337. Weg mit dem § 1631d BGB

Worldwide Day of Genital Autonomy

Demonstration für genitale Selbstbestimmung in Köln

KÖLN. (hpd/gbs) Am 7. Mai jährt sich erstmalig das Urteil des Landgerichts Köln, das die medizinisch nicht indizierte Beschneidung von Jungen als Körperverletzung und damit als strafbare Handlung wertete. Anlässlich dieses Jahrestags organisiert der Fachverband Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. mit Unterstützung neun weiterer Organisationen (u. a. der AK Kinderrechte der Giordano-Bruno-Stiftung) am 7. Mai 2013 eine Kundgebung am Landgericht Köln, auf der das Recht aller Kinder weltweit auf genitale Selbstbestimmung unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion gefordert wird.

Dass eine zentrale Kundgebung gegen die Körperverletzung und für die Selbstbestimmung von Kindern bitter nötig ist, zeigt das am 12. Dezember letzten Jahres im Bundestag verabschiedete Gesetz zur Legitimierung der Vorhautbeschneidung bei Jungen. In dem Paragraphen „Beschneidung des männlichen Kindes“ (§ 1631d BGB) wurde die Zirkumzision aus jeglichem Grund für legal erklärt und unterliegt seitdem der Personensorge, d. h. im Regelfall entscheiden die Eltern, ob das Kind beschnitten wird oder nicht. Im Gesetzestext unberücksichtigt blieben die alarmierenden Zahl an bekannt gewordenen Komplikationen bei „Beschneidungen“, die Ablehnung aller europäischer Kinderarztverbände von „Beschneidungen“ ohne strenge medizinische Indikation sowie der Protest zahlreicher Menschenrechtsgruppen. U.a. startete der „AK Kinderrechte“ der Giordano-Bruno-Stiftung im Vorfeld der neuen Gesetzgebung die Kampagne „Mein Körper gehört mir“ – Zwangsbeschneidung ist Unrecht, auch bei Jungen“ und stellte auf der Website http://www.pro-kinderrechte.de umfangreiche Informationen zum Thema zur Verfügung.

Mit der Demonstration möchten die Initiatoren all jenen eine Plattform bieten, die Körperverletzung als Teil der Erziehung strikt ablehnen und für den Schutz aller Kinder weltweit vor jeglicher Verletzung ihrer körperlichen und sexuellen Integrität eintreten.

In dem Forderungskatalog heißt es unter anderem, dass der Paragraph „Beschneidung des männlichen Kindes“ (§ 1631d BGB) sofort zurückgenommen werden muss.

Darüber hinaus soll ein zweijähriger Runder Tisch zum Thema „Beschneidungen“ an Jungen eingerichtet werden, welcher ausgewogen mit Medizinern, Juristen, Religionsvertretern, Menschen- und Kinderrechtsorganisationen, Vertretern von Opferverbänden und Psychologen besetzt ist, um alle Standpunkte gleichberechtigt abdecken zu können.

Die Demonstration startet um 11:00 Uhr mit einer zentralen Kundgebung am Landgericht Köln (Luxemburger Straße 101, 50939 Köln). Die Abschlusskundgebung findet um 13:00 am Roncalliplatz (Nähe Dom) statt.

http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Attachment&attachmentID=285&h=bd8c75b892b2f72c05954b07bd3b0c275972dbcc&s=305b58d48b0a00212e6d551451177bf543166c39

http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Attachment&attachmentID=286&h=b7e68684c1649f1e6ebafe4d13bece7c25a34521&s=305b58d48b0a00212e6d551451177bf543166c39

http://hpd.de/veranstaltungen?action=cal&id=655&tab=cal_single

MOGiS

http://www.genitale-selbstbestimmung.de/

WORLDWIDE DAY OF GENITAL AUTONOMY

Demonstration – KÖLN – 7.5.13

Liebe Freundinnen und Freunde,

nun geht es endlich richtig los mit der Planung für den ersten Jahrestag des “Kölner Urteils”!

In Köln wird zu dem Anlaß eine Demonstration stattfinden, für die Rechte aller Kinder weltweit auf genitale Selbstbestimmung egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft oder Religion.

Am 7. Mai um 11 Uhr wird es losgehen am Kölner Landgericht, dort, wo unser Einsatz für die Kinderrechte diesen großartigen Impuls erfuhr – und der auch für viele von uns persönlich eine entscheidende Hilfe war, endlich den Mut aufzubringen, zu sich selbst und den eigenen Verletzungen durch Zwangsbeschneidung zu stehen.

Im Anhang findet Ihr Aufruf und Flyer.

Den Aufruf unterstützen:

Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.

DAKJ – Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (alle kinder- und jugendärztlichen Verbände in Deutschland)

TERRE DES FEMMES

IBKA – Internationaler Verband der Konfessionslosen und Atheisten

AK Kinderrechte der Giordano-Bruno-Stiftung

TABU e.V.

pro familia Nordrhein-Westfalen

Zentralrat der Ex-Muslime

(I)NTACT e.V.

http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Thread&threadID=2215

7. MAI

WORLDWIDE DAY OF GENITAL AUTONOMY

An diesem Tag jährt sich das „Kölner Urteil“ zum ersten Mal. Dieses hat Jungen erstmalig das Recht auf genitale Selbstbestimmung zugesprochen.

Aus diesem Anlass fordern wir:

• Schutz aller Kinder weltweit vor jeglicher Verletzung ihrer körperlichen und sexuellen Integrität!

• die sofortige Rücknahme des § 1631d (Legalisierung von „Beschneidungen“ an Jungen aus jeglichem Grund) und Einrichtung eines zweijährigen „Runden Tisches“, welcher ausgewogen mit Medizinern, Juristen, Psychologen, Religionsvertretern, Vertretern von Menschen- und Kinderrechtsorganisationen sowie Opferverbänden besetzt sein muss, um alle Standpunkte gleichberechtigt abdecken zu können

• währenddessen eine straffreie Übergangslösung unter verpflichtenden Auflagen (Anwesenheit eines Arztes, ausnahmslos ausreichende Anästhesie, Dokumentation aller Eingriffe und Evaluierung)

• Bereitstellung von Geldern für umfassende wissenschaftliche Studien zu Folgen von weiblicher und männlicher Genitalverstümmelung

Das Kölner Urteil

Am 7. Mai 2012 bewertete das Kölner Landgericht eine medizinisch nicht indizierte „Beschneidung“ an einem nicht einwilligungsfähigen Jungen als eine Straftat.

Erstmals stellte somit ein deutsches Gericht klar: auch Jungen haben ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, gegen das eine sogenannte „Beschneidung“ – also die Amputation der Vorhaut, die durchschnittlich 50 % der gesamten Penishaut ausmacht – klar verstößt.

Somit waren Kinder unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion vor jeglicher Form genitaler Verstümmelungen geschützt.

Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit galt ausnahmslos.

Kindern steht gesetzlich in Deutschland das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zu – warum sollte dieses Recht vor ihren Genitalien haltmachen?

Der Bundestag hat am 12. Dezember 2012 anders entschieden:

„Beschneidungen“ an Jungen wurden aus jeglichem Grunde für legal erklärt. Sie sind seitdem Teil der sogenannten Personensorge – Körperverletzung als Teil der Erziehung!?

Sind weibliche und männliche Genitalverstümmelung vergleichbar?

Mädchen sind in Deutschland gegen jegliche Form von Genitalverstümmelung geschützt: gegen die Arten, die Vorhautamputationen an Eingriffstiefe und Folgen deutlich übersteigen, sowie auch gegen die Formen, die nach medizinisch objektiven Kriterien bewertet vergleichbar wenn nicht gar weniger gravierend sind (d.h. mit ähnlich viel bzw. sogar keinem Gewebeverlust verbunden sind).

Weltweit sind Mädchen und Jungen von der Verletzung ihrer sexuellen Selbstbestimmung bedroht. Nie sind es die Kinder selbst, die um die operative „Korrektur“ ihrer Geschlechtsorgane bitten – immer sind es Erwachsene, die ihre Kinder diesen zum Teil unter qualvollen Bedingungen stattfindenden Eingriffen aussetzen.

Es geht nicht darum, Eltern zu kriminalisieren – niemand spricht ihnen ab, ihre Kinder zu lieben.

Es geht nicht darum, Religion und Tradition als solche zu bekämpfen – sondern darum, dass diese sich modernen medizinischen und ethischen Erkenntnissen nicht verschließen dürfen.

Es geht um Aufklärung über die Folgen von Genitalverstümmelungen und somit um das Ziel, die Kreisläufe von Gewalterfahrungen und deren Weitergabe zu unterbrechen.

Menschenrechte sind unteilbar und dürfen niemals relativiert werden!

Seit dem Beschluss des Bundestages von § 1631d am 12.12. 2012 ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit in Deutschland eine Frage des Geschlechtes:

Jungen sind im Gegensatz zu Mädchen nicht gegen operative Verstümmelungen ihrer Geschlechtsorgane geschützt.

Das Gesetz sieht weder eine zwingende Betäubung vor, noch ist in dem Gesetz von verschiedenen Eingriffs tiefen die Rede.

Bei Jungen unter sechs Monaten darf auch ein Nichtarzt den Eingriff vornehmen – bei älteren Jungen reicht dem Gesetzgeber die bloße Absicht der Eltern, die „Beschneidung“ nach den Regeln der ärztlichen Kunst vornehmen zu lassen.

Der Gesetzestext ist unklar formuliert. Dies dient offensichtlich dem Ziel, es den Betroffenen später schwer bis unmöglich zu machen, den Klageweg zu beschreiten.

Alle Rechte sind den Eltern zugesprochen. Die Folgen haben allein die betroffenen Jungen zu tragen – lebenslang

Aus dem Gesetzgebungsverfahren wurden negativ betroffene Männer konsequent ausgegrenzt. Es blieben im Gesetzestext unberücksichtigt:

• es droht eine Aufweichung des Verbotes weiblicher Genitalverstümmelung (Gleichbehandlungsgrundsatz der Geschlechter im Grundgesetz)

• die alarmierende Zahl an bekannt gewordenen Komplikationen

bei „Beschneidungen“

• die Ablehnung von „Beschneidungen“ ohne strenge medizinische Indikation durch alle europäischen Kinderarztverbände

• wissenschaftliche Studien, die der angeblichen Harmlosigkeit von „Beschneidungen“ klar widersprechen

• die zunehmende Zahl von Männern, die über ihre bisweilen traumatischen Erlebnisse im Zusammenhang mit ihrer „Beschneidung“ und deren Folgen für ihre Sexualität berichten

Hass und Fremdenfeindlichkeit: keine Chance!

