298. Die Pazifistin und die rituelle Beschneidung

الخِتان

al-ḫitān

Beschneidung

Wenig paradiesisch: Eva und die Vorhaut

Von Jacques Auvergne am 08.08.2012

Wie kann jemand, der im Spätsommer 2010 gegen die Burka angeschrieben hat und vier Wochen eher gegen die politischen Folgen der Scharia unterzeichnet, 2012 für die religiöse Beschneidung eintreten, wenn sie nur unter einer das Kind kräftig benebelnden Narkose durchgeführt wird?

Bei aller noch zu erwartenden oder bereits hörbar gewesenen Erpressungstaktik von schrecklichen Penis-Verwundungen bei stümperhaften Hinterhofbeschneidungen ist die Verlagerung eines angeblich das Heil der Seele sichernden Rituals in ein Hospital, ist die Medikalisierung der Amputation einer hoch sensiblen Hautfalte am maskulinen Kindergenital für jeden Freund des Aufklärungshumanismus und der Universalität der Menschenrechte keine sozialpädagogische oder juristische Option.

Zirkumzisionsfreundin Eva Quistorp meldet sich am 17. Juli 2012 zum Thema Ritualbeschneidung (Ḫitān bzw. Brit Mila) bei Perlentaucher zu Wort (Wider die postmoderne Religionspolitik) und ruft nun nicht etwa nach dem, kulturell modern, endlich durchgesetzten Verzicht auf gottesfürchtige Entfernung gesunden Genitalgewebes am Kinderpenis, sondern nach dem durchgesetzten Einsatz von Opiaten für “kleine Jungen” bzw. “kleine Jungs”. Ja, die gute alte Kinderzeit; kleine Jungen klingt so familienidyllisch-traut, scharfes Denken stört da die Romantik (scharfes Messer nicht?) und kleine Jungs klingt sogar ein wenig nach Pipimachen.

Nanu, “Juden” und “Muslime” sind nicht einfach als Staatsbürger misszuverstehen, sondern gleichen, ein wenig wie die in die europäische Fauna hinein immigrierten Waschbären oder Halsbandsittiche, einer Art zugewanderter Spezies? Frau Quistorp jedenfalls wünscht sich allen Ernstes:

“Ich habe nichts gegen eine Kompromisslösung zur Beschneidung von kleinen Jungs bei Juden und Muslimen, wenn sie betäubt werden und daraus kein Gruppenzwang wird … [und ich finde den Versuch von Volker Beck und Renate Künast anerkennenswert, zeitnah] eine juristische Klärung und einen Kompromiss zu erreichen, der zumindest auf der Schmerzbetäubung besteht bei der Beschneidung kleiner Jungen.”

Das ist argumentativ und ethisch widerlich und verstößt gegen die Normen von körperlicher Unversehrtheit und Menschenwürde. Hier heißt es deshalb, auf den groben Klotz der Eva Quistorp einen genau so groben Keil zu setzen bzw. paradox zu intervenieren, um Menschenfeindlichkeit zu erkennen und zu verwerfen; wollen wir denn etwa ab morgen sagen:

“Ich habe nichts gegen eine Kompromisslösung zur Beschneidung von kleinen Mädchen, wenn sie betäubt werden und daraus kein Gruppenzwang wird … [lassen Sie uns versuchen] eine juristische Klärung und einen Kompromiss zu erreichen, der zumindest auf der Schmerzbetäubung besteht bei der Beschneidung kleiner Mädchen.”

Das wollen wir natürlich nicht, Kinder und Jugendliche, einerlei ob weiblich oder männlich, haben Anspruch auch gewaltfreies Heranwachsen und unversehrte Geschlechtsorgane. Beschneidung ist Gewalt (mit oder ohne Opium).

Emanzipatorisch tuend bei Perlentaucher zu lärmen, die wortwörtliche Lesart der so genannten Heiligen Schriften sei ja irgendwie so was von ewiggestrig, aber im selben Text die Jungenbeschneidung mit einem Paragraphen durchsetzen wollen, in den klinische Betäubungsmittel sozusagen integriert sind, DAS ist postmodern![1]

Sehr geehrte Frau Quistorp, was ist geschehen: Sie schrieben schon mal viel besser, etwa, als Sie gegen die Burka argumentierten; genau so sollten Sie auch mit der Zirkumzision umgehen:

“Das ist ein Verfall der Diskussions- und Denkkultur, die kohärent und auch in komplexen Zusammenhängen denken muss. Es muss daran erinnert werden, dass bis in die 70er Plakate und Filme de facto als “blasphemisch” zensiert wurden. Soll das Rad wirklich dorthin zurückgedreht werden?” (Lüftet den Schleier, 11.08.2010)[2]

Ersetzen wir im Text gegen die kulturrelativistischen Burkaverteidigerinnen nur ein Wort, und lesen zuerst, Eva Quistorp:

“Inzwischen wird Religionsfreiheit in der deutschen Debatte aber zu häufig absolut gesetzt und von den anderen Grundrechten abgekoppelt. Es ist nicht den Traditionen des Grundgesetzes und der europäischen Aufklärung und Demokratie entsprechend, wenn die Religionsfreiheit jetzt über die anderen Freiheiten erhoben wird und einige intellektuelle Frauen meinen, die Burka verteidigen zu müssen.”

Jetzt um ein paar Buchstaben abgewandelt, das “Frauen” lassen wir beim Thema Jungenbeschneidungslobby auch mal stehen:

“Inzwischen wird Religionsfreiheit in der deutschen Debatte aber zu häufig absolut gesetzt und von den anderen Grundrechten abgekoppelt. Es ist nicht den Traditionen des Grundgesetzes und der europäischen Aufklärung und Demokratie entsprechend, wenn die Religionsfreiheit jetzt über die anderen Freiheiten erhoben wird und einige intellektuelle Frauen meinen, die Beschneidung verteidigen zu müssen.”

Und wie soll “Ein glaubwürdiges Bekenntnis zur FdGO, besonders unter Berücksichtigung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der negativen Religionsfreiheit, der Meinungsfreiheit auch in religiösen Angelegenheiten und der sexuellen Selbstbestimmung” aussehen, wenn die Eltern des heute Erwachsenen bestimmt haben, ob Klitorisvorhaut, Präputium oder Klitorisspitze religiös gebilligt vorhanden sind oder in Kindertagen religiös begründet abgetrennt worden sind? Den Satz hat Quistorp 2010 signiert, Grüne gegen Scharia:[3]

Der demokratiegefährdend trickreiche, schariafreundliche grüne Ausweg ist die Ritusbezogenheit:

“Bei sämtlichen Verhandlungen – insbesondere bei geplanten Staatsverträgen mit islamischen Verbänden – muss ein öffentlicher, unrückholbarer Verzicht auf die nicht-ritusbezogenen, also rechtlich-politischen Teile der Scharia garantiert werden. Wenn dieser Verzicht von den islamischen Organisationen und Verbänden anlässlich von geplanten Abkommen mit Regierungsstellen und anderen offiziellen Institutionen nicht geleistet wird, kann es zu keinen Vereinbarungen kommen.”

Beschneidung ist Hadithbefehl, nachzulesen bei Buchari, Beschneidung ist reinster Wille Allahs, reinste zeitlose Scharia. Und Beschneidung ist ein vom der Zeitlichkeit unterworfenen Menschen auszuübender Ritus. Auch Talaq, Dhimma, Dschihad und Kalifat sind beides, sind ganz schariatisch-ewig und ganz Ritualpflicht, jedenfalls betont das manch ein Scheich. Ohne deine realisierten Muʿamalāt (mensch-menschlichen Pflichten nach Koran und Sunna) sind deine ʿIbadāt (gottesdienstlichen islamischen Pflichten) vergeblich, wer seinen Sohn schuldhaft nicht beschneidet, dessen Gebet wird bei Allah vielleicht ja gar nicht angenommen.

Ein schöner Satz aus dem offenen Brief zur Kritik am Wissenschaftsrat, Grüne gegen Scharia, ist bei der Achse des Guten archiviert:

“Wir sehen die Grundsätze der freiheitlichen Demokratie des Grundgesetzes durch den theokratischen politischen Islam und die verfassungswidrige Scharia gefährdet und fordern die zur Konferenz geladenen Politiker, Professoren und Journalisten sowie die bei der Tagung anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung dazu auf, die drohende Rechtsspaltung in Grundgesetz und Schariarecht zu verhindern. Menschen sind Staatsbürger, keine Angehörigen ethnoreligiös definierter Kollektive. Auch im Personenstands- und Familienrecht darf die Scharia in Europa nicht legalisiert werden.”

