011. Der Koran und seine ’satanischen‘ Verse

011

Islam braucht Kritik. 2. Themenkreis

Spott unerwünscht, Gott ließ notieren

Der

Koran

Die drei ehrwürdigen Feen-Kraniche oder

die Achillesf-v-erse des Qur`an

Jacques Auvergne

Verse. Dabei geht es, recht unabhängig von Rushdies herrlichem Roman, nur um eine winzige Stelle des Korans, um ganz wenige halbe Sätze.

Eine Stelle innerhalb der 53 Sure “Der Stern“, die in üblich unklaren Worten das Verhältnis vom neuen monopolistischen Allah-Gott zu den drei Stadtgöttinnen von Mekka, al‑Lat, Manat und al-Uzza beleuchtet, wie at‑Tabari um 900 n. Chr., mithin etwa gute eineinhalb Jahrhunderte nach der Hidjra-Flucht erklärte. Historisch interessant, zeitgebunden, und allein hier liegt brisanter Zündstoff, denn ein zeitgebunden-weltlicher Kontext ist in einem Buch überflüssig, dessen ’Kopie seit aller Zeit im Himmel liegt’, wie der Koran sich andeutet.

Die Kaaba war vor Mohammed da. Die drei Göttinnen der Stadt waren da. Andere arabische Siedlungen hatten uralte Götterpärchen oder auch Götterdreiheiten mit einem männlichen Gott (Hubal und wohl auch mal der ein oder andere Allah). Heilige Felsen oder heilige Akazienbäume waren Sitz dieser Orts- oder Stadtgottheiten, in Mekka ein gewisser schwarzer Meteorstein. Animismus, Fetische und Mythen. Polytheïsmus pur.

Welchen Status aber sollten die drei Glücksbringer Mekkas künftig haben? Und nun, so der frühmittelalterliche at‑Tabari und viele andere eben bis zum modernen Rushdie, käme der Verwirrungsversuch des Iblis-Teufels ins Spiel. Uns Abendländern eventuell symbolisch der ’Verführung des Jesus in der Wüste durch den Teufel’ vergleichbar, einer eher marginalen und auch nur wenig bekannten Stelle des Neuen Testaments.

Der bis auf die Sicht der weiseren Sufi-Mystiker in der Ausdeutung einer islamischen Orthodoxie auf himmlisch-glasklare Perfektion wert legende Koran hat hier in wenigen Halbsätzen und in den auf sie bezogenen Überlieferungen jener angeblichen “Korrektur am Folgetag“ einen Punkt der Angreifbarkeit. Damit aber wurden die Verse sozusagen als zur ’Achilles‑Ferse des Koran’. Das allein bereits, der ’Fingerabdruck des Teufels’ im noch unfertigen Heiligen Buch des Islam könnte die Wut erklären, die seitens islamistisch‑radikaler Brandstifter bis zum Tötungsaufruf gegen den modernen Schriftsteller reichte.

Wobei die weltweit randalierenden Rushdie‑Gegner sicherlich Rushdies phantastischen Roman gar nicht erst gelesen hatten und aus Konformitätsdruck mit johlen.

Die Fähigkeit vieler Muslime im Vergleich zu derjenigen von Angehörigen aller anderen Religionen und Kulturen sich als ’bedauernswertes kleines Opfer’ zu stilisieren scheint nahezu unbegrenzt. Diese taktisch dosierte Larmoyanz kann auch mal unter Iham (sunnitisch) bzw. Taqiyya (schi’itisch), gottgefälliger Verstellung verbucht werden, wenn auch die Angst vor sozialer, vor allem großfamiliärer Ausgrenzung im Vordergrund stehen dürfte. Taqiyya heißt: lügen für Allah.

Hätten die drei weiblichen Gottheiten, zu denen Mohammed als frommer polytheïstischer Araber mit seinen Großeltern noch brav gebetet haben dürfte, in der künftigen Politreligion Islam höchste Halbgöttinnen oder göttliche Feen sein können, ehrwürdige kranichgleiche Engel? Der Teufel habe dem Propheten eben dieses eingeflüstert. Am nächsten Tag jedoch flog der Schwindel des Satans auf, und der Engel, später dann zumeist für Gabriel gehalten, stellte den Betrug klar.

Jacques Auvergne

6 Antworten to “011. Der Koran und seine ’satanischen‘ Verse”

  1. Ibrahim O Says:

    Ich möchte Sie nicht persönlich angreifen, es tut mir aber in der Seele weh, wenn Sie schreiben „es gab wohl den einen oder anderen Allah“ Ich bin Muslim. Ich bin zum Islam konvertiert.

    Die Bibel sagt: (Der Teufel führte Jesus in die Wüste und bot ihm alle Herrlichkeit und allen Reichtum der Welt, wenn er ihn anbeten werde)
    SATAN BIETET GOTT DIE HERRLICHKEITEN UND DER LEBENDIGE GOTT SCHREIT AM KREUZ HILF MIR ?) Auch für uns ist Jesus ein Prophet aber Sie sollten sich doch bitte erst einmal mit allen Unstimmigkeiten der Bibel auseinandersetzen, bevor Sie den Islam als lächerlich darstellen.

    Ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute und hoffentlich finden Sie den Weg, Friede mit Ihnen.

  2. Jacques Auvergne Says:

    Sehr geehrter Herr Ibrahim O,

    fern liegt mir die Absicht, mit meinen islamkritischen Worten Menschen und damit auch muslimische Menschen persönlich zu beleidigen. Viele meiner Nachbarn oder Kollegen und wenige meiner Freunde gehören dieser Weltreligion an. Ich bin schon vor knapp dreißig Jahren mit jungen Türken zur Schule gegangen wenn auch leider ein religionskritisches Gespräch mit guten 99 % dieser Muslime nicht sinnvoll möglich ist.

    Dass der Rest der Welt ein Problem mit dem traditionellen Islam und dem politischen Islam hat muss allerdings angesprochen werden.

    Die Bibel ist ein Blumenstrauß voller Widersprüche, gerade ihre Unlogik und Unperfektion macht sie menschlich. Sie stammt für säkularisierte Christen eben nicht von einer imaginierten Gottesfigur sondern versammelt Spuren des Denkens, Leidens und Erlebens von Hunderten von ebenso idealistischen wie fehlbaren Menschen zu einem Buch der Sorgen und Hoffnungen, der Visionen und Neurosen, zu einem halbwahren Geschichtsbuch. Für den nur in wenigen Jahrzehnten entstandenen sowie im Schnitt für den ein Jahrtausend jüngeren Koran gilt im Prinzip dasselbe.