Wir begrüßen jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland und empfinden dieses als Bereicherung unseres Zusammenlebens.

Wir verwahren uns dagegen, dass unser Einsatz für die Rechte aller Kinder auf genitale Selbstbestimmung von einigen wenigen genutzt wird, um ihren Hass auf religiöse Minderheiten auszuleben.

Wir fordern in diesem Zusammenhang auch alle heute Protestierenden auf, sich deutlich von Pauschalisierungen und Menschenhass zu distanzieren und immer wieder deutlich zu machen, dass es nur um das Wohl, die körperliche Unversehrtheit und das Recht des Kindes auf Selbstbestimmung gehen kann.

Zu dieser Veranstaltung rufen auf:

Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.

IBKA – Internationaler Verband der Konfessionslosen und Atheisten

Zentralrat der Ex-Muslime

AK Kinderrechte der Giordano-Bruno-Stiftung

Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) – alle kinder- und jugendärztlichen Verbände in Deutschland

TERRE DES FEMMES e.V.

TABU e.V.

Beschneidungsforum.de

(I)NTACT e.V.

pro familia Nordrhein-Westfalen

http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Attachment&attachmentID=285&h=bd8c75b892b2f72c05954b07bd3b0c275972dbcc

14 Antworten to “337. Weg mit dem § 1631d BGB”

  1. Edward von Roy Says:

    Texte zum Thema Jungenbeschneidung (2012)

    Petition gegen Kinderbeschneidung
    Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

    Presseerklärung
    16.07.2012

    Kindesmisshandlung unter religiösem Vorwand

    http://schariagegner.wordpress.com/2012/07/16/keine-religioes-begruendete-beschneidung-an-jungen/

    Petition gegen Kinderbeschneidung

    Pet 4-17-07-451-040847
    Von Edward von Roy am 20. Juli 2012

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    http://schariagegner.wordpress.com/2012/07/21/petition-gegen-kinderbeschneidung/

    Eltern gegen Kinderbeschneidung Teil I Erziehung und Menschenbild

    Kindlich unversehrt statt beschnitten auf Elternwunsch

    Auch im Namen der Familienfreundlichkeit oder kulturellen Vielfalt kann der säkulare Rechtsstaat die medizinisch unbegründete Beschneidung an einem Jungen nicht legalisieren. Ein Beitrag zum heutigen Kölner Protest Eltern gegen Kinderbeschneidung. Von Edward von Roy am 21. September 2012.

    http://schariagegner.wordpress.com/2012/09/21/eltern-gegen-kinderbeschneidung-teil-i-erziehung-und-menschenbild/

    Eltern gegen Kinderbeschneidung Teil II Rechtliche Fragen

    Rechtliche Fragen der Beschneidung von Jungen

    Sozialpädagogin Gabi Schmidt schreibt am 28. September 2012 für eine unterstützenswerte Initiative: Eltern gegen Kinderbeschneidung.

    http://schariagegner.wordpress.com/2012/09/22/eltern-gegen-kinderbeschneidung-teil-ii-rechtliche-frage/

    Sich einüben in die Beschneidungsrhetorik

    Leider steht für Deutschlands Gesetzgeber nicht die wortwörtliche Lesart der Genesis oder des Hadith, sondern das intakte Kindergenital zur Disposition. Gedanken zu beschneidungsfreundlichen E-Mails deutscher Politiker von Edward von Roy.

    http://schariagegner.wordpress.com/2012/10/15/beschneidungsrhetoriker/

    Das neue Beschneidungsgesetz BGB § 1631d
    Von Edward von Roy und Gabi Schmidt

    http://schariagegner.wordpress.com/2012/12/14/beschneidung-auf-elternwunsch/

  2. Machandelboom Says:

    Am 7. Mai jährt sich erstmalig das Urteil des Landgerichts Köln, das die medizinisch nicht indizierte Beschneidung von Jungen als Körper­verletzung und damit als straf­bare Handlung wertete. Anlässlich dieses Jahres­tages organisiert der Fachverband Beschneidungs­betroffener im MOGiS e.V. mit Unterstützung neun weiterer Organisationen (u. a. der AK Kinder­rechte der Giordano-Bruno-Stiftung) am 7. Mai 2013 eine Kund­gebung am Land­gericht Köln, auf der das Recht aller Kinder weltweit auf genitale Selbst­bestimmung unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion gefordert wird.

    ehbb Evolutionäre Humanisten Berlin-Brandenburg

    http://gbs-berlin.org/worldwide-day-of-gentital-autonomy/

    http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Attachment&attachmentID=285&h=bd8c75b892b2f72c05954b07bd3b0c275972dbcc

    Die Demonstration startet um 11:00 Uhr mit einer zentralen Kund­gebung am Land­gericht Köln (Luxemburger Straße 101, 50939 Köln). Die Abschluss­kundgebung findet um 13:00 Uhr am Roncalliplatz (Nähe Dom) statt.

    http://pro-kinderrechte.de/

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/maennliche-beschneidung.html

  3. Machandelboom Says:

    Kind im Sinne der Kinderrechtskonvention ist ein Mensch unter achtzehn Jahren.

    Definition of the child (Article 1): The Convention defines a ‚child‘ as a person below the age of 18

    http://www.unicef.org/crc/files/Guiding_Principles.pdf

    Article 1

    For the purposes of the present Convention, a child means every human being below the age of 18 years unless, under the law applicable to the child, majority is attained earlier.

    http://www.crin.org/docs/resources/treaties/uncrc.asp#One

    A child is defined in the UNCRC as a person under the age of 18 years.

    http://www.childrensrights.ie/childrens-rights-ireland/un-convention-rights-child

    A child is defined by the Convention on the Rights of the Child (CRC) as “Every human being below the age of 18 years unless under the law applicable under the child majority is attained earlier.“

    http://www.yesican.org/definitions/who.html

    Keine Beschneidung unter achtzehn!

  4. Cees van der Duin Says:

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    12.12.2012

    Beschneidung (Gesetzentwurf Rupprecht, Dörner, Golze und weitere)
    Umfang der Personensorge und die Rechte des männlichen Kindes bei einer Beschneidung

    Gesetzentwurf der Abgeordneten Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Katja Dörner, Diana Golze und weitere
    Entwurf eines Gesetzes über den Umfang der Personensorge und die Rechte des männlichen Kindes bei einer Beschneidung
    Drs. 17/11430, 17/11800 und 17/11814

    http://www.cducsu.de/Titel__beschneidung_%28gesetzentwurf_rupprecht_doerner_golze_und_weitere%29/TabID__1/SubTabID__2/InhaltID__323/Jahr__2012/Monat__12/Tag__12/Abstimmungen.aspx

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    Drucksache 17/11430
    08.11.2012

    Gesetzentwurf
    der Abgeordneten Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Katja Dörner, Diana Golze, Caren Marks, Rolf Schwanitz, Ingrid Arndt-Brauer, Bärbel Bas, Dirk Becker, Karin Evers-Meyer, Elke Ferner, Petra Hinz (Essen), Christel Humme, Angelika Krüger-Leißner, Ute Kumpf, Steffen-Claudio Lemme, Kirsten Lühmann, Hilde Mattheis, Gerold Reichenbach, René Röspel, Karin Roth (Esslingen), Annette Sawade, Bernd Scheelen, Dr. Carsten Sieling, Ute Vogt, Andrea Wicklein, Dagmar Ziegler, Katja Keul, Maria Klein-Schmeink, Ulrich Schneider, Memet Kilic, Dr. Harald Terpe, Monika Lazar, Sylvia Kotting-Uhl, Dorothea Steiner, Dr. Valerie Wilms, Friedrich Ostendorff, Bettina Herlitzius, Uwe Kekeritz, Arfst Wagner (Schleswig), Agnes Krumwiede, Agnes Alpers, Matthias W. Birkwald, Steffen Bockhahn, Dr. Dagmar Enkelmann, Wolfgang Gehrcke, Inge Höger, Dr. Barbara Höll, Andrej Hunko, Ulla Jelpke, Katrin Kunert, Ralph Lenkert, Michael Leutert, Wolfgang Neskovic, Jens Petermann, Richard Pitterle, Dr. Ilja Seifert, Kathrin Senger-Schäfer, Raju Sharma, Dr. Petra Sitte, Kersten Steinke, Alexander Süßmair, Frank Tempel, Halina Wawzyniak, Harald Weinberg, Katrin Werner, Jörn Wunderlich

    㤠1631d
    Beschneidung des männlichen Kindes
    Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des männlichen Kindes einzuwilligen, wenn es das 14. Lebensjahr vollendet hat, einsichts- und urteilsfähig ist, der Beschneidung zugestimmt hat und diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst von einer Ärztin oder einem Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.“

    II. Medizinische Aspekte der Beschneidung des männlichen Kindes

    1. Gründe der Zirkumzision

    Die Zirkumzision ist ein alter und häufig durchgeführter chirurgischer Eingriff beim männlichen Kind bzw. Erwachsenen. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit etwa 30 Prozent aller Männer beschnitten sind. Die Zirkumzision kann aus verschiedenen Gründen durchgeführt werden: Aus medizinischen Gründen bei Vorliegen einer Phimose (Vorhautverengung) sowie aus religiösen, kulturellen und sozialen Gründen. Die Beschneidung aus religiösen oder kulturellen Gründen ist besonders in den islamisch geprägten Staaten, im nördlichen und westlichen Afrika sowie in Israel üblich.

    Insbesondere in den angelsächsischen Ländern wurde lange Zeit eine Routinezirkumzision bei Neugeborenen vorgenommen, denn im 19. Jahrhundert war hier die Ansicht, die Beschneidung sei eine geeignete Präventionsmaßnahme gegen Masturbation, weit verbreitet. Die seitdem gewonnenen Erkenntnisse über die menschliche Sexualität haben jedoch in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Umdenken geführt. Zudem hat sich die Annahme, dass Neugeborene kein oder nur ein unterentwickeltes Schmerzempfinden hätten, als falsch erwiesen. So ist die routinemäßige Beschneidung von Neugeborenen in Australien und Kanada stark zurückgegangen und in Großbritannien und Neuseeland kaum noch anzutreffen. Auch in den USA ist ein Rückgang zu beobachten, auch wenn derzeit immer noch rund 55 Prozent aller männlichen Neugeborenen routinemäßig beschnitten werden. In
    Deutschland wird die Zirkumzision hauptsächlich aus religiösen oder kulturellen Gründen und häufig auch mit einer vorgeschobenen medizinischen Indikation durchgeführt. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnen die nicht medizinisch indizierte Zirkumzision schon seit längerem.