Hidschāb, Schleier ist Scharia. Ḫitān, Beschneidung ist Scharia.

Den einseitig beschneidungsfreundlichen und damit grundsätzlich kinderfeindlichen Appell von Volker Beck und Renate Künast (Das ist keine Straftat, Berliner Zeitung vom 09.07.2012) als “Kompromisslösung” zu bezeichnen ist rhetorisch unredlich. Beck und Künast, denen Quistorp hier “wohltuende Differenzierung” attestiert, lassen dem kleinen Jungen eben gerade keine Differenzierung zwischen Vorhaut und keine Vorhaut. Sünnetci und Mohel schneiden das hoch sensitive Gewebe ab – im vermeintlichen Dienste der Abwehr des Bösen und der Erlangung des Wohlgefallens der Gottheit – ganz pauschal und undifferenziert. Oder, anders gesagt: differenziert wird nur zwischen vorher, unbeschnitten-kindlich-unerwachsen, und nachher, in den Männerbund initiiert und beschnitten sprich heiratsfähig, oder aber man unterscheidet, genauer man diskriminiert zwischen der sittlich höherstehenden Kultur der Beschneider und der sittlich minderwertigen Lebensweise der Nichtbeschneider.

Noch kein deutscher Imam sagt in einer Freitagspredigt, dass es ein gelingendes islamgemäßes Leben als männlicher Beschneidungsverweigerer geben kann. Das sollte sich ändern und das lässt sich erreichen.

Erwachsene dürfen sich an ihrem Genital oder woanders am Körper ästhetisch modellieren. Wir wollen weder die Beschneidung verbieten noch die Religion, sondern wir wollen die religiöse Beschneidung an Minderjährigen verbieten. Die so genannte Religionsfreiheit der Eltern wird nicht eingeschränkt, wenn sie keine genital mutilation an ihrem Kind vornehmen. Beschneidung ist Körperverletzung und schädigt das Kind an Körper und Psyche. Beschneidung ohne medizinische Begründung ist brutal und gegenaufklärerisch und widerspricht wissenschaftlichen Standards.

Sehr richtig – und erfreulicherweise war auch Eva Quistorp unter den Erstunterzeichnern: “Ein Islam, der nicht schulreif ist, schadet der Integration und gefährdet die freiheitliche Demokratie.” Einen Satz eher lesen wir zustimmend: “Jeder Schulunterricht hat in der Tradition der Aufklärung zu erfolgen und wissenschaftlichen Standards zu genügen.”

Genau, und weil oder obwohl der himmlische Beschneidungsbefehl im Islamischen Religionsunterricht (IRU) versetzungsrelevant gelehrt werden wird, hat auch jedes einzelne unserer Argumente zum Einsatz oder Nichteinsatz von Messern oder Skalpellen in Festsälen und Kinderzimmern im Rahmen so genannter heiliger Handlungen eben diesem Grundsatz zu entsprechen:

“hat in der Tradition der Aufklärung zu erfolgen und wissenschaftlichen Standards zu genügen.”

Sehr geehrte Frau Quistorp, das haben auch Sie abgezeichnet. Vor gar nicht so langer Zeit.

Vor vierundzwanzig Monaten.

Jacques Auvergne

[1] Eva Quistorp: Wider die postmoderne Religionspolitik

publiziert von: perlentaucher 17.07.2012

http://www.perlentaucher.de/essay/wider-die-postmoderne-religionspolitik.html

[2] Eva Quistorp: Lüftet den Schleier

veröffentlich bei: The European 11.08.2010

http://www.theeuropean.de/eva-quistorp/3984-burkaverbot-und-grundgesetz-2

[3] Grüne gegen Scharia

zu lesen auf: Die Achse des Guten 13.07.2010

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/print/0017076

14 Antworten to “298. Die Pazifistin und die rituelle Beschneidung”

  1. Jacques Auvergne Says:

    :::

    Norwegian official: Jews, Muslims should replace circumcision with ‘symbolic’ ritual

    Norway’s ombudsman for children’s rights has proposed that Jews and Muslim replace male circumcision with a symbolic, nonsurgical ritual.

    Dr. Anne Lindboe told the newspaper Vart Land last month that circumcision in boys was a violation of a person’s right to decide over his own body.

    “Muslim and Jewish children are entitled to the same protection as all other children,“ she said, adding that the practice caused unnecessary pain and was medically unbeneficial.

    Jewish Journal 06.08.2012
    (The Jewish Journal of Greater Los Angeles is the largest Jewish weekly outside New York City)

    http://www.jewishjournal.com/world/article/norwegian_official_jews_muslims_should_replace_circumcision_with_symbolic_r/

    :::
    :::

    Replace circumcision with symbolic ritual, says Norwegian children’s watchdog

    Norway’s ombudsman for children’s rights has proposed that Jews and Muslims replace male circumcision with a symbolic, nonsurgical ritual.

    Dr. Anne Lindboe told the newspaper Vart Land last month that circumcising boys was a violation of their right to decide over their own body.

    „Muslim and Jewish children are entitled to the same protection as all other children,“ Lindboe said, adding that the practice caused unnecessary pain and was medically unbeneficial.

    Lindboe, a pediatrician, was appointed ombudsman in June. Her predecessor, Reidar Hjermann, proposed setting 15 as the minimum age for circumcision. According to Jewish religious law, Jewish babies must be circumcised when they are eight days old. …

    Ervin Kohn, president of Oslo’s Jewish Community, said that Norwegian Jews „will not be able to live in a society where circumcision is forbidden.“ He noted that the mandate of Norway’s children’s ombudsman did not extend to devising Jewish rituals.

    Norway’s Jewish community has about 700 members.

    In June, a spokesperson for Norway’s Centre Party, which has 11 out of 169 seats in parliament, proposed a ban on circumcising babies.

    Haaretz 07.08.2012

    http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/replace-circumcision-with-symbolic-ritual-says-norwegian-children-s-watchdog-1.456443

    :::

  2. Cees van der Duin Says:

    Eva Quistorp sagt:
    August 23, 2012 um 3:27 nachmittags

    hier antwortet Eva QUistorp auf Jaques Auvergne
    wie kommen Sie dazu ,meinen essay Wider die postmoderne
    Religionspolitik so falsch zu lesen?Wenn ich es als wohl schwer zu ändernden Fakt aus verschiedenen Grünen anerkenne,
    dass wohl bei der Lage der Debatte und der Aufregung des Zentralrates der Juden und der Muslime, die mit SChlagworten
    wie Vertreiben und Verbieten Panikmache gemacht haben,das KÖlner Urteil nicht zu bundesweitem Recht werden wird ,habe ich
    nur eine Realität beschrieben und mir das nicht gewünscht
    Wünschen tue ich mir Religionen aller Arten und Staaten und SChulen udn Universitäten und MEdien und internetseiten,die
    zur Mündigkeit der Individuen und deren Vernunft und inneren Freiheit
    und Würde anregen,die über die dunklen Seiten der Religonen und
    von religiösen Hierarchien und Vereinen genug offen informieren und
    zu sinnvoller Traditionserneuerung und Reformen und Traditionskritik und KRitik falscher Autoritäten befähigen im Sinne
    der Universalität der Menschen und Frauenrechte wie sie in der Uno charta aber fuer Frauen vor allem in der CEDAW konvention
    erkämpft wurden durch viele Jahrhunderte hindurch,.IN allen Religionen
    gibt es mystische und aufklärerische und reformerische und liberale
    Traditionslinien und Theologieansätze und Ethiklehren,die sollten
    gegen die reaktionären und alt und neu patriarchalen Verengungen
    und Dogmatisierungen der Traditionen ,Texte und Bräuche gestärkt werden, wozu insgesamt ein breites Bildungsangebot und
    musische vielfältige Tätigkeiten aller Geschlechter gehören und
    der respekt gegenüber Minderheiten in den eigenen REligionen und
    der Wechsel von einer Religion zu anderen, wie zum Agnostikertum
    Das ist leider weltweit nicht die Realität,wobei auch das Reden
    über Multikulti und Respekt gegenüber den Kulturen dazu missbraucht wurde in den letzten Jahren und die Religionsfreiheit
    als sei da alles darin erlaubt und zu respektieren,obwohl es demokratischen und frauen und kinderfreundlichen Mentalitäten
    widersprechen und auch grausam oder sogar dumm sein kann,so
    wie es auch Dummheit in der Naturwissenschaft und Philosophie geben kann.Die historsich kritische Methode gegenüber heiligen Büchern und gegenüber Gesetzen und Bräuchen sollte fuer Demokratien nach 1945 und 1989 selbstverständlich sein und
    das selbständige Denken und die Kenntnis verschiedener Denkweisen und Religionen sollte im Kindergarten udn in Schulen
    und im Fernsehen gelehrt werden ,wenn wir gut zusammen leben wollen und voneinander lernen, statt uns abgrenzen zu wollen in
    Parrallelgesellschaften und Vereinsmeierei und Absolutsetzen
    einer Religion gar.
    Ich glaube, das judentum hat in seiner prophetischen udn liberalen Tradition mehr zu bieten als die bisherige BEschneidungsdebatte und der ISlam
    mit IBn Rushd und ABu Zaid mehr als KOpftuch, Burka, Beschneidungszwänge und gar SCharia in Europa
    Ich betrachte Seyran Ates und NEcla Kelek und ABu Zaid als
    meine MitstreiterInnen
    Eva QUistorp

    http://schariagegner.wordpress.com/uber/#comment-1900

  3. Cees van der Duin Says:

    ::

