aha, ob Quantenphysik, Psychoanalyse oder Jungenbeschneidung: alles islamisch gesehen sozusagen Schwarzkümmel! Denn nicht den Islam muss oder darf man aus Sicht der Schariabewegten verändern, sondern es gilt die kulturelle Moderne medinensisch zu zivilisieren – zu islamisieren.

    Medina ist und bleibt Zivilisation schlechthin – die einzig heilsbewahrende Zivilisation. Imam al-Ghazali wies das aristotelische oder platonische Denken zurück, die heutigen Revivalisten haben aufklärungshumanistische und menschenrechtsuniversalistischen Standards abzuweisen.

    Auch mit dem bekennenden Islamischen Religionsunterricht (IRU) ist auf Erden Allahs Königreich zu verwirklichen. Medina 2.0 … einen anderen Idschtihad kann es nicht geben!

  55. Cees van der Duin Says:

    Der Beschluss des Oberlandesgerichtes Hamm v. 30.08.2013 – 3 UF 133/13 – belegt: der beschneidungsfreundliche (kinderfeindliche) § 1631 d BGB führt die Argumentation unserer Richter in bizarre Verrenkungen hinein.

    Unsere Gesetze sollten für alle Menschen gelten – Jungen haben eigentlich den selben Anspruch auf genitale Unversehrtheit wie Mädchen. Nur eigentlich oder auch tatsächlich?

    Vielleicht haben Kinder gar keine „Religion“ oder „Kultur“? Wie auch immer: man muss auch nicht jede Kultur bewahren, sonst müssten wir die Mädchenbeschneidung etwa vom Typus 1a (Klitorisvorhautbeschneidung) legalisieren, die in der schafiitischen Rechtsschule des Islam „heilssichernder“ Standard ist.

    Jahrtausende alte Initiationsrituale gehören in der kulturellen Moderne nicht in Arztpraxis oder Kinderzimmer – nicht in Hamm und irgendwann (möglichst bald) auch nicht mehr in Kenia.

    Die männliche Vorhaut hat eine wichtige Funktion und sollte nur in ganz wenigen, medizinisch wirklich unumgänglichen Fällen chirurgisch entfernt werden.

    Indirekt nennt uns das OLG Hamm leider mehrere mögliche Gründe für eine aus seiner Sicht statthafte Beschneidung.

    Denn was wurde erreicht: das sechs Jahre alte Kind darf nur in diesen Tagen nicht beschnitten werden. Sieht so ein Erfolg aus im Sinne der gewährleisteten körperlichen Unversehrtheit? Doch wohl eher nicht.

    Folgendes klingt leider im Urteil stark mit:

    1. solange ein Kind zur “Menschensorte” der Evangelischen gehört bleibt es irgendwie vor der Jungenbeschneidung geschützt

    2. wenn nur die eigene Mutter beim Vorgang der Zirkumzision zuschauen würde, wäre alles in bester Ordnung

    3. das „Aufklärungsgespräch“: etwas Zureden (Trösten? Bagatellisieren? Überreden? Überlisten?) legalisiert die Jungenbeschneidung

    4. die in § 1631d BGB kalkuliert nicht angesprochenen „Religionsvölker“ der Muslime oder Juden dürften sowieso beschneiden (eine Ungleichbehandlung der Kinder), an männlichen Kindern unter sechs Monaten dürfen irgendwie beschneidungskundige Erwachsene die genitale Kult-OP vornehmen

    5. ein regelmäßiger Besuch in Kenia kann eine nordrhein-westfälische Beschneidungserlaubnis sein

    6. nach dem Gerichtsurteil sind “medizinische Risiken” und “Schmerzen” des Kindes von uns allen gefälligst zu akzeptieren: “weil diese Umstände mit jeder nicht medizinisch indizierten Beschneidung verbunden seien”

    7. das örtliche Jugendamt wird durch das Gerichtsurteil zur beschneidungsbilligenden Instanz emporgehoben

    Ich denke, dass die Bundesrepublik den 2012 geschaffenen Paragraphen 1631d BGB zurückziehen muss. Die Zirkumzision ins elterliche Belieben zu stellen, eine irreparable körperliche Schädigung als Teil der Personensorge zu definieren war falsch.

    Im Allgemeinen sollten ausgewachsene Männer darüber entscheiden, ob sie mit oder ohne Vorhaut leben und lieben wollen. Mancher männliche Jugendliche aber dürfte sich dem hohen Konformitätsdruck von Familie oder Religionsgruppe nicht entziehen können.

    Keine Beschneidung unter achtzehn!

    Cees van der Duin

  56. Bragalou Says:

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    GELDSTRAFE FÜR DAS NICHTBESCHNEIDEN

    Die zu jeder Islamisierung unabdingbare Abkehr von den universellen Menschenrechten zeitigt die Rückkehr der Stämme! Religiöse Richter frohlocken.

    Auch der jüdische Himmelsgott befiehlt, am kindlichen Genital elterlich unerwünschte Körperteile abzuschneiden. Die reine Halacha zeitigt erpresserische Folgen:

    Israel im November 2013. NIS 500 sind $140. Das Hohe Rabbinatsgericht Israels (Israeli rabbinate’s high court) verlangt von einer Mutter 500 Schekel, das sind etwas über hundert Euro (genau 102 bis 103 Euro) für jeden Tag, den sie die Beschneidung ihres Sohnes hinausschiebt.

    Der Fall wird wohl demnächst vor das höchste staatliche Gericht kommen.

    Israeli court fines woman for refusing to circumcise her son
    Woman, who says she will not physically harm her son, must pay £86 a day until the operation is done, rabbinical court says

    An Israeli woman has been fined by a religious court for refusing to circumcise her infant son.

    The rabbinical court ruled last week that circumcision was for the child’s welfare and that the woman must pay 500 shekels (£86) a day until the child has had the procedure. The woman told the court she refuses to physically harm her son.

    The case is the first time a religious court in Israel has punished a parent for refusing to circumcise a child. There is no law requiring circumcision in Israel, but the vast majority of Jews are circumcised, in line with Jewish law. Rabbinical courts have authority over certain family matters.

    The justice ministry, which is representing the mother, said on Thursday it would be likely appeal the case to Israel’s supreme court.

    nach: Associated Press in Jerusalem
    hier in: The Guardian 28.11.2013

    http://www.theguardian.com/world/2013/nov/28/israel-court-fines-woman-refusing-circumcise-son

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    hier als Meldung bei Ha’Aretz, „Das Land“.

    Der Vater will die Beschneidung, die Mutter lehnt sie ab. Alles geschieht – auch – im Rahmen eines Scheidungsprozesses.

    Israeli woman fined $140 a day for refusing to circumcise son
    In unprecedented ruling, court obligates mother to circumcise son or be penalized; In divorce hearing, father insists boy be circumcised.

    Israeli woman fined $140 a day for refusing to circumcise son
    In unprecedented ruling, court obligates mother to circumcise son or be penalized; In divorce hearing, father insists boy be circumcised.

    von: Netta Ahituv
    in: HAARETZ 26.11.13

    http://www.haaretz.com/news/national/.premium-1.560245

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    die traditionsreiche religionsfreie, 1881 gegründete britische Zeitschrift Der Freidenker bringt Hintergründe und die Details und erinnert sogar an die Diskussion und gesetzliche Lage in Deutschland:

    Rabbinical court fines Israeli woman for refusing to allow her son to be ritually mutilated
    IN A landmark ruling the Israeli rabbinate’s high court last week punished a woman who refused to have her son circumcised. She is being fined $150 a day for each day she delays having the procedure carried out.

    … During the hearing, the woman said she did not wish to harm the infant.

    Shimon Yaakovi, legal adviser to the rabbinical court, said:

    The decision is not based only on religious law. It is for the welfare of a Jewish child in Israel not to be different from his peers in this matter.

    He added that it was the first time a religious court in Israel has punished a parent for refusing to circumcise a child.

    A year ago, a civil court also ruled in favour of circumcision in a parental dispute.

    There is no law requiring circumcision in Israel, but the vast majority of Jewish boys undergo the procedure at the age of eight days in line with Jewish law, which sees the ritual as upholding a covenant with God.

    Rabbinic courts have authority over certain family matters like marriage, divorce and child custody and welfare issues. …

    Ronit Tamir, an anti-circumcision activist, called the rabbinic court’s ruling:

    Dangerous for democracy. It turns the government into a theocracy.

    Uri Regev, a Reform rabbi who leads Hiddush, a movement that promotes religious pluralism in Israel, said the circumcision dispute had no place in the rabbinical court. He said a circumcision should only take place with the consent of both parents.

    He said attaching “legal sanctions” to an ancient religious commandment:

    Will undermine popular respect for circumcisions.

    The ritual of circumcision has generated controversy in Europe. Last year, a German regional court said the procedure amounted to bodily harm, though it stopped short of banning it. Germany subsequently passed a law explicitly permitting male infant circumcision.

    More recently, a European advisory council passed a non-binding resolution calling circumcision:

    A violation of the physical integrity of children.

    (…)

    aus: Rabbinical court fines Israeli woman for refusing to allow her son to be ritually mutilated
    von: Barry Duke
    in: The Freethinker 29.11.2013

    http://freethinker.co.uk/2013/11/29/rabbinical-court-fines-israeli-woman-for-refusing-to-allow-her-to-be-ritually-mutilated/

    ::

  57. Bragalou Says:

    ::

    An interview with Elinor, the mom who is forced by a religious court to circumcise her one year old son

    Guy Zohar: Yesterday we’ve read to you a very emotional post by Elinor, a mom, who wrote on her Facebook page: „HELP! I ask the help of the people. I am a mother to a baby, I am in tears and crying for help. The religious rabbinical court is forcing me to cut my one year old son against my will (Brit Milah), by imposing daily heavy financial sanctions.“
    Shalom, Elinor.

    Elinor: Shalom.

    Guy Zohar: Please explain the situation. What’s going on here?