    2. Aufbau und Funktion der Vorhaut

    Die männliche Vorhaut ist nach dem Stand des heutigen medizinischen Wissens einzigartig aufgebaut. Während die Oberfläche der Vorhautaußenseite aus normaler Haut besteht, ist die Oberfläche der Vorhautinnenseite dagegen eine Schleimhaut. Unter der Vorhaut befindet sich eine Schicht glatten Muskelgewebes, die an der Vorhautspitze wirbelförmig angeordnet ist. So wird ein Schließmuskel gebildet, welcher dafür sorgt, dass die Vorhaut die Eichel bedeckt. Die Vorhaut ist nicht nur dicht mit Blutgefäßen, sondern auch mit Nerven durchzogen, insbesondere nahe der Vorhautspitze

    Bereich des Übergangs von der normalen Haut zur Schleimhaut. Diese Übergangsstelle ist der empfindlichste und erogenste Teil des Penis (Sorrells/Snyder/Reiss/Eden/Milos/Wilcox/Van Howe, Fine-touch pressure thresholds in the adult penis, BJU International 99 (4) , 864 ff.). Grund dafür ist nicht nur die hohe Anzahl der Nervenendigungen, sondern auch deren Art. So wurden in der Vorhaut Mechanorezeptoren, Schmerzrezeptoren und Nerven für die Wahrnehmung von Druckreizen, Vibrationen sowie von leichten Berührungen nachgewiesen. Die Eichel ist im Vergleich mit der Vorhaut weit weniger mit Nerven durchsetzt und deshalb deutlich unempfindlicher gegenüber bestimmten Reizen. Die männliche Vorhaut hat eine wichtige Funktion als Schutz der Eichel vor Verletzungen, mechanischen Einflüssen wie Reibung, Schmutz und Schadstoffen. Besonders bei Babys und kleinen Kindern bildet die noch fest mit der Eichel verklebte Vorhaut eine natürliche Schutzbarriere für den Harntrakt. Die Vorhaut hält die Eichel feucht und schützt sie vor Austrocknung (Verhornung). Daneben hat die innen liegende Schleimhaut durch die Absonderung u.a. von Lysozym und die dadurch verursachte Abtötung schädlicher Bakterien eine wichtige Funktion bei der Infektprophylaxe. Die männliche Vorhaut hat zudem essentielle sexuelle Funktionen (Cold/Taylor, The prepuce, BJU International 83 (Suppl. 1) , 34 ff.). Das hochsensible Vorhautgewebe, dessen innerer Teil bei einer Erektion zurückgezogen ist und außen liegt, bildet eine großflächige erogene Zone, die für eine normale, intensive Gefühlswahrnehmung beim Geschlechtsverkehr wichtig und damit wesentlich für das männliche Lustempfinden insgesamt ist. Darüber hinaus erleichtert die Vorhaut die Penetration der Vagina, da der Penis teilweise innerhalb seiner eigenen Vorhaut gleitet, was zu einer Reduktion von Reibung und vaginaler Trockenheit führt. Die Vorhaut stellt ausreichend Hautfläche für eine vollständige Erektion zur Verfügung und schützt zudem beim vaginalen Geschlechtsverkehr den Eichelkranz vor direkter Stimulation, was wiederum vorzeitigen und ungewollten Ejakulationen vorbeugt.

    4. Medizinische Risiken und gesundheitliche Folgen

    Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es auch bei der Zirkumzision zu Komplikationen kommen. Typische Komplikationen bei der männlichen Beschneidung sind Blutungen, Wundinfektionen, Verletzungen der Eichel, Verengungen der Harnröhre, Blutergüsse, Schwellungen, Narbenbildungen und postoperative Schmerzen. Zu beachten ist auch, dass die Zirkumzision in Deutschland auch ohne hinreichende Schmerzbehandlung vorgenommen wird. Dies kann zu psychischen Folgeschäden führen.

    Die irreversible Entfernung der Vorhaut führt zu einem Verlust von großen Teilen der gesamten Penishaut, insbesondere der sensorisch wichtigsten Teile. Dies bedingt einen wahrnehmbaren Sensibilitätsverlust und beeinflusst so das sexuelle Empfinden von Männern. Zudem wird der Eichel durch die Entfernung der schützenden Vorhaut ihr natürlicher Schutz genommen, was im Laufe des Lebens zu einer zunehmenden Keratinisierung (Verhornung) der Eicheloberfläche und damit zu einem zusätzlichen Sensibilitätsverlust führt. Männer, die erst als Erwachsene beschnitten wurden und aus diesem Grund sexuelle Erfahrungen vor der Zirkumzision hatten, berichten über fühlbare Einschränkungen ihres sexuellen Lustempfindens (Kim/Pang, The effect of male circumcision on sexuality, BJU International 99 (3) , 619 ff.). Die Zirkumzision kann darüber hinaus nicht nur bei den betroffenen Männer, sondern auch bei deren Partnerinnen zu sexuellen Problemen führen (Frisch/Lindholm/Grønbæk, Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark, International Journal of Epidemiology 2011, 1ff.). So berichten betroffene Paare über Schwierigkeiten und Probleme bei Erektion, Penetration sowie Orgasmus bis hin zur Dyspareunie (schmerzhafter Geschlechtsverkehr).

    5. Folgerungen

    Bei der Zirkumzision handelt es sich um einen schmerzvollen, mit Risiken behafteten chirurgischen Eingriff, der zu einer irreversiblen Entfernung eines hochsensiblen, erogenen und funktional wichtigen Körperteils führt.

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf

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    Drucksache 17/11814

    II. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse

    Zu Buchstabe a

    Der Innenausschuss hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 87. Sitzung am 28. November 2012 beraten. Er empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und FDP sowie den Stimmen von zwei Mitgliedern der Fraktion der SPD gegen die Stimmen der Fraktion der SPD bei Stimmenthaltung der Fraktionen DIE LINKE. und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, den im Rechtsausschuss zu diesem Gesetzentwurf eingebrachten Änderungsantrag der Abgeordneten Burkhard Lischka, Christine Lambrecht, Rainer Arnold, Edelgard Bulmahn, Sebastian Edathy, Petra Ernstberger, Gabriele Fograscher, Dr. Edgar Franke, Martin Gerster, Iris Gleicke, Günter Gloser, Ulrike Gottschalck, Dr. Gregor Gysi, Hans-Joachim Hacker, Michael Hartmann (Wackernheim), Dr. Rosemarie Hein, Dr. Barbara Hendricks, Josip Juratovic, Dr hc Susanne Kastner, Ulrich Kelber, Daniela Kolbe (Leipzig), Niema Movassat, Dr. Rolf Mützenich, Aydan Özoguz, Johannes Pflug, Dr. Sascha Raabe, Stefan Rebmann, Anton Schaaf, Paul Schäfer (Köln), Marianne Schieder (Schwandorf), Swen Schulz (Spandau), Sonja Steffen, Kerstin Tack, Kathrin Vogler, Heidemarie Wieczorek-Zeul und Waltraud Wolff (Wolmirstedt) abzulehnen.

    Er empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie den Stimmen von zwei Mitgliedern der Fraktion der SPD gegen die Stimmen der Fraktion der SPD und eines Mitglieds der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE. und eines Mitglieds der Fraktion der SPD, den Gesetzentwurf anzunehmen.

    Der Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 81. Sitzung am 28. November 2012 beraten und empfiehlt einstimmig, zu dem Gesetzentwurf und den im Rechtsausschuss dazu eingebrachten Änderungsanträgen eine Beschlussfassung im Plenum herbeizuführen.

    Der Ausschuss für Gesundheit hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 92. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt dessen Annahme sowie die Ablehnung der beiden im Rechtsausschuss dazu eingebrachten Änderungsanträge.

    Der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11295 in seiner 72. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und FDP sowie des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bei Stimmenthaltung der Abgeordneten Annette Groth (DIE LINKE.) dessen Annahme. Die Fraktion der SPD hat an der Abstimmung nicht teilgenommen.

    Zu Buchstabe b

    Der Innenausschuss hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 87. Sitzung am 28. November 2012 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimmen von zwei Mitgliedern der Fraktion der SPD und einem Mitglied der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE. dessen Ablehnung.

    Der Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 81. Sitzung am 28. November 2012 beraten und empfiehlt einstimmig, zu dem Gesetzentwurf eine Beschlussfassung im Plenum herbeizuführen.

    Der Ausschuss für Gesundheit hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 92. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt, zu dem Gesetzentwurf eine Beschlussfassung im Plenum herbeizuführen.

    Der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat den Gesetzentwurf auf Drucksache 17/11430 in seiner 72. Sitzung am 10. Dezember 2012 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und FDP sowie des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bei Stimmenthaltung der Abgeordneten Annette Groth (DIE LINKE.) dessen Ablehnung. Die Fraktion der SPD hat an der Abstimmung nicht teilgenommen.

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/118/1711814.pdf

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  5. Dwarslöper Says:

    7. Mai 2013
    Redebeiträge zur “Worldwide Day of Genital Autonomy – Demonstration für genitale Selbstbestimmung in Köln”

    http://gbs-berlin.org/reden-beim-worldwide-day-of-genital-autonomy/

    ( „Viola Schäfer von der gbs Mainz kündigt die Gründung eines deutschen Chapters von NoCirc an“ )

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    NoCirc

    http://www.nocirc.org/

    NOCIRC is a member of the International Coalition for Genital Integrity.

    http://www.icgi.org/

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    HELSINKI-DEKLARATION 2012

    FÜR DAS RECHT AUF GENITALE AUTONOMIE

    In Anbetracht der Tatsache, dass es das fundamentale und unveräußerliche Recht jedes Menschen ist, dass seine Person geschützt ist ohne Ansehen des Alters, des Geschlechts, der sexuellen Ausrichtung, der Volkszugehörigkeit oder der Religion, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, im internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie in der UN-Kinderrechtskonvention ausgedrückt ist,

    erklären wir jetzt, dass jeder Mensch auch das fundamentale Recht auf genitale Autonomie hat, womit gemeint ist:

    die persönliche Kontrolle über die eigenen genitalen und Fortpflanzungsorgane; und

    Schutz vor medizinisch nicht notwendiger genitaler Veränderung und vor anderen unumkehrbaren Eingriffen in die Fortpflanzungsorgane.