    Eva Quistorp (August 23, 2012 um 3:27 nachmittags, kommentiert auf dem Blog Schariagegner) windet sich wie ein Aal – und hat schon wieder nicht gesagt, dass sie die rituelle Vorhautamputation nicht will. Sie ist unsachlich genug, dem Sozialpädagogen Jacques Auvergne öffentlich zu unterstellen, ihren Beitrag falsch gelesen zu haben, entkräftet dessen prinzipiell beschneidungsgegnerische Argumente aber mit keiner Silbe.

    Theologin Quistorp verbreitet vielmehr einen amorphen Wortschwall aus irgendwelchem reformerischen Potential in den Hochreligionen verwirbelt mit irgendwie bedauernswerten bundesdeutschen Sachzwängen, implizit und wenig zufällig gipfelnd im sinngemäßen Fazit: „An einer Legalisierung der Jungenbeschneidung kommt die BRD nicht vorbei!“ Wie öffentlichg bekannt billigt Quistorp auch heute die nicht medizinisch indizierte Beschneidung. Und nichts anderes hat der pazifistische Sozialpädagoge und Beschneidungskritiker der pazifistischen Theologin und Beschneidungsfreundin vorgeworfen.

    Die beschneidungsbegünstigende Feministin könnte jetzt entweder so ehrlich sein, wiederholt sinngemäß: „Ja, ich will die MGM, aber nur mit Betäubung!“ zu sagen, das ist schließlich die nachweisbare Essenz ihres Essays Wider die postmoderne Religionspolitik, oder aber müsste endlich die Seite wechseln und öffentlich dafür eintreten, dass es in der kulturellen Moderne kein Elternrecht auf operative Mutilation des Kindergenitals gibt, aber eine Pflicht des Staates, dem Kind ein Selbstverständnis, Körperwahrnehmen und Sexualitätserfahren mit unversehrten eigenen Genitalien zu ermöglichen.

    Vielleicht um Halacha und Scharia zu entsprechen oder um Halacha und Scharia nicht zu widersprechen weicht Quistorp hingegen aus; wie eingangs gesagt: sie windet sich wie ein Aal. Das ist argumentativ unredlich und für mich als Naturschützer, Pazifist und Jungenarbeiter, der einmal geglaubt hat, sich in der Partei der GRÜNEN wieder zu finden, ziemlich enttäuschend.

    Immerhin ist klar, wer hier die Debatte zwischen dem Sozialpädagogen und der Theologin zum Thema Beschneidung gewonnen hat – argumentativ, ethisch und vielleicht schon bald ja auch juristisch.

    Cees van der Duin

    http://schariagegner.wordpress.com/uber/#comment-1900

    ::

  4. Kalevala Says:

    Vielen Dank für die vielen guten Hinweise und den eindeutigen aufklärungshumanistischen Standpunkt beim globalen Tabuthema Nummer eins, der Jungenbeschneidung.

    Wie wir wissen: Im Koran braucht etwas nicht zu stehen, damit es islamisch ist. Beschneidung ist Hadith, also Scharia. Solange Scharia (Allahs Wirken, Befehl und Gesetz) und Fiqh (islamische heilssichernde Jurisprudenz) nicht nicht moscheegemeindlich und islampädagogisch verworfen bzw. zurückgewiesen sind, wird kein Scheich oder Imam sagen, dass es ein gelingendes Leben als Unbeschnittener geben könne.

    Warum überhaupt Penis-Mutilation, wie kam die unteilbare eine Menschheit zum heiligen Vorhautabschneiden? BRUNO BETTELHEIM (“Symbolic Wounds. Puberty Rites and The Envious Male”, deutsch als: Symbolische Wunden: Pubertätsriten und der Neid des Mannes) hat umfassend zum Them Zirkumzision gearbeitet. Die Initiation in den Jägerbund der Monopolisten auf das Maskuline (und Feminine) und der Himmelswächter; heutige Hochreligionen übernahmen die Beschneidung aus anderen Jahrtausenden.

    Beschneidung ist viel älter als die monotheistischen Religionen. Bruno Bettelheim sagt, die Zirkumzision versinnbildliche den Neid des Männerbundes auf die Gebärkraft der Frau und verherrliche die männerbündisch angeeignete Kraft des (geistigen, nun monopolhaft maskulinen spirituellen) Gebärens, was eine zweite Geburt erforderlich mache, bei dem das (jetzt männliche) Genital zu bluten habe wie bei der (jetzt überhöhten) biologischen Geburt. Beschneidung schafft das männliche (menschliche?) Kulturwesen, die Jäger haben sich die stammesgesetzliche Macht des Himmels angeeignet und hüten dieses Wissen (vor der Frau?).

    Religion aber ist uralt, religionsgeschichtlich gesehen ist selbst das Judentum sozusagen der letzte Schrei.

    Den Penis ganz abhäuten zur Abwehr der bösen Geister beispielsweise war am Roten Meer einst völlig üblich, es lebe die ethnic diversity und gesamtgesellschaftliche Toleranz:

    a form of skinstripping, was practiced along the Red Sea coast in Arabia and Yemen … Here, in an endurance ritual performed on a potential marriage candidate, skin was flayed from the entire penile shaft as well as from a region of the pubis.

    Oder diese Variante hier: Nach der Vorhautbeschneidung die Harnröhre auf der Penisunterseite der Länge nach aufschlitzen:

    subincision, was practiced primarily among Australian aborigines and on a few Pacific Islands. It consisted of a cutting open of the urethra on the underside of the penis down to as far as near the scrotum; the subincision ritual was generally preceded by a circumcision ritual.

    http://www.noharmm.org/geography.htm

    Im übrigen – selbst wenn die Steinigung (noch – vgl. ayat al-rajm, Steinigungsvers) im Koran stehen würde, könnten wir sie bei beibehaltenem Grundgesetz nicht legalisieren. Dass die Frau nur die Hälfte erbt steht hingegen im Koran und vielerlei Barbarei mehr.

    Wir haben universelle Menschenrechte und Kindeswohl gegen Schamanen, Rabbiner, Bischöfe und Muftis zu verteidigen.

    Abschließend ein paar Bilder:

    Beschneidung, Xhosa

    Beschneidung, Aboriginees

    http://www.monsoonstudio.com.au/data/photos/70_1Aboriginal_Boy_Ceremony_Peter

  5. intactivists are international. Intaktivisten weltweit Says:

    Global Intactivism –
    Intaktivismus weltweit vernetzt

    ***

    The Intactivism Pages

    http://www.circumstitions.com/

    Intactivists Blog

    http://intactivists.blogspot.de/

    MAC – Mothers Against Circumcision

    http://www.mothersagainstcirc.org/

    ERIC – End Routine Infant Circumsision

    http://www.4eric.org/

    D.O.C. – Doctors Opposing Circumcision

    http://www.doctorsopposingcircumcision.org/

    NOCIRC – National Organization of Circumcision Information Resource Centers

    http://www.nocirc.org/

    NOHARMM – National Organization to Halt the Abuse and Routine Mutilation of Males

    http://www.noharmm.org/

    NORM-UK

    http://www.norm-uk.org/

    SICS – Stop Infant Circumcision Society

    http://www.stopinfantcircumcision.org/SICSlink.htm

    SGI – Students for Genital Integrity

    http://www.studentsforgenitalintegrity.org/

    JAC – Jews Against Circumcision

    http://www.jewsagainstcircumcision.org/

    Beyond the Bris: Questioning Jewish Circumcision

    http://www.beyondthebris.com/

    ***

    Hier beispielsweise
    ERIC im Sommer 2012 im Interview über die deutsche Beschneidungsdebatte, bei THE INQUISITR
    http://www.inquisitr.com/287672/circumcision-ban-in-germany-heralded-by-intactivists-an-interview-with-eric-op-ed/