    Elinor: It’s inconceivable, unfathomable. It’s something that raises the question of what kind of culture we live in. The religious rabbinical court, during a divorce case, takes upon itself to pass judgment on an issue that is not within its authority. It’s not in anyone’s authority to force me as a mother to cut my son against my will, and the rabbinical court parcels this issue in the divorce case and forces me by daily financial sanctions…

    Guy Zohar: what do you mean, ‚daily‘?

    Elinor: Every day I have to pay N.I.S 500 for not circumcising my son.

    Guy Zohar: Every day that passes, that you’re not complying with the court order, you need to pay N.I.S 500.

    Elinor: That’s correct. And I don’t have that kind of money, not even close.

    Guy Zohar: When did the court give this decision?

    Elinor: On the 21th (of November, 2013).

    (…)

    Guy Zohar: We need to understand the story. When the baby was born, were you and the father together?

    Elinor: When I gave birth, yes. Shortly after that, the father filed for divorce in the religious rabbinical court. In the papers he did not mention anything about Brit Milah. Not only that, for a whole year he did nothing…

    Guy Zohar: Is the Gett (=Jewish divorce verdict) final?

    Elinor: No. Not yet.

    (…)

    http://www.gonnen.org/?p=366

    ::
    ::
    nana, nicht dass die Mutter verlieren will? Oder jetzt verwendet wird, um in Israel den jüdischen Theokraten mehr Macht zu geben und die Beschneidungspflicht zu verstaatlichen, am Besten auch gleich die schafiitische Pflicht zur Mädchenbeschneidung?

    … The mother, who has been identified only as Elinor, said her son had been born with a medical problem that prevented him undergoing ritual circumcision on the eighth day after birth, as is customary in Jewish law.

    „As time went on, I started reading about what actually happens in circumcision, and I realized that I couldn’t do that to my son. He’s perfect just as he is,“ Haaretz newspaper quoted her as saying. She said her husband originally had no objection to not having their son circumcised but changed his mind during the divorce case. …

    In their ruling, the three rabbis wrote: „Circumcision is a standard surgical procedure that is performed on every Jewish baby boy, so when one of the parents demands it, the other cannot delay it except where it is proven to be medically dangerous.

    „Fulfilling the command of circumcision is not a [mere] surgical medical act….Brit milah [the rite of circumcision] is exactly what it says: a covenant that God made with His chosen people, the nation of Israel.“ …

    „This trend must be stopped immediately for the common good, which takes precedence over that of the individual,“ the judges concluded. They added: „Removal of the foreskin prepares the soul [of the baby] to accept the yoke of Heaven and study God’s Torah and commandments.“

    Rabbinical courts are part of Israel’s judicial system and are overseen by the ministry of religious services. In addition to holding exclusive jurisdiction over the marriage and divorce of Jews, they have the power to rule on matters of personal status, alimony, child support, custody and inheritance. Their rulings are enforced by the police and other legal agencies in the same ways as those of civil courts. …

    „We have been seeing public and legal fights against circumcision in the United States and Europe for quite some time. The public in Israel stands united against this phenomenon, seeing it as another aspect of the anti-Semitic acts that must be fought.“

    Israel’s foreign ministry condemned the parliamentary assembly of the Council of Europe last month after it adopted a resolution calling for regulation of religious circumcision, which is also carried out on Muslim boys shortly after birth.

    The foreign ministry demanded that the resolution be annulled …

    aus: Israeli court orders mother to circumcise her son
    von: Robert Tait, Jerusalem
    in: The Telegraph 26.11.2013

    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/israel/10475575/Israeli-court-orders-mother-to-circumcise-her-son.html

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    Israel fordert Rücknahme europäischer Resolution zur Beschneidung

    … Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hatte in dem Dokument die Beschneidung kleiner Jungen aus religiösen Gründen zusammen mit der genitalen Verstümmelung von Mädchen als Grund „besonderer Besorgnis“ bezeichnet. Die Mitgliedsstaaten des Europarates sollten deshalb das Bewusstsein für Risiken solcher Praktiken fördern und das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellen.

    Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte, die Beschneidung kleiner Jungen sei „von Alters her Teil der religiösen Traditionen zweier wichtiger Religionen, des Judentums und des Islams“. Dies mit der „barbarischen“ Genitalverstümmelung von Mädchen zu vergleichen, sei bestenfalls Ausdruck einer „schockierenden“ Unwissenheit. …

    DIE ZEIT 04.10.2013

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/israel-kritik-beschneidung-resolution

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    beim guten Berichten muss ich Kobi Nachshoni leider mit Zwischenrufen stören:

    a violation of the physical integrity of children – in der Tat, und Sexualmagie und Steinzeit-Medizin und kulturelle Gegenmoderne von Halacha bis Scharia.

    Aufpassen, es kann das ganze Diskutieren im Europarat Taqiyya pur sein bzw. werden und Teil des Dschihad, eben um genau diese Beschädigung der genitalen Integrität europaweit zu legalisieren.

    Erst einmal ok, es das Alter zur Einwilligung muss allerdings 18 sein und nicht 15 – wie beim Thema Kindersoldat oder Kinderprostitution.

    Ein 15-Jähriger wird sich dem Druck der patriarchal denkenden Sippe nicht entziehen können und weiß aus eigener Erfahrung noch gar nicht, was erwachsene Sexualität mit Vorhaut sein kann.

    At the end of a debate in Strasbourg, the Parliamentary Assembly ruled overwhelmingly that male circumcision and female genital mutilation are forbidden, unless the child is over the age of 15 and has given his or her consent to the practice.

    Ihr Hornochsen!!! Damit können die Fünfzehnjährigen Mädchen legal beschnitten werden!!!

    The council further called on states to „initiate a public debate, including intercultural and interreligious dialogue, aimed at reaching a large consensus on the rights of children to protection against violations of their physical integrity according to human rights standards“ and to „adopt specific legal provisions to ensure that certain operations and practices will not be carried out before a child is old enough to be consulted.“

    Welche human rights standards bitteschön, die der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam??? Kein Bekenntnis zur AEMR!!! Und was soll der interreligiöse Dialog oder interkulturelle Dialog, wenn wir Kinderrechte verteidigen wollen???

    Im Islam ist der Fünfzehnjährige Junge – und das neunjährige Mädchen! – ist allt genug, um die ganz Last des Gesetzes zu tragen, also auch alte genug, um befragt zu werden, old enough to be consulted.

    Kobi Nachshoni
    ynetnews

    http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4436074,00.html

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    Kinderrechtsaktivistin Marlene Rupprecht ist auch 2013 fleißig, hat sich 2012 allerdings ziemlich hängen lassen und hätte den Alternativentwurf (Beschneidung ab 14 erlauben) nicht unterstützen dürfen.

    Es geht neben FGM und MGM auch um Tattoos und Piercings sowie OPs zu Intersexualität oder um (andere) medizinisch unnötige plastische Operationen an Kindern:

    VERSION PROVISOIRE
    Doc. .. juin 2013 Le droit des enfants à l’intégrité physique Rapport

    Commission des questions sociales, de la santé et du développement durable
    Rapporteure
    : Mme Marlene RUPPRECHT, Allemagne, SOC

    A. Projet de résolution

    1. Denombreuses mesures législatives et politiques ont été prises par les Etats membres du Conseil de l’Europe ces dernières décennies pour améliorer le bien-être des enfants et leur protection contre toute forme de violence. Toutefois, les enfants sont encore victimes de violence dans de nombreux contextes différents.

    2. L’Assemblée parlementaire est particulièrement préoccupée par un certain type de violations de l’intégrité physique des enfants, que les tenants de ces pratiques présentent souvent comme un bienfait pour les enfants, en dépit d’éléments indiquant manifestement du contraire. Ces pratiques comprennent notamment les mutilations génitales féminines, la circoncision des jeunes garçons pour des motifs religieux, les interventions médicales à un âge précoce sur les enfants intersexués, et les piercings, les tatouages ou les opérations de chirurgie plastique qui sont pratiqués sur les enfants, parfois sous la contrainte. …

    Mädchenbeschneidung „öffentlich verdammen“ und ganz energisch verbieten (na, gegen FGM-Typ 1a fallweise Typ 1b der Schafiiten sagt man nichts?), über Jungenbeschneidung hingegen mit Imamen, Ärzten und Politikern nur noch ein bisschen plappern?

    7.5.1.

    condamner publiquement les pratiques les plus préjudiciables comme les mutilations génitales féminines et adopter la législation les interdisant, et doter ainsi les pouvoirs publics des mécanismes de prévention et de lutte effective contre ces pratiques, y compris en appliquant « les mesures législatives ou autres nécessaires pour établir leur compétence » extraterritoriale si des ressortissantes du pays ont été soumises à des mutilations génitales féminines, tel que stipulé par l’article 44 de la Convention du Conseil de l’Europe sur la prévention et la lutte contre la violence à l’égard des femmes et la violence domestique (STCE n° 210) ;

    7.5.2.

    définir clairement les conditions médicales, sanitaires et autres à respecter s’agissant des pratiques qui sont aujourd’hui largement répandues dans certaines communautés religieuses, telles que la circoncision médicalement non justifiée des jeunes garçons ; …

    nur noch die Umstände der Medikalisierung der MGM etwas genauer abklären! Die Jungen sollen also pauschal beschnitten werden dürfen. Das ist kinderfeindlich und verstößt gegen die Gleichbehandlung.

    Und was, wenn demnächst die niederländischen Indonesier oder britischen Dawoodi Bohra FGM durchführen, in ihrer Community sind diese Rituale ja vielleicht ebenfalls so was von weithin verbreitet, largement répandues?

    Es war zu befürchten. Man will nichts tun.

    Wer kann, mag ja hoffen, mit so einer weichgespülten Herangehensweise auf lange Sicht dann doch die MGM ganz abschaffen zu können.

    Zu befürchten allerdings, dass sich, so watteweich herangegangen, auch in Europa die Islamic FGM legalisiert.