    Wir erklären, dass in Übereinstimmung mit dem Recht auf genitale Autonomie die einzige Person, die in eine medizinisch nicht notwendige genitale Veränderung und andere unumkehrbare Eingriffe in die Fortpflanzungsorgane einwilligen kann, folgende ist:

    im Falle, dass es sich um eine Person handelt, die in der Lage ist, aus freier Willensentscheidung zuzustimmen, nachdem sie vollständig über die Art, die Risiken und Vorteile des Eingriffs informiert wurde: die Person, an der der Eingriff vorgenommen werden soll; und

    im Falle, dass es sich um eine Person handelt, die dazu nicht in der Lage ist, einschließlich junger Kinder: nur eine ordentlich festgelegte öffentliche Autorität oder ein Gericht, das die Menschenrechte und die Interessen der betroffenen Person sorgfältig abwägt, nachdem auch die Ansichten von Familienmitgliedern, Fachleuten und ein unabhängiger Anwalt der Person gehört wurden.

    Wir erkennen, dass Eltern und Erziehungsberechtigte ein grundlegendes Recht auf Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit haben. Diese Rechte von Eltern und Erziehungsberechtigten sind nicht absolut; sie sind begrenzt durch die ebenso grundlegenden Rechte anderer, insbesondere ihrer Kinder.

    Wir erklären, dass gesunde Genitalien und Fortpflanzungsorgane natürliche, normale und funktionelle Teile des menschlichen Körpers sind. Regierungen und Gesundheitsvorsorgeeinrichtungen haben die Pflicht, Eltern und Kinder über nichtverletzende Hygienemaßnahmen und Pflege der Genitalien und Fortpflanzungsorgane zu informieren und deren anatomische und physiologische Entwicklung und Funktion zu erklären.

    Wir begrüßen und unterstützen weitere Forschungen über die negativen Folgen von Eingriffen in diese Organe.

    Wir lehnen Forschungen und Experimente ab, die die Durchführung medizinisch nicht erforderlicher Veränderungen und andere unumkehrbare medizinische Eingriffe an Genitalien und Fortpflanzungsorganen bei nicht zustimmungsfähigen Kindern und Erwachsenen betreffen.

    Wir rufen alle Regierungen auf, das Recht auf genitale Autonomie für jedes Kind und jeden Erwachsenen zu bestätigen, womit gemeint ist:

    die persönliche Kontrolle über die eigenen genitalen und Fortpflanzungsorgane; und

    Schutz vor medizinisch nicht notwendiger genitaler Veränderung und vor anderen unumkehrbaren Eingriffen in die Fortpflanzungsorgane.

    Wir rufen alle Mitgliedsstaaten, die die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet haben, auf, ihre Verpflichtungen aus dieser Konvention ernst zu nehmen, insbesondere die Artikel 2, 12, 14, 19 und 24.

    12. Internationales Symposium für Kinderrechte und genitale Autonomie (29. 9. – 3. 10. 2012, Helsinki).

    http://genitale-selbstbestimmung.de/helsinki-deklaration/

    Helsinki Declaration 2012

    THE 2012 HELSINKI DECLARATION OF THE RIGHT TO GENITAL AUTONOMY

    12th International Symposium on Law, Genital Autonomy & Children’s Rights Helsinki, Finland, 29 September to 3 October 2012

    Whereas it is the fundamental and inherent right of each human being to security of the person without regard to age, sex, gender, ethnicity or religion as articulated in the Universal Declaration of Human Rights, the International Covenant on Civil and Political Rights and the Convention on the Rights of the Child.

    Now we declare the existence of a fundamental right of each human being a Right of Genital Autonomy, that is the right to:

    personal control of their own genital and reproductive organs; and

    protection from medically unnecessary genital modification and other irreversible reproductive interventions.

    We declare that consistent with the Right of Genital Autonomy the only person who may consent to medically unnecessary genital modification and other irreversible reproductive interventions is:

    in the case of a person who is competent to give free and informed consent, being fully informed about the nature, the risks and benefits of the intervention – the person undergoing the intervention; and

    in the case of an incompetent person including a young child – only a properly constituted public authority or tribunal appointed to balance the human rights and the best interests of the person after considering the views of family members, professionals and an independent advocate for the person.

    We recognise the fundamental right of parents and guardians to freedom of thought, conscience and religion. Those rights of parents and guardians are not absolute, they are limited by the same fundamental human rights of others, in particular their children.

    We declare that healthy genital and reproductive organs are natural, normal, functional parts of the human body. Governments and healthcare providers have a duty to educate parents and children about non-invasive hygiene, care of genital and reproductive organs, and to explain their anatomical and physiological development and function.

    We encourage and support further research into the adverse consequences of such interventions.

    We oppose research and experimentation that involves the performance of medically unnecessary modification and other irreversible medical interventions affecting genital and reproductive organs upon non-consenting children and adults.

    We call on all governments to acknowledge the Right of Genital Autonomy for every child and adult, that is the right to:

    personal control of their own genital and reproductive organs; and

    protection from medically unnecessary genital modification and other irreversible reproductive interventions.

    We call on all States members to the Convention on the Rights of the Child to honour their commitments under that instrument in particular Articles 2, 12, 14, 19 and 24.

    Done at Helsinki, Wednesday 3 October 2012
    http://www.genitalautonomy.org/2012/10/09/helsinki-declaration-2012/

  6. Cees van der Duin Says:

    Der Beschluss des Oberlandesgerichtes Hamm v. 30.08.2013 – 3 UF 133/13 – belegt: der beschneidungsfreundliche (kinderfeindliche) § 1631 d BGB führt die Argumentation unserer Richter in bizarre Verrenkungen hinein.

    Unsere Gesetze sollten für alle Menschen gelten – Jungen haben eigentlich den selben Anspruch auf genitale Unversehrtheit wie Mädchen. Nur eigentlich oder auch tatsächlich?

    Vielleicht haben Kinder gar keine „Religion“ oder „Kultur“? Wie auch immer: man muss auch nicht jede Kultur bewahren, sonst müssten wir die Mädchenbeschneidung etwa vom Typus 1a (Klitorisvorhautbeschneidung) legalisieren, die in der schafiitischen Rechtsschule des Islam „heilssichernder“ Standard ist.

    Jahrtausende alte Initiationsrituale gehören in der kulturellen Moderne nicht in Arztpraxis oder Kinderzimmer – nicht in Hamm und irgendwann (möglichst bald) auch nicht mehr in Kenia.

    Die männliche Vorhaut hat eine wichtige Funktion und sollte nur in ganz wenigen, medizinisch wirklich unumgänglichen Fällen chirurgisch entfernt werden.

    Indirekt nennt uns das OLG Hamm leider mehrere mögliche Gründe für eine aus seiner Sicht statthafte Beschneidung.

    Denn was wurde erreicht: das sechs Jahre alte Kind darf nur in diesen Tagen nicht beschnitten werden. Sieht so ein Erfolg aus im Sinne der gewährleisteten körperlichen Unversehrtheit? Doch wohl eher nicht.

    Folgendes klingt leider im Urteil stark mit:

    1. solange ein Kind zur “Menschensorte” der Evangelischen gehört bleibt es irgendwie vor der Jungenbeschneidung geschützt

    2. wenn nur die eigene Mutter beim Vorgang der Zirkumzision zuschauen würde, wäre alles in bester Ordnung

    3. das „Aufklärungsgespräch“: etwas Zureden (Trösten? Bagatellisieren? Überreden? Überlisten?) legalisiert die Jungenbeschneidung

    4. die in § 1631d BGB kalkuliert nicht angesprochenen „Religionsvölker“ der Muslime oder Juden dürften sowieso beschneiden (eine Ungleichbehandlung der Kinder), an männlichen Kindern unter sechs Monaten dürfen irgendwie beschneidungskundige Erwachsene die genitale Kult-OP vornehmen

    5. ein regelmäßiger Besuch in Kenia kann eine nordrhein-westfälische Beschneidungserlaubnis sein

    6. nach dem Gerichtsurteil sind “medizinische Risiken” und “Schmerzen” des Kindes von uns allen gefälligst zu akzeptieren: “weil diese Umstände mit jeder nicht medizinisch indizierten Beschneidung verbunden seien”

    7. das örtliche Jugendamt wird durch das Gerichtsurteil zur beschneidungsbilligenden Instanz emporgehoben

    Ich denke, dass die Bundesrepublik den 2012 geschaffenen Paragraphen 1631d BGB zurückziehen muss. Die Zirkumzision ins elterliche Belieben zu stellen, eine irreparable körperliche Schädigung als Teil der Personensorge zu definieren war falsch.

    Im Allgemeinen sollten ausgewachsene Männer darüber entscheiden, ob sie mit oder ohne Vorhaut leben und lieben wollen. Mancher männliche Jugendliche aber dürfte sich dem hohen Konformitätsdruck von Familie oder Religionsgruppe nicht entziehen können.

    Keine Beschneidung unter achtzehn!

    Cees van der Duin

  7. Bragalou Says:

    noch zu den Themen Jungenbeschneidung, verzichtbare kindliche genitale Unversehrtheit und elterliche äh himmlische Allmacht.

    Quellen zum Urteil aus Hamm (September 2013) und zum Fall des einstweilen nicht zu beschneidenden sechsjährigen und evangelisch getauften Sohn einer beschneidungsgläubigen Mutter, die aus Kenia stammt
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    Az.: 3 UF 133/13

    HAMM dpa | Das Oberlandesgericht Hamm hat die 2012 neu geschaffene Beschneidungsvorschrift aus religiösen oder kulturellen Motiven im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) erstmals konkretisiert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil vom 30. August hat das OLG einer Mutter untersagt, ihren sechsjährigen Sohn beschneiden zu lassen (Az.: 3 UF 133/13). Die Richter bestätigten damit eine Entscheidung des Amtsgerichts Dortmund, das die Beschneidung ohne medizinische Indikatoren nicht zugelassen hatte.