    Und nicht vergessen: Beschneidung erst ab 18

  6. Chronist Says:

    Beschneidung von Jungen, Falschinformationen der BZGA

    Kein Arzt kann es sich heute leisten, in der Patientenaufklärung mögliche Alternativen, Komplikationen und unerwünschte Folgen einer OP zu verschweigen. Immense Schadenersatz- oder Schmerzensgeldforderungen wären vorprogrammiert.Bleibt die Frage, weshalb dann aber die BZgA als eine Beratungseinrichtung mit einem öffentlichen Auftrag Jungen durchweg und nicht nur in den Broschüren ihrer Reihe „Sex’n Tipps“ derart oberflächlich, unvollständig und sogar falsch berät!Im 21. Jahrhundert allen Ernstes ein blutiges Ritual aus grauer Vorzeit als „Begründung“ oder gar „Trost“ für sinnlose Operationen an den Genitalien von Kindern (auch Jungen sind Kinder) heranzuziehen, ist zweifelsohne ein Wahnsinn an sich. Offen bleibt dabei, ob dieser Wahnsinn möglicherweise Methode hat …

    http://webjungs.de/jungs/mein_koerper_1/beschneidung-von-jungen-falschinformationen-der-bzga/

    Mario Lichtenheldt:

    Nur 2 der 107 Jungen mussten schließlich operiert werden – vorhauterhaltend! Auch diese Alternative wird von der BZgA, http://www.loveline.de und „@ttention“ verschwiegen. Keiner der Jungen musste beschnitten werden! Doch es bleibt nicht beim Verschweigen von für betroffene Jungen durchaus wesentlichen Informationen.

    ZITAT:

    „Viele Jungen befürchten, dass ihre Eichel ohne die Vorhaut nicht mehr so gefühlsempfindlich ist – das hat sich aber nicht bewahrheitet.“

    Falsch! Im Rahmen der schriftlichen – und, wenn sie korrekt verläuft, auch der mündlichen – Patientenaufklärung wird nämlich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die:

    ZITAT:

    „… Empfindlichkeit der Eichel … nach dem Eingriff vorübergehend, aber auch auf Dauer, erhöhen oder vermindern (kann).“

    Quelle: „Patienteninformation UroG 10 – Operation bei Vorhautverengung (Phimose, Paraphimose) – Beschneidung der Vorhaut“, DIOmed-Verlag, DIOmed-Aufklärungssystem 05/03, Bestell-Nr. 17/110 – Fettdruck im Zitat wie im Original.

    Der Patient bzw. seine Sorgeberechtigten unterschreiben dafür, diesen Hinweis erhalten zu haben! Abgesehen davon gibt es genügend Jungen und Männer, die unter derartigen Spätfolgen psychisch oder physisch leiden.

    Ein anderer Aufklärungsbogen erwähnt die Auswirkungen des Fehlens der nervenreichen Vorhaut für die (künftige) Sexualität:

    ZITAT:

    „Die Entfernung der empfindungsreichen Vorhaut kann das Sexualleben beeinflussen. Der Arzt wird dies mit ihnen besprechen.“

    Quelle:

    Merkblatt zum Aufklärungsgespräch mit dem Arzt/der Ärztin über die Operation bei Verengung der Vorhaut – Phimose – Uth 6 a, perimed Compliance Verlag Dr. Straube GmbH, 10/1992. In der Broschüre „Jungengesundheit“ der BzGA aus der Reihe „SEX’n Tipps“ erfährt unser 13jähriger Max u. a. folgendes:

    ZITAT:

    „Eine Phimose ist meistens angeboren und nicht weiter schlimm.“

    Das ist beruhigend und ausnahmsweise sogar richtig!

    ZITAT:

    „Es können sich aber Entzündungen an der Eichel bilden.“

    Also ist eine Phimose doch schlimm?

    ZITAT:

    „In einem solchen Fall würde man die Vorhaut mit einem kleinen Eingriff entfernen.“

    Und genau so oberflächlich und z. T. falsch wie hier wird das Thema Vorhautverengung (Phimose) auch in den anderen themenrelevanten Broschüren dieser Reihe abgehandelt. Wieder kein Wort über die Möglichkeit und die hervorragenden Erfolgsaussichten einer Salbentherapie; die Alternative der Vorhautdehnung wird allenfalls am Rande erwähnt, plastische, vorhauterhaltende Operationsverfahren (z. B. Triple Inzision), denen selbst die Deutsche Gesellschaft für Urologie den Vorzug gibt, scheint die BZgA überhaupt nicht zu kennen.

    Im Prinzip verschweigen die BZgA und ihre „Abschreiber“ reinweg ALLES, was für Max wirklich wichtig wäre.

    Dafür bekommen er und unzählige andere Jungen aber regelmäßig und beinahe zwanghaft die Information, dass Beschneidung bei Moslems, Juden und in den USA ja ohnehin entweder Tradition, Religion oder Routine sei.

    Dieser möglicherweise tröstlich gemeinte Hinweis indes verfehlt seinen Zweck, denn diese religiös oder vorgeblich hygienisch bedingten Beschneidungen haben mit Medizin reinweg nichts zu tun und können in vielen Fällen mit dem Attribut „grausam“ durchaus zutreffend beschrieben werden. Dazu kommt, dass Pharmakonzerne insbesondere in Nordamerika ein einträgliches Geschäft mit den vermeintlich aus hygienischen oder prophylaktischen Gründen amputierten Babyvorhäuten machen, indem sie das Gewebe beispielsweise zur Herstellung von Antifaltencremes verwenden.

    http://webjungs.de/forum/beschneidung-genitalverstuemmelung/ttention-gefahrlicher-unsinn/#p93

  7. Querverweis Says:

    :::

    Auch der Verband der Kinder- und Jugendärzte spricht sich gegen die Berliner Lösung aus. Der Präsident des Berufsverbandes, Wolfram Hartmann, erklärte im rbb-Inforadio, dass sich alle pädiatrischen Fachgesellschaften in Deutschland, einschließlich der Kinderchirurgen, einig sind, „dass das Selbstbestimmungsrecht des Kindes und das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit einen höheren Stellenwert haben als das Recht der Eltern, aufgrund religiöser Überzeugungen diese körperliche Unversehrtheit zu beeinträchtigen.“ Man werde sich weiterhin nicht an religiös begründeten Beschneidungen von minderjährigen Jungen beteiligen. Das gelte auch, nachdem der Berliner Senat diese Praxis rechtlich zugelassen habe. Hartmann sagte, dass sein Verband sich an einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht beteiligen werde, falls der Bund die Beschneidung gesetzlich zulasse.

    zitiert aus: Debatte um Beschneidung nimmt zu
    in: Die Welt 10.09.12

    http://www.welt.de/print/welt_kompakt/berlin/article109114449/Debatte-um-Beschneidung-nimmt-zu.html

    :::
    :::

    Berlin. Einmischung in uralte Traditionen, unzureichend, falsch – der Vorstoß des Landes Berlin, die religiös motivierte Beschneidung von muslimischen und jüdischen Jungen rechtlich abzusichern, stößt auf heftige Kritik.

    Das jüdische Gemeindeparlament äußerte sich am Donnerstag bestürzt über die künftige Praxis, Ärzten den Eingriff unter strengen Voraussetzungen zu erlauben.

    Dies sei «eine flagrante Einmischung in die über 3000 Jahre alten Traditionen des Judentums», hieß es von der Gemeinde. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) kündigte Gesprächsbereitschaft an.