    Ein Propheten- und Gottesbild symbolischer militärischer Unbesiegbarkeit wie das des Islams scheint gerade die heutigen Jungen und die Männer eher zur Mitleidlosigkeit und zum Sadismus zu erziehen. Die militärische Niederlage des symbolisch leidenden Jesus lässt heutige Menschen ihr alltägliches großes und kleines Scheitern vielleicht gefasster betrachten.

    Der Koran, sehr geehrter Herr Ibrahim O, ist nicht von einer Gottheit aufgeschrieben oder diktiert worden. Der Koran, und dass zu benennen trauen sich immer mehr Muslime auf der ganzen Welt, wiederspiegelt das Sittenverständnis und die Machtpolitik der Arabischen Halbinsel der Zeit vor 1.400 Jahren sowie die seelischen Spannungen des vaterlos aufgewachsenen Mohammed. Insbesondere das in Koran, Sunna (Hadithen) und Scharia gleichsam eingefrorene Frauenbild als spaltende (fitna) defizitäre und dumme Verführerin (‚awrah) ist entmenschlichend und menschenunwürdig. Damit freilich auch die krampfhaft siegreiche, dauergeile Männer-Rolle. Ich erhoffe mir bei Ihnen ein Erkennen der Lächerlichkeit dieser machistischen und längst veralteten Männer- und Frauenbilder, wie sie noch die Mehrheit der islamischen Geistlichkeit als „pädagogisch wertvoll“ erklärt.

    Die damaligen Menschen der Arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert (oder auch im 6. oder 5. Jh.) waren nicht besser oder schlechter als wir Europäer es heute sind. Geschichte verdient stets unseren tiefen Respekt. Sie als Konvertit zum Islam sollten allerdings nach den Opfern der Islamisierung der jeweiligen Territorien fragen. Verteidigen Sie etwa das sakrale Kastensystem der Dhimma (Dhimmitude)? Dann tun Sie das laut und öffentlich, das trüge zur Klärung des Konflikts zwischen Demokratie und Scharia nutzbringend bei.

    Die ebenso physikalisch nichtreale wie kollektiv erwünschte Figur Allah (psychischer Realität) ist in der Tat aus verschiedenen maskulin gedachten Gottheiten zusammengeschmolzen worden. Mohammed nahm dazu gewaltige Anleihen bei der jüdischen, christlichen, gnostischen und altarabisch-polytheistischen Religion. Gerade auf Mekka und sein Umland bezogen war die Errichtung des Islams eine Minus-Rechnung, eine Subtraktion: Der Pantheon, der Plural der Göttinnen und Götter wurde reduziert, der Meteorstein konnte in der Kaaba verbleiben: Der erwünschte wie verehrte unsichtbare Gott Allah blieb übrig. Eineinhalb Jahrtausende zuvor ist der jüdische monotheistische Gott El/Jahwe ähnlich aus Polytheismen (Baal-Ammon; Verbot der Göttin Aschera) erwachsen, theokratische jüdische Orthodoxe hören das aber erklärlicherweise nicht so gerne. Ein wichtiger männlicher Gott der Araber war Hubal. Allah ist die männliche Entsprechung zu al-Lat, „die Göttin“, einer der drei Göttinnen der Stadt.

    Wir können und wir brauchen nicht „mit dem Rotstift“ an die heiligen Schriften der Menschheit heran gehen. Diese, Tora und Talmud, Veda und Bhagavad-Gita, Tao Te King und Koran, Edda und Kalevala, Odyssee und Ilias sowie die christliche Bibel, sie alle sind ein kostbarer Schatz und gehören zum kulturellen Erbe der immer mehr zusammen wachsenden Welt.

    Zehn Prozent der Worte des Korans, den ich seit langer Zeit sehr gut kenne, finden mein Wohlwollen, neunzig Prozent muss ich als Demokrat, als Jugenderzieher sowie als künstlerisch und mythologisch geschulter Mensch sehr ablehnen.

    Pflegen Sie Ihre ganz persönliche Religion. Entdecken Sie Ihre ganz persönliche Religion, immer wieder neu, immer wieder anders.

    Es ist in einer säkularen Demokratie möglich, den Islam als lachhaft darzustellen, diese Möglichkeit sollten Sie als gläubiger Muslim mit uns Islamkritikern (christlich, atheistisch, muslimisch, jüdisch) verteidigen helfen.

    Der bisherige Islam hat nahezu jedes freie Denken und nahezu jede sexuelle Selbstbestimmung zerstören helfen. Das aber ist einer Religion unwürdig. Der derzeitige Islam windet sich schmerzverrenkt in einer gewaltigen Krise, und aus beleidigt spielender Furcht vor Veränderung lässt er es zu, dass radikale Muslime weltweit etwa den koranisch wie schariatisch begründbaren Mord an Apostaten kultivieren oder, um Ihr Wort „lächerlich“ aufzugreifen, die Demokratie der Lächerlichkeit und sogar dem Hass preisgeben gegenüber einem herbeigesehnten Gottesstaat.

    Zur Lösung der Weltkrise Islam, der globalen Islamproblematik, des weltweiten Islamproblems müssen alle etwas beitragen, nicht zuletzt die Muslime selbst. Nebenbei scheint mir der christliche Kreationismus, der Angriff etwa nordamerikanischer Evangelikaler auf die Ideengebäude von Charles Darwin und Sigmund Freud ein Risiko zu sein, doch geht die größte Bedrohung der offenen Gesellschaft und des freien Denkens vom derzeitigen Islam aus. Im Klartext: Von Ihrer persönlichen neuen wie persönlich erwählten Religion! Ob Sie sich dazu jemals werden bekennen können?

    Das würde mich sehr freuen, und wenn Sie dann sogar – oder: Gerade, bewusst – immer noch bekennender Muslim wären, dann würden Sie meinen besonderen Respekt verdienen. Möglicherweise benötigen Sie allerdings zu diesem Zeitpunkt Wachmann und Bodyguard, um nicht von glaubenseifrigen Mitmuslimen verprügelt zu werden. Andere haben sich nach der soundsovielten Morddrohung einen handlichen Schraubenzieher ausgeliehen. Für das Klingelschild. Zum Abschrauben.

    Der nichtmuslimische Teil der Welt sagt bisweilen bereits ebenso „Nein!“ zum totalen und totalitären Anspruch des Polit-Islams auf die Weltpolitik wie erste islamkritische Muslime selbst etwa die persönlichkeitsverzerrende Jungen- und Mädchenerziehung der islamischen Alltagskultur in Frage stellen.