    RUPPRECHT stellt im Vier-Typen-Modell, das die uns wichtige Unterscheidung in 1a (Klitorisvorhautbeschneidung) und 1b (Klitoridektomie) zwar nennt, beide, 1a wie 1b lassen sich islamisch begründen und gegen beide haben wir deshalb zu kämpfen, optisch etwas irreführend Typ 1 pauschal unter Clitoridectomie.

    Rupprecht scheint es nicht zu wissen: anders als im Englischen meint Exzision im Französischen üblicherweise jede Form der FGM, nicht lediglich die Klitoris(teil)amputation.

    Note also that, in French, the term ‘excision’ is often used as a general term covering all types of female genital mutilation.

    Die unten auf Englisch zu lesende Typologie macht das nur unwesentlich genauer, immerhin mit einem and/or definiert sowie dann ausführlich beschrieben in 1a und 1b, siehe unten bei: Partial or total removal of the clitoris and/or the prepuce (clitoridectomy)

    Man müsse die jahrtausendealte Jungenbeschneidung „heutzutage ernstlich in Frage stellen“, das ist nett und sogar wünschenswert für eine Freitagspredigt, aber nein, in der Politik das reicht nicht:

    Bien qu’elle se pratique depuis des milliers d’années, la circoncision doit donc être aujourd’hui sérieusement remise en question, tant dans le cadre médical que religieux.

    Bordellwesen ist auch Jahrtausende alt. Und Brudermord (Romulus und Remus, Kain und Abel). Bankraub. Und Kindesmissbrauch bzw. Inzest (griechische Mythen).

    Nein, der schreiende und blutende jüdische männliche Säugling ist nicht drei Jahrtausende alt, sondern acht Tage, und die Misshandlung nicht Jahrtausende her, sondern drei Minuten.

    Europarat und Kleriker sollen einander auch nicht rechtleiten. Presse und Pädagogik müssen zu FGM (islamisch begründet) wie MGM (prinzipiell schädigend und abzulehnen) Klartext reden dürfen! Daran mangelt es in Europa.

    http://www.assembly.coe.int/CommitteeDocs/2013/Fintegritychildren2013.pdf

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    DIE VIER TYPEN DER WEIBLICHEN GENITALVERSTÜPMMELUNG
    Classification of female genital mutilation
    Classification of FGM (2008)

    Complete typology with sub-divisions:

    Type I — Partial or total removal of the clitoris and/or the prepuce (clitoridectomy).

    When it is important to distinguish between the major variations of Type I mutilation, the following subdivisions are proposed: Type Ia, removal of the clitoral hood or prepuce only; Type Ib, removal of the clitoris with the prepuce.

    Type II — Partial or total removal of the clitoris and the labia minora, with or without excision of the labia majora (excision).

    When it is important to distinguish between the major variations that have been documented, the following subdivisions are proposed: Type IIa, removal of the labia minora only; Type IIb, partial or total removal of the clitoris and the labia minora; Type IIc, partial or total removal of the clitoris, the labia minora and the labia majora.

    Note also that, in French, the term ‘excision’ is often used as a general term covering all types of female genital mutilation.

    Type III — Narrowing of the vaginal orifice with creation of a covering seal by cutting and appositioning the labia minora and/or the labia majora, with or without excision of the clitoris (infibulation).

    Type IIIa, removal and apposition of the labia minora; Type IIIb, removal and apposition of the labia majora.

    Type IV — All other harmful procedures to the female genitalia for non-medical purposes, for example: pricking, piercing, incising, scraping and cauterization.

    http://www.who.int/reproductivehealth/topics/fgm/overview/en/

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  58. Bragalou Says:

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    STOPPT endlich die PFFR

    Endlich überall PFFR stoppen (Premature, forcible, foreskin retraction).

    Trauriges amerikanisches und bei ansteigender Sexualmagie und Schariapflicht demnächst vielleicht auch ein europäisches Problem:

    die so oft selbst beschnittenen männlichen oder sonstigen beschneidungkulturell angekränkelten Ärzte oder Ärztinnen oder Krankenpfleger bzw. Krankenschwestern sind mit dem Anblick eines intakten Penisses nicht vertraut, werden aufgeregt bis verängstigt und wollen gerne die Vorhaut von der Eichel zurückreißen und tun das auch oft.

    Amerikanische medizinische Ausbildungshandbücher stellen bislang leider immer noch einen unbeschnittenen Penis gar nicht erst dar.

    Endlich überall PFFR stoppen (Premature, forcible, foreskin retraction). Man muss es leider immer wieder sagen: um Einrisse, Vernarbungungen zu vermeiden, dürfen Eltern oder wer-auch-immer die naturgemäß und problemlos bis weit in die Pubertät hinein bestehende physiologische Verklebung der Vorhaut nicht lösen, dürfen also dieses niemals tun: „forcibly retract their infant’s foreskin“.

    Fleiss and Hodges write:

    You are a lioness defending her cub…We would never pull out our fingernails to improve hand hygiene…Be on your guard. Never let a doctor or anyone attempt to retract your son’s foreskin. Optimal hygiene of the penis demands that the foreskin of infants and children be left alone. Premature retraction may tear the skin of the penis causing your child extreme pain. There is NO LEGITIMATE MEDICAL JUSTIFICATION FOR RETRACTION. If any doctor suggestions [forced retraction] for your son, firmly refuse, stating, „Just leave it alone.“

    Drs. Fleiss and Hodges also inform parents:

    Doctors have made up some strange reasons for wanting to retract a child’s foreskin during checkups. None of them are valid. They may sound convincing, but I assure you, they are ALL WRONG. If a doctor tries to retract your child’s foreskin, stop him. Tell him that this is inappropriate, unnecessary, and traumatic. Please, be on your guard. Many parents have made their feelings clear only to have doctors retract their son’s foreskin anyway, causing the child enormous pain and trauma. Regardless of your child’s age, and even if your child’s foreskin is already fully retractable, doctors have no business fiddling with your child’s penis and foreskin. Sometimes they say they are looking for a urinary tract infection (UTI). This is absolutely ridiculous, but many doctors have actually said this to parents. [Sterile urine samples can be easily obtained from girls AND boys from simply wiping the outside of the genitals first.] Doctors who [attempt retraction for UTI testing] are usually circumcised and upset at the sight of an intact penis. They are unfamiliar with it and anxious. You know more than they do about this body part. You MUST take charge. Protect your child from any attempt to retract or tamper with his foreskin.

    http://www.drmomma.org/2009/09/uti-testing-on-boys-do-not-retract.html

    zum Thema

    Doctors Opposing Circumcision
    Forced Retraction

    WARNING TO PARENTS:
    FORESKIN RETRACTION OF INTACT BOYS — AN EPIDEMIC

    (And ease of hygiene for your child)

    In my capacity as the Executive Director of this international physicians’ non-profit, I field around three anguished complaints each week from parents of intact (not circumcised) boys whose foreskins were forcibly retracted by ignorant medical practitioners. Premature, forcible, foreskin retraction (PFFR) is a much more painful, serious, and potentially permanent injury than most parents imagine. It is also epidemic in English-language medicine (though apparently not elsewhere). I speculate that only one in 1,000 cases in N. America comes to our attention. Indeed many parents have no idea their child was injured or why. That might mean as many as 150,000 cases in the USA each year, but no one knows for sure.

    http://www.doctorsopposingcircumcision.org/info/info-forcedretraction.html

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    006/052 – S1-Leitlinie Phimose und Paraphimose aktueller Stand: 08/2013

    publiziert bei:
    AWMF

    Register Nr.
    006/052
    Klasse:
    S1
    Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie
    Phimose und Paraphimose

    Einleitung
    Das Präputium ist ein physiologischer Bestandteil des männlichen äußeren Genitales.

    Grundsätzlich ist das Krankheitsbild Phimose von der entwicklungsbedingt nicht retrahierbaren Vorhaut des Knaben zu unterscheiden. Vom Vorliegen dieser „physiologischen Phimose“ kann bei 96% der unbehandelten neugeborenen Jungen ausgegangen werden. Reifungsvorgänge bedingen eine Auflösung der physiologischen Vorhautverklebung und -enge bei der übergroßen Mehrzahl der Knaben im Alter von 3 bis 5 Jahren. …

    Rituelle Beschneidungen werden durch kulturelle und religiöse Traditionen und soziale Normen motiviert. Sie sind gesetzlich geregelt und nicht unmittelbar Gegenstand dieser Leitlinie (Beschneidungsgesetz). …

    http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-052l_S1_Phimose_Paraphimose_2013-08.pdf

    ::
    ::
    Methode Plastibell, Kind lebensgefährlich infiziert, großflächige und tiefe Gewebsabtragung war nötig:

    Achtung, verstörende Bilder:

    zu finden bei
    PEACEFUL PARENTING
    d. i.
    drmomma.org

    CASE REPORT

    A 6 day old male was circumcised uneventfully using the Plastibell technique in the pediatrician’s office. (…)

    Wednesday, November 04, 2009
    Massive Infection Takes Over Body After Plastibell Circumcision

    http://www.drmomma.org/2009/11/massive-infection-takes-over-body-after.html

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    ::
    die männerbündisch-kultische Penis-Umgestaltung hat lebenslange anatomische Folgen, und zwar nachteilige:

    Intact or Circumcised: A Significant Difference in the Adult Penis

    zu finden bei
    PEACEFUL PARENTING
    d. i.
    drmomma.org

    http://www.drmomma.org/2011/08/intact-or-circumcised-significant.html

    ::
    ::
    Amerikas Beschneidungspraxis begann nicht erst im Kalten Krieg, sondern wurzelt im offensichtlich transatlantisch zu betrachtenden Viktorianischen Zeitalter, das von Sexualfeindlichkeit und Aberglaube geprägt war.

    Kinderfeindliches Erziehungsziel war die Dressur in so etwas wie ein frommes, patriotisches und anständiges sexuelles Wohlverhalten. An den Genitalien herumzuspielen kann, wer weiß, die englische oder amerikanische Zivilisation zum Einsturz bringen und zieht sicherlich schlimme Krankheiten heran.