    Der 3. Familiensenat bemängelte, dass die Mutter das Kindswohl ihres Sohnes nicht berücksichtigt habe. Die Entscheidung zu einer Beschneidung sei ohne Einbeziehung des Jungen gefallen. Zwar sei der Junge in dem Alter noch nicht in der Lage, diese Frage selbst zu entscheiden. Arzt und Mutter müssen aber nach Auffassung der Richter je nach Alter und Entwicklungsstand mit dem Kind reden und seine Wünsche berücksichtigen. In dem vorliegenden Fall sei das nicht geschehen.

    Die geschiedenen Eltern aus Dortmund hatten sich gestritten, ob die aus Kenia stammende Mutter den Sohn beschneiden lassen darf. Zur Begründung führte sie die kulturellen Riten ihres Heimatlandes an. Ihr Sohn sollte bei Besuchen in Kenia als vollwertiger Mann angesehen und geachtet werden. Das Gericht aber sah darin keine Rechtfertigung. Der Lebensmittelpunkt der Familie sei in Deutschland, Besuche in Kenia seien selten möglich und das Kind evangelisch getauft.

    Die Intimhygiene des Kindes sah das Gericht ohne Beschneidung nicht gefährdet. Dafür aber das psychische Wohl des Jungen. Die Richter merkten kritisch an, dass die Mutter es abgelehnt hatte, ihr Kind zu dem Eingriff zu begleiten. Der Beschluss des OLG ist rechtskräftig.

    taz 25.09.2013

    http://www.taz.de/!124432/

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    Obwohl der Bundestag Beschneidungen Ende 2012 gesetzlich erleichtert hatte , darf eine kenianisch stämmige Mutter aus Dortmund ihren Jungen nicht beschneiden lassen. Das Hammer Oberlandesgericht (OLG) bestätigte am 30. August ein Urteil des Dortmunder Familiengerichts in diesem Fall und veröffentlichte es am Mittwoch (AZ: 3 UF 133/13).

    Der konkrete Fall ist kompliziert: Das Kind lebt im Haushalt der 31-jährigen Mutter, die das alleinige Sorgerecht für den Jungen hat. Sie will den Jungen nach Angaben des Gerichts entsprechend den kulturellen Riten Kenias beschneiden lassen, damit er bei Besuchen in Kenia – insbesondere auch von ihrer Verwandtschaft – als vollwertiger Mann angesehen und geachtet werde.

    Das OLG entschied, dass im Dortmunder Fall nicht die Mutter über die Beschneidung entscheiden darf, sondern das Dortmunder Jugendamt. Grund dafür unter anderem: Weder Kind noch Mutter sind über den Eingriff und die damit verbundenen Risiken aufgeklärt worden.

    Die Mutter darf laut Gericht auch vorläufig weiterhin keine Beschneidung veranlassen, weil Kind und Mutter ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland hätten und nur selten nach Kenia fahren. Auch sei der Junge evangelisch getauft.

    Das Gericht schreibt weiterhin: „Im vorliegenden Fall gebe es gewichtige Gründe dafür, dass eine zum jetzigen Zeitpunkt durch die Kindesmutter veranlasste Beschneidung das psychische Wohl des Sechsjährigen beeinträchtige.“ Hinzu kommt im konkreten Fall: Die Mutter will das Kind nicht zu der Operation begleiten.

    WAZ 25.09.2013

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    OLG Hamm: Kindeswohl gefährdet

    … Der Mutter, die aus Kenia stammt, steht das alleinige Sorgerecht zu. Sie wollte ihren sechsjährigen Sohn entsprechend den kulturellen Riten ihres Heimatslandes beschneiden lassen. In Kenia werde der Junge nur so als vollwertiger Mann anerkannt. Daneben hielt sie den Eingriff auch aus hygienischen Gründen für notwendig.

    Nach der neuen Vorschrift habe die Mutter grundsätzlich das Recht, in die Beschneidung ihres Kindes einzuwilligen, solange der Junge dies nicht selbst entscheiden könne, betonten die Richter. Allerdings fehle es hierzu an den nötigen Voraussetzungen. Denn das Thema sei mit dem Sohn noch nicht hinreichend besprochen worden, diese Pflicht treffe auch den behandelnden Arzt. Der Junge könne zwar noch nicht selbst über den Eingriff entscheiden, seine Wünsche müssten aber berücksichtigt werden. Aber auch die Mutter selbst sei über die Reichweite des geplanten Eingriffs noch nicht umfassend aufgeklärt worden.

    Daher sei es gerechtfertigt, der Mutter die Befugnis zur Einwilligung vorläufig zu entziehen. Andernfalls spreche viel für eine Gefährdung des Kindeswohls. Das OLG gab zu verstehen, dass dies immer von den Umständen des Einzelfalls abhänge. Hier habe die Mutter ihren ständigen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Ihre Motive für eine Beschneidung, die auf den Verhältnissen in Kenia beruhen, hätten daher wenig Gewicht.

    Zu berücksichtigen sei hingegen, dass der Sohn evangelisch getauft sei und die Mutter angegeben habe, ihren Sohn bei dem Eingriff nicht begleiten zu können. Letzteres könne das psychische Wohl des Jungen beeinträchtigen. Der Beschluss ist rechtskräftig.

    Legal Tribune Online 25.09.2013

    http://www.lto.de/recht/nachrichten/n/olg-hamm-beschluss-3-uf-133-13-beschneidung-norm-konkretisierung/

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    … Die Entscheidung beruht insofern auf einem sehr speziellen Fall. Sie lässt aber deutlich erkennen, dass durch die neue Vorschrift nicht zwangsläufig jede Beschneidung, die per se mit religiösen oder kulturellen Riten begründet wird, vom Gericht auch als durch den § 1631d BGB legitimiert angesehen wird, die neugeschaffene Regelung somit also keinen Blankoscheck darstellt. Gerade auch der Begriff „Kindeswohl“, der ausdrücklich im Gesetz angeführt wurde, wird insofern noch oft von Gerichten mit Inhalt gefüllt werden müssen. Auch die Ansicht des OLG Hamm, dass die Intimhygiene nicht als Begründung für eine Beschneidung angesehen werden kann, ist insofern als wichtig anzusehen, da gerade diese Intimhygiene, neben dem Schutz vor ansteckenden Krankheiten, gerne in Debatten als Pro-Beschneidungs-Argument genutzt wird. …

    Bettina Hammer 26.09.2013

    http://www.heise.de/tp/blogs/5/155034

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    … Im vorliegenden Fall sei es außerdem gerechtfertigt, der Kindesmutter die Befugnis zur Einwilligung in eine Beschneidung ihres Kindes vorläufig zu entziehen. Zurzeit spreche eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine Gefährdung des Kindeswohls, wenn eine Beschneidung vollzogen werde. Das folge aus den von den Richtern zu beurteilenden Umständen des Einzelfalls. Die Motive der Kindesmutter für eine Beschneidung könnten zwar grundsätzlich eine nicht medizinisch indizierte Beschneidung rechtfertigen. Im vorliegenden Fall hätten sie allerdings ein geringeres Gewicht, weil die Familie der Kindesmutter ihren ständigen Lebensmittelpunkt in Deutschland habe, Besuche in Kenia selten möglich seien und der Junge auch evangelisch getauft sei. Zudem sei nicht ersichtlich, dass die Intimhygiene des Kindes ohne die Beschneidung gefährdet sei. Gegen eine Beschneidung spreche nicht, dass diese medizinische Risiken habe und Schmerzen verursachen könne, weil diese Umstände mit jeder nicht medizinisch indizierten Beschneidung verbunden seien. Im vorliegenden Fall gebe es aber gewichtige Gründe dafür, dass eine zum jetzigen Zeitpunkt durch die Kindesmutter veranlasste Beschneidung das psychische Wohl des Sechsjährigen beeinträchtige, insbesondere weil sich die Kindesmutter nach eigenen Angaben außerstande sehe, ihren Sohn bei dem Eingriff – auch wenn er ihn ablehnen sollte – zu begleiten. .

    Familienrecht-Informationen 06.10.2013

    http://www.familienrecht-informationen.de/?id=17&artikel_id=12323

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  8. Bragalou Says:

    und hier ist der Beschluss
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    Oberlandesgericht Hamm, 3 UF 133/13

    30.08.2013
    Oberlandesgericht Hamm
    3. Senat für Familiensachen
    Beschluss

    Aktenzeichen:
    3 UF 133/13

    Vorinstanz:
    Amtsgericht Dortmund, 113 F 1527/13
    Schlagworte:
    Anforderungen des FamFG an den Prüfungsmaßstab in einstweiligen Anordnungsverfahren zum Sorgerecht; Voraussetzungen für die gerichtliche Regelung der Entscheidungsbefugnis bzgl. der vom sorgeberechtigten Elternteil beabsichtigten und vom anderen Elternteil abgelehnten, nicht medizinisch indizierten Beschneidung eines Sohnes aus kulturell-rituellen (hier dem kenianischen Ritus folgenden) Gründen nach § 1631 d BGB n. F.

    ::

    Je nach der hohen oder weniger hohen Schutzwürdigkeit des im Vordergrund stehenden Motivs des sorgeberechtigten Elternteils zugunsten der beabsichtigten Beschneidung kann die Schwelle der entgegenstehenden Kindeswohlgefährdung niedriger als nach dem allgemeinen Maßstab des § 1666 BGB anzusetzen sein.