    Im Charakter wie in der Religiosität ist jeder Mensch ist ein wenig anders. Als Bürger müssen wir Demokraten jedem Menschen gleiche Rechte zugestehen, sogar, und dass muss man den meisten derzeitigen Muslimen erfahrungsgemäß jeden Tag sagen: sogar Frauen und Ungläubigen. Eine Weltanschauung nämlich, die Ungläubige, Homosexuelle, Atheisten oder unverschleierte Frauen als sittlich minderwertig betrachtet hat wie es der traditionelle und der auch der radikale Islam nun einmal tun, bedroht die säkulare Gesellschaft. Mögen Sie einen Islam leben, der den demokratischen gesellschaftlichen Frieden nicht gefährdet.

    Ich wünsche Ihnen und ich wünsche mir eine eigenwillige und eigensinnige Religiosität, die unserer Einzigartigkeit ebenso gerecht wird wie unserem leiblichen und seelischen Heilsein und Heilwerden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jacques Auvergne

  3. alime Says:

    Hallo Jacques Auvergne,

    ich finde es äußerst gewagt, als Nicht-Gelehrter und Nicht-Muslim solche Thesen im Internet zu verbreiten. Mir scheint es so, als sei es zu einem modernen Trend geworden, den Islam blind anzugreifen. Erschreckend ist es jedoch, dass dies mittlerweile auch von Dilettanten und Polemikern betrieben wird. Welche Absicht verfolgen Sie, Jacques Auvergne, dabei?

  4. Jacques Auvergne Says:

    Guten Tag Alime.

    Vielen Dank für Ihre Wortmeldung auf diesem Blog unter Baustein 011 zur Entstehungsgeschichte des Korans. Inhaltlich haben Sie leider bislang auf eine persönliche Aussage zur Religionsgeschichte der arabischen Halbinsel verzichtet; Sie bleiben eingeladen, das bei nächster Gelegenheit einmal zu tun.

    Auch Muslime haben ein Gehirn und können selbst denken, man soll es manchmal nicht für möglich halten. Leider werden Muslime immer noch von ihren Mitschwestern und Mitbrüdern kontrolliert und gegängelt und moralisch erpresst. Sagen Sie “Nein!” zu der der beschämenswerten Hackordnung des Erpressens und Erpresst-Werdens, die den derzeitigen so genannten Islam vielerorts beherrscht.

    Hier nämlich verläuft die von uns Staatsbürgern zu treffende Unterscheidung zwischen kultureller Moderne und kultureller Vormoderne. Meine Absicht ist es, muslimisch geprägten Menschen die traditionellen, die in vielen islamisierten Familien wie auch in vielen islamisierten Weltgegenden recht gewaltsam antrainierten Fesseln und Denkverbote aufbrechen zu helfen. Dabei nehmen Alime und Jacques Auvergne nun vorübergehend die Rolle von rhetorischen Gegenspielern an, was auch für unsere Leser zu einem Erkenntnisgewinn beitragen wird und insofern sowohl für die öffentliche Islamdebatte als auch für die Integrationsdebatte einigem Interesse ist.

    Es gab Jahrhunderte, in denen, ob im alten Griechenland oder im frühneuzeitlichen Europa, eine jede Kritik an den Göttern bzw. an Gott zur sozialen Exklusion führte wenn nicht zum Tode. In dieser Realität steckt der real existierende Islam heute noch weltweit, weshalb Geistesfreiheit oder Religionskritik zwischen Marokko und Madagaskar nicht gegeben ist.

    Dies ist ein Blog der Islamkritik, nicht der blinden Islamophilie. Hier landen schon mal siebenjährige deutschtürkische Mädchen auf Suche nach einer Fatwā oder Lebenshilfe, die ich anständigerweise an Wikipedia verweise. Wer sich für älter als vierzehnjährig ausgibt bekommt auf dem Blog Sägefisch allerdings Islamkritik vom Feinsten. Auch Sie, Alime, scheinen mir das Alter der Religionsmündigkeit erreicht zu haben. Tja, jetzt geht`s also ans Denken, die kindgerechte Phase des Nachplapperns ist
    vorbei.

    Papageien können ein Glaubensbekenntnis ebenso runterleiern wie einen obszönen Fluch. Erwachsene Menschen gereifter persönlicher Religiosität sind indes keine Papageien. Der taqlīd تَقْليد , die wiederholende Routine, die simple Imitation, der taqlīd ziemt sich für Halbwüchsige, nicht für Alime und auch nicht für Jacques Auvergne.

    Schari’a-Islam und Fiqh-Islam gehören ins Museum für antike Sozialstrukturen. Dass Sie, Alime, den Ausdruck “Nicht-Gelehrter” verwenden, sicherlich mit Bezug auf arabisch عالم ālim (Plural علماء Ulamā oder Ulemā), lässt mich ahnen, dass Sie dem Ansinnen der Irshad Manji (project ijtihād) skeptisch bis fassungslos gegenüberstehen. Das aber ist eine der Dimensionen, die die Krise des derzeitigen Islam ausmachen, bei katastrophalen Folgen für die nicht nur muslimischen Individuen.

    Ijtihād – selbständiges Denken – ist seit einem runden Jahrtausend nicht zugänglich. Stattdessen kriechen ‘sich muslimisierende’ bzw. zwangsmuslimisierte Individuen sklavisch zu den “fatwaproduzierenden Milieus”. Mit solcher geistigen Kriecherei aber wird sich Ihr und mein Gott nicht abspeisen lassen.

    Muslime müssen und werden erkennen, dass der Schari’a-Islam sowie der Fiqh-Islam nicht nur inkompatibel ist zur kulturellen Moderne sondern geradezu gotteslästerlich. Ich empfehle Ihnen als Lektüre Irshad Manji und Wafa Sultan, im Deutschen Bassam Tibi und Ümmühan Karagözlü.

    Menschen können ganz bewusst eine Religiosität haben und kultivieren, sie sollen es nach meiner Auffassung sogar. Es geht um Qualitätskriterien des Religiösen. Ein Dschihadist wie Mohammed Atta ist kein frommer Mensch sondern ein verblendeter seelischer Krüppel, das heißt ein Mensch, dem Wesentliches fehlt. In meinem Bekanntenkreis habe ich mehrere muslimische Frauen und Männer, die mir hier gänzlich zustimmen. Viele von diesen aber haben sich einen Schraubendreher ausleihen müssen. Zum Abschrauben des Klingelschildes.