    In einer Antwort an Israels Präsidenten Schimon Peres sprach sich Bundespräsident Joachim Gauck für einen Schutz jüdischer Traditionen aus. Ihm liege viel daran, dass die Lebens- und Glaubenswelt der Juden in Deutschland geschützt werde …

    Der israelische Präsident Peres hatte Gauck gebeten, sich für das Recht auf Beschneidungen aus religiösen Gründen einzusetzen. …

    Berlins Justizsenator Heilmann will sich in den kommenden Tagen mit den Mitgliedern der Repräsentantenversammlung der Gemeinde treffen. Er bedauere die Missverständnisse. Mit der nun in Berlin getroffenen Regelung solle bis zu einem Bundesgesetz Rechtssicherheit für Juden und Muslime geschaffen werden. …

    Heilmann hatte am Mittwoch erklärt, dass religiös motivierte Beschneidungen in Berlin straffrei bleiben. Eltern oder Sorgeberechtigte der jüdischen oder muslimischen Jungen müssten dem Eingriff schriftlich zustimmen. Beratung und medizinische Standards sind Pflicht, ebenso der Nachweis der religiösen Notwendigkeit etwa durch eine Bestätigung der Gemeinde.

    aus: Protest gegen Berlins Regelung zu Beschneidung
    in: Frankfurter Rundschau 6. September 2012

    http://www.fr-online.de/politik/protest-gegen-berlins-regelung-zu-beschneidung,1472596,17190032.html

    :::

  8. Chronist Says:

    دلالة الحائرين
    Dalālatu l-Ḥāʾirīn
    The guide of the perplexed
    Führer der Verwirrten

    Mosheh ben Maimon genannt Moses Maimonides oder Mūsā ibn Maymūn oder RaMBaM (Akronym für Rabbi Mosheh Ben Maimon) zur jüdischen Beschneidung

    Maimonides, Hauptwerk Teil drei Kapitel 49

    As regards circumcision, I think that one of its objects is to limit sexual intercourse, and to weaken the organ of generation as far as possible, and thus cause man to be moderate. Some people believe that circumcision is to remove a defect in man’s formation; but every one can easily reply: How can products of nature be deficient so as to require external completion, especially as the use of the fore-skin to that organ is evident. This commandment has not been enjoined as a complement to a deficient physical creation, but as a means for perfecting man’s moral shortcomings. The bodily injury caused to that organ is exactly that which is desired; it does not interrupt any vital function, nor does it destroy the power of generation. Circumcision simply counteracts excessive lust; for there is no doubt that circumcision weakens the power of sexual excitement, and sometimes lessens the natural enjoyment: the organ necessarily becomes weak when it loses blood and is deprived of its covering from the beginning. Our Sages (Beresh. Rabba, c. 80) say distinctly: It is hard for a woman, with whom an uncircumcised had sexual intercourse, to separate from him. This is, as I believe, the best reason for the commandment concerning circumcision. And who was the first to perform this commandment? Abraham, our father! of whom it is well known how he feared sin; it is described by our Sages in reference to the words, „Behold, now I know that thou art a fair woman to look upon“ (Gen. xii. 11).

    There is, however, another important object in this commandment. It gives to all members of the same faith, i.e., to all believers in the Unity of God, a common bodily sign, so that it is impossible for any one that is a stranger, to say that he belongs to them. For sometimes people say so for the purpose of obtaining some advantage, or in order to make some attack upon the Jews. No one, however, should circumcise himself or his son for any other reason but pure faith; for circumcision is not like an incision on the leg, or a burning in the arm, but a very difficult operation. It is also a fact that there is much mutual love and assistance among people that are united by the same sign when they consider it as [the symbol of] a covenant. Circumcision is likewise the [symbol of the] covenant which Abraham made in connexion with the belief in God’s Unity. So also every one that is circumcised enters the covenant of Abraham to believe in the unity of God, in accordance with the words of the Law, „To be a God unto thee, and to thy seed after thee“ (Gen. xvii. 7). This purpose of the circumcision is as important as the first, and perhaps more important.

    This law can only be kept and perpetuated in its perfection, if circumcision is performed when the child is very young, and this for three good reasons. First, if the operation were postponed till the boy had grown up, he would perhaps not submit to it. Secondly, the young child has not much pain, because the skin is tender, and the imagination weak; for grown-up persons are in dread and fear of things which they imagine as coming, some time before these actually occur. Thirdly, when a child is very young, the parents do not think much of him; because the image of the child, that leads the parents to love him, has not yet taken a firm root in their minds. That image becomes stronger by the continual sight; it grows with the development of the child, and later on the image begins again to decrease and to vanish. The parents‘ love for a new-born child is not so great as it is when the child is one year old; and when one year old, it is less loved by them than when six years old. The feeling and love of the father for the child would have led him to neglect the law if he were allowed to wait two or three years, whilst shortly after birth the image is very weak in the mind of the parent, especially of the father who is responsible for the execution of this commandment. The circumcision must take place on the eighth day (Lev. xii. 3), because all living beings are after birth, within the first seven days, very weak and exceedingly tender, as if they were still in the womb of their mother; not until the eighth day can they be counted among those that enjoy the light of the world. That this is also the case with beasts may be inferred from the words of Scripture: „Seven days shall it be under the dam“ (Lev. xxii. 27), as if it had no vitality before the end of that period. In the same manner man is circumcised after the completion of seven days. The period has been fixed, and has not been left to everybody’s judgment.

    Maimonides: Dalālat alḥāʾirīn (hebr. als More nevuchim, Führer der Unschlüssigen bzw. Lehrer der Beschämten / der Verwirrten). Das Werk entstand ungefähr 1176 bis 1190 oder 1200.

    http://www.sacred-texts.com/jud/gfp/gfp185.htm

    Maimonides, Moses; Pines, Schlomo (trans.) (1963). The Guide of the Perplexed. Part III. Chapter XLIX. The University of Chicago Press.

    http://www.sacred-texts.com/jud/gfp/gfp185.htm

  9. Querverweis Says:

    ::

    Islam encourages discussion of issues related to sexuality. Aisha, the wife of the Prophet said, „Blessed are the women of the Ansar (the citizens of Madina). Shyness did not stand in their way seeking knowledge about religious matters related to sexuality.” (Sahih Muslim15). A woman’s menstruation cycle should be discussed as part of sexual education, and failure to do so will cause unnecessary anxiety and prevent Muslims from attaining Tahara16 (purification). ‘Ghusul’17 (also known as cleanliness) according to Islamic principals is mandatory for married couples after having intercourse. Notwithstanding the above, there is the pervasive belief in many Muslim communities that Islam forbids discussions on sexual health, and that it would be ‘un-Islamic’ for women and adolescents to learn about things such as family planning, transmission of STIs, and menstruation.18 This makes Islamic Relief’s educational programmes both important and challenging.

    16 In Islam, tahara is a state of ritual purity. Tahara is required for participating in daily prayers or ther ritual acts. Two types of purification are possible: major and minor. Major purification is required after things like menstruation and sexual intercourse, whereas minor purification is required before prayers. The use of water is recommended, but the use of sand is permitted if no water is available. …

    aus: Islamic Relief: Reproductive Health Policy
    October 2008

    ::
    ::

    http://www.islamic-relief.com/indepth/downloads/Reproductive%20Health%20Policy.pdf

    The role of circumcision (khitan) in Islamic society has shifted dramatically due to issues of gender, custom, and law. Nowhere mentioned in the Qur_an, circumcision was a common practice in Arabia that was incorporated into the Islamic legal system to varying degrees and for a variety of reasons. …

    Legally, Islamic scholars debate whether the practice is obligatory or sunna (customary), or whether its obligations be extended solely to males, or to males and females. Al Shafi_a considers the practice an equal duty for both sexes, while Malik and others consider it sunna for males. … The legal and customary support for circumcising just prior to the onset of puberty also suggests the practice was performed as a rite of passage, one that would ready an individual for marriage. As a rite of passage, male circumcision ceremonies in places like Java and Morocco are accompanied with purificatory rites, sacrifices, and feasts. When conducted today, female circumcision is a much less celebratory act, rarely accompanied by such festivities. To interpret circumcision in Islam from a religious studies standpoint, the manipulation of the genitalia exemplifies ultimate divine control over one’s human, procreative instincts. Thus one cut symbolizes a total submission to God.

    Circumcision or Khatna in Islam, Benefits, Debate, Why Muslim Khatna
    bei: islamlaws (Islam and Islamic Laws, History, Information, Concept, Education … dem schiitischen indischstämmigen, jetzt in Toronto, Kanada wirkenden Gelehrten Sayyid Muhammad Rizvi, aber auch dem indischen Salaf-Missionar Zakir Naik nahestehend)
    31.01.2011

    http://www.islamlaws.com/circumcision-or-khatna-in-islam-benefits-debate-why-muslim-khatna/

    ::
    ::

    The urine and stool of human beings are ‚ayn najis. Most people of the world consider urine and stool as unclean, but Islam has gone one step further in declaring them to be ritually unclean. For example, in the matters of worship a Muslim who has passed urine or emptied his bowels cannot pray even after cleaning his body from urine and stool-he must also do wudu, a minor ablution which will be discussed in chapter 2. The Islamic shari’ah has prescribed certain rules on how to cleanse oneself of urine and stool. …

    It is recommended for men to do istibra‘ after urinating. Istibra‘ means to clean something, to get rid of something. Here it means getting rid of the remaining drops of urine from penis. The method of istibra: Squeeze with the middle-finger of the left hand from the anus to the root of the penis three time; then holding the penis between the thumb and the fore-finger, squeeze the glans itself three times. The benefit of Istibra‘: If a liquid comes out of a man’s penis after urinating and the doubts whether this is urine or something else, then he can assume it to be tahir if he has done istibra‘. But if he has not done istibra‘, then he must consider it najis. …

    Muslim should also realize that even for such a trivial thing as using toilet, Islam emphasizes that either you must be the owner of the washroom or you must have the permission of the owner, otherwise, it will be haram for you to fulfill your natural needs in that place.