    Die Kindesmutter, die in ihrer positiven Haltung zu der Beschneidung aus kenianischen rituellen und kulturellen sowie hygienischen Gründen als festgelegt erscheint, hat zwar mitgeteilt, ursprünglich für den 25.03.2013 in der Arztpraxis des Dr. B einen Termin zur Beschneidung des Kindes G vereinbart zu haben. Dass sie vor ihrer endgültigen Entscheidung über den damals bereits fest geplanten Eingriff allerdings in dem gebotenen Umfang durch diesen Arzt oder in den seitdem vergangenen Monaten durch diesen oder einen anderen Arzt umfassend ärztlich über den Eingriff und seine Risiken aufgeklärt worden sein könnte, hat die Kindesmutter indes bisher selbst nicht hinreichend dargelegt und glaubhaft gemacht.
    33

    ff) Im Übrigen ist das Familiengericht im Ergebnis zu Recht im Rahmen einer summarischen Prüfung davon ausgegangen, dass eine für den Erlass der einstweiligen Anordnung erforderliche überwiegende Wahrscheinlichkeit für die Behauptung des Kindesvaters besteht, dass durch die Beschneidung im Sinne des § 1631 d Abs. 1 S. 2 BGB – auch unter Berücksichtigung und Würdigung ihres Zweckes – eine Kindeswohlgefährdung für G bestünde. Hiervon ist im Ausgangspunkt entsprechend der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu § 1666 BGB auszugehen, wenn eine gegenwärtige, in einem solchen Maße vorhandene Gefahr vorliegt oder unmittelbar bevorsteht, dass sich bei der weiteren Entwicklung der Dinge eine erhebliche Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt (vgl. BGH, Entscheidung vom 25.11.2011, XII ZB 247/11, recherchiert bei juris, Rn. 25, NJW 2012, S. 151 ff. mit weiteren Rechtsprechungsnachweisen). Indem der Gesetzgeber in § 1631 d Abs. 1 S. 2 BGB auch den Zweck der Beschneidung mit in die Berücksichtigung einzieht, hat er jedoch deutlich gemacht, dass das Kindeswohl insoweit kein feststehender Begriff ist. Je nach der Schutzwürdigkeit des im Vordergrund stehenden Motivs für die Beschneidung kann die Schwelle einer Kindeswohlgefährdung niedriger als nach dem dargelegten allgemeinen Maßstab des § 1666 BGB anzusetzen sein (vgl. Hamdan, in: juris-PK-BGB, a. a. O., Rn. 18 und 19).

    (1) Vorliegend hat die Kindesmutter im Wesentlichen die folgenden Motive geltend gemacht:
    35

     G solle entsprechend dem in Kenia kulturell üblichen Ritus beschnitten werden, da er bei seinen Besuchen dort ansonsten – auch von seinen Verwandten – nicht als vollwertiger Mann angesehen werde. In Afrika sei das so, alle Jungen müssten das machen. In jedem Telefonat mit ihren Verwandten in Kenia, mit denen sie eng verwurzelt sei, werde sie gefragt, ob ihr Sohn G nun endlich beschnitten sei.
    36

     Die Frage der Beschneidung sei zudem eine Frage von Hygiene und Sauberkeit.

    (…)

    (2) Auf der anderen Seite haben der Kindesvater, der Vertreter des Jugendamtes, der Ergänzungspfleger sowie die schriftlich und mündlich jeweils kurz angehörte Sachverständige Dipl.-Psych. L tatsächliche Umstände glaubhaft gemacht, die eine Gefährdung des Wohls Gs im Falle der Beschneidung bei vorläufiger Betrachtung als wahrscheinlich und gegenüber den Motiven der Kindesmutter nach derzeitigem Erkenntnisstand überwiegend erscheinen lassen.
    39

    (aa) Die von dem Kindesvater angeführten verbleibenden medizinischen Restrisiken auch einer ärztlich ordnungsgemäßen Beschneidung sowie die von mehreren Beteiligten und der Sachverständigen aufgeführten mit dem Eingriff verbundenen Schmerzen sind insoweit für sich genommen allerdings nicht entscheidungserheblich, denn diese liegen auch bei jeder medizinisch indizierten Beschneidung vor. Würde man auf diese Risiken und Schmerzen abstellen, würde das Recht der Eltern aus § 1631 d Abs. 1 BGB ausnahmslos ins Leere laufen, da jeder medizinisch nicht indizierte Eingriff dann bereits wegen der gesundheitlichen Restrisiken und der durch den Eingriff zugefügten Schmerzen zu unterbleiben hätte. Bzgl. dieser Folgen muss es nach dem oben Gesagten aber genügen, wenn sich die sorgeberechtigten Eltern vor der Zustimmung zu dem Eingriff umfassend ärztlich aufklären lassen.

    (…)

    http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/hamm/j2013/3_UF_133_13_Beschluss_20130830.html

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  9. Dwarslöper Says:

    ZEITSCHRIFT FÜR MEDIZIN-ETHIK-RECHT ZfMER

    Zur medizinischen Dimension der Bescheidungsdebatte

    Mattias Schäfer, Maximilian Stehr

    in: ZfMER 1 2013
    p 17-24

    Spätestens seit dem so genannten „Beschneidungsurteil“ des Kölner Landgerichts vom 07. Mai 2012 wird die Debatte über die Beschneidung von männlichen Säuglingen und Kleinkindern auf einem sehr emotionalen und von vielerlei Befindlichkeiten bestimmtem Niveau geführt. Sachliche Argumente geraten dabei vielfach – ebenso wie das Wohl des Kindes, um das es eigentlich geht – in den Hintergrund. Daher soll im Folgenden versucht werden, den möglichen Nutzen einer Beschneidung im Säuglings- oder Kindesalter, aber auch Nachteile und Risiken aus medizinischer Sicht darzustellen.

    (…)

    Zu den Regeln der ärztlichen Kunst gehört zweifellos, dass ein Eingriff ein vollständiger oder zumindest weitestgehender Schmerzfreiheit durchgeführt wird. Das Kindswohl kann als gefährdet angesehen werden, wenn das Kind während der Operation unverhältnismäßige Schmerzen empfindet.

    Die Schmerzwahrnehmung beim Neugeborenen und Säugling ist von besonderer Bedeutung, da Studien belegen, dass gerade Neugeborene und junge Säuglinge empfindlicher auf Schmerzreize reagieren als ältere Kinder und Erwachsene …

    Selbst ein sogenannter (und nur durch ärztliches Personal durchzuführender) Peniswurzelblock allein kann die Schmerzausschaltung zwar besser, aber nicht vollständig gewährleisten. Eine Zirkumzision ist in diesem Alter – wenn überhaupt – nur unter einer Vollnarkose schmerzfrei und adäquat durchzuführen.

    Die Ausnahmeregelung in § 1631d Abs. 2 kollidiert also gerade wegen der Notwendigkeit der besonderen ärztlichen Fürsorge auf Grund des erhöhten Schmerzempfindens im Säuglingsalter sowie der möglichen Folgeschäden mit den im vorherigen Absatz formulierten Erfordernissen und wirft so erhebliche medizinethische und medizinrechtliche Probleme auf.

    So auch die bislang vom Gesetzgeber nicht weiter beachtete Frage des Schadensersatzes: Wer haftet bei einem Schaden aufgrund einer Komplikation bei einer von einer nichtärztlichen Person durchgeführten Beschneidung, etwa einer schweren Infektion oder einer Verletzung der Harnröhre oder der Eichel?

    (…)

    Nicht zu schaden (nihil nocere) ist die zentrale ethische Grundlage ärztlichen Handelns. Das Unterlaufen dieses Grundsatzes, indem die medizinisch nicht indizierte Zirkumzision in den ersten sechs Lebensmonaten sogar nicht-ärztlichem Personal erlaubt wird, ist ein bedauerlicher Rückschritt, der aus ärztlicher Sicht nicht verstanden werden kann. Als Bekenntnis zu historischer Verantwortlichkeit kann die Einschränkung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit der uns schutzbefohlenen Kindern jedenfalls nicht dienlich sein.

    Die mit dem „Beschneidungsgesetz“ geschaffene unzulängliche Rechtslage lässt jedenfalls nur den Schluss zu, dass das Kindswohl in der Auseinandersetzung um das Verhältnis von Staat und Religion keine Priorität genießt und damit das Kind das Nachsehen und wohl auch den Schaden hat.

    Mattias Schäfer arbeitet als Facharzt für Kinderchirurgie an der Cnopf’schen Kinderklinik.

    Maximilian Stehr ist Chefarzt für Kinderchirurgie und -urologie in der Cnopf’schen Kinderklinik, Diakonie Neuendettelsau.

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    dort ab p 25

    Schmerzen müssen ertragen werden – Warum eigentlich?
    Diskussion im Zusammenhang mit der rituellen Beschneidung

    von Priv.-Doz. Dr. med. Jens Soukup
    und Dr. med. Patrick Kellner

  10. Intaktivismus weltweit Says:

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    George Wald (1906-1997)
    “Circumcision”

    … “A few years ago,” he went on, “I realized that to make further progress in my thinking I’d have to go public. So I prepared some carefully lettered signs; and since it was a windy day I asked my younger brother to come along and help carry them. I told my father what we planned to do. “Well son,” he said, “you know I’ve backed you in almost everything, but I think I’ll pass this one up.”

    “We drove to the entrance to a big general hospital on a main road, and began to picket. One of the signs read, CIRCUMCISION IS A SEX CRIME. Another read: SEX CRIMINALS FOR HIRE? INQUIRE WITHIN.

    “Almost every car that drove past would slow up to read our signs. Then something interesting developed. There was a difference in the way men and women reacted. Some of the men were with us. They would lean out, wave, and say things like, “You tell them, kid!” and “Right on!”

    “But the women were furious. They shook their fists at us, and some of them stopped to curse us out. You’d be surprised at the language they used.

    The Dogon have an extraordinary creation myth. The primal god, Amma, made the Earth from clay in the shape of a woman lying on her back. Then Amma, being lonely, wanted to copulate with her. Her vagina was an ant hill; but beside it was her clitoris, a termite mound. (These characterizations became clearer to me when I ran across a photograph of a field with termite mounds. They are not broad, rounded eminences like ant hills, but tall, slender, phallic columns.)

    As Amma approached the Earth to copulate with her, the male element, the termite mound, rose against him. So first he had to destroy it.

    Suddenly everything fell into place. The Dogon, like many other African peoples, not in early infancy but at or near puberty, as an initiation rite, circumcise the boys, and excise the girls: the clitoris is cut away, in some tribes along with the labia minora. Up to puberty every Dogon child is thought to be to a degree bisexual, a gynandromorph; and that is acceptable, since it has as yet no serious sexual role to fulfill. But then, in preparation for adulthood, the boys are made altogether male by removing the foreskin, their female member; and the girls are made wholly female by excising the clitoris.

