025. Integration oder Assimilation?

025

Quo vadis,

Integration?

Von der Integration

zur Assimilation?

Ein Essay von Jacques Auvergne

10. Oktober 2007

Integration oder Assimilation, diese Frage beginnt auch von deutschen Islamkritikern in diesen Tagen neu durchdacht zu werden. Integration, ein Nebelwort, eine als-ob-Veranstaltung und ohnehin bis auf weiteres gescheitert? Ja. Integration, für alle Zeit gescheitert und nun durch Assimilation zu ersetzen? Nein, das jedenfalls meint der Autor. Doch entscheidender ist, dass an hundert Stellen in Europa zu diesem für jede Demokratie überlebenswichtigen Thema gedacht wird. Denn der Fundamentalismus hat sich … globalisiert

Von der Integration zur Assimilation? Eine Herausforderung, wirklich, und festzuhalten ist, das es kein durchdachtes Konzept von Integration gegeben hat, keine Qualitätsrichtlinien, an den man ein eventuelles Scheitern oder Gelingen denn auch diagnostizieren könnte. Ich setze gleichwohl auf den Begriff Integration, vielleicht mit der Akzentsetzung ’offensive Integration’ oder der Forderung ’Integration wirklich wollen’. Hier hat nämlich keiner etwas gewollt. Alle waren so unschuldig. Doch, die Islamisten, die wollen was.

Das Fremde (in sich) ehren

Assimilation erscheint mir als ungünstiges Wort für ein Konzept der sozialen Schadensbegrenzung. Wir vertragen einige Chinatowns, einige Bahá’í-Tempelchen und etliche Taoismus- oder Dalai-Lama-Kongresse. Assimilieren, 100%ig konsequent, hieße möglicherweise ja: Legt diese Traditionen ab. Ich denke, dass eine starke Demokratie ’’Subkulturen’’ sehr wohl tragen kann – und soll. Die Punker, Burschenschafter, ATTAC-Aktivisten und Pfadfinder sind auch Subkulturen. Assimilation hieß 1933: ’Neudeutschland’ und ’Wandervogel’ haben sich sofort aufzulösen und der Staatsjugend einzugliedern – auch derart wurde Deutschland zur geistigen Wüste jeder Diktatur. Wir aber sollten uns eine plurale Gesellschaft wünschen, und das heißt immer auch ein wenig an ’Wagenburg Familie’, an ’subversivem Orden’ oder an ’undurchschaubare Studentenvereinigung’ zulassen, ertragen. Auch ein paar Tempelchen fremder Religionen kein Problem sein müssen. Radikale Assimilation hingegen will das (immer neue) ’Fremde’ vernichten. Der radikal assimilierende Nationalsozialismus fand das ’Fremde’ … Behinderte, Juden, entartete Künstler, Zigeuner, gleichgeschlechtlich L(i)ebende, Feministinnen.

Das Fremde hassen – auch das Fremde in sich selbst. Eine durchaus sehr islamistische Spezialität übrigens. Freilich auch eine nationalsozialistische.

Und doch ist die Forderung nach (relativer) Assimilation eine Herausforderung. Im Englischen und Französischen bedeutet similar, similaire ’ähnlich (geworden)’, und eben dieses können und müssen wir Europäer den eingewanderten Muslimen in einem noch zu wenig durchdachten Maße abverlangen, sich dem Common Sense oder der Britishness, sich dem ’bundesrepublikanischen Spirit’ anzuähneln. Doch haben wir so etwas überhaupt, ’bundesdeutschen Geist’? Wo identitätshassende Jugendliche die Parole (geleugneten Selbstzweifels) „Nie wieder Deutschland!“ an die Mauer malen?

Deutsche Identität gibt es auch von ’links’. Oder eben nicht, dann aber fehlt auch ’linke Identität’. Nun ja.

Das alte Europa wird die Scharia bekämpfen müssen, wenn seine Städte und Dörfer demokratisch bleiben sollen.

Vielleicht hilft das Gleichnis des Mosaiks ein wenig weiter (wir können ja nur in Strukturen, in Topographien denken).

Mosaik ist dann in Beiderlei vorzufinden, a) in der pluralen Gesellschaft, b) in der komplexen Identität des einzelnen Staatsbürgers. Wir fordern, dass der Fundamentalist in seine Seele ein paar Mosaiksteinchen Säkularität wie Meinungsfreiheit einbaut, wir müssen verlangen, dass der Somalier oder Pakistani hier nicht 100%ig nach der Scharia lebt oder seiner Tochter fromm die Klitoris herausschneiden lässt – insofern ja, ein ganzes Stück weit müssen wir die Scharia-Muslime assimilieren.

Integration: Wer integriert hier wen und wohin … gründlich geklärt war der Begriff der Integration leider nie. Von Alice Schwarzer, Ralph Giordano, Arzu Toker und neuerdings nun auch Günther Wallraff abgesehen haben Deutschlands ’linke’ Intellektuelle darin grandios versagt, der orientalischen mysogynen Theokratie eine erarbeitete demokratische Identität entgegen zu setzen. Die Achtundsechziger wollten mal etwas, doch das ist ihnen irgendwie verloren gegangen. Um sich diesbezüglich nicht besinnen zu müssen, verehrte man eilig den eher zufällig angekommenen Fremden. Auch wenn dieser ein orientalischer Antisemit und Muslimbruder war.