    Najasat and Taharat Rules
    By: Sayyid Muhammad Rizvi

    http://www.islam-laws.com/taharatandnajasat.htm

    ::
    ::

    Sayyid Muhammad Rizvi

    http://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Rizvi

    Islamic Shia Ithna Asheri Jamaat of Toronto

    http://www.jaffari.org/default.asp

    ::

  10. Kalevala Says:

    Weitere traurige und alarmierende Fälle schlimmer Komplikationen, gesammelt bei der Seite ‚Beschneidung von Jungen‘ – vielen Dank für die Übersetzungsarbeit und das Dokumentieren.

    ::

    Bei Beschneidung schlimm verstümmelt
    Von BARBARA KIRCHNER

    Düsseldorf –

    Tarek B. (Name geändert) ist erst zehn, aber die Ärzte sind sich sicher: Er wird nie eine normale Sexualität leben können. Der Junge wurde bei einer Beschneidung verstümmelt. Sein Penis ist um ein Drittel gekürzt. Jetzt machen seine Eltern Schmerzensgeld geltend. Der Arzt, der dem Jungen das angetan hat, soll 150.000 Euro zahlen.

    Tareks Vater ist Libanese und Muslim. Sein Sohn sollte beschnitten werden. Die Eltern gingen zu einem Urologen und Chirurgen, der ebenfalls Araber ist. … Als der Vater zwei Tage später seinen Sohn mit schlimmen Schmerzen erneut bei ihm vorstellte, wiegelte der Arzt ab. Tatsächlich konnte Tarek kaum ohne Schmerzen Wasser lassen, seine Harnröhre war durchtrennt. Der vordere Teil seines Gliedes ebenfalls. Außerdem hatte sich eine Infektion breitgemacht. Die Familie lieferte den Jungen in eine Klinik ein.

    Dort konnte man die Infektion stoppen. Nicht aber den Schaden wieder gutmachen. Der Penis ist verunstaltet. Und – so die Ärzte – „nur noch eingeschränkt funktionstüchtig. Die Sensibilität ist eingeschränkt.“ Zwei OPs hat der Junge noch vor sich. Doch seine Zeugungsfähigkeit bleibt stark beeinträchtigt oder gar ganz aufgehoben, so ein Gutachter. Außerdem, so die Klageschrift, könne sich der Junge nirgendwo mehr sehen lassen. Egal, ob nach dem Sport unter den Duschen oder auf Jugendreisen.

    Jetzt soll sich das Gericht mit dem Fall beschäftigen.

    http://www.express.de/duesseldorf/horrorerlebnis-eines-zehnjaehrigen-bei-beschneidung-schlimm-verstuemmelt,2858,4742926.html

    ::
    ::

    LAKE CHARLES AMERICAN PRESS,
    Mittwoch, 28 Mai, 1986.
    Familie erhält $2.75 MILLIONEN in Klage wegen verpfuschter Operation

    von Vincent Lupo

    Die Familie eines Jungen, dessen Penis amputiert werden musste, nachdem er während einer Routinebeschneidungen in einem Staatlich betriebenen Krankenhaus amputiert werden musste, wurde von der Jury des 14. Bezirksgericht $2.75 millionen zugesprochen.

    Laut der Zeugenaussage während der wochenlangen zivilrechtlichen Gerichtsverhandlung vor Richter L. E. Hawsey Jr., sollte der Junge, der zur Zeit 2 Jahre alt war, am 2. Februar 1984 eine Routinebeschneidung am W. O. Moss Regional Hospital unterzogen werden.

    Ein Assistenzarzt im dritten Ausbildungsjahr überwachte die Operation, in der ein elektrochirurgisches Instrument, des Herstellers Valley Lab aus Boulder, Colo., zum Einsatz kam. Das Gerät, das allgemein zur Blutstillung während Operationen genutzt wird, kann durch die von einem elektrischen Strom erzeugte Hitze Gewebe durchschneiden.

    Während der Operation, … wurde der Penis des Jungen schwer verbrannt. Interne Schäden der Blutgefäße traten anscheinend ebenso auf, und verhinderten, dass den lebensnotwendigen Sauerstoff das innere des Organs erreichen konnte, das später entfernt werden musste, nachdem das Kind in ein Krankenhaus in New Orleans überwiesen worden war.

    Ärzte in New Orleans legten den Eltern nachdrücklich nahe, ihnen zu gestatten eine Geschlechtsumwandlungsoperation am Kleinkind durchzuführen, aber sie lehnten dies ab. Der Harntrakt des Jungen wurden während mehreren nachfolgenden Operationen, sowohl hier als auch in New Orleans, neu verlegt und er uriniert jetzt durch ein Loch, das sich da befindet, wo einst sein Penis war.

    (Quelle s.u.)

    ::
    ::

    Johnson Flora Pressemitteilung
    Mittwoch, 8. März 2000

    Als Jacob Sweet im Januar 1986 am „Providence Hospital“ in Anchorage (Alaska, USA) geboren wurde, war für seine Eltern, Beverly und Gary ein Traum wahr geworden. Aber ihr Traum wurde schnell zum Albtraum, als die Eltern schon 9 Tage später ihren Sohn erneut ins Krankenhaus brachten, um ihn wegen einer Folgeinfektion nach einer Beschneidung behandeln zu lassen.

    Doch das besagte Krankenhaus gab ihnen ein schwer hirngeschädigtes, blindes Kind zurück. Dieser Albtraum dauerte 13 Jahre und drehte sich um „verschüttete“ ärztliche Unterlagen und einen Anwalt aus Alaska, der behauptete, ein erfahrener Anwalt für medizinische Kunstfehlerfälle zu sein, aber keinen einzigen Fall eines Behandlungsfehlers je verhandelt hatte. …

    Die Tragödie der Sweets begann, wie oben erwähnt, am 25. Januar 1986 in Anchorage, Alaska, als die Eltern ihren 9 Tage alten Sohn zurück zum Providence-Hospital brachten, nachdem er beunruhigende Anzeichen einer durch eine Beschneidung verursachten Infektion aufwies. Jacob wurde damals in die Kinderstation aufgenommen und zeigte 24 Stunden lang Krampfanfälle. Der Kinderarzt Dr. Daniel Tulip, war jedoch die meiste Zeit abwesend und außerdem unfähig, Jakob an einen Neonatologen zu überweisen, ehe Jacob eine Hirnschädigung erlitten hatte, die ihn körperlich zu Grunde richtete, ihn geistig behindert werden ließ und für den Rest seines Lebens vollkommen abhängig machte.

    (Quelle s.u.)