    Körperlichkeit musste sogar davon frei werden, dem Säugling die Brust zu geben (and actively discouraged breastfeeding), ja bereits die Geburt wurde pathologisiert und medikalisiert (part of the same movement that pathologized and medicalized birth).

    Zum Fortschritt gehörten das saubere technokratische US-amerikanische Mannsbild mit sauberem technokratischem US-amerikanische Penis sprich beschnittenem Penis:

    Ebenfalls bei
    PEACEFUL PARENTING

    The Case Against Circumcision
    By Paul M. Fleiss, M.D., M.P.H.

    … Circumcision started in America during the masturbation hysteria of the Victorian Era, when a few American doctors circumcised boys to punish them for masturbating. Victorian doctors knew very well that circumcision denudes, desensitizes, and disables the penis. Nevertheless, they were soon claiming that circumcision cured epilepsy, convulsions, paralysis, elephantiasis, tuberculosis, eczema, bed-wetting, hip-joint disease, fecal incontinence, rectal prolapse, wet dreams, hernia, headaches, nervousness, hysteria, poor eyesight, idiocy, mental retardation, and insanity.

    In fact, no procedure in the history of medicine has been claimed to cure and prevent more diseases than circumcision. As late as the 1970s, leading American medical textbooks still advocated routine circumcision as a way to prevent masturbation. The antisexual motivations behind an operation that entails cutting off part of the penis are obvious.

    The radical practice of routinely circumcising babies did not begin until the Cold War era. This institutionalization of what amounted to compulsory circumcision was part of the same movement that pathologized and medicalized birth and actively discouraged breastfeeding. …

    http://www.drmomma.org/2009/11/case-against-circumcision.html

    ::
    ::
    die dem Beschneidungstrauma nachfolgende, patriarchalisch-wunschgemäß gestörte Mutter-Kind-Bindung zeitigt, wenig verwunderlich, eine Störung des anthropologisch in jeder Hinsicht überlebenswichtigen Brustnuckelns.

    Störung beim Brust zu geben sollte man eigentlich zu den Beschneidungskomplikationen rechnen:

    Circumcision Increases Breastfeeding Complications

    Source: Journal of Human Lactation 19(1), 2003.
    Mothering News Bulletin 2005.

    http://www.drmomma.org/2009/11/circumcision-leads-to-breastfeeding.html

    The Effects of Circumcision on Breastfeeding

    http://www.drmomma.org/2009/12/effects-of-circumcision-on.html

    Breastfeeding & Circumcision

    http://www.drmomma.org/2009/11/breastfeeding-circumcision.html

    ::
    ::

  59. Dwarslöper Says:

    Es hat mindestens drei Petitionen gegen die Beschneidung von Jungen gegeben, eine zum BGB, eine sehr frühe zum StGB sowie eine weder zu BGB noch StGB:

    • Sozialpädagoge Edward von Roy im Juli 2012 in Bezug auf das elterliche Sorgerecht und zur Schaffung eines die MGM verbietenden BGB § 1631d, damit den Ort (nämlich den Paragraphen 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge) des gegenteilig formulierten Beschneidungserlaubnis-Paragraphen genau vorwegnehmend,

    • Werner Holtfreter bewundernswert früh nämlich bereits im Mai 2010 bei kluger Bezugnahme auf die FGM, die erheblichen Komplikationen sowie die umzusetzende geschlechtsneutrale Ausgestaltung des entsprechenden StGB-Paragraphen, sowie

    • Christian Bahls (MOGiS) im Jahr 2012, der ein zweijähriges Herumreden im elitären Hinterzimmer („runder Tisch“) bei einem genau so kurz befristeten Beschneidungsstopp forderte.

    Hier die drei Petitionen:

    ::

    20.07.2012
    Edward von Roy
    Pet 4-17-07-451-040847

    § 1631d Verbot der rituellen Genitalmutilation Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    https://jacquesauvergne.wordpress.com/2012/07/21/297/

    http://www.gam-online.de/text-Beschneidung-petition.html

    http://www.aerzteblatt.de/forum/109729

    http://www.aerzteblatt.de/forum/109962

    ::

    18.05.2010
    Werner Holtfreter
    Pet 4-17-07-451-008772

    Mit der Drucksache 867/09 wird eine Strafrechtsänderung vorgeschlagen, mit der klargestellt wird, dass die Verstümmelung weiblicher Genitalien eine Straftat darstellt. Vorgesehen ist auch eine Verfolgung im Ausland. So richtig und wichtig diese Initiative ist, so falsch ist es, Knaben den Schutz ihrer körperlichen Unversehrtheit zu verweigern. …

    Beschneidung (weibliche wie männliche!) berührt die Religionsfreiheit. Gerade wer die Beschneidung als wichtiges religiöses Zeichen sieht, muss Kinder vor diesem irreversiblen Eingriff bewahren, um auch ihre negative Religionsfreiheit im späteren Erwachsenenleben zu sichern.

    Menschenrechte sind unteilbar, das Gesetz muss geschlechtsneutral gestaltet werden!

    http://www.forum-maennerrechte.de/index.php?id=2293

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/?id=118

    ::

    Christian Bahls

    Ein zweijähriges Moratorium und die Einrichtung eines Runden Tisches zum Thema „Körperliche Unversehrtheit von Kindern“ soll dazu dienen die Diskussion zu demokratisieren und einen Ausgleich in der Debatte herzustellen.

    http://www.change.org/de/Petitionen/zwangsbeschneidung-ist-unrecht-auch-bei-jungen

    http://mogis-und-freunde.de/blog/petition-gegen-beschneidung-und-fuer-kinderrechte-online/

    ::

  60. Soka Uncobe Says:

    Gebändigte Sexualität macht global gehorsam,
    Kinder als Rohstofflager,
    Diamanten gegen Glasperlen tauschen wie früher,
    der Weiße Mann darf die Schwarzen für doof halten,
    AAP darf Afrikaner verstümmeln im „Kampf gegen AIDS“:

    SWAZIS AND AMERICANS IN PARTNERSHIP TO FIGHT HIV/AIDS

    SOKA UNCOBE
    SOKA UNKOBE

    „Beschneiden und Besiegen!“ auf siSwati

    „Soka Uncobe“ is a phrase which means „circumcise and conquer“ in siSwati

    http://www.k4health.org/sites/default/files/A%20System%20for%20Collection%20of%20MC%20Service%20Data.pdf

    http://www.k4health.org/

    Mehr Esoterik für
    Uganda
    MC = Zirkumzision (male circumcision)
    SMC = „sichere Zirkumzision“

    http://www.k4health.org/toolkits/uganda-male-circumcision-communication/national-safe-male-circumscion-policy

    The Uganda People’s Defense Forces have received Mobile Male circumcision equipment worth 763,000 dollars, about 1.7 billion shillings from the US mission in Uganda.
    The equipment which included seven vehicles was handed to General Aronda Nyakairima, Uganda’s Chief of Defense Forces by Ambassador Jerry Lanier the US envoy to Uganda, at the 1st infantry barracks at Kakiri.

    Mehr Sexualmagie für
    Tansania

    http://www.k4health.org/blog/post/mining-data-exhaust-extracting-behavior-change-evidence-text-messages-male-circumcision

    Mehr Hokuspokus für
    Swaziland

    http://www.k4health.org/toolkits/swaziland-hiv-prevention/costing-male-circumcision-swaziland-and-implications-cost

    So ein Schwachsinn mit den sechzig Prozent!!! Schon mal russisch Roulette gespielt … jede Woche bis jeden Tag neu gespielt …

    Was K4Health uns verschweigt: die beschnittenen Männer halten sich für immun und boykottieren das Kondom – oder die im Laufe der Jahre nachlassende penile Sensitivität lässt ihnen den Sex mit Kondom fast unerträglich fühllos erscheinen …

    It has been proven that male circumcision reduces the probability of transmission from HIV positive females to HIV negative males by 60%

    http://www.k4health.org/toolkits/swaziland-hiv-prevention/male-circumcision

    July 15, 2011 the Swaziland Ministry of Health and Social welfare in collaboration with the U.S. Embassy in Swaziland and PEPFAR (the President’s Emergency Plan for AIDS Relief), launched the Soka Uncobe male circumcision campaign. Soka Uncobe, which means „circumcise and conquer“ in siSwati, is part of the National Strategic framework on HIV/AIDS.

    More than 28 000 Swazi men and boys have been circumcised. According to the Ministry of Health in Swaziland, medical male circumcision has been proven to reduce the risk of acquiring HIV by over 60%.




    JOSEPH4GI = science-based information.
    The Angry Intactivist brings light into darkness:

    Though they tried and tried, the much hyped Soka Unkobe program failed in Swaziland, where approximately 34,000 out of the expected 200,000 men (about 17%) were circumcised. Rather than abandon the strategy to mutilate the genitals of the men of Swaziland, American organizers are trying to figure out „what went wrong.“ …

    In Botswana, programs are also failing to convince men to cut off part of their genitals. One program circumcised only 685 out of an intended 10,000. In another program, promoters convinced only 360 out of 2560 men (approx. 14%) to get circumcised. Here too, promoters are dumbfounded and can’t find the right people to blame. It couldn’t possibly have anything to do with the fact that they’re trying to convince men to undergo permanently altering surgery on their genitals, could it? …

    In Kenya, Homabay district, only 11,000 men have been circumcised out of the estimated 42,000 since September 2008 when the program was initiated. Here too, circumcision uptake has been low, so coordinators are targeting children who are neither at risk for HIV, nor putting others at risk, not to mention the ethical dilemma of forcibly cutting off part of the genitals of healthy, non-consenting individuals. (So much for „Voluntary Medical Male Circumcision.“) …

    80% of America’s male population is circumcised from birth, yet AIDS rates in some US Cities rival hotspots in Africa. In some parts of the U.S., they’re actually higher than those in sub-Saharan Africa. …

    http://joseph4gi.blogspot.de/2013/06/pepfar-to-blow-millions-on-prepex.html

    Studies show that circumcision is next to worthless in the fight against HIV. Actually, it’s proving to be less than worthless, as it’s leading men to believe that they don’t have to wear condoms, making the situation worse. The Soka Uncobe campaign was the biggest blunder for the Swazi Ministry of Health because it sent the message that „Circumcise and Conquer“ meant once you were circumcised you „conquered“ HIV, and you could „conquer“ all the women you want.