Ja, es wurde jahrelang (gut verdient und) mit einem nebulösen Begriff jongliert, dabei so mancher Bock zum Gärtner gemacht wie im Falle des islamischen Religionsunterrichts in Berlin.

Andere bemühten sich nach Kräften, die Freiheiten der offenen Gesellschaft, der kulturellen Moderne zu verspielen, indem sie dem Scharia-Islam zuarbeiteten, die Pro-Kopftuch-Fraktion unserer Soziologen und ’Migrationsforscher’ etwa.

Und wenn es die offene Gesellschaft ist, die sich transatlantisch, australisch und japanisch seit 1945 so zaghaft entwickelte, in Deutschland etwa der Traditionslinie Bauhaus, Reformpädagogik, Totalitarismuskritik folgend, dann ist mir das Wort und die Forderung nach einer Assimilation der orientalischen Freunde von ’Gottesstaat & Gotteskrieg’ sehr recht.

100 Jahre Kalter Krieg

Der entwicklungsbedürftige Islam selbst wird niemals mehr irgendeinen Teil der Erde verlassen – das bringt die totale Globalisierung mit sich. Ein etwaiges ’Islamverbot’ würde uns zerstören, man denke an die Doktrin der Sprach- und Folklore‑Verbote der Herren Franco oder Atatürk, die dann nämlich ETA und PKK mit auf den Weg verhalfen. Es bleibt uns nur den Islam kennen zu lernen, ihn ebenso zu kritisieren wie säkular einzugrenzen.

Eine der Hürden bei der Integration des Islams in ein demokratisch bleibendes Europa ist Altruismus, Masochismus und Gutmenschelei, die andere ist der christliche Fundamentalismus der Evangelikalen und Kreationisten.

Gegen die Scharia müssen wir geistige Waffen schärfen. Es gilt, jeden Tag Farbe zu bekennen gegen das islamische Religionsgesetz, täglich sich klar machen: Keinen Fuß breit für die brutale Scharia, die jeden zum Sklaven nimmt, zuerst die muslimischen Menschen selbst. Die sensibleren oder / und intelligenteren Muslime sind doch längst auf unserer Seite. Rot / Grün spricht bloß zu geringschätzig von Prof. Bassam Tibi und von der Soziologin Necla Kelek, das ist das Problem.

Das Thema Scharia-Islam ist sehr ernst. Zum Glück aber ist das bereits Vielen klar.

’Hundert Jahre Kalter Krieg gegen den Scharia-Islam’ fordert Ibn Warraq. Es muss ein demokratischer, ein geistiger Kampf sein, ein Kampf (weitgehend) ohne Panzer und Gefängnisse. Er wird Einiges an Anstrengung erfordern. Die einstigen Strategien der Kreuzritter und Kosaken bringen wohl nichts, wir können Terror nicht mit Terror bekämpfen.

Der Zen-Buddhismus bedroht uns nicht, auch nicht Baghwan oder das Neuheidentum. Der derzeitige Islam ist der Totalitarismus des 21. Jahrhunderts. Das haben weltweit bereits viele erkannt.

Er kann gewonnen werden: Ein Jahrhundert kalter Krieg!

Als eine ’persönliche Spiritualität’ ist Islam – für reife Persönlichkeiten – mit der Moderne durchaus verträglich. Als das, was Islam seit 1400 Jahren ganz überwiegend ist, nämlich als sexualpolitisches Kartell, als Quasi-Rassismus der Dhimmitude und als System der Zwangsverheiratung und Frauenentrechtung, ist er mit Europa nicht kompatibel.

Islam bedeutet: Gefängnis Familie

Noch ein paar Jahrzehnte relatives ’Nebeneinander’ (Giordano), das wird unvermeidlich der Fall sein. Die Wagenburgen der Familiengefängnisse mit allen ihren Denkverboten, Prügelstrafen und arrangierten Ehen lassen sich nicht in wenigen Jahren auflösen. Die geradezu volkstümlichen neurotischen Ängste vor Höllenstrafen, Unreinheit und Verunreinigung nicht weniger. Die traditionelle islamische Frauenverachtung sicherlich am wenigsten, Alice Schwarzer spricht vom ’Männlichkeitskult’.

Wenn weiterer Hunderttausendfacher Zuzug von muslimisch geprägten Menschen für, vielleicht, ein Jahrzehnt verhindert werden kann, dann sollte das selbstverständlich und ’sehr egoistisch’ geschehen.

Ein weiteres Problem: Wir Demokraten & Menschenrechtler erreichen womöglich weder Köpfe noch Herzen der in den Parallelgesellschaften aufwachsenden Jugendlichen, und diese Menschen müssten bzw. werden dann aus Konformitätsdruck, aus Frömmelei oder aus frauenverachtendem Machismus den Radikalen folgen. Sie würden dann wiederum sehr darauf ’abgerichtet sein, dressiert sein’, die Lebensform Demokratie zu verachten – und zu vernichten.

Integration – zur Abwechslung, zum ersten Mal ernst meinen?! Das ist mein Vorschlag. Unsere Integrationsbeauftragten, Dialogreferenten oder Migrationsforscher in Staat, Partei, Kirche, Wohlfahrtsverband oder Stadtrat, die aber müssen wir, sicherlich mehrheitlich, auswechseln. Sie wissen nicht, was sie da tun sollen. Und wir konnten es ihnen bislang noch nicht einmal sagen.

Jacques Auvergne

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