    Bekennen Sie sich zur säkularen kulturellen Moderne, bekennen Sie die Apostasie-Erlaubnis für jeden muslimischen Menschen und bekennen Sie den dezidierten Verzicht drauf, in Europa die (als Doktrin unveränderlich-ewige) Scharia umzusetzen. Bekennen Sie die grundsätzliche Unbrauchbarkeit der ahadīth und fatāwā (der Fatwas und Hadithe). Sie würden damit, Alime, etliche ihrer flachen Freunde verlieren und ganz wenige treue Freunde neu gewinnen. Es ist ein schmaler, steiler und steiniger Weg, den zu gehen ich Ihnen da vorschlage.

    Den ich vorschlage, ich, aus der Sicht von Fundamentalisten ein Nicht-Ulamā, Nicht-Gelehrter. Doch seit Jahrhunderten sind die meisten brauchbarsten Gelehrten jedenfalls Menschheitslehrer des entwicklungsfeindlichen und folgerichtig kulturell rückständigen Islam keine Muslime oder sind manchmal Ex-Muslime. Es gibt sehr wohl auch reife, weise Muslime, deren Namen in diesem Brief genannt sind, deren heilsamer Wirkung Bloggerin Alime sich allerdings bis heute erfolgreich zu entziehen gewusst hat.

    Entdecken Sie, erstens, in den folgenden Jahren ihren ‘inneren Ulamā’. Werden Sie zweitens Islamkritiker. Beides ist ohneeinander nicht denkbar.

    Wege zu und in einer persönlichen, eigenartigen und eigenwilligen Spiritualität zu finden und zu beschreiten, das ist der Auftrag Gottes an Sie und an mich. Als muslimischer Endverbraucher aber bei der islamischen Obrigkeit um eine Fatwa zum Klingelton seines Mobiltelephons zu betteln oder, wie der australische Scheich Taj El-Din Hamid Hilaly es tat, in einer Predigt modern gekleidete Frauen als Köder und Katzenfutter zu benennen und damit zur gottgefälligen jedenfalls ‘naturgemäßen’ Vergewaltigung freizugeben, das beleidigt jeden sittlich anständigen Gott, also hoffentlich auch den Ihren.

    Ich möchte Sie nun höflich bitten, auf die dargestellten Inhalte des Texts 011 “Der Koran (…)” einzugehen: Wie sehr ist das seelisch lebenslang leidende weil vaterlose Waisenkind Mohammed von Zoroastrismus, Judentum und Gnosis/Manichäismus beeinflusst worden, wie problematisch war der Ausstieg des Feldherrn Mohammed aus dem altarabischen Polytheismus? Wie sehr ist der bis heute jedenfalls im interreligiösen Vergleich bizarr oszillierende, “barmherzig-brutale” und “gerecht-sadistische” Gott namens Allah ein psychoanalytisch erklärbares Produkt eines vaterlos aufgewachsenen und ebenso hypersensiblen wie enthemmt-herrschsüchtigen Menschen und welche Folgen hat das für männliche muslimische Gewalttäter in den Zuwanderungsgesellschaften der kulturellen Moderne wie auch für die doch sehr blockierte Demokratisierung der von Nepotismus, Mysogynie und Brutalität geprägten Regionen zwischen Casablanca und Jakarta?

    Im Arabischen ist, wie erwähnt, ālim عالم der Gelehrte. Sie aber nennen sich Alime. Das inspiriert mich zu folgendem Vorschlag und Aufruf: Nehmen Sie Ihren gewählten Namen als Herausforderung zu einem autonomen religiösen Denken. Entdecken Sie Ihre selbst gesteuerte Religiosität in der autonomen Weise eines ālim, eines Gelehrten. Sie haben es nicht nötig, lebenslang taqlīd تَقْليد zu machen, stumpfsinnig zu kopieren und nachzuahmen.

    Beschreiten Sie den unebenen Weg des selbständigen islamischen Denkens, den ungebahnten Pfad des ijtihād اجتهاد.

    Das allein wäre der Pfad zum Wasser des Lebens. Allein das ist der Weg zur Tränke.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jacques Auvergne

    ==================================

    PS:
    Fünf bis sechs Zitate zum unserem
    „Problem: Islam!“ bzw.
    zum Islamproblem:

    „Man muss offen sagen, die Religion des Islam erlaubt die Integration nicht. Ein Muslim darf sich einem Nichtmuslimen nicht fügen. Wenn er in der Diaspora lebt, dann ist das eine Notsituation, und er kann sich absondern. Das besagt die normale Religion und nicht die fundamentalistische Variante.“ – Bassam Tibi, in: FOCUS 29/2005

    „Der Islam ist ein Teich. Und der Teich ist ein stehendes Gewässer. Voll mit Wasser, das nie abfließt, sich nie bewegt, sich nie reinigt, nie zu fließendem Wasser wird, das bis ins Meer strömt.“ – Oriana Fallaci, Die Kraft der Vernunft

    „Nach dem linken Faschismus der Sowjets, nach dem rechten Faschismus der Nazis, ist der Islamismus der Faschismus des 21. Jahrhunderts.“ – Henryk M. Broder im Interview mit Leon de Winter, in: Der Spiegel vom 1. August 2005

    „Ich würde und werde mich öffentlich mit dem Islam nicht beschäftigen. Aus Angst.“ – Hape Kerkeling, Interview in der Zeit Nr. 46 vom 9. November 2006

    „Alle Religionen müssen ihre Fähigkeit stärken, mit Schattenseiten in ihrer Geschichte und Aggressivität in der Gegenwart kritisch umzugehen. Ich habe aber den Eindruck, dass diese Fähigkeit bei islamischen Organisationen bisher nicht sehr ausgeprägt war.“ – Wolfgang Huber, Interview im „FOCUS“ vom 22. November 2004, veröffentlicht bei EKD.de

    Quelle:
    Alle fünf Zitate bei:
    http://de.wikiquote.org/wiki/Islam

    Noch eine weise Erkenntnis eines Demokraten:

    „Auch wenn es die meisten Muslime nicht wahrhaben wollen, der Terror kommt aus dem Herzen des Islams, er kommt direkt aus dem Koran. Er richtet sich gegen alle, die nicht nach den Regeln des Korans leben und handeln, also gegen Demokraten, abendländisch inspirierte Denker und Wissenschaftler, gegen Agnostiker und Atheisten. Und er richtet sich vor allem gegen Frauen.“

    (Zafer Senocak, türkischer Schriftsteller)