    Circumcision gives men an excuse to be complacent with condoms, which, even if „studies“ were correct, outperforms circumcision. And now they want to make circumcision for all the men compulsory?

    joseph4gi.blogspot

    http://joseph4gi.blogspot.de/2011/06/swaziland-compulsory-circumcision-law.html

  61. Machandelboom Says:

    Circumcision Step 1 • Lysis of adhesions – Probably causes the most discomfort, if not adequately anesthetized – Usually done with clamps at 3 and 9 o’clock

    http://www.learningace.com/doc/2337903/958add48f261cfe2ce37456cf040e3d4/hofmeyer_obstcareinlowresourcesettings_2009

    30. 30 The Gomco clamp Introduced in 1935 Concerns Choosing the right size bell Average infant requires 1.3 size (1.1,1.3,1.45,1.6) Bell should completely cover glans without overly distending the foreskin Always check bell and plate to make sure they match Technique gives better cosmetics Do not perform if <1 cm penile shaft Invented around 1935 by Dr. Hiram Yeller, an obstetrician, and Mr. Aaron Goldstein, an inventor, it has been in continuous use for more than 70 years. (The clamp gets its name from the company that originally manufactured it, the Goldstein Manufacturing Company.)* Invented around 1935 by Dr. Hiram Yeller, an obstetrician, and Mr. Aaron Goldstein, an inventor, it has been in continuous use for more than 70 years. (The clamp gets its name from the company that originally manufactured it, the Goldstein Manufacturing Company.)*

    31. 31 Circumcision Step 1 Lysis of adhesions Probably causes the most discomfort, if not adequately anesthetized Usually done with clamps at 3 and 9 oclock and hemostat gently placed between skin and fascia in an open and closing motion Special care taken to avoid bleeding at the level of the frenulum

    32. 32 Gomco Step 1 Dorsal crush and slit

    http://www.slideserve.com/jorn/neonatal-circumcision

  62. Machandelboom Says:




    HEARING ZUR BESCHNEIDUNG
    28. Januar 2014

    Palais de l’Europe, Straßburg

    Anhörung zur Beschneidung von männlichen Kindern
    EUROPARAT
    Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit – Expertenanhörung über die Beschneidung von kleinen Jungen



    Pressemitteilung AP 008 (2014)

    Parlamentarische Versammlung: Anhörung zur Beschneidung von männlichen Kindern

    Straßburg, 23.01.2014 – Im Rahmen der Plenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) findet am Dienstag, den 28. Januar 2014 um 14.00 Uhr in Straßburg eine Anhörung zur Beschneidung von männlichen Kindern statt.

    Die vom PACE-Ausschuss für Soziales, Gesundheit und nachhaltige Entwicklung organisierte Veranstaltung wird live im Internet übertragen. Unter den Teilnehmern befinden sich Parlamentarier und medizinische Sachverständige, darunter auch Vertreter der jüdischen und der muslimischen Gemeinden.

    Die Anhörung erfolgt im Anschluss an die Verabschiedung der Entschließung und der Empfehlung der Versammlung zum „Recht von Kindern auf körperliche Unversehrtheit“ im Oktober 2013 und soll zu einer offenen, interdisziplinären Debatte ermutigen, so wie es die Versammlung in diesen Texten befürwortet.

    Unter den Teilnehmern sind:

    · Bernard Lobel, Urologe, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Rennes (Frankreich), Mitglied der französischen Fachgesellschaft für Chirurgie;

    · Mesrur Selçuk Sılay, Kinderurologe, Assistenzprofessor an der medizinischen Fakultät der Bezmiâlem-Vakıf-Universität in Istanbul (Türkei);

    · Wolfram Hartmann, Kinderarzt und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (Deutschland);

    · Ronald Goldman, Forscher und Vorstand des Informationszentrums für Beschneidung in Boston (Vereinigte Staaten);

    · Marlene Rupprecht, frühere PACE-Berichterstatterin zum Thema.

    Außerdem wird die Teilnahme von Vertretern religiöser Organisationen – etwa der Europäischen Rabbinerkonferenz und des Französischen Zentralrates der Muslime – sowie von einschlägigen Nichtregierungsorganisationen erwartet. Mitglieder der Knesset, die den Beobachterstatus bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates innehat, nehmen ebenfalls teil.

    Bei der Anhörung wird ein kurzer Ausschnitt der TV-Dokumentation aus dem Jahr 1995 „It’s a Boy“ des britischen Regisseurs Victor Schonfeld gezeigt, ebenso wie Ausschnitte eines derzeit noch in Produktion befindlichen Films, der den Standpunkt der Knesset-Beobachterdelegation darlegt. Unmittelbar vor der Anhörung ist die Vorführung beider Filme in voller Länge geplant (Dienstag, 28. Januar, 13.00 Uhr, Filmvorführsaal).

    Programm
    Entschließung 1952 (2013)
    Empfehlung 2023 (2013)

    http://www.noodls.com/view/1A767618B5A147AD11B8071668C85B29CEC51AEB?8650xxx1390492963

    http://article.wn.com/view/2014/01/23/Pressemitteilung_AP_008_2014_23_January_2014_Parlamentarisch/#/related_news

    ***

    Praktische Informationen:

    Die Anhörung findet von 14.00 bis 15.30 Uhr in Saal 1 des Palais de l’Europe in Straßburg statt.

    Live-Übertragung: Die Sitzung wird live im Internet übertragen. Sprachen: Originalsprache, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch. Auf der Webseite der Versammlung wird eine Videoaufnahme der Anhörung (Originalsprache, Englisch und Französisch) bereitgestellt.

    Akkreditierung: Nach Akkreditierung können auch Journalisten teilnehmen, sofern genügend Platz zur Verfügung steht. Bitte richten sie entsprechende Ansuchen an: Kommunikationsabteilung der Parlamentarischen Versammlung, pace.com@coe.int, bzw. Direktion für Kommunikation des Europarates, accreditation@coe.int

    Kontakt: Kommunikationsabteilung der Parlamentarischen Versammlung, pace.com@coe.int, Tel. +33 3 88 41 31 93

    Kommunikationsabteilung der Parlamentarischen Versammlung
    Tel: +33 3 88 41 31 93
    – See more at: http://www.noodls.com/view/1A767618B5A147AD11B8071668C85B29CEC51AEB?8650xxx1390492963#sthash.idwcw0k8.dpuf



    Dienstag, 28.01.2014

    Documents d’information SG-AS (2014) 01

    Evénements organisés en marge de la Session d’hiver de l’APCE

    Mardi 28 janvier 2014

    14 h 00 – 15 h 30
    Salle 1, Palais
    Commission des questions sociales, de la santé et du développement durable

    Le droit des enfants à l’intégrité physique – Audition d’experts sur la circoncision des jeunes garçons, suite à l’adoption des Résolution 1952 (2013) et Recommandation 2023 (2013) de l’APCE en octobre 2013, avec la participation de :

    • Marlene Rupprecht (Allemagne, SOC), ancienne rapporteure sur le sujet

    • Prof. Bernard Lobel, urologue, professeur à la Faculté de Médecine de Rennes (France), membre de l’Académie française de chirurgie

    • Prof. adjoint Mesrur Selçuk Sılay, urologue pédiatrique, Université Bezmialem Vakif, Faculté de Médecine, (Istanbul, Turquie)

    • Dr Wolfram Hartmann, pédiatre et Président de la Fédération professionnelle de pédiatres et docteurs pour adolescents (Allemagne)

    • Ronald Goldman, chercheur et Directeur du Circumcision Resource Center (Boston, USA)

    Seront présents à cette audition des représentants d’organisations juives et d’ONG. Un extrait du documentaire de Victor Schonfeld, « It’s a Boy », sera présenté.

    [ Seite 18 ]

    http://website-pace.net/documents/10643/60519/20140122-SGAP-CM1189-FR.pdf/742d24ae-8640-408a-bb12-e76a777b1fcf



    Hearing on the circumcision of young boys

    A parliamentary hearing on the circumcision of young boys is to take place in Strasbourg at 2 p.m. on Tuesday 28 January 2014 on the margins of the plenary session of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe (PACE).

    The hearing – organised by PACE’s Committee on Social Affairs, Health and Sustainable Development – will bring together medical experts, including those representing the Jewish and Muslim communities, and parliamentarians, and will be streamed live over the web.

    It follows the adoption in October 2013 of the Assembly’s resolution and recommendation on “children’s right to physical integrity” and aims to encourage the open debate between different disciplines called for by the Assembly in these texts.

    Participants include:

    • Bernard Lobel, urologist, Professor at the Faculty of Medicine of Rennes (France), member of the French Academy of Surgeons

    • Mesrur Selçuk Sılay, paediatric urologist, Assistant Professor at the Faculty of Medicine, Bezmialem Vakif University (Istanbul, Turkey)

    • Wolfram Hartmann, paediatrician and President of the Professional Federation of Paediatricians and Youth Doctors (Germany)

    • Ronald Goldman, researcher and Director of the Circumcision Resource Center (Boston, USA)

    • Marlene Rupprecht, former PACE rapporteur on this issue

    Representatives of religious organisations, including the Conference of European Rabbis and the French Council of the Muslim Faith, are expected to attend, as well as NGOs active in this field. Members of the Knesset, which holds observer status with PACE, are also due to take part.

    A short excerpt of the 1995 television documentary “It’s a Boy” by British director Victor Schonfeld will be shown at the hearing, as well as extracts from another film – currently in production – putting forward the point of view of the Knesset observer delegation. Both films should be screened in full just prior to the hearing, at 1 p.m. on Tuesday 28 January in the Projection Room.