    One does not have to improvise this interpretation. The tribal traditions state it plainly. So, speaking of the creation of man: “each human being from the first was endowed with two souls of different sex. In the man the female soul was located in the prepuce; in the woman the male soul was in the clitoris… The dual soul is a danger; a man should be male, a woman female. Circumcision and excision are the remedy.”[2]

    I have no doubt that this is the dominant primitive meaning of circumcision and excision: that, androgynous to a degree in infancy, children have their sex roles established unequivocally at or near puberty by removing the foreskin from boys and the clitoris from girls.

    Moses Maimonides, the 12th Century rabbi of Cairo and court physician to Saladin, put the matter plainly: “No one should circumcise himself or his son for any other reason than pure faith; for circumcision is not like an incision on the leg or branding on the arm, but a very difficult operation.”[6]

    As was to be expected, the rite of circumcision has also excited great psychoanalytic interest. Sigmund Freud took it to represent the symbolic castration of sons by jealous fathers.[7] There is little anthropological evidence to support this view. It implies a primitive awareness of the male role in procreation that was generally lacking, as well as an interest in castration that so far as we know developed only in relatively sophisticated peoples and in quite other associations. Bruno Bettelheim has suggested an ingenious alternative: that circumcision may represent an attempt on the part of males symbolically to mimic characteristically female roles in reproduction including bleeding at puberty.[8] …

    http://www.mendocomplain.com/references/1153-2/

    http://books.google.de/books?id=2wYabLqzbFEC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

    http://www.blog.sami-aldeeb.com/2013/02/10/what-jewish-nobelist-george-wald-had-to-say-about-circumcision/

    *

    [2] Marcel Griaule: Conversations with Ogotemmeli, Oxford University Press, 1965, pp. 22-23.

    [6] Guide for the Perplexed, M. Friedlander trans., Routledge and Kegan Paul, London, 1904, p. 378.

    [7] Freud S: Totem and Taboo, Random House, New York, 1938.

    [8] Symbolic Wounds: Puberty Rites and the Envious Male, Free Press, Glencoe, Ill., 1954, p. 112.

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    PETITION GEGEN BESCHNEIDUNG

    Edward von Roy

    An den
    Deutschen Bundestag
    Petitionsausschuss
    Berlin

    20. Juli 2012

    Pet 4-17-07-451-040847

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    Begründung

    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne, an den Menschen als Angehörigen eines ethnoreligiösen Kollektivs, …

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

    Im Oktober 2012 reagierten Politiker, die sich zwei Monate später mehrheitlich für die Beschneidung aussprechen sollten

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/10/15/307/

    *

  11. Machandelboom Says:

    … Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, Prof. Dr. med. Bernd Tillig …: Auch eine Narkose sei für Neugeborene mit besonderen Risiken behaftet. Selbst ein Mediziner, der eine Narkose vornehmen dürfte, müsste sie also aus seinem Ethos heraus ablehnen. Und Emla-Creme, die bei Beschneidungen zur örtlichen Betäubung mitunter verwendet werde, sei ungeeignet und habe lediglich eine „Alibifunktion“. Tillig kritisierte zudem, dass vor der Verabschiedung des Gesetzes viel zu kurz über dessen Inhalte diskutiert worden sei: „Wir mussten erleben, dass die meisten seriösen Stellungnahmen zu dem Beschneidungsgesetz überhaupt nicht beachtet wurden.“ Rechtssicherheit sei deshalb lediglich für die Beschneider eingeführt worden, nicht aber für die beschnittenen Kinder.

    „Eine Zirkumzision aus rituellen oder religiösen Gründen lehnen wir ab“, bekräftigte der Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. med. Ulrich Fegeler. Beschneidungen ohne therapeutischen Nutzen dürften frühestens nach Erreichen der notwendigen Einwilligungsfähigkeit der Betroffenen durchgeführt werden – nur so sei sichergestellt, dass der Betroffene sich der Tragweite dieser Entscheidung bewusst sei.

    Abschließend kündigte Tillig die Erstellung einer Konsensus-Leitlinie zu diesem Thema an, deren Inhalte zurzeit zusammen mit anderen Fachrichtungen diskutiert würden …

    von: Falk Osterloh
    aus: Beschneidungsgesetz: Ärzte halten an ihrer Kritik fest
    in: Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): A-2460 / B-2171 / C-2091

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/152542/Beschneidungsgesetz-Aerzte-halten-an-ihrer-Kritik-fest

  12. Bragalou Says:

    Die ‚altehrwürdigen‘ kinderfeindlichen und überhaupt menschenfeindlichen Befehlen folgenden eingefleischten (oder so) Wegschneider sind ungerührt, irritiert oder vorhautneidisch, dass die Wissenschaft neben dem Gefurchten Band (ridged band) eine neue Region des intakten männlichen Genitals entdeckt:

    Das frenulare Delta
    ::

    The Frenular Delta
    A New Preputial Structure

    Ken McGrath
    Senior Lecturer in Pathology, Faculty of Health Studies, Auckland University of Technology

    Abstract: Textbooks and papers referring to penile function state that the source of penile sensation is solely the glans and often justify the existence of the prepuce by stating it protects the ‘sensitive’ glans. These statements are contrary to the neuro-anatomical and physiological facts accumulated over more than a century. This study examined the findings of Taylor, et al., that the prepuce is the primary sensory platform of the penis, and describes a new preputial structure.

    http://www.cirp.org/library/anatomy/mcgrath1/

    ::
    ::
    Ins Deutsche dankenswerterweise übersetzt
    bei beschneidung-von-jungen.de

    Dieser Bereich –das gefurchte Band und das Frenulare Delta– besitzt dieselben spezialisierten Nervenenden wie die Fingerspitzen, nur wahrscheinlich 10 Mal so viele, so vermute ich. …

    Wenn nun diese große Anzahl an Nervenbündeln, die jene Nervenendungen versorgen, [im Rahmen der Beschneidung] durchtrennt werden, beginnt die Standard-Reaktion durchschnittener Axone (der „Kabel“ des neuronalen Systems): Die sensorischen Neuronen am Rückenmark müssen versuchen, eine Art von Schadensbegrenzung einzuleiten. Wenn man einen Bereich seiner Haut einschneidet und dabei einige Nervenbündel durchschneidet, versuchen die Nervenzellen sich neu zu verknüpfen – dahin zurückzuwachsen, wo sie ursprünglich waren, und der Prozess, innerhalb dessen dies abläuft, ist wohlbekannt und gut beschrieben: Der Stumpf des Axons bildet Wachstumskegel* aus, mit deren Hilfe [die Axone] nach der Stelle suchen, an der sie ursprünglich verknüpft waren. Der untere Abschnitt des Nervs, von der Schnittstelle aus gesehen, ist natürlich von der Zelle und damit von ihrer Versorgung abgetrennt; Er nekrotisiert und wird schließlich vom Immunsystem weggeräumt und beseitigt. Im Falle einer Operation wie der Beschneidung (wobei ein großes Stück Haut weggeschnitten wird), ist das Zielgebiet, mit anderen Worten: die Nervenenden, zu denen diese Nervenkabel (Axone) ursprünglich führten– jetzt entfernt, deshalb können die Axone ihre ursprüngliche Endungsstelle auch nicht mehr finden: Infolgedessen bilden sich die Wachstumskegel zwar aus, treffen aber gegen ein Narbengewebe (welches sie nicht durchdringen können), und bilden sich entweder vollständig zurück oder vereinen sich zu einem Bündel aus Wachstumskegeln. Und alles, was [solch ein Wachstumskegel] übermitteln kann, sind Schmerzen. Deshalb werden diese als Schmerzneurome des Narbengewebes bezeichnet.

    Die Beschneidung verursacht einen Verlust von rund 50% der Penishaut – unglücklicherweise gerade des wichtigsten Teils der Haut, des funktionalen Endes, nicht der Basis, wo der Schaden geringer wäre. [Die Beschneidung] raubt mehr als 50% der sensorischen Nervenenden des Penis, weil sich diese im gefurchten Band und dem frenularen Delta konzentrieren, welche beide durch eine Beschneidung automatisch zerstört werden. Es ist wahrscheinlich sogar davon auszugehen, dass an die 75% bis 80% des sensorischen Gewebes [durch die Beschneidung] verloren gehen.

    Tatsächlich ist die nächste Entsprechung der Eichel >> die Hornhaut des Auges. Niemand mag es, wenn die Hornhaut des Auges gerieben wird. Wenn man eine Wimper unter das Augenlid bekommt, fühlt man zwar, dass sie da ist, aber man weiß nicht genau, wo sie ist, [und] das ist fürchterlich störend, man will sie sofort beseitigen – Hier handelt es sich genau um die Sorte von Empfindung, welche die Eichel produziert: Du weißt nicht genau, wo die (Empfindung) liegt, weil es nicht gerade ein hochauflösendes System ist, das macht es sehr unangenehm. …

    Nun die natürliche Lösung: Um Nervenschädigung und lebenslange Einbußen an Empfindsamkeit sowie an erotischem Vergnügen zu vermeiden und darüber hinaus diesen eigenartigen Schmerzeffekt mit seinen Folgen zu verhindern, ist die Vorhaut gar nicht erst durchzuschneiden. Einfach in Ruhe lassen! Natürlich hat die Evolution den richtigen Weg gefunden. Jungen kommen jede Minute und jede Sekunde des Tages vollständig mit Vorhaut zur Welt, und sie werden weiterhin mit Vorhaut geboren werden.

    Ken McGrath

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/medizinische-aspekte/anatomie-und-funktion-der-vorhaut/anatomie-und-besondere-komponenten-der-vorhaut/neurologie-der-vorhaut-und-des-penis.html

    ::

  13. Machandelboom Says:

    MOGiS. MOGiS schon wieder.

    ::
    Der zur Grundrechtswidrigkeit und Menschenrechtswidrigkeit des Islamischen Rechts (Scharia; Fiqh) schweigende Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS äußerte sich gestern zu Jungenbeschneidungsfreundin und überhaupt Schariafreundin Aydan Özoguz:

    Integration auf dem Rücken der Kinderrechte?

    Am Mittwoch, dem 29. Oktober 2014, legte die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoguz (SPD), dem Bundestag den 10. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vor.

    Unter anderem nahm sie darin auch Stellung zum Ende 2012 in Kraft getretenen Beschneidungserlaubnisparagraphen 1631d BGB, der Vorhautamputationen ohne medizinische Indikation an minderjährigen Jungen aus jeglichem Grunde dem Erziehungsrecht der Eltern unterstellt hat.