  5. alma Says:

    was ich da lese sind am wenigsten versen aus dem koran…bloß viele zitate politisch aktiven menschen.
    über muslime und koran ist wünschenswert zu reden, besonders in dieser zeit wo islam als ein fundament für so populäre achse des bösen angesehen wird. es ist trendy geworden gegen islam zu sein. es ist trendy, jede nachricht, die zu schwarzer chronik gehört und aus traditionell muslimischen länder kommt, als nachweis für böse des islam zu sehen.
    es heißt die freie welt, nicht?!
    als bosnische (sog. weiße) moslemin, die in einem komunistischen land aufgewachsen ist- für welche islam keine selbstverständlichkeit ist- wo wir gerade unterichtet waren die religion sei „opium für die massen“ bitte ich Sie persönlich, als mensch:
    bevor Sie christentum und bibel als blumenstrauß (der perfekt ist weil er eben nicht perfekt ist ) bezeichnen und den koran (und islam) als lüge, unklar, nicht perfekt, werk eines menschen, einen polistischen machtgierigen versuch (das kommt aus Ihrer wörter heraus) nennen-
    bitte, lesen Sie den koran selbst. den koran allein.
    es ist unseres heiliges buch. für uns eben so heilig wie die bibel für Sie, und genau so wie wir vieles in der bibel finden was nicht gerade friedlich und nett ist (wenn wir dannach suchen)-so können sie manches in koran finden. ich habe die bibel gelesen und ihr herz schlägt, meiner meinung nach, in gleichem schritt für den einzigen gott wie herz des korans.
    schön ist es, wie Sie einige schriftsteller aus traditionell angesehen islamischer länder als weise oder genial empfinden, aber diese menschen sind doch so wie Sie oder ich, nur menschen-nicht frei von eigenem ehrgeiz, sehnsuchten, vorurteilen…deswegen verdienen auch Sie eigene meinung zu haben- der koran ist freizugänglich und in vielen sprachen übersetzt.
    es solle leichter sein selbst das kontroverses Buch zu lesen und zu beurteilen, als zuerst die meinung zu bilden,dann ähnlich denkende menschen herauszufinden und ein blog zu errichten.
    so-ich war die reaktion auf Ihr schreiben mir schuldig.
    einige menschen werden durch reaktion anderer nicht zum nachdenken inspiriert…wenn ich nach meiner wörter wieder dasgleiche lese, was Sie schon meiner vorgänger geschrieben haben- ist damit meine angst bestätigt…höffentlich kommt bald jemand, der wirklich daran interessiert ist einen beitrag dem frieden und gegenseitiges verstehen zu leisten.
    verzeihen Sie mir an meiner gramatischen und semantischen fehler, deutsch ist für mich eine fremdsprache.mfg.

  6. Jacques Auvergne Says:

    076
    Quo vadis,
    Bosnien?

    Liebe Alma,

    Sie als eine Kennerin Jugoslawiens und Bosniens haben vielleicht schon von Vesna Kesić gehört, die im völkerübergreifenden Militarismus und Rassismus zwischen Alpen und Ägäis ein gemeinsames Muster zu erkennen glaubt: Das Muster jedes Krieges nicht länger im Kampf ‘Volk gegen Volk’ zu sehen, sondern im Muster ‘Mann gegen Frau, Männer gegen Frauen’. Das ist eine verblüffende, ‘neue’ Perspektive. Als Prinzip jedoch wohl mindestens dreitausend Jahre alt.

    Gemeint ist: Über die Fronten hinweg herrsche Einverständnis unter den Männern, einander als Macho und zugleich als Feind zu ‘würdigen’. Dabei die eigenen Frauen ebenso zu verteidigen vorzugeben wie sie in eine untergeordnete gesellschaftliche Rolle zu drängen. Als Alibi und willkommenes Mittel der Frauen-Disziplinierung diene die gewissermaßen theatralisch inszenierte kriegerische Vergewaltigung auch von Frauen durch die – insofern willkommenen – gegnerischen Truppen (1).

    Eine brutale und perverse Logik. Wenn sie aber stimmt, müssen Menschen aller Völkern und Religionen sie aufdecken, um sie für alle Zukunft zu verhindern. Das wird gerade den Männern besonders schwer fallen, aber auch den Müttern, die diese Jungen und Männer erziehen und aus diesem Kontrast, nämlich nicht männlich zu sein, ihr fragwürdiges Bild von „national ehrenhafter und Gott wohlgefälliger“ Weiblichkeit beziehen. Ein weib-weibliches Konkurrieren, ein Ausstechen Frau gegen Frau liegt noch eine ’seelische Etage’ tiefer, wie sich ahnen lässt.

    Islamischer Dschihad und Vergewaltigung als Kriegswaffe: Seit dem siebten Jahrhundert ist das ein ausgesprochen islamisches Thema. Gott wohlgefällig jedenfalls seinem Propheten, islamisch religiös, islamtheologisch vielfach abgesegnet. Andererseits und um Missverständnissen vorzubeugen hat der Kaufmann, Feldherr und Religionsgründer Mohammed weder den Vergewaltigungskrieg noch den Angriffskrieg erfunden. Doch hat er beiderlei gebilligt, geführt, empfohlen und geheiligt.

    Wiederum hört man Muslime nicht völlig zu Unrecht sinngemäß entgegnen: „Zugegeben, ihr Christen seid theoretisch pazifistisch, doch in der Praxis der Jahrhunderte erwiesenermaßen grausam. Wir Muslime dürfen, das ist wahr, religiös militant sein, jedoch leben wir praktische Toleranz!“ Auch einer modernen Gesellschaft droht durchaus auch ohne Bezug auf religiöses oder historisches Erbe ein nationalistisches Regime (Atatürk, Mussolini, Franco), durch ein nationalistisch-rassistisches (Adolf Hitler, Idi Amin), ein atheistisch-totalitäres (Stalin, Pol Pot) oder ein islamistisch-rassistisches Regime (Dschihad- und Dhimma-Doktrin: Muslimbruderschaft, HAMAS).

    In der Gegenwart der rasanten Globalisierungen spreche man wohl auch angemessener von „asymmetrischer Kriegsführung“ und „low intensity conflict“. Wobei die Frage erlaubt sei, ob in Ost-London oder Stockholm-Södertälje nicht längst „low-intensity-conflict“ vorherrscht oder sogar herrscht und in Bradford, Luton und Amsterdam-Slotervaart die Scharia (2).