    ::
    ::

    Quellen – und: weitere Fälle:

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/komplikationen/verantwortungsvoll-durchgefuehrte-beschneidungen-und-ihre-folgen.html

    ::

  11. Zuviel grün ist braun ... Says:

    ::
    ::

    BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN
    34. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz
    16. – 18. November 2012, Hannover
    Congress Centrum/Eilenriedehalle

    alle Anträge, Beschneidung Verschiedenes (V) 21 bis 26:

    http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/BDK_2012_Hannover_Antraege/BDK_Hannover_2012_Alle_Antraege_1_Verschickung.pdf

    ::

    die sechs Anträge:

    ::

    V-21 Keine Beschneidung aus nicht-medizinischen Gründen
    KV Rheinisch-Bergischer Kreis

    https://www.antragstool.gruene.de/events/9/proposals/174

    ::

    V-22 Keine Beschneidung von Jungen aus Gründen der Religion und Tradition
    Dr. Philipp Schmagold u.a.
    (u.a.: Dr. med. Christoph von Winterfeldt)

    https://www.antragstool.gruene.de/events/9/proposals/149

    ::

    V-23 Menschenrechte gelten für alle Kinder – Keine Beschneidung an Jungen ohne medizinische Indikation
    Rene Becker (KV Düren)

    (hier u.a.: Irmingard Schewe-Gerigk)

    https://www.antragstool.gruene.de/events/9/proposals/189

    ::

    V-24 Gegen eine Kriminalisierung der männlichen Beschneidung aus religiösen Gründen!
    Sergey Lagodinsky (KV Pankow, Berlin)

    (RA Lagodinsky war bei der Kölner Moscheebau-Diskussion Gegenspieler von Ralph Giordano; es folgen 17 türkisch und zwei deutsch klingende Namen)

    https://www.antragstool.gruene.de/events/9/proposals/197

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sergey_Lagodinsky

    ::

    V-25 Keine Beschneidung aus nicht-medizinischen Gründen
    KV Hagen

    https://www.antragstool.gruene.de/events/9/proposals/232

    ::

    V-26 Die Beschneidungsdebatte mit gegenseitigem Respekt führen
    Volker Beck (KV Köln)

    (mit dabei: Katja Dörner, Jerzy Montag, Claudia Roth, Cem Özdemir)

    https://www.antragstool.gruene.de/events/9/proposals/233

    ::
    ::

  12. Bragalou Says:

    ::

    Gedicht zur Abschaffung der Menschenrechte für Jungen in Deutschland

    Wetzt das Messer, singt ein Lied,
    Ab die Vorhaut von dem Glied.

    Kinder können sich nicht wehren,
    darum müssen sie uns ehren.

    Wir verstümmeln, wir beschneiden
    Recht und Vorhaut; allen beiden

    muss man hier den Garaus machen,
    denn wir steh’n auf solche Sachen.

    Und ihr Schreien hilft so wenig,
    denn wer festhält, ist der König.

    Wir bestimmen, was hier Recht.
    Wer dagegen ist, ist schlecht.

    Gründe sind uns ganz egal,
    der Verstand, der kann uns mal.

    Bist Du für ein intaktes Glied,
    so bist Du gleich Antisemit.

    Ulf Dunkel
    Landtagskandidat für Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen

    http://www.laizismus-dielinke-nrw.de/blog_laizismus/post/2012/12/21/gedicht-zur-abschaffung-der-menschenrechte-fuer-jungen-in-deutschland/

    ::
    ::

    Ein bisschen schwanger geht nicht und ein bisschen Kinderrechte reicht nicht!

    Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei haben einen alternativen Gesetzentwurf erarbeitet, der die religiös motivierten Beschneidung minderjähriger Jungen erst ab 14 Jahren ermöglichen will.

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf

    53 Abgeordnete habe sich geoutet; sie nehmen in Kauf, dass die körperliche Unversehrtheit von Jugendlichen aufgrund irrationaler religiöser Handlungen beeinträchtigt wird.

    53 Abgeordnete zeigen, dass ihnen religiöse Domestizierungsriten wichtiger sind als der natürliche Körperzustand von Jugendlichen.

    53 Abgeordnete haben versucht einen Kompromiss zu erarbeiten und sind dabei den Religionsführern auf den Leim gegangen um sich nicht dem Verdacht auszusetzen antimuslimisch oder antisemitisch zu sein.

    Dabei kann das Ergebnis logischer Schlußfolgerung doch nur sein, dass eine Beschneidung wenige Tage nach der Geburt ebenso eine Körperverletzung ist, wie im Alter von 14 Jahren. Das mit der Religionsmündigkeit (mit 14 Jahren) zu begründen ist abstrus! Kein 14jähriger würde unbeeinflusst von religiösen Umfeldern auf die Idee kommen, sich einen Teil seines Körpers entfernen zu lassen.

    Die Autoren schreiben in der Begründung zum Gesetzentwurf: „Bei der Zirkumzision handelt es sich um einen schmerzvollen, mit Risiken behafteten chirurgischen Eingriff, der zu einer irreversiblen Entfernung eines hochsensiblen, erogenen und funktional wichtigen Körperteils führt.“

    Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass 14jährige wissen, was sie sich mit einer Zirkumzision antun?

    Ralf Michalowsky – Sprecher der LAG Laizismus NRW

    http://www.laizismus-dielinke-nrw.de/blog_laizismus/post/2012/11/12/ein-bisschen-schwanger-geht-nicht-und-ein-bisschen-kinderrechte-reicht-nicht/

    ::

  13. Cees van der Duin Says:

    Trotz momentaner Nichbeschneidung aus sechs Gründen gar kein gutes Urteil vom Oberlandesgericht Hamm:

    1. nur die prekäre Zugehörigkeit zum „Neo-Stamm“ der Evangelischen schützt ein bisschen vor der Jungenbeschneidung, 2. wenn die Mutter beim Vorhautamputieren zuguckt ist alles eher in bester Ordnung, 3. ein bisschen Plappern mit dem Kind legalisiert die MGM und 4. die Spezies der Muslime oder Juden dürfte sowieso beschneiden.

    5. Auch ein häufiger Besuch in Kenia wäre vielleicht eine nordrhein-westfälische Beschneidungserlaubnis.

    6. „Medizinische Risiken“ und „Schmerzen“ sind im Namen des Volkes gefälligst zu akzeptieren: „weil diese Umstände mit jeder nicht medizinisch indizierten Beschneidung verbunden seien“.

    7. Ganz schlimm: das örtliche Jugendamt wird durch das gestrige Gerichtsurteil zur beschneidungsbilligenden Instanz geadelt!

    Ein erneuter schwarzer Tag für das Kindeswohl!
    Cees van der Duin

    ::

    OLG untersagt Mutter, Sohn beschneiden zu lassen

    … Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat die 2012 neu geschaffene Beschneidungsvorschrift aus religiösen oder kulturellen Motiven im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) erstmals konkretisiert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil vom 30. August hat das OLG einer Mutter untersagt, ihren sechsjährigen Sohn beschneiden zu lassen (Az.: 3 UF 133/13). Die Richter bestätigten damit eine Entscheidung des Amtsgerichts Dortmund, das die Beschneidung ohne medizinische Indikatoren nicht zugelassen hatte.

    Der 3. Familiensenat bemängelte, dass die Mutter das Kindswohl ihres Sohnes nicht berücksichtigt habe. Die Entscheidung zu einer Beschneidung sei ohne Einbeziehung des Jungen gefallen. …

    Die geschiedenen Eltern aus Dortmund hatten sich gestritten, ob die aus Kenia stammende Mutter den Sohn beschneiden lassen darf. Zur Begründung führte sie die kulturellen Riten ihres Heimatlandes an. Ihr Sohn sollte bei Besuchen in Kenia als vollwertiger Mann angesehen und geachtet werden.

    Das Gericht aber sah darin keine Rechtfertigung. Der Lebensmittelpunkt der Familie sei in Deutschland, Besuche in Kenia seien selten möglich und das Kind evangelisch getauft. Die Intimhygiene des Kindes sah das Gericht ohne Beschneidung nicht gefährdet. Dafür aber das psychische Wohl des Jungen.

    Die Richter merkten kritisch an, dass die Mutter es abgelehnt hatte, ihr Kind zu dem Eingriff zu begleiten. …

    dpa/bar
    DIE WELT 25.09.2013

    http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article120379818/OLG-untersagt-Mutter-Sohn-beschneiden-zu-lassen.html

    ::
    ::

    Oberlandesgericht Hamm, Beschluss vom 30.08.2013
    – 3 UF 133/13 –
    Gefährdung des Kindswohls – Kindsmutter darf Sohn nicht beschneiden lassen
    Oberlandesgericht Hamm konkretisiert die neue Beschneidungs­vorschrift (§ 1631 d BGB)

    Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass die Kindesmutter ihren Sohn zurzeit nicht beschneiden lassen darf und die Entscheidungsbefugnis über diese Frage dem zuständigen Jugendamt als Ergänzungspfleger übertragen bleibt.

    Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Einwilligung der sorgeberechtigten Mutter in eine Beschneidung lägen allerdings nicht vor. Auch wenn ein Sechsjähriger noch nicht in der Lage sei, über seine Beschneidung selbst zu entscheiden, verpflichte die gesetzliche Vorschrift die sorgeberechtigten Eltern und – im Falle eines mehr als sechs Monate alten Kindes – auch den Arzt, die Beschneidung mit dem Kind in einer seinem Alter und Entwicklungsstand entsprechenden Art und Weise zu besprechen und die Wünsche des Kindes bei der elterlichen Entscheidung zu berücksichtigen. Eine diesen Anforderungen entsprechende Beteiligung des Kindes habe im vorliegenden Fall noch nicht stattgefunden.