    ***

    Practical information

    The hearing will take place from 2 to 3.30pm French time in Room 1 of the Palais de l’Europe in Strasbourg.

    Web streaming: the hearing will be streamed live over the web, in the original language, English, French, German, Italian and Russian. A recording (original language, English and French) will be made available on the website of the Assembly.

    Accreditation: Accredited journalists will also be able to attend, subject to available space. Send requests to PACE Communication Division, pace.com@coe.int, and Council of Europe Directorate of Communication, accreditation@coe.int

    Contact: PACE Communication Division, pace.com@coe.int, tel. +33 3 88 41 31 93
    http://assembly.coe.int/nw/xml/News/News-View-EN.asp?newsid=4839&lang=2&cat=133


  63. Machandelboom Says:



    Am 12.12.2012 wurde die Werteordnung des Grundgesetzes geknackt. Jungen dürfen gesundheitlich beschädigt werden und Mädchen nicht, der Himmel selbst will das so oder jedenfalls der allmächtige Elternwille. Vorbereitend wurde dazu der Deutsche Ethikrat nutzbar gemacht.

    Dort durfte der irgendwie sozialethisch kompetente sowie theologisch ausgebildete Prof. Dr. theol. Peter Dabrock (Erlangen) das alles ganz anders sehen und am 23.08.2012 wie folgt orakeln:

    Sozialethische Gesichtspunkte der aktuellen Debatte um die religiös motivierte Beschneidung nicht-einwilligungsfähiger Jungen

    Die Jungen seien ohne Weiteres dem Bereich des wissenschaftlich definierbaren Begriffs von Gesundheit und Kindeswohl zu entziehen und ganz den ggf. kulturell vormodern gebliebenen sowie am Kinderkörper heilssichernde genitale Verstümmelungen anbringenden Stämmen auszuliefern:

    Es geht vielmehr darum, dass in der Mitte einer Gesellschaft, die im Ganzen immer säkularer wird, zwei Religionsgemeinschaften angekommen sind, die ihren Glauben – für die säkulare Mehrheit – verstörend anders, leiblich einschneidend erleben und bezeugen, als es das Christentum, vor allem das bürgerlich geprägte Christentum, tut. Mehr Säkularität und intensiverer Ausdruck einer als fremd erlebten Religion – in dieser Konstellation steckt viel Sprengstoff, der offensichtlich an einem Urteil in die Luft gegangen ist, das wenig bis gar kein Verständnis für die existentielle Bedeutung von Glauben mehr hat. …

    Zum Kindeswohl können wir Menschenkinder gar nichts Genaues wissen. Die Beschneidung, so Dabrock, sei durchaus harmlos. Eltern bestimmen, was für das Kind gut ist:

    3. Der nicht bestimmbare Kern der Debatte: das Kindeswohl

    Laienhaft formuliert: Die Eingriffsstiefe dieser tatbestandlichen Körperverletzung ist verfassungsrechtlich nicht als kategorisch inkompatibel mit dem Kindeswohl zu behaupten, das erstrangig durch das Elternrecht der Erziehung, auch der religiösen, umgesetzt wird. Lassen Sie mich über das verfassungsrechtsdogmatisch von Herrn Kollegen Höfling überzeugend Ausgeführte hinaus an einige Argumente in der Debatte erinnern, die mich bis jetzt überzeugen, dass Kindeswohl und aus religiösen Gründen vorgenommene Beschneidung an nicht-einwilligungsfähigen Jungen nicht unvereinbar sind. …

    Dabrock scheint die weltweit reichlich vorhandenen Erkenntnisse zu den prinzipiellen gesundheitlichen, psychischen und sexuellen Schädigungen der medizinisch unnötigen Zirkumzision nicht zu kennen:

    Uns fehlt für ein gesicherteres ethisches und juristisches Urteil eine solide Grundlage medizinischer Daten. Könnten wir sicher sagen: „Die Beschneidung ist medizinisch ganz unproblematisch“, dann hätten noch viel mehr Menschen den Eindruck, dass die Entscheidung für oder gegen eine Beschneidung an Kindern eine Frage des ästhetischen oder religiösen Geschmacks sei. Und umgekehrt: Wüssten wir sehr klar, dass selbst eine lege artis durchgeführte Beschneidung massive Traumatisierungen und Nebenwirkungen zur Folge hätte, wäre die gegenteilige Konsequenz zu erwarten. Aber so ist es nicht.

    Wir haben viele Studien, wir haben allerlei Empfehlungen. Aber von außen beobachten wir einen Streit der Schulen, deren Publikationen offensichtlich von den entweder religiös oder säkular motivierten Ambitionen ihrer Verfasser geprägt sind. Die einen reden von schweren Traumata, die anderen von zahlreichen Nebenwirkungen (ohne zu diskutieren, ob diese auch bei lege artis durchgeführten Zirkumzisionen eintreten würden), die dritten von medizinischen Vorteilen und Public-Health-Empfehlungen, die aber bekanntlich für andere Weltgegenden gegeben wurden. …

    Wenn eine nicht von Interessen geleitete Datenlage kaum zu finden ist, wie geht man mit diesem Interim-Zustand um? …

    4. Fazit und rechtspolitischer Ausblick

    1. Es wird bunter, aber auch spannungsvoller.

    Aufklärung und informierte Zustimmung setze ich voraus.

    Ausgleich zwischen medizinischen und rituellen Gesichtspunkten

    Nachgewiesen wirkungsvolle schmerztherapeutische Maßnahmen

    Schnell die Kleinsten genitalverstümmeln, denn die etwas älteren Kinder zwangsbeschneiden will der Schönredner dann doch nicht unbedingt:

    Dem Vorschlag des Kollegen Höfling, ein Vetorecht für ältere Jungen zu etablieren, kann ich ebenfalls viel abgewinnen.

    Das Bundesverfassungsgericht einzubeziehen, gefährdet für Peter Dabrock offensichtlich die gesellschaftliche Harmonie:

    Inhalt und Art der Debatte sind ein Auftrag an das Parlament, nach gesellschaftlichem und nach Rechtsfrieden zu suchen. Das ist seine Aufgabe – und nicht die des Verfassungsgerichts. Ich finde es eher beunruhigend, wenn ausgerechnet aus dem Parlament gen Karlsruhe gerufen und geblickt wird. …

    So lassen sich Kinderkörper und Rechtsstaat elegant kaputtquatschen. Das werdende europäische Kalifat darf das Penis-Design seiner Gehorsamspflichtigen festlegen, Stammvater Abraham verfügt wieder ganz über die Genitalien seines kindgewordenen Besitzes und auch alle anderen Eltern dürfen bei der Male Genital Mutilation (MGM) mitmachen. Die Legalisierung der FGM Typ Ia (und ggf. auch Typ IV) wird zeitnah folgen, Typ Ib bekommen die Schafiiten vielleicht ja auch noch hin.

    http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/plenarsitzung-23-08-2012-dabrock.pdf



    DEUTSCHER ETHIKRAT

    Religiöse Beschneidung

    Öffentlicher Teil der Plenarsitzung am 23. August 2012

    http://www.ethikrat.org/sitzungen/2012/religioese-beschneidung

  64. Bragalou Says:

    A Dutch doctor in South Africa has published graphic images of penises mutilated during botched circumcision ceremonies, angering community leaders who accuse him of meddling in their culture.

    Dr Dingeman Rijken said he had set up a website to reveal the „dark secrets of the ritual“ because traditional leaders had shown „shocking“ indifference and incompetence to the annual toll of death and injury.

    The leaders have condemned Rijken for breaking a cultural taboo and reported his site to South Africa’s Film and Publication Board, demanding it be shut down.

    Every year thousands of teenage boys from the Xhosa group embark on a secretive rite of passage in Eastern Cape province …

    Explaining his reasons for going public, Rijken writes: „Winter 2012. Groups of young boys with white faces were brought out of a secret dark world into glaring hospital lights. Sunken eyes from dehydration, flaky skin from malnourishment, bagged eyes from sleep deprivation.

    „Frequently you would smell the rotting when they were walking past. I spend many hours cleaning their wounds, trying to insert urinary catheters in their botched penis, battling to explain 17-year-olds that they had lost their manhood.“

    (…)

    aus: South African traditional leaders attack graphic male circumcision website
    von: David Smith in Johannesburg
    in: The Guardian 29.01.2014

    http://www.theguardian.com/world/2014/jan/29/south-africa-doctor-website-botched-male-circumcision-criticised

    ::
    ulwaluko.co.za, named after the Xhosa language word for initiation into manhood

    Every single initiation season the media writes about complications accompanying the ritual: death, mutilation, physical abuse and torture. The magnitude of these complications is horrific: from 1995 till now 825 boys have lost their lives in the mountains and hills of the Eastern Cape. Many others were mutilated or even lost their manhood.

    Male genital mutilation

    The seasonal deaths and mutilations have become predictable. This summer 43 boys have died in abominable conditions. Forty-three totally avoidable deaths! Why do we sustain a ritual that slaughters boys in the prime of their age and physically and mentally scars many others for life?

    http://ulwaluko.co.za/

  65. Bragalou Says:

    ebenfalls am
    20. Juli 2012
    ::

    … Im Ersten Buch Mose, das zugleich auch das erste Buch des christlichen Alten Testaments ist, heißt es: „Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. […] Das soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. […] Und wo ein Mannsbild nicht wird beschnitten an der Vorhaut seines Fleisches, des Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, darum dass es meinen Bund unterlassen hat.“

    Gläubige Juden gehen demnach davon aus, dass ein Verbot der Beschneidung gar nicht eingehalten werden kann, denn hier steht der Bund mit Gott auf dem Spiel. Die meisten Juden würden nach einem Verbot deshalb aus Deutschland auswandern, kritisieren orthodoxe Rabbiner – vertrieben aus einem Land, das in der Vergangenheit immerhin schon einmal versucht hat, sie als Volk vollständig auszulöschen.