    Ein Text der Frauenrechtlerin und Kriegsgegnerin Kesić, leider auf Englisch, analysiert die sexualisierte Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe im schrecklichen Jugoslawienkrieg, der bis heute Millionen Menschen, vor allem Frauen zerrüttet und seelisch verletzt hat und der bis heute selbst mitten im stark von Rassismus und Frauenverachtung geprägten Kroatien den Umgang der Menschen untereinander prägt und vergiftet (3). Wobei der Rassismus (Entführungen von Koptenmädchen, Rechtlosigkeit der Bahá’í) und die Gewalt gegen Frauen (Vergewaltigungen, Verstoßung von „Ehrlosen“, millionenfache schwere Genitalverstümmelung, Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen) im islamisch dominierten Ägypten und die Ferne zu Bürgerrechten in der sich mehr und mehr islamisierenden Türkei wesentlich inhumaner sind als in Kroatien.

    Doch wir sind einer Meinung: Möge Südosteuropa Wege zum dauerhaften Frieden finden. Der politische Islam wird für diesen Weg allerdings ganz selbstverständlich eine große Gefahr bleiben. Das sollten die Menschen in Bosnien laut sagen, so lange sie dazu noch ohne Lebensgefahr imstande sind.
    Hinter dem Militarismus Jugoslawiens liege, so Kesić, eine kaum jemals gänzlich durchschaute Ideologie der Geschlechtsklassen.

    Und auch das Problem des Islamismus und Dschihadismus ist ein ‘Gender’-Problem, eine Frage der islamischen Frauenunterdrückung und des islamischen Männlichkeitskultes, so ähnlich sagte es bereits die weltbekannte Journalistin und Feministin Alice Schwarzer: „Rückzugsgefecht verunsicherter Extrem-Machos“. Denn ob der Gott, der vielleicht die Welt erschaffen hat oder auch nicht erschaffen hat, die irdische „institutionelle Herabwürdigung der Frau“ (Ralph Giordano) als Idealform beabsichtigt hatte, daran zweifeln zunehmend mehr Menschen, auch Gott sei Dank auch muslimische Menschen.

    Die Aufwertung des Mannes auf Kosten der Frau aber ist kein ‘islamischer Betriebsunfall’. Sie ist im – geschichtlich geprägten – Koran für jeden sichtbar angelegt und wurde in hunderten von Hadithen festgeschrieben. Das ist auch mit Blick auf das künftige Südosteuropa wichtig, wenn auch die militärische Haupt-Aggressivität der 90er Jahre von Dikator Milošević ausgegangen war: Wird ein politisch ambitionierter Islam den Balkan prägen?

    In diesen Jahren nämlich rangeln radikale wahhabitische und salafistische Gruppen in Bosnien und Kosovo um Einfluss und schießen mit saudischen Petrodollars finanzierte Betonmoscheen wie Pilze aus dem Boden. Es bleibt zu hoffen, dass die südosteuropäischen Muslime “immun”, nichtanfällig bleiben werden gegenüber diesen hinter den dortigen neuen Moscheevereinen stehenden und eher antidemokratischen Freunden von Gottesstaat (Kalifat) und Gottesgesetz (Schari’a). Vielleicht besteht die Gefahr, dass nach den Schrecken des Krieges, nennen wir die Namen der Orte Goražde und Srebrenica, der radikale Islam als attraktiv erscheint und im Namen der „Gerechtigkeit“ und der „Religion des Friedens“ einen neuen, riesigen, gespenstischen Kerker aufbauen kann.

    Wie oft in der Geschichte haben Menschen einer neuen Freiheitsbewegung hoffnungsvoll zugejubelt, wie oft hat sie sich als eine neue Form der Versklavung herausgestellt. Der politische Islam wird überall da, wo er an die Macht kommt, eine der grausamsten Diktaturen aufbauen, wie gerade auch Muslime aus dem Bespiel des Iran (1979) erkennen sollten. Besorgte Demokraten jedenfalls vermissen glaubwürdige Distanzierung vom Projekt „islamische Gesellschaft“.

    Sie unterschieden, liebe Alma, zwischen „Koran-Worten“ und „Worten politisch aktiver Menschen”. Eigentlich kommt mir diese Unterscheidung entgegen, doch für radikale oder fanatische Muslime sowie für kriecherische Muslime ist Politik und Religion bekanntlich eins. Ich wünschte Muslime wären in der Lage, die Verse des Koran und der Hadithen eben nicht als verpflichtende tagespolitische Leitlinie zu lesen. Doch derzeit hat im Islam leider von zwei Gläubigen der radikalere stets Recht, nicht der eher besonnene, nicht der demokratischere von beiden. So lange sich das nicht ändert, werden auch in den islamisch geprägten Teilen des Balkans wie Bosnien und Kosovo alle säkularen Politiker von ihren radikalen Kollegen „islamisch erpressbar“ bleiben.

    Das historische Christentum war intolerant gegenüber den europäischen Polytheisten wie auch gegenüber allen Kirchenkritikern. Dieser durchaus inhumane Machtapparat aber ist seit Jahrhunderten von autonomen, stolzen städtischen Bürgern in Frage gestellt worden und in Europa seit Jahrzehnten beruflich und privat ohne jede Bedeutung. Bibelkritik ist heute in Europa für jeden Menschen möglich und sogar kirchenseits im Allgemeinen erwünscht. Öffentliche Korankritik ist im Iran, in Indonesien und in Ägypten wohl nicht möglich.

    Der Islam jedoch war und ist eine sehr politische und eine sehr militante Religion. Das brachte und das bringt Probleme für die Muslime … und für die Nichtmuslime mit sich.

    Doch, zu Ihrer Empfehlun, den Koran zu lesen, darf ich sagen: Ich kenne den Koran und Dutzende von Hadithen in mehreren Übersetzungen in mehreren Sprachen und seit nun über 20 Jahren. Und kenne den Koran damit vielleicht besser als die Mehrheit der türkischstämmigen Einwanderer meiner Stadt, die den Islam als Volks-Islam, als Familien-Islam ‘erben’, meist ohne Koran oder Hadithen zu kennen. Zeitgleich habe ich mich mit (größerem) Gewinn mit den Texten der Religionen Süd- und Ostasiens befasst.
    Inzwischen lese ich sogar alte christliche Sachen. Mit Staunen, gelegentlich auch mal mit Abscheu, wobei es wesentlich mehr islamische Texte, Hadithen und Fatwas gibt, die einen auch nur halbwegs anständigen Menschen Ekel empfinden lassen, von den Worten und Taten der Mehrheit der islamischen Würdenträger gar nicht zu reden, die regelmäßig Antisemiten, Homophobe und Frauenhasser sind. Religion sehe ich als etwas grundsätzlich Positives, Nützliches.