    Die von den sorgeberechtigten Eltern bzw. dem allein sorgeberechtigten Elternteil erteilte Einwilligung zur Beschneidung sei zudem nur dann wirksam, wenn diese über den Eingriff zuvor ordnungsgemäß und umfassend aufgeklärt worden seien. Eine dementsprechende Aufklärung der Kindesmutter sei bislang ebenfalls nicht dargelegt worden.

    Im vorliegenden Fall sei es außerdem gerechtfertigt, der Kindesmutter die Befugnis zur Einwilligung in eine Beschneidung ihres Kindes vorläufig zu entziehen. Zurzeit spreche eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine Gefährdung des Kindeswohls, wenn eine Beschneidung vollzogen werde. …

    Die Motive der Kindesmutter für eine Beschneidung könnten zwar grundsätzlich eine nicht medizinisch indizierte Beschneidung rechtfertigen. Im vorliegenden Fall hätten sie allerdings ein geringeres Gewicht, weil die Familie der Kindesmutter ihren ständigen Lebensmittelpunkt in Deutschland habe, Besuche in Kenia selten möglich seien und der Junge auch evangelisch getauft sei. Zudem sei nicht ersichtlich, dass die Intimhygiene des Kindes ohne die Beschneidung gefährdet sei. Gegen eine Beschneidung spreche nicht, dass diese medizinische Risiken habe und Schmerzen verursachen könne, weil diese Umstände mit jeder nicht medizinisch indizierten Beschneidung verbunden seien. Im vorliegenden Fall gebe es aber gewichtige Gründe dafür, dass eine zum jetzigen Zeitpunkt durch die Kindesmutter veranlasste Beschneidung das psychische Wohl des Sechsjährigen beeinträchtige, insbesondere weil sich die Kindesmutter nach eigenen Angaben außerstande sehe, ihren Sohn bei dem Eingriff – auch wenn er ihn ablehnen sollte – zu begleiten.

    http://www.kostenlose-urteile.de/OLG-Hamm_3-UF-13313_Gefaehrdung-des-Kindswohls-Kindsmutter-darf-Sohn-nicht-beschneiden-lassen.news16867.htm

    ::

  14. Dwarslöper Says:

    Tonio Walter vergleicht die jetzige Gesetzgebung zu MGM und FGM und stellt eine Ungleichbehandlung überzeugend als verfassungswidrig dar. Walter irrt jedoch, die Nervenenden (Rezeptoren) betreffend sind männliche und weibliche Vorhaut nicht vergleichbar, eher schon männliche Vorhaut und Klitoris.

    Die männliche Vorhaut enthält Verzweigungen des Dorsalnervs sowie zwischen 10.000 bis 20.000 spezialisierte erotogene Nervenendigungen verschiedener Typen
    ::

    Damit verstößt der neue Paragraf 226a StGB gegen einen zentralen Satz des Grundgesetzes: dass niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Denn eine Teilentfernung der weiblichen Vorhaut, erst recht ein bloßer Einschnitt in sie, ist nicht gravierender als die Beschneidung eines Jungen. Im Gegenteil, das radikale, vollständige Wegschneiden der Vorhaut eines Jungen geht weiter.

    Durch ihn soll „das Bewusstsein für das Unrecht der Genitalverstümmelung geschärft werden“. Aber eben nur, soweit sie Mädchen oder Frauen betrifft. In Verbindung mit Paragraf 1631d BGB, der die Beschneidung von Jungen legalisiert, verkündet der neue Tatbestand damit folgende Botschaft: Das, was eine Frau körperlich ausmacht, ist unantastbar. Aber das, was einen Mann körperlich ausmacht, darf zurechtgeschnitten werden. Das weibliche Geschlecht ist sakrosankt, das männliche disponibel. …

    aus: Das unantastbare Geschlecht. In Deutschland wird jetzt Genitalverstümmelung bestraft – aber nur, wenn Frauen die Opfer sind

    von: Tonio Walter
    in: ZEIT online 14.07.2013

    http://www.zeit.de/2013/28/genitalverstuemmelung-gesetz-frauen/komplettansicht

    ::
    ::
    Gerhard Hafner, immerhin, denkt über die zurzeit leider legalisierte Versehrbarkeit des männlichen gegenüber dem weiblichen kindlichen Genitalbereich nach.

    Auch Hafner scheint die Anzahl der Nervenenden der Vorhaut, speziell von Vorhautinnenseite und Bändchen (Stichwort Gefurchtes Band) sowie die Rezeptorendichte der weiblichen Klitorisvorhaut nicht zu kennen:

    Stellen wir uns folgendes Gesetz vor: Wer die äußeren Genitalien einer männlichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsentzug nicht unter einem Jahr bestraft. Gleichgültig, ob es sich um einen Jungen oder um einen erwachsenen Mann handelt, egal ob unter Narkose und wie viel am Penis geschnitten wurde, egal ob der Beschnittene einwilligt oder nicht, der Täter oder die Täterin muss für bis zu 15 Jahre hinter Gitter. Denn: Jegliche Verstümmelung von Genitalien verstößt gegen die guten Sitten.

    War dies das Ergebnis der hitzigen Beschneidungsdebatte, die vor einem Jahr aus Anlass eines Gerichtsurteils begann und Deutschland in zwei Lager, in Beschneidungsgegner und Beschneidungsanhänger, teilte? Natürlich nicht. Ende Juni dieses Jahres fügte der Bundestag – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – im Strafgesetzbuch den Paragrafen 226a ein. Dort heißt es: „Wer die äußeren Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“ Bis zu 15 Jahren. Der strafrechtliche Schutz wird damit auf nur ein Geschlecht beschränkt. Das allein ist natürlich schon ein Gewinn, denn bisher wurde die Verstümmelung weiblicher Genitalien lediglich als schwere Körperverletzung mit einer Haft von maximal zehn Jahren geahndet. …

    Während nun die Folgen für die Gesundheit und die Sexualität bei schweren Formen der weiblichen Genitalverstümmelung nicht infrage stehen, sind die weniger einschneidenden Fälle in ihrer Wirkung durchaus mit der männlichen Beschneidung vergleichbar. Darauf hat der Strafrechtler Reinhard Merkel bereits letztes Jahr beim Hearing des Ethikrats hingewiesen. Die Krux dieser Gleichstellung: Da die Klitorisvorhaut das Pendant der Vorhaut des Mannes ist, müsste konsequenterweise die Beschneidung der männlichen Vorhaut ebenfalls, wie die Weltgesundheitsorganisation dies für die Entfernung der Klitorisvorhaut bei Frauen tut, als ein klarer Fall von Genitalverstümmelung gelten. …

    aus: Geht der Streit weiter?

    von: Gerhard Hafner
    in: derFreitag 25.07.2013

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/geht-der-streit-weiter

    ::
    ::

    Das Gefurchte Band der Menschlichen Vorhaut
    „vormals Frenarband genannt“

    TAYLOR und Kollegen merkten weiterhin an, dass das gefurchte Band stark vaskularisiert [von vielen Blutgefäßen durchzogen d. h. stark durchblutet] ist – eine Eigenschaft, die für Teile des Nervensystems typisch sind. …

    „Die gefurchte Schleimhaut ist eine gefäßreiche Zone von spezialisiertem Nervengewebe, die eine dichte Konzentration spezialisierter erotogener Nervenrezeptoren enthält. Die Eversion (Ausstülpen) und Reversion (Einstülpen) der Vorhaut während der Erektion und dem sexuellen Spiel sorgen dafür, dass die Falten der gefurchten Schleimhaut sich wie die Bügel eines Akkordions ausdehnen und wieder zusammenziehen. Diese Bewegung ermöglicht es jeder Oberfläche der Falten mit dem Eichelkranz in Berührung zu kommen. Das Ausfalten und Einfalten der gefurchten Schleimhaut über der Eichel sorgt dafür, dass alle erotogenen* Nervenenden stimuliert werden, was das sexuelle Vergnügen steigert. Wenn die Vorhaut vollkommen umgestülpt ist, ist die gefurchte Schleimhaut um den Schaft des Penis neu positioniert.“

    (Fleiss PM, Hodges FM. What Your Doctor May Not Tell You About Circumcision. New York: Warner Books, 2002, p. 7-8.)

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/medizinisches-grundwissen/anatomie-und-funktion-der-vorhaut/anatomie-und-besondere-komponenten-der-vorhaut/gefurchtes-band.html

    ::

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s