    Das aber ist nicht das Ziel des Kölner Urteils und sicher nicht der Wunsch der Richter. Das Urteil richtet sich ja nicht gegen Juden als solche oder gegen das jüdische Volk. Denn zu diesem Volk gehört man, wenn die leibliche Mutter Jüdin ist. Darüber entscheidet nicht die Beschneidung. Und niemand käme wohl auf die Idee, etwa Albert Einstein zu einem Nichtjuden zu erklären, nur weil er nicht an einen Gott glaubte, mit dem man als Jude einen besonderen Bund eingehen könnte. „Ich glaube“, erklärte er, „an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Handlungen der Menschen abgibt.“ Baruch de Spinoza (1632 – 1677) war ein jüdischer Philosoph, der wegen eben dieses Gottesbildes aus der jüdischen Gemeinde in Amsterdam ausgeschlossen wurde.

    … Schätzungen gehen von ein bis zwei Prozent jüdischer Jungen aus, die in den vergangenen zehn Jahren geboren und nicht beschnitten wurden, berichtete kürzlich die israelische Zeitung Haaretz. Eine Umfrage des israelischen Internetportals Mamy, schreibt die Zeitung weiter, hatte 2006 festgestellt, dass sogar 3,2 Prozent von fast 1400 jüdischen Eltern von Jungen angaben, das Ritual nicht vollzogen zu haben. Und fast ein Drittel der Eltern hätte gern darauf verzichtet, ließ die Beschneidung aber vor allem aufgrund von sozialem und familiärem Druck vornehmen. Organisationen wie Ben Schalem, Kahal und Jews Against Circumcision unterstützen jüdische Eltern in ihren Zweifeln am Ritual.

    Unbeschnittene Jungen sind bislang allerdings noch Außenseiter, denen der Rabbi die Bar Mizwa verweigern kann – die Aufnahme in die Gemeinde und das Erreichen der religiösen Mündigkeit mit dreizehn Jahren. Auch ob sie auf einem jüdischen Friedhof beerdigt werden, hängt davon ab, wie orthodox der Rabbi der jeweiligen Gemeinde ist.

    Auch in der Union Progressiver Juden will man nicht völlig ausschließen, dass in Zukunft irgendwann einmal selbst gläubige Juden über die strenge Einhaltung der Vorschrift diskutieren könnten. Derzeit hält man das allerdings für eine rein theoretische Frage. Zu bedeutend seien die Worte, die Gott der Heiligen Schrift zufolge an Abraham gerichtet hat.

    Zu den großen Errungenschaften unserer Gesellschaft gehört die Freiheit der Religion, die leider noch viel zu häufig verteidigt werden muss. Zu den großen Errungenschaften gehört aber auch der Anspruch, dass jeder einzelne Mensch Respekt verdient, ungeachtet des Geschlechts, der Herkunft, der Religion, des Berufs. Das gilt für den Hartz-IV-Empfänger, den Asylbewerber, den Obdachlosen. Und das gilt uneingeschränkt auch für jedes Kind.

    Deshalb bleibt selbst nach der möglichen Einführung eines neuen Gesetzes die Frage bestehen: Darf dessen Recht auf körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit ausgehebelt werden durch eine religiöse Vorschrift aus dem vierten Jahrtausend vor unserer Zeit oder andere uralte Traditionen? Auch religiöse Menschen sollten bereit sein, darüber eine offene, ehrliche, faire und vor allem nachdenkliche Auseinandersetzung zu führen. …

    aus: Beschneidung bei Juden und Muslimen
    von: Markus C. Schulte von Drach
    in: Süddeutsche 20.07.2012

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/streit-um-das-beschneidungsurteil-ratio-zwischen-recht-und-religion-1.1411544

  66. Bragalou Says:

    Er habe es einfach nicht mehr länger ausgehalten, erzählt der junge Mann der Reporterin der BBC. Ununterbrochen sei er von seinen Klassenkameraden gehänselt worden: Mit seiner noch intakten Vorhaut, hätten selbst seine Freunde gespottet, sei er trotz seiner 18 Jahre in Wahrheit noch ein Junge und kein richtiger Mann. Der Gehänselte zog schließlich die Konsequenz: Ohne seinen Eltern Bescheid zu sagen, meldete er sich bei einer Initiations-Schule an, um das vierwöchige Ritual hinter sich zu bringen, das aus Jünglingen Männer machen soll. Heute liegt der junge Südafrikaner im Krankenhaus – um seine Männlichkeit ist es endgültig geschehen. Vor wenigen Tagen verlor er seinen Penis, der sich bei der Beschneidung entzündet hatte und schließlich wie ein übel riechender Fremdkörper abgefallen war.

    In gewisser Weise hatte der Spross aus dem Xhosa-Volk noch Glück. Denn zumindest lebt er noch: Nicht wie die über siebzig Jünglinge, die allein in dieser Saison dem traditionellen Ritus am Kap der Guten Hoffnung zum Opfer gefallen sind. Winter für Winter verwandeln sich die grünen Hügel der Ostkapprovinz in Leichenfelder für Möchtegernmänner – geopfert auf dem Altar der Tradition.

    Der Brauch ist Hunderte von Jahren alt. Will ein Xhosa-Junge zum Mann werden, muss er „in den Busch“ oder „auf die Berge gehen“: Poetische Umschreibung eines dreiwöchigen Aufenthalts in einem sämtliche Annehmlichkeiten entbehrenden Lager, in dessen Mittelpunkt die Beschneidung steht. „In meiner Tradition kann ein Unbeschnittener nicht die Güter seines Vaters erben“, schreibt Nelson Mandela in seiner Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“: „Er kann nicht heiraten und keine Stammesrituale leiten. Ein unbeschnittener Xhosa-Mann ist ein Widerspruch in sich.“

    (…)

    Nicht allen ist das Glück eines perfekten Schnitts vergönnt. Oft entzünden sich die mit nicht sterilisierten Messern geschnittenen Wunden und werden dann von den Inkhankatha lediglich mit Kräutern behandelt. Häufig verbänden die medizinischen Laien den Schnitt dermaßen unfachmännisch, dass sich die jungen Männer eine Blutvergiftung zuzögen, berichtet Doktor Rijken: Die Folge ist der Verlust der Geschlechtsteile oder gar der Tod des Initianten.

    Allein in dieser Saison begannen weit über 300 Xhosa-Burschen die ersten Wochen oder gar Monate ihres Mannseins im Hospital, fast vierzig starben. Vermutlich waren es sogar noch mehr: Denn Pannen bei der Zeremonie werden so gut es geht geheim gehalten. Der Tradition entsprechend würden verstorbene Jungs gleich „vor Ort“ begraben, weiß Oppositionspolitiker George Boinamo: Die Familien werden erst nach der Beerdigung informiert.

    (…)

    Seit der jüngsten Welle der Todesfälle weht den Traditionalisten allerdings der Wind ins Gesicht. „Es reicht!“, erregt sich Gesundheitsminister Motsoaledi, und selbst der traditionsbewusste Staatspräsident Jacob Zuma zeigt sich „erzürnt“ über die „schockierend hohe Zahl“ der verstorbenen Initianten. Inzwischen wurden in der Ostkap-Provinz sogar fünf Mitglieder einer Initiationsschule wegen Mordverdachtes festgenommen …

    aus: Wer ein echter Mann sein will
    von: Johannes Dieterich
    in: Frankfurter Rundschau 31.07.2013

    http://www.fr-online.de/panorama/beschneidung-in-suedafrika-wer-ein-echter-mann-sein-will,1472782,23773402.html

  67. Dwarslöper Says:

    Zum andern karikiert der Gesetzesentwurf das vom Ethikrat geforderte Vetorecht des minderjährigen Jungen, wenn von den beschneidungswilligen Eltern bloß verlangt wird, sich „mit dem entgegenstehenden Kindeswillen auseinanderzusetzen“.152 Nicht Auseinandersetzung mit dem Unwillen des Kindes schulden die Eltern ihrem Jungen, sondern Achtung seines Willens.

    Erläuterungen zum neuen § 1631d BGB – Beschneidung des männlichen Kindes. Von Privatdozent Dr. Jörg Scheinfeld, Mainz

    http://www.jura.uni-mainz.de/zopfs/Scheinfeld_Erlaeuterungen_zum_neuen_1631d_BGB_%28HRRS_2013_268-283%29.pdf

    Scheinfeld – Erläuterungen zum neuen § 1631d BGB – Beschneidung des männlichen Kindes. HRRS Juli/August 2013 (7-8/2013).

    https://www.juris.de/jportal/prev/SILU000202613

  68. Dwarslöper Says:

    auch hier auf hrr

    Erläuterungen zum neuen § 1631d BGB – Beschneidung des männlichen Kindes

    Von Privatdozent Dr. Jörg Scheinfeld, Mainz

    http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/13-08/index.php?sz=8

  69. Edward von Roy Says:

    ::

    Die Beschneidung gesetzlich gestatten?
    ZIS 10/2012

    Von Prof. Dr. Rolf Dietrich Herzberg, Bochum

    Der Bundestagsbeschluss v. 19.7.2012 fordert von der Bundesregierung den Entwurf eines Gesetzes. Es soll sicherstellen, „dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist“. Und es soll dabei grundgesetzlich geschützte Rechtsgüter, u.a. das „der körperlichen Unversehrtheit“, berücksichtigen. Wie das? Was erlaubt werden soll, die Abtrennung der Vorhaut, lässt sich nur unter Zurücksetzung, d.h. Nichtbeachtung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit durchführen. Es zu „berücksichtigen“ heißt doch wohl, an dem Verbot festzuhalten, das aus dem Gesetz folgt. Hier scheint aber gemeint, dass man es nicht ganz außer Acht lassen und der gesetzlichen Ausnahmeerlaubnis, Kindern die Vorhaut abzutrennen, wenigstens Grenzen ziehen soll.