    Mir gefallen der Ethnologe Mircea Eliade und der Seelenforscher Carl Gustav Jung ganz gut. Mit diesen beiden oder auch daneben halte ich die uralten Mythen und Märchen aller Völker für echte gottgewollte Ausdrucksformen von Spiritualität und Religiosität, auch wenn ja bekanntlich die neuen ‘Hochreligionen’ immer gegen die älteren Mythen und Volksmärchen gekämpft haben.

    Im Deutschen empfehle ich die Koran-Übersetzungen von Rudi Paret, Ignaz Goldziher und Adel Theodor Khoury. Alle drei stehen vor mir auf dem Tisch. Nun aber zu den drei Göttinnen Mekka, al-Lat, Manat und al-Uzza, denen der kleine Waisenjunge Mohammed mit seinen Großeltern Opfer dargeboten hat wie es sich für fromme alte Araber gebührt. Gerne von Ihnen also: Der altarabische Polytheismus. Ich vertiefe das jetzt nicht, nur das noch: Die Menschheit ist seit Jahrtausenden und Jahrzehntausenden religiös.

    Und die Götter oder auch Gott war damit, meistens, zufrieden. Die Menschheit wird auch bis ans Weltende immer religiös sein (und sich hoffentlich nicht vorzeitig mit Bomben oder Umweltzerstörung vernichten), und die Götter oder Gott werden auch damit, meistens, zufrieden sein.

    Judentum, Christentum, Islam, alle Religionen sind historisch erklärlich und historisch gewachsen und gerade der Islam als die herrschüchtigste Lehre der drei genannten ist keineswegs ‘fitra‘, keineswegs ‘natürliche Veranlagung’. Islam ist, wie jede benennbare Religion, antrainiert und anerzogen oder, seltener, von einem Konvertiten rational gewählt oder auch mal von einem ‘Suchenden‘ eher ‘mystisch erkannt’. Dann gibt es seit ein paar Jahren weibliche Konvertierende, natürlich zum Islam, die andere Richtung ist ganz unerwünscht, die einen netten männlichen salafistischen Marokkaner kennengelernt hatten und angeblich völlig bewusst den Islam wählen und angeblich völlig eigenwillig den Tschador oder gar den Niqab trage.

    Ich achte jeden Menschen und sehe den Menschen als ein zur Religiosität aufgefordertes Wesen.

    Der staatlich verordnete Atheismus unter Stalin und den ‘Sozialisten’ Osteuropas (heute: China) war selbst eine hochnäsige und eifersüchtige Ersatzreligion und wurde der tiefen, bunten, dunklen und geheimnisvollen Seele jedes Menschen nicht gerecht. Religion ist ein Medium und Werkzeug wie die Kunst der Freundschaft oder die Kunst der Sprache eine Brücke zu Menschen und ein Mittel des Ausdrucks ist, jeder ist gefordert, alles drei lebenslang zu entwickeln, Sprache und Freundschaft und Religion.

    Ich kenne Koran, Hadithe, Sunna und … Islamismus und sage: Man kann nicht als orthodoxer Muslim sondern nur als säkularer Muslim ohne große innere und äußere Konflikte in einer Demokratie der Menschen- und Bürgerrechte leben. Der orthodoxe Islam wie auch der neue Islamismus führt jeden Muslim in Konflikt mit Pressefreiheit, negativer Religionsfreiheit, Frauenrechten und Meinungsfreiheit.
    Richtig, was Sie schreiben, vieles in der Bibel ist kriegerisch, arrogant und sogar völlig falsch, so ist das.

    Jetzt fragen Sie mal ‘deutsche Türken’, ob diese sagen können, vieles in Koran und Hadithen sei kriegerisch, arrogant und sogar völlig falsch. 90 %, 99 % von ihnen schweigen, gucken böse und zischen etwas von “Du willst mich wohl beleidigen”. Oder zischen gar nicht sondern schreien Bedrohlicheres und schlagen dem „gotteslästerlichen“ Fragesteller ins Gesicht. Deshalb verkriechen sich Islamkritiker gerne ins Internet.

    Warum aber reagieren viele Muslime auf Kritik derart giftig? Klar, sie haben Angst vor Exklusion, Ausgrenzung. Und sie sind das autonome Denken nicht gewohnt. Idschtihad ist dem ‘muslimischen Endverbraucher’ nicht gestattet, der Qur’an darf nicht kritisiert werden. Das aber ist mittelalterliche Religion, keine moderne Religion.

    Es gab kurzlebige „christliche“ unterdrückerische Gottesstaaten, Calvin in Genf und Savonarola in Florenz etwa, Sittenwächter fast so schlimm wie die afghanischen faschistischen Taliban. Die größten im Namen der Religion verübten Grausamkeiten waren und sind allerdings islamisch, diese Doktrin allein lässt das Töten im Namen der Religion am deutlichsten zu. Naja, wahrscheinlich lässt sich mit jeder Ideologie die Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen erreichen, auch mit einer Doktrin des Stalinismus oder Atheismus.

    In anderen Worten: ich halte Religion, ja, für gefährlich – zugleich bekenne ich mich als ein religiöser Mensch. Wir müssen mit dieser ‘Herausforderung Religion’ umgehen lernen. ‘Gott ist ein Risiko’. Psychologen würden allerdings von konkurrierenden ‘Gottesbildern’ sprechen. Und wir säkularen Menschen müssen die Sprache der Psychologie sprechen, um uns individuell und universalistisch orientierte freiheitliche Handlungsspielräume zu erhalten. Säkulare Schulen müssen lehren dürfen: Gott ‘habe’ die Welt geschaffen (nicht: Gott ‘hat’ die Welt geschaffen).

    Unsere Lexika und Schulbücher dürfen die Doktrin einer Religion, gerade der monotheistischen und da gerade der so machterpichten islamischen, nicht ohne den Vorbehalt der rhetorischen Außenperspektive darstellen.

    Muslime müssen lernen, Polytheisten, Atheisten, Ex-Muslimen, Atheisten, Juden und Buddhisten mit Toleranz und Respekt und Freundschaft zu begegnen. Muslime haben da sehr großen Nachholbedarf, obwohl es sicherlich auch mal intolerante Christen oder fanatische Hindus gibt.