    „Die Beauftragte begrüßt den Gesetzestext ausdrücklich. Sie sieht einen wesentlichen Mehrwert der gesetzlichen Regelung in der Beendigung der Verunsicherung durch die Herbeiführung der notwendigen Rechtssicherheit.

    Die Beauftragte bewertet das Gesetz darüber hinaus als deutliches Bekenntnis der Bundesregierung zur Zugehörigkeit von Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens zu Deutschland sowie zu dem Recht auf freie Religionsausübung. Die positiven Reaktionen der Juden und Muslime auf die nun geschaffene Rechtssicherheit versteht sie insoweit als ein wichtiges Signal.“

    (…) Interessant ist hierbei, dass das Gesetz bei den dafür relevanten Kriterien keine Verbesserung, sondern gar Verschlechterungen mit sich bringt: so war die Einhaltung der Regeln der ärztlichen Kunst bei Operationen schon immer bindend, Ausnahmen davon gab es nicht.

    Diese wurden erst mit dem § 1631d BGB eingeführt, der nun auch explizit die Ausführung einer chirurgischen Amputation eines Körperteils durch Nichtmediziner erlaubt. Wie die im Gesetz geforderte vergleichbare Befähigung in diesem Falle auszusehen hat, bleibt im Dunkeln.

    (…) Es bleibt unverständlich, wie die Bundesbeauftragte das Gesetz begrüßen kann, wenn keine Maßnahmen erkennbar sind, die die von Fachärzten [warum fehlen Namen?] genannten Bedenken [bitte? nur Bedenken, kein klares Nein?] und das dokumentierte Leid von Jungen [falsch, das wächst sich nicht aus, das lebenlange Leid] ausräumen könnten. Es dürfte Frau Özoguz bekannt sein, dass der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bereits mehrfach in Pressemitteilungen auf die unverändert hohen Komplikationsraten hinwies.

    [Leider verfehlt der auf Komplikationen hinweisende Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS das Thema männliche Genitalverstümmelung und sagt an dieser Stelle nicht, dass die Zirkumzision mit der Klitorisamputation FGM Typ Ib zu vergleichen ist und dem männlichen Menschen 10.000 bis 20.000 Nervenendigungen bzw. Tastkörperchen der Typen Meissner, Pacini, Vater-Pacini und Merkel amputiert, die Klitoris hat davon 8.000]

    (…) [MOGiS dünn zur lebenslangen Zerstörung sensitiver Empfindungsfähigkeit, die man lateinkundig fremdwortfein nicht Kaputtmachen oder Zerstörung, sondern „Limitierung“ zu nennen beliebt]

    Ein eklatantes [Wie bitte? Hundertprozentiges Kaputtmachen von Gefurchtem Band und meistens auch Frenularem Delta sowie Frenulum ist für MOGiS nur irgendwie sehr hoch, „eklatant“?] Risiko [Thema verfehlt] hingegen besteht für den betroffenen Jungen: auf Schmerzen, schwere Loyalitätskonflikte, Störungen in der psychosozialen Entwicklung, auf noch über die Amputation der Vorhaut hinaus gehende Schädigungen und Verletzungen, Traumata und lebenslange Limitierung sexuellen Erlebens.

    [Ndiyindoda, jetzt wird es genitalautonom, Deutschlands Jungen sollen ganz offensichtlich in ihr Verstümmeltwerden einwilligen dürfen und dem Aushandeln von Altersgrenzen steht aus Sicht von MOGiS offensichtlich immer noch nichts nichts im Weg, was mit Karl-Peter Ringel und Tatjana Hörnle freilich bedeuten muss, dass auch Deutschlands Mädchen allesamt sagen dürfen: ‚Ngaitana. Ich will beschnitten werden‘. Warum fordert MOGiS denn nicht für Mädchen und Jungen die Null-Toleranz-Grenze mit einem unzweideutigen ‚Keine Beschneidung unter achtzehn!‘?]

    (…) nicht hingegen die betroffenen Kinder. Laut Gesetzestext muss deren Wille nicht beachtet, sondern sich nur mit ihm auseinandergesetzt werden – und das auch nur, wenn das Kind bereits in der Lage ist, diesen überhaupt hinreichend zu äußern [Schwachsinn, ein Minderjähriger kann die lebenslangen negativen sexuellen Beschneidungsfolgen nicht überblicken und ist daher in seine FGM oder MGM nicht einwilligungsfähig]. In der Praxis bedeutet dies, dass auch ein klares Veto des Kindes der Operation nicht zwingend im Wege steht, solange die Eltern dieses zur Kenntnis nehmen und das Kind daraufhin „überstimmen“. All dies lässt den betroffenen Jungen völlig schutz- und rechtlos zurück.

    (…) Da es sich um einen irreversiblen Eingriff in die Intimspäre des Menschen mit lebenslangen erheblichen Auswirkungen auf seine Sexualität handelt, verletzt er den Kern der Menschenwürde und die UN-Kinderrechtskonvention.

    [Aha, die „Auswirkungen“ bleiben „lebenslang“ bestehen. Aber wie sind sie denn bitte? Mit positiven oder negativen „erheblichen Auswirkungen“? MOGiS weicht ausgechnet hier, kinderrechtlich unakzeptabel, einfach aus.]

    http://beschneidung.die-betroffenen.de/blog/Lagebericht-Integration/

    ::
    ::
    Önder Özgeday meint es sicherlich jedenfalls hoffentlich gut und klagt:

    „Grundrechte, Menschenrechte beschließen, aber sie einfach für einige Kinder nicht gewähren!“

    [Schon recht Herr Özgeday, aber dann lassen wir mit Karl-Peter Ringel und Tatjana Hörnle doch einfach auch die Mädchen beschneiden, dann sind alle Kinder gleichbehandelt und ist keine Kindergruppe benachteiligt???]

    [Önder Özgeday stellt die richtige, wichtige Frage, lässt sie aber leider unbeantwortet: ]

    (…) Es heißt oft, Moslems und Juden sollten die Frage von männlicher Genitalverstümmelung unter sich klären. Ist meine körperliche Unversehrtheit in diesem Land also weniger wert, weil ich türkischer Herkunft bin?

    Dann sind meine Grundrechte also Privatsache des Kulturkreises, aus dem ich stamme, bestenfalls ein Zufallsprodukt – und ihre mögliche Verletzung ein Kollateralschaden „gelungener Integration?“

    [Auch Önder Özgeday fordert am gestrigen 30.10.2014 leider nicht: ‚Keine Beschneidung unter 18‘. Eine weitere Chance wurde verpasst.]

    http://beschneidung.die-betroffenen.de/blog/Lagebericht-Integration/

    ::
    ::
    Vor zwei Jahren war Önder Özgeday durchaus eindeutiger, auch wenn man, um nicht erst über genitale Mündigkeit zu diskutieren, die explizite Nennung von achtzehn Jahren bestehen muss, zumal wenn man auf einer Homepage (Erol Özkara. Für Neukölln im Abgeordnetenhaus) kommentiert, deren Besitzer gerade das Jungenbeschneidungsalter von 14 Jahren gefordert hat:

    Jeder, der sich im Erwachsenenalter beschneiden lassen möchte, darf dies gerne tun.

    http://www.erol-oezkaraca.de/2012/10/beschneidung-teil-3/

    Ganz schlimm dort, enttäuschenderweise, ausgerechnet der gut informierte Stefan Schritt (Zirkumpendium), der ohne Not nach etwas Einzelfallbetrachtung und Beratungsgequatsche auch vierzehnjährige oder sechzehnjährige (männliche) Minderjährige in ihre Genitalverstümmelung einwilligen lassen wollte:

    „Ob das mit 14 schon der Fall sein kann, hängt stark vom Druck der Familie auf den Jugendlichen ab, ist aber in Anbetracht der Religions- und Strafmündigkeit mit ebenfalls 14 Jahren als Mindestalter vertretbar, auch wenn 16/18 analog zu Schönheitsoperationen etc. sicherlich besser wäre.“

    Stefan Schritt hätte, ein vergleichbares sensitives Zerstören am weiblichen Körper verteidigend, damals eigentlich auch für das vierzehnjährige oder sechzehnjährige Mädchen das Recht auf eine FGM Typ Ib (Klitorisamputation) fordern müssen. Gut dass er das nicht getan hat, aber jetzt muss die Null-Toleranz-Grenze klar werden: Keine Genitalbeschneidung (FGM oder MGM) unter achtzehn Jahren.

    Schlimm war Erol Özkara 2012, „Zustimmung des Betroffenen (eventuell ab 14 Jahren orientiert an der Religionsmündigkeit).“, bei dem Özgeday und Schritt kommentierten, allerdings blieb Özkara ja ganz im Rahmen des grundgesetzwidrigen Alternativentwurfs des Bundestags.

    http://www.erol-oezkaraca.de/2012/10/beschneidung-teil-3/

    ::

  14. Bragalou Says:

    Terre des Femmes und der 1631d

    Den minderjährigen Menschen, eigentlich hätte die auf Gleichberechtigung pochende TdF von Jungen und Mädchen reden müssen, auf eigenen Wunsch ein bisschen später genitalverstümmeln lassen, findet Deutschlands größte jedenfalls vorlauteste Frauenrechtsorganisation völlig ok …
    ::

    TERRE DES FEMMES befürwortet den interfraktionellen Alternativentwurf, da er das Recht auf die körperliche Unversehrtheit und die Selbstbestimmung von Kindern über ihren Körper stärkt. Er sieht vor, dass Jungen aus nichtmedizinischen Gründen erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr und nur mir ihrer Zustimmung beschnitten werden dürfen – und zwar ausschließlich von ÄrztInnen.

    http://www.frauenrechte.de/online/index.php/presse/pressearchiv/2012/1092-beschneidung-bei-jungen-bundesregierung-schafft-keinen-rechtsfrieden-kinderrechte-sind-menschenrechte-22112012

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    TERRE DES FEMMES unterstützt die von Abgeordneten der Oppositionsparteien eingereichte Alternative zum Regierungsentwurf. Der Alternativentwurf, der im Dezember 2012 im Bundestag abgelehnt wird, hält die Beschneidung erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr und nur durch ÄrztInnen und unter Narkose für zulässig.

    http://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/weibliche-genitalverstuemmelung2/unser-engagement/chronik/1103-ereignisse-aus-dem-jahr-2012

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