    Vorgelegt hat die Bundesregierung Anfang Oktober 2012 einen „Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz“, überschrieben mit „Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes“. Vorgeschlagen und zur Diskussion gestellt wird ein Regelungstext, der als § 1631d ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen werden soll …

    Der Regierungsentwurf sieht es anders. Er regt die Schaffung eines Rechtfertigungsgrundes an, den der Strafrichter verneinen muss, wenn er „durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet“ sieht. Rein theoretisch könnte der Richter über diesen Vorbehalt jede medizinisch unnötige Jungenbeschneidung der Rechtfertigung entziehen. Er müsste nur die Tat dahin gehend bewerten, dass sie als irreversible, riskante und mit erheblichen Schmerzen verbundene Körperverletzung das Kind es wohl gefährde (und tatsächlich beeinträchtige), und zwar in allen Fällen, auch im praktisch wichtigsten Fall der rituellen Beschneidung. Die Entstehungsgeschichte des neuen § 1631d BGB würde uns aber belehren, dass der Richter es so nicht sehen soll. Die Rechtfertigungsnorm durch ein strenges Kindeswohlverständnis, so einleuchtend es auch sei, gegenstandslos machen darf er nicht. Er soll ihr eine Art unwiderlegliche Vermutung des Inhaltes entnehmen, dass jedenfalls eine nach der lex artis durchgeführte rituelle, dem jüdisch-religiösen oder muslimisch-religiösen Zweck dienende Beschneidung das Kindeswohl nicht gefährde. Andererseits: Auf das religiöse Motiv beschränkt sein soll die Rechtfertigung auch wieder nicht. …

    Aber angedeutete Empfehlungen zur Zweckbewertung in den Materialien sind keine gesetzlichen Festlegungen. Außerhalb des (religiösen) Kernbereichs ist die in Abs. 1 S. 2 geforderte Wertung im Grunde dem Belieben des Richters überlassen. Er muss keineswegs, aber er kann z.B. die Zwecke der Onanieverhinderung, der Penisverschönerung, der Erleichterung des Waschens oder der Geschwisterangleichung (s.o. I.) missbilligen und die so motivierte Tat bestrafen. Denn bei solcher Zwecksetzung, könnte er sagen, werde die Beeinträchtigung des Kindeswohls durch Raub des sensibelsten Penisteiles von keiner guten Absicht aufgewogen.

    Diese Bewertungsfreiheit bedeutet eine große Rechtsunsicherheit. Sie wird vermieden, wenn man dem Motiv überhaupt keine Relevanz gibt. Genau so könnte man, wie unter I. schon gesagt, den Bundestagsbeschluss v. 19.7.2012 verstehen, und seine Sicht der Dinge scheint sich zu verbreiten: Weg von der so überaus heiklen Berufung auf die Religionsfreiheit, …

    Die vorgesehene Beschneidungserlaubnis fügt sich ein in einen Komplex von Vorschriften, die im Einzelnen bestimmen, welche Rechte und Pflichten die Eltern haben – im Rahmen ihrer stets „zum Wohl des Kindes“ auszuübenden „Personensorge“. Mit dem Wohl des Kindes ist aber die schwere Verletzung, die ihm der Beschneider antut, gar nicht vereinbar. Die Argumente pro Kindeswohlförderung erweisen sich, wie dargelegt, bei genauerer Betrachtung als nicht stichhaltig. Wenn es in der Familie um jemandes Wohl geht, dann um das der Eltern, die mit der Beschneidung eine religiöse Pflicht zu erfüllen, eine Tradition zu pflegen und vielleicht auch einem Gruppendruck zu gehorchen bestrebt sind. Intuitiv erfassen das auch die Apologeten des Elternrechts auf Kinderbeschneidung, denn den Akzent legen sie immer auf das elterliche Recht, ihre Religion auszuüben, und nicht etwa auf die elterliche Pflicht, ihr Kind zu „pflegen“. Es ist ja schon auf den ersten Blick eine geradezu aberwitzige Annahme, man könne ein Kind dadurch pflegen und seinem Wohl dienen, dass man ihm den sensibelsten Teil seines Geschlechtsorgans, der für das Empfinden sexueller Lust besonders wichtig ist, abschneidet. Die vorgeschlagene Rechtfertigungsnorm fingiert sozusagen die Vereinbarkeit mit dem Kindeswohl für einen Eingriff, ohne sich dazu zu bekennen, dass er eine schwerwiegende Körperverletzung und dem Kindeswohl in Wahrheit abträglich ist. In den langen Ausführungen der Autoren findet sich nirgendwo eine Begründung, weshalb im Normalfall der Beschneidung, den Abs. 1 S. 1 erfasst, die Abtrennung eines wichtigen, schützenden, hochsensitiven gesunden Körperteils von einem gesunden Körper das Kindeswohl nicht sofort beeinträchtige und für die Zukunft gefährde. Es wird dies nur behauptet, indem der Regelungstext die Kindeswohlgefährdung in Abs. 1 S. 2 als Ausnahme hinstellt.

    Damit verschleiert der Gesetzentwurf, worum es eigentlich geht: Um eine tatbestandsmäßige Körperverletzung, die in Wahrheit nicht zum Wohl des Kindes erlaubt wird (wie z.B. eine Blinddarmoperation oder wohl auch noch das psychisch indizierte Anlegen der Ohren), sondern – unter Inkaufnahme seiner Minderung – zur Befriedigung der Interessen anderer Personen. Das Kind ist Opfer einer Körperverletzung, die deshalb erlaubt sein soll, weil wichtige Interessen außerhalb seiner Person sie gebieten. In den allermeisten Fällen ist es das Interesse der Eltern an der Erfüllung einer religiösen Pflicht. Das macht die Situation der Eltern mit einer Notstandslage vergleichbar. …

    Gar nicht beachtet haben die Autoren des Entwurfs einen zweiten Widerspruch. Ich meine den Wertungswiderspruch zwischen dem geplanten § 1631d BGB und dem schon geltenden § 1631b BGB. Das Einwilligungsrecht, das den Eltern eingeräumt werden soll, bedeutet für sie die Erlaubnis, auf die Begehung einer Körperverletzung (§ 223 StGB) zum Schaden des Kindes hinzuwirken, und für den Beschneider die Rechtfertigung bei der Erfüllung des Tatbestandes. Den Referenten war natürlich eines klar: Sie durften diese Gestattungen nicht an die Voraussetzung binden, dass die Beschneidung, obwohl ohne Heilungssinn, das Wohl des Kindes positiv fördert. …

    Dieser Wertungswiderspruch bekräftigt unseren Befund. Anders als bei der gesetzlichen Erlaubnis der Unterbringung geht es bei der für die Beschneidung geplanten nicht um das Interesse des Kindes, um den Schutz und die Förderung seines Wohls. Vielmehr handelt es sich um einen Konflikt von Interessen, den der Gesetzgeber zulasten des Kindes und zugunsten der Eltern entscheiden soll. Die Rechtfertigungsnorm, die diese Entscheidung trifft, sollte sich nicht tarnen als eine Bestimmung, die eine besondere Maßnahme der „Personensorge“ zur „Pflege“ und zum „Wohl des Kindes“ erlaubt.

    Darum mussten sich die Referenten mit einer Annahme begnügen, die zwar auch falsch, aber nicht so offensichtlich falsch ist: Die medizinisch unnötige Beschneidung sei im Normalfall kindeswohlneutral, nur ausnahmsweise gefährde sie das Kindeswohl.

    Der Arzt Prof. Dr. Feurle berichtet in der FAZ vom 6.7.2012 von eigenen Erfahrungen, die er in einem Krankenhaus in New Jersey, USA, gemacht hat: „Nach örtlicher Desinfektion musste zunächst die Vorhaut mit der gezähnten Pinzette gefasst und von der Glans gelöst werden. Schon dabei schrien die Kinder erbärmlich. Als die Vorhaut dann mit der gebogenen Schere in mehreren Etappen rings abgeschnitten wurde, schrien die Kinder dermaßen, dass ihnen manchmal der Atem stockte und sie blau im Gesicht wurden. Mit aller Kraft versuchten sie, sich von ihren Fesseln zu lösen“. Später wirkt es sich aus, dass die Beschneidung dem Opfer irreversibel fast 70 % des sensorischen Penisgewebes raubt mit der unweigerlichen Folge eines erheblichen Sensibilitätsverlustes. Es ist abwegig, Misshandlung, Qual und Kindeswohlverletzung mit der Begründung zu bestreiten, die Eltern wollten die Operation zum Besten des Kindes, sie handelten aus Liebe und religiöser Fürsorge. …

    Lässt aber der Politiker sich nicht trösten und tritt er an die Öffentlichkeit mit dem Vorwurf, er sei nun infolge der Eigenmacht des Arztes lebenslang genitalverstümmelt, so droht ihm die nächste Belehrung; und zwar die bielefeldtsche Rüge, das sei aber eine „diskreditierende Bezeichnung“, die ja den unschädlichen Akt empörender Weise mit der Genitalverstümmelung von Mädchen gleichsetze „und unter Juden und Muslimen daher tiefe Verbitterung“ auslösen müsse. Aber Betroffenen und Kritikern das Wort „Verstümmelung“ zu verbieten, weil die Beschneidungsbefürworter lieber den gärtnerischen Euphemismus hören und gebrauchen, ist natürlich Unfug. Wer einem Menschen, ob Kind oder Erwachsener, den sensibelsten Teil seines Geschlechtsorgans raubt, der verstümmelt ihn an diesem Organ, wie er durch die Amputation des kleinen Fingers die Hand verstümmeln würde. Dass der Penis für den Geschlechtsverkehr mehr oder weniger tauglich bleibt, wie die Hand zum Greifen, tut nichts zur Sache. Der Geist, in welchem der Akt vollzogen wird, mag ihn in den Augen der Gläubigen zu einer heiligen, einer von Gott gewollten, einer den Bund mit Gott stiftenden Verstümmelung machen, aber er bleibt, was er ist: eine Verstümmelung.

    http://www.zis-online.com/dat/ausgabe/2012_10_ger.pdf

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