    Globalisierung der Reisemöglichkeiten und des Handels, weltweite Nachrichten und auch mal Flüchtlingsströme: die Religionen aller Welt begegnen einander, das gibt natürlich Erstaunen und auch mal kleine Konflikte. Wir Menschen sollten die Vielfalt der Religionen als Bereicherung sehen, auch die Vielfalt der islamischen Strömungen, von Sufismus bis zur al-Azhar, vom Volksislam bis zu den mittelalterlichen komplizierten Stadtkulturen von Teheran oder Kairo, von Sénégal und von den Berbern bis zu den matristisch geprägten Minang Kabao oder den faschistoiden islamischen politischen Parteien Indonesiens und Malaysias … Islam ist vieles.

    Wir sollten die Religionen studieren. Doch Muslime sollten in Ägypten die Kopten und Bahá’í nicht diskriminieren und zwangsislamisieren und ermorden, im Iran nicht die Zoroastrier, Christen und Bahá’í.

    Wir Demokraten sollen und brauchen die heiligen Schriften der Menschheit nicht zu verbrennen, doch wir müssen sie kritisieren. Ach so, in Deutschland bekommen Sie in jeder Bücherei ganz brauchbare Koranübersetzungen, die Saudis leiden schrecklich, wenn jemand eine Bibel oder einen Text der Buddhisten oder Bahá’í spazieren trägt, Peitschenhiebe sind das Geringste, Gefängnis kann sein, Aufhängen oder Köpfen kam schon mal vor. Polit-Islam.

    Die ‘Lösung’ liegt in der Säkularität, in einer Demokratie, die jede Polit-Religion, gerade auch den Polit-Islam, in die Schranken weist. Radikale Muslime spielen hier aber beleidigt und jammern: “Jacques Auvergne unterdrückt uns und verhindert Religionsfreiheit”. Bekomme ich alle paar Tage.

    Ich empfehle Ihnen, die Texte von folgenden vier säkularen Muslimen zu lesen: Fatma Bläser, Irshad Manji, Bassam Tibi, Ümmühan Karagözlü, sowie sich die Kritik von Wafa Sultan, Necla Kelek und sogar von Ayaan Hirsi Ali und Mina Ahadi geduldig anzuhören. Das sind acht gute Leute, muslimisch dazu, und das Zahlen-Verhältnis ist ganz typisch: “Es steht 7:1″, es sind sieben Frauen und ein Mann. Muslimische Männer sind offensichtlich manchmal die größeren muslimischen Angsthasen.

    Oder aber … die Männer fürchten Macht-Verlust??? Das wird der wahre Grund sein.

    Zugleich erziehen immer noch die meisten muslimischen Frauen ihre Söhne zu frauenverachtenden Machos und ihre Töchter zum Gehorsam. Ich erlebe die ‘muslimischen’ und die ‘nichtmuslimischen’ Erziehungsmethoden jeden Tag. Zugegeben, es gibt überraschende unschöne und sogar schöne Ähnlichkeiten, doch es gibt gewaltige Unterschiede.

    Dschihadismus und Islamismus fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht angeboren, sondern ein Ergebnis der Erziehung der Kleinkinder und Kinder. Söhne zu arroganten Paschas zu erziehen und Töchter zu keuschen Dienerinnen, das soll wohl dem Gott Allah gut gefallen?! Allah muss geduldig mit seinen Muslimen sein.

    Umgekehrt, wenn der Ehemann oder Sohn die Teetassen spült oder den Müll herunterbringt würde man sein islamisches Seelenheil verspielen, seinen Platz im Paradies gefährden?! Allah ist der für engstirnige Muslime der Gott der familiären Enge, der Gott der Geschlechterspaltung, der ‘Gender-Apartheid’. Damit aber kann ein menschenfreundlicher Gott natürlich nicht zufrieden sein, ich bin mir da ganz sicher.

    Diese acht oben erwähnten säkularen Muslime haben Ihnen, liebe Alma, mehr und Sinnvolleres und Menschlicheres zu sagen als die Vertreter der derzeitigen deutschen Islamverbände oder als der bosnische “Reisu-l-ulema Dr. Mustafa efendi Cerić”, Herr Mustafa Cerić, wenn auch diese letztgenannten sich die Deutungshoheit zum Thema Islam zwischen Rhein und Ohrid-See anmaßen und von der Nordsee bis zum Vardar bestimmen wollen, wer oder was muslimisch ist und was nicht. Takfir sagt man in Nordafrika, zum Abschuss freigeben, für ungläubig erklären. Den Zeigefinger des ‘Takfir’ auf sich gerichtet zu sehen kann in „stärker islamischen“ Gesellschaften mein oder Ihr Todesurteil sein.

    Ich hoffe, dass in hundert Jahren Islamkritik nicht mehr ein lebensgefährliches Tun ist. Vorläufig ist es das, nicht zuletzt für Muslime.

    Jene ‘islamischen’ Würdenträger oder/und Polit-Funktionäre, die von Europas Muslimen recht blinden Gehorsam fordern und die langfristig, so befürchte ich jedenfalls, die Demokratie durch eine schariatische-islamische Gesellschaftsform ersetzen.

    Sehr geehrte Alma, Sie können Muslimin sein, natürlich, viele meiner Freunde sind Kinder muslimischer Eltern (ein paar allerdings sind Ex-Muslime). Religiöser Mensch sollen Sie sogar sein, finde ich wenigstens, doch rede ich von einer selbst erarbeiteten, ganz persönlichen Spiritualität, wenn ich mir einen religiösen Menschen vorstelle. Der Fanatiker ist nicht religiös, der nach-plappernde ‘Papagei’ auch nicht.

    Sie können selbstverständlich Muslima sein, aber Sie sollten zugleich Frauenrechtlerin, säkulare Demokratin und damit also eine Islamkritikerin sein.

    Sehr geehrte Alma, was und wen also kritisieren Sie als bosnische Muslima am historischen und am politischen Islam? Wie lässt sich Ihrer Meinung nach die Implementierung von immer größeren Teilen der Scharia in Bosnien verhindern? Kann von den gebildeten oder lernbereiten Menschen um die Flüssen Save, Drina, Bosna und Neretva gar eine Demokratisierung des weltweiten Islam ausgehen oder wird der patriarchalische Pöbel mit Hilfe arabischer Hassprediger selbst diese wenigen Menschen innerhalb der nächsten wenigen Jahre zum Verstummen bringen?

    Droht eine radikale Islamisierung Bosniens und des Kosovo?

    Mit freundlichen Grüßen
    Jacques Auvergne

    (1)
    http://www.olympeheft.ch/seiten/heft14_inhalt.html

    (2)
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,542806,00.html

    (3)
    http://www.eurozine.com/articles/2003-05-09-kesic-en